beginne
stN.
→
begin
stN.
MWB 1 485,43;
beginnen
stswV.
(IIIa mit st. und sw. Prät.)
‘beginnen, anfangen’
1 überw. mit einfachem Inf.; oft umschreibend 2 mit Obj. 2.1 mit Gen.d.S. 2.2 mit Gen.d.S. und Dat.d.P. (zur Paraphrase von lat. creare , vgl. Freytag, SuTheol., S. 146) 2.3 mit Akk.d.S. 2.4 mit abh. Satz 3 intr. 4 refl.
1
überw. mit einfachem Inf.; oft umschreibend:
an den stunden ruofen si begunden AvaLJ
144,1;
swâ daz fleisch beginnet fûlen oder tôten Barth
141,3;
sus begunden si sich under in / slahen unde morden starke
Tr
442;
Eracl
398;
HimmlJer
1.
– Inf. mit ze:
do begunde sic [sich] das wazzer cze
minneren vber cehenzic vnd funfczig tage Konr
1,39;
ze vrâgen er begunde Parz
29,30;
da begund die frauw erbermclich zu weynen Lanc
17,24;
BdN
172,32.
– Gerundium mit ze (häufig bei Mechth ):
dú italkeit ist dú erste súnde, dú den menschen beginnet ze
jagende von gotte Mechth
5: 19,5;
und si [die Seele] beginnet ze
vliessende von herzeklicher liebi ebd.
6: 1,138.
6:13,8
u.ö.
2
mit Obj.
2.1
mit Gen.d.S.:
in sines namen minne / so beginne wir dises liedes
HimmlJer
17;
dô sî der vart begunde Iw
7945;
wan beginnet ir der spil NibB
471,1;
do des strîtes wart begunnen Parz
689,7;
eines liedes wil ich beginnen Wernh
1;
SM:Gl
1:10,7.
– in der Wendung: klage
~
‘Klage erheben, einleiten’
wie her der klage beginnen suͦle UrkCorp (WMU)
51,32
2.2
mit Gen.d.S. und Dat.d.P. (zur Paraphrase von lat. creare, vgl.
Freytag, SuTheol., S. 146):
der du gnad ist, der hat avir
bigunnin [erschlossen] / unsirmo herzin einis
brunnin SuTheol
249;
duo habet er ime
begunnen [erschaffen] / der ougen von der sunnen
VEzzo
49
2.3
mit Akk.d.S.:
hier begin ih einna reda umbe diu tier, waz siu gesliho
bezehinen ÄPhys
1,1;
jâ, der ez et begünde, / der suohte, unz er mich vünde
Tr
19523;
den bv, den si zu Alsnac uppe deme berge hatte begunnen
UrkCorp (WMU)
44,22;
Mechth
4:28,3
2.4
mit abh. Satz:
si heten begunnen, das si in dem lobe des almehten gotes
zallen czeiten wæren Konr
16,35
3
intr.:
hie beginnet daz arzinboͮch Ypocrotis Ipocr
3;
in nomine domini, ich wil beginnen, sprechent âmen Walth
31,33;
achzen huben, die beginnen, do sich die nesten huben von der stat enden
UrkCorp (WMU)
777,1.
93,6;
Eracl
2816
4
refl.:
von gote sî verwâzen / diu ungnædige stunde / an der sich êrste begunde / diu
vil swære gewonheit ZwBüchl
8;
vervluochet sei diu ere / vnd der sælden stunde, / dar an sich begunde / meins
vater sælicheit Krone
378;
die kuͤnstigen tag [Lichttage]
beginnent sich an der sunnen aufgank [...] und enden sich
an der sunnen underval KvMSph
41,4
MWB 1 485,44; Bearbeiter: Schnell
beginnunge
stF.
‘Anfang, Beginn, Ursache’
wan her di beginnunge des êwangêlischen beginnes ist lêrinde EvBeh
71.
7;
minne vil süeze beginnunge hât / und dunket an dem anevange guot
MF:Berng
3:2,5
MWB 1 486,29; Bearbeiter: Schnell
beginsel
stN.
‘Beginn’
oich spricht men, het sy bescheydenheit / de dbeghynsel weder steit
[die dem Beginn (von Amors Eroberung) widersteht]
MinneR 496
292
MWB 1 486,34; Bearbeiter: Schnell
beginst
stF.
