b – bachhelling bächîn – backwërc bacolôn – badestubære badestube – balde baldecheit – balmunden balmunt – balsamtrôn balsamtropfe – ban, bane 1ban – banekîe banël – bänkelîn banken – bantac bant|âder – banzins banzûn – bârbrët 1barc – bârkleit barkorn – barmhërzeclîche barmhërzege – barten bartenære – base Baseler, Basler – bate bate, pate – bearbeiten bearren – bechersamenære becherweide – beckenknëht beckenkol – bedancheit bedarf (?) – bedingen bedirmen – bedrangen, bedrengen bedrât – begâben begâbunge – begelimpfen begenagen – begin begîne – beglîmen beglîmunge – begrîflich begrîflîcheit – behaft behaftec – behaltunge behandeln – beheimsuochen beheiʒen – behern behêrren – behoven behten – behuoflich behuoren – beie beie – beinîn beinîsen – beiʒe 1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit bekantnisse, bekentnisse – bekerzen bekicken – beklipfen beklocken (?) – bekorunge bekorungnisse – beküelen bekumberhaft – belæren belasten – belîbelich belîben – belônære belônen – bemaln bemangen – bemurmeln bemüseln – benedîunge benediz – bennen bennige – bequâme bequæme – bërc|êrîn bërcgar – bërcphenninc bërcrëht – beredenunge beredet – 1berennen 2berennen – bërhtnaht berhtram – berillîn berîmeln – bërlich bërlîn – bernisch bërnklâ – bêrswîn bertenære – beruofære beruofen – besamentlîchen besamenunge – beschatzære beschatzen – beschemen beschemenisse – beschînen beschirm – beschouwunge beschremen – besebelicheit beseben – besetzunge besëʒ – besîtes besitzære – beslîʒen besloʒ – besnöuwen besnüeren – besprëchære besprëchen – beste bestëchen – bestiure bestiuren – bestürzen bestutten – besuochnisse besuochunge – bët betagen – bëtelære bëtelærinne – bëtemësse betemmen – bëtewîn bëtewîp – betrahtegen betrahten – betrogenlich betrônen – betrûren betrûrigen – bettemunt betten – betûchen betüemen – betwungenheit betwungenlich – bevellicheit bevern – bevliehen bevlieʒen – bevür bevürhten – bewærnüsse bewarsam – bewëlgen bewëllen – bewindeln bewinden – bezâfen bezaln – beziln bezimbern – beʒʒer beʒʒerære – bî bestân bîbilde – bíderben, bedérben biderbenen, bederbenen – bîenkar bîenswarm – bieʒenblat bieʒenkrût – bîhtât bîht(e) – bilchmûs bildære – bildoht bildunge – bilsensaf bilsensâme – bineʒ binide – birden bir(e) – birnwîn birsære – bischolf bî schrîben – bî slâfen bî|slëht – bît bitære – bittern bitternis – biurlîn biuschen – bîvilde bîvilden – bîzeichenen bî zëmen – blahsen 1blæjen – blâsehorn blæselîn – blatengîr blatenrinc – blëchhantschuoch blëchrinc – bleichvëlt blende – blîche blîchen – blîkloz blîkolbe – bliuclich bliuge – blôdern blotschen – blüemunge blüetebërnde – bluomental bluomenvar – bluotgieʒen bluotgieʒende – bluotstürzunge bluotsûgende – bobenthalben boc – bogelîn bogen – 2bolle bollen – 3bor bor-, enbor- – (borliep,) enborliep bormære – bortengewant bortiure – bote botech – bou bouc – boummate boum|öle – bôʒwurz brâ – brâ|hâr bræhen – brantlich brantreite – brâwelîn bræwen – brëhenen brëhentac – brenken brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche brëtsnîdære – brieschen brievære – brionie brîsære – briulêhen briumeister – briuwe briuwe – brohsen bronie – brôthalle brôtheit – bruch bruch – bruckenambet bruckenære, bruggenære – brüeterîn brügel – brünnære brunne – brünselbërc brünseln – bruoderhûs bruoderkint – brust brust – brûtdëgen brûtdrüʒʒel – brûtsanc brûtschaft – buckel buckelære – büellîn büeʒære – buhsboum bühse – bûlslac bulzen – buoben buobengâbe – buochisch buochkamere – buoliân buollîn – buppe bur – burcgrâvenambet burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen burcmeisterschaft – burcstal burcstat – bürde bürdelîn – burgergemeine bûr|gerihte – Burgunder Burgunjoys – bursenære bursît – büschelîn buschoff – bütelin bûtelîn – bûvëlt bûvisch – buʒʒel
|
blîvarwe
stF.
‘Bleiweiß’
cerusa: bliuarue VocBV887
3:487,3
MWB 1 885,26; Bearbeiter: Tao
blîwâge
stF.
‘Waage zum Abwiegen von Blei’ bzw. Abgabe dafür oder ‘Setzwaage mit einem
Bleilot’
dor obir wolle wir, das di bly wage nirgin andirswo wen do selbis gehaldin werde
ewiclichin UrkSchles(B)
131:1,12;
blywage UrkSchles
3,39
(vgl. Anm. z.St.; a. 1316 kopial);
umme di pleiwag bescheid wir euch also, das di gehoret di herschaft
[Grundherrn] an BgRIglau
338,22
MWB 1 885,28; Bearbeiter: Tao
blîweich
Adj.
‘weich wie Blei’
di ir wol gezirten helmuaz / waren alle bliwaich. / swaz sin
daz swert begraif, / daz muse allez in zwai Rol
4305;
StrKarl
5329
MWB 1 885,36; Bearbeiter: Tao
blîwîʒ
stN.
‘Bleiweiß’
von corianders same, silberschum, bliwiz, ezsig, rosenolei, di
fuͦnfe zusamne getan: da mache von ein salbe Macer
30,5;
daz saf mit ezsige unde mit bliwiz getempert, hilfet an di
stat gestrichen, di mit der hitze bekumirt ist ebd.
70,11;
SalArz
73,53.
78,31;
OvBaierl
136,13
MWB 1 885,40; Bearbeiter: Tao
blîzeichen
stN.
‘Bleisiegel’
diz wib da in ein cellen gienc / [...] der alde man
die tur versluc / und leite ein blizeichen dran, / daz deweder wib, noch man / zu ir
mochte kumen drin Pass III
541,95
MWB 1 885,46; Bearbeiter: Tao
bloch
stN.
auch block, blöcher (Pl.);
s.a.
phloc
.
