bekerkeln
swV.
‘jmdn. einkerkern’
mîn bilde, obe ich gekerket [La. bekerkelt
] bin / in dir, sô lâ mich ûz alsô, / daz wir ein ander vinden frô
Walth
68,4
MWB 1 542,38; Bearbeiter: Diehl
bekêrnisse
stF.
‘geistl. Umkehr, Bekehrung’
ob wir eines tages [...] chomen in riwe und in wâre
andâht und buoze, sô enphæht uns unser herre und von der bechêrnusse wirt gevreut
allez himelische her PrStPaul
4,3;
daz wir da mide zeugen allen den die sie beginnen wollent daz anbeginne irs
bekernisses zu hudene BrEb
73
MWB 1 542,41; Bearbeiter: Diehl
bekêrtac (?)
stM.
→
bekêrde
MWB 1 542,48;
bekêrunge
stF.
‘Umkehr, Wende’
‘tropicus estivalis’, daz ist der ‘sumerisch widercher’, wan ‘tropos’
chriehisch ist in latein gesprochen ‘conversio’, ‘becherung’, wann zuͤ der selben
zeit so vacht di sunn an, sich zu becheren zu der nidern halben speren und von uns
ze gend Sphera
73,30.
– überw. ‘geistl. Umkehr, Bekehrung’
di hiligen engel die fræuent sich groͤzlich von eines
suͤnders becherung PrOberalt
83,12;
so bitten ich dich, herre, dir selben ze eren umb ware
wandelunge und umb ganze bekerunge der armen súndern Mechth
5: 35,26;
da mit er sich geneht / gotte dorch die bekerung Krone
19615.
–
sente Paules bekêrunge tac [25.1.]
StatDtOrd
76,22;
sant Pawels tach der bechervnge UrkCorp (WMU)
N480,2.
– med. ‘kritischer Wendepunkt (im Verlauf einer akuten Krankheit)’
went men hindert de bekerunge vnde lenget dy suke
OvBaierl
81,12
u.ö.
MWB 1 542,49; Bearbeiter: Diehl
bekerzen
swV.
‘etw. mit Kerzen versehen’
manec tiuriu krône / was gehangen schône / alumbe ûf den palas, / diu schiere
wol bekerzet was Parz
638,12
MWB 1 543,3; Bearbeiter: Diehl
bekicken
swV.
→
bekickzen
MWB 1 543,7;
bekickzen
swV.
‘etw. zum Sprechen bringen’ (Intensivum zu bekicken, vgl. App. und
Glr.z.St.):
ouch suld ir daz besorgen / daz ding di nu verborgen / sint hi uf diser erden,
/ aldort gar offen werden. / durch daz sich der leste tag / einem lichte glichen
mag, / als ich di schrift bekiccze [: bliccze
]
TvKulm
5943
MWB 1 543,8; Bearbeiter: Diehl
beklaffen
swV.
‘etw. bereden, beschwatzen’
er wurd ie dem wiͤrt unmaͤr / der in nicht wolt schaffen lan / in seim haus,
der ret der van / und wolt als sein dinch bechlaffen Teichn
406,179
MWB 1 543,15; Bearbeiter: Diehl
beklagære
stM.
‘Ankläger’
wer da wider that oder tuet, der sol gepuest und gepeinigt werden
[...]; vnd jecklicher sol sein beclager sein
StatTrient
128
u.ö.;
actor: bekleger VocOpt
37.020
MWB 1 543,19; Bearbeiter: Diehl
beklage
stF.
‘das Beklagen’ (hier: ‘Beichte’?):
nû het sich herre Ruodolf, / der Salzpurgære bischolf, / durch sîner sunden
beklag / an sant Peters tag / [...] / bereit zeiner messe
Ottok
38150
MWB 1 543,23; Bearbeiter: Diehl
beklagen
swV.
(meist mit Akk., selten Gen., präp. Erg. oder Obj.-Satz)
1
‘jmdn./etw. beklagen’
2
‘jmdm. etw. klagen’
3 rechtl. 3.1 mit Akk.d.P. ‘jmdn. anklagen, verklagen (wegen etw., vor jmdm.)’
3.2 mit Akk.d.S. ‘etw. einklagen, durch Klage beanspruchen’
4 refl. ‘sich beklagen, sich beschweren über jmdn./etw.’
1
‘jmdn./etw. beklagen’
si beredeten unde besageten, / si betrûreten unde beclageten,
/ [...] / daz der armen Canâze / in der minnen namen
geschach Tr
17188;
wolden mich die heiden jagen, / ez möhte etslîches mâc
beklagen Wh
58,28;
sy bechlaget ir untugent HvBurg
5146;
des kunft beclagete da manic Turc Kreuzf
1683
2
‘jmdm. etw. klagen’
Maria, muͤter und magt, / unser not si dir beclagt!
HvNstGZ
7045
3
rechtl.
3.1
mit Akk.d.P. ‘jmdn. anklagen, verklagen (wegen etw., vor jmdm.)’
swen man hie ze hove beklage, / ist er hie niht, daz manz
im sage / vnd sol in dristvnt vur laden ReinFu
K,1447;
Iw
5626;
undi wirt he biclagit vor mi
[dem] richteri undi din burgerin
Mühlh
115,17;
umbe solich gût da mich dirrer man umbe hat beclaget, daz
enweiz ich noch enhan es nit PfJud
12;
swelhes purgers svn [...] vngevolgich
[...] wære [...] vnd des
bechlaget wirt UrkCorp (WMU)
2345,31;
ob ein man den anderen beclaget, daz he ime sines erbes icht abe gebuwet
habe ebd.
2265,33
3.2
mit Akk.d.S. ‘etw. einklagen, durch Klage beanspruchen’
dc wir [...] den bú niemer ane gesprechen noch
beclagen suln mit keime rehte UrkCorp (WMU)
984,35
u.ö.
4
refl. ‘sich beklagen, sich beschweren über jmdn./etw.’
wan daz ein sinnic herze sich / beklagen sol des im beschiht
MF:Reinm
43: 2,7;
daz sich der man siner sundin inneclich beclagin mach
Spec
79,30;
ich beclagen mich von uch, herre, zu uchselber
Lanc
620,2;
UrkCorp (WMU)
83,20,15;
Tauler
290,4
MWB 1 543,27; Bearbeiter: Diehl
beklagnisse
stF.
‘Anklage’
als wol in verkuntnusse [
in denunciationibus
] als in beklagnus StatTrient
127
MWB 1 543,59; Bearbeiter: Diehl
beklammen
swV.
‘jmdn. einklemmen, bedrängen’ (vgl. beklemmen):
des gerihtes hefte / die kranken armen nideren / beklamment âne wideren
HvBer
1985;
der ait ist mir ain zange / der mich hat bi der not beclamt WhvÖst
4879;
div verschamptiv / in schanden div beclamptiu Martina
106,26;
JvFrst
5600
MWB 1 543,62; Bearbeiter: Diehl
beklæren
swV.
‘jmdn./etw. klâr machen, erleuchten’
mit wazzer wirt beclaret der mensch [...] in dem
paradise JTit
46,1;
beklaret hat / dich sines geistes zunder EngelbLd
21;
ein engels lieht ob im bran, / beclæret als der liehte tac Mönchl
131.
–
‘erhellen, erklären’
daz ist nemeliche billicher daz man der heiligin rede neme mide zu beclerne
Christi rede, wan he selbe sprach: ‘vadir, mache clair dinen son’ Parad
91,15.
– in der Wendung
~ unde niderlegen
‘klären’
dat ze becleirne inde nieder ze leginne UrkCorp (WMU)
78,30.
83,44
MWB 1 544,5; Bearbeiter: Diehl
beklârivunkeln
swV.
‘etw. erhellen’
der helme lieht zimiere mit nebel was verdunkelt. / daz wart dann aber schiere
mit swertes ecken schon beklarifunkelt / von dem fiur, daz uz den helmen dræte / sam
blicke schoz der lufte JTit
4154,2
MWB 1 544,16; Bearbeiter: Diehl
beklæwen
swV.
‘jmdn./etw. (wie) mit Klauen ergreifen’
dez wurden siv begriffen / mit svnden in ir herzin / ane rivwe smerzen / in
bosem willen beclæwet / uon dem tievil Martina
159,53;
mit mangem süezen smerzen / was beider sin bevangen. / minne mit ir zangen /
sî leides hât beklæwet Reinfr
4327.
6527
u.ö.
MWB 1 544,21; Bearbeiter: Diehl
beklëben
swV.
1
‘etw. bekleben, verkleben’
2
‘haften bleiben, verbleiben’ (vgl. beklîben )
1
‘etw. bekleben, verkleben’
beklebe dy ris, als vor gesprochin ist Pelzb
124,15;
io saltu yn an beydin endin beklebin das loch, als man tut eyn
pfrop rys ebd.
131,24
2
‘haften bleiben, verbleiben’ (vgl. beklîben):
des wil ich daz an uch beklebe / die morgengabe, die ir habet, / wand ir wol
damite labet, / die hie twinget enge not Pass III
623,32;
idoch was im leit, / daz im dikein werdekeit / mit der wihe was beklebet
[verliehen]
ebd.
595,21;
obil ist an uns beclebet [
agglutinata
]
Cranc
Bar 3,4.
–
‘fortbestehen’
swa man lieze eben / daz dinc nach siner art bekleben Frl
5:34,17;
wan der leib erfault nider, / daz dw sel dann lebt sider / als des
menschen sel bechlebt / und den leichnam uͤber lebt Teichn
324,113
MWB 1 544,28; Bearbeiter: Diehl
beklecken
swV.
‘jmdn./etw. beschmutzen, beflecken’ (vgl. beklicken und
beklocken):
si liefen zu im vor / und beklecten in mit hor Pass III
357,8;
daz kumt von der unkuscheit, / in der du ligest bevlechet: / des wirt von dir
beclechet / vil manic bruder hinderwart Vät
12604;
dez menschen bild beclecket, / gar vorschaffen und vorstalt / von der sunden
ane walt TvKulm
682
u.ö.;
Hiob
4368
MWB 1 544,43; Bearbeiter: Diehl
beklegære
stM.
→
beklagære
MWB 1 544,51;
bekleiben
swV.
1 intr. ‘(fest)kleben, haften’
2 tr. ‘etw. bestreichen, beschmieren’
1
intr. ‘(fest)kleben, haften’
unz in mancvaldir crumme / dî derme sich uzreiftin / und um den boum
becleiftin NvJer
9110
2
tr. ‘etw. bestreichen, beschmieren’
lege sie [die Birnen] in einen hafen
vnd bedecke den hafen vnd becleibe ez mit teyge, daz der bradem iht vz muͤge
BvgSp
12;
sint die wende niht gemuret, so sol man si zuͥnen und mit laime beclaiben
StRRavensb
105,5;
er ist becleibet mit der eren leime MinneR 480
426.
– übertr. ‘jmdn. versehen (mit etw.)’
daz du mich giruochis ze bechleiben / mit dinis tiskis aleiben
[Überbleibseln]
Litan(M)
925
MWB 1 544,52; Bearbeiter: Diehl
bekleiden
swV.
‘jmdn./etw. bekleiden’
sie warn schon und wol bekleit. / frawlicher zuchte minnekeit /
sie zierte me dann rich gewant Physiogn
5;
vindet man uns wol bekleit, / niht nackent âne reht gewant
RvEBarl
6318;
dâ man den bœsen wol becleit mit purpur siht behêret, / dar
gât unde kêret / der frume ân allen phellel wol KvWLd
32,201.
– übertr.:
ir lîp, ir muot wurden bekleit / mit dem kleide der arbeit
RvEBarl
4465;
so het trurikait / Wildehelm und sin trut beclait WhvÖst
9760;
das sÿ solt schwanger werden / und bringen uff die erden / mit menschlicher
natur beklaitt / Jhesum KvHelmsd
307;
Eckh
5:228,7.
– häufig in Naturbildern des Minnesangs:
nu stât bekleit diu heide / mit wunneklicher wât
SM:Tr
5: 1,9;
mit grüenem loube stêt der walt / bekleidet wol, / recht als
er sol / gên der wunne gesten sich SM:Tu
6: 1,10;
nû hât meie walt heid ouwe wol bekleit mit manger wunneclîchen
spæhen wât. / alsô hât mîs herzen frouwe / sich bekleit mit kleide daz ir wunneclîch
an stât KLD:GvN
38: 1,2
MWB 1 545,1; Bearbeiter: Diehl
beklemmen
swV.
‘jmdn./etw. einklemmen, bedrängen’ (vgl. beklammen):
jâ sæhe ich gerner veltgebû, / danne ich lange in selcher drû / beclemmet
wære, als ich bin nû Walth
76,20;
im hât der minne stricke / sîn wildez herz gezemmet, / mit süezer nôt
beklemmet Reinfr
446;
nach des ersten menschen val, / von der sunden uber swal / wart al die werlt
beclemmet / und in den tot geschremmet / von der erbe sunden slac TvKulm
353;
Martina
11,49;
mit vast getwungen knubelen [Knöcheln] / sin swert
beclemmet [umklammert] halden HeslApk
4901
MWB 1 545,22; Bearbeiter: Diehl
beklepfen
swV.
‘jmdn. bezwingen’
nû lach ob mich mîn tumpheit iht beklepfe Loheng
46;
Wartb
Rs 7,6;
daz ich uf dirre erde / sinne kunst so schepf / daz mich iht beclepf / der
ewiclich tot da von WhvÖst
14416;
wen sie mit im iren willen han / und haben in so beclepfet / daz her allez daz
wol schepfet HeslApk
18691
MWB 1 545,34; Bearbeiter: Diehl
bekletzen
swV.
‘jmdn. betrügen, blamieren’
so wænent dan die giegen [die von den Frauen zum Narren gemachten
Männer] / daz in daz niht schade sî, / ob si ir ofte wonent bî. /
si sint vil balde becletzet / sos ir art wider wetzet, / und hinderkomt die tumben
knaben Katze
2053
MWB 1 545,41; Bearbeiter: Diehl
beklîbe
stF.
‘Empfängnis’
an deme manthage vor vnser frauwen tak annunciacio bekliebe UrkHenneb
2:7,21
(a. 1333)
MWB 1 545,47; Bearbeiter: Diehl |