‘Anfang, Ursprung’
die dri [die Trinität] ein wesen umbekreißt, /
unspeldig, ewig, an beginst MügelnKranz
2173;
ich disputieren kan / von aller hande kunst beginst ebd.
259;
o wiser rat [...] / ursache aller sache bist, /
beginst, du mittel, ende PvReichenb
2:7,14
MWB 1 486,38; Bearbeiter: Schnell
beginstnisse
stF.
‘Anfang, Ursprung’
got [...] / aller menschen geburt hat er / geformet
unde hat gewis / vunden der dinge beginstnis Macc
8894;
an deme beginstnisse der [...] reyse MarcoPolo
75,2
MWB 1 486,44; Bearbeiter: Schnell
begir
stFN.
auch beger.
‘Bedürfnis, Verlangen’
– bezogen auf natürliche Bedürfnisse:
ez benimt den lust ze ezzen und die begir der unkäusch
BdN
416,22;
WernhMl
329.
– bezogen auf einen Wunsch, ein inneres Streben:
do er den apfel ir / gap nach ir hertzen gir [La.
begir
] , / den diu schœnst solt enpfan JvKonstanz
752;
hebe vf din bette vnd nach begir / gewander hin, war wollest du
EvStPaul
11653;
durch des lernins beger / wart he ein discipuler PfzdHech
170,30;
KvHelmsd
4385
MWB 1 486,49; Bearbeiterin: Baumgarte
begirde
stF.
auch begerde.
‘Verlangen, Begierde’
– bezogen auf natürliche Bedürfnisse:
die tzaichen des guetenn magens sint: ring des leibes,
klarhait der verstanndenhait, guet wegirde des essenns HvHürnh
28,15.
39,8.
3,1.
– negativ gewertet ‘Begierde, Habgier’ und wohl auch allgemeiner
‘Laster, Schwäche’
man sol die begirde des flaͤzsches niht volpringen
SpitEich
39,38;
swer richeit also meinet, daz er dar nach gewinnet solch begerde, / dem tuͦt
sich uf diu erde JTit
6175,2;
Lanc
18,16;
Tauler
407,18;
meilmut komt von begirden Frl
7:18,13;
Krone
25911;
dem positiven, terminologisierten Gebrauch der myst. Lit. (
DvAStaff , Eckh , Seuse )
gegenüberstellend:
wenn ich red von der begirde, / so betracht ich weltlich wirde / und tracht
nit ze himelrich Teichn
590,1.
– bezogen auf ein inneres Streben oder einen heftigen Wunsch:
vnde dv́ andaht [...] wirt niht worte
bedv́rfende, noch mit worten enmag si begrifen ir herzen begirde, vnde allein mit
svftenne vnd mit gervnge vͤbit si sich DvAStaff
188
u.ö.;
wand alliu sîn begirde / stuont nâch zweier hande lob Ottok
94591;
Pylatus [...] erteilte, das ir [des
Volkes] begirt beschehe und lies in den, den si da begerten
EvPass
242,6;
HvHürnh
6,2.
–
beteliche ~
‘Ersuchen’
dz wir uns neigen genedencliche gegen der betliche begirde, div vns lobt und
impfilt vzgenoͤmelich getruwer dienst mit steten willen UrkCorp (WMU)
574,38
u.ö.
MWB 1 486,60; Bearbeiterin: Baumgarte
begirdeclîche
Adv.
‘aus innerem Antrieb, mit Eifer’
dú frowe zoch das kint allain / an ieren brústen wirdeklich, / mit trúwen gar
begirdeklich, / alse ir tugende wol gezam WernhMl
572
MWB 1 487,25; Bearbeiterin: Baumgarte
begirden
swV.
‘verlangen, wünschen’
ir sinne des begirdent / daz si iuch gern sæhen WhvÖst
7194.
– Part.-Adj. ‘auf etw. ausgerichtet’
von einem willen, der geherzigot vnd begirdot ist geistlich RvBib
21,5
MWB 1 487,29; Bearbeiterin: Baumgarte
begirec
Adj.
1
‘begierig, verlangend’
2
‘begehrenswert, erstrebenswert’
1
‘begierig, verlangend’
sus zogten si gæn Solia: uf der suͤzzen Minne sla / begiric was ir hertz
WhvÖst
15529;
der da fur mocht der enbeit des hindersten nit, so begirig
waren sie zu striten Lanc
236,20;
dar usz sulent ir trincken [...] in ewer begirigs
hertz das feur der minen HvNördlBrf
43,81
2
‘begehrenswert, erstrebenswert’
der mensche nême abe von allen dingen daz grobeste unde nême sie nâch dem unde
sie lustic unde begiric sint Eckh (Pf)
199,35
MWB 1 487,34; Bearbeiterin: Baumgarte
begirecheit
stF.
‘Gier’
wenn auch die begirikhait chostleicher speis waͤr alz vͤber maz,
[...]daz waͤr ein totsuͤnd RechtssA
F36,30.
– personif. ‘Habgier’
Begyrikeit bin ich genant / umb das ich eins andern guds begern zu hant
Pilgerf
9439.
9437
MWB 1 487,44; Bearbeiterin: Baumgarte
begirlich
Adj., Adv.
auch begerlich.
1
‘begehrenswert, erstrebenswert’
2
‘begehrend, verlangend, strebend’
1
‘begehrenswert, erstrebenswert’
ein schaz begerlich ze aller stunde / ruowet in wîser liute munde
Renner
17727;
daz gebot schînet swære, und der lôn ist begirlich Eckh
1:67,10;
HvHürnh
2,4;
Seuse
50,29.
– in Anrufungen:
du begirlicher bist komen / und haist úns laides vil genomen
WernhMl
11707;
ô begerlîchiu maget / sunder sünden dorn bedaget WvRh
14643
2
‘begehrend, verlangend, strebend’
des keisers wille gienc do vor / und sin begerlichez manen Pass III
271,85.
25,18;
allen begirlichen menschen die gerne zuͦ irme besten kement Tauler
123,12;
Eckh
5:273,7
u.ö.
–
begirlichiu craft/maht als Terminus:
zum dritten mal muͦsz man kommen über all begerung und über die begerliche
kraft [
concupiscibilis vis/potentia, vgl.
Anm.z.St.]
Seuse
522,23;
ThvASu
148,16.
186,29.
30;
ein getat der begerlicher maht ebd.
146,5
MWB 1 487,49; Bearbeiterin: Baumgarte
begirlîche
stF.
hier begerliche.
‘Verlangen, Streben’
aber volkomen, daz hat ein rede der begerlichi unde des guotes [
perfectum vero habet rationem appetibilis et boni
]
ThvASu
234,18.
162,9
MWB 1 488,3; Bearbeiterin: Baumgarte
begirlicheit
stF.
hier begerlicheit.
‘Begehren, Verlangen, Streben’
nicht in der brunst liblicher geluste unde begerlichkeit, sundirn in elicher
kuschlicher zuchtikeit Köditz
27,32.
28,23;
Teichn
590,5;
waz ist schonde? / ein schickunge der naturlichkeit, / ein menschliche
begerlichkeit [
humana concupiscentia
] , / einer korten zit gestalt, / ein blume di do nicht wert alt
Secundus
434.
–
dar umbe behöret die begirde zu der begerlicheit, aber der gedinge behörent
zuo der zornlicheit ThvASu
164,1.
166,19
MWB 1 488,7; Bearbeiterin: Baumgarte
begirn
swV.
→
begërn
MWB 1 488,18;
begirunge
stF.
→
begërunge
MWB 1 488,19;
begister, begisterz
stM.
‘Bachstelze’ (vgl. AWB 1,838; s.a. lister):
sepicecula: begisterz SummHeinr
1:166,753;
sepicecula: begister ebd.
2:66,269
MWB 1 488,20; Bearbeiterin: Baumgarte
beglenzen
swV.
‘jmdn./etw. bescheinen, bestrahlen’
sâ welch herze oder mût / mac bevân di wunne, / dâ sô manige sunne / dîn
gotlîch schîn beglenzet NvJerAdalb
31
MWB 1 488,23; Bearbeiter: Schnell
beglîmen
stV.
‘jmdn./etw. beleuchten, bescheinen’
alliz daz der himel hat bebreit / [...] / unde di
sunne beschinet / unde di mænin beglimet, / daz hat er alliz vbirmessen Glaub
118;
Parad
23,7
MWB 1 488,27; Bearbeiter: Schnell
beglîmunge
stF.
