behinder
Adv.
1 lokal ‘hinter’
2 direktional ‘hinterher’
1
lokal ‘hinter’
zum vierden [in einer Prozession] liez er schowen /
die kusch, reinen kindere. / so waren da behindere / die leigen
[Laien] an der vumften schar Pass III
200,10
2
direktional ‘hinterher’
die kindere / die liefen im behindere / mit hunden unde mit steinen / iageten
si den vnreinen PassI/II
175,92;
nu reit dort her behinder / Martinus der getruwe Pass III
593,58
MWB 1 515,48; Bearbeiter: Diehl
behîraten
swV.
‘jmdn. verheiraten’
ez ensol vnser entweder des andern diener innemen
[aufnehmen] noh beheiraten. ist aber, daz er in
beheirat, so sol er in wider antwurten [zurückgeben]
UrkWittelsb
2,114
(a. 1300).
2,30
(a. 1293);
UrkEnns
5,276
(a. 1321 kopial)
MWB 1 515,56; Bearbeiter: Diehl
behirten
swV.
‘jmdn./etw. behüten, bewachen’
alle, die vihe hant, die sont daz selbe vihe behirton und behuͤten
StRRavensb
72,32.
72,30;
Maria nu behirte / sein sel vor arger geiste pein Suchenw
17,168.
–
du pist frey / daz dir argez nit wirt: / also hon ichs [der Gott
Amon] behirt [vorgesehen?]
GrAlex
2348
MWB 1 515,62; Bearbeiter: Diehl
behitzen
swV.
‘Hitze verbreiten, erhitzen’
[des Drachen] czüng was ungenem, / da pehiczet er mit vil
widerczäm [ganz abscheulich]
Märt
12024
MWB 1 516,5; Bearbeiter: Diehl
behiulen
swV.
‘jmdn./etw. beweinen’
Babylon ist pluczelingin [plötzlich] gevallin und
ist zumorscht. behuylit sy Cranc
Jer 51,8
MWB 1 516,8; Bearbeiter: Diehl
behiuren
swV.
→
2behûren
MWB 1 516,11;
behiuten
swV.
1
‘mit Haut überziehen’
2
‘schinden, die Haut abziehen’
1
‘mit Haut überziehen’
vil wol daz bret [des Schildes] gesniten was / unde
gefûchliche [wie es sich gehört] gebogen / wol behûtet
und wol bezogen En
5768
2
‘schinden, die Haut abziehen’
stüende ez in der werlde alsam vor drîzec jâren, / der mich danne trûriclîchen
sæhe gebâren, / der solde mich zehant behiuten unde behâren: / jâ wære ich
ungevüeger zühte wert Neidh
SL 28:7,3
MWB 1 516,12; Bearbeiter: Diehl
behôf
stM.
→
behuof
MWB 1 516,21;
beholn
swV.
1
‘etw. erwerben, erringen’
2
‘jmdn./etw. bewahren, retten’
1
‘etw. erwerben, erringen’
menig starkes wib den grimen tod / müste bejagen und behollen
GTroj
15235
pris, er, lob kunder beholn / sus offen und tougen SHort
6286
u.ö.
2
‘jmdn./etw. bewahren, retten’
den [reinen Jungfrauen] wirt mit vollem messe / ir
kvschi alda vergolten / di si alhie beholten Martina
233,12.
– mit erspartem Obj.?:
wie sy grosse iettwisz / von hertten schlegen hett
gedoltt / und wie Hectör hett mit stritt beholtt /
[...], / daz tett sy kund dem helden gemeitt
GTroj
12738
MWB 1 516,22; Bearbeiter: Diehl
beholzen
swV.
auch behulzen.
‘etw. mit Brennholz versehen’
si sullen auch [...] behultzen vnser stuben vnd vnser
kuchin, [...] vs vnserm forst ze Kitzingen UrkWürzb
40,311
(a. 1340);
daz hus zu beholzene Vät
27399
MWB 1 516,33; Bearbeiter: Diehl
1behœren
swV.
