Wörterbuch
ABCDEF s.VGH
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b – bächelîn
bächeln – backenknûʒ
backenslac – badekeʒʒel
badekleit – badevolc
badewâc – balde
baldecheit – ballerisse
ballespil – balsamlich
balsammæʒec – balster
balster – banboum
banbrief – banekîe
banël – banierære
baniere – banovære
banoven – banvîre
banvîretac – bar
bar – bârbrët
1barc – barkân
barke – barmecheit
barmeclich – barnen
barnstëcke – bartierunge
bartinc – base
Baseler, Basler – batalieren
batalierre – baʒ
bazân – bebreiten
bebrunzen – bëchswarz
bëchtranc – beckenknëht
beckenkol – bedæhteclîche
bedahtheit – bêdenthalbære
bederben – bediutecheit
bediuteclîche – bedringen
bedröuwen – begâben
begâbunge – bêgehart
begëhen – begesten
begetern – beginst
beginstnisse – begnâdunge
begougeln – begrîflich
begrîflîcheit – behabede
behaben – behalt
behaltære – behebunge
behecken (?) – behëlfen
behëlfunge – behern
behêrren – behœrlicheit
behosen – behülfec
behülfelich – behûsunge
beide, bêde – beierisch
Beierlant – beinîn
beinîsen – 2beiten
beitunge – bejac
bejagen – bekennelich
bekennelicheit – beklage
beklagen – beklipfen
beklocken (?) – bekorære
bekorlich – bekriegen
bekrîen – bekuppeln
bekürn – belderîchen
belëcken – belîbelich
belîben – belle (?)
bellechîn – Belzebub
belzelîn, belzel – 1bemeinen
2bemeinen – benahtunge
benæjen – benedîunge
benediz – benihte
benît – benuomunge
benützen – 2ber
bër – bërcgesworne
bërcgot – bërcphenninc
bërcrëht – berechenen
berechenunge – bereit
bereitære – bërgen
bergîn – beriemen
berieʒen – berillîn
berîmeln – berîʒen
berkel – bernbunge
bërnde – bernzunge
berœsen – berty
berüchtegen – beruofære
beruofen – besæjen
besalben – beschaft
beschaft – bescheiden
bescheiden – 1beschern
2beschern – beschînen
beschirm – beschouwede
beschouwelich – beschuoben
beschuohen – bëseme
bësemen – besideln
besiffeln – besîtes
besitzære – beslieʒunge
beslîfen – besnaben, besneben
besneiteln – besoufen
bespæhen – best
bêst, bêste – beste
bestëchen – bestie
bestieben – bestrîten
bestrouben – besunderbar
besunderheit – beswæren
beswærnisse – bët
betagen – beteidigunge
beteidingen – bëtelorden
bëtelruof – beterminierunge
bëteros – betimbern
betirmen – betrahtegen
betrahten – betriuten
betriuwen – betrüeben
betrüebenisse – bettegegate
bettegëlt – betterise
betterise – betûchen
betüemen – betwengen
betwinc – bevatzen
bevëlch – bevillen
beviln – bevolgec
bevollen – bevür
bevürhten – bewarlich
bewærlich – bewëgen
bewëgen – bewërfen
bewërken – bewirten
bewîselîche – bezâfen
bezaln – bezëmen
bezenen – bezoc
bezoubern – bî
bibe – bibunge
bic – bíderben, bedérben
