behegelich
Adj., Adv.
auch behegenlich.
‘angenehm, gefällig’
der selbe tugenthafte helt / Placidus genennet was; / der name sprichet, als
ich ez las, / zu dute ‘behegelich’, / der im wol vugete sich, / want er geviel in
allen wol Vät
36733;
‘bene’ daz heizet ‘behegelich’. / behegelich gevellet wol UvEtzWh
4668;
her was, alse man seit, eines geradin behegelichen libes an lenge unde an
dicke Köditz
18,12;
der stîc ist schœne und behegelich und lustlich und heimlich Eckh
1:320,4;
UrkFriedb
182
(a. 1350).
–
der herre gab, der herre nam: / als is behegelichen czam / dem herren min
Hiob
914;
entpfach, herre, nu gereit / unser andacht irlesen! / laz si den ougen wesen /
behegelichen hute! Daniel
1407
MWB 1 509,22; Bearbeiter: Diehl
behegelicheit
stF.
auch behagelicheit, behegenlichheit.
‘Wohlgefallen’
wan daz êwige wort geborn wirt in dem wesene der sêle, sô kêren alle di ûzern
krefte von irdinschin dingen und enhaben keine behegelichkeit an in
HvFritzlHl
49,10;
do dr mensche sich mit annemlicheit und mit eigenschaft der naturen in
etlicher beheglicheit und wol gevallens dar uf kert Tauler
213,18
u.ö.;
du bist min sun geminnet mir. / behaglichkeit han ich zu dir EvStPaul
6169;
ja ist deme herren behegelichkeit an dir Cranc
Jes 62,4
MWB 1 509,37; Bearbeiter: Diehl
behegen
swV.
‘umzäunen, einhegen’
do in des vateres wisheit inbezunet / hete und beheget und gemunet / vor des
tubels Sathanas gewalt Brun
3961.
3964
MWB 1 509,48; Bearbeiter: Diehl
behegenisse
stN.
‘Gefallen, Wunsch’
dî armunge sol geschên / [...] / in vorsatze gewêre /
und in geistlîchir gere / allein durch gotis behegnis / und durch der sêlin heil
gewis NvJer
2834
MWB 1 509,52; Bearbeiter: Diehl
beheien
swV.
‘über jmdn. in Zorn entbrennen, erzürnen’
der meister was ime behait VMos
73,20
MWB 1 509,56; Bearbeiter: Diehl
Bêheim
Subst.
‘Böhmen’
he gaf ime warliche / Behein unde Polen Roth
4871;
Rol
6848;
der kvnic sprach: daz si getan, / Beheim sol er han
ReinFu
K,2102;
Bêheim ich bescheide alsus: / ‘bê-’ daz diutet ‘beatus’, / ‘-heim’ ‘domus’
oder ‘mansiô’. / daz sprichet ouch ze diute sô: / ein eigen hûs od wonunge
UvEtzWh
4699;
KvWLd
32,328.
–
‘Böhme’
der Beheim solde wol dem riche hellen mite
Tannh
5,33;
juden, kristen, Kriechen, Valwen, heiden vil, / Unger, Polan,
Riuzen, Beheim ebd.
1,42;
MügelnKranz
1159;
SummHeinr
1:275,51
MWB 1 509,58; Bearbeiter: Schnell
beheimen
swV.
‘jmdn./etw. (in sein Haus) aufnehmen’
wol im, reiner suͤzer got, / der behaltet din gebot! / wie wol der wirt
beheimet / swer dich mit triwen meinet! Rennew
6667;
im bræht von schulden mêre riu, / swâ er die tempel bûwen sol, / wolt er die
niht mit triuwen wol / beheimen und begrîfen HvBer
4446
MWB 1 510,6; Bearbeiter: Schnell
beheimisch
Adj., Adv.
auch behemisch.
‘böhmisch’
do verpranten dy Oͤsterreicher dy pehaimsch stat ze Pehaim
dy genant ist Rodinum EnikWchr
543,19;
ûf daz bêheimisch ertrîche / legt sich der furst ûz Ôsterrîche / mit einem
ahtpæren her Ottok
83523;
wilt du machen behemmische erweiz BvgSp
63.
–
ieslîcher ret besunder: / einer ungerischen, / der ander riuzischen, / der
dritt bêheimischen ret, / der vierde tiutsch an der stet EnikWchr
3361
MWB 1 510,13; Bearbeiter: Schnell
Beheimlant
stN.
