boum|öle
stN.
auch boumolei.
‘Olivenöl’
oliva haizt ain ölpaum [...]. des fruht
haizt ze latein oliva und sein saf, der auz den frühten kümt, haizt oleum und haizt ze
däutsch paumöl BdN
335,5;
man pflac in der alden e, / swen man under der diete / konige und priester wiete,
/ daz man in daz houbet wole / mit gesegentem boum ole / bestreich allenthalben
HeslApk
15730;
ein grille stirbet, swer ûf in giuzet / boumöle, swenne ez üm in fliuzet
Renner
20042.
20422;
merke daz boum ole, win vnde honic, also uil si edeler sint, also
uil sint si bezzer zu der ercenie SalArz
27,36;
der selbe saf mit boumolei in di oren gegossen, vertribet den
orswern Macer
21,15
MWB 1 956,56; Bearbeiter: Plate
boumrîch
Adj.
‘reich an Bäumen’
do was der garte pawm reich. / sein obs das was wunnicleich HvNstAp
12523
MWB 1 957,6; Bearbeiter: Plate
boumschabe
swFM.
ahd. boumscaba swF. und boumscabo swM., vgl. AWB
1,1303f.
‘Hobeleisen, plana’
plana ferrum quo planatur lignum id est boͮmscabo SummHeinr
2:418,395;
plana: boͮmschabe VocBV926
3:639,23
MWB 1 957,9; Bearbeiter: Plate
boumtragære
stM.
Sekundant beim Gerichtskampf, der für den Kämpfer eine hölzerne Stange trägt, um
sie ─ unter festgelegten Bedingungen ─ zu seinem Schutz zwischen ihn und seinen Gegner
zu stoßen (vgl.
boum
3
):
ist aber, daz ir [der Kämpfer] einer des boumes gert,
alse recht ist, den sal man darstozen; di sigewarten sullenz aber heizen, unde wenne si
heizen di boume uzzihen, so sullen di boumtreger uzzihen StRFreiberg
166,12;
di boumtregere sullen sie [die Kämpfer] nichtes irren
zu rechte; wen welchir den boum eischet unde sin gert, deme sullen si in geben ebd.
165,19
MWB 1 957,14; Bearbeiter: Plate
boumtroufe
F.
‘Bernstein’
electrum: boͮntroffa VocOpt
14.036
MWB 1 957,26; Bearbeiter: Plate
boumvist
stM.
‘Bofist’
poantum [?] : boimvist VocBV947
3:544,30
(Deutungsversuche und Lit. s. Etymol.Wb.d.Ahd. 2,267f.)
MWB 1 957,28; Bearbeiter: Plate
boumwolle
swF.
‘Baumwolle’
bombax: boͮwoll / boͮnwulle / boͮnwlla VocOpt
17.016;
linde sam ein boumwol [
: wol
]
Er
7703;
daz gewant daz man machit uon boum wolle gibit werme
SalArz
22,41;
bomwull und die wullen / die man da von den schaffen schirt, / von den gewant daz
best wirt SHort
6652;
einen schuppel [= schübel
‘Büschel’] boumwol / zôch er ûz dem buosem her
Ottok
78333;
si di wunde uf gebrochen vnde sere blute, so lege druf eines
wizes eines eyes mit einer boum wolle SalArz
79,23;
nym husworcz, sal, vrowenmilch, rosenwater, mengez tosammene vnde
mache ez to eynen plastere mid bom wollen vnde legez vf de oren OvBaierl
100,12
MWB 1 957,31; Bearbeiter: Plate
boumwollenkërn
M.
‘Same in den Kapseln der Baumwolle’
bombax: boimwollenkern VocBV947
3:537,18
MWB 1 957,45; Bearbeiter: Plate
boumwurm
stM.
die Spanische Fliege (lat. cantharis):
von den paumwürmen. cantarides haizent paumwürm, die zuo obrist
auf den esten wahsent BdN
299,27
MWB 1 957,48; Bearbeiter: Plate
boumzaher
stM.
‘Harzträne’
Platearius spricht, daz [...] onix
[...] ain paumzaher sei, der fliez auz ainem paum und werd
sô hert, daz der stain dar auz werd BdN
454,13.
372,23.
396,8
MWB 1 957,52; Bearbeiter: Plate
bovel
stMN.
aus afrz. poble, lat. populus (Kluge, 710).
