blintheit
stF.
1
‘Blindheit, Fehlen des Sehvermögens’
2 bildl. und übertr.: ‘geistige Blindheit, Verblendung, Torheit’
1
‘Blindheit, Fehlen des Sehvermögens’
diu blintheit mir entweich AvaLJ
94,3;
StrKD
64,71;
RvEBarl
1201;
WernhMl
11515;
wen pich ist eyn orsprink der blyntheit Pelzb
136,31;
diu slang vertreibet ir plinthait mit fenchel ezzen
BdN
262,2;
und uf daz hus Juda wil ich uftun mine ougen, und alle phert der lute wil ich
slan mit blintheit Cranc
Zach 12,4
2
bildl. und übertr.: ‘geistige Blindheit, Verblendung, Torheit’
diz was diu alwære, / diu herzelôse blintheit, / von der ein
sprichwort dâ seit: / ‘diu blintheit der minne / diu blendet ûze und inne’
Tr
17739;
swaz man von blintheit geseit, / sôn blendet dekein blintheit
/ als anclîch unde als ange / sô geluste unde gelange ebd.
17798;
dar von hub sich sin [Adams] vinsterheit / und
siner blintheite nacht, / wen her wider gote vacht, / und wart mit senden ougen
blint HeslApk
1683;
PrOberalt
53,27;
so salbe mit heizen trenen / die blintheit diner ougen HeslApk
7171;
wie geistlich lúte von blintheit sich huͤtent vor der
innekeit Mechth
6: 13,1;
swer daz niht enbekennet, der klage sîne blintheit
Eckh
5: 54,6;
ein blintheit und ein tôrheit ebd.
2:61,8;
mit blintheit und mit affenheit Tauler
170,21;
di blintheit irr herzen [Mc 3,5]
EvAug
81,20
MWB 1 882,10; Bearbeiter: Tao
blintlich
Adj., Adv.
1
‘auf Blindheit beruhend’
2 übertr.
1
‘auf Blindheit beruhend’
welich plinder dar wart gefurt, / untz er het gerurt / des heiligen mannes
leichnam, / zuhant im gotes gut nam / [...] all sein
plintliches lait Vät
39934.
39936;
daz der blinde wurde / von blintelicher burde / erloset von dem guten gote
PassI/II
141,25.
140,74
2
übertr.
–
‘nicht sehend, nicht wahrnehmend’
ouch sach si daz vil lützel an / und nam es harte cleine
war, / wan saz et blintlîchen dar / und leite Riwalîne / ir wange an daz sîne
Tr
1292;
sich, wie wir alle sîn betrogen: / wir haben ze
blintlîche erzogen / den slangen vür die nahtegalen ebd.
10374.
–
‘verstockt, unbesonnen’
sit vwer blintlich vngemach / ist so geweltich vnd so groz / vnde der
warheite ein widerstoz / so sult ir ouch mit leide / an libe an selen beide /
verstozen wesen drate PassI/II
320,19;
das tuͦst du alles alsus ane minne und andacht mit einem zerstroͤwetem
herzen also blintlichen und kaltlichen Tauler
137,35;
und gant etliche menschen also blintlichen hin, und das selbe das si
tuͦnt, das tuͦnt si als blintlichen und unvernúnftlichen als in einer
unvorchtsamkeit ebd.
221,11.
35,9.
82,14
MWB 1 882,35; Bearbeiter: Tao
blinzeln
swV.
‘blinzeln’ (?):
wêr ich dem himel iht dester nêher, / ich wölte ouch blinzeln als ein heher /
dem man kriselt ûf sînem houbet, / daz man mir dester baz geloubet
[unklar, was hier gemeint ist; vorangegangen ist der Tadel der
Heuchler]
Renner
13258
MWB 1 882,58; Bearbeiter: Tao
blinzen
swV.
‘die Augen schließen’
der künec sich dicke des bewac, / daz er blinzender ougen pflac / etswenne
gein vier tagn Parz
788,22;
Reinhart blintzete sere / nach siner gevatern lere
ReinFu
K,201;
blinzende er singende wart ebd.
K,133.
–
‘blinzeln’
er sach die liute blinzend an / und nam ir dinges goume, / als der ûz eime
troume / wirt aller êrst erwecket KvWTroj
27304
MWB 1 883,1; Bearbeiter: Tao
blîstücke
stN.
‘Bleiklotz’
daz kleine kint, daz er truc / dructe in mit voller swere, / rechte als ob ez
were / gar ein blistucke Pass III
349,59
MWB 1 883,9; Bearbeiter: Tao
blitz(e), blitzen
M.
→ blicz
MWB 1 883,12;
blitzelîn
stN.
Dimin. zu blitz(e).
zur Verstärkung der Negation:
der selbe dienest mich do dunket nút eines kleinen blitzelins wert sin
MerswBgR
145
MWB 1 883,13; Bearbeiter: Tao
blitzen
swV.
‘leuchten, blitzen’
der [Edelstein jacinctus
] ist wazzer var, / da die sunne blitzet in HeslApk
22001;
sine phyle sint so getan / daz sy blitzzen alumme wit Hiob
8219;
der blick von himel blitzte Hadam(Sch)
497,6;
EvAug
183,21
(Lc 17,24);
als ein blitzendiu sunne Eckh (Pf)
567,39.
– subst. Inf. (oder zu blicz, blicze stswM.?):
zwibeler an dem louben [= gelouben
] , sich an gotes wunder. / von wem kumt blitzen, donre, tac unde
nacht, regen besun der? Meissner
8:1,2;
der ken ym schoz und czeyne / sendet uz dem kocher sin, / daz dutet gotes
blitzen fin Hiob
15260;
by dem blitzen sunder wan / gotes urteyl sult ir verstan, / daz den tuvel
nyder slet ebd.
15277.
–
‘schlagartig herausfahren’
ich sprach daz Christ an sîn gelider / mocht als ein mensche switzen. / aber
des sweizes blûtes blitzen / von der obristen kraft geschach / sô, daz man an
Christo sach / von allem sînem lîbe dîzen / sîn heiligz blût JvFrst
3851
(vgl. Lc 22,44)
MWB 1 883,17; Bearbeiter: Tao
blitzschîn
stM.
‘Blitz’
ich sach Sathanam als den blitzschein abgenten von dem himel EvAug
158,18
(Lc 10,18)
MWB 1 883,37; Bearbeiter: Tao
bliuclich
Adj., Adv.
→
blûclich
MWB 1 883,40;
bliuge, bluoge
stF.
‘Verzagtheit; Schüchternheit, Schamgefühl’
ih wartte den, der heil mih tet vone wenichmuote, bluoge des geistes [
a pusillanimitate spiritus
]
PsWindb
54,9;
ane [= âne
] bluͤge lute / sag ich [Frau Minne] dir,
swer liep wil han, / da muͦz auch laid under gan WhvÖst
6530
(vgl. unbliuclich
5709.
7408
);
Agly diu junge kuͤngin / vor vræuden was erschrocken, / daz ir daz hertze
locken / wart uz bluͤge balthait ebd.
9393;
so ser min hertz nah im stat / daz sich min wiplich bluͤge hat / verschamt von
sinen lieben ebd.
12588
MWB 1 883,41; Bearbeiter: Tao
bliugen
stV.
→ bliuwen
MWB 1 883,52;
bliugen
swV.
s.a.
blûgen
.
‘jmdn. schüchtern machen’, mit Ersparung des Akk.-Obj.:
minn bindet und enbindet, / minn hertet, minne lindet, / minn bliuget, minne
machet balt, / minn twinget junc, minn twinget alt HvBer
526
MWB 1 883,53; Bearbeiter: Tao
bliuwât
stF.
‘Schlag’
sô der zorn dînes mundes gere der [
zungen
] ze der sceltâte odir dîner hant ze blûwâte, sô uersage si ime
TrudHL
134,13.
– speziell ‘unblutiger Schlag’
von der pliwat gehornt zwelf schillinge [...], der
sint des clagers zehen, der schepfen ainr, des rihters ainr UrkCorp (WMU)
1914,7
MWB 1 883,58; Bearbeiter: Tao
bliuwe
stswF.
‘Stampf-, Reibemühle (speziell für Hanf und Flachs)’
vmbe den halbteil der niderun mv́li vnd den halbteil der bliwen da ze Botstein
UrkCorp (WMU)
N124,34;
dc si, die malent, nuͥt irren sol weder bloͤwe noch walche
[Walkmühle] noch enkein ander rát
[Mühlrad]
ebd.
3474,29;
da lit oͧch ein muͥli und ein bloͤwe; die geltent ze zinse 4 muͥt kernen und
ein swin UrbHabsb
1:188,1
MWB 1 884,1; Bearbeiter: Tao
bliuwel
stM.
1
‘Werkzeug zum Schlagen’
2
‘ Stampf-, Reibemühle (spez. für Hanf und Flachs)’
1
‘Werkzeug zum Schlagen’
alsô seh wir oft auf den püeheln ob den pächen, dâ die
weschen waschent, den slag mit den pleueln, ê wir den galm hœren BdN
92,1;
daz ist ain pœs visch und stinkend
[...] und mag nümmer gekocht werden, man plew in dann
vor mit ainem plewel oder mit ainem steken, als man den dürren stokvisch tuot ebd.
258,13
2
‘ Stampf-, Reibemühle (spez. für Hanf und Flachs)’
daz ich dem huse von Clingenowe [...] han gegeben zwo
múlina vnd ein bliwele [stNF.?]
UrkCorp (WMU)
N134,36.
2112,3
MWB 1 884,9; Bearbeiter: Tao
bliuwen
stN.
‘Schlag; Kampf’
sus galt zwei bliwen der gast Parz
295,28;
ich sol rechen ê ein bliuwen, / dâ von ich sît mit riuwen / fuor ebd.
304,13;
do hub sich ein plewen / mit swerten vnter yne Neidhc
99:6,1
MWB 1 884,20; Bearbeiter: Tao
bliuwen
stV. (IIa)
auch blûwen,
blouwen,
bliugen (
MillPhys
89,2 ).
1
‘jmdn./etw. schlagen, prügeln, züchtigen’ , tr. und intr. (mit Präp.-Obj.) 2
‘etw. durch Schlagen, Klopfen bearbeiten; etw. durch etw. hindurch schlagen’
3
‘sich abmühen’ refl.
1
‘jmdn./etw. schlagen, prügeln, züchtigen’, tr. und intr. (mit
Präp.-Obj.):
hinden unde in mitten / vorne er
in [Esel] vaste blov VMos
74,13;
vnze daz die iudin nîdin begundin unde viengin si unde bluven
si unde wrfin si in den charchare Spec
78,22;
Kchr
10720.
13142;
Greg
1315;
dô man alte sach dur zuht die jungen bliuwen, / dô stuond ez
an êren baz und och an triuwen SM:UvS
11: 3,6;
KvWHvK
133;
~ und zerhouwen
Wig
7589;
er [Wein] macht das ainer chlaffet, / das man in
wol zernewet / und im den rukch blewet HvBurg
256;
wir sullen iren vaigen kragen / noch heutte plewn und peren
HvNstAp
7489;
so ez [Pferd] ye vester nach ym plewet
Teichn
558,44.
–
mit etw.:
daz [...] mich der tubel solle blouwen / mit
siner stangen iserin Brun
6470;
vnd als sie dan yn gebluwen / mit geisseln, darnach sie yn gedoden
EvStPaul
9395.
–
(an) die brust ~
als Geste der Wehklage, Trauer:
di brust bluwer mit den hanten. /
[...] uil groz wart di chlage sín
Rol
6968;
unz ih di muoter vant riwege, / an die brust bliwende, /
wainunde und clagende, / michel nôt habende Kchr
3832
2
‘etw. durch Schlagen, Klopfen bearbeiten; etw. durch etw. hindurch schlagen’
die lâsen, dise wunden, / disiu blou, disiu dahs, / disiu
hachelte vlahs, / dise spunnen, dise nâten Iw
6203;
Helmbr
1360;
swer har [Flachs] in diu stat pringet oder in der
stat derret oder pliwet oder swinget aus den agen StRMünch
222,23.
407,12.
14;
das die ledergerwere iemerme sulnt bluwen das halbe kurdewan,
[...] swas sie zer wochen gegerwent, das ensulnt sie
niemanne veil bieten noch geben ze coͧffenne, ez ensi denne halbes gebluwen
[halbfertig geschlagen (s. Regest)]
UrkCorp
N159,25.27;
von einem muͥtte gêrsten ze malenne vnd ze bloͤwenne [enthülsen
(s. Regest)] sol man geben ein imin
[Getreidemaß] vngeblûwen ebd.
3474,4;
BdN
258,13
( →
bliuwel
stM.).
– in Vergleichen:
ze glicher wise also man den har îe offter blîwet vnd fvrbet vnd also er
da von schone wirt vnd wize, also mvze der menische in dirre werlt gelvtret
werden PrFrgmLpz
379;
als durh die dicken mûre / brichet der bickel / und der
zimberman den zwickel / bliuwet durh den herten
nagel [Knorren?] , / Schoyûse sîn swert
[...] / in den ungelouben weiz Wh
54,23.
– übertr. auf den Wind:
so der rouch uf gat in den luft, so bluwet in der wint vnz
er dicke wirt Lucid
57,2
3
‘sich abmühen’ refl.:
und dô er sich geblûwin / [...] hatte manche vrist
NvJer
19563
MWB 1 884,25; Bearbeiter: Tao
bliuwestat
stF.
‘Stelle, wo eine Stampf-, Reibemühle steht’
da lit oͧch ein bluwestat UrbHabsb
1:65,18
MWB 1 885,13; Bearbeiter: Tao
blîvar
Adj.
‘bleifarbig’
swenne iz [Blut] unnaturlich is, daz
mac man [...] irkennen wol an der uarwe, wanne so iz ist
weninc wiz oder suartz, bliuar oder gel oder wazzeruar SalArz
2,51;
daz wazzeruarbe harn vnde der da heizet lacteus,
[...] glaucus, [...] liuidus
vnde der swarze harn, der e bliuar ist gewesen, di alle bezeichent gar ummezige
kelde SalArz
111,30
u.ö.;
OvBaierl
42,5.
43,9;
blifar wurden ir wenglin rott / umb des erwelten ritters tod GTroj
19191
MWB 1 885,16; Bearbeiter: Tao
blîvarwe
stF.
‘Bleiweiß’
cerusa: bliuarue VocBV887
3:487,3
MWB 1 885,26; Bearbeiter: Tao
blîwâge
stF.
‘Waage zum Abwiegen von Blei’ bzw. Abgabe dafür oder ‘Setzwaage mit einem
Bleilot’
dor obir wolle wir, das di bly wage nirgin andirswo wen do selbis gehaldin werde
ewiclichin UrkSchles(B)
131:1,12;
blywage UrkSchles
3,39
(vgl. Anm. z.St.; a. 1316 kopial);
umme di pleiwag bescheid wir euch also, das di gehoret di herschaft
[Grundherrn] an BgRIglau
338,22
MWB 1 885,28; Bearbeiter: Tao
blîweich
Adj.
‘weich wie Blei’
di ir wol gezirten helmuaz / waren alle bliwaich. / swaz sin
daz swert begraif, / daz muse allez in zwai Rol
4305;
StrKarl
5329
MWB 1 885,36; Bearbeiter: Tao
blîwîʒ
stN.
‘Bleiweiß’
von corianders same, silberschum, bliwiz, ezsig, rosenolei, di
fuͦnfe zusamne getan: da mache von ein salbe Macer
30,5;
daz saf mit ezsige unde mit bliwiz getempert, hilfet an di
stat gestrichen, di mit der hitze bekumirt ist ebd.
70,11;
SalArz
73,53.
78,31;
OvBaierl
136,13
MWB 1 885,40; Bearbeiter: Tao
blîzeichen
stN.
‘Bleisiegel’
diz wib da in ein cellen gienc / [...] der alde man
die tur versluc / und leite ein blizeichen dran, / daz deweder wib, noch man / zu ir
mochte kumen drin Pass III
541,95
MWB 1 885,46; Bearbeiter: Tao |