1bôʒe
swM.
‘Flachsbündel’
linistipula: pozzo SummHeinr
2:358,03.9
MWB 1 958,52; Bearbeiter: Plate
2bôʒe
swM.
‘Bursche, Kerl’ (vgl. SchweizId 4,1730f. s.v.
Poss):
seht umb den trunken bôzen [Noah] , / sîn
wîsheit ist enzwei KLD:Kzl
1: 1,11
MWB 1 958,54; Bearbeiter: Plate
bôʒen
swV.
beim Simplex sind nur sw. Formen bezeugt; st. dagegen ûʒ
(ge)bôʒen.
1
‘schlagen, klopfen, stoßen’ , intr. 1.1 ohne Präp.-Erg. 1.2 mit Präp. 2
‘jmdn. schlagen, stoßen’
3
‘etw. anstoßen, beginnen’
4
‘(das Fell) sträuben’
5
‘würfeln’ (um etw.) 6
‘kegeln’
1
‘schlagen, klopfen, stoßen’, intr.
1.1
ohne Präp.-Erg.:
– vom Herzen:
werdiu liebe drinne [im
Herzen] bôzet, diu mich selten ruowen lât
KLD:UvL
32: 7,5;
mîn herze wil / sich nah ir zerstôzen
[...] mir ist niht ein kindes spil / selkez
herzen bôzen SM:UvB
1: 2,6;
man moht do hoͤrn bozzen / daz hertz in der vorbrust; / sus
twungen in gelust WhvÖst
11532.
–
‘anklopfen’ (um Einlass):
daz hol er beslozzen vant. / dâ bôzte der gotes
degen; / [...] als in der meister hôrte
[...] er offent im des steines tür
RvEBarl
15311.
699;
da vant er beslozzen daz tor. / [...] zu
bozen er begunde / vil vaste und vil helle Rennew
19938;
do Jacob an daz venster quam / und bozte, ez wart im uf getan
Vät
30373.
–
die mangen [Steinschleudern] vaste bozten
Serv
1796
1.2
mit Präp.:
–
an etw.:
daz si
[
kiele
] niht zevielen, / als die
wintstôze / daran begunden bôzen Wernh
3136;
um Einlass:
der Trierære pôzzet an sîn tor Kchr
4477;
NibB
486,3.
487,3;
KvHeimUrst
2025;
sie bôzten an die tür aldâ, / sie riefen: herre, lâz
uns in! RvEBarl
3584;
übertr.:
sliuz uf des hertzen porten, / dar an er lange bozzet WhvÖst
1967.
–
an jmdn., übertr., ‘jmdn. angreifen’
di juden [...] begunden an in
[
Jesum
] bôzen / mit rûgen und
mit klagen JvFrst
6208.
–
in etw.:
der smac begonde in wisen / fvr sines gevateren tvr. /
da satzte sich her Ysengrin fvr, / dar in er bosen begonde
ReinFu
K,653.
–
nâch
‘um’ etw.:
min gebet sol dringen / hin zuͦ den himel porten, / nach gnaden
richen worten / ræssen und possen / mit minen súnden grossen SHort
3861.
–
ûf etw.:
von trumben und pusûnen hôrte man manigen krach, / floiten unde
blâsen, ûf sumber [Pauken] sêre bôzen Kudr
1572,3.
–
zuo etw., übertr.:
und da von liset man in apocalýpsi daz únser herre alleweg stat und
boset zuͦ des mentschen hertzen PrGeorg
178,14
2
‘jmdn. schlagen, stoßen’
und wurdent sere stossen / Ihesum und bossen / vil schmæchlichen har und dar
WernhMl
8792;
ich solle die boesen bossen / und sij mit den hornen stoßen / und auch mit der
spitze steche Pilgerf
490.
586;
sente Jacoben den grozen / wart er martirn unde bozen, / unz er zu iungest
tote in Macc
14174.
– übertr.:
dann wil ich yeclichen stoßen, / den einen schelden, den andern mit worten
bossen Pilgerf
10617
3
‘etw. anstoßen, beginnen’
er waiz umb wew, / daz im nicht geschaden chan / und get auch sein vreunt
nicht an, / als sich offt dw lauͤt zestozzent / und ein chrieg aus nichtew
pozzent Teichn
227,6
4
‘(das Fell) sträuben’
swenne der igel pruofte, wâ sich der wint hine kêrte, dâ bôzte er sîne hût und
kêrte sînen rücken dâ hine Eckh
2:139,6
5
‘würfeln’ (um etw.):
nicht alsô, daz gelôzt / sî und um di wât al gebôzt, / sundr um den roc einen
[den ungenähten Rock Jesu] nur, wem der gevîle
JvFrst
9330
6
‘kegeln’
waz arbeit lîdent manige liute / mit unkiusche und mit luoder hiute, / die man
siht spiln, schîben, bôzen Renner
6583.
10301.
17574
MWB 1 958,57; Bearbeiter: Plate
bôʒ(en)gëlt
stN.
‘Einsatz beim Kegelspiel’
ez sol auch weder man noch frawe vmb kein spilgelt, wettegelt, rennegelt, bozsen
oder schibegelt nihtes anders schuldig sin zu gelten [...],
danne als vil sie [...] als balde an derselben stat bezaln
mugen StRRotenb
489;
ir sollet wissin: daz kein richter sal richten obir geltspil, noch umme bozgelt,
noch wettegeld RbMagdeb
415,27
MWB 1 959,54; Bearbeiter: Plate
bôʒern
swV.
s.v.a.
bôʒen
‘anklopfen’
vnde zihant als etswer bozzirt [...] got
gnade er [
torwart
] antwrt [
et mox
ut aliquis pulsaverit (...) ‘Deo gratias’
respondeat
]
BrZw
66
MWB 1 959,62; Bearbeiter: Plate
bôʒkiule
stF.
‘Klopfkeule’
manic schiltkneht ouch hâte / an rucke und ûf ahsel biule / als die bôzkiule, / sô
swær er ûf im truoc Ottok
35157
MWB 1 960,1; Bearbeiter: Plate
bôʒkugel
swF.
‘Kegelkugel’
daz herz [des Menschen] würd in fünftzig
jâren alsô grôz als ain grôzeu pôzkugel und würd in den andern fünftzigen jâren alsô
klain als ain pôn BdN
27,25;
HvNstVis
493
MWB 1 960,4; Bearbeiter: Plate
bôʒolt
stM.
vermutlich ein Tanzname, hier obszön:
si wurden beide einander holt / des trâten si den bôzolt HeidinIV
1778
MWB 1 960,9; Bearbeiter: Plate
boʒschuoch
stM.
die Zuordnung zu bôʒ
‘Schlag, Stoß’ ist unsicher; vgl.
botschuoch
.
‘grobe Schuhe’
ii sotulares, quod vocatur bozschuch WeistErf
81
(zur Sache und sprachl. Erklärungsversuchen vgl. Anm. z.St.)
MWB 1 960,12; Bearbeiter: Plate
bôʒwurz
stF.
→
buoʒwurz
MWB 1 960,17;
brâ
F.
1
‘Augenlid’
2
‘Augenbraue’
3
‘Wimper’
4
‘Rand, Einfassung, Saum’
1
‘Augenlid’
also skiero so diu brawa zesamine geslat MemMori
46;
also schiere so ein bra die andere beruͦren mac
Lucid
135,26;
HeslApk
20347;
Teichn
331,23;
die öber vnd die nidder bra / hal sich niht, die sah man, / vnd was das auge
zugetan Krone
24501;
die brâwen wâren eben, sleht / und in allewîs gereht. /
[...] keiner krümbe kunne / hâten diu hâr der ougenbrâ
[...]. / die überbrâ wârn
[...] schôn gebogen / ob dien ougen ze wâr WvRh
1331.
–
dem diu ougen ser sin an der bra BenRez
13;
im sint die oberen brâ swær Barth
156,17;
sie [Erwachende] streich
[rieb] die brâ und sach alumbe LvRegSyon
1627;
jr bran sint swere [...] si
wachint uil SalArz
33,58
2
‘Augenbraue’
dem ungevüegen manne / wâren granen unde brâ / lanc rûch unde
grâ Iw
445;
Halzibier der clâre / mit reitbrûnem hâre / und spanne breit
zwischen brân Wh
46,3;
die brâwen als ein benselstrich, / kleine sleht und wîplich Flore(G)
6889;
augbrawen, die sich
rurent [berühren] , / sweren mut bie in furent. / augbrawen
bie dez hares kal, / die hant auch kleiner krefte wal. / die brawen mit den augen
wagent, / vollich der kunste wol behagent. / und so ie minner ist die bra, / so
minner kunste wizzet da Physiogn
163;
dîn mündel ist rôsenvar, / eng unde wol gestalt; / dîn brâ sam si sîn gemâlt,
/ klein und ze mâzen hôch; / daz vel, dîn ougenüberzoch, / daz ist wîz als
liljenblat EnikWchr
12480;
er nibelt uz den brawen WhvÖst
12013;
sin braͮwen, die da warent sam die schwartzen woͤlkeli, die da
swebent ob dem glast der sunnen Seuse
551,22
3
‘Wimper’
ir oͮglider eben und schlecht, / aͮn allen bresten, wol gerecht;
/ ir brawen brun und wol gelich, / krumb ain wenig úbersich. / ob den oͮgen
hoch genuͦg / ir ober brawen, sere kluͦg, / als sú mit listen wærind
gar / gemalet an ain bilde dar WernhMl
965;
zahy wie vert dar obe / irs blickes glast, der zertlich sicht / uz augen
gro[z] durch browen liecht Minneb
3230.
– als Bezeichnung für etw. Geringes, zur Verstärkung der Negation:
vil minre denn ein stumbe / mohten sî gehœren. / ob ein krach mohte stœren
/ al die welt unz ûf ein ort, / er mohte von in niht gehôrt / umb ein brâwe
werden Reinfr
22355
4
‘Rand, Einfassung, Saum’
sie stuonden bî ein ander dâ / vil vürder ûf des steines brâ RvEAlex
1964;
al umbe des steines brâ / gât ein rinc, der ist grâ
Volmar
195;
die brawe oder sins kleides soͮm Tauler
274,2.
274,4.
– Lit.: Dolch, Augenbraue
MWB 1 960,18; Bearbeiter: Plate
brach
stM.
zu
brëhen
.
‘lautes Geräusch, Lärm, Schall’
die sper buten sô lûten crach, / daz der tambûren brach / man in der owe niht wol
vernam UvEtzAlex
9058;
und waz man vridis worchte / [...] den brâchin sî ân
undirlâz / mit ungestuirem brache NvJer
21906;
wan man kan / dicke ir
[Nachtigall] semftem brache nicht entwîchen: / wan sie echt
alle ruowen, so lât sie dar strîchen SM:UvB
7: 1,6;
WhvÖst
6059
u.ö.
MWB 1 961,3; Bearbeiter: Plate
bræch
stN.
‘(Münz-)Gepräge’
dô man daz bræch sach an / an den pfenningen guot EnikWchr
25244.
25239
MWB 1 961,12; Bearbeiter: Plate
brâche
stF.
1
‘das Umbrechen des Bodens nach der Ernte’ , 2
‘umgebrochen liegendes, unbestelltes Feld’
3
‘Zustand des Brachliegens’ , in der Wendung in ~
ligen
1
‘das Umbrechen des Bodens nach der Ernte’,
übertr.:
und han ich vreude unbehende / gehat von mynem schatze groz, / des mir vur
ander vil zu vloz, / so kume mit syner brache / uber mich her Gotes rache!
Hiob
11811
2
‘umgebrochen liegendes, unbestelltes Feld’
mit spern hurticlichen bedechet wart heid, anger, wis und brache JTit
3940,4;
wie si vuͦren uf stupfel und uf brachen ebd.
870,2;
so ez [Vieh] gnvͤc gizzet vf den maten, so
sol erz vz triben an die brache UrkCorp (WMU)
N815,8;
WeistGr
1,33;
der sne was groz, der luft was kalt / di brache warnt ubirfrorn
HeinzelRitt
57
3
‘Zustand des Brachliegens’, in der Wendung in ~
ligen:
sin buw im niht in brache lak, / er liez in niht verderben HeinzelJoh
58,1;
weitere mhd. Belege
DRW
2,440
und
UrkThurgau
5,275
(a. 1349)
MWB 1 961,15; Bearbeiter: Plate
bræche
stF.
1
‘Flüssigkeit, Geläufigkeit’ (des Sprechens) 2
‘Unterbrechung, Abbruch’
1
‘Flüssigkeit, Geläufigkeit’ (des Sprechens):
die zunge was im [Paulus] vollen balt / an
ordenlicher breche. / hievon ouch sin gespreche / lustsam muste in allen sin
Pass III
547,25;
siner zungen gelit / nach ordenlicher breche / was im gar ungespreche ebd.
119,35
2
‘Unterbrechung, Abbruch’
woͤlt ir der werden kuͤngin / behalten lib und guͦt
[...] / der haiden craft versnidet! / alrerst hat daz
[sc. gemach
] du [l.
nu?] bræche WhvÖst
16165
MWB 1 961,32; Bearbeiter: Plate
brachen
swV.
‘brach machen, lärmen’
brasteln vnd krachen [Hs. brachen
] / horte
er vil vor yme da Krone
27401
und soldin machin / ein schrîen und ein brachin NvJer
8394
MWB 1 961,42; Bearbeiter: Plate
brâchen
swV.
1
‘(eine Brache) umpflügen’
2
‘brach liegen’ , übertr. (?)
1
‘(eine Brache) umpflügen’
vnd schullen in iegleich arbait ze prochen vnd ze zwibrochen
[zweites Pflügen] vnd zwe der sat helfen ie der man
mit seinem [...] phflueg UrkCorp (WMU)
67,45.
–
ûf etw. ~
‘für die Aussaat von etw. pflügen’, übertr.:
Blasius der gotes knecht / was ie zu allen tugenden recht / uf die er
gebrochet was Pass III
168,3
2
‘brach liegen’, übertr. (?):
ainer fraget mich der maͤr, / wem ain sach geleich waͤr / das
ain fraw prachen tuͦt [sich verweigert?] / an
ainem getrewen man so guͦt / der sie maint ungevaͤrleich Teichn
718,3
(vgl. WBÖ 3, 691-693 unter 1. [eigtl.] und 6. [übertr.]).
MWB 1 961,46; Bearbeiter: Plate
bræchen
swV.
‘eindrücken, prägen’
was ist ditze pilde, daz hier an [
phenninc
]
gemunzet unde geprachet ist? Konr(Sch)
173,3.
173,9;
die herlichen munze [der Seele] , da [in
die] er iuch nach im selbem hat geprachet unde geschafen ebd.
171,20;
o schepher der nature, / in überswenker list / gebrechet din
figure / nach unser münze ist [in der Inkarnation]
Mügeln
344,3.
–
herre, du salt sen / pruvelichen swes die pfat
[Fußspuren] / mugen sin, die vor dir stat
[Pl.] / gebrechet uf dem tenne [in
ausgestreuter Asche]
Daniel
7997
MWB 1 961,59; Bearbeiter: Plate
brâchhacke
F.
‘Zeit, wenn das Brachfeld gehackt wird’
und zu brochacke [
sol man geben
] ein weissen
brot an den acker, und einen sweigkese WeistGr
1,698
MWB 1 962,6; Bearbeiter: Plate
brâchkrût
stN.
(vgl. AWB 1,1310)
1
‘Odermennig’ (Marzell 1,144) 2
‘Kohl-Lauch’ (Marzell 1,201)
1
‘Odermennig’ (Marzell 1,144):
agrimonia: brachkraut VocBV285
3:548,29
2
‘Kohl-Lauch’ (Marzell 1,201):
emicedo: brachrud SummHeinr
1:194,289
MWB 1 962,10; Bearbeiter: Plate
brâchlouch
stM.
‘Kohllauch, Gemüselauch’
emicedo: brachloͮch SummHeinr
1:194,289.
– weitere Glossenbelege aus mhd. Zeit s. AWB 1,1310
MWB 1 962,14; Bearbeiter: Plate
brâchmâne
swM.
‘Brachmonat, Juni’
unde heizet [...]junius, / daz ist der brachmane
Macc
10006;
in dem prâchmônn, der ze næhst nâch dem maien ist, allermaist pei
den sumerleichen sünwenden BdN
88,14
MWB 1 962,17; Bearbeiter: Plate
brâchmânôt
stM.
auch -mânde, st. und sw.
‘Brachmonat, Juni’
iunius: brachmanot SummHeinr
1:104,1121;
iunius: bracmanoth ebd.
2:70,53;
des eirsten dagis des bramayndes UrkCorp (WMU)
1758,37;
die [...] wallevart / bi ziden an gevangen wart / da der
brachmant [Laa. brachmand, brachmanot
] ende hat, /
die sunne ouch an ir hohe gat Elis
4355;
dô der brâchmânde gelac / ûf des mândin drittin tac [3.
Juni]
NvJer
5847;
dô man las / brâchmândin vîrde nônas, / daz ist, sô wir begên alhî / Marcellînî
und Petrî [2. Juni]
ebd.
984;
der meistir [...] in des brâchmândis lûne / nam nâch im
die kêre / mit einem cleinin here / [...] an sente Nicomêdis
tac [1. Juni]
ebd.
20965
MWB 1 962,22; Bearbeiter: Plate
brâchôt
stM.
auch -ât; nur alem.
‘Brachmonat, Juni’
in dem manod, dem man nemmet brachod UrkCorp (WMU)
2440,32;
jn dem brachôt an sent Vîtez tag [15. Juni]
ebd.
1435/1,21;
jn brachade ebd.
1127,27;
ze brachode ebd.
1978,31;
iunius: brachot VocOpt
56.011;
als ainen krezohten [krätzigen] hunt / in dem brachat
floͤh avne [der im Juni ohne Flöhe ist]
LügenrM
130
MWB 1 962,36; Bearbeiter: Plate
brâchvogel
stM.
eine Drosselart (vgl. Suolahti, Vogelnamen, S. 59):
turdus: brachvogel SummHeinr
1:165,744.
2:66,264;
so daz fiuer abe ge, so gip im hunre zezzen vnde rephuner vnde
brachuogel SalArz
68,20.
17,42;
dâ funden si [...] ûf dem velde gân / rephüener,
brâchvögel âne zal / [...] und ander vogel vil EnikWchr
9201.
– weitere Belege aus mhd. Zeit s. AWB 1, 1307f.
MWB 1 962,44; Bearbeiter: Plate |