‘(einfaches, niederes) Volk; Volksmenge’
sus huop sich vor / der bischof und der povel nâch
KvHeimHinv
711;
sîn bovel [Dienerschaft, Tross] man dort vor ersach: /
garzûne, koche unde ir knaben Parz
18,22;
Kurvenal / zu tôde zwêne schergen sluoc. / dâ was gesamentes bovels gnuoc, / daz
lief hin dan und vlôch den tôt HvFreibTr
3308;
verborgen wart Philôtas / daz im niht geschæhe / sô in daz povel sæhe, / wan ez
hât manec man daz lebn / von povels ruofe gegebn: / swie gevüege schulde er hât, / daz
povel in niht reden lât RvEAlex
19274;
din [Marias] helfe mac die richen / behalten und den
armen bovel KvWGS
795;
die fürsten zallervorderôst, / darnâch die besten überal, / dô
[dann] daz bovel âne zal LBarl
14093;
hin ze dem münster si gie / unde douhte sich ahtbære. / vor ir giengen ir
chamerære, / die daz povel hiezen weichen Serv
2499;
etlich gevielen daran, / man solt dem kunic disen man / her ûz der stat geben; /
des begunde widerstreben / der povel unde diu gemein Ottok
32430;
der plan [...] ist genant di stat der gemeine adir bovils
deshalbin, daz ein iclich mensche joch heiden mochte darin gan durch ynnikeit zu betene
Cranc
Uzl 264,2;
der sluc in mit eynim swerte und warf sin az in des unediln bovils grebir ebd.
Jer 26,23.
– ironisch:
wie höfsche liute habe der Rin, / daz ist mir wol mit schaden kunt
[...]. ez mac wol curteis povel sîn Marner
11,25
MWB 1 957,56; Bearbeiter: Plate
bovelîe
stF.
‘(einfaches) Volk’
dâ von wirt frevenlîchen balt / der rîchen ungerehter gwalt / gein der armen
povelî HvBer
1994
u.ö.
MWB 1 958,22; Bearbeiter: Plate
bovelman
stM.
‘Angehöriger des einfachen Volks’
er [Bauer im Schachspiel nach der Umwandlung] heizt
ouch niht mêr ein gebûr / noch dheiner hande povelman, / ob er die wirde erwerben kan
HvBer
10587
MWB 1 958,25; Bearbeiter: Plate
bovelvolc
stN.
‘einfaches Volk’
wir haben drîer leie liute ûf ertrîche. der heizen wir eine povelvolk, wan der ist
aller meiste und habent die minnesten êre. daz sint alle die niur die nôtdurft hânt, daz
sie sich mit êren wol hin bringen und ir kint und ir gesinde. ez sîn ritter oder gebûren
oder koufliute, die heizent daz povelvolk [im Unterschied zu
lantherren und fürsten
]
PrBerth
2:212,5;
mit moralischer Akzentuierung:
sô sleht etelîche [Ehefrau] ir man, daz sie vil arbeit
dâ von hât. daz tuont aber aller meiste niur unbiderbe liute, daz povelvolc: edele liute
oder sust frume liute die tuont daz niht ebd.
2:115,19;
PrBerthKl
2,35.
2,45;
JvFrst
7065.
7113
MWB 1 958,30; Bearbeiter: Plate
bôʒ
stM.
auch boʒ stN.
‘Schlag, Stoß’
von glanzer schilte bôze / [
:dôze
] wart dâ
gehœret lûter klac KvWTroj
33434;
iz quam ein snelleclîcher bôz / alse eins gêhen windes dôz, / dâvon ein hûs
erbiben sol Erlös
5857;
alle steine heben dan / zû einander einen bôz. / dâ wirt vil manec herter stôz
ebd.
6633.
–
do gap er ir ein guotez boz / und zoumtes als ein wildez ros Widersp
147
MWB 1 958,44; Bearbeiter: Plate
1bôʒe
swM.
‘Flachsbündel’
linistipula: pozzo SummHeinr
2:358,03.9
MWB 1 958,52; Bearbeiter: Plate
2bôʒe
swM.
‘Bursche, Kerl’ (vgl. SchweizId 4,1730f. s.v.
Poss):
seht umb den trunken bôzen [Noah] , / sîn
wîsheit ist enzwei KLD:Kzl
1: 1,11
MWB 1 958,54; Bearbeiter: Plate
bôʒen
swV.
beim Simplex sind nur sw. Formen bezeugt; st. dagegen ûʒ
(ge)bôʒen.
1
‘schlagen, klopfen, stoßen’ , intr. 1.1 ohne Präp.-Erg. 1.2 mit Präp. 2
‘jmdn. schlagen, stoßen’
3
‘etw. anstoßen, beginnen’
4
‘(das Fell) sträuben’
5
‘würfeln’ (um etw.) 6
‘kegeln’
1
‘schlagen, klopfen, stoßen’, intr.
1.1
ohne Präp.-Erg.:
– vom Herzen:
werdiu liebe drinne [im
Herzen] bôzet, diu mich selten ruowen lât
KLD:UvL
32: 7,5;
mîn herze wil / sich nah ir zerstôzen
[...] mir ist niht ein kindes spil / selkez
herzen bôzen SM:UvB
1: 2,6;
man moht do hoͤrn bozzen / daz hertz in der vorbrust; / sus
twungen in gelust WhvÖst
11532.
–
‘anklopfen’ (um Einlass):
daz hol er beslozzen vant. / dâ bôzte der gotes
degen; / [...] als in der meister hôrte
[...] er offent im des steines tür
RvEBarl
15311.
699;
da vant er beslozzen daz tor. / [...] zu
bozen er begunde / vil vaste und vil helle Rennew
19938;
do Jacob an daz venster quam / und bozte, ez wart im uf getan
Vät
30373.