‘Beleuchtung’
der andere tac ist ein begliminde beglimunge gotlichis furis Parad
23,7
MWB 1 488,31; Bearbeiter: Schnell
beglîten
stV.
‘ausgleiten’
swelich sele dar vf [auf die glatte Brücke] quam,
die da vnreinicliche gelebt hatte, die begleit immer da PrLpz(L)
65,5.
–
in den stric
~
‘in die Schlinge geraten’
daz der in den stric begleit, / der in eime andern hette
geleit Herb
16018
MWB 1 488,34; Bearbeiter: Schnell
beglûmen
swV.
‘jmdn. täuschen, hinters Licht führen’
mit alsulchim schricke / beglûmte er sô dicke / dî Littouwin hî und dort
NvJer
20375;
vil man ir ouch von dannen trûc, / dî in den tôt wârin wunt; / und dô sî alsô
drîstunt / dî Prûzin î beglûmetin, / nicht sî iz dennoch rûmetin ebd.
12589.
7350
MWB 1 488,40; Bearbeiter: Schnell
begnâden
swV.
1
‘jmdm. Gnade erweisen, seine Schuld erlassen, jmdn. von Sünden erlösen’ (mit Akk.d.P.) 2 rechtl. Gebrauch 2.1
‘jmdn./etw. (eine Stadt) (mit einem Privileg) ausstatten, beschenken’
2.2
‘jmdn. (von einer Abgabe) befreien’
1
‘jmdm. Gnade erweisen, seine Schuld erlassen, jmdn. von Sünden erlösen’ (mit
Akk.d.P.):
warer got, begnade mich, min súnde sint mir werlichen leit!
Mechth
3: 21,105;
er hat uns begnadet in sinen geminten sun [Eph 1,1]
ThvASu
64,33;
des bitt ich uch, frau, das ir mich darumb begnadent und
nement besserung wie ir selber wollent Lanc
292,8;
PrOberalt
79,19;
Seuse
375,12;
HeslApk
862.
– Part.-Adj. ‘durch Gottes Gnade ausgezeichnet’
dis sint etteliche andehtige guͦte bredien des erlúhteten begnodeten lerers
bruͦder Iohans Tauwelers Tauler
7,2;
mit der begnater craft [
virtute gratuita
]
ThvASu
194,19;
die begnadete tugent [
virtus gratuita
]
Gnadenl
3:O1,332
2
rechtl. Gebrauch
2.1
‘jmdn./etw. (eine Stadt) (mit einem Privileg) ausstatten, beschenken’
wan wir vnd vnser erben van vnserm gnædigen herren apt Fridereichen
[...] nach des landes reht mit einem weinzehent ze
Perchtolstoͤrf sein begnadet UrkCorp (WMU)
996,8;
da begnate uns unser herre kunch Ruͦdolf mit unde bechante
uns unserr raehte StRAugsb
1,19;
der kobil [Stuten] milch trynkit nymant me wen
der groze chaam, ane eyn volk das ist sundirlich begenodit von Cyngius
MarcoPolo
21,8
2.2
‘jmdn. (von einer Abgabe) befreien’
unde sal och eini marc gebi an die stad, daz min su
[auf dass man sie] miti gibezziri. wollin su un
abir an ichti bignade, daz mugin su tu Mühlh
163,1.
162,21
MWB 1 488,47; Bearbeiter: Schnell
begnâdunge
stF.
1
‘Gnadenerweis’ (Gottes) 2
‘Schenkung, Privilegierung’
1
‘Gnadenerweis’ (Gottes):
als einem ellichen [jeglichen] beginne der
begnadunge in der menschlicher naturen ThvASu
64,31;
die eine [Anfechtung] driben ich an sine beduronge
[Erbarmen] , / die ander vor sine konniglich
begnadonge Pilgerf
12631
2
‘Schenkung, Privilegierung’
alle guttere vnde lehen, dye von dem reiche zcu lehen rurin
[...], mage der orde an fordir irholunge
[ohne weitere Anfechtung] von sulchir begnadung wegin
an alle beswerung jn fryher eygenschafft behaldin UrkCorp (WMU)
222AB,8
MWB 1 489,12; Bearbeiter: Schnell |