Bêheim
Subst.
‘Böhmen’
he gaf ime warliche / Behein unde Polen Roth
4871;
Rol
6848;
der kvnic sprach: daz si getan, / Beheim sol er han
ReinFu
K,2102;
Bêheim ich bescheide alsus: / ‘bê-’ daz diutet ‘beatus’, / ‘-heim’ ‘domus’
oder ‘mansiô’. / daz sprichet ouch ze diute sô: / ein eigen hûs od wonunge
UvEtzWh
4699;
KvWLd
32,328.
–
‘Böhme’
der Beheim solde wol dem riche hellen mite
Tannh
5,33;
juden, kristen, Kriechen, Valwen, heiden vil, / Unger, Polan,
Riuzen, Beheim ebd.
1,42;
MügelnKranz
1159;
SummHeinr
1:275,51
MWB 1 509,58; Bearbeiter: Schnell
beheimen
swV.
‘jmdn./etw. (in sein Haus) aufnehmen’
wol im, reiner suͤzer got, / der behaltet din gebot! / wie wol der wirt
beheimet / swer dich mit triwen meinet! Rennew
6667;
im bræht von schulden mêre riu, / swâ er die tempel bûwen sol, / wolt er die
niht mit triuwen wol / beheimen und begrîfen HvBer
4446
MWB 1 510,6; Bearbeiter: Schnell
beheimisch
Adj., Adv.
auch behemisch.
‘böhmisch’
do verpranten dy Oͤsterreicher dy pehaimsch stat ze Pehaim
dy genant ist Rodinum EnikWchr
543,19;
ûf daz bêheimisch ertrîche / legt sich der furst ûz Ôsterrîche / mit einem
ahtpæren her Ottok
83523;
wilt du machen behemmische erweiz BvgSp
63.
–
ieslîcher ret besunder: / einer ungerischen, / der ander riuzischen, / der
dritt bêheimischen ret, / der vierde tiutsch an der stet EnikWchr
3361
MWB 1 510,13; Bearbeiter: Schnell
Beheimlant
stN.
‘Böhmen’
uz Beheimlande ein künec rich / und ouch in Osterlande / ein
Liupolt und ein Friderich Tannh
6,34;
der junge künec uz Beheimlant ebd.
6,88.
6,92
MWB 1 510,23; Bearbeiter: Schnell
beheimsuochen
swV.
‘jmdn. (in feindlicher Absicht) in dessen Haus aufsuchen’
er well dann gern chlagen [...], umb welherlay sach
[...] daz waer, ân umb totsleg, notnuft, offenwar
behaimsuͦchen, diu mit gewafenter hant geschicht, und offenbar diepstal
StRMünch
306,8
MWB 1 510,27; Bearbeiter: Schnell
beheiʒen
stV.
‘jmdm. etw. versprechen, verheißen’
min herre mich niht ir lîz / ê ich ime svergende
[l. swernde
] behiz / daz ich ime gewunne / ein wip VMos
20,25;
si behiezen ime [Judas] dô / drîzic
phenninge KvHeimUrst
138;
niht zestorten si diete als er beheizen hete in [interl. zu
quas dixit dominus illis
]
PsM
105,34
MWB 1 510,33; Bearbeiter: Schnell
behëlf
stM.
(behelfe stF.? Tauler ).
‘Hilfe, Beistand’ (vgl. auch behulf):
dwijle er nú den stein hat verlorn, / die hentschuh vnd das vingerlin, / das
sin behelff solte sin Krone
25461;
diser grunt ist vol valscher behelfe und ist gruntlôs Bosheit
460;
ich fragete dich wer dich zuͦ mir gesant hette, obe es Got were oder die
nature were, umb ir behelffe, oder dine gewonheit Tauler
315,20;
vnd mvͦst dich abe gescheidenliche vnd inne blibende halten one aller
creaturen behelf MerswZM
24,26
MWB 1 510,40; Bearbeiter: Schnell
behëlfære
stM.
‘Helfershelfer’
wurde aber ein unser burger in sime hus oder in eins andern burgers hus von
solchen behelfern missehandilt StRNordh
1,45
u.ö.
MWB 1 510,50; Bearbeiter: Schnell
behëlfec
Adj.
‘behilflich’
alle die da checzer wissentleich beschirment vnd in behilfig sind mit worten
oder mit wercken RechtssB
K21,5
MWB 1 510,54; Bearbeiter: Schnell
behëlfen
stV.
1 mit Akk.d.P. ‘jmdm. helfen’
2 Part.-Adj. in präd. Verwendung 3 subst. ‘Notbehelf, Vorwand’
1
mit Akk.d.P. ‘jmdm. helfen’
in den brief wart geschriben / und geboten daz man sie / behulfe
Pass III
150,6.
– mit Refl.-Pron.: ‘sich (mit etw.) helfen’
Claudas zaugte alda große krafft, wann er kunde sich wol
behelffen in großen stryten und was auch groß strytes wol gewone Lanc
76,17.
131,28;
du soltest dich behelffen mit dem sacramente Tauler
315,17;
golt und silber und cleidir, domitte si bedact sin, nemen sie in und gehen weg
und mogin sich nicht behelfin dowidir Cranc
Bar 6,57;
Eckh
5:15,14
2
Part.-Adj. in präd. Verwendung:
–
beholfen sîn
‘hilfreich, behilflich sein’
den vater vnd die muter din / solt du eren vnd behulfen sin / in vmmer, wa sin
not geschiht EvStPaul
3503;
div wart vil gemartert von manigen arzten vnd hat vertan alliv ir hab, noch ir
chainre was ir beholfen EvAug
87,23;
di Got lip han, den sint alle dinc beholfen Parad
69,9.
–
beholfen wërden
‘(rechtl.) Unterstützung finden, (durch Rechtsmittel) unterstützt werden’
dar vbir fúr zihen wir vns alles des schirmes [...]
vnd allir gerihte geislichir vnd wertlichern vnd andirs, wa mitte wir
[...] moͤhtent beholfen werden UrkCorp (WMU)
3331,27;
damitte wir [...] biholfen moͤhtent werden, ze
kummenne oder ze tuͦnne an dekeinen enden wider disem brieve ebd.
N100,27;
UrkWürzb
39,63
(a. 1316)
u.ö.;
UrkHohenz
3,212
(a. 1350)
3
subst. ‘Notbehelf, Vorwand’
sus ist es ein behelfen der sinnen Seuse
164,18;
wan aber die sele von des armen libes swarheit emzklich wirt nider gezogen,
[...] so muͦss sú etwaz behelfens ir selber han ebd.
476,9.
166,16;
in diseme [Sakrament] soltu kein behelfen suͦchen
Tauler
315,18
MWB 1 510,57; Bearbeiter: Schnell
behëlfunge
stF.
‘Notbehelf, Ausrede’
denne ensol der mensche nút us loͮffen umbe deheine behelfunge, sunder er sol
tuͦn als S. Peter tet Tauler
344,17;
dis sint alles jagehunde, und wurst selber ein jagehunt und billest selber
dich an: ‘du soltest dich behelffen mit dem sacramente’. in diseme soltu kein
behelfen [La. keine behelfunge
] suͦchen ebd.
315,18.
315,4;
UrkYsenb
96
(a. 1324)
MWB 1 511,27; Bearbeiter: Schnell
behëlfwîse
stF.
‘Notbehelf, Ersatz’
ein mensch sol war nemen der neigunge, dú sich ze allen dingen bietend ist in
behelfwise wider der ainvaltigen warheit Seuse
164,26
MWB 1 511,35; Bearbeiter: Schnell
behëllen
stV.
‘etw. mit seinem Klang erfüllen’
obe sein lere / die werlt gar behülle, / daz si sich bewülle, / unde wære dem
tivel verselt Serv
1027
MWB 1 511,39; Bearbeiter: Schnell
behelsunge
stF.
‘Umhalsung, Umschließung’
doch sô beheldet ieglîchiu persône ir eigenschaft an ir persônlicheit nâch
redenne. aber in dirre behelsunge der beslozzenheit dâ tragent drîe persône einer
nâtûre eigenschaft Eckh (Pf)
391,35.
391,37
MWB 1 511,42; Bearbeiter: Schnell
beheltære
stM.
→
behaltære
MWB 1 511,47;
beheltnisse
stF.
→
behaltnisse
MWB 1 511,48;
behêmisch
Adj.
→
beheimisch
MWB 1 511,49;
behende
Adj.
1
‘flink, schnell, gewandt, geschickt’ (bes. in Bewegungen) 2
‘klug, weise, sorgfältig’
3
‘angemessen, geeignet, bequem’
4
‘dünn, fein, zart’
1
‘flink, schnell, gewandt, geschickt’ (bes. in Bewegungen):
ez liefen kreiierende hie / behender garzûne gnuoc
Iw
7107;
sin schiff nam behenden schuss / über des wilden wages flütt GTroj
14656;
sin vinger schlecht, lang und fin / [...] / behende
und wol gelaichig gar WernhMl
5979;
RvEWh
10753;
BdN
50,6
2
‘klug, weise, sorgfältig’
dar zuo gehœret gar ein behender vlîz Eckh
5: 276,3;
Tauler
17,4;
dú warest, dú nútzest, dú behendest ler, dú dir in aller der schrift mag
werden Seuse
288,9;
manche dunken sich / so clug und so behende TvKulm
4953;
in diner gotheit behende / hastu so der menschen ende / gesatzt Hiob
5351.
9455;
WernhMl
1472;
BdN
238,25
3
‘angemessen, geeignet, bequem’
sô haben wir hie zehant / vil schœnez îsengewant, / beidiu behende unde guot
Er
591;
hacken unde steine / wârn in darzuo [zum Aufbrechen der
Kisten] behende Ottok
29358
4
‘dünn, fein, zart’
diu stimm ist ain behender [
tenuissimus
] luft, geslagen oder geprochen zwischen zwain herten leibhaftigen
dingen BdN
15,25;
die frawen habent auch kleineu haupt, behend häls und behend
antlütz ebd.
52,20;
daz kraut ist behend [
est tenera
] und gibt von ainer wurz vil langer est ebd.
383,11;
KvMSph
8,10
MWB 1 511,50; Bearbeiter: Schnell
behende
Adv.
→
behanden
MWB 1 512,11;
behendec
Adj.
‘geschickt’ oder ‘eilfertig’ (?):
doch ist sie [eine Frau] behende [Hs.
behendec
] / an venstern, an glassen. / luogen in die gazzen Helbl
1,1292
MWB 1 512,12; Bearbeiter: Schnell
behendecheit
stF.
1
‘Geschicklichkeit, Beweglichkeit’
2
‘Fertigkeit, handwerkliche Technik’
3
‘Kenntnis, Klugheit’
4
‘Zartheit, Feinheit’
1
‘Geschicklichkeit, Beweglichkeit’
die tugende der sêle krefte sint; / den lîp diu sterke ane wint, / diu snelle
und diu behendekeit WälGa
8507;
da vachtt gar mit behendekaitt / Schyro der starcke GTroj
16927;
die jugent dich betriuget, / behendikeit die liuget Frl
9:20,8;
Lanc
639,17.
– mit Übergang zu 2:
dâ sluogens unde wurfen mit / die tambûr mit behendicheit
Wig
8653;
rotten, harpfen, singen / und aller hande zabelspil, / daz kunde er unde treip
sîn vil. / an im lac grôz behendekeit KvWTroj
5977
2
‘Fertigkeit, handwerkliche Technik’
si kunde schœniu hantspil, / schœner behendekeite vil: /
brieve und schanzûne tihten Tr
8138;
hy seczt her [der Autor] eyne andir
behendigkeit Pelzb
118,17;
eyne andir behendikeit von wynstockin ebd.
131,17
3
‘Kenntnis, Klugheit’
aber an der behendikhait vnd vernuͤftigew bechantneͧzz dez goͤtleichen wesens
[...] sind all laͤut niht schuldig ze wizzen
RechtssA
G55,10;
vnd sol iv einen list dar an / sagen vnd eine behendecheit Krone
2597;
der gallen aigenkait ist unstætichait, tobung, behendichait,
scherpfen der sinn BdN
28,28;
Tauler
42,18;
DvASchr
309,26
4
‘Zartheit, Feinheit’
so sprechin si also daz di gropheit der element abe gê und di behendikeit und
di subtilikeit des himmillischen libes beste an deme geseligiten libe unsis herrin
Parad
60,5;
[wenn jemand träumt, dass er fliegt, bedeutet das]
behendikait und leihtikait seins pluots und anderr seinr fäuhten BdN
53,23
MWB 1 512,16; Bearbeiter: Schnell
behendeclich
Adj., Adv.
überw. Adv., auch behendeclichen.
1
‘gewandt, geschickt, schnell’
2
‘klug, weise’
3 im Lanc meist ‘unauffällig, heimlich, verstohlen’ (von mnl.
behendelike , vgl. Steinhoff, Lanc., S. 875)
1
‘gewandt, geschickt, schnell’
nieman nâch ritterlîchem site / alsô behendeclîchen rite
Tr
702.
4715;
daz si behendeclîche riten / und nâch turneischen siten / wol
kunden pungieren UvZLanz
637;
aber der rauch trückent sneller diu fäuhten gelider und
behendicleicher ân peizen und nagen BdN
370,19;
Walth
37,35;
PrEngelb
202,62;
Lanc
274,12;
Pelzb
130,33
2
‘klug, weise’
daz hat si behendeklich gebuͤsset und gebessert mit minem unschuldigen
wirdigen lidenne Seuse
258,8
3
im Lanc meist ‘unauffällig, heimlich, verstohlen’ (von mnl.
behendelike, vgl. Steinhoff, Lanc., S. 875):
das er wolt ryten so er behendiclichst möcht, das yn nymant
solt erkennen Lanc
150,36;
ich han uch auch so behendiclich thun stelen, das nymer man
befindet wo hin ir komen sint ebd.
519,3.
200,29
MWB 1 512,46; Bearbeiter: Schnell
behendelîche
Adv.
‘sofort, unmittelbar’
ime geswal der arm behendelich gross und ward blawvar Seuse
44,11;
vúrgast dv́ [wenn du zurücklässt] behendelich vnd
lichtlich dv́ bildsame ding RvBib
79,9
MWB 1 513,1; Bearbeiter: Schnell
behenden
swV.
‘jmdn. mit Händen berühren, betasten’
der lîcham gots gebenedît, / von der dît vormaledît / wart jêmirlîch durch
iren nît / behant, besulwit, angespît NvJer
23541.
– übertr. ‘jmdm. etw. gewähren, anvertrauen’
nu, vrawe Minne, wie schaffter / daz dem jungen Ryal / behendet werde dirre
bal / mit den clainoͤden zwain? WhvÖst
2944;
süzer pflichte / bin ich von der lieben, truten liepliche behendet Frl
14:21,10;
KarlGalie
4214
MWB 1 513,6; Bearbeiter: Schnell
behendenîe
stF.
‘Geschicklichkeit, Beweglichkeit’ (französisierender Neologismus für
behendekeit):
so pruoft dirre sin chraft. / mit maniger behendenie / was disiv massenie /
vor der ostelie [afrz. ostelerie?]
Krone
695;
jst iemen hie, der mich bestat / vnder dirre massenye / mit ritters behendenye
/ ze örs mit tyostivre ebd.
1171
MWB 1 513,16; Bearbeiter: Schnell |