1
‘Baumstamm, dickes Brett, Klotz’
2 Block als Strafeinrichtung (vgl. DRW 2,371) 3 eine Art ‘Falle’
4
‘Holzschrein, Bahre’
5
‘Klumpen’
1
‘Baumstamm, dickes Brett, Klotz’
an daz fiur neleget man neweder bloch noch stoch
Himmelr
8,24;
do ein villan / einen wek hat getan / in ein bloch vnd hat in
dvrchgeslagen ReinFu
K,1543.
K,1550.
K,1589;
zuͦ dem loch / das vor gebort was in das bloch KvHelmsd
1870;
diu mûre was behangen / mit grôzen blochen sinwel; /
[...] swen iemen an den graben gie, / und man diu bloch
vallen lie, / sô hurten si die vînde wider / in den tiefen graben nider
Wig
10750;
Ottok
48784.
49186;
zehant hiez er mit listen / eine eichîne kisten / würken ungevüege, /
[...] von vier grôzen blochen Schlegel
512.
– in Vergleichen:
do lag er als ein ander bloch / und lebt et allez dan
noch StrKD
147,101;
Seuse
45,10;
hete daz der gast vernomen, / daz duhte in swære als ein
bloch [würde ihn sehr belasten]
StrKD
161,15;
er sleht im einen grozen slag, / daz er nit me geleben
mag. / er vellet ab her als ein bloch HvNstGZ
5950;
HvNstAp
12026;
dâ von sô brach er unde spielt / die rotte in kurzer wîle, / sam der mit
eime kîle / zerklübe grôziu blöcher KvWTroj
32961;
als ein affe der gehefftet ist / an ein ploch und gebonden ist, / der nit
uffgestigen mag / er falle dan balde wieder abe, / also ist mir der lip ein
ploch swere / und eine zange, die da heldet sere Pilgerf
6273.
6276.
– Sprichw. (vgl. TPMA 10,177):
waz touc der slegel âne stil, / dâ man blöcher spalten wil? Freid
126,14
2
Block als Strafeinrichtung (vgl. DRW 2,371):
sin bain warent im in ainem block / versmit, man haist ez ain stock. / nieman
wann dieb man dar in slecht / und wen man umb boshait vecht MinneR 439
989.
– übertr.:
der welte swæres bloch, / daz lip vnd sel erlemmet / vnd allis heil
vertemmet Martina
26,62;
la mich in disem leben noch, / wan grulich ist des todes bloch Hiob
4024;
mit leides seile sie mich zoch / gar hoch uff sorgen erker / und liez in
trurens kerker / mich vallen in ein tieffes loch / und slug mich in unmutes
bloch, / daz mir der lip derbidemt Minneb
1792
3
eine Art ‘Falle’
er het geheizen ein bloch / bereiten, der listige man, / zwelf sensen hiez er
dar an / al umb und umbe machen HvFreibTr
2702.
2707.
2754.
2881;
dô lîz der leidige wert beslân / mit wolfsegense [vgl. Anm.
z.St.] ein bloch Eilh(L)
5305
4
‘Holzschrein, Bahre’
da hub sie den samit off, und myn herre Ywan sah wo ein
bloch darunder lag, das was wol funff schu lang und wol anderhalbes breit
Lanc
549,26.
549,32.
550,1
5
‘Klumpen’
ich [personif. Habgier] laden und besweren mich /
mit dem metal der so sere wiget, glich; / das ist von golde ein ploch, das ich /
danne hencken an mich [...]. / ich glichen dem affen der
das ploch fuͤret / und das tynset und huͤdet: / also huͤden ich myn ploch
Pilgerf
9486.
9489.
9491;
an Judas, der dinen konnig verriedt, / ich yme zu zijden daz ploch anehieng; /
in sine budel und in sine secke / lachte ich so viel der ploecke / das er von hohe
her abe nider viel ebd.
9496.
9498
MWB 1 885,50; Bearbeiter: Tao
blochrise
stF.
‘Riese (Holzrutsche), Schneise (zum Abtransport der Bäume)’
UrkSüdtirol
3,1:156
(a. 1290)
MWB 1 886,46; Bearbeiter: Tao
blochwërc
stN.
‘Gefängnis’
vnd wart im da gemachet ain blochwerch, da er inn solte gelegen sin vntz an
sinen tod Kuchim
45,204
MWB 1 886,49; Bearbeiter: Tao
blœde
Adj.
1
‘schwach, gebrechlich, zerbrechlich’
1.1 von körperlicher Schwäche (auch in Bezug auf das Sehvermögen) 1.2 von geringer Festigkeit (des Materials, Bauwerks) 1.3 übertr. 1.4 von Frauen und Kindern, in 2 übergehend, formelhaft 2
‘verzagt, furchtsam, schüchtern, feige’
1
‘schwach, gebrechlich, zerbrechlich’
1.1
von körperlicher Schwäche (auch in Bezug auf das Sehvermögen):
der was ein witebere, / alt vnde swære, / bloͤde [
brode
Wernh
D 1711
] sines leibes Wernh
A 1541;
si [Frau Welt] was sô gar
unreine / daz von ir blœden [Laa. broͤden, bosen
] lîbe wac / ein alsô egeslicher smac / den niemen kunde erlîden
KvWWelt
229;
plod und krankch HvBurg
5252;
Krone
27153;
siech vnd blöde ebd.
12531;
unser blœdez [kraftloses, unritterliches]
vehten / gezimt niht guoten knehten. / [...] obz iuwer
muot niht vervât / vür zageheit, sô ist mîn rât, / daz wir diz blœde vehten lân
/ und eine wîle ruowen gân Er
902.
908;
swer siech in dem houpt ist, enphleget er dirre dinge
niht, dem werdent diu ougen blœde [...] unde nimt im
daz gesihen abe Barth
157,4.
– bildl.:
daz reht sol [wie ein Adler] zwei vetich hân, /
geistlîch und wertlîch geriht. / [...] sît einz dem
andern entweich, / sît wart daz reht blœde und weich / und muoste vallen nider
WälGa
12634
1.2
von geringer Festigkeit (des Materials, Bauwerks):
do waren die dillen / blode und unstete ErzIII
96,13;
daz er [Drache] da zart / von yme die starcke
sarwat, / glich als weres ein blödes blat Krone
13502;
ze stuckin brah er sinú bant / reht als ein bluͤdis dúrre stro
RvEWchr
20858;
ist an der gruntveste gebreste, / sô ist daz gezimber gar / blœde und
unstæte WälGa
12026
1.3
übertr.:
–
‘vergänglich, sündhaft, hinfällig’
sîn rât und blœdes [La. boͤses
] fleisches gir, / die hânt geverret, hêr, uns dir
Walth
3,13;
Mai
22,38
(La. zu brœde);
so wizzet daz nimmer bloder man / untruwer noch der karge, / di von
desin dingen sin arge, / mag komen in gotis riche dort Brun
12609;
vater, sun und hailig gaist, / in ain gestricket, sit du waist / unser
bloͤdes leben, / so la din helf geben / uns ymmer vræude an ende
WhvÖst
19537;
do geschuof got [...] / unsern vater Adâmen /
[...] ûz einem brœden [Hs.
bloͤdem
] leime Aneg
1078;
dem sust zu poßhait ist so gach, /
[...] der mag wol schier werden / zu ainer
ploden erden HvNstAp
82;
ach mensch, bloder worm! / noch tribet hohfart in dir
storm HvNstGZ
2317;
wâren von ir lîbe / wir alle niht ensprungen, / alte
unde junge, / sô wâre diu werlt ôde, / ringe unde brôde [La.
bloͤde AC] , / sone ruofte niemen an got
Wernh
1614.
– von der gebrochenen Macht des Teufels:
blode wart sin craft, / do in der einre ubirwant
Litan
412.
– von schwachem Verstand:
Dagenot [...] was ein tor
gewesen ye und ye und ein schnúdel, er was der blödest den man wuͦst, all
die welt spot syn umb syn groß affenheit die er rette und tegelichs dethe
Lanc
228,37.
293,3.
293,16.
–
‘entblößt, ohne Herrschaft’
do der kunich Dietmar starp, / romisch lant nach im verdarp, / daz iz
wart allez oͤde, / an groͤzer richeit bloͤde Dietr
2527;
nu sint elliu miniu rich / leider gar ze bloͤde / und alle min gelt
oede ebd.
7518
1.4
von Frauen und Kindern, in 2 übergehend, formelhaft:
wâr ich der fromediste man, / [...] oder daz
blôdiste wîb En
11070;
diu wîb sint brôder [La. bloͤder h]
dan die man ebd.
1599;
daz ir mit wintender hant / stêt als ein blœde wîp, / diu ir zuht und ir
lîp / nâch vriunden sêre hât gesent KlageB
1021;
ir weinet reht alsam diu kint, / die dürftigen unde weisen sint, / und als
diu kranken, blœden wîp UvLFrd
305,9;
bruͦder, soͤlhes ungemach / soͤlte twingen bloͤdiu wip. / bi uns nit
langer belip! Rennew
25025
2
‘verzagt, furchtsam, schüchtern, feige’
waz her dâ brôder [La. bloder
] lûte vant / âne herze unde âne were / mit den entran her uber mere
En
4436;
Herb
13929;
diu burc hiez Schâtel le mort, / der wirt Mâbûz der blœde. /
sîn herze daz was œde / von êren und von manheit UvZLanz
3551
u.ö.;
ist er ein zage, so ist er bloͤde MinneR 52
58;
war umbe siht man iuch verzaget / durch eines bloeden phaffen wort, / der
strîtes selten hât bekort / und lützel kumbers ie geleit? KvWTroj
19133;
GTroj
5339;
WhvÖst
17259;
wann ich wer ir zu dinste zu bloͤde Minneb
4813;
und gedencket nit an uwer schone wip / und an uwer kinde da heim, / das uns
nit blode werde der stritt SalMor
486,6.
–
~ und küene, ~ oder balt:
den blôden und den kûnen [allen]
En
1111;
junc oder alt, / oder blœde [La. bluege
] oder balt Parz
93,16.
–
blœde herze:
daz plœdiu herzen küenet / und in gît hôchgemüete Parz
96,16;
min blöde herz trit ser up hor, / als it vernimt den
oversten chor, / du ennems mich self bit diner hant / ind leids mich durch der
engel lant MarlbRh
89,15;
es [Gebet] machet ein sur herze
suͤsse, [...] ein tump herze wise, ein bloͤde herze
kuͤne Mechth
5: 13,4.
–
er ist ein unversunnen man. / er hât glîche getân / alse
der blôde hovewart. / sulih ist sîn art: / swenner nahtes iht vernemet, / durh
sîne blôdicheit wirt er irgremet, / er ne tar dar nâher comen niet, / al
bellender flîhet SAlex
1521
MWB 1 886,52; Bearbeiter: Tao
blœde
stF.
1
‘Schwäche, Schwachheit’
2
‘Schamgefühl; Feigheit’
1
‘Schwäche, Schwachheit’
– von körperlicher Schwäche:
Samsonis sterkin, die were da ein blóde
Lucid
150,6;
zwenn [l. zwelf?] sterkern mannen man
sú [Banner] bevalch: / ob es [die
Verneigung der Banner vor Christi] von bloͤde [der
Träger] wære beschechen, / das soͤlt mit den sin
versechen [abgewendet]
WernhMl
11397.
– übertr.:
wan div seligen chint dannoch zü dem alter niht chomen
waren, das si von ir menslicher blode dehein schulde iht heten
Konr
4,9;
Wernh
A 418;
doch muozen zallen ziten / die reinen frovwen striten / gein dez libes
blode / wie man daz fleisch ertode / daz ez der sele niht enschade
Martina
94,97;
daz machet der fúrsten ploͣede, / daz ir höfe steend so öede Dietr
213
2
‘Schamgefühl; Feigheit’
vor wîben und vor mannen / diu frou ir blœde vergaz, /
[...] si enplôzt sich irer kleider / und liez sich
meniclichen sehen, / die solhe zeichen [der
Schwangerschaft] kunden spehen Ottok
11623.
– personif.:
dâ leit Manheit die Blœde nider, / daz Unreht diu Gerehtikeit HvBer
2870
MWB 1 888,21; Bearbeiter: Tao
blœdecheit
stF.
1
‘Schwäche, Schwachheit’
2
‘Trägheit’
3
‘Zaghaftigkeit, Feigheit, Schüchternheit’
1
‘Schwäche, Schwachheit’
wan dv́ mensliche bloͤdekeit mag niht lange die goͤtliche
svͤzze vnde daz vnbegriffen lieht erliden DvAStaff
419;
DvAPatern
301;
die von dez libes plodikait / in laster, sund, boshait / kurtz oder lang sint
gelegen SHort
8763;
daz si die wâren gotes minne / an in sterct und mêrte, / sô daz si niht
verkêrte / wîplichiu blœdikeit / in deheine zageheit, / diu si möht berouben /
kristenliches gelouben Ottok
52251;
[sie] fundent das geboren kint / aͮn allú zaichen dú an
kinden sint / von naturlicher bloͤdekait / und grosser kranker snoͤdekait
WernhMl
2649
2
‘Trägheit’
man sol sich vor blœdekeit / behüeten und vor trâkeit, / daz man nien tuo min
dan man sol, / swer nâch reht wil rihten wol WälGa
12571.
3
‘Zaghaftigkeit, Feigheit, Schüchternheit’
zwischen zwein untugenden ist / ein tugent zaller vrist. / diumuot ist
[...] / zwischen hôhverte und blœdekeit; /
[...] swer über mâz diumüetec ist, / sîn diumuot wirt
zuo der vrist / untugent unde blœdekeit WälGa
9996;
vorhte unde blœdekeit
12586.
12595;
das die aposteln kamen in also grosse kuͦnheit nach also
grosser bloͤdekeit, do si enpfiengen den heligen geist Mechth
5: 12,10;
do waz din manhaitt worden schwach: / daz du dich ainer mütter barn / last an
wirde machen arn, / daz ist an dir ain blödekaitt GTroj
5337;
vort sich Job unschuldic seyt / der zagheyt und der blodekeyt Hiob
11888;
doch ir lieb gein im under brust / was sô starc, daz sie enpfâhens het gelust,
/ wan daz diu scham mit bloedikeit sie vâhen / kunde Loheng
3036
MWB 1 888,43; Bearbeiter: Tao
blœdeclich, blœdeclîchen
Adv.
‘zaghaft, furchtsam, schüchtern’
und Galahot begund zu gedencken das er villicht durch synen
willen als blöteclich gebere und das er licht vor im nit wolt sagen was im war
Lanc
290,34;
das er fast blödiclich geyn den frauwen wert sah ebd.
294,7.
317,13;
wie stêt daz ritterschefte, / dâ man sus blœdeclîche tuo KvWTroj
23475;
si entet niht sam die vrechen, / blœdiclîch [vgl.
bluͤklich
Frauentreue(L)
217
] si daz sprach Frauentreue
213;
vorcht uch nicht vor dem konige von Babylonien, vor dem ir uch so blodeclichen
schuit Cranc
Jer 42,11;
ein teil si blœdeclîchen [besorgt (vgl. La. bluglichen
] sprach KvFuss
2796
MWB 1 889,11; Bearbeiter: Tao
blœdelich, blœdelîchen
Adv.
1
‘zaghaft, schüchtern, verlegen’
2
‘langsam’
1
‘zaghaft, schüchtern, verlegen’
swíe lieb sie den man habe, / die scame wisít sie dar abe, /
daz [so dass] síez blodílíchín tvͦ
Athis
D 35;
diu stuont blœdelich, / dô der von Ôsterrîch / her gegen ir gie Ottok
90269;
HvFritzlHl
211,25
2
‘langsam’
wan her ein alt man was unde ungesprêche, sô sprach her blôdelîchen und
gemechlîchen HvFritzlHl
70,12
MWB 1 889,25; Bearbeiter: Tao
blœden
swV.
‘sich fürchten’
der pfaffe begund blöden / von jämerlichem grimen dol HvPforzen
324h App.
MWB 1 889,33; Bearbeiter: Tao
blôdern
swV.
‘rauschen’
diu drozze wart ze enge, / daz sich von dem wâcgedrenge / diu güsse begunde
werren, / blôdern unde kerren / als ein windesprût ûf dem mere Weinschwelg
140;
dô huob er ûf unde tranc: / einen trunc, der begunde plôdern, / als daz wazzer
ûf den flôdern / ûf alten kumpfmüln tuot ebd.
229
MWB 1 889,36; Bearbeiter: Tao
blotschen
swV.
‘platschen’ (vom Wasser), nur subst. Inf.:
daz wasser ob den wolken rant, / daz ez ergallmt und erdos. / ez bracht und
tet manigen stos / uber der stein rotschen. / gar grulich waz sin blotschen, / daz
ez an steinen tet wider Minneb
34
MWB 1 889,43; Bearbeiter: Tao
blouwen
stV.
→
bliuwen
MWB 1 889,48;
blôʒ
Adj., Adv. (selten).
mit verstärkendem al
Parz
801,17;
RvEBarl
5127.
1 Adj. ohne Gen.-/Präp.-Erg. 1.1 bezogen auf Menschen, Tiere und Pflanzen 1.1.1
‘unbedeckt, entblößt, nackt’
1.1.2
‘ungepanzert, unbewaffnet, ungeschützt’ (Ggs.
gewâfent ) 1.1.3
‘ohne Haare, ohne Federn, kahl’
1.1.4 Weiteres 1.2 bezogen auf unbelebte Dinge (Waffen, Sattel, Feld, Berg, Gefäß, Münzen usw.) 1.2.1 (Waffen:) ‘blank, gezückt’
1.2.2 (Schildriemen der zerhauenen Schilde:) ‘unbedeckt’
1.2.3 (Sattel:) ‘ohne Reiter’
1.2.4 (Wiese, Feld, Berg:) ‘kahl, leer’
1.2.5 (Hofstätte, Burg, Land:) ‘unbebaut, leer’
1.2.6 Weiteres 1.3 übertr. 1.3.1
‘unverhüllt, rein von Kreaturhaftem, lauter’ , in mystischen Texten 1.3.2
‘unverhohlen, deutlich, offen, offenbar’ (v.a. in Verbindung mit
Verben sîn, sagen/sprechen, machen ; teilweise als Adv. auffassbar) 1.3.3
‘schlicht, einfach’
1.3.4
‘einfältig, schwach’
2 Adj. mit Gen.- oder Präp.-Erg.: ‘ohne etwas; entblößt von etw., frei von etw.,
einer Sache beraubt’ (vgl. 1 ), oft präd. in Verbindung mit
den Verben sîn, werden, stân, vinden
2.1 mit Gen.-Erg. 2.2 mit Präp.-Erg. 3 Adj., Adv. ‘bloß, nichts anderes als, nur, allein’
1
Adj. ohne Gen.-/Präp.-Erg.
1.1
bezogen auf Menschen, Tiere und Pflanzen
1.1.1
‘unbedeckt, entblößt, nackt’
des gestuont dâ vil der degene von milte blôz âne
kleit NibB
1370,4;
swâ ir der lîp blôzer schein Iw
1331;
Kam vant sîn vater blôzen KLD:Kzl
1: 1,9;
KvWHvK
582;
RvEBarl
5127;
dô machten si den herren blôz [beraubten ihn der
Kleidung]
EnikWchr
A I,93;
dô truoc der reine gotes trût / ze lîche an sîner
blôzen hût / ein hertez tuoch, hærîn / halp und halbez wüllîn
RvEBarl
6474.
14954;
SM:Ta
3:1,6;
her Brvn [der seine Ohren und den Hut
verloren hatte] qvam ze hove bloz ReinFu
K,1607.
K,1598;
daz die vrouwen daz houbet bedecket hânt und die
mannesnamen blôz nâch sant Paulus lêre [vgl. I Cor
11,4]
Eckh
5: 114,2;
als er endahte mich, / sô wolt er sunder wât / mîn
arme schouwen blôz MF:Mor
30: 4,6;
(vor jmdm.) ûf sîne blôzen knie vallen
RvEBarl
14773;
MarLegPass
21,102.
–
blôze hant:
swer in [Stein] hât in
blôzer hant, / den mac niemen, al die vrist / unz er in blôzer hant ist, /
gesehen noch gevinden Iw
1204;
ir sült die kel ouch jucken niht, / so ir ezzt, mit
blozer hant TannhHofz
110.
80;
BdN
301,10.
– in Vergleichen:
~ sam ein hant u.ä.:
er [...] zarte abe sîn
gewant, / daz er wart blôz sam ein hant Iw
3236;
Er
5401.
651.
–
mit blôzen handen
‘mit bloßen Händen, ohne Waffen in den Händen’
StrKD
9,16;
RvEWchr
20564
1.1.2
‘ungepanzert, unbewaffnet, ungeschützt’ (Ggs.
gewâfent):
der [...] wolde Alexander
geben ainen slach, / dâ er im den hals plôz gesach VAlex
1284;
mir ist als mære, da si gewâfent sîn, / als ob si blôze stüenden
NibC
458,2.
1944,1;
NibB
2249,1;
Herb
13594;
sî wâren gewâfent sêre / sô daz an in niht mêre /
blôzes wan daz houbet schein Iw
6681;
her Gwîgâlois hie blôzer stêt; / niht mê er ze
schirme hêt / niwan sîn barez îsengwant Wig
6987;
die gewâpenden und die blôzen Wh
417,6;
sunder harnasch blôz ebd.
324,23.
408,5;
HvNstAp
8623.
–
diu blôze sîte
‘die nicht durch den Schild gedeckte Seite’
swâ man se wolt an rîten, / daz was zer blôzen sîten Parz
257,22;
sus was der wol gelobte man / gerant zer blôzen sîten an / mit
rede [mit Worten]
ebd.
299,14.
674,6.
– im Vergleich:
Êrec was blôz als ein wîp Er
103
1.1.3
‘ohne Haare, ohne Federn, kahl’
merretich mit honege gestossen unde an daz houbt
gestrichen, daz schurfhalp bloz ist, machet har Macer
90,3;
Barth
143,36;
diu nase als einem ohsen grôz, / kurz, wît, niender
blôz Iw
448;
sô der habich sein alt federn wirft, sô strekt er
sein plôz flügel gegen suden BdN
170,1.
223,28
1.1.4
Weiteres:
–
‘ohne Laub’
der [Baum] wart blôz /
und loubes alsô lære / als er verbrennet wære Iw
660;
manic hundert zwîer wâren blôz / und daz
sîn [Josephs Stab] was geloubet
KvHeimUrst
460.
–
‘ohne Hülle, frei, offen’
im was sin houbet so gar zv slagen, / daz im daz
blozze hirn bein / in der wunden vz schein Herb
12503;
wenne dû mit dem vinger rüerst den wunden menschen
auf sein plôz hirn BdN
6,33;
dar nâch schol man in die rinden abziehen und
schol die plôzen kern in ain wazzer legen und schol si gar wol sieden
ebd.
339,21.
–
‘ohne Besitz, mittellos’
stichet ab in der wirt nider, / sô muoz er danne
blôzer wider / scheiden gar ân sîne habe Wig
1952;
nimbt [...] ain witib ainen man und
pringt in des gewalt nichts [...] und chumbt
also plosse [ohne Mitgift] in sein gewalt
StRWien
30;
Ottok
876;
RvEBarl
704
1.2
bezogen auf unbelebte Dinge (Waffen, Sattel, Feld, Berg, Gefäß, Münzen usw.)
1.2.1
(Waffen:) ‘blank, gezückt’
ein vil starkez wâfen daz truog er blôz an sîner hant
NibB
1951,4;
ähnl.
SSpAug
175,18;
wir heizen gewâfente hant blôziu swert in der hant
oder [...] ander gewâfen SpdtL
191,22;
KvWLd
24,27;
ein swert [...], / blôz âne
scheide Volmar
953;
ein sper scharph unde blôz KvWLd
1,108;
BdN
275,16
1.2.2
(Schildriemen der zerhauenen Schilde:) ‘unbedeckt’
ir schiltriemen sint nacket blôz / und unverdecket
von den breten Wh
242,18
1.2.3
(Sattel:) ‘ohne Reiter’
man sach dâ vor ir handen vil manegen satel blôz
NibB
233,1
1.2.4
(Wiese, Feld, Berg:) ‘kahl, leer’
dâ man bluomen sach ûf dringen, da ist ez blôz: nu
schouwet wie diu heide lît KLD:GvN
5: 1,4;
da daz felt was bloz, / e ez wurde mitten tag, / daz
velt von toten vol lag Herb
7570.
12881;
daz blôze gevilde Greg
2763;
ainen perg, der was ploß HvNstAp
10296
1.2.5
(Hofstätte, Burg, Land:) ‘unbebaut, leer’
wenne der hvͦber bvwen wil sinen blossen hvͦp hof, so sol man ime gen
fvnf holzer UrkCorp (WMU)
N816,22;
ez en wær danne daz divͤ hevser ab brunnen vnd daz die hofstete bloz
wurden ebd.
1399,41.
– (eine Burg)
~ (ver)brennen
‘niederbrennen’
LivlChr
6873.
11600.
11413;
NvJer
1587.
– etw.
~ machen
‘ausplündern, -rauben’
daz man darumbe machte blôz / des von Wirzpurg eigen, / ûf huoben
und ûf sweigen / sîn guot man im nam Ottok
33443
1.2.6
Weiteres
– (Zelt, Tisch:) ‘offen, unbedeckt’
gegen der sunnen stuont ez [
gezelt
] blôz Wig
10851;
er sal vasten [...] unde
sal sunderlîche in einer cameren ûf eime thislachene ezzen, âne die
tage, sô ime ze wazzere unde zu brôte gevellet ze vastene, sô sal er ûf
einer blôzen tavelen ezzen StatDtOrd
88,22.
– (Gefäß:) ‘ohne Inhalt, leer’
daz vaz muoz blôz und îtel werden
Eckh
5: 28,5;
(übertr.:)
allez, daz nemen sol und enpfenclich sîn, daz sol
und muoz blôz sîn ebd.
5: 28,9.
– (Münzen:) ‘rein, pur, unvermischt’ (s. a. DRW
2,374):
SchweizId
5,156;
daz an ekchern oder an gerihten leit, daz blozze phenninge genant
sint, sol er abslahen [aufrechnen (s.
Regest)] fver sehs phvnt UrkCorp (WMU)
1472,6
1.3
übertr.
1.3.1
‘unverhüllt, rein von Kreaturhaftem, lauter’, in mystischen
Texten:
blôze und lûter güete Eckh
5: 10,4;
dem reht wære [mit wem es recht
stünde] , in der wârheit, dem liuhtet got als blôz in dem
werltlîchen als in dem aller götlîchesten, dem got alsô wære worden ebd.
5: 210,15
so bút die hant us diner begerunge alleine zuͦ dem úberweselichen
blossen luterme wesende das got alleine weselichen ist Tauler
152,8.
426,10;
von der blossen gotheit Seuse
178,6.
186,2
1.3.2
‘unverhohlen, deutlich, offen, offenbar’ (v.a. in Verbindung mit
Verben sîn, sagen/sprechen, machen; teilweise als Adv.
auffassbar):
nû wizzit blôz, / sulch gelt sult ir mir gebin, / odir ich wil ûwir
lebin / âne vrist vorschrôtin NvJer
10352;
Ottok
23223;
si widersagten in daz blôz ebd.
38580;
daz wunder, daz ist bloz Frl
6:2,2;
unde gotes rat [...] unde dem alle ding sin
bloz Hiob
4707.
– (jmdm.) etw.
~ sagen/sprechen:
Ottok
7667
u.ö.;
Hiob
8725.
2009.
– formelhaft daz ist (offenbar und) bloz:
Hiob
3427.
2592.
11681;
HistAE
269.
426.
– jmdm. etw. (mit rede) ~ machen
‘jmdm. etw. eröffnen, mitteilen’
ê ich mit rede machte blôz / manic tât und geschiht Ottok
984;
bescheiden und ~ machen
ebd.
46797;
doch was dî sache stille, / durch dî er sich der ê intslôz
[auf die Ehe verzichtete] , / dî er ouch
darnâch machte blôz / etslîchin sînen tougin NvJer
9494
1.3.3
‘schlicht, einfach’
die rede ist ernestlîch gevar, / des rede ich ernestlîchen dar / mit
blôzen worten unde bar [im Ggs. zu geblûmet rede (V.
89) ]
Erlös
103
1.3.4
‘einfältig, schwach’
gotes wunder sint sô grôz, / des menschen sin ist gein in blôz
Freid
9,4
(zit. im
Renner
18864 ).
2
Adj. mit Gen.- oder Präp.-Erg.: ‘ohne etwas; entblößt von etw., frei von etw.,
einer Sache beraubt’ (vgl. 1), oft präd. in Verbindung mit
den Verben sîn, werden, stân, vinden
2.1
mit Gen.-Erg.:
er lief nacket unde blôz / aller hande kleider, / niwan
dirre beider: / zweir schuohe und einer niderwât Wig
9806;
ich hêt ungerne ‘decke blôz!’ / gerüefet, dô ich si nacket sach
Walth
54,21;
KLD:UvL
41:5,4.
29:5,9;
er [Wald] muoze ze jungeste siner
tolden werden bloz Wahrh
66;
valwet nu heide, / stênt ouwen bluomen blôz
SM:Ro
1: 1,2;
krûtes wart diu erde blôz UvZLanz
2574;
vnd wrdin die vorgenanden hofstette bar vnd bloz der hvͥser
UrkCorp (WMU)
753,26;
Schoyûse [Schwertname] wart der
scheiden blôz / und manlîch gezucket Wh
77,14;
sus lac er sinne und guotes blôz Wig
5429;
her Salomon wart bloß / von minne witze
Mügeln
220,1;
alles liebes blôz SM:Te
1: 2,6;
freuden blôz SM:KvT
2: 1,4;
SM:Had
17:1,2;
MF:Mor
7:5,9;
vreude und helfe blôz Wh
51,10;
ir trôstes [...] blôz
KLD:UvL
15: 2,3;
der vorhte blôz und eine KvWTroj
802;
alles valsches blôz Wig
1561;
svnden bloz TannhBu
44;
der [...] tugende blôze
KvWLd
25,76;
dar umbe, wiltû ganze vröude und trôst haben und vinden in
gote, sô sich, daz dû blôz sîst aller crêatûren, alles trôstes von den crêatûren
Eckh
5: 29,15.
5:298,1.
