b – bachhelling bächîn – backwërc bacolôn – badestubære badestube – balde baldecheit – balmunden balmunt – balsamtrôn balsamtropfe – ban, bane 1ban – banekîe banël – bänkelîn banken – bantac bant|âder – banzins banzûn – bârbrët 1barc – bârkleit barkorn – barmhërzeclîche barmhërzege – barten bartenære – base Baseler, Basler – bate bate, pate – bearbeiten bearren – bechersamenære becherweide – beckenknëht beckenkol – bedancheit bedarf (?) – bedingen bedirmen – bedrangen, bedrengen bedrât – begâben begâbunge – begelimpfen begenagen – begin begîne – beglîmen beglîmunge – begrîflich begrîflîcheit – behaft behaftec – behaltunge behandeln – beheimsuochen beheiʒen – behern behêrren – behoven behten – behuoflich behuoren – beie beie – beinîn beinîsen – beiʒe 1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit bekantnisse, bekentnisse – bekerzen bekicken – beklipfen beklocken (?) – bekorunge bekorungnisse – beküelen bekumberhaft – belæren belasten – belîbelich belîben – belônære belônen – bemaln bemangen – bemurmeln bemüseln – benedîunge benediz – bennen bennige – bequâme bequæme – bërc|êrîn bërcgar – bërcphenninc bërcrëht – beredenunge beredet – 1berennen 2berennen – bërhtnaht berhtram – berillîn berîmeln – bërlich bërlîn – bernisch bërnklâ – bêrswîn bertenære – beruofære beruofen – besamentlîchen besamenunge – beschatzære beschatzen – beschemen beschemenisse – beschînen beschirm – beschouwunge beschremen – besebelicheit beseben – besetzunge besëʒ – besîtes besitzære – beslîʒen besloʒ – besnöuwen besnüeren – besprëchære besprëchen – beste bestëchen – bestiure bestiuren – bestürzen bestutten – besuochnisse besuochunge – bët betagen – bëtelære bëtelærinne – bëtemësse betemmen – bëtewîn bëtewîp – betrahtegen betrahten – betrogenlich betrônen – betrûren betrûrigen – bettemunt betten – betûchen betüemen – betwungenheit betwungenlich – bevellicheit bevern – bevliehen bevlieʒen – bevür bevürhten – bewærnüsse bewarsam – bewëlgen bewëllen – bewindeln bewinden – bezâfen bezaln – beziln bezimbern – beʒʒer beʒʒerære – bî bestân bîbilde – bíderben, bedérben biderbenen, bederbenen – bîenkar bîenswarm – bieʒenblat bieʒenkrût – bîhtât bîht(e) – bilchmûs bildære – bildoht bildunge – bilsensaf bilsensâme – bineʒ binide – birden bir(e) – birnwîn birsære – bischolf bî schrîben – bî slâfen bî|slëht – bît bitære – bittern bitternis – biurlîn biuschen – bîvilde bîvilden – bîzeichenen bî zëmen – blahsen 1blæjen – blâsehorn blæselîn – blatengîr blatenrinc – blëchhantschuoch blëchrinc – bleichvëlt blende – blîche blîchen – blîkloz blîkolbe – bliuclich bliuge – blôdern blotschen – blüemunge blüetebërnde – bluomental bluomenvar – bluotgieʒen bluotgieʒende – bluotstürzunge bluotsûgende – bobenthalben boc – bogelîn bogen – 2bolle bollen – 3bor bor-, enbor- – (borliep,) enborliep bormære – bortengewant bortiure – bote botech – bou bouc – boummate boum|öle – bôʒwurz brâ – brâ|hâr bræhen – brantlich brantreite – brâwelîn bræwen – brëhenen brëhentac – brenken brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche brëtsnîdære – brieschen brievære – brionie brîsære – briulêhen briumeister – briuwe briuwe – brohsen bronie – brôthalle brôtheit – bruch bruch – bruckenambet bruckenære, bruggenære – brüeterîn brügel – brünnære brunne – brünselbërc brünseln – bruoderhûs bruoderkint – brust brust – brûtdëgen brûtdrüʒʒel – brûtsanc brûtschaft – buckel buckelære – büellîn büeʒære – buhsboum bühse – bûlslac bulzen – buoben buobengâbe – buochisch buochkamere – buoliân buollîn – buppe bur – burcgrâvenambet burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen burcmeisterschaft – burcstal burcstat – bürde bürdelîn – burgergemeine bûr|gerihte – Burgunder Burgunjoys – bursenære bursît – büschelîn buschoff – bütelin bûtelîn – bûvëlt bûvisch – buʒʒel
|
blinden
swV.
1
‘blind werden, erblinden’
2
‘jmdn. blind machen, blenden’
1
‘blind werden, erblinden’
dâ wâren wîse meister dô, / [...]
die sageten im von wârheit daz, / ob daz selbe kindelîn / den tac und der sunnen
schîn / gesæhe ê über zehen jâr, / ez müese blinden al vür wâr
RvEBarl
11642;
do blindeten und toubeten / unse ougen und uns oren HeslApk
8008
2
‘jmdn. blind machen, blenden’
nv gebet dar zv uwern rat, / weder wir in schinden, / brinnen
oder blinden Herb
7246;
der [Teufel] blindet uns die gesicht, / daz wir in
die sunne nicht / gesen mugen die richte / mit des sinnes gesichte HeslApk
7119.
7114
(La.)
MWB 1 879,51; Bearbeiter: Tao
blinde|slîche,
blint|slîche
swMF.
‘Blindschleiche’
cecula est cecus anguis: blindeslicho [Laa.
blintsliche, blintslicha
]
SummHeinr
1:154,551;
ceculus: blindoslicho, blintsleicho ebd.
2:214,128;
Volucr (W)
351;
VocBV926
4:214,25;
dise slangen die sint och wol klein als blintslichen Tauler
282,23.
– vgl.
die blinden schlichen Seuse
387,12
(s.v.
slîche
swMF.)
MWB 1 879,63; Bearbeiter: Tao
blint
Adj.
s.a.
blinde
swM.
1 ohne weitere Erg. 1.1
‘blind, ohne Sehvermögen’
1.2
‘nicht wahrnehmen könnend/wollend, verblendet, töricht’
1.3
‘dunkel, trübe’
1.4 (von Geschwüren:) ‘nicht geöffnet’
1.5
‘maßlos’
1.6
‘schwach, nichtig’
1.7
‘trügerisch’
2 mit Gen., Präp.-Gruppe oder Inf. mit ze
2.1
‘blind’
2.2
‘von etw. verblendet’
2.3
‘blind für etw., unfähig zu etw., ohne etw.’
2.4
‘nichtig, wertlos im Verhältnis zu etw./jmdm.’
3 in Verbindung mit machen
1
ohne weitere Erg.
1.1
‘blind, ohne Sehvermögen’
da sahen si ein blinden man, ir einer fragen began, / von
welcher gewurhte der selbe blint wurte AvaLJ
91,2;
do gab er einem plinten das lieht widere, der vier iar
plint was gewesen Konr
7,7;
da wart Polifemus blint. / den herren ich blante
Herb
17615;
ez [Pferd] enwas galling noch
blint UvZLanz
1467;
blint oder toup ebd.
3772;
waeren nû die huotaere alle gemeine / toup unde blint
MF:Mor
11a: 1,4;
disiu kint / wârn von weinen vil nâch blint Parz
98,14;
sine wip vnde sine kint / mochten weinens werden blint
Herb
13226;
jmdn.
~ machen
PrMd (J)
350,12;
BdN
453,3.
– in Vergleichen:
hie mite sluoc Urgân umbe sich / als mit rehte ein
blinder man Tr
16159;
er [...] rant was er úmmer
mocht gein Lancelot, als er blint were Lanc
513,32
1.2
‘nicht wahrnehmen könnend/wollend, verblendet, töricht’
ir uirnunst wart plint VMos
8,7;
uon div bîrn wir arme suntare blint, daz wir daz êwige
lêbin lâzzin unde îlen in den tôt Spec
41,23;
du vil armer, din hercze ist noh blint
Konr
14,55;
die innern vinster, daz ist daz blint hertz daz der
rechten ding nicht wil sehen PrOberalt
166,31;
ir uaret ane wisheit, / blint vnde vnuersunnen
Herb
12323;
Lanc
70,18;
wê dir, sinnelôser man, / verirreter Tristan! / lâ disen
blinden unsin, / tuo disen ungedanc hin! Tr
19165;
sô wart ir sin alsô blint, / daz sie betten an ein rint,
/ an manic ander apgot RvEBarl
10709;
ir tumben tôren sît sô blint, / daz ir sît tœrscher danne
kint ebd.
10361.
– jmdn./jmds. sinne ~ machen:
doch machet sie diu minne blint KLD:GvN
23: 5,5;
die leiden tiuvel [...], /
die unser sinne machent blint RvEBarl
5154;
HvNstGZ
5245.
–
mit (ge)sehenden ougen ~
:
wir sîn mit gesehenden ougen blint Iw
1277.
7058;
hat dich der tufel geblant? / du bist mit sehenden
ougen blint Herb
9781;
Eracl
4541;
RvEBarl
2804;
Rennew
8598
1.3
‘dunkel, trübe’
si gingen in ellende / in dizze genibele / daz haizet
Babylonię / daz ist uinster unde blint VMos
10,22;
von iu mîn varwe ist worden blint Wig
11366;
da die sunne blint stat / unde eclipsim begat Pass III
544,43;
der werlte liecht ist worden blint, / daz e mit glaste luchte Frl
7:29,2.
9:14,18;
mein augenwaide ist worden plint HvNstAp
16082;
min vræude ist lange gewesen blint / diu etteswenne lieht glaste
Rennew
21246.
– übertr. ‘dunkel, unverständlich’
diz bîspel ist ze merkenne blint Walth
85,32;
dise rede ist sus zu sagene blint, / ich sal sie u wol beduten sint
HeslNic
1765;
di rede ist zu vorstane blint, / si enwerde uns entslozzen baz
Brun
10058
1.4
(von Geschwüren:) ‘nicht geöffnet’
das selbe geleit uf di blinden swern brichet unde heilet
se zu rechte Macer
44,4
1.5
‘maßlos’
wir mugen vil wol mit ime genesen, / wolter dekeiner mâze
wesen / an sîner blinden vrecheit; / der ist ze vil an in geleit: / er ist ze
vrech und ze gemuot, / ern ruochet hiute, waz er tuot Tr
8665;
swie blint ir beider herzen gir / an einem willen wære
ebd.
11736;
in disem blinden leide / besander si beide / vür den hof
in den palas ebd.
16535
1.6
‘schwach, nichtig’
wie was iuwer kraft sô blint, / daz iuch ein sô jungez
kint / sô lîhteclîchen überwant? RvEBarl
12615;
der gote ere is nu leider blint PassI/II
288,91;
nû waer diu hôchzît worden blint, / waer bî in gewesen niht des grâles
kint Loheng
3178
1.7
‘trügerisch’
da geschach im [dem blinden Dieb im
Traum] ein blindiu ere StrKD
75,6
2
mit Gen., Präp.-Gruppe oder Inf. mit ze
2.1
‘blind’
–
~ an den ougen:
an den ougen werd er blint. / an handen, an füezen werd er lam
EnikWchr
114.
5882;
ich mach dich an den ougen blint ebd.
6574.
6258.
24738.
–
ist got an sîner helfe [in Bezug auf seine
Hilfe] blint, / oder ist er dran betoubet
[...]? Parz
10,20
2.2
‘von etw. verblendet’
Tristan der minnen blinde ebd.
15186
2.3
‘blind für etw., unfähig zu etw., ohne etw.’
– mit Gen.:
ez jehen die sehenes blinden Frl
6:12,1;
des rehten gelouben sint sie blint / âne zwîvel und âne
wân Eracl
62;
Loheng
2535;
daz ich der sinne wær sô blint RvEBarl
8654.
9628;
MarLegPass
25,314;
alles trostes blint PassI/II
275,27;
ein tugende blinder man, / der nie liehten prîs gewan
KvWLd
24,19;
ein maget harte schœne, / an tugenden ungehœne / und alles tadels
blint Ottok
25956;
melancolici, die leute, / sint ertfar,
[...] / ir varb die ist gezierde blint
[bleich]
Physiogn
91;
dî heidin [...] zwêne brûdre niddirslûgin, /
dî des lebins blibbin blint [beraubt]
NvJer
20474.
– mit Präp.-Gruppe:
zungen, ougen, ôren sint / dicke schalchaft, zêren blint Walth
87,36;
die lange sint / an minnen blint KvWLd
2,10;
an rehten sinnen blint RvEBarl
12958;
unwîse unde an witzen blint ebd.
9384;
Rennew
16412;
an künste blint KLD:Kzl
1: 5,4;
sîn herze was vor valsche ie blint Wh
355,3;
zuͦ den dügden blint MarlbRh
82,34;
so wærn wir an eren blint Rennew
10086;
sie [die Minner, die sich dem Kummer
überlassen] werden beidenthalben blint / mit tat und mit
geberde Frl
7:40,8;
ir seyt der eren gar ain zage / und an rechter zucht
plint HvNstAp
19436.
– Inf. mit ze:
an den grâl was er ze sehen blint, / ê der touf het in bedecket
Parz
818,20
2.4
‘nichtig, wertlos im Verhältnis zu etw./jmdm.’
swaz ich vreuden ie gewan, / die sint bî disen vreuden blint Winsb
63,2;
barvüezen, bredigære, criuzer orden sint da engegen blint RvZw
225,3;
alles iamer was noch blint / [...] wieder dem daz
sich erhub PassI/II
74,31;
di merkunigynne sangk, / ir stym sussikleichen erklangk:
/ alle di saitten spil di da sint, / waren gegen ir styme plint
HvNstAp
5327;
das ist das aller schönste kint, / alle weib sint vor ir
plint; / wan sy ist di schonste maget / von der ye ward gesaget ebd.
8946
3
in Verbindung mit machen:
– jmdn. (an den ougen) ~ machen, jmds. sinne ~
machen
‘jmdn. blenden; verblenden’, s. u. Pos. 1.1,
1.2 und 2.1.
– jmdm. etw.
~ machen
‘jmdn. von etw. befreien’
sin leit si im buzte / und machte im alle sorge blint MarLegPass
9,47.
– jmdn.
~ machen
‘töten, sterben lassen’
der hunger machet uns blint EnikWchr
24015.
11874.
17279
MWB 1 880,7; Bearbeiter: Tao
blintgeborn
Part.-Adj.
‘blindgeboren’
das Crist den blintgebornen / und ouch den lib vorlornen / so wider ir genist
gab HeslApk
7671;
als daz ewangelium seit von dem blindgebornen menschen Seuse
132,30
(vgl. Io 9,3)
MWB 1 882,1; Bearbeiter: Tao
blinthaft
Adj.
‘blind’, übertr. im relig. Sinne:
daz die blinthafte rote / so manigem unreinen gote / dienten als ir valsch
geriet Pass III
662,1;
PassI/II
57,52.
202,11.
263,23
MWB 1 882,6; Bearbeiter: Tao
blintheit
stF.
1
‘Blindheit, Fehlen des Sehvermögens’
2 bildl. und übertr.: ‘geistige Blindheit, Verblendung, Torheit’
1
‘Blindheit, Fehlen des Sehvermögens’
diu blintheit mir entweich AvaLJ
94,3;
StrKD
64,71;
RvEBarl
1201;
WernhMl
11515;
wen pich ist eyn orsprink der blyntheit Pelzb
136,31;
diu slang vertreibet ir plinthait mit fenchel ezzen
BdN
262,2;
und uf daz hus Juda wil ich uftun mine ougen, und alle phert der lute wil ich
slan mit blintheit Cranc
Zach 12,4
2
bildl. und übertr.: ‘geistige Blindheit, Verblendung, Torheit’
diz was diu alwære, / diu herzelôse blintheit, / von der ein
sprichwort dâ seit: / ‘diu blintheit der minne / diu blendet ûze und inne’
Tr
17739;
swaz man von blintheit geseit, / sôn blendet dekein blintheit
/ als anclîch unde als ange / sô geluste unde gelange ebd.
17798;
dar von hub sich sin [Adams] vinsterheit / und
siner blintheite nacht, / wen her wider gote vacht, / und wart mit senden ougen
blint HeslApk
1683;
PrOberalt
53,27;
so salbe mit heizen trenen / die blintheit diner ougen HeslApk
7171;
wie geistlich lúte von blintheit sich huͤtent vor der
innekeit Mechth
6: 13,1;
swer daz niht enbekennet, der klage sîne blintheit
Eckh
5: 54,6;
ein blintheit und ein tôrheit ebd.
2:61,8;
mit blintheit und mit affenheit Tauler
170,21;
di blintheit irr herzen [Mc 3,5]
EvAug
81,20
MWB 1 882,10; Bearbeiter: Tao
blintlich
Adj., Adv.
1
‘auf Blindheit beruhend’
2 übertr.
1
‘auf Blindheit beruhend’
welich plinder dar wart gefurt, / untz er het gerurt / des heiligen mannes
leichnam, / zuhant im gotes gut nam / [...] all sein
plintliches lait Vät
39934.
39936;
daz der blinde wurde / von blintelicher burde / erloset von dem guten gote
PassI/II
141,25.
140,74
2
übertr.
–
‘nicht sehend, nicht wahrnehmend’
ouch sach si daz vil lützel an / und nam es harte cleine
war, / wan saz et blintlîchen dar / und leite Riwalîne / ir wange an daz sîne
Tr
1292;
sich, wie wir alle sîn betrogen: / wir haben ze
blintlîche erzogen / den slangen vür die nahtegalen ebd.
10374.
–
‘verstockt, unbesonnen’
sit vwer blintlich vngemach / ist so geweltich vnd so groz / vnde der
warheite ein widerstoz / so sult ir ouch mit leide / an libe an selen beide /
verstozen wesen drate PassI/II
320,19;
das tuͦst du alles alsus ane minne und andacht mit einem zerstroͤwetem
herzen also blintlichen und kaltlichen Tauler
137,35;
und gant etliche menschen also blintlichen hin, und das selbe das si
tuͦnt, das tuͦnt si als blintlichen und unvernúnftlichen als in einer
unvorchtsamkeit ebd.
221,11.
35,9.
82,14
MWB 1 882,35; Bearbeiter: Tao
blinzeln
swV.
‘blinzeln’ (?):
wêr ich dem himel iht dester nêher, / ich wölte ouch blinzeln als ein heher /
dem man kriselt ûf sînem houbet, / daz man mir dester baz geloubet
[unklar, was hier gemeint ist; vorangegangen ist der Tadel der
Heuchler]
Renner
13258
MWB 1 882,58; Bearbeiter: Tao
blinzen
swV.
‘die Augen schließen’
der künec sich dicke des bewac, / daz er blinzender ougen pflac / etswenne
gein vier tagn Parz
788,22;
Reinhart blintzete sere / nach siner gevatern lere
ReinFu
K,201;
blinzende er singende wart ebd.
K,133.
–
‘blinzeln’
er sach die liute blinzend an / und nam ir dinges goume, / als der ûz eime
troume / wirt aller êrst erwecket KvWTroj
27304
MWB 1 883,1; Bearbeiter: Tao
blîstücke
stN.
‘Bleiklotz’
daz kleine kint, daz er truc / dructe in mit voller swere, / rechte als ob ez
were / gar ein blistucke Pass III
349,59
MWB 1 883,9; Bearbeiter: Tao
blitz(e), blitzen
M.
→ blicz
MWB 1 883,12;
blitzelîn
stN.
Dimin. zu blitz(e).
zur Verstärkung der Negation:
der selbe dienest mich do dunket nút eines kleinen blitzelins wert sin
MerswBgR
145
MWB 1 883,13; Bearbeiter: Tao
blitzen
swV.
‘leuchten, blitzen’
der [Edelstein jacinctus
] ist wazzer var, / da die sunne blitzet in HeslApk
22001;
sine phyle sint so getan / daz sy blitzzen alumme wit Hiob
8219;
der blick von himel blitzte Hadam(Sch)
497,6;
EvAug
183,21
(Lc 17,24);
als ein blitzendiu sunne Eckh (Pf)
567,39.
– subst. Inf. (oder zu blicz, blicze stswM.?):
zwibeler an dem louben [= gelouben
] , sich an gotes wunder. / von wem kumt blitzen, donre, tac unde
nacht, regen besun der? Meissner
8:1,2;
der ken ym schoz und czeyne / sendet uz dem kocher sin, / daz dutet gotes
blitzen fin Hiob
15260;
by dem blitzen sunder wan / gotes urteyl sult ir verstan, / daz den tuvel
nyder slet ebd.
15277.
–
‘schlagartig herausfahren’
ich sprach daz Christ an sîn gelider / mocht als ein mensche switzen. / aber
des sweizes blûtes blitzen / von der obristen kraft geschach / sô, daz man an
Christo sach / von allem sînem lîbe dîzen / sîn heiligz blût JvFrst
3851
(vgl. Lc 22,44)
MWB 1 883,17; Bearbeiter: Tao
blitzschîn
stM.
‘Blitz’
ich sach Sathanam als den blitzschein abgenten von dem himel EvAug
158,18
(Lc 10,18)
MWB 1 883,37; Bearbeiter: Tao
bliuclich
Adj., Adv.
→
blûclich
MWB 1 883,40;
bliuge, bluoge
stF.
‘Verzagtheit; Schüchternheit, Schamgefühl’
ih wartte den, der heil mih tet vone wenichmuote, bluoge des geistes [
a pusillanimitate spiritus
]
PsWindb
54,9;
ane [= âne
] bluͤge lute / sag ich [Frau Minne] dir,
swer liep wil han, / da muͦz auch laid under gan WhvÖst
6530
(vgl. unbliuclich
5709.
7408
);
Agly diu junge kuͤngin / vor vræuden was erschrocken, / daz ir daz hertze
locken / wart uz bluͤge balthait ebd.
9393;
so ser min hertz nah im stat / daz sich min wiplich bluͤge hat / verschamt von
sinen lieben ebd.
12588
MWB 1 883,41; Bearbeiter: Tao
bliugen
stV.
→ bliuwen
MWB 1 883,52;
bliugen
swV.
s.a.
blûgen
.
‘jmdn. schüchtern machen’, mit Ersparung des Akk.-Obj.:
minn bindet und enbindet, / minn hertet, minne lindet, / minn bliuget, minne
machet balt, / minn twinget junc, minn twinget alt HvBer
526
MWB 1 883,53; Bearbeiter: Tao
bliuwât
stF.
‘Schlag’
sô der zorn dînes mundes gere der [
zungen
] ze der sceltâte odir dîner hant ze blûwâte, sô uersage si ime
TrudHL
134,13.
– speziell ‘unblutiger Schlag’
von der pliwat gehornt zwelf schillinge [...], der
sint des clagers zehen, der schepfen ainr, des rihters ainr UrkCorp (WMU)
1914,7
MWB 1 883,58; Bearbeiter: Tao
bliuwe
stswF.
‘Stampf-, Reibemühle (speziell für Hanf und Flachs)’
vmbe den halbteil der niderun mv́li vnd den halbteil der bliwen da ze Botstein
UrkCorp (WMU)
N124,34;
dc si, die malent, nuͥt irren sol weder bloͤwe noch walche
[Walkmühle] noch enkein ander rát
[Mühlrad]
ebd.
3474,29;
da lit oͧch ein muͥli und ein bloͤwe; die geltent ze zinse 4 muͥt kernen und
ein swin UrbHabsb
1:188,1
MWB 1 884,1; Bearbeiter: Tao
bliuwel
stM.
1
‘Werkzeug zum Schlagen’
2
‘ Stampf-, Reibemühle (spez. für Hanf und Flachs)’
1
‘Werkzeug zum Schlagen’
alsô seh wir oft auf den püeheln ob den pächen, dâ die
weschen waschent, den slag mit den pleueln, ê wir den galm hœren BdN
92,1;
daz ist ain pœs visch und stinkend
[...] und mag nümmer gekocht werden, man plew in dann
vor mit ainem plewel oder mit ainem steken, als man den dürren stokvisch tuot ebd.
258,13
2
‘ Stampf-, Reibemühle (spez. für Hanf und Flachs)’
daz ich dem huse von Clingenowe [...] han gegeben zwo
múlina vnd ein bliwele [stNF.?]
UrkCorp (WMU)
N134,36.
2112,3
MWB 1 884,9; Bearbeiter: Tao
bliuwen
stN.
‘Schlag; Kampf’
sus galt zwei bliwen der gast Parz
295,28;
ich sol rechen ê ein bliuwen, / dâ von ich sît mit riuwen / fuor ebd.
304,13;
do hub sich ein plewen / mit swerten vnter yne Neidhc
99:6,1
MWB 1 884,20; Bearbeiter: Tao
bliuwen
stV. (IIa)
auch blûwen,
blouwen,
bliugen (
MillPhys
89,2 ).
1
‘jmdn./etw. schlagen, prügeln, züchtigen’ , tr. und intr. (mit Präp.-Obj.) 2
‘etw. durch Schlagen, Klopfen bearbeiten; etw. durch etw. hindurch schlagen’
3
‘sich abmühen’ refl.
1
‘jmdn./etw. schlagen, prügeln, züchtigen’, tr. und intr. (mit
Präp.-Obj.):
hinden unde in mitten / vorne er
in [Esel] vaste blov VMos
74,13;
vnze daz die iudin nîdin begundin unde viengin si unde bluven
si unde wrfin si in den charchare Spec
78,22;
Kchr
10720.
13142;
Greg
1315;
dô man alte sach dur zuht die jungen bliuwen, / dô stuond ez
an êren baz und och an triuwen SM:UvS
11: 3,6;
KvWHvK
133;
~ und zerhouwen
Wig
7589;
er [Wein] macht das ainer chlaffet, / das man in
wol zernewet / und im den rukch blewet HvBurg
256;
wir sullen iren vaigen kragen / noch heutte plewn und peren
HvNstAp
7489;
so ez [Pferd] ye vester nach ym plewet
Teichn
558,44.
–
mit etw.:
daz [...] mich der tubel solle blouwen / mit
siner stangen iserin Brun
6470;
vnd als sie dan yn gebluwen / mit geisseln, darnach sie yn gedoden
EvStPaul
9395.
–
(an) die brust ~
als Geste der Wehklage, Trauer:
di brust bluwer mit den hanten. /
[...] uil groz wart di chlage sín
Rol
6968;
unz ih di muoter vant riwege, / an die brust bliwende, /
wainunde und clagende, / michel nôt habende Kchr
3832
2
‘etw. durch Schlagen, Klopfen bearbeiten; etw. durch etw. hindurch schlagen’
die lâsen, dise wunden, / disiu blou, disiu dahs, / disiu
hachelte vlahs, / dise spunnen, dise nâten Iw
6203;
Helmbr
1360;
swer har [Flachs] in diu stat pringet oder in der
stat derret oder pliwet oder swinget aus den agen StRMünch
222,23.
407,12.
14;
das die ledergerwere iemerme sulnt bluwen das halbe kurdewan,
[...] swas sie zer wochen gegerwent, das ensulnt sie
niemanne veil bieten noch geben ze coͧffenne, ez ensi denne halbes gebluwen
[halbfertig geschlagen (s. Regest)]
UrkCorp
N159,25.27;
von einem muͥtte gêrsten ze malenne vnd ze bloͤwenne [enthülsen
(s. Regest)] sol man geben ein imin
[Getreidemaß] vngeblûwen ebd.
3474,4;
BdN
258,13
( →
bliuwel
stM.).
– in Vergleichen:
ze glicher wise also man den har îe offter blîwet vnd fvrbet vnd also er
da von schone wirt vnd wize, also mvze der menische in dirre werlt gelvtret
werden PrFrgmLpz
379;
als durh die dicken mûre / brichet der bickel / und der
zimberman den zwickel / bliuwet durh den herten
nagel [Knorren?] , / Schoyûse sîn swert
[...] / in den ungelouben weiz Wh
54,23.
– übertr. auf den Wind:
so der rouch uf gat in den luft, so bluwet in der wint vnz
er dicke wirt Lucid
57,2
3
‘sich abmühen’ refl.:
und dô er sich geblûwin / [...] hatte manche vrist
NvJer
19563
MWB 1 884,25; Bearbeiter: Tao
bliuwestat
stF.
‘Stelle, wo eine Stampf-, Reibemühle steht’
da lit oͧch ein bluwestat UrbHabsb
1:65,18
MWB 1 885,13; Bearbeiter: Tao
blîvar
Adj.
‘bleifarbig’
swenne iz [Blut] unnaturlich is, daz
mac man [...] irkennen wol an der uarwe, wanne so iz ist
weninc wiz oder suartz, bliuar oder gel oder wazzeruar SalArz
2,51;
daz wazzeruarbe harn vnde der da heizet lacteus,
[...] glaucus, [...] liuidus
vnde der swarze harn, der e bliuar ist gewesen, di alle bezeichent gar ummezige
kelde SalArz
111,30
u.ö.;
OvBaierl
42,5.
43,9;
blifar wurden ir wenglin rott / umb des erwelten ritters tod GTroj
19191
MWB 1 885,16; Bearbeiter: Tao |