beisen
swV.
‘küssen’ (aus afrz. baisier):
vil balde veyl hey neder / vur Orîen ind beysen [l. ind
woldes beysen
]
KarlGalie
11090
MWB 1 532,4; Bearbeiter: Schnell
beite, beit
stF. (swF. Lilie )
1
‘Warten, Aufschub, Zögern’
2
‘Erwartung’
1
‘Warten, Aufschub, Zögern’
herzog Heinrichen treip / sînes vater zorn darzuo, / daz er des dritten tages
fruo / ân aller hande beit / schône wart bereit / her ze Kernden ze varn
Ottok
61717;
ane beite vnde ane frist Herb
13823.
4723;
di beite dunket si zu lang Brun
12378;
Teichn
392,54;
RvBib
107,16;
Daniel
7252
2
‘Erwartung’
do von sprach her ‘brut und wib’ / Got zu der cristenheite, / ‘wib’ durch die
gewizzen beite, / swenne Got sine cristenheit / wibe glich an den arm leit
HeslApk
20734;
sus sulle wir nach gotes beite / immer und immer sint bereite Brun
10414;
ich varen, sprach he, dat ich uch die stat bereide, / inde ich sal ever cuͦmen
zuͦ uch, na urer beiden Lilie
41,11
MWB 1 532,7; Bearbeiter: Schnell
beitecheit
stF.
‘Ausharren’
so muͦs si [die Seele] denne
gezieret werden mit pinen in der langen beitekeit Mechth
5: 4,68
MWB 1 532,22; Bearbeiter: Schnell
1beiten
swV.
zu bîten stV.
1
‘auf jmdn./etw. warten, jmdn./etw. erwarten; zögern’
1.1 ohne Obj. 1.2 mit Gen.-Obj. 1.3 mit abh. Satz 2
‘jmdm. Aufschub gewähren, eine Frist geben’
2.1 mit Dat.d.P. und Gen.d.S. 2.2 mit Dat.d.P. und präp. Erg. ‘eine Schuld stunden, Zahlungsaufschub
gewähren’
1
‘auf jmdn./etw. warten, jmdn./etw. erwarten; zögern’
1.1
ohne Obj.:
Maria Magdalene diu nebeite niht mere AvaLJ
173,1;
sin herze erschrac, er begunde biben. / nicht lenger er
beitte Herb
17396;
Rol
515;
Eracl
65;
ich nemac nicht getruwen / daz si andem wal gebaiten
[ausharren]
Rol
5665;
KvWHerzm
422
1.2
mit Gen.-Obj.:
Jacob swîchte, sîner sune beitte Gen
1605;
dir enbiutet din herre Paligan / daz du sin baitest
Rol
7631.
451;
ir gunêrten sarrazîne, / [...],
/ ir welt hie beiten grôzer nôt Wh
110,23.
139,9;
seht dort zwen ritter die unser beiten!
Lanc
214,26;
swelch wip ir suche uber di zit beitet, di sol des roten
biboz bleter zu tale phlocken Macer
1,8
1.3
mit abh. Satz:
jst aber, daz der herren bothe von Mulenbrunne sich sumet an dem
ufschuthenee [Aufschütten der Weintrauben in der
Kelter] , so des zit ist [...], so sol
er denne beithen, daz er zu jungesten uf schuthe UrkCorp (WMU)
812,20
2
‘jmdm. Aufschub gewähren, eine Frist geben’
sî beitent mir unz morgen: / sô nement sî mir ouch den lîp
Iw
4070;
sît nieman rehte wizzen mag, wie lange im wirt gebeitet
SM:UvS
35: 2,6;
so sol man in nút vahen vmb die gúlt. wan sol ime baiton, únz daz er es haben
mag UrkCorp (WMU)
2596,39;
Er
9912;
KLD:WvM
2:1,5;
BuchdKg
58,3
2.1
mit Dat.d.P. und Gen.d.S.:
Got hat dir diner schult gebeit, / wan du were ê sin geleit: / nu bist du
der teufel gast / und besweret dich der sunden last ErzIII
6,137
2.2
mit Dat.d.P. und präp. Erg. ‘eine Schuld stunden, Zahlungsaufschub
gewähren’
swer den andern bechlagt umb gelt und der gelter gicht, er hab noch frist
darumb, auf swelhew frist er swert, die er von im hab, darauf sol er im payten
StRMünch
400,29;
ez habent di ratgeben gesetzet, daz [...] die
schenchen den laeuten von der stat umb ezzen und umb trinchen und umb spil niht
peiten suͤlen ebd.
192,4.
186,15
MWB 1 532,25; Bearbeiter: Schnell
2beiten
swV.
1
‘etw. in Zucht nehmen, disziplinieren’
2 refl. ‘sich mühen, quälen’
1
‘etw. in Zucht nehmen, disziplinieren’
sus heb ich an in gotes namen / und ouch durch ein guͦtes wip, / diu mit eren
hat ir lip / gebeitet shone und wol Rennew
143;
der mengem hatt des lebens büss / geton, und
baitten [bezwungen] ir sin GTroj
18649
2
refl. ‘sich mühen, quälen’
diu not moht got erbarmen, / die di richen und di armen / mit jamer an sich
leiten, / mit chlage si sich beiten Dietr
3815
MWB 1 532,63; Bearbeiter: Schnell
beitunge
stF.
1
‘ das Warten, Ausharren’
2
‘Erwartung’
3
‘Fähigkeit, Vermögen’
1
‘ das Warten, Ausharren’
du stetigest minen willen in der pine und liebest mir die
sweren langen beitunge in disem armen libe Mechth
4: 12,104.
4:12,52;
nach aller diser beitunge und edeler wisunge muͤstent sú dennoch zehen tage
beiten e denne sú den heiligen geist enpfiengent Tauler
80,2;
DvAOff
27;
NvJer
26866
2
‘Erwartung’
unde dy luͤte sullen dorren vor vorchten unde vor der beitunge dy kumende ist
alle der werlde [
exspectatione, vgl. Lc 21,26]
EvBerl
1,4;
ähnl.
EvAug
196,11;
und
EvBeh
Lc 21,26;
do sach min sele die sinen in loblicher wirdekeit also das er
noch in beitunge was der himelschen ere Mechth
5: 15,4
3
‘Fähigkeit, Vermögen’
der hat gehabt rechte naygung, fuͤg vnd peitung zu dem leben [
potentia vitam habentis
]
KvMSel
185
MWB 1 533,8; Bearbeiter: Schnell
beitzît
stF.
‘Wartezeit’
wann der mensch geit ain ding vmb zwelf auf ain ander zeit ze bezalen, daz er
gäb vmb zehen zestund zebezalen, da waͤren die vbrigen zwen ain lon der pait zeit
RechtssB
K9,9
MWB 1 533,24; Bearbeiter: Schnell
beiʒ
stN.
‘Beizjagd; Beizwild (Jagdbeute)’
die sunne schein also heisz, / daz daz pirsen und daz paisz / dez tages nicht
tocht Württemb
K 42;
er [der Falke] stiez / ûf des rehten beizes spor
Reinfr
13563
MWB 1 533,28; Bearbeiter: Schnell
beiʒære
stM.
‘jmd., der mit Jagdvögeln (auf der Beize) jagt’
ein habich fuort er ûf der hant, /
[...] / der beizære begunde spehen
UvZLanz
476;
als dem guten beizzære geschach, / der vogele vie genuge
StrKD
61,284.
61,298;
[ein Ritter ritt] ze velde ûf sînen acker / mit zwein
hunden wacker / und mit eime sperwære. / der selbe beizære / ersach ein jungez
heselîn Häslein
28.
– als Bestandteil von Personennamen:
Chunrat der Peizzer UrkCorp (WMU)
1699,13.
610,40
MWB 1 533,33; Bearbeiter: Schnell
beiʒe
stM. oder N.
‘Biss, Griff’
ich leit des vleisches tot / [...] / in des grimmen
todes beize HeslApk
11275
MWB 1 533,43; Bearbeiter: Schnell
1beiʒe
stF.
‘Beizjagd; Beizwild (Jagdbeute)’
si vunden guote beize dâ: / beide bach unde lâ
[Sumpf] / lâgen antvogele vol Er
2036;
zwiu solde ich füeren hinnen / ditze schœne vederspil? / bî Rîne ist guoter
beize vil Bit
7002;
ich waͤn, man lieg nyndert so vil / sam da man sait von veder spil, / von
gejaid und von der paiz Teichn
316,3;
Mügeln
403,5;
Ottok
75923
MWB 1 533,46; Bearbeiter: Schnell
2beiʒe
stF.
‘Beize, Lauge’
ich bin des leides durch gan, / als daz vel der beizze, /
kalde vnd heizze, / beide bleich vnde rot Herb
14083;
smaragden und safire zepulver man da ribet. / er bedorfte lutzel vire, swer
dise beiz also zusamen tribet JTit
1687,2;
mit bisem und mit balsems trôr / wart ez [das
Fleisch] vor gebeizet. [...] / ich bin in
der tumpheit wol, ich næm die kost der beize / vür eteslîches herren guot
Loheng
6067
MWB 1 533,54; Bearbeiter: Schnell
beiʒec
Adj.
1
‘bissig’
2
‘begierig auf die Beizjagd’
1
‘bissig’
[Heuchler] dy uzen schinen als eyn holf
[Narr] / und bynnen syn eyn beyzig wolf Hiob
4966.
–
‘kampfbegierig’
wen si in den strit czien, so trenkin si dy elefant mit dem wyne, von deme
werdin sy kuner und beysik MarcoPolo
70,14
2
‘begierig auf die Beizjagd’
hebiche [...], di ouch gar beysik sint
MarcoPolo
55,22
MWB 1 533,63; Bearbeiter: Schnell
beiʒel
stM.
‘Nagel’
die beizele sin die dri iseren nagele, / die durch gruven beide hende inde
vuze / des guͦden Jhesus Lilie
29,36;
ich willen dir einen hamer wisen, / inde dri beizele, die sint iseren ebd.
29,32.
30,1
MWB 1 534,6; Bearbeiter: Schnell
beiʒelboum
stM.
‘Sauerdornstrauch, Berberitze’ (von
2beiʒe, da Wurzel und Bastrinde zum Beizen und zum Gelbfärben
benutzt wurden, Anm.z.St.; vgl. Marzell 1,572f.):
man sol paizzelbaum nemen vnd die obern rinde abschaben; dar
nach sol man abschaben daz grün vnd sol daz sieden in alunwazzer vnd
[...] verb damit BairFärb
10,1
MWB 1 534,11; Bearbeiter: Schnell
beiʒeln
swV.
‘jmdn. schlagen, peinigen’
mit ruten sie en gulen / wurden, darzu mit geiseln / vil
jemerlichen beizeln Daniel
4228
MWB 1 534,18; Bearbeiter: Schnell
1beiʒen
swV.
zu
1beiʒe.
‘mit einem Greifvogel (meist Falken) jagen’
swa er einen vogel sach, / swenne er beizen wolde, / da
niemen werfen solde, / da warf er sinen habch StrKD
61,11;
mit sînem valkenære beizte dâ der künic vil kündiclîche Kudr
1096,4;
er beißte auch gern mit den falcken und mit den habichen
Lanc
303,25;
Parz
721,19;
KvWWelt
26;
Tannh
13,10;
StatDtOrd
47,23
MWB 1 534,21; Bearbeiter: Schnell
2beiʒen
swV.
zu
2beiʒe.
‘etw. mit Beize, mit einer Flüssigkeit behandeln, bestreichen’
gebeizet was sîn brunie / in eines wurmes blûte
SAlex
1300;
wande sie [die Meerjungfrau] gebeizet was / in
eines wurmes bluote StrDan
4044.
–
‘etw. (Speisen) beizen, einlegen’
swer den win trinke, da daz cruͦt inne gebeiset si, iz gebe
im guͦt gehugnisse Macer
47,4;
wellest dû aver schiere gesunt werden, sô nim linse unde beize
die mit wîne Barth
132,22.
145,9;
dar zvͦ solt du nemen einen bersich gebeizt in ezzig
BvgSp
55
MWB 1 534,30; Bearbeiter: Schnell
3beiʒen
swV.
‘absitzen, von einem Pferd absteigen’
erst peitzt her Dietrich auff das graß. / [...] / das
roß het er an pundenn / vil hoch an eynen pawm EckenlE7
104,1;
er beizte, sin ros man in zoch TürlArabel
*R 204,4;
her Dietrîch was erzürnet, von Wolfharte er dô reit: / er kunde im niht
gevolgen ûf der heiden breit. / er beizte ze der erden RosengD
501,3
MWB 1 534,41; Bearbeiter: Schnell
beiʒkol
stM.
‘Rübe’ (Beta vulgaris, vgl. Marzell 1,583ff.)
beta: beizcol VocBV947
3:536,23
MWB 1 534,49; Bearbeiter: Schnell
beiʒkrësse
swF.
‘Rübe’ (vermutlich eine kultivierte Unterart von Mangold bzw. Beißkohl, vgl.
Anm.z.St.; Marzell 1,583ff.):
daz wasser, da di beizgresse inne gesoten ist
Macer
91,5;
beta heizet beizgrese ebd.
69,1
MWB 1 534,51; Bearbeiter: Schnell
beiʒstein
stM.
zu
2beiʒe.
‘Alaun’ (verwendet u.a. als Beizmittel):
alumen: beizstein VocBV887
3:485,23;
cassaltrum: beizstein ebd.
3:486,40;
alumen vel casaltro vel spiptiria herba: bisten SummHeinr
2:183,03.13
MWB 1 534,56; Bearbeiter: Schnell
beiʒunge
stF.
‘Beizjagd’
von der beysunge der vogil MarcoPolo
24,14;
uf disim velde do wonit der herre czwene mone in der beysunge, und do ist lust
unbegriflich ebd.
25,17
MWB 1 534,61; Bearbeiter: Schnell
beiʒwint
stM.
zu
1beiʒe.
‘Jagdhund’ (der einen Greifvogel bei der Beizjagd unterstützt, vgl. Dalby,
Mediaeval Hunt, 75b f.):
si gap mir zwêne habeche guot / und dar zuo einen beizwint Bit
7415
MWB 1 535,1; Bearbeiter: Schnell
bejac
stM.
‘Jagdbeute, Gewinn, Lohn’
und daz mit selhem bejage / der wilde lewe disem man / sîne
spîse gewan Iw
3920;
ir gewin und ir bejac / den sanden si ze Karke
Tr
18924;
Wh
422,6;
nieman zwein herren mac / gedienen sô, daz sîn bejac / müge
ir beider lôn bejagen RvEBarl
4434;
rîterschaft was sîn bejac Wig
2865;
Parz
318,22;
RvEWchr
418;
Pass III
303,72
MWB 1 535,5; Bearbeiter: Schnell |