5:42,22
2.2
mit Präp.-Erg.:
aber ich wæn, daz si
[Lunge] truckner sei und plœzer von pluot wan diu
leber, dar umb, daz si den luft in sich gevazzen müg BdN
30,16;
von silber was si [
schîbe
] niender blôz KvWTurn
462;
an êren blôz KvWLd
25,37;
sîn sældehafter lîp / ist blôz vor âküste
UvZLanz
1335;
stêt dîn tugent vor wanke blôz, / dû solt an mir niht
wenken Wh
456,6
3
Adj., Adv. ‘bloß, nichts anderes als, nur, allein’
– Adj.:
mein claid was ain plosser rock HvNstAp
8633;
dar uber warf der reine man / einen blozen surkot Elis
3209;
sol ich sô verderben / und alsô gar ersterben, / daz von
mir niht werde / wan ein blôziu erde? RvEBarl
1338;
ein holz, ein stein, ein erde blôz / ist
er [Götze] ; er wuohs in wilde, / ê daz in zeinem
bilde / gemachet eines menschen hant ebd.
12812;
im [Käfer im Rosenhaus] enwart
nih wan der bloze dorn StrKD
29,47;
er enhâte doch niht mêr gelâzen dan ein blôz netze und
sîn schiffelîn Eckh
5: 195,2.
5:17,6;
ich sanc hie vor den frowen umbe ir blôzen gruoz Walth
49,12;
sô vil sô ich gesanc nie man, / der anders niht enhete wan
den blôzen wân MF:Reinm
8: 1,2;
sich blôzen nuz behaben
‘sich nur die Nutzung vorbehalten’
UrkCorp (WMU)
727,33.
– Adv.:
[
der wîse mensche
] ensiht weder uf dis weder uf das, danne blos uf got on allen
zuͦval Tauler
108,1;
des selben solt du ledig sin und enkein sehen haben uf nút denne blos in
den willen gotz ebd.
152,28
MWB 1 889,49; Bearbeiter: Tao
blôʒe
stN. (?)
‘freier Platz’ (?):
ez trâten die genôze / alle ze einem klôze [Hs. blosse
] / und drungen mit kreftiger kêr / durch die vînde gein dem mer
ErnstD
3122
MWB 1 892,60; Bearbeiter: Tao
blœʒe
stF.
1
‘ offene Stelle, freier Platz’
2
‘unbedeckter, ungeschützter Teil des Körpers’
1
‘ offene Stelle, freier Platz’
als der homutige man / an die bloze quam hervor PassI/II
159,35;
dhein blosz man vermeit, / die man kund erdencken, / da man jne wande wencken
Krone
25522.
– Waldlichtung:
diu selbe stimme wîst in / durch michel waltgevelle hin /
dâ er an einer blœze ersach / wâ ein grimmer kampf geschach Iw
3837.
– vom Wasser freie Fläche, Festland:
die filosophi ahtent den manen alse breit alse die blóze
dirre welte vnz an daz mer, vnde daz sintgewege bedecket hat
Lucid
49,3
2
‘unbedeckter, ungeschützter Teil des Körpers’
Rebecca nam das kitzi vel: / swa Jacobe ir sune dú kel / oder die hende waren
bar, / die bloͤze dahte si vil gar / und liez ez niender schinin bloz RvEWchr
5723;
WernhMl
5778;
des mundes wil ich hie gedagen / und von der andern blœze sagen / des
minniclîchen wîbes HeidinII
1220;
swa in daz swert erlangen / an der bloͤzze moht / und im ze sniden toht, / daz
rert er in dem bluͦt WhvÖst
12083.
–
‘glattes, bartloses Kinn’
morphea ist ein siehtuom, dâ von chumet vil dike daz dem
manne diu barthâr ûz vallent. wil dû des helfen, sô rîb zem êrsten die blœze,
daz si nâhen beginne bluoten Barth
147,25;
die [Bartträger] dannoch gebaren, / alsam ir
blöze sin noch blanc, daz zimt nicht guten sinnen Frl
5:27,6;
KLD:LvS
8:2,8.
–
‘Nacktheit, Mangel an Kleidung bei Bedürftigen’
die hie vil eben / teilen mitte den armen / ir brot und sich irbarmen /
lazen alle ire not, / die en armut, crankeit bot, / hunger, bloze, ellende
Daniel
2497
MWB 1 893,1; Bearbeiter: Tao
blôʒeclîche(n)
Adv.
auch blœzencliche.
1
‘unverhüllt, offen’
2
‘frei (von Materiellem, Weltlichem), rein’
3
‘bloß, ausschließlich’
1
‘unverhüllt, offen’
waz got an im wolde, / daz wisete er blozeclichen genug Pass III
354,5;
da mit enschlief do sant Johan / uf Ihesus hercze zuͦ der stunt / und ward
verzuket, und wart im kunt / gottes werdú toͮgenhait /
[...] in sinen zwain naturen, / blosklich an allen
figuren [(l. alle?) ohne jede Symbolik]
WernhMl
8290
2
‘frei (von Materiellem, Weltlichem), rein’
so man dich [Gott] ie bloͤsklicher von aller materi
entwiset, so man dich ie minneklicher in luter froͤdenbernder wunne schowet
Seuse
378,7;
unz daz der nidersenkend lip wirt ab geleit und daz gelútert oge der sele
vernúnftikeit in der ewigen sunnen rad blosklich wirt gesteket ebd.
387,11;
wan aber dú sele von dez sweren libes krankheit dem lutern guͦt in
entbiltlicher wise nit mag blosseklich alle zit an gehaften, so muͤsse si etwas
biltlichs haben ebd.
391,2
3
‘bloß, ausschließlich’
daz her Johannes [...] vnde juncfrowe Fine
[...] hant verluhen ir ouenhus
[...] vnd die houestat, do daz ouenhus vffe stat, als
ez iezunt mit buͦwe begriffen ist bloͤzencliche [Bezug
unklar] Johannese Vendenheime UrkCorp (WMU)
3514,42
MWB 1 893,32; Bearbeiter: Tao
blôʒen
swV.
1
‘bloß, nackt sein’
2
‘arm sein, werden’
1
‘bloß, nackt sein’
ich schricke, so dir blozent [Hs.
bloezent
] dine zehen; / die sint wol gestellet Tannh
11,26.
– übertr.:
der ungetouften liute schar, / der [deren] muot
an eren blozet [(: genozet) dem Ehre fehlt,
abgeht]
KvWGS
1445
2
‘arm sein, werden’
got der nympt nur daz er leicht. / ainer plosset, der ander reichet
Teichn
263,32
MWB 1 893,56; Bearbeiter: Tao
blœʒen
swV.
