b – bachhelling bächîn – backwërc bacolôn – badestubære badestube – balde baldecheit – balmunden balmunt – balsamtrôn balsamtropfe – ban, bane 1ban – banekîe banël – bänkelîn banken – bantac bant|âder – banzins banzûn – bârbrët 1barc – bârkleit barkorn – barmhërzeclîche barmhërzege – barten bartenære – base Baseler, Basler – bate bate, pate – bearbeiten bearren – bechersamenære becherweide – beckenknëht beckenkol – bedancheit bedarf (?) – bedingen bedirmen – bedrangen, bedrengen bedrât – begâben begâbunge – begelimpfen begenagen – begin begîne – beglîmen beglîmunge – begrîflich begrîflîcheit – behaft behaftec – behaltunge behandeln – beheimsuochen beheiʒen – behern behêrren – behoven behten – behuoflich behuoren – beie beie – beinîn beinîsen – beiʒe 1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit bekantnisse, bekentnisse – bekerzen bekicken – beklipfen beklocken (?) – bekorunge bekorungnisse – beküelen bekumberhaft – belæren belasten – belîbelich belîben – belônære belônen – bemaln bemangen – bemurmeln bemüseln – benedîunge benediz – bennen bennige – bequâme bequæme – bërc|êrîn bërcgar – bërcphenninc bërcrëht – beredenunge beredet – 1berennen 2berennen – bërhtnaht berhtram – berillîn berîmeln – bërlich bërlîn – bernisch bërnklâ – bêrswîn bertenære – beruofære beruofen – besamentlîchen besamenunge – beschatzære beschatzen – beschemen beschemenisse – beschînen beschirm – beschouwunge beschremen – besebelicheit beseben – besetzunge besëʒ – besîtes besitzære – beslîʒen besloʒ – besnöuwen besnüeren – besprëchære besprëchen – beste bestëchen – bestiure bestiuren – bestürzen bestutten – besuochnisse besuochunge – bët betagen – bëtelære bëtelærinne – bëtemësse betemmen – bëtewîn bëtewîp – betrahtegen betrahten – betrogenlich betrônen – betrûren betrûrigen – bettemunt betten – betûchen betüemen – betwungenheit betwungenlich – bevellicheit bevern – bevliehen bevlieʒen – bevür bevürhten – bewærnüsse bewarsam – bewëlgen bewëllen – bewindeln bewinden – bezâfen bezaln – beziln bezimbern – beʒʒer beʒʒerære – bî bestân bîbilde – bíderben, bedérben biderbenen, bederbenen – bîenkar bîenswarm – bieʒenblat bieʒenkrût – bîhtât bîht(e) – bilchmûs bildære – bildoht bildunge – bilsensaf bilsensâme – bineʒ binide – birden bir(e) – birnwîn birsære – bischolf bî schrîben – bî slâfen bî|slëht – bît bitære – bittern bitternis – biurlîn biuschen – bîvilde bîvilden – bîzeichenen bî zëmen – blahsen 1blæjen – blâsehorn blæselîn – blatengîr blatenrinc – blëchhantschuoch blëchrinc – bleichvëlt blende – blîche blîchen – blîkloz blîkolbe – bliuclich bliuge – blôdern blotschen – blüemunge blüetebërnde – bluomental bluomenvar – bluotgieʒen bluotgieʒende – bluotstürzunge bluotsûgende – bobenthalben boc – bogelîn bogen – 2bolle bollen – 3bor bor-, enbor- – (borliep,) enborliep bormære – bortengewant bortiure – bote botech – bou bouc – boummate boum|öle – bôʒwurz brâ – brâ|hâr bræhen – brantlich brantreite – brâwelîn bræwen – brëhenen brëhentac – brenken brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche brëtsnîdære – brieschen brievære – brionie brîsære – briulêhen briumeister – briuwe briuwe – brohsen bronie – brôthalle brôtheit – bruch bruch – bruckenambet bruckenære, bruggenære – brüeterîn brügel – brünnære brunne – brünselbërc brünseