b – bachhelling bächîn – backwërc bacolôn – badestubære badestube – balde baldecheit – balmunden balmunt – balsamtrôn balsamtropfe – ban, bane 1ban – banekîe banël – bänkelîn banken – bantac bant|âder – banzins banzûn – bârbrët 1barc – bârkleit barkorn – barmhërzeclîche barmhërzege – barten bartenære – base Baseler, Basler – bate bate, pate – bearbeiten bearren – bechersamenære becherweide – beckenknëht beckenkol – bedancheit bedarf (?) – bedingen bedirmen – bedrangen, bedrengen bedrât – begâben begâbunge – begelimpfen begenagen – begin begîne – beglîmen beglîmunge – begrîflich begrîflîcheit – behaft behaftec – behaltunge behandeln – beheimsuochen beheiʒen – behern behêrren – behoven behten – behuoflich behuoren – beie beie – beinîn beinîsen – beiʒe 1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit bekantnisse, bekentnisse – bekerzen bekicken – beklipfen beklocken (?) – bekorunge bekorungnisse – beküelen bekumberhaft – belæren belasten – belîbelich belîben – belônære belônen – bemaln bemangen – bemurmeln bemüseln – benedîunge benediz – bennen bennige – bequâme bequæme – bërc|êrîn bërcgar – bërcphenninc bërcrëht – beredenunge beredet – 1berennen 2berennen – bërhtnaht berhtram – berillîn berîmeln – bërlich bërlîn – bernisch bërnklâ – bêrswîn bertenære – beruofære beruofen – besamentlîchen besamenunge – beschatzære beschatzen – beschemen beschemenisse – beschînen beschirm – beschouwunge beschremen – besebelicheit beseben – besetzunge besëʒ – besîtes besitzære – beslîʒen besloʒ – besnöuwen besnüeren – besprëchære besprëchen – beste bestëchen – bestiure bestiuren – bestürzen bestutten – besuochnisse besuochunge – bët betagen – bëtelære bëtelærinne – bëtemësse betemmen – bëtewîn bëtewîp – betrahtegen betrahten – betrogenlich betrônen – betrûren betrûrigen – bettemunt betten – betûchen betüemen – betwungenheit betwungenlich – bevellicheit bevern – bevliehen bevlieʒen – bevür bevürhten – bewærnüsse bewarsam – bewëlgen bewëllen – bewindeln bewinden – bezâfen bezaln – beziln bezimbern – beʒʒer beʒʒerære – bî bestân bîbilde – bíderben, bedérben biderbenen, bederbenen – bîenkar bîenswarm – bieʒenblat bieʒenkrût – bîhtât bîht(e) – bilchmûs bildære – bildoht bildunge – bilsensaf bilsensâme – bineʒ binide – birden bir(e) – birnwîn birsære – bischolf bî schrîben – bî slâfen bî|slëht – bît bitære – bittern bitternis – biurlîn biuschen – bîvilde bîvilden – bîzeichenen bî zëmen – blahsen 1blæjen – blâsehorn blæselîn – blatengîr blatenrinc – blëchhantschuoch blëchrinc – bleichvëlt blende – blîche blîchen – blîkloz blîkolbe – bliuclich bliuge – blôdern blotschen – blüemunge blüetebërnde – bluomental bluomenvar – bluotgieʒen bluotgieʒende – bluotstürzunge bluotsûgende – bobenthalben boc – bogelîn bogen – 2bolle bollen – 3bor bor-, enbor- – (borliep,) enborliep bormære – bortengewant bortiure – bote botech – bou bouc – boummate boum|öle – bôʒwurz brâ – brâ|hâr bræhen – brantlich brantreite – brâwelîn bræwen – brëhenen brëhentac – brenken brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche brëtsnîdære – brieschen brievære – brionie brîsære – briulêhen briumeister – briuwe briuwe – brohsen bronie – brôthalle brôtheit – bruch bruch – bruckenambet bruckenære, bruggenære – brüeterîn brügel – brünnære brunne – brünselbërc brünseln – bruoderhûs bruoderkint – brust brust – brûtdëgen brûtdrüʒʒel – brûtsanc brûtschaft – buckel buckelære – büellîn büeʒære – buhsboum bühse – bûlslac bulzen – buoben buobengâbe – buochisch buochkamere – buoliân buollîn – buppe bur – burcgrâvenambet burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen burcmeisterschaft – burcstal burcstat – bürde bürdelîn – burgergemeine bûr|gerihte – Burgunder Burgunjoys – bursenære bursît – büschelîn buschoff – bütelin bûtelîn – bûvëlt bûvisch – buʒʒel
|
bletzen
swV.
‘einen Flicken ein-, aufsetzen, etw. flicken’
do zemal was sy als arm das sy nit gewandes hat won ainen gebietzten gebletzet
rok, den sy an truͦg Stagel
103,2;
er waz ouch ein guͦter demutiker man und herre, dovon bletzet er in einre
hervart sin wambesche ClosChr
57,4
MWB 1 870,19; Bearbeiter: Tao
blez, bletze
stMN., swM.
1
‘ein kleines Stück Tuch, Flicken’
2
‘Flecken, ein Stück Land’
3
‘in kleine Stücke geschnittene Kaldaunen’
4
‘Plätzchen, Gebäck, Kuchen’
1
‘ein kleines Stück Tuch, Flicken’
sy getruͦg niemer besser gewand won als es der covent gab, und das selb was
dik als gar krank das sy fil bletz dar an machet Stagel
18,15;
nieman geruchet nuwen bletzen / hin an ein aldes cleit zu setzen
[Mc 2,21]
EvStPaul
2658.
– „wohl ein kleines schmales stück, das vorgebunden wird um den unterleib
warm zu halten; ein fleck, wie dieses wort noch in brustfleck gehört
wird“ (BMZ 1:204b,8):
min maget heizzet Metze / und spinnet an eime bletze KgvOdenw
13,118;
er graiff ir an den bletze, / si stiesz in uff den buch: / daz spil was
hert unde ruch Bauernh
268
2
‘Flecken, ein Stück Land’
vnd an demme selben hofi lit ein blez, da ein trotte vffi stat
[...]; eien [l. einen
] blez rebin hinder des Babistis hvs, daz ist eigen; jn demme tal och
ein blez, daz lit nebint eime blezce, daz hort ce demme kilwarttvemi vnd ist och
eigen; jn der berggazzen ein blez vnd in demme widemi hofi och ein blez
UrkCorp (WMU)
N92,34ff.;
da mitte ist daz vorgenante bletz gevrsâzet [ersetzt,
abgegolten] vnd sol îemerme vnserre stette sin ebd.
2704,36,37
u.ö.
3
‘in kleine Stücke geschnittene Kaldaunen’
ingwant bletze, term und magen / und ouch kragen zuo der
gluot. / herbest tuot in baz danne sumer ê SM:Had
20: 2,4.
44:2,1
4
‘Plätzchen, Gebäck, Kuchen’
dis geschach [...] an dem sunnentage, do man
vierzehen tage hatte bletz gessen UrkCorp (WMU)
2361,39;
ouch mak man si [Kirschen] trugin in
der sonnen vnd mak si sidin vnde gizen vnd plecze dar vs machin, besmerit mit
honege, vnd gelegit eyn placz vf den andirn in eyme toppe odir in eyner
tyne [= zeine ‘Korb’]
Pelzb
127,25;
kuchin odir plecze ebd.
133,11
MWB 1 870,25; Bearbeiter: Tao
blî
stNM., auch swM.
auch blîges (Gen.,
BrEng
1
), blîge (Dat., Akk.).
1
‘Blei’
2
‘Bleitafel; Bleisiegel; Richtblei’ , auch ‘Wasserleitung aus Blei’
1
‘Blei’
di turne sint mit crefte / gemuͦret in di luͦfte / mit
regelen beslozzen / mit plie begozzen VMos
64,16;
Kchr
11542;
VAlex
709;
Herb
1834;
den plîen machen wir ze golde Kchr
2087;
daz [
gesmeid
] ist sibenlai: golt silber gunderfai kupfer zin plei und eisen
BdN
474,5;
den [für schuldig Befundenen] sal
min wellindi blie in uri [ihre] orin giezi
Mühlh
108,22.
– in med. Anwendung:
nim daz gepuluerte vnde daz gebrande bli
Ipocr
165;
dem si [
ougen
] vil gezehern, der nem bli und daz wize des eies
BenRez
14;
ruten saf, rosenolei, ezzige, wiz bli, zusamene gemenget,
vertribet das da heiset heilic fiur Macer
8,17;
SalArz
52,53;
OvBaierl
95,16.
– in Vergleichen und Metaphern, bezogen auf die Eigenschaften des Bleis (die
Weichheit, das schwere Gewicht, die Farbe) und dessen niedrigeren Wert gegenüber
anderen Metallen:
der bihte der sint drie: / einiu ist gezalt zuo dem
chuphir unde zuo dem blie; / einiu heizzet silberin, / daz lat die bezzeron sin;
/ diu dritte ist guldin, / daz lat die heristen sin Hochz
619;
si traten iz [Gold] unter die
fuͦze; / unter dem miste siz lizen, / sam iz bli ware Rol
4215;
ertrunchen sint si als daz blie in wazzeren grozen PsM
C 4,10;
von den schulden sicherlich / sol yclich mensch wol vorchten sich / daz iz
durch der sunden bly / nicht in der zal der lyeben sy / durch der guten werke
gebrech Hiob
13793.
2618;
antwürte, valschiu Milte! / sît dir ist swære alsam ein blî
/ diu Kunst KvWKlage
19,3.
31,3;
di nunzehende [Farbe des Harns]
ist als ein strich uon einem bli vnde heizet liuidus SalArz
111,21;
OvBaierl
43,1;
so swartz sam ein bli ErzIII
56,166;
wie gelantz, wie stark ain helm sy, / des schwertes schnit als in ain bliy
/ tringtt, wen du es tuwingest dar GTroj
2156
2
‘Bleitafel; Bleisiegel; Richtblei’, auch ‘Wasserleitung aus Blei’
sô scrîp an ein plîge oder an eine zinîne tavel sînen namen
Barth
148,11;
HvNstAp
2562.
2655;
er hieß graben an ein pley / das ain kunig ir vatter sey ebd.
2542;
nû wellent siz zuo bringen / mit blî unde mit perment, / daz man grôzs her
über sent Ottok
52637.
8352;
des getihtes zimmer, / ob daz nâch winkelmezze sî / niht geschicket, noch nâch
mûrer meisters blî Loheng
7649.
–
aber daz wazzer, daz man in kupfer laitet, ist gar pœs
und schad, und daz man in plai laitet, ist pezzer; daz in hülzeinn rœrn von
vörhem holz gelaitet wirt, ist aller pest BdN
104,3
MWB 1 870,60; Bearbeiter: Tao
blîalt
stM.
auch blîât, blîant.
‘ kostbarer, golddurchwirkter Seidenstoff’ (vgl. Brüggen, Kleidung, S.
269f.):
Genelun uuͦrte einin blialt / uz golde gewebin
Rol
1611;
do taten an die geste / phellil vnd zindat, / mit golde herte
wol genat, / samit vnde blialt, / mit gesteine wol bestalt Herb
481.
10657;
Parz
235,10;
Tr
18149.
15199
MWB 1 871,46; Bearbeiter: Tao
blîaltsîde
F.
verdeutlichende Bildung zu
blîalt
:
uz pliat sidin wol gevar Sigun lie von ir slifen / von Lunders einen porten
clar JTit
1283,1
MWB 1 871,53; Bearbeiter: Tao
blîant
stM.
→ blîalt
MWB 1 871,56;
blîât
stM.
→ blîalt
MWB 1 871,57;
blîbërc
stM.
‘Bleibergwerk’
alles daz, daz daz egenant goczhaus hat in dem land Kerenden, leut und gut,
stet, vesten [...] goltperk und pleyberch UrkLudw
181
(a. 1337)
MWB 1 871,58; Bearbeiter: Tao
blic
stM.
1
‘Lichtstrahl, leuchtender Glanz, Blitz, Funke’
1.1 allgemein 1.2 speziell ‘Gewitterblitz’
2
‘Licht und Strahl der Augen, Blick, Anblick’
2.1 allgemein 2.2 Blick, der etwas Bestimmtes ausdrückt 2.3
‘Anschauen, Anblick’
2.4
ze ~
‘zum Anschauen, für den Anblick’ 2.5
des himels blic
‘Art, wie die Sterne im Augenblick der Geburt auf die Erde blicken,
Sternkonstellation’ 2.6 zeitl. für ‘sehr kurze Zeitspanne’
1
‘Lichtstrahl, leuchtender Glanz, Blitz, Funke’
1.1
allgemein:
daz regen noch der sunnen blic / niemer dar durch
[durch die Linde] enkumt Iw
576;
MF:Wolfr
7:3,8;
Wh
376,5;
von den blicken, / die der tac tet durch diu glas
MF:Wolfr
2: 5,1;
Wh
394,28;
si dûhte wie ein sternen blic / si gein den lüften fuorte Parz
103,28;
er sluoc, daz fiures blicke / hôhe von den helmen vlugen
UvZLanz
3172.
2067.
4496;
unt viel daz golt in den phuol, / daz ez nie rost
übermuol: / [...] ez erzeigete etswâ die blicke / daz
man sîn edelkeit bevant Wh
188,24;
KLD:UvL
16:4,4;
sêre verdriuzzet mich ir wâfen blike SM:Go
1: 6,10;
durhliuhtic edele steine, /
[...] die gein sunnen blic begiengen
Wh
409,26;
dâ wurden ir [der Rosen] liehte
blicke / zetreten: daz gap doch süezen wâz ebd.
144,4;
sîn [Rennewarts] blic durh
rost gap sölhiu mâl / als dô den jungen Parzivâl / vant mit sîner varwe glanz /
der grâve Karnahkarnanz / an venje in dem walde ebd.
271,17
1.2
speziell ‘Gewitterblitz’
so horet man diche doner unde bliche AvaJG
9,5;
SAlex
6721;
HvNstAp
6527;
daz sibente [Plage] waren
blikke VMos
39,24;
tûsent tûsent blicke Iw
649;
Wig
7284;
des drittin nachtis quam er vor deme tage mit grôzime
lîchte alse mit einime blicke unt stîz die ture ûzze deme angin
PrMd(J)
347,11
2
‘Licht und Strahl der Augen, Blick, Anblick’
2.1
allgemein:
als der mâne tuot, der sînen schîn / von des sunnen schîn
enpfât, / als kumt mir dicke / ir wol liehten ougen blicke / in daz herze mîn
MF:Mor
3: 1,8;
daz dem grôze sælde wære geschehen, / swen dâ reichte
ir [Alizes] ougen blickes swanc Wh
155,25;
ein edel stein und ein glas / gelîchent ein ander dicke.
/ von tumber ougen blicke / wirt vil wîser man betrogen Eracl
2106;
gar giftig ist sin [des
Basilisken] blick Mügeln
205,5.
– in Verbverbindungen:
in dirre selben wile / was die vinsternisse dic / so daz si mochten
keinen blic / gehaben wa si weren PassI/II
331,30;
Benedictus der gute / quam dar zu in dicke, / wand er in sinem blicke
[unter seiner Aufsicht] / sine schaf wolde
haben, / daz si icht mohten snaben / von des leiden tuvels spot
Pass III
221,58;
daz grimmige urteil, / daz von gote was gegeben / uber sin vil armez
leben, / hete er stete in blicke [vor Augen]
MarLegPass
23,189;
daz ir spilnden ougen swingen / unde uns werfen einen
blic KLD:BvH
10: 2,10;
dî sechste sache hât daz meinen, / daz man sich wâpint durch
irscheinen, / ûf daz dî vîende inpfâhin schric, / sô sî der wâpin nemin blic
[erblicken]
NvJer
3319
2.2
Blick, der etwas Bestimmtes ausdrückt:
die ureislichen blicke / sach man an deme konin man
Roth
4663;
Rol
5919.
887;
er tete die wuͦluine blicke ebd.
1418;
swinde blicke NibB
1749,4.
413,3.
1795,4;
friwentlîche blicke und güetlîchez sehen ebd.
353,1;
Iw
3795;
si begunden dicke in dem tage / ir ougen understricken /
mit inneclîchen blicken / in der menege und under liuten, / dâ blicke sulen
tiuten / und wehselmære meinen, / mit den man sich vereinen / aller gelieben
liebe mac Tr
12980;
dô ir ougen santen mir ir lôsen blik SM:Ta
2: 5,1;
leitlîche blicke unde grôzlîche riuwe
MF:Mor
13: 1,1
2.3
‘Anschauen, Anblick’
sie hêten grôzen mort begân / an orsen, ouch an den heiden hie, / nâch in
geströut lâgen die / uf dem velde dicke / in jâmerigem blicke Kreuzf
2024;
dirre sô vreislîche blic [des Todes des
Anführers] / gab den andrin sulchin schric, / daz sî ouch
ûfbrâchin sân / und ungesturmit zugin dan NvJer
5159;
fraw, erhor mich / durch den ellenden plich / da deines chindes menschait
/ dy marter an dem chreucz lait Hawich
3436;
darnach in der selben nacht / wisete got Martino, /
[...] einen blic
[Vision] , der sus geschach Pass III
593,95
2.4
ze ~
‘zum Anschauen, für den Anblick’:
swer mit einem vederspil / gern gahes vahen wil, / dem zeiget man vil dike
/ den vogel ze blike Krone
8082;
zu wunniklichem plick / stunden zwaintzig türn da, / da
[...] nie kain man an kainer statt / so schon turn
gesehen hat HvNstAp
1036;
der alte was gesezzen / gên dem sune [...] / alsô
daz der slüzzel hie [hing] / von dem gürtel eneben /
ze blicke, daz in der sun sach eben Schlegel
784.
– übertr. mit pejorativem Nebensinn ‘für den äußeren
Anschein’:
manger dienet wan ze plicke Jüngl
191.
201;
swes herze aber ist untriuwen vol, / der dienet ze blicke durch sîn
geniezen Renner
18235;
swer in der sêlden glaste vert, / der wirt wol von den liuten geêrt. /
[...] er gewinnet friunde ein michel teil, /
die sîn ze blicke nement war, / biz daz er wirt sîns guotes bar ebd.
23301
2.5
des himels blic
‘Art, wie die Sterne im Augenblick der Geburt auf die Erde blicken,
Sternkonstellation’:
des himels blick [vgl. Glossar
z.St.] und ouch die stat / die libe scheit in der gebürte eine
Mügeln
41,11;
vgl.
MügelnKranz
583
2.6
zeitl. für ‘sehr kurze Zeitspanne’
si cherten an die dicke, / si ualten in ainem blicke /
mer denne sechs tusent mán Rol
4284;
gedanc ist sneller über velt / denn der blic eines ougen
KLD:SvT
2,10;
wie snel ist eines ougen blic, / sô snel ist dâ ze Jôsaphat des algerihtes
ende Marner
1,47;
rischlich in der ougen blic [sogleich] / beruft
er sine kempfen Daniel
6958
(Dn 11,11).
– adv. Akk.:
alle di vroude und alle di suzekeit [...], di
sint alle also cleine da wider daz wir unseren herren einen blic sulen an
sehen, also ein drophe wasserez ist wider allen den wasseren di in deme mere
fliezent HlReg
24,16;
ach owe! schol ich nymmer / din gesehen ainen blik? WhvÖst
6707
MWB 1 871,62; Bearbeiter: Tao
blîche
Adj.
‘bleich, blass’
owe daz gebaine, / [...] das vil dick hat tragen /
menger hant rich gewant, / [...] dem lit ez vngeliche / so
iemerlichen pliche / da laider vnbedecket LS250
56;
ez was glestic und nindert blîch / an ir, swaz wîplich wirde mac, / erliuhtend
für den klâren tac HvBer
6437
MWB 1 873,44; Bearbeiter: Tao
blîchen
stV. (Ia)
1
‘glänzen, blitzen, strahlen’
2
‘erbleichen, verblassen’ (s.a.
bleichen
) 3
‘vergehen, aufhören’
1
‘glänzen, blitzen, strahlen’
dô Ênêas [...] under allenthalben sach / diu gezelde
blîchen En
6073.
6721;
ir schilde schinen schone. / ir swert wol blichen
Herb
5228;
MorantGalie
3807.
4243;
KarlGalie
7415.
8658;
man ensach so kuischlich edel gesteine / nie [...] /
als men uys dem borne syt blichen, / die onder stont in des bornes gronde
MinneR 497
754;
blichende kel, arme blanc, / schone hende Herb
2495;
dan suͦlen die gerehte lude blichen, / alse die sunne in ires vader riche
Lilie
42,11.
– subst.:
aber von dem werke vellet ein spân ─ als dâ ein spân abevellet von einem
balken, den man houwet ─, ein blîchen, daz ist, dâ der engel mit sînem nidersten den
himel berüeret: dâ von grüenet und blüejet und lebet allez, daz in dirre werlt ist
Eckh
2:243,3.
– Sprichw. (vgl. TPMA 5, 130-132):
ja enis al nit golt daz dair blycht MinneR 64
67
2
‘erbleichen, verblassen’ (s.a.
bleichen
):
ein hemde kleine, / daz was wol gezieret, / gelesen vnde
geriddiret, / gebleichet vnde geblichen Herb
619;
bleichen unde blîchen / begunde ir varwe unde ir lîp
Tr
14318;
ey Sünn, dü laß dir swinnen / din trüben und din blichen MinneR 272
45;
in der ‘hœhe des berges’ dâ sint alliu dinc ‘grüene’ und niuwe; dâ sie vallent
in zîtlicheit, dâ bleichent [La. blichin
Parad
115,2
] sie und valwent Eckh
3:249,3;
êren schîn / blîchet als ein baldekîn / daz vernetzet wîn
KvWLd
23,37;
welch fürst Domicianus dem echter gelicht / und folget sinem
phad, des wirde immer blicht Mügeln
22,2
u.ö.
3
‘vergehen, aufhören’
idoch din stam [Wurzelstock] nicht blichen / ensal
[vgl. relinqueretur Dn 4,23 ]
Daniel
3694;
dar nar / alle opfer wec wichen, / gebete daz muz blichen [
deficiet Dn 9,27] , / ez wirt in deme templo / von
verstoren gar unvro ebd.
6496.
7369
(vgl. Dn 12,11)
MWB 1 873,50; Bearbeiter: Tao
blickelîn
stN.
Dimin. zu blic.
1
‘kleiner Lichtstrahl’
2
‘kurzer Blick, Anblick’ (?) 3
‘kurze Zeitspanne’
1
‘kleiner Lichtstrahl’
es beschiht wol zuͦ ettelichen stuͦnden das diesen menschen ein kleinnes
blickelin wrt gesant usser demm ursprunge, das si wol ettewas merkende sint das in
ein anders forbligkende und lúthende ist MerswNF
128,24
2
‘kurzer Blick, Anblick’ (?):
alle die min genuͤgklich begerent, allen den die in der worheit genuͤgklichen
diser geburt begerent, den wirt under wilen ein bliklin geschenket von diser geburt
Tauler
220,9
3
‘kurze Zeitspanne’
waz êren hât diz jâmertal / denne ein blickelîn kurz und smal? / und nieman
weiz, wie lange ez wert! Renner
870
MWB 1 874,22; Bearbeiter: Tao
blicken
swV.
1
‘leuchten, glänzen, blitzen’
2
‘geschehen, zuteil werden’
3
‘seinen Blick (auf ein bestimmtes Ziel) richten, schauen’ , meist mit Präp.-Obj. 4
‘jmdn./etw. erblicken’
1
‘leuchten, glänzen, blitzen’
michil wart der stahilscal. / daz fûr blickete ubir al, / dâ
si des schildes rande / zehiwen vor di hande SAlex
4661;
von swerten sach man blicken vil manegen swinden sûs
NibB
2077,2;
er gesach vf der warte / blicken gegen dem mer wert /
halsberg, schilt, helm, swert / vnde die baniren manicfare Herb
4189;
Parz
504,9;
Wh
330,14;
Agomennon wande, / daz im der claren svnnen schin / blicte
vnnder die ougen sin: / so wol was sie [Cassandra] getan
Herb
16355;
in also glicher kurzen vrist / als ein blicz gaes irschricket / und in ein
gadem blicket HeslApk
604;
swenne diu sêle gekêret ist von allen gewordenen dingen, von nôt muoz daz sîn,
daz got in ir glenze und blicke Eckh
3:229,3.
5:205,12.
– Part.-Adj. in blickender wise, zum Ausdruck der
Schnelligkeit:
Tauler
382,31.
– subst.: ‘Blitz’
gein himil strahte sine hant / Moẏses: do wart ein doz, / ein blickin und
ein hagil groz, / starch und ungehúre RvEWchr
10267
2
‘geschehen, zuteil werden’
vil salden wirt dir blicken, / di got an dir wert schicken Hiob
4293
3
‘seinen Blick (auf ein bestimmtes Ziel) richten, schauen’, meist mit
Präp.-Obj.:
–
ane:
die blicten an den êrinen slangen unde wrden sâ gesunt
Spec
101,31;
under wîlen blicken man Prünhilde sach / an vroun
Kriemhilde NibB
799,2.
1919,1;
Tr
9995;
KvWHvK
366;
KvWLd
3,22.
–
durch:
der künec blicte neben sich / aldurch ein venster
wünniclich KvWSchwanr
245.
–
hinder sich :
Abraham blichte hinter sih, dâ sach er einen ram êrlich
Gen
936.
–
in:
swem si lieplîch blickent tougen / in diu herzen mit den
ougen KLD:GvN
9: 4,7.
31:2,3.
48:3,4.
–
über ahsel (nâch jmdm.):
dô blihte über ahsel der Guntheres man / nâch einem
hergesellen NibB
1758,3;
dô blihte über ahsel Dancwart der degen ebd.
1937,2.
–
ûf sich (selben):
und alse sich ein mensche kerit in sich und blickit uf sich selbin
Parad
131,36.
28,28.
30,6.
68,16.
–
dar, dan:
si blicte underwîlen dar / und nam sîn tougenlîche war
Tr
11841.
12052;
Wig
4269;
RvEBarl
8157;
SM:HvS
3:1,7;
wol gebâren unde lieplîch lachen, / lieplîch blicken dar
und dan mit güete, / daz kan diu vil guote wol gemachen KLD:GvN
47: 3,2.
–
ûz:
dô blihte ouch ûz dem bluote der rêwende man
NibB
2300,3;
e denne iene vz den kielen / geblicketen mit der ougbra,
/ so stackete der phil da / oder in dem houbete der stein Herb
4333;
SM:Wi
9:6,2.
– mit dem Subst. blic als effiziertem Obj.:
bistu der merker ane [= âne
] , / so blicke loser blicke dri Frl
7:38,17
4
‘jmdn./etw. erblicken’
der edel fürste herre / bliktte verr durch den wald / ainen brunnen
GTroj
2007.
1730.
2577.
23468;
vrowen, [...] ir lazet uch vil drate / brengen in
unstetikeit. / gotis e wirt hin geleit, / zu der ir sit gestricket. / uf une
[= unê ‘Ehebruch’] ir uch schicket, / wen
ir kein mannen blicket Daniel
2893
MWB 1 874,35; Bearbeiter: Tao
blickenblacken
stN.
‘Geschwätz’
lâz din blickenblacken Helbl
3,317
MWB 1 875,28; Bearbeiter: Tao
blickezunge
stF.
‘Blitz’
bleckeze die blichezunge [
fulgura coruscationem
]
PsWindb
143,6
MWB 1 875,30; Bearbeiter: Tao
blickunge
stF.
‘Glänzen, Leuchten’
ein lúhtende crone, die spilete in ir blikunge also schone
als dú sunne in irm liehtosten done Mechth
4: 22,24
MWB 1 875,32; Bearbeiter: Tao
bliclich
Adj., Adv.
‘glänzend, leuchtend’
der bliclîchen bluomen glesten MF:Wolfr
6: 2,1;
Sigûnen glanz sol dîne varwe erblüen nâch den bliclîchen bluomen Tit
106,4;
denne blicket got so dicke bliklichen in den grunt das alles liden wirt dem
menschen ze klein. und in dem bliklichen in komende gottes in den grunt so kumet dem
menschen in einem blike in was er tuͦn sol Tauler
253,19.
20.
273,16.
376,16.
402,9
(La.)
MWB 1 875,35; Bearbeiter: Tao
blicschôʒ, blickschoʒ
stN.
(Mask.
MerswBrf
335 ).
‘Blitzstrahl’
den dunre und diu blicschôz / von viurînem lufte lât / dîn
[Gottes] kraft RvEBarl
56;
Martina
205,26;
ein groz ungewitere quam / mit blickschozze und donreslegen Pass III
117,41.
491,12;
WvRh
4481.
– in Vergleichen:
nu kom gehes zwischen in / ein fúrin wagen und oͮch die ros / gefaren als ein
blick schos / oder als ein windes brut RvEWchr
35752;
do kam ain gar schoͤnes liecht geches als an blikschoss Stagel
23,28;
HeslApk
603
(La. → blic 1);
siech auf wie der richter / mit allem zorn hat sein sper / als ein plikschos
ergluet, / da mit er dir den schaden tuet Vät
40609;
des [des Engels] antlütze was als ein blikschôz und
sîniu kleider wîz als der snê Eckh
2:173,7
(Mt 28,3)
MWB 1 875,44; Bearbeiter: Tao
blicz
stM. , blicze
swM.
auch blitz(e), mit Übernahme des -n aus den obliquen Kasus
in den Nom. Sg.
blitzen (
BdN
93,8
u.ö.;
Minneb
3412 ).
–
‘Blitz’
do bete sant Vitus vnd chomen vnmazlich tonre slege vnd
plicze vnd czeruielen div apgothuͦser elliu Konr
14,107;
dô quam ein bligze von deme himele und verbrante in ze aschen
HvFritzlHl
12,19;
als uns di wysen callen, / di blitze vil dicker vallen / in daz mer und di
koken / zu slaen Hiob
15262.
861;
Marner
1,30;
HeslApk
8443;
Daniel
1498;
das der wyn sich wandilt von donren vnd von blichsin
Pelzb
138,22.
– in Vergleichen:
biz daz der gerehte offenbære werde und schîne als ein blitze Eckh
2:259,1
(vgl. Is 62,1);
sin antlitz offenbar / glich was dem blikze vuwervar HistAE
4422
(Dn 10,6);
Daniel
6590;
EvBerl
88,5
(Mt 28,3);
EvBeh
Mt 28,3;
EvAug
60,16
(Mt 24,27);
ich sach Sathanam alse den blicz von dem himele vallin EvBeh
Lc 10,18;
und luchticlichen git er [
ir munt
] glitzen / reht sam ein uber heller blitzen, / der in der nacht
derschinet Minneb
3412
MWB 1 875,60; Bearbeiter: Tao
bliczen
swV.
‘blitzen; Blitze schleudern’
wanne her [König Cosdras
] wolde, her dunrete und bliczete unde regente und snîete
HvFritzlHl
199,4;
frost, hicze, hagel und regen, / blikzen, tonren uf den wegen / und grosse
starke winde / laid das guͦte gesinde WernhMl
3616;
(Part.-Präs.:)
vnd nach der reinunge so hoͤrt er [Moses] den ton
eines hornes von tonre vnd sicht bligzendv̍ blikschos, dv̍ liessen von in selben vil
glenzen RvBib
78,3;
noch süzer ist der formelicher vröuden tag, / der dir uz wibes bilde bliczet
durch din ougen in dins herzen eigen Frl
3:19,2
MWB 1 876,18; Bearbeiter: Tao
1blîde
stF.
‘Fröhlichkeit, Freude’
so sagt si [Maria] dank sere / irem
schepfere [...], / daz ir div werlt hie nidene / semftev
wort zvͦ sprach, / swer ir bleide angesach Wernh
A 1286;
selich moesse syn de zyt, / dat mir gescheyt is sulche blyt KarlGalie
10630;
du solt den munt besniden / mit so grozzer bleide / an rede vnd an speise /
daz er dich iht verwise / ze Babiloni LebenChristi
298
MWB 1 876,30; Bearbeiter: Tao
2blîde
stswF.
‘Wurfmaschine, Steinschleuder’
er vorhte keine mangen / noch dribog, darant noch bliden Rennew
14907;
herzog Heinrich an der vart / für die burc ûf den berc / blîden unde antwerc /
hiez balde rihten ûf Ottok
21389
u.ö.;
Martina
8,106;
Kreuzf
6451;
Minneb
110;
er liez bûwen zû hant / vier blîden harte grôz LivlChr
8215;
NvJer
11273;
swie wol die kasten sint geladen, / der grosten bliden stain
[können der Burg keinen Schaden zufügen]
SHort
6543;
ûz den blîden man starke warf / manigen stein swêre Kreuzf
2916;
daz si nit dorsten nahen / so verre als ie kain blid warf SHort
6535;
dir kumet [...] / zu hulfe der ertzengel / Mychael
[...] / unde wirfet von dir dan / sam ein blide jenen
man / in der helle bitterkeit Daniel
6848
MWB 1 876,38; Bearbeiter: Tao
blîde
Adj., Adv.
‘froh, heiter; freundlich’
1 Adj. 2 Adv.
1
Adj.
man sach da manigen helt balt / schönen unde bleiden Serv
131;
de was gehaissen Wide, / der kúnsche und der plide
RvEWh
514;
frou Êre im hôhen prîs beneme, / diu lûter und diu blîde
KvWKlage
29,6;
ich wil leben mit den blîden, / die ir zît vroelîche lîden MF:Veld
9,6;
welt ir daz niht vermîden, / sô müezt ir von den blîden / kêren gein der riuwe
Parz
530,12.
– als Prädikatsnomen:
vröw dich, vrow, bis blid ind vro! MarlbRh
39,21;
ir sült hôchgemuot sîn under schilde, wol gezogen, küene,
blîde, milde KLD:UvL
38: 2,2;
der schoene sumer gêt uns an, / des ist vil manic vogel blîde
MF:Veld
24:2;
blîd und lôse was ir reden Ottok
90463;
swie ich dar umme sterben schol, / so getruwe ich doch wol / der durch die
ich ez lide, / si werde nymmer blide / nach minem tode me gesehn WhvÖst
10398
2
Adv.:
swie blîde er pflege der zühte und swie schœne sî sîn lîp, /
er möhte wol erweinen vil wætlîchiu wîp, / swenne er begonde zürnen
NibB
415,1;
swie blîde er hie gebâre, er ist ein grimmer man ebd.
1753,3;
swiech dar umbe lache / und gebâre blîde Neidh
WL 27:3,6;
daz ich den ganc sô blîde an vie UvLFrd
282,27
MWB 1 876,54; Bearbeiter: Tao
blîdeclich
Adj., Adv.
‘fröhlich; freundlich; tugendhaft’
swer mit zühten treit der fröiden kranz, / und dem sîn muot
stât von wîben hô, / dem erloube ich sî [Tanzweise] ze
singen wol: / blîdeclîchen man si tanzen sol KLD:UvL
46: 1,6;
sin blidecliches kosen / vnd sin wiplicher sitt, / da verfahet er nü wenig mit
Krone
24440;
ich ward gevragt, von wi daz sey, / weil [solange]
ein magt ist mannez frey, / daz si bleidichleichen tuͤt / sam si hiet eins engels
mut, / untz iͤr wiͤrt der man gegeben Teichn
365,3
MWB 1 877,15; Bearbeiter: Tao
blîdekeit
stF.
‘Anstand, Benehmen’
versinne dich, liebiu tohter min! / [...] wie hastu
diner blydekait / so gar vergezzen, sit daz man sait / von dir in allen richen / daz
man dinn gelichen / an zuͤhten kund vinden niht? / die machstu hie gar enwiht
WhvÖst
10727
MWB 1 877,26; Bearbeiter: Tao |