‘Böhmen’
uz Beheimlande ein künec rich / und ouch in Osterlande / ein
Liupolt und ein Friderich Tannh
6,34;
der junge künec uz Beheimlant ebd.
6,88.
6,92
MWB 1 510,23; Bearbeiter: Schnell
beheimsuochen
swV.
‘jmdn. (in feindlicher Absicht) in dessen Haus aufsuchen’
er well dann gern chlagen [...], umb welherlay sach
[...] daz waer, ân umb totsleg, notnuft, offenwar
behaimsuͦchen, diu mit gewafenter hant geschicht, und offenbar diepstal
StRMünch
306,8
MWB 1 510,27; Bearbeiter: Schnell
beheiʒen
stV.
‘jmdm. etw. versprechen, verheißen’
min herre mich niht ir lîz / ê ich ime svergende
[l. swernde
] behiz / daz ich ime gewunne / ein wip VMos
20,25;
si behiezen ime [Judas] dô / drîzic
phenninge KvHeimUrst
138;
niht zestorten si diete als er beheizen hete in [interl. zu
quas dixit dominus illis
]
PsM
105,34
MWB 1 510,33; Bearbeiter: Schnell
behëlf
stM.
(behelfe stF.? Tauler ).
‘Hilfe, Beistand’ (vgl. auch behulf):
dwijle er nú den stein hat verlorn, / die hentschuh vnd das vingerlin, / das
sin behelff solte sin Krone
25461;
diser grunt ist vol valscher behelfe und ist gruntlôs Bosheit
460;
ich fragete dich wer dich zuͦ mir gesant hette, obe es Got were oder die
nature were, umb ir behelffe, oder dine gewonheit Tauler
315,20;
vnd mvͦst dich abe gescheidenliche vnd inne blibende halten one aller
creaturen behelf MerswZM
24,26
MWB 1 510,40; Bearbeiter: Schnell
behëlfære
stM.
‘Helfershelfer’
wurde aber ein unser burger in sime hus oder in eins andern burgers hus von
solchen behelfern missehandilt StRNordh
1,45
u.ö.
MWB 1 510,50; Bearbeiter: Schnell
behëlfec
Adj.
‘behilflich’
alle die da checzer wissentleich beschirment vnd in behilfig sind mit worten
oder mit wercken RechtssB
K21,5
MWB 1 510,54; Bearbeiter: Schnell
behëlfen
stV.
1 mit Akk.d.P. ‘jmdm. helfen’
2 Part.-Adj. in präd. Verwendung 3 subst. ‘Notbehelf, Vorwand’
1
mit Akk.d.P. ‘jmdm. helfen’
in den brief wart geschriben / und geboten daz man sie / behulfe
Pass III
150,6.
– mit Refl.-Pron.: ‘sich (mit etw.) helfen’
Claudas zaugte alda große krafft, wann er kunde sich wol
behelffen in großen stryten und was auch groß strytes wol gewone Lanc
76,17.
131,28;
du soltest dich behelffen mit dem sacramente Tauler
315,17;
golt und silber und cleidir, domitte si bedact sin, nemen sie in und gehen weg
und mogin sich nicht behelfin dowidir Cranc
Bar 6,57;
Eckh
5:15,14
2
Part.-Adj. in präd. Verwendung:
–
beholfen sîn
‘hilfreich, behilflich sein’
den vater vnd die muter din / solt du eren vnd behulfen sin / in vmmer, wa sin
not geschiht EvStPaul
3503;
div wart vil gemartert von manigen arzten vnd hat vertan alliv ir hab, noch ir
chainre was ir beholfen EvAug
87,23;
di Got lip han, den sint alle dinc beholfen Parad
69,9.
–
beholfen wërden
‘(rechtl.) Unterstützung finden, (durch Rechtsmittel) unterstützt werden’
dar vbir fúr zihen wir vns alles des schirmes [...]
vnd allir gerihte geislichir vnd wertlichern vnd andirs, wa mitte wir
[...] moͤhtent beholfen werden UrkCorp (WMU)
3331,27;
damitte wir [...] biholfen moͤhtent werden, ze
kummenne oder ze tuͦnne an dekeinen enden wider disem brieve ebd.