biderbenen, bederbenen – bî|ein
bîeinander – bierzins
biese – bîgesëʒʒe
bîgestendec – bîhtegen
bîhten – bilchmûs
bildære – bildeslêre
bildesnitzer – billich
billîch – bimʒ
bin – binnen
bînstoc – birden
bir(e) – birnenkërn
birnkumpost – bî schaffen
bîschaft – bisemvaʒ
bisen – bîsorge
bîspël – bît
bitære – bitteric
bitterkeit – biuge
biugunge – biutel|snîdære
biuteltuoch – bî vüegen
bî vüeren – bîzeichenen
bî zëmen – blægen
blâ|gleien|bluome – blandine
blanke – blâst
blaster – blâterkopf
blæterlîn – blëchhantschuoch
blëchrinc – bleichlich
bleichros – bletzelîn
bletzen – bliczen
1blîde – blindecheit
blindeclich – bliuclich
bliuge – blœde
blœdecheit – blüegeln
blüegen – bluombolle
bluome – bluomenzît
bluom|ôsterâbent – bluotgieʒen
bluotgieʒende – bluotspîwunge
bluotstëchære – bluotwurm
blut – bocks
bocksbluot – bogenschuʒ
bogensnuor – 2bolle
bollen – bônwibel
bônwinde – borge
bor|gemeit – (bornütze,) enbornütze
bors, borse – borvërre, enborvërre
borvil – bote
botech – botwar
botwarære – boumen
boumgarte – boumzaher
bovel – bræche
brachen – brâ|hâr
bræhen – branc
brangen – brætelîn
braten – brëche
brëchel – breisier
breit – brenken
brenn-, bern(e)-, birnschatz – brësthaft
brëstlich, brëstenlich – briefbuoch
briefbuochelîn – brieʒen
brî|mel – brîsger
brîsschüechel – briulêhen
briumeister – briutelstuol
briuten – brœdeclich
brœdeheit – brôt
brôtbanc – brôtkouf
brôtloube – bruch
bruch – brückelât
      bruch stM.
      brûch stM.
      bruchbrôt stN.
      brûchec Adj.
      brucheht Adj.?
      brüchel stM.
      bruchelich Adj., Adv.
      brüchen stN.
      brûchen swV.
      bruchhaftic Adj.
      brüchic Adj.
      brûchlîchen Adv.
      bruchnisse stFN.
      brûchnisse stF.
      bruchsilber stN.
      brûchunge stF.
      bruckære stM.
      bruckbrët stN.
      brucke, brücke stswF.
      brückelât stN.
brückelîn – bruckslac
bruckwëc – brûne
brûnen – brünneholz
brunnekîn – brünselbërc
brünseln – bruochstinkende
bruochwëc – bruoderzeichen
bruost – brustgezierde
brustklopfen – brûtgebende
brûtgesanc – brûtsanc
brûtschaft – bûchstœʒec
bûchstrenge – budeminc
bûden – bû|geschirre
bû|gevelle – buhsholz
bûhurdierære – bûlslac
bulzen – büntnisse
buntschuoch – buochbediuten
buochblat – buochstap
buochswam – buosemsnuor
buosemtuoch – buppe
bur – burcgesuoch
burcgewer – burclêhen
burclêhenrëht – burcrëhtacker
burcrëhten – burctorære
burcvëlt – bürde
bürdelîn – bürgelschaft
bürgen – burgertavel
burgervëlt – burnegël
burneholz – bürste
bürsten – büschelîn
buschoff – bûteilen
bûteilunge – buttenblüejende
buttenbluot – bûz
bûʒe – buʒʒel