–
die mangen [Steinschleudern] vaste bozten
Serv
1796
1.2
mit Präp.:
–
an etw.:
daz si
[
kiele
] niht zevielen, / als die
wintstôze / daran begunden bôzen Wernh
3136;
um Einlass:
der Trierære pôzzet an sîn tor Kchr
4477;
NibB
486,3.
487,3;
KvHeimUrst
2025;
sie bôzten an die tür aldâ, / sie riefen: herre, lâz
uns in! RvEBarl
3584;
übertr.:
sliuz uf des hertzen porten, / dar an er lange bozzet WhvÖst
1967.
–
an jmdn., übertr., ‘jmdn. angreifen’
di juden [...] begunden an in
[
Jesum
] bôzen / mit rûgen und
mit klagen JvFrst
6208.
–
in etw.:
der smac begonde in wisen / fvr sines gevateren tvr. /
da satzte sich her Ysengrin fvr, / dar in er bosen begonde
ReinFu
K,653.
–
nâch
‘um’ etw.:
min gebet sol dringen / hin zuͦ den himel porten, / nach gnaden
richen worten / ræssen und possen / mit minen súnden grossen SHort
3861.
–
ûf etw.:
von trumben und pusûnen hôrte man manigen krach, / floiten unde
blâsen, ûf sumber [Pauken] sêre bôzen Kudr
1572,3.
–
zuo etw., übertr.:
und da von liset man in apocalýpsi daz únser herre alleweg stat und
boset zuͦ des mentschen hertzen PrGeorg
178,14
2
‘jmdn. schlagen, stoßen’
und wurdent sere stossen / Ihesum und bossen / vil schmæchlichen har und dar
WernhMl
8792;
ich solle die boesen bossen / und sij mit den hornen stoßen / und auch mit der
spitze steche Pilgerf
490.
586;
sente Jacoben den grozen / wart er martirn unde bozen, / unz er zu iungest
tote in Macc
14174.
– übertr.:
dann wil ich yeclichen stoßen, / den einen schelden, den andern mit worten
bossen Pilgerf
10617
3
‘etw. anstoßen, beginnen’
er waiz umb wew, / daz im nicht geschaden chan / und get auch sein vreunt
nicht an, / als sich offt dw lauͤt zestozzent / und ein chrieg aus nichtew
pozzent Teichn
227,6
4
‘(das Fell) sträuben’
swenne der igel pruofte, wâ sich der wint hine kêrte, dâ bôzte er sîne hût und
kêrte sînen rücken dâ hine Eckh
2:139,6
5
‘würfeln’ (um etw.):
nicht alsô, daz gelôzt / sî und um di wât al gebôzt, / sundr um den roc einen
[den ungenähten Rock Jesu] nur, wem der gevîle
JvFrst
9330
6
‘kegeln’
waz arbeit lîdent manige liute / mit unkiusche und mit luoder hiute, / die man
siht spiln, schîben, bôzen Renner
6583.
10301.
17574
MWB 1 958,57; Bearbeiter: Plate
bôʒ(en)gëlt
stN.
‘Einsatz beim Kegelspiel’
ez sol auch weder man noch frawe vmb kein spilgelt, wettegelt, rennegelt, bozsen
oder schibegelt nihtes anders schuldig sin zu gelten [...],
danne als vil sie [...] als balde an derselben stat bezaln
mugen StRRotenb
489;
ir sollet wissin: daz kein richter sal richten obir geltspil, noch umme bozgelt,
noch wettegeld RbMagdeb
415,27
MWB 1 959,54; Bearbeiter: Plate
bôʒern
swV.
s.v.a.
bôʒen
‘anklopfen’
vnde zihant als etswer bozzirt [...] got
gnade er [
torwart
] antwrt [
et mox
ut aliquis pulsaverit (...) ‘Deo gratias’
respondeat
]
BrZw
66
MWB 1 959,62; Bearbeiter: Plate
bôʒkiule
stF.
‘Klopfkeule’
manic schiltkneht ouch hâte / an rucke und ûf ahsel biule / als die bôzkiule, / sô
swær er ûf im truoc Ottok
35157
MWB 1 960,1; Bearbeiter: Plate
bôʒkugel
swF.
‘Kegelkugel’
daz herz [des Menschen] würd in fünftzig
jâren alsô grôz als ain grôzeu pôzkugel und würd in den andern fünftzigen jâren alsô
klain als ain pôn BdN
27,25;
HvNstVis
493
MWB 1 960,4; Bearbeiter: Plate
bôʒolt
stM.
vermutlich ein Tanzname, hier obszön:
si wurden beide einander holt / des trâten si den bôzolt HeidinIV
1778
MWB 1 960,9; Bearbeiter: Plate
boʒschuoch
stM.
die Zuordnung zu bôʒ
‘Schlag, Stoß’ ist unsicher; vgl.
botschuoch
.
‘grobe Schuhe’
ii sotulares, quod vocatur bozschuch WeistErf
81
(zur Sache und sprachl. Erklärungsversuchen vgl. Anm. z.St.)
MWB 1 960,12; Bearbeiter: Plate
bôʒwurz
stF.
→
buoʒwurz
MWB 1 960,17; |