b – bachhelling bächîn – backwërc bacolôn – badestubære badestube – balde baldecheit – balmunden balmunt – balsamtrôn balsamtropfe – ban, bane 1ban – banekîe banël – bänkelîn banken – bantac bant|âder – banzins banzûn – bârbrët 1barc – bârkleit barkorn – barmhërzeclîche barmhërzege – barten bartenære – base Baseler, Basler – bate bate, pate – bearbeiten bearren – bechersamenære becherweide – beckenknëht beckenkol – bedancheit bedarf (?) – bedingen bedirmen – bedrangen, bedrengen bedrât – begâben begâbunge – begelimpfen begenagen – begin begîne – beglîmen beglîmunge – begrîflich begrîflîcheit – behaft behaftec – behaltunge behandeln – beheimsuochen beheiʒen – behern behêrren – behoven behten – behuoflich behuoren – beie beie – beinîn beinîsen – beiʒe 1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit bekantnisse, bekentnisse – bekerzen bekicken – beklipfen beklocken (?) – bekorunge bekorungnisse – beküelen bekumberhaft – belæren belasten – belîbelich belîben – belônære belônen – bemaln bemangen – bemurmeln bemüseln – benedîunge benediz – bennen bennige – bequâme bequæme – bërc|êrîn bërcgar – bërcphenninc bërcrëht – beredenunge beredet – 1berennen 2berennen – bërhtnaht berhtram – berillîn berîmeln – bërlich bërlîn – bernisch bërnklâ – bêrswîn bertenære – beruofære beruofen – besamentlîchen besamenunge – beschatzære beschatzen – beschemen beschemenisse – beschînen beschirm – beschouwunge beschremen – besebelicheit beseben – besetzunge besëʒ – besîtes besitzære – beslîʒen besloʒ – besnöuwen besnüeren – besprëchære besprëchen – beste bestëchen – bestiure bestiuren – bestürzen bestutten – besuochnisse besuochunge – bët betagen – bëtelære bëtelærinne – bëtemësse betemmen – bëtewîn bëtewîp – betrahtegen betrahten – betrogenlich betrônen – betrûren betrûrigen – bettemunt betten – betûchen betüemen – betwungenheit betwungenlich – bevellicheit bevern – bevliehen bevlieʒen – bevür bevürhten – bewærnüsse bewarsam – bewëlgen bewëllen – bewindeln bewinden – bezâfen bezaln – beziln bezimbern – beʒʒer beʒʒerære – bî bestân bîbilde – bíderben, bedérben biderbenen, bederbenen – bîenkar bîenswarm – bieʒenblat bieʒenkrût – bîhtât bîht(e) – bilchmûs bildære – bildoht bildunge – bilsensaf bilsensâme – bineʒ binide – birden bir(e) – birnwîn birsære – bischolf bî schrîben – bî slâfen bî|slëht – bît bitære – bittern bitternis – biurlîn biuschen – bîvilde bîvilden – bîzeichenen bî zëmen – blahsen 1blæjen – blâsehorn blæselîn – blatengîr blatenrinc – blëchhantschuoch blëchrinc – bleichvëlt blende – blîche blîchen – blîkloz blîkolbe – bliuclich bliuge – blôdern blotschen – blüemunge blüetebërnde – bluomental bluomenvar – bluotgieʒen bluotgieʒende – bluotstürzunge bluotsûgende – bobenthalben boc – bogelîn bogen – 2bolle bollen – 3bor bor-, enbor- – (borliep,) enborliep bormære – bortengewant bortiure – bote botech – bou bouc – boummate boum|öle – bôʒwurz brâ – brâ|hâr bræhen – brantlich brantreite – brâwelîn bræwen – brëhenen brëhentac – brenken brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche brëtsnîdære – brieschen brievære – brionie brîsære – briulêhen briumeister – briuwe briuwe – brohsen bronie – brôthalle brôtheit – bruch bruch – bruckenambet bruckenære, bruggenære – brüeterîn brügel – brünnære brunne – brünselbërc brünseln – bruoderhûs bruoderkint – brust brust – brûtdëgen brûtdrüʒʒel – brûtsanc brûtschaft – buckel buckelære – büellîn büeʒære – buhsboum bühse – bûlslac bulzen – buoben buobengâbe – buochisch buochkamere – buoliân buollîn – buppe bur – burcgrâvenambet burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen burcmeisterschaft – burcstal burcstat – bürde bürdelîn – burgergemeine bûr|gerihte – Burgunder Burgunjoys – bursenære bursît – büschelîn buschoff – bütelin bûtelîn – bûvëlt bûvisch – buʒʒel
|
breit
Adj.
Adv. sehr selten (s.u. 1).
1
‘weit, ausgedehnt, flächenmäßig groß’ 2
‘breit, nach links und rechts ausgedehnt’
2.1 als Gegensatz zu ‘schmal, eng’ 2.2
‘von einer bestimmten Breite’ ; 3
‘groß’
3.1
‘zahlen- und umfangmäßig groß’
3.2 von Abstrakta: ‘bedeutend, gewichtig, groß’
4
‘weit verbreitet, bekannt’
1
‘weit, ausgedehnt, flächenmäßig groß’:
– von der Erde:
ûf diser breiten erden Eracl
2295;
der [...] die praiten erde in
siner hant beslozzen hat Konr
11,49;
twingende die cristenheit / uber alle die werlt breit
HeslApk
19330;
breiter denne die welt, tieffer denne das mer
Mechth
1: 40,3.
– vom Meer:
des breiten mers salzes smac Wh
62,12;
es was eyn tieff mere und breyt Lanc
6,8.
– allg. von einer größeren Fläche (Feld, Wiese, Heide u.a.):
da gelobeten si den champh / zu dem braiten uelde
Rol
8901;
vnde quam an ein gefilde breit Herb
1978;
eine schœne wise breit Eracl
1862;
der anger und diu heide breit KLD:Kzl
15: 1,2;
ein breit insele in dem mer UvZLanz
7995;
der hof was wît unde breit Parz
805,24.
– von Pflanzen, bes. Bäumen:
ein öleboum, der was mâze grôz, / nider unde doch
billîche breit Tr
14609;
MarlbRh
9,9;
Parz
162,8;
ein boum mit löubern niht ze breit UvZLanz
4439;
gar praiteu pleter BdN
93,18;
bluomen breit / siht man ûf den heiden
SM:WvT
3: 1,6;
uon breites wegeriches saffe SalArz
51,29
.
– von Händen und Füßen:
er hiez Dodines der wilde / mit den breiten handen
UvZLanz
7099;
wan er [der Vogel] hât ainen
praiten fuoz ze swimmen und hât ainen andern gespaltenen fuoz ze gên auf dem
lande BdN
212,5;
und der fuoz ist sô prait, daz er ainen grôzen schaten
gibt gegen der sunnen ebd.
490,19
(s.a.
breitvüeʒe
).
–
breit alsam ein wanne Iw
443;
breit als ein schußel Lanc
529,5;
die breiten schilde Eracl
2674;
samit vnde pfellile breit Roth
787;
ein zobel ze rehte breit Wig
8905;
manec teppech breit Parz
82,29;
vf einer tabelen breit Herb
9304;
schœne frowen / tragent alle hüete breit
SM:Had
11: 1,3;
Eracl
3819;
Wig
2417.
– Adv.:
da von schinet si [die
Sonne] sleht unde breit MNat
1,9;
daz ander dinc, daz uns des nidern sunnen schînes irret, daz wir sîn wîte
unde breite verirret sîn, daz ist der nebel PrBerth
1:395,10;
alse der mân wol verre über lant / liuhtet des nahtes wol
lieht unde breit, / sô daz sîn schîn al die welt umbevêt MF:Mor
1: 1,5
2
‘breit, nach links und rechts ausgedehnt’
2.1
als Gegensatz zu ‘schmal, eng’:
– von Straßen, Wegen, Wasserläufen:
ein engez pfat, daz was niht breit Wig
4493;
Parz
142,5;
der breit wekch der den menschen hintz dem tode laitet
PrOberalt
4,4;
EvAug
14,2;
wir haben noch zwaigere wege gewalt, /
[...] der eine ist brait unt wit, /
[...] der ander enge unt smal
HimmlJer
456;
der wâc was in ze breit NibB
1527,3;
die brücke [...], / diu über
daz breite wazzer gie UvZLanz
7655;
Parz
285,6.
– von Körperteilen:
sîn antlütze was wol ellen breit Iw
437;
ir scheitel wîz und niht ze breit Wig
870;
ein stirn, die breit ist zu vil, / der uppickeit sich
vlizzen wil Physiogn
145;
wer praiteu naslöcher hât, der ist unkäusch
BdN
45,27;
sin schultern waren breit und starck
Lanc
328,8.
–
~ und smal:
mit einem borten [...] / dâ
het sie sich gegurtet mite, / der was ze breit noch ze smal
Eracl
3807;
ir slâ wart smal, diu ê was breit Parz
249,7;
Wh
314,11;
Will
114,12.
–
~ und lanc:
ein umbe hanch, / der was breit und lanc
VMos
56,28;
daz heilige crûce hat uier mazze. ez ist breit, ez
ist hoch, ez ist lanc, ez ist tief Spec
104,7;
den [
sal
] funden
si berihtet den recken über al / mit vil rîchen betten, lanc unde breit
NibB
1824,3;
sîn bart lanc unde breit Wig
4402
2.2
‘von einer bestimmten Breite’;
mit Maßangabe im Gen. (s.a.
breite
stF. unter 1):
siu [die Stadt] was einer
mîle breit VAlex
724;
vnde sol iegelich hofstat sin hundert schvͦch lang vnd fûnfzig
breit UrkCorp (WMU)
248A,43;
umb den helm ein lîste gie / von golde zweier vinger
breit Wig
7386;
BvgSp
90;
der [Sarg] was wol vier
fúß breit und zweyer dick Lanc
615,17;
kegin eyner spennen breyt Pelzb
129,2.
–
ze mâze ~
:
lengiu swert, ze mâzze breit SM:Go
1: 2,4;
zv mazze lanc, zv mazze breit, / als ein sark solde
sin Herb
10788;
eine schœne strâze, / diu was ze guoter mâze / breit
Tr
2579;
Wig
7094
3
‘groß’
3.1
‘zahlen- und umfangmäßig groß’
sîn afterchumft wart vile breit Gen
917;
wie er nach der toufe stifte / ein ander christenhait, di
wuohs sit und ist nu brait AvaLJ
49,3;
Eracl
2495;
von du wart ime sin
len [Lehensgüter] breit Roth
4891.
–
Alexander und sîn here breit SAlex
3760;
eine vil breide menie Roth
2983;
Mügeln
352,4
3.2
von Abstrakta: ‘bedeutend, gewichtig, groß’
daz chint was gotes wisheit, / sin gewalt ist michel unte
breit VEzzo
180;
dâ gotes êre breiter und grœzlîcher ane læge
Eckh
5: 21,2;
uns ist uon gote geboten, daz wir die minnen, die uns
leide toͮnt; so breit ist div minne Spec
136,10;
ir rôter munt / hât mih verwunt, / des ist mîn ungemüete
breit SM:HvS
1: 3,6;
mînes herzen freude breit / was Gahmuretes werdekeit
Parz
109,21;
RvEBarl
13972.
–
~
und lanc/wît:
Terramêrs rîcheit / was kreftic, wît und breit
Wh
9,28;
daz wît gemezzen leit, / beidiu sô lanc und ouch sô
breit, / deis al diu heidenschaft enphant ebd.
253,2;
SM:Te
13:3,9;
sendez trûren lanc breit unde dicke / wirt mir zallen
stunden kunt KvWLd
13,15.
–
~
werden
‘anwachsen’
sîn riwe smal, sîn vreude breit / wart dô
Parz
640,9;
über al diz her wirt ze breit / der jâmer durh dich
einen Wh
457,6;
RvEBarl
3591.
13721;
dirre gedanc wart vil breit Herb
1881;
TrSilv
388.
–
~
machen
‘vergrößern’
sô mache ich iuwer sælde breit / mit guotes grôzer
rîcheit RvEBarl
8985;
Mechth
5:11,30
4
‘weit verbreitet, bekannt’
dem kvnige was vil leit, / daz Jasones lop was breit / von
lande zv landen Herb
170;
der verholniu mære machte breit Parz
643,5;
du gebârest vil gelîche / einem man des werdekeit / ist mit
mæren harte breit: / bistu Artûs genant, / sô ist dîn name verre erkant ebd.
767,8.
–
~ werden
‘sich verbreiten’
schiere wart daz mære breit: / in daz rîche wart geseit,
/ wie ez was ergangen RvEBarl
8101.
2122;
Herb
13708;
Parz
63,30
MWB 1 983,3; Bearbeiter: Hoffmann
breitdistel
stMF.
‘Breitdistel’ (zur Identifizierung der Pflanze s. AWB
1,1342):
labrum ueneris: breitdistele VocBV947
3:542,37
MWB 1 984,57; Bearbeiter: Hoffmann
breite, breiten
stF.
breiten z.B.
Mechth
7:18,45;
KvMSph
24,23.
26,3.
53,1
u.ö.
1
‘seitliche Ausdehnung, eine der drei Dimensionen eines Körpers,
Breite’
2
‘flächenhafte Ausdehnung, Weite, große Fläche’
3
‘großes Ackerstück, Stück aus der gemeinsamen Ackerflur der
Gemeinde’ (DRW 2,484; s.a.
gebreite
) 4
‘Erdzone, geographische Breite’
5 übertr. ‘Größe in Bezug auf Bedeutung, Wichtigkeit’ ;
1
‘seitliche Ausdehnung, eine der drei Dimensionen eines Körpers,
Breite’
swer oͮch dekain smale linwat vf vnserm marcht choͮfet oder
verkoͮfet, div niht die reht braiti habe UrkCorp (WMU)
584,10;
dâ [auf dem Pferd] lac ûf ein
gereite [Sattel] , / smal ân alle breite
Parz
257,2.
179,19.
–
unser hende die schuͤlen wir auch chruͤtzen
an diu brait [Querbalken] des heiligen
chruͤtzes PrOberalt
6,7
u.ö.;
nû volget er einem wanke dan, / der in einen wec leite /
über des palas breite Iw
6432;
KvWTurn
646.
– in Verbindung mit anderen Maßbegriffen (Länge, Höhe, Tiefe):
div wîte des huses gestet in uiere mazzen: an der breite,
an der lenge, an der hohe, an der tieffe Spec
135,26.
104,8;
HimmlJer
51;
ir zefuͦrtet daz gedrenge; / an der breite und an
der lenge / hiewet ir ein vil tiefes pfat [im gegnerischen
Heer]
Rennew
7768;
RvEAlex
5668;
siner [des Paradieses] breiti
und siner lengi der vant ich kein ende Mechth
7: 57,2;
si [
sele
] ist zumale ein lutir geist
sunder alle materielichkeit und alle gropheit, groze, lenge, breite, alleine si
geistliche groze habe Parad
99,2;
Eckh
1:182,3.
–
an (der) ~
mit Maßangabe:
sie [die Stadtmauer] wart wit
vnde groz, / daz sie innen ir besloz / an wite vnde an breite /
[...] zwo grozze tagefart Herb
1775;
es [das Zelt] was zwaintzig
elen hoch [...], / sechtzig elen es an der leng hatt, /
zwelff an der praitte HvNstAp
3948;
dv́ selbe houestat ist an der lenge ehtewe vnd zwenzic schuͦhe vnd
viêr vingere vnd an der breîte fv́nf vnd zwenzic schuͦhe
UrkCorp (WMU)
N717,21.
–
hande/ vuozes/ hâres ~
(z.T. von
breit
Adj., Adv. nicht eindeutig zu scheiden):
sie hetten vf der erden / nirgen einer hende breit, / ez
enwere allez beleit Herb
9572;
Parz
386,25;
Tr
11117;
done wolden dise zwêne doch niht hôher
stân [zurückweichen] / zweier hande breite
NibB
1866,3;
ûz gotes minne er nie getrat / eines halben vuozes breit
/ in dirre welte unstætekeit RvEBarl
11273;
nie hâres brait gestrûchen SM:Go
2a: 6,10;
der [Würde des Priesters] mac
da nicht werden min / von siner unheilikeit / alsam eines hares breit
HeslApk
13084;
Eckh
5:40,17
2
‘flächenhafte Ausdehnung, Weite, große Fläche’
der breite und ouch der wîte / bedorfte Terramêrs her, / do si
ûz den schiffen von dem mer / ieslîcher reit zuo sîner schar Wh
12,22.
16,16;
über des gevildes breite, / [...]
dâ reit der künec peizen her Parz
721,24.
92,1;
und sitzet [...] uf des berges
breite HeslApk
19057;
under des himels breite Daniel
5943;
des manden breite Mügeln
297,11;
Eckh
2:165,2.
3:152,6.
–
‘flaches Feld, Ebene’
dô reit über ein breide / gegen einer wegescheide /
Wâlwein, [...] / und leisiert über die plâne
UvZLanz
2363.
4663
3
‘großes Ackerstück, Stück aus der gemeinsamen Ackerflur der
Gemeinde’ (DRW 2,484; s.a.
gebreite
):
monasterium [...] habebit
[...] de agris curie nostre
[...], qui dicuntur Praitten, decimam totaliter
UrkWeltenb
113
(a. 1220);
ibidem agri, qui dicuntur preiten UrbBayJ
340
(=
UrbBayS
3,638
);
daz ich [...] han verchauft meins aygen gvͤtez
[...] ain praiten, di da leit ob dez wegez gegen
Vronhofen vnd ain prait hinter dem ziegloven StiftStBernh
246
(a. 1328);
daz wir [...] verchauffet haben
[...] des Engelprechtz hof vnd ainen pavmgarten vnd ein
wis vnd ein praiten, daz allez an den selben hof stozzet ebd.
247
(a. 1346)
4
‘Erdzone, geographische Breite’
die vir klainen ebenverrer [Parallelkreise zum
Äquator] und der [...]
ebennehter [Äquator] underschaident an dem himel
fuͤnf praiten oder funf reich [
quinque zonas sive quinque
regiones
]
KvMSph
32,23;
ez sint auch den fuͤnf snuͤren an dem himel
[
zonis in celo
] fuͤnf
praiten [
plage in terra
]
antwuͤrtend auf der erden ebd.
32,25;
in der praiten dez ebennehters [
in
superficie equinoctialis
]
ebd.
52,2;
ein igleich zaichen [Tierkreiszeichen] hat in der
leng dreizzig grad und zweliff in seiner praitte Sphera
69,28.
– Weiteres zur Verwendung als geographischer Terminus s. Deschler, Astron.
Term. (Register S. 465)
und Glossar zu KvMSph .
5
übertr. ‘Größe in Bezug auf Bedeutung, Wichtigkeit’;
gewöhnl. mit anderen Maßbegriffen:
daz wir in lenge unde in breite zieren daz leben / nach
dinen hulden Himmelr
5,28;
die lenge und ouch die breite / treit iwer prîs die
krône / ob anderen prîsen schône Parz
654,12;
o heligú tieffin aller diemuͤtekeit, o miltú
breitin aller gaben, o erlichú hoͤhin aller minne, Jhesu Christe
Mechth
7: 18,45.
5:11,31;
groze der libe ligit weder an lenge noch an breide, mer si ligit an
grozirme adile Parad
88,32.
15,7;
HeslApk
22927;
Tauler
369,12;
LvRegFr
1373.
– zur Umschreibung der unermesslichen Größe Gottes (nach Eph 3,18):
das ir múgent begriffen mit allen heiligen weles si die
hoͤhi, die breiti und die tieffi und lengi [
latitudo et
longitudo et sublimitas et profundum Eph 3,18] Gotz
Tauler
174,25;
ebenso
Eckh
1:182,5;
dîner hœhe und dîner breite, / dîner tiefen antreite / wart
nie gezilt anz ende Wh
1,29;
der âne breite und âne lenge, / ân end ist und ân anegenge
LvRegSyon
1.
– selten ohne weitere Maßbegriffe:
die minne hat so groze breide, / dat si nimanne van ire in wilt gescheiden
Lilie
57,37;
also get dez gewaltez prait / fuͤr daz recht recht
uͤber all Teichn
208,14.
464,867.
703,8
MWB 1 984,60; Bearbeiter: Hoffmann
breiten
Adv.
‘weit ausgedehnt’
und alsô irret uns diu erde gar wîten unde breiten, daz wir des nidern sunnen
niht gesehen mügen PrBerth
1:393,25
MWB 1 986,39; Bearbeiter: Hoffmann
breiten
stF.
→
breite
MWB 1 986,42;
breiten
swV.
1 tr. 1.1
‘etw. ausbreiten (auf einer Fläche, über/vor jmdn.) ’
1.2
‘etw. (Name, Nachricht u.ä.) verbreiten, verkünden, bekannt
machen’
1.3
‘etw. größer machen, erweitern, vermehren’
2 refl. 2.1
‘sich ausbreiten, ausdehnen’
2.2
‘sich verbreiten, in einen weiteren Umkreis gelangen’
2.3
‘in einem weiteren Umkreis bekannt werden’
2.4
‘sich vergrößern, anwachsen’
1
tr.
1.1
‘etw. ausbreiten (auf einer Fläche, über/vor jmdn.) ’
dô hiez der künic tuoch breiten / und ouch den tisch
bereiten EnikWchr
13011;
der paum [...] praitt sein est
sam diu puoch tuot BdN
317,8.
319,5;
man sol nemen einen teyc vnd sol den duͤnne breiten
BvgSp
5a;
sam daz golt cyclâde breitet sînen glast
KvWLd
19,34;
HeslApk
2182.
–
ûf etw. ~ :
ûf den estrich sie dô breite / einen tepech
Eracl
300;
vnde [
sie
] hizzen
vf deme sande / breiten vber al daz felt / ir pauelun vnde ir gezelt
Herb
357.
10664;
ein wenig gewuͤrtz gebreit vf ein blat
BvgSp
56;
Eckh
2:135,2;
BdN
83,30.
–
uber jmdn. ~ :
vnd lobten den hailant, / der
[...] seine hant / het gepraitet vber sie
Wernh
A 2805;
üver uns armen din guͤde breide
MarlbRh
69,36;
der [...] praitt die flügel
seinr miltichait über arm läut BdN
203,22;
Tr
11007.
–
vor/vür jmdn./etw. ~ :
diu alte küniginne wîs / ein bette hiez bereiten, /
dâ für ein teppech breiten Parz
578,6;
he [Gott] wonit in eime lichte daz
unzugenclich ist [...] und ein dinstirnisse ist for
un gebreidit, daz niman irluchtin mac Parad
43,2;
Tr
12203;
Wernh
A 110.
– bildl.:
sin tugen was vndersniten /
[...] mit guten siten; /
[...] / vnd dar vber gebreit / milde vnde
wisheit Herb
3135;
aldus gedane bladere sal man up die gesuollene hercen breiden, / dat
si brechen inde verlisen den wont der stolzheide Lilie
18,12
1.2
‘etw. (Name, Nachricht u.ä.) verbreiten, verkünden, bekannt
machen’
dîn námo ist uuîteno gebrêitet, uuánte uóne dir Christo
hêizzen uuír Christiani Will
3,2;
nû ist diu christenhait mit dînem namen gebraitet
Kchr
10551;
Wernh
2961;
Wig
9299;
HeslApk
2960.
– Ruhm:
den ich gebot daz si swigen, die enswigen nicht, si
breiten mein er und mein lop PrOberalt
152,23;
Ectoris lob was gebreit / von sterke vnde von manheit
Herb
1675;
Mechth
1:22,34;
Mügeln
21,4.
– Botschaft, Nachricht:
und ist diu selbe künde / sô wîten gebreitet, / sô
manege wîs zeleitet Tr
4745.
12145;
nû was ouch âne lougen / diu wârheit sô gebreitet, /
der zwîvel abe geleitet KvHeimUrst
1209;
so wil ich mich arbaiten / und iuwere maͤre
braiten RvEWh
2296;
BdN
299,22;
Pelzb
130,4;
unde dese wort wurden
gebreytit [
divulgabantur Lc
1,65] in Judeam ubir alle daz gebirge
EvBerl
136,6;
ebenso
EvAug
76,1.
126,9
1.3
‘etw. größer machen, erweitern, vermehren’
driu riche, / [...] / dei du
zeches unde antreites, enges und breites, als du wil, / hohes und nideres
Himmelr
2,7;
sîn andâht mag ein ieclîch man / nâch sînem willen
leiten, / smalen oder breiten, / kürzen oder lengen, / vrîen oder twengen
Tr
17046;
si [die Seele] wirt auch nicht gepraitt noch
gelengt noch gerekcht nach dem leib in irem wesen KvMSel
329;
Parz
583,6;
PrGeorg
107,27.
–
e was drifalt ir leit, / nv wart ez fierfalt gebreit
Herb
5395.
7904;
Parz
202,16;
ir maht diu was gebraitet / tæglich von tage ze tagen
WhvÖst
17302;
er [
carbunkelstain
] praitt des menschen gedank
BdN
437,19.
–
ich wil dich hœhen und wil dich grôz machen und wil dîn geslehte
breiten und wil dich herre machen über ein grôz volk Eckh
2:7,2;
PrOberalt
34,34;
Mechth
6:37,39;
als der cederboͮm uf dem berge wirt
gebreitet [interl. zu
multiplicabitur
]
PsM
91,13.
– bildl. vom Herzen: ‘weiter machen, öffnen’
swenne daz herce gebreittet
wirt [
dilatato corde
] in
unsaglicher svzze der minne BrAsb
Prolog;
und zerfliessent denne von suͤskait
[...] und wirt gebraitet ir
hertz [
dilatabitur cor tuum Is
60,5]
PrGeorg
185,12
2
refl.
2.1
‘sich ausbreiten, ausdehnen’
der hœher [Baum] praitt sich
niht sô vast sam der nider BdN
316,32;
wenn man daz golt hamersleht, sô klært ez sich und
entweicht dem hamer und praitt sich überal ebd.
475,18
u.ö.;
in dise drie wege gieng der grosse túfel in sin
[Herodes’] grosses herze und breite sich in
alle sine fúnf sinne Mechth
5: 23,102
2.2
‘sich verbreiten, in einen weiteren Umkreis gelangen’
der hunger sich breite in die werlt wîte
Gen
2126
2.3
‘in einem weiteren Umkreis bekannt werden’
duo braitte sich des kuniges æhtesal, / si flouch uberal
Kchr
6385;
daz mere breitte sich san Herb
502
u.ö.;
Konr
7,13;
PrOberalt
145,13;
Lanc
308,3
2.4
‘sich vergrößern, anwachsen’
daz hêr sich do braite. / di cristin sich bereiten, / si
sigen uaste in diu lant Rol
273;
mîn kumber wil sich breiten MF:Wolfr
7: 1,10;
sus breitet sich der riwen slâ Parz
533,5;
Wh
27,30;
sus wart diu vraise sich braiten WhvÖst
8297;
daz ser [Geschwür]
[...], daz sich breitet unde vlichtet
Macer
72,14;
PrOberalt
146,19;
KvWLd
32,302
MWB 1 986,43; Bearbeiter: Hoffmann
breitern
swV.
1
‘etw. vermehren, vergrößern’
2
‘etw. verbreiten, bekanntmachen’
1
‘etw. vermehren, vergrößern’
sant Paulus sprichet, daz er gotes durch got enbern wolte,
umbe daz gotes êre gebreitert würde Eckh
5: 40,8
2
‘etw. verbreiten, bekanntmachen’
dennoht solt du es [
bosshait
] von mir nit
braitren won in dem sinne daz ez entweder mir oder im selben
[...] zuͦ bessrung kome PrGeorg
195,27
MWB 1 988,6; Bearbeiter: Hoffmann
breites
Adv.
→
ackerbreites
MWB 1 988,13;
breithant
stF.
‘flache Hand’ (als Gegensatz zur Faust; s.a.
tëner
stM.) oder ‘Innenseite der Hand,
Handfläche’ (s.a.
inhant
stF.):
yr: tenre; plana: braithant; pugnus: fust VocBV926
3:439,8.
– Zur Stelle s.a. AWB 1,1341
MWB 1 988,14; Bearbeiter: Hoffmann
breitinc
stM.
ein flacher Kuchen (vgl. AWB 1,1349f.):
placente: praitinge VocBV926
4:217,13
MWB 1 988,19; Bearbeiter: Hoffmann
breitleteche
F.
auch breitleche.
‘Große Klette’ (Arctium Lappa L.; vgl. Marzell 1,374-384; AWB
1,1350):
bardana: breitleche VocBV947
3:537,24;
lappa inuersa: breitleteche ebd.
3:542,46
MWB 1 988,21; Bearbeiter: Hoffmann
breitunge
stF.
‘Ausdehnung’
das der sel kraft gepraitt vnd getailt ist in dem leichnam nach der praittung
[
dimensio
] vnd groͤzz vnd tail
des leichnams KvMSel
167;
merung, praitung, grözz vnd leng ebd.
530
MWB 1 988,25; Bearbeiter: Hoffmann
Breitvüeʒe
sw Pl.
‘Skiapoden’ (vgl. → Blatvüeʒe):
dô Julius hêt verjeit / mit strît und mit wîsheit / die
Einougen und die Breitfüezen [La.
platfuͦzzen
]
[...] in daz verr Indiâ EnikWchr
21149
MWB 1 988,30; Bearbeiter: Hoffmann
brellen
V.
‘brüllen, tosen’
daz ir aber gerne mich / fraget der aventuͤr / wa von
daz ungehuͤr / weter also brelle [
:
helle
]
WhvÖst
4403
MWB 1 988,34; Bearbeiter: Hoffmann
brëm
Subst.
→
bræm
MWB 1 988,37;
brëme
swM.
Fem. Wh 335,8 (La.);
priem
BdN
292,30.
–
‘Bremse, Stechfliege’
tabanus: breme SummHeinr(Ho)
18,71;
culex haizt ain prem. daz ist ain würmel grœzer dann ain
gemaineu vlieg BdN
299,9;
Isidorus spricht, daz der prem daz lieht liep hab ebd.
299,15
u.ö.
–
Roͮlanten hat lichte ain prem gepizzen / da er slief
an dem grase Rol
6085;
GTroj
6173;
ze jungst die hungrigen bremen dar uf vallent mit ir
geselleschaft und daz genagen bein zemal enploͤzent Seuse
125,15.
426,14;
rûzen als der brem Boner
40,39;
der bremen hôchgezît zergât, / sô der ougest ende hât Freid
146,7;
ErzIII
96,1.
–
wibeln, kefern unde bremen, / humel, wefse und diu spinne Renner
19744.
16315;
mucken, fliugen und bremen StrKD
124,29.
78,85.
–
sîn triwe hât sô kurzen zagel, / daz si den dritten biz niht
galt, / fuor si mit [umgeben von] bremen in den walt
Parz
2,22;
ainer ku die mit ir swantz / fliegen, premen von ir jaigt
Teichn
595,31.
– in Vergleichen:
swaz iemen kumbers durh iuch neme, / daz ahtet ir als ein
kleine [La. cleiniv
] breme / viele ûf einen
grôzen ûr Wh
335,8;
den [Götzen] so vil als einem bremen / niht rehter
crefte was gegeben Martina
223,68
MWB 1 988,38; Bearbeiter: Hoffmann
brëmen
stV.
→
brimmen
MWB 1 988,62;
brëmen
swV.
→
bræmen
MWB 1 988,63;
bremzelich
Adj.
‘feurig, leuchtend’
man sach dâ manigen klâren lîp / an vrouwen, die ouch munde tragen /
bremzelîch unde rôsenvar: / man möhte viur hân drûz geslagen KgTirol
B 6,6
(zu dem Vergleich s. Parz
257,20).
MWB 1 989,1; Bearbeiter: Hoffmann
brenken
swV.
zu
branc
stM. und
brangen
swV.
‘im Kampfgetümmel stolz dahinstürmen’
als daz weter die schuͤr / in hol gebirge senket, /
also wart gebrenket / durch die punder biz daz sie / ze samen komen
WhvÖst
8354
MWB 1 989,6; Bearbeiter: Hoffmann
brenn-, bern(e)-, birnschatz
stM.
‘Geldzahlung, um sich von Plündern und Niederbrennen
freizukaufen’
(s.a.
brantschatzunge
stF.):
allit dat gelt ind ander gut, dat van beyden syten gedingd of geloift was van
geuangen, of van birnschatze, of van eyncherhande
dynktzalen [Zahlungen]
UrkNiederrh
3,339
(a. 1345);
vortme sal unse here van Kolne gelden den bernschatz den luden van Esch, den
si vergolden hant bis op diesen dach ebd.
3,157
(a. 1321);
nisi forte ingruente bello [...] contingeret totam
villam solvere conbustionis exactionem, quod vulgariter dicitur et de iure dici
possit bernescatz UrkKaisersw
119
(a. 1292)
MWB 1 989,11; Bearbeiter: Hoffmann
brennære
stM.
1
‘Brandstifter’
2
‘Silberbrenner’
3 als Bestandteil von Personennamen
1
‘Brandstifter’
die noch den geist der schalcheit habent, daz sint die
raubær, daz sint die dieb, die brennære und die chirchbruͤchel
PrOberalt
41,15;
daz ir sie schirmen sult vor dieben und vor roubern unde brennern
PrBerth
1:144,38;
diebe vnt roubære, / chirchen brennære / vnd schachmordære Warnung
363;
vmb di prennær, di nahtes oder tags verholn brennen, setzen wir also
[...]
UrkCorp
1800A,37.
2345,9;
UvZLanz
3783;
StRBrünn
359;
Helbl
15,744
2
‘Silberbrenner’
daz auch man die prenner by iren zeichen bechennen mug StRRegensb
97;
ez sol auch dhein vnderchauffel noch anders nieman silber vail tragen
[...], ez ensei dann der burger vnd dez prenners
zeichen dar an, der ez gebrant hab ebd.
98
3
als Bestandteil von Personennamen:
vgl. die Belege WMU 1,287.
MWB 1 989,24; Bearbeiter: Hoffmann
brennen
swV.
auch bernen (
Roth
4613;
Lilie
17,31.
64,36;
UrkCorp
37,38.
N548A,10.
3470,23
), vgl. 2
5Mhd. Gr. § L 91; s.a.
burnen
swV. –
Part.Prät. neben gewöhnl. gebrant vereinzelt gebrennet
(
JPhys
19,27;
Ipocr
55;
PrOberalt
97,3;
Barth
132,29;
SalArz
79,43;
HvNstAp
2524;
StRMünch
477,11
).
1 tr. 1.1
‘etw. anzünden’
1.1.1 allg. 1.1.2 speziell: ‘Brandstiftung verüben,
brandschatzen’ ; 1.2
‘etw./jmdn. verbrennen’
1.2.1
‘etw. durch Brand zerstören’
1.2.2
‘etw. zu Pulver verbrennen’ (meist zu med. Zwecken) 1.2.3
‘etw. als Heizmaterial, Beleuchtung, Räucherwerk, Opfer verbrennen,
abbrennen’
1.2.4
‘jmdn. mit dem Feuertod bestrafen’
1.3
‘etw. unter Einwirkung der Hitze des Feuers herstellen,
bearbeiten’
1.3.1
‘Edelmetall schmelzen, durch Feuer reinigen’
1.3.2
‘Tongefäße durch Brennen härten ’
1.3.3
‘Kalk brennen’
1.3.4
‘eine Flüssigkeit destillieren’
1.4
‘jmdn. (ver)sengen, durch große Hitze quälen, peinigen, jmdm.
Verbrennungen zufügen,’
1.4.1 allg. 1.4.2 speziell: ‘etw. (Wunde/Warze u.ä.) ausbrennen’
1.5
‘etw. / jmdn. durch Brand zeichnen’
1.5.1
‘ein Brandzeichen an einem Pferd anbringen’
1.5.2
‘ein Maß durch ein eingebranntes Zeichen kennzeichnen’
1.5.3
‘jmdn. (als Strafe) mit einem Brandmal versehen,
brandmarken’ (vgl. LexMA 2,566) 2 intr. (selten, statt
brinnen
stV.) 2.1
‘brennen, in Flammen stehen’
2.1.1 eigentl. 2.1.2 übertr. 2.2
‘leuchten, glänzen’
1
tr.
1.1
‘etw. anzünden’
1.1.1
allg.:
des helphantis pein und sin hût
[...], suâ man siu
prennet [
fuerint succensa
] .
dannen fliehent [...] elliu fiantlichiu dinch
JPhys
8,33;
des elephanten pain geprant verjagt die slangen und
vergift BdN
136,1;
man beluͦht iz [das
Kind] , so man diu tauͤf cherczen ob im prennet
Konr
23,90.
– übertr.: ‘jmdn. entflammen’
brande sie mich niht, sô hæte ich senfte dol: /
sus hât mich diu minneclîche enzündet [...] : /
laschte sie mich mit ir minne, mir wær deste baz KLD:GvN
32: 4,6;
dich brand dat vuͥr des ruͥen sere
MarlbRh
66,31
1.1.2
speziell: ‘Brandstiftung verüben,
brandschatzen’;
mit Akk. d.S. ‘Gebäude, Dörfer, Städte in Brand
setzen’
heiz brechen unde brennen / ir uile unreine
betehus Rol
952.
7206;
sie roubeten vnd branten, / allez daz sie
beranten. / daz lant in gluten allez schein Herb
3903.
16129;
do zuntins an und brandin sa / die stat
RvEWchr
21417;
si riten in ir lant unde branten ir bürge und ir
stete unde verwuosten allez daz dâ ze wüesten was BuchdKg
44,3;
VAlex
980;
SpdtL
225,10;
MF:Mor
33a:1,4.
– mit Akk. d.P. ‘jmdn. durch Brandstiftung
schädigen’
den künec von Irlanden, / den brant er unde herte
UvZLanz
7101;
si herten unde branden sih / beide ein andir
durh gerich RvEWchr
19812;
herzog Heinrichen / begund er sterclichen /
rouben unde brennen Ottok
23908;
weri abir [...] daz in
ein andir man brenti, die umi gram weri Mühlh
174,4;
der einen man slehet oder vâhet oder raubet oder
brennet sunder mortbrant, [...] den sol man
allen daz haubet abeslahen SpdtL
204,2;
UrkCorp
N548A,10.
935,45;
StRAugsb
94,23.
– mit ausgespartem Obj.:
die cristinen weren / cumen in me lande, / die
roubeten unde branden GrRud
δ 32;
daz er roubt und brande / und verwuoste über al
/ [...] dâ der bischolf iht het
Ottok
36315;
Tr
18829;
swer tages oder nahtes heinlichen brennet
[...] daz heizzet mort brant, den sol man
radebrechen SchwSp
84a.
– subst.:
rouben, brennen, übel râten, / daz ist nû ein
gæber sitte SM:UvS
10: 2,5;
reche wir daz brennen, / dazs uns alle hant getan Dietr
3215
1.2
‘etw./jmdn. verbrennen’
1.2.1
‘etw. durch Brand zerstören’
so haizze ich daz unchraut ze samme pinten, daz man
iz prenne [
ad conburendum Mt 13,30]
PrOberalt
46,21;
als fiwer daz brennet den walt [interl. zu qui
conburit siluam
] unde als lovch brennenter die
perge PsM
82,15;
do liefen si, da si iͤr czoͮber
buͦch heten, [...] vnd branten die
Konr
5,80;
EnikWchr
24856;
wenn man daz holz geprennet, dâ wirt weizer asch auz
BdN
314,33;
PrMd (J)
349,20.
–
daz gebeine unde daz
inêdere [Eingeweide] / daz pranten si gare
VMos
41,13;
ioh brant der serpant / daz ros undir im ze tôt
Eilh
R,1656;
ein viur [...] kumet mit
gote [...], daz brennet al umbe und umbe allez,
daz got wider im vindet Eckh
5: 53,14
1.2.2
‘etw. zu Pulver verbrennen’ (meist zu med.
Zwecken):
brenne die wisvlvn
[Wiesel] ze pvluere vnde salbe die drvse
Ipocr
111.
337.
345;
der brenne des gîres bein ze bulver unde mache dar
ouz ein phlaster Barth
155,25
u.ö.;
ein tier ist wunderlîcher art, genennet leozephenâ, /
ûz dem ein pulver wirt gebrant / daz birt dem lewen nôt
KLD:Kzl
16: 3,3;
BenRez
8;
SalArz
80,26;
Lanc
568,13.
–
~ und pulveren:
die faulen küten geprant und gepulvert sint guot
für den siehtuom BdN
320,32;
gegen des menschen biz vrumet kelber bein, so si
gebrant werden vnde gepuluert vnde mit honige getempirt
SalArz
75,54;
menschen hore gebrant unde gepulvert unde gemaln
pfeffer getan zusamne Macer
78,11
1.2.3
‘etw. als Heizmaterial, Beleuchtung, Räucherwerk, Opfer verbrennen,
abbrennen’
wande alleine dez ich bedarf ze minem guͦt ze brennede oder ze
buwende UrkCorp
3505,7.
10,34.
603,13;
und swer in der innern stat reisach prennet, der geit diu selben
puͦsse StRMünch
273,25.
–
daz öl [...] daz ist
gar lauter und ist guot ze prennen in den lampen BdN
323,30;
zwene phenninge ze dem liethe, das si brennen sun ze gesazzesten
ziten in vnsirire vrowen munster ze Basil UrkCorp
155,27;
daz si ælliv iar suln machen ein chertzen vz einem vierdunge
wahsses vnd suln die brennen uf sanct Margareten alter ebd.
1701,17.
–
dar umb prennt man in
[Weihrauch] auch in den gotshäusern
BdN
377,30;
dâ wurden hundert phunt gebrant / mixtûre mirre
und alôes KvHeimUrst
816.
–
do dis opfer was bereit / und in den alter
geleit, / als mans brennen solte RvEWchr
33693;
daz opfer daz man ê brant / und ez gegen himel
sant EnikWchr
3503
1.2.4
‘jmdn. mit dem Feuertod bestrafen’
lit ein iude bi einer cristenin, vindet man si bi
einander an der hantgetat, so sol man si beidiu brennen
StRAugsb
57,5;
dô erteilt man im die hurde, / darûf man in brennen
solde Ottok
32570.
45501;
in kan im [dem Mörder] nâch sîner schulde
keine marter vinden: / [...] in wil sîn ouch niht
brennen noch zerliden noch schinden / noch mit dem rade zerbrechen
Walth
85,14;
Lanc
223,24.
–
daz fiur daz get vor im und brennet alle die im
niht dinen wolten [
et inimicos ejus in circuitu
consumet Anm.z.St.]
PrOberalt
14,7;
TrSilv
843;
si slûgen wîb unde man / und branten si al in eine
glût SAlex
2283;
Herb
3862.
– häufig in Aufzählungen von Todesarten christl. Märtyrer:
man viench si, man warf si in die karchære, man
brante si, man hoͮbete si Spec
26,26;
swie si gechruͤtzet wurden sam Petrus,
swie si gehaubt wurden sam Paulus, swie si gebrennet wurden sam
Laurencius, iedoch heten si die zuͦversicht der ewigen
froͤuden PrOberalt
97,3;
huite wirstu sente Laurentien genoz, / den di
haiden uf dem roste pranten Rol
6190;
Eracl
4229;
Konr
10,107.
20,41;
RvEBarl
924
1.3
‘etw. unter Einwirkung der Hitze des Feuers herstellen,
bearbeiten’
1.3.1
‘Edelmetall schmelzen, durch Feuer reinigen’
álso lûter [...] sámo daz
gebránta sílber Will
52,16;
also daz viur brennet / uz tem chofer daz golt
HimmlJer
361;
wie sin gesmide was betragin / mit rot gebrantin golde
Athis
D 113;
golt rôt / unt silber wîze gebrande
Wernh
3711.
A 4028;
als man ein golt prüevet und versuochet und brennet
in einem eitoven Eckh
5: 48,10.
5:49,3;
der furste geben wolde / zehen pfund von golde / wol
geprant und gewegen HvNstAp
15558;
viercig marc gebrantes silbers UrkCorp
236,44;
MarlbRh
66,5;
Ipocr
160.
– subst.:
wêre aber, das in dem fv̓re mit dem brennenne [des
Silbers] v̓ber die sechzen pfenninge zweier pfenninge
me abgienge UrkCorp (WMU)
1325A,35.
– übertr. im Vergleich:
nu daz diu küniginne Îsôt / Brangænen
[...] hæte / durnehte in alle wîs bekant /
und in dem tegele gebrant / unde geliutert alse ein golt
Tr
12940;
dem golde glîche ich wol den man / des herze ist
sô geliutert und sô reine / daz in der bôsheit hitze enkan / niht
brennen KLD:Kzl
16: 4,12;
Damen
6,2
1.3.2
‘Tongefäße durch Brennen härten ’
swenne er si [
erdiniu
vaz
] hete gebrant, / swelhez er danne ganz vant, /
daz uber guldet er zehant StrKD
151,6
1.3.3
‘Kalk brennen’
nim ein chalch, der ouz chiselingen gebrennet sî
Barth
132,29;
sumeliche steine, die wurdent
[...] in daz fúr geworfen vnde wurdent gebrant
ze eime kalke Lucid
161,12;
und swaz man kalchs pey der stat geprennt hat oder noch da prennet,
den sol man nicht von hinnen fuͤren StRMünch
477,11
1.3.4
‘eine Flüssigkeit destillieren’
ûz rôsen brennet man ein wazzer KvWLd
32,61;
man verbuͤtt auch allermengelich
[...] daz nieman kein win machen sol
[...] mit gebrantem wine, denne allein mit
kemmen und mit bern [mit Stielen und Weintrauben]
WüP
98,4;
vnd ouch wyn gesotin odir gebrant, gemischt czu dem
moste, machit den wyn stet [haltbar]
Pelzb
140,14
1.4
‘jmdn. (ver)sengen, durch große Hitze quälen, peinigen, jmdm.
Verbrennungen zufügen,’
1.4.1
allg.:
er fluhet sam man in brenne HimmlJer
156;
swen in [Roland] die haiden
horent nenne, / si fliehent sam man si prenne Rol
2946.
7922;
ist er rehte dar chomen /
[...] daz viur [das glühende
Eisen] in nine brennet VRechte
249;
und brande sinir zungen ort, / das er îe darnah sinú
wort / mit lispindir zungin sprah RvEWchr
9064;
wenn man ez [
daz
tier
] jagt, sô wirft er seinen waichen mist auz dem
leib [...], und wen des mistes smack berüert, den
prennt er BdN
123,33;
ist daz dû in vast in der hant druckst, sô prennt er
[der Stein] dich an die hant sô sêr, daz dû
sein niht geleiden maht ebd.
455,18;
Lucid
29,11.
– mit erspartem Obj.:
er kan beide krefteklichen brennen und trostlichen
kuͤlen Mechth
1: 44,75;
Lucid
127,17;
SalArz
70,58.
– von der Sonne:
des tages brante mich diu hizze, / unter dache
ich niener swizte Gen
1473;
uber tach div sunne niht brennet dic [interl. zu
non uret te
] noh der mane uber naht
PsM
120,6;
Himmelr
10,1;
BdN
86,25.
– vom Höllenfeuer:
daz wir die veint icht sein die daz fiur brennet
daz nimmer erlischet, die unsæligen, die verworchten
PrOberalt
109,15;
daz helle fiûr scol si iemír brennen
Rol
7676;
ob mich der helle gluot / immer solde brennen
Ottok
13149.
– (subst.) Part.-Adj.: daz gebrante (gebrante
stat/lide) ‘Brandwunde’
wirouch gestossen mit aldem smere heilet daz
gebrante Macer
87,5;
wirouch gestossen unde mit gensin- oder mit
entensmalze getempert, hilf den gebranten lidden mit bestrichen ebd.
87,11;
lylien wurzeln gesoten mit smere
[...] machet das daz har wider wechset an
der gebranten stat, ob mans da mite bistrichet ebd.
16,5
u.ö.;
und wenn er gepulvert ist, sô hilft er den
gepranten wunden BdN
452,8.
–
‘eine Empfindung des Brennens hervorrufen’
vnde rinnet etwenne eine heize vuchte. uz dem
houbete di di naselocher brennet SalArz
66,58;
causon ist di brennende sucht ebd.
68,30;
die tôt nezzel, diu prent niht und ist doch
gestalt sam ain nezzel BdN
423,13;
diu ander haizt die kriechisch nezzel, diu ist
klainer und prent vester wan diu gemain nezzel ebd.
423,15.
–
ein dúrrir durst der brennet mih
RvEWchr
20892
1.4.2
speziell: ‘etw. (Wunde/Warze u.ä.) ausbrennen’
áls ába dîu ûzzera rínta eiusdem pomi, in vuîne
getrúnkeníu, duálm máchet dén, dîe man scál snîdan óder brénnan
Will
128,20;
wenn man den
[
stain
] zerreibt und mischt in mit
ezzeich und gibt in den, dei man prennen schol oder sneiden, sô werdent si
sô gar unenpfintleich an irem leib BdN
452,19.
–
und brenne di blatern [Hämorrhoiden;
vgl. Anm.z.St. ] bi einem fiure, unz si breste
BenRez
38a;
wil dû wercen vertrîben, sô nim einen halm unde
brenne die wercen mit des halms lide Barth
149,13;
unde puluer denne in alle stete, dy du gebrant
hast, mit dem genanten puluir Albrant
3,6
1.5
‘etw. / jmdn. durch Brand zeichnen’
1.5.1
‘ein Brandzeichen an einem Pferd anbringen’
von Samarcône / ein insigel was gebrant / an des
orses buoc Wh
232,7;
ein marc [Merkzeichen] er
vant: / des grâles wâpen was gebrant, / ein turteltûbe, an sînen buoc
Parz
540,26;
sie entragen vorn an den stirnen / (als dar die ros
sin gebrant) / [...] Antecristes gemerke
HeslApk
19339
1.5.2
‘ein Maß durch ein eingebranntes Zeichen kennzeichnen’
und sol auch fuͤrbaz mer chain schenck wein geben an chainer
kandel dann diu geprant und bezaichent ist mit der stat zaichen
StRMünch
426,4;
und all fuͤtrer und gastgeben suͤllen gerechtew und
prantew viertail haben ebd.
411,23
1.5.3
‘jmdn. (als Strafe) mit einem Brandmal versehen,
brandmarken’ (vgl. LexMA 2,566):
ist aber er [der
Münzfälscher] niht ein gewis man, so sol man uber in rihten
mit der schreiat [Pranger] unde durh die zên
brennen StRAugsb
108,19;
ist ez [das Diebesgut] aver uͤber
zwenundsechtzich pfenning, so sol man in durch die zend prennen
StRMünch
331,5.
331,18;
daz man sol ainen menschen [...] brennen
durich daz wange UrkCorp
3167A,28
2
intr. (selten, statt
brinnen
stV.)
2.1
‘brennen, in Flammen stehen’
2.1.1
eigentl.:
dâ daz fiur aller sêrest brande Eracl
1218;
das das gewelb alles brante da von
Lanc
616,13.
77,2;
der brennende berc Ethna / brennende in dem lande
lit, / den man siht brennin zallir zit RvEWchr
2943;
dar umb brennet die erde, / daz sie gereiniget werde
HvNstGZ
6160;
daz feur, enprant in grüenem holz, prennet vester
wann in dürrem, wan ez muoz sêrer arbaiten BdN
71,30.
73,14.
95,4;
Mühlh
175,24.
– im Höllenfeuer:
er muͦz brennen ewiclich
HvNstVis
459;
die do her in der helle pin / gebrant hant umb ir
missetat HvNstGZ
7144
2.1.2
übertr.:
sag selve, wiͤ din herz duͦ brende / van
diser vröud unzellich groz MarlbRh
44,6;
niͤ mensch enbrande mir geliche, / ich brand
van minn’ in erdriche / als Seraphin in himelriche ebd.
107,32
u.ö.;
si brante sere in einvaltiger minne
Mechth
5: 23,185.
6:15,26
u.ö.;
sin übermut in großem zorne brante
Mügeln
56,8
u.ö.
– Part. Präs.:
o du vliessender got an diner minne, o du
brennender got an diner gerunge, o du smelzender got an der einunge mit
dinem liebe Mechth
1: 17,3;
dis ist ein tag der warheit und des brennenden
trostes, / der pfingestag ebd.
1: 45,14
u.ö.
2.2
‘leuchten, glänzen’
umb das bette stunden vier michel kerczen und branten
Lanc
429,4.
428,33;
En
4601;
mit einer laternen, dâ inne ein lieht brenne
StatDtOrd
73,18;
HeslApk
8206;
MarlbRh
13,39;
Mechth
7:36,51.
–
reht als ein lieht das vaste / git lieht mit
brennendem glaste RvEWchr
2063;
ir augen branten als ein gluͤt, / als swebel
und bech duͤt HvNstVis
497.
–
dar luchte daz Rotheres wif / vor andren wiuen
[...] / als ein bernender iachant
Roth
4613;
die rose bernet sua si steit, / van der vuͦricher varwen die si
het Lilie
64,38
MWB 1 989,41; Bearbeiter: Hoffmann
brenngadem
stN.
s.a.
burnegadem
.
‘Edelmetallschmelze’
wellen wir, das alle prenngadem ab sein, den unser wechsler sol haben ein
prenngadem eder zwai, da alles golt inne geprant werde WeistÖ
1:201,23
(a. 1346);
[Einnahmen] de domo lanaria, de schrotambach, de
brennegademe [= ustio argenti; vgl.
Anm.z.St.]
UrkSchles
3,11
(a. 1303)
MWB 1 993,61; Bearbeiter: Hoffmann
brennholz
stN.
‘Brennholz’
er schol auch prenn holtz nemen von vnserm vorst UrkObAltaich
167
(a. 1325);
daz dez vorgnanten Friderichs erben [...] daz hultzin
hus [...] sullen haben vnd besitzen zu einem ewigen
erbeburglehen, vnd dar zu brennholtz vnd weide als ein burgman on geuerde
UrkWürzb
41,423
(a. 1350);
die buweholtz haben woltent / odir berreholtz bedurffen soltent Pilgerf
9789;
WeistGr
4,571
(14. Jh.)
MWB 1 994,5; Bearbeiter: Hoffmann |