   bruch - brückelât    


bruch stM. 1 eigentl.
1.1 ‘Brechen, Zer-, Abbrechen (einer Sache)’
1.2 jägerspr. ‘Verlust der Spur des Wildes (durch den Jagdhund)’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 38b)
1.3 ‘Bruch, Riss, Quetschung (am menschlichen oder tierischen Körper)’
2 übertr.
2.1 ‘Mangel, Gebrechen, Schaden’
2.2 ‘(moralische) Verfehlung, Vergehen, Sünde; Rechtsverletzung’
2.3 ‘Streitigkeit, Rechtsstreit’
   1 eigentl.    1.1 ‘Brechen, Zer-, Abbrechen (einer Sache)’ des wart von speres brüchen / dâ löcherehte manic schilt KvWTroj 32664. 34274; KvWEngelh 4815; wen als der bogin wirt gezogin / gecrummit und widirbogin / und doch blîbit bruchis ân NvJer 2688; des schiffes bruch wart kume irwant, / man zoch ez ganz an daz lant Vät 2177; sin celle bleib veste und gans / ane allerhande bruchez schrantz ebd. 31968. 6366. 39552; swie kranc die fiole si, / doch ist groz zirde da bi / des morgens an ir bruche / von varwen und von ruche HeslApk 22063; wie kleine der bruch si, iz [das Glas] ist doch ye niet gantz noch vollenkomen Seuse 535,3; WernhMl 2737. 4845; sumlich jên dem ûzern tûch [des Tempels] / sî geschên des rizzes bruch JvFrst 10298; min cleider bliben ganz / an allen bruch, an allen wanc, an allen schranz Frl 1:14,12. – Ergebnis des Brechens: ‘abgebrochenes Stück’ dîne hûffelon. sínt sámo der brúch des rôten ápfeles [ fragmen mali Punici ] Will 57,1. – ‘Bruchstelle’ die widervart ez [das würmel ] dô gevie / gegen dem selben bruche [des Eies] hin / dâz ûze gie, dâ woldez in RvEAlex 1131    1.2 jägerspr. ‘Verlust der Spur des Wildes (durch den Jagdhund)’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 38b): ob disen [...] geschæhe ein bruch von überlistic fliehen Hadam 18,4; vil brüch gên widerbrüchen [Wiederaufnehmen der Spur] / ergiengen dâ ebd. 492,6; ist aber sin [des Jägers] sin durch obert, / daz er in volget uff den bruch [nachdem sie die Spur verloren haben] / und schryet zu in durch hilffe ‘juch’ / und bringt sie wider uff die vart, / so jagen sie nach irre art / sust nach dez meisters helffe Minneb 1639    1.3 ‘Bruch, Riss, Quetschung (am menschlichen oder tierischen Körper)’ din bruch [ fractura ] ist unhailsam, din wunde ist al zu boze PrLpz 12,20; ebenso Cranc Jer 30,12; den schachern irú bain man brach: / Ihesum man ieczent toten sach, / und kainen bruch sú tatent im WernhMl 11495; JvFrst 10559. 10582; KvWTroj 12861; welch ros czubrochyn ist uf dem ruͤcke, so [...] salbe den bruch do mete boymole Albrant 3,40. 2,12; di batenie gestosen ist guͦt zu allerhand bruͦche dez houbtez Macer 38,12    2 übertr.    2.1 ‘Mangel, Gebrechen, Schaden’ alles trostes ist da [in der Hölle] pruch Vät 41155; er [Artus] übersach wol allen schaden, / den ein bœse herre entsitzet, / der von swachem bruche switzet UvZLanz 7766; dîn [des Winters] gewalt / sêre smalt, / dîn kraft duldet bruch und spalt, / dîn mül niht mêr malt KLD:Kzl 13: 1,5; und daz Isaie spruch / gewunne an der wârheit keinen bruch, / sunder daz er wurd volbrâcht JvFrst 8266; TvKulm 3306; von dem himelriche und von den nún koͤren und wer den bruch [den durch den Sturz Luzifers leer gewordenen Chor] billichen soͤlle erfúllen Mechth 3: Reg. 2; RvZw 121,12; Mühlh 120,4; Pelzb 132,25. âne/sunder (allen) ~ ‘vollkommen’ er was gephrophet uf den stam / der rehten tugende sunder bruch Vät 1513; daz gentzlich war ist und gantz, / an allen bruch, an allen scrantz Hiob 9352. 13140; Teichn 331,17; von der Jungfrauengeburt: daz si dich durch den selben spruch [das Wort ave ] / ze kinde enphienc ân allen bruch / in ir vil kiuschen wammen KvWLd 1,35; Daniel 1067. – eines Dinges ~ werden ‘(jmdm.) versagen’ do wart im bruch / der kunst, wand im die vedere brach PassIII 129,80; aller ere wart im bruch PassI/II 45,36; wo mir wirt an dem lobe bruch Minneb 1667; ob mir wol ist worden bruch, / daz ich lîhte einen spruch / unrehte hân gesprochen Kröllwitz 3972    2.2 ‘(moralische) Verfehlung, Vergehen, Sünde; Rechtsverletzung’ swer ouch sines bruder bruch [ peccatum ] , / [...] durch got bedecket und hielt Vät 19681; werft von uch alle uwir bruche [ praevaricationes vestras ] , an den ir obirtreten hat Cranc Ez 18,31 u.ö.; daz cruze, jehet mine zunge, / ist alles broches ein bezzerunge Brun 9833; und vorgab im innenclîch / al dî bruche, dî er î / widir in dâ vor begî NvJer 9569; PrLpz(L) 48,22; StatDtOrd 74,31; Hiob 2795; die engel werden ußgesant, / die toten wecket ires rufes stimme. / [...] durch bruch wer da geslagen wirt, der stirbet sunder wende / und wirt geheilet nimmer me Mügeln 14,15. vmbe solich bruch, der geschehen ist an dem gesezede, daz zwischen vnserm vatter, vns vnd jm wart gemath UrkCorp 588,38; swer den lantfride brichet vnd den bruch nicht vfrichten [La. bezzeren ] wil ebd. 879H,13; ob si sich liezen riwen / ires frides bruch Ottok 46791. 47174; sîner triwe bruch ebd. 10776    2.3 ‘Streitigkeit, Rechtsstreit’ ein gancze luter vnde stete svͦne [...] vmbe alle die sache vnde bruche, die zwischen vns vnde im vf geloͮffen waren UrkCorp 931,18; daz si alle bruche vnder in rihtent nach minne oder nach rehte ebd. 931,39; ez werde dann auch verrihttet der vorgenant lantgraf mit im umb den bruch und umb die sache, die er gen im hat MGHConst 6,1:43,31 (a. 1325); UrkFriedb 65 (a. 1301); UrkFreiberg 2:5,25 (a. 1317)