N100,27;
UrkWürzb
39,63
(a. 1316)
u.ö.;
UrkHohenz
3,212
(a. 1350)
3
subst. ‘Notbehelf, Vorwand’
sus ist es ein behelfen der sinnen Seuse
164,18;
wan aber die sele von des armen libes swarheit emzklich wirt nider gezogen,
[...] so muͦss sú etwaz behelfens ir selber han ebd.
476,9.
166,16;
in diseme [Sakrament] soltu kein behelfen suͦchen
Tauler
315,18
MWB 1 510,57; Bearbeiter: Schnell
behëlfunge
stF.
‘Notbehelf, Ausrede’
denne ensol der mensche nút us loͮffen umbe deheine behelfunge, sunder er sol
tuͦn als S. Peter tet Tauler
344,17;
dis sint alles jagehunde, und wurst selber ein jagehunt und billest selber
dich an: ‘du soltest dich behelffen mit dem sacramente’. in diseme soltu kein
behelfen [La. keine behelfunge
] suͦchen ebd.
315,18.
315,4;
UrkYsenb
96
(a. 1324)
MWB 1 511,27; Bearbeiter: Schnell
behëlfwîse
stF.
‘Notbehelf, Ersatz’
ein mensch sol war nemen der neigunge, dú sich ze allen dingen bietend ist in
behelfwise wider der ainvaltigen warheit Seuse
164,26
MWB 1 511,35; Bearbeiter: Schnell
behëllen
stV.
‘etw. mit seinem Klang erfüllen’
obe sein lere / die werlt gar behülle, / daz si sich bewülle, / unde wære dem
tivel verselt Serv
1027
MWB 1 511,39; Bearbeiter: Schnell
behelsunge
stF.
‘Umhalsung, Umschließung’
doch sô beheldet ieglîchiu persône ir eigenschaft an ir persônlicheit nâch
redenne. aber in dirre behelsunge der beslozzenheit dâ tragent drîe persône einer
nâtûre eigenschaft Eckh (Pf)
391,35.
391,37
MWB 1 511,42; Bearbeiter: Schnell
beheltære
stM.
→
behaltære
MWB 1 511,47;
beheltnisse
stF.
→
behaltnisse
MWB 1 511,48;
behêmisch
Adj.
→
beheimisch
MWB 1 511,49;
behende
Adj.
1
‘flink, schnell, gewandt, geschickt’ (bes. in Bewegungen) 2
‘klug, weise, sorgfältig’
3
‘angemessen, geeignet, bequem’
4
‘dünn, fein, zart’
1
‘flink, schnell, gewandt, geschickt’ (bes. in Bewegungen):
ez liefen kreiierende hie / behender garzûne gnuoc
Iw
7107;
sin schiff nam behenden schuss / über des wilden wages flütt GTroj
14656;
sin vinger schlecht, lang und fin / [...] / behende
und wol gelaichig gar WernhMl
5979;
RvEWh
10753;
BdN
50,6
2
‘klug, weise, sorgfältig’
dar zuo gehœret gar ein behender vlîz Eckh
5: 276,3;
Tauler
17,4;
dú warest, dú nútzest, dú behendest ler, dú dir in aller der schrift mag
werden Seuse
288,9;
manche dunken sich / so clug und so behende TvKulm
4953;
in diner gotheit behende / hastu so der menschen ende / gesatzt Hiob
5351.
9455;
WernhMl
1472;
BdN
238,25
3
‘angemessen, geeignet, bequem’
sô haben wir hie zehant / vil schœnez îsengewant, / beidiu behende unde guot
Er
591;
hacken unde steine / wârn in darzuo [zum Aufbrechen der
Kisten] behende Ottok
29358
4
‘dünn, fein, zart’
diu stimm ist ain behender [
tenuissimus
] luft, geslagen oder geprochen zwischen zwain herten leibhaftigen
dingen BdN
15,25;
die frawen habent auch kleineu haupt, behend häls und behend
antlütz ebd.
52,20;
daz kraut ist behend [
est tenera
] und gibt von ainer wurz vil langer est ebd.
383,11;
KvMSph
8,10
MWB 1 511,50; Bearbeiter: Schnell
behende
Adv.
→
behanden
MWB 1 512,11;
behendec
Adj.
‘geschickt’ oder ‘eilfertig’ (?):
doch ist sie [eine Frau] behende [Hs.
behendec
] / an venstern, an glassen. / luogen in die gazzen Helbl
1,1292
MWB 1 512,12; Bearbeiter: Schnell |