‘etw. hören’
ab do kein geruffte geschregen wirt und behort RbMagdeb
405,41;
der heilig priester Jadüs / trüg an der styrn geschriben süzz / Tetragramaton
das wört, / daz in teutsch waz behört [wird verstanden
als] / der nam Gocz von himelreich GrAlex
968
MWB 1 516,38; Bearbeiter: Diehl
2behœren
swV.
‘zu jmdm./etw. gehören; jmdm. zustehen’
– mit präp. Erg. (zuo, vgl. zuo behœren):
al dat guͦt [...], dat wi hadden jnde dat behorde
tuͦt den lande UrkCorp (WMU)
3089,30;
ob zuo der selikeit behör begriffung ThvASu
134,24
u.ö.;
ich spriche, daz got êwiclîche âne underlâz in disem gewesen ist, und in disem
der mensche mit gote ein ze sînne, dâ behœret gnâde niht zuo, wan gnâde ist ein
crêatûre Eckh
1:419,3.
– mit Dat.d.P. und Inf.:
so behorit das dem oberen richtere zu richtene RbMagdeb
345,10
MWB 1 516,44; Bearbeiter: Diehl
behorgen
swV.
‘etw. beschmutzen’ (vgl. Anm.z.St.):
man sol div mergriezzer [Perlen] / vur div swîn
niht giezzen; / si niezzent ir niht, daz ist wâr, / si behorgent si auer vil gar
Messgebr
28
MWB 1 516,55; Bearbeiter: Diehl
behœrlich
Adj., Adv.
‘angemessen, gebührend’
ez ist zemerken, ob ez mer behörlich si [
convenientissimum
] , oder ob es noch mer bekome deme sune, daz er ingefleischet werde,
denne dem vatter ThvASu
40,5;
die behörlichen [
debita
] vasten ebd.
172,26
u.ö.
–
unde da von sprichet man behörlich, daz si niht mügen gewerden ThvASu
294,16;
wan alse die gewunnenen tugenden den menschen volmachent zewandelen
behörlichen [
congruenter
] dem liehte der natürlicher bescheidenheit ebd.
214,32
u.ö.
MWB 1 516,59; Bearbeiter: Diehl
behœrlicheit
stF.
‘Gemäßheit, Entsprechung’
nu ist niht ein wise aller ursprung, wan eines ieklichen dinges ist er nah der
behörlicheit [
convenientiam
] siner naturen ThvASu
258,7.
232,1
MWB 1 517,6; Bearbeiter: Diehl
behosen
swV.
‘mit Hosen bekleiden’
die vuze unde die bein sin / waren im behoset und beschut Vät
20333
MWB 1 517,10; Bearbeiter: Diehl
behoubeten
swV.
‘jmdn. enthaupten’
ez waz och S. Johannes der toͮfer der in dem selben iar wart behoͮptet
PrSchw
1,138
MWB 1 517,13; Bearbeiter: Diehl
behoufen
swV.
‘sich versammeln’
der selbe meistir Conrât, / [...] / schûf, daz sich
behouftin / dî sînin abir mechtic NvJer
18379
MWB 1 517,16; Bearbeiter: Diehl
behouwen
stV.
1 tr. 1.1
‘etw. behauen, bearbeiten’
1.2
‘jmdn./etw. bearbeiten, formen’
2 refl. ‘sich verschanzen’
1
tr.
1.1
‘etw. behauen, bearbeiten’
wie tût der der eine burc wil cimmerin? der gwinnit steine
unt behouwit die unt wirkit die unt billit
[bearbeitet] sie mit sîme wâfine nâch sîme
richteschîte PrMd(J)
352,14;
daz sie ez mit meisterschefte / mir helfen volfüeren, /
rihten unde stiuren, / behouwen und besnîden Eracl
133;
so mochte man in schowen / als einen stoc behouwen
Herb
6416;
so behoͮwet er und besnidet sin boͮme Tauler
97,21.
–
der stein Petrus vnd die gotis heiligen, die waren vil wol behowen vnde
gebuwet, wane sie warn gequelet vnt gemartert mit aller slachte vngemache
PrLpz(L)
116,21
1.2
‘jmdn./etw. bearbeiten, formen’
villicht vnser einer mag / die auentùre behauwen / vnd auch die edelen
frauwen, / jst vns glùck waͤge Krone
17592;
also der usser mensche und die nidersten und obersten krefte wol behoͮwen
und bereit sint Tauler
98,5;
obe man solle behauwen mich / odir wie ich solle lyden mich, / und wie ich
nach syme gefuge mich fuͤgen / solle odir mich dun besnyden Pilgerf
3827;
als wo behibe / durch rehter czucht in libe / ein vater sin sœnil czart
TvKulm
5737.
–
die da zeihent unser frawn / dazz mit sünden sey behawn
[dass sie durch Sünden verformt sei] / nach
ir menschleichait besunder Teichn
465,214.
–
‘jmdn. schlagen’
so han ich mir des gedacht / das ich im den rukchen sein / mit ainer
gaisel riemein / ser lan behawen Seifrit
2219
2
refl. ‘sich verschanzen’
nû hattin sich behouwin / dî Prûzin und vorheinit [zu
verhagen
]
NvJer
12760
MWB 1 517,19; Bearbeiter: Diehl
behoven
swV.
1 in der rechtssprachl. Wendung behûsen unde/oder ~
‘jmdn. in den Hof aufnehmen, beherbergen’
2 in der Wendung behovet sîn
‘Hofbesitzer, ansässig sein’
1
in der rechtssprachl. Wendung behûsen unde/oder ~
‘jmdn. in den Hof aufnehmen, beherbergen’
swer ouch den, der von bruchen des lantfridis meineidic, bennic und ehtic
wirt, behaltet, behuset oder behovet ahte dage dar nach MGHConst
3:376,15
(a. 1287);
swer si auch daruͤber behauset und behoft und in zessen oder ze trinchen geit
StRMünch
89,8
2
in der Wendung behovet sîn
‘Hofbesitzer, ansässig sein’
ieman [...], der in dem gericht behaust und behoft
ist OberBairLdr
258
MWB 1 517,50; Bearbeiter: Diehl
behten
swV.
→
behaften
, beheften
MWB 1 517,61;
behûchen
swV.
‘anhauchen, behauchen’
dez paradises adem / mit suße sie hat behucht Minneb
1973;
der bose und der swache [Teufel] / alle bosheit hat
behuchet Hiob
15071
MWB 1 517,62; Bearbeiter: Diehl
behüetære
stM.
‘Beschützer, Retter’
herr, din goͤtlicher fronlicham, den ich hút in der mess enpfie, wie krank ich
waz, der muͦss min behuͤter und min beleiter sin hin zuͦ dinem goͤtlichen antlút
Seuse
89,18;
ein behuter meitlîcher kûscheit HvFritzlHl
9,30;
der dirte [dritte himml. Chor] ist der engele: die
sint behuͤter eines menschen ElsLA
647,5;
MinneR 336
522
MWB 1 518,1; Bearbeiter: Diehl
behüetærinne
stF.
‘Beschützerin’
[Maria] wis meiner sele ein behuoterinne Geb2
18
MWB 1 518,9; Bearbeiter: Diehl
behüetecheit
stF.
‘(Selbst-)Beherrschung’
ein anvang der goͤtlichn wisheit ist got flisschlich dienen in vorchtlicher
behuͦtkeit Seuse
47*;
dar umb sint [sollt] ir in ewer behutikeit haben
alle ewer sinne und sunderlich ewere wort, die sollent sein wol bedacht
HvNördlBrf
65,15.
52,4.
43,86
MWB 1 518,11; Bearbeiter: Diehl |