1 tr. 1.1
‘jmdn./etw. entblößen’
1.2
‘einen Zweig entrinden’
1.3
‘etw. verwüsten, zerstören’
1.4
‘etw. enthüllen, bekannt machen’
1.5 umschreibend für ‘töten, sterben lassen’ 1.6 bildl. in myst. Texten: ‘jmdn. (die Seele) von Kreatürlichem, Weltlichem
befreien’
2 refl. 2.1
‘Laub abwerfen’
2.2
‘sich zeigen, sichtbar werden’
2.3
‘sich nicht schützen’
1
tr.
1.1
‘jmdn./etw. entblößen’
ir muose ein arm geblœzet sîn Parz
375,10;
sich, wie er [Christus] vor dir ûfgezogen, /
geblœzet unde nacket stêt, / sîn haubet unde lîp gebogen VilwerdeSele
102;
hals und achssel gar geplozzet Teichn
547,47;
tochtir Edom, [...] du wirst trunkin und geblosit
Cranc
Kl. Jer 4,21
1.2
‘einen Zweig entrinden’
vnd kleyde das gebloste teyl mit eyner ryndin eynis
vremdin boumis Pelzb
121,2;
vnd stoz di gancze rinde an den geblostin czwik des boumis
ebd.
121,18.
122,7
1.3
‘etw. verwüsten, zerstören’
die vorburc si blozten Serv
1795;
set, der herre wirt di erde blosen und zustoren
[...] und ire woner zustrouwen Cranc
Jes 24,1
1.4
‘etw. enthüllen, bekannt machen’
diuͤ selb scham diuͤ geit im schmerczen, / wer sin altez uͤbel bloͤsset /
und ims vnder augen stoͤzzet Teichn
499,25
1.5
umschreibend für ‘töten, sterben lassen’:
manic hals wart dâ geblôzet / des houbtes, daz ê darûf was Ottok
7295;
wann in got dez lebens bloͤsset Teichn
514,56
1.6
bildl. in myst. Texten: ‘jmdn. (die Seele) von Kreatürlichem, Weltlichem
befreien’
ez ist zweierleie geburt der menschen: ein ín die werlt und ein ûz der
werlt, daz ist: geistlîche in got. wilt dû wizzen, ob dîn kint geborn werde und
ob ez geblœzet sî, daz ist, ob dû gotes sun sîst gemachet? Eckh
3:325,4;
in der worheit, wilt du haben den schoͤppfer der creaturen, so muͦst du
enberen der creaturen, wanne es enmag nút anders sin, also vil also din sele
gebloͤsset ist und geteilet Tauler
425,32;
Seuse
279,8
2
refl.
2.1
‘Laub abwerfen’
jarlanc bloezet sich der walt, / und ouch diu heide /
valwet von dem kalden sne Tannh
8,1
2.2
‘sich zeigen, sichtbar werden’
nu blœzen selten sich ir zane / gein mir ûf minneclîchen gruoz
KLD:WvMezze
7:5,9
2.3
‘sich nicht schützen’
sie hatten dar ûf keinen wân, / daz iemant solde schiezen, / des wolden
sie geniezen. / sie blôsten sich deste baz LivlChr
8699
MWB 1 894,1; Bearbeiter: Tao
blôʒheit
stF.
‘Freisein, Reinheit (von Kreatürlichem)’, in myst. Texten:
und als vor ist gesaget von îtelkeit oder blôzheit, daz, nâch
dem als diu sêle durnehtiger, blœzer und ermer ist und minner hât der crêatûren und
îteler ist aller dinge, diu niht got ensint, dar nâch nimet si got lûterlîcher
Eckh
5: 32,8.
5:209,1
u.ö.;
abgescheidenheit [...],
[...] luterkeit, blosheit, unverbildete friheit und
einikeit Tauler
55,25
u.ö.;
Seuse
174,7
u.ö.;
HvFritzlHl
150,16
MWB 1 894,40; Bearbeiter: Tao
blœʒlich
Adj., Adv.
1
‘nackt, unverhüllt, rein’ , bildl. 2
‘offen, klar, deutlich’
3
‘gänzlich, völlig, ohne Einschränkung’
4
‘bloß, nur, allein’
1
‘nackt, unverhüllt, rein’, bildl.:
wisheit und kunst der seligin lit daran daz si got bloizlich bekennen alse he
ist, on allis mittil Parad
36,5;
und daz uns geoffinbarit worde fon gode, daz solde wir fort gemenin den di ez
nicht blozlich inphahin ebd.
66,15;
o du edele sele, o edele creature, waz gest du uz dir suchen den der alzuͦmole
und aller werlichest und bloͤslichest in dir ist [...]?
Tauler
10,6;
so man dich ie bloszlicher von aller materi enbloͤsset, so man dich ie
minneclicher in lutrer froͤdenbernder wunne schowet Seuse
450,28
2
‘offen, klar, deutlich’
in deme evangelio, / da sin lere sprichet also, / die man blozlich horet lesen
Pass III
314,47;
sit daz so blozlich ist beschriben ebd.
73,55;
dar nach er bloslich in bat / daz er queme zu der stat / und sie mit gotes
helfe an gote / brechte von des duvels spote Vät
31031;
Eckh
5:60,12
3
‘gänzlich, völlig, ohne Einschränkung’
das ich ze vil mins aigens willen bin, das ist wa ich mich selber bruch in
aigenschaft rainer dinge, da ich gottes er [= êre
] nit bloͤslich inn main [„wofern ich mich verhalte wie
etwas Selbständiges, ohne dabei lediglich Gottes Ehre im Auge zu haben“, Glossar
z.St.]
Lilie
77,4;
unde da von so enist niht blöslich [
absolute
] zesprechen, daz Christus si ein „creaturen“ oder „minre denne der
vatter“, sunder mit beterminierunge, daz ist „nach menschlicher nature.“
ThvASu
98,18.
112,18
4
‘bloß, nur, allein’
der arm mit güetiger gedult / gerte [...] von dem
künige nihtes mêr / dann eines phenninges blœzlich HvBer
6410;
aber die heidenen die hettent enkeinen enhalt daruf sú buwetent, denne uf
gottes gnode bloͤslichen in sine barmherzikeit Tauler
64,16
MWB 1 894,50; Bearbeiter: Tao |