boumgarte
swM.
‘Baumgarten’, als Nutzgarten (vor allem Obstgarten) oder
parkähnlicher Lustgarten (vgl. LexMA 4,1121-1124), nicht immer deutlich
unterscheidbar
1
‘Obstgarten’
2
‘Lustgarten’
1
‘Obstgarten’
an dén állersláhto túgede uúnden uuérdent, sámo in démo
bômgárten áller sláhto óbaz Will
68,12.
68,1;
von dem bovmgarten ze Vbingen vnde von wisen git man ain pfvnt
UrbBayÄ
1287,a.
1461,a;
wiltu machin eynen boumgartin, das her frucht brenge in dem
drittin iare, so mus man in dem erstin czwen iarn di bluyt ab brechin
Pelzb
121,28
2
‘Lustgarten’
an ein daz schœneste gras / daz sî in dem boumgarten vant, /
dar vuorte sî in bî der hant Iw
6491;
in des wirtes boumgarten / dâ beidiu luft unde gras, / schate
und schœne sidel was, / dar giengen si sitzen KvHeimUrst
1332;
ez ist ougenwunne hort, / sô man schœne frowen sament / in
dien boungarten sicht gân. / dâ hœrt man ir senften wort, / wan si sich so wîblîch
schament, / sô ir achtent junge man SM:Had
21: 2,3.
– als Ort der Erholung und Genesung:
swer daz fiber hat, / ich gelaube, im werde sin rat, / ob er in einen
schonen bavngarten gat Baumgart
1,22;
übertr. im Buchtitel:
dittze puͦche [...] ist geistlicher herzen
bavngart genant ebd.
1,3
MWB 1 955,54; Bearbeiter: Plate
boumgartenære
stM.
‘Besitzer, Pächter eines Baumgartens’
als ein boumgertenere, / der in so tragem mute lit / daz er der boume nicht
enpflit Secret
2648;
ueberfuͤr ez ein pawmgartner, der sol chain obs arbaiten in dem jar ze
pawmgarten noch ze margt StRMünch
426,25;
povngartnær UrkGeisf
438.
– als Bestandteil von Personennamen auch
boͮmgarter UrkCorp (WMU)
396,26;
bongarter ebd.
825,38.39
MWB 1 956,15; Bearbeiter: Plate
boumgartlêhen
stN.
‘Lehen eines Baumgartens’
aber ze Ronig in dem marcht paungart lehen, giltet x. pfenning von einem
pavngarten vnd von einem lehen UrbBayS
4,163
MWB 1 956,24; Bearbeiter: Plate
boumgertelîn
stN.
‘kleiner Baumgarten’
hie mite sô volget er dem spor / hin durch ein boumgertelîn
Tr
13565;
daz wir allez daz guͦt [...] haben gechouffet
[...] die weinpeunt [...] vnd daz
povmgertel zenahst an der selben weinpevnt UrkCorp (WMU)
N377,16
MWB 1 956,28; Bearbeiter: Plate
boumgetröufe
stN.
‘Harz’
resina: boͮngetroͤife VocOpt
51.001
MWB 1 956,34; Bearbeiter: Plate
boumgewehse
stN.
‘Baumpflanzung, Baumgarten’
arbustum: boͮngewechsce VocOpt
48.014
MWB 1 956,36; Bearbeiter: Plate
boumheckel
stM.
‘Specht’ (vgl. Suolahti, Vogelnamen, S. 29f.):
ain vogel [...], der haizt ze latein
merops und haizt ze däutsch paumheckel und nistet in den holen paumen BdN
380,11
MWB 1 956,38; Bearbeiter: Plate
boumheckelkrût
stN.
eine Pflanze, die Felsen sprengt, Schlösser öffnet usw. und vom Specht gefunden
wird (vgl. Hwb. dt. Abergl. 8,314-320 s.v. Springkraut):
daz kraut haizt ze latein herba meropis, daz spricht
paumhäckelkraut BdN
380,16;
daz paumhäckelkraut, daz diu sloz auftuot ebd.
430,4
MWB 1 956,42; Bearbeiter: Plate
boumklimmære
stM.
‘Baumkletterer’
nû sön wir lernen ûf klimmen an daz kriuze mîns lieben herren Jêsu Kristi. welz
sint nû die rehten boumklimmer? PrNvStr
293,15
MWB 1 956,49; Bearbeiter: Plate
boummate
F.
‘Wiese mit Baumbestand’
danach die biegmathe [...], danach boͮmmathe
UrkCorp (WMU)
207,7
MWB 1 956,53; Bearbeiter: Plate
boum|öle
stN.
auch boumolei.
‘Olivenöl’
oliva haizt ain ölpaum [...]. des fruht
haizt ze latein oliva und sein saf, der auz den frühten kümt, haizt oleum und haizt ze
däutsch paumöl BdN
335,5;
man pflac in der alden e, / swen man under der diete / konige und priester wiete,
/ daz man in daz houbet wole / mit gesegentem boum ole / bestreich allenthalben
HeslApk
15730;
ein grille stirbet, swer ûf in giuzet / boumöle, swenne ez üm in fliuzet
Renner
20042.
20422;
merke daz boum ole, win vnde honic, also uil si edeler sint, also
uil sint si bezzer zu der ercenie SalArz
27,36;
der selbe saf mit boumolei in di oren gegossen, vertribet den
orswern Macer
21,15
MWB 1 956,56; Bearbeiter: Plate
boumrîch
Adj.
‘reich an Bäumen’
do was der garte pawm reich. / sein obs das was wunnicleich HvNstAp
12523
MWB 1 957,6; Bearbeiter: Plate
boumschabe
swFM.
ahd. boumscaba swF. und boumscabo swM., vgl. AWB
1,1303f.
‘Hobeleisen, plana’
plana ferrum quo planatur lignum id est boͮmscabo SummHeinr
2:418,395;
plana: boͮmschabe VocBV926
3:639,23
MWB 1 957,9; Bearbeiter: Plate
boumtragære
stM.
Sekundant beim Gerichtskampf, der für den Kämpfer eine hölzerne Stange trägt, um
sie ─ unter festgelegten Bedingungen ─ zu seinem Schutz zwischen ihn und seinen Gegner
zu stoßen (vgl.
boum
3
):
ist aber, daz ir [der Kämpfer] einer des boumes gert,
alse recht ist, den sal man darstozen; di sigewarten sullenz aber heizen, unde wenne si
heizen di boume uzzihen, so sullen di boumtreger uzzihen StRFreiberg
166,12;
di boumtregere sullen sie [die Kämpfer] nichtes irren
zu rechte; wen welchir den boum eischet unde sin gert, deme sullen si in geben ebd.
165,19
MWB 1 957,14; Bearbeiter: Plate
boumtroufe
F.
‘Bernstein’
electrum: boͮntroffa VocOpt
14.036
MWB 1 957,26; Bearbeiter: Plate
boumvist
stM.
‘Bofist’
poantum [?] : boimvist VocBV947
3:544,30
(Deutungsversuche und Lit. s. Etymol.Wb.d.Ahd. 2,267f.)
MWB 1 957,28; Bearbeiter: Plate
boumwolle
swF.
‘Baumwolle’
bombax: boͮwoll / boͮnwulle / boͮnwlla VocOpt
17.016;
linde sam ein boumwol [
: wol
]
Er
7703;
daz gewant daz man machit uon boum wolle gibit werme
SalArz
22,41;
bomwull und die wullen / die man da von den schaffen schirt, / von den gewant daz
best wirt SHort
6652;
einen schuppel [= schübel
‘Büschel’] boumwol / zôch er ûz dem buosem her
Ottok
78333;
si di wunde uf gebrochen vnde sere blute, so lege druf eines
wizes eines eyes mit einer boum wolle SalArz
79,23;
nym husworcz, sal, vrowenmilch, rosenwater, mengez tosammene vnde
mache ez to eynen plastere mid bom wollen vnde legez vf de oren OvBaierl
100,12
MWB 1 957,31; Bearbeiter: Plate
boumwollenkërn
M.
‘Same in den Kapseln der Baumwolle’
bombax: boimwollenkern VocBV947
3:537,18
MWB 1 957,45; Bearbeiter: Plate
boumwurm
stM.
die Spanische Fliege (lat. cantharis):
von den paumwürmen. cantarides haizent paumwürm, die zuo obrist
auf den esten wahsent BdN
299,27
MWB 1 957,48; Bearbeiter: Plate
boumzaher
stM.
‘Harzträne’
Platearius spricht, daz [...] onix
[...] ain paumzaher sei, der fliez auz ainem paum und werd
sô hert, daz der stain dar auz werd BdN
454,13.
372,23.
396,8
MWB 1 957,52; Bearbeiter: Plate
bovel
stMN.
aus afrz. poble, lat. populus (Kluge, 710).
‘(einfaches, niederes) Volk; Volksmenge’
sus huop sich vor / der bischof und der povel nâch
KvHeimHinv
711;
sîn bovel [Dienerschaft, Tross] man dort vor ersach: /
garzûne, koche unde ir knaben Parz
18,22;
Kurvenal / zu tôde zwêne schergen sluoc. / dâ was gesamentes bovels gnuoc, / daz
lief hin dan und vlôch den tôt HvFreibTr
3308;
verborgen wart Philôtas / daz im niht geschæhe / sô in daz povel sæhe, / wan ez
hât manec man daz lebn / von povels ruofe gegebn: / swie gevüege schulde er hât, / daz
povel in niht reden lât RvEAlex
19274;
din [Marias] helfe mac die richen / behalten und den
armen bovel KvWGS
795;
die fürsten zallervorderôst, / darnâch die besten überal, / dô
[dann] daz bovel âne zal LBarl
14093;
hin ze dem münster si gie / unde douhte sich ahtbære. / vor ir giengen ir
chamerære, / die daz povel hiezen weichen Serv
2499;
etlich gevielen daran, / man solt dem kunic disen man / her ûz der stat geben; /
des begunde widerstreben / der povel unde diu gemein Ottok
32430;
der plan [...] ist genant di stat der gemeine adir bovils
deshalbin, daz ein iclich mensche joch heiden mochte darin gan durch ynnikeit zu betene
Cranc
Uzl 264,2;
der sluc in mit eynim swerte und warf sin az in des unediln bovils grebir ebd.
Jer 26,23.
– ironisch:
wie höfsche liute habe der Rin, / daz ist mir wol mit schaden kunt
[...]. ez mac wol curteis povel sîn Marner
11,25
MWB 1 957,56; Bearbeiter: Plate
bovelîe
stF.
‘(einfaches) Volk’
dâ von wirt frevenlîchen balt / der rîchen ungerehter gwalt / gein der armen
povelî HvBer
1994
u.ö.
MWB 1 958,22; Bearbeiter: Plate
bovelman
stM.
‘Angehöriger des einfachen Volks’
er [Bauer im Schachspiel nach der Umwandlung] heizt
ouch niht mêr ein gebûr / noch dheiner hande povelman, / ob er die wirde erwerben kan
HvBer
10587
MWB 1 958,25; Bearbeiter: Plate
bovelvolc
stN.
‘einfaches Volk’
wir haben drîer leie liute ûf ertrîche. der heizen wir eine povelvolk, wan der ist
aller meiste und habent die minnesten êre. daz sint alle die niur die nôtdurft hânt, daz
sie sich mit êren wol hin bringen und ir kint und ir gesinde. ez sîn ritter oder gebûren
oder koufliute, die heizent daz povelvolk [im Unterschied zu
lantherren und fürsten
]
PrBerth
2:212,5;
mit moralischer Akzentuierung:
sô sleht etelîche [Ehefrau] ir man, daz sie vil arbeit
dâ von hât. daz tuont aber aller meiste niur unbiderbe liute, daz povelvolc: edele liute
oder sust frume liute die tuont daz niht ebd.
2:115,19;
PrBerthKl
2,35.
2,45;
JvFrst
7065.
7113
MWB 1 958,30; Bearbeiter: Plate
bôʒ
stM.
auch boʒ stN.
‘Schlag, Stoß’
von glanzer schilte bôze / [
:dôze
] wart dâ
gehœret lûter klac KvWTroj
33434;
iz quam ein snelleclîcher bôz / alse eins gêhen windes dôz, / dâvon ein hûs
erbiben sol Erlös
5857;
alle steine heben dan / zû einander einen bôz. / dâ wirt vil manec herter stôz
ebd.
6633.
–
do gap er ir ein guotez boz / und zoumtes als ein wildez ros Widersp
147
MWB 1 958,44; Bearbeiter: Plate |