brûch stM. ‘Nutznießung, Gebrauch’ das das [die Gelder] on alle minderung in erkouffung ligender gütern in bruch und nutz diser capell [...] gewendt sole werden UrkGlar 193 (a. 1345); behielt auch ein kirch, oder ein chloster brief vͤber freihait vnd vͤber pruͤch, der niht dreizzik iar oder viertzik sait, so ist der brief tot RechtssA B66,16

bruchbrôt stN. ‘Brotreste’ die junger von den tischen / bruchprotes, greten, vischen / fulten do vil schiere / brot corb dristunt viere SHort 8830

brûchec Adj. ‘herkömmlich, üblich’ bräuchig und herkomen DRW 2,458 (HagenauStatB; a. 1339)

brucheht Adj.? bruocheht

brüchel stM. ‘Brecher’ owê dû bœswiht êren kranc, / [...] dû aller sælikeit ein hagel, / dû frides und triwen bruchel, / dû manheit lôser kruchel [Krüppel] Ottok 63505

bruchelich Adj., Adv. 1 ‘gesetzes-, treubrüchig’
2 ‘Schaden bringend; gebrechlich, schwach’
   1 ‘gesetzes-, treubrüchig’ swaz in dem rîche bruchlîch lebt / und ouch dem rehten widerstrebt HvBer 2016; ob ein knecht an trewen laͤr / von seim herren czogen waͤr / pruͤchenleich an widertail Teichn 564,1107; wer dat sache, dat wir an eyngem de vurschreven punt, vurwarden ind stucke eins deils of zumale versumelich of bruchlich weren MGHConst 8:86,15 (a. 1346)    2 ‘Schaden bringend; gebrechlich, schwach’ der muz nach der gelust ouch han / biwilen bruchelichen val PassI/II 248,82; bruchelich [La. pricheleich ] leben Vät 10330

brüchen stN. unklar, ‘Mangel, Brüchigkeit’?: mit wilder rede spruͤchen, / die sunder valsches bruͤchen / sich ze rimen sliezzen WhvÖst 1456

brûchen swV. s.a. gebrûchen (häufiger belegt). 1 ‘jmdn./etw. brauchen, beanspruchen; etw. genießen; etw. ge-, verbrauchen, etw. benützen’
1.1 mit Gen.d.P.
1.2 mit Gen.d.S.
1.3 mit Akk.d.S.
2 refl. ‘sich mit etw. beschäftigen’
3 subst. ‘Genießen, Genuss’
   1 ‘jmdn./etw. brauchen, beanspruchen; etw. genießen; etw. ge-, verbrauchen, etw. benützen’    1.1 mit Gen.d.P.: swenn ich dîn aber dürftic bin / und dîn ze nœten brûchen sol, / sô kan ich dir [Schwan] geruofen wol KvWSchwanr 383; Joseph obe dir [ Jacob ] gestêt sô dir diu sêle ûz gêt, / dîn ougen er lûchet sô er dîn mêr nebrûchet Gen 2525; godes ane kummersal / [...] zu bruchene alters eine Elis 6932; HeslNic 3028    1.2 mit Gen.d.S.: mich bedûhte, dô ich mînes slâfes brûhte, / wie sunne und mâne zuo ze mir chôme Gen 1763. 2024; daz her syner leyn selue bruͦchen mach vnde auch behalden UrkCorp 3567,23    1.3 mit Akk.d.S.: die hente er brûchte zeineme iegelichen werche Gen 206; wer den esel brûchen sol, / der sol in spîsen Boner 89,61. snüer unde kleine hüllen, / hentschuohe, borten, stûchen, / die vrouwen solten brûchen KvWTroj 27488; Pollidamas der brûchte / sîn swert mit frecher hende ebd. 31934. so sol man bruchen die spise die warm unde fiuhter naturen sien MNat 7,20; so sol die ander mule dc wascer bruchen, ob sie ez bedarf UrkCorp 645,22; so svlnt sie von diseme selben guͦte cehen schillinge bruchen zuͦ dienste ime reuentor ebd. N107,17; ein girekeit vil ze habende oder lange ze bruchende Mechth 6: 4,9. wir súllent sú [die suͤssekeit Gottes] bruchen und nút gebruchen [Nutzen daraus ziehen und nicht nur Genuss] Tauler 100,9. ~ und nützen: KvWTroj 30186; UrkCorp 728,7    2 refl. ‘sich mit etw. beschäftigen’ wa ich mich selber bruch in aigenschaft rainer dinge, da ich gottes er nit bloͤslich inn main Lilie 77,4    3 subst. ‘Genießen, Genuss’ die sünder, die sich durch daz brûchen der crêatûre nâch irm luste wider got an ir sêle sêlikeit hindernt Eckh(Pf) 247,25; zuokunft ist ein niwiu freude von eime lieben friunde und ist ein unverdrozzenz brûchen sîner gegenwürtikeit ebd. 354,22

bruchhaftic Adj. ‘straffällig, zur Strafzahlung verpflichtet’ di [Pfennige] sal he brengen deme schultheißin in syn hus, di wile her isßit. thede he des nicht, he worde brochhafftig unseme hern StRHeiligenst 101

brüchic Adj. 1 ‘wort-, vertragsbrüchig’
2 ~ werden ‘(an etw.) Schaden nehmen’
3 jägerspr.: Jagdhunden wirt ~ , ihnen geschieht ein bruch (vgl. dort unter 1.2 ), sie verlieren die Spur des Wildes (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 38b)
   1 ‘wort-, vertragsbrüchig’ welich vnser bruchic wirt an dem andern an den stvcken di hi vor bescriben stein UrkCorp 1816,41. 351,46; wellent sy pruchig werden an mir Teichn 620,19; als er der frawn gab die ler / die an der ee was worden pruchig ebd. 610,143. 613,18; were daz der edele man graue Heinriche bruchich oder vellic worde daz wi en heizen tun UrkThür 507 (a. 1313)    2 ~ werden ‘(an etw.) Schaden nehmen’ daz er wirt witzen bruchig / und an dem libe suchtig Minneb 1657    3 jägerspr.: Jagdhunden wirt ~ , ihnen geschieht ein bruch (vgl. dort unter 1.2), sie verlieren die Spur des Wildes (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 38b): wist, wo junge welffe / nach einem hirtzen schone / her jagen in sußem done, / daz den gar dick bruchig wirt Minneb 1639

brûchlîchen Adv. ‘verkostend, genießend’ die innerliche raste do man sich haltet wúrdeclichen und bruchlichen [La. wirklichen vnd gebrúchlichen ] , also got sin selbes gebruchet in wurklicher wisen Tauler 402,26

bruchnisse stFN. ‘Streitigkeit, Zerwürfnis’ ob der kriege oder der bruche keiner uf erste, da von krieg oder bruchnisse furbaz muge werden UrkCorp 1126A,13; daz wi [...] vns vmme alle sachen vnde bruchnisse, di zcwischin vns gewest sin, eintrechtelich vnde gentzlich vor einet vnde berichtet habn UrkDresd 19 (a. 1309)

brûchnisse stF. ‘Genuss’ da [im Himmelreich] ist frovde ane maze, [...] godis werlich becantnisse, vollekvmen minne, selic brvhnisse SalHaus 36,6

bruchsilber stN. ‘Bruchsilber, Werksilber zum Einschmelzen’ das nieman [ze] Zúrich enkein silber, es si loͤtig oder bruchsilber, koͧffen sol FWB 4,1238 (Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.; a. 1334/5)

brûchunge stF. ‘(myst.) Genuss, Genießen (Gottes)’ ouch spiset diz spise [Eucharistie] des volkomnen menschen inreliche ubunge und bruchung so daz der mensche [...] sich vil wesentlicher und stettiklicher ubet inwendig sich zefugen und zekeren zu guͦtlicher guͦtheit und zuͦ götlicher minne MvHeilFr 21 (Anm.); und [Gott] ist da aller meist in bekentnusse gottlicher nature [...] und an minne und an bruchunge und an dancnemekeit und an vereinunge der willen Vateruns(Sch) 41; do sprach er [Gott] : ich muͦs din schonen an der bruchunge beide din und min Mechth 7: 8,16

bruckære stM. ‘Brückenwächter, Brückenzöllner’ der brugger und der torwart, / der hirte und der banwart, / pfaffen, leigen, jung und alt, / [...] si lebent alle in gîtekeit Boner 9,41; vnd suͥllent och die ober brugger besorgen [...], daz sy die muren der graben beider jerlich jetten vnd daz krut vss machen, vmb daz die muren nit zerfallen StRBern 1:151,11. 1:191,18. – als Personenname: ein zweiteil [ acker ] nebent den bruckere UrkCorp N107,30; ein schvͦpozse [Grundstück] ze Hagenbach, die des brvggers wirten bvwet ebd. 552,8

bruckbrët stN. wohl ‘Brett für das hölzerne Gerüst am Ofen, das als Lagerstatt dient’ (vgl. brucke 2): do schenckten die leut [...]: / ainer gab ain pruckprett [Konjektur, vgl. Anm. z.St.; Hss.: pruͦchpett, pruchbet ] , / der ander hiesz ain schwingen / usz seinem huse pringen MeierBetz 227; Oder liegt hier bruochbette ‘Bett von leinenem Zeug’ (BMZ 1:111a,30) vor?

brucke, brücke stswF. auch brugge (überwiegend alem. Belege; u.a. RvEWh , SM:St , Seuse , WernhMl , GTroj , Boner ; vgl. auch WMU 1,298 u. FWB 4,1257f.). 1 ‘Brücke (über ein Gewässer)’
1.1 eigentl.
1.2 übertr. und bildl.
2 ‘Zugbrücke’
3 ‘erhöhtes Sitzgerüst aus Brettern’ (vgl. Schmeller, BWB 1,347; FWB 4,1241)
4 ‘Landungsbrücke, an der die Schiffe anlegen’
   1 ‘Brücke (über ein Gewässer)’    1.1 eigentl.: ze der Tîver sie schiere kâmen / ûf eine brücke, diu dâ was Eracl 1149; dô wart ein brucke alsô breit / über die Tuonou geworht, / daz darüber âne vorht / zehen neben einander riten Ottok 7727; die brücke, diu dervor / über ein drætez wazzer gie UvZLanz 3608; ein hûs enmitten drinne [im See] lac. / von dem lande gienc ein brücke dar ebd. 7163; EnikFb 1498; BdN 120,33; Virg 188,7. eine brükke steinîn grôz Parz 354,6; RvEWh 9177; ein brucke starc von holz Ottok 77376. 10866; ein schmale brucke, die sere böse was Lanc 214,23; uber eyn cleyn brúcken, die von hurden [Flechtwerk] was gemacht ebd. 6,3; die ander sit der brucken was ein barbekanie [Vorwerk] gemacht wol besloßen und veste ebd. 380,19. – in Verbindungen mit den Verben (wider) machen, slagen; ze-, niderbrechen: der kuninc hîz sîne man / grôze boume howan / und eine brucke machen SAlex 2631; ein bruck macht er über den Rîn, / diu maht niht bezzer gesîn EnikWchr 21169; Rennew 35557; UrkCorp N797,22; der herre det die brucken wiedder machen Lanc 384,13; ein êrlîch bruck lange / was über das wazzer geslagen EnikFb 2700; diu brucke, diu darüber gie, / die Unger zebrâchen die Ottok 11054; und swâ ein brucke oder ein stec / indert gie über einen bach, / zehant man daz nider brach ebd. 11085; Rennew 35569. âne ~ und âne stec: Dodines der wilde / der fuort den künec sô guoten wec, / âne brücke und âne stec, / daz er schiere heim kam UvZLanz 7318; hôch in den lüften sint mîn wege, / âne brugge und âne stege / über sê und über lant Boner 81,44. 9,6; Mechth 6:16,6. – in Aufzählungen mit anderen Weg- und Gebäudebezeichnungen: ûf brücke, in vurte, und an den wegen Wh 465,24; er hies machen guͦte wege, / bruggen, notúrfte stege / machot er durch der lúte not RvEWh 15548; Himmelr 10,13; Mühlh 149,15; da mit sult ir [...] / euwr stat zieren: / die turne wol formyren, / paide strass und weg, / graben, prucken unde steg HvNstAp 1186; sine grozin herschaft, / der dirre fúrste pflac hie vor, / rincmûre, brugge, búrge tor / zeigint mit gewalt alda RvEWchr 3621; GTroj 5250. – als Zollstätte: vnde chœ̂men die vber eine, daz si der brugge schrieben den zol, der von alter her reht wæ̂re UrkCorp 548A,18. swelhen wagen, geladen mit troͤgen [...], man uͤber diu prugke fuͤret, dovon gibt man zwen pfenning ze zoll StRMünch 236,8; UrkNAltaich 2,52 (a. 1347); wer über sîne brugge reit / oder gieng, ein phenning muost er geben Boner 76,4. – in Verbindung mit Ortsnamen oder als Teil von Namen: zeiner brücke [...] / diu hiez ze dem Stiebenden stege UvZLanz 7145; der ein [ wec ] geet zur brúcken vom Werte, und die ander straß get zu der Verlornen Brucken, die man spricht das sie under dem waßer ge Lanc 609,14; aine mv́lie, div bi dem wege lit vnder den nusboͮmen ob der brugge ze Ragæsch UrkCorp N 371,8; Heinrich den man sprichet an der Brugge ebd. 1306,6; hie bi waren gezv̓ge [...] Johans von Rinach, Heinrich Bokli, Peter an der Brugge ebd. 2671,9    1.2 übertr. und bildl.: di [Seligen] sint unser brucge, / si sulen unsich laiten / uz tisen arbaiten / ze der himelisgen Jerusalem HimmlJer 293; Rol 3948; ich bin Got, dez lebens weg, / ich bin bruͤcke und steg HvNstGZ 7187; WernhMl 14560; Mügeln 348,7. er was des râtes brücke AHeinr 70; vf diner wisheit brvggen Martina 110,105; so heizet daz gelücke / sines wesens brücke Frl 5:53,4. 5:88,4. ir mære [die Botschaft der Cundrîe ] was ein brücke: / über freude ez jâmer truoc Parz 313,14; die wol gezimierten / ir brücke wâren über bluotes vurt Wh 397,29; hoher muͦt wart ir [ Kyburc ] ein gast. / ir wolte nymmer jamers last / komen von dem rugge. / ir was enzwei diu brugge / die ir wunne solte tragen Rennew 1826; unreht gewalt, ze valle stê dîn brugge RvZw 64,7    2 ‘Zugbrücke’ dô er ze dem hûse kêrte, / dô wart diu brücke nider lân Iw 4373. 4978; bit die brüke iu nider lâzen / und offen iu die strâzen Parz 225,29; daz sie gein der porten giengen / und beide die ketenen viengen, / und zucten sie so vaste / daz diu brugge nider blaste Rennew 30614; die brucke zôch man ûf zehant / und beslôz daz tor vil vast als ê PleierGar 7446; Wig 4520; Kreuzf 5396. er sol machen ein vfgend bruͤggen UrkWürzb 40,266 (a. 1339); und hub nach im ein groß uffgend brucken Lanc 8,20    3 ‘erhöhtes Sitzgerüst aus Brettern’ (vgl. Schmeller, BWB 1,347; FWB 4,1241) vrouwe Japhîte diu reine / ûf eine hôhe brücke saz, / daz nie dehein brücke baz / von betten wart geslihtet, / mit tepten wol berihtet, / und mit liehten pfellen Wig 7469; wie wilt den winter dû genesen? / [...] dâ wil ich den strousak in die stuben tragen, / sô muoz oven unde brugge erwagen SM:St 11: 4,11    4 ‘Landungsbrücke, an der die Schiffe anlegen’ ich hân ein hôhez ors hie bî, / ich wænez ouch wol sô hôch sî, / mîne vrouwen, iuwer vriundîn, / daz ich si wol zer brucken în / sô schône gevüere, / daz si daz mer iht rüere Tr 13382 (vgl. schifbrucken 13368.71); weset alle hinne [im Innern des Schiffes] tougen! / wan knehte und marnære, / die vorschen der mære / ûf der brucke vor der schiftür ebd. 8697 (z.St. vgl. jedoch Sprenger, Germ. 22, 409: "hier wird wohl ein hölzernes Gerüst vor der Cajütenthür, zum Ausschauen errichtet, gemeint sein")

brückelât stN. ‘Brosame’ von dem armen Lazarus, dem er vffe ertriche hette die brúckelote [La. bröckle vnd die broͤsenly ] von sim tische verseit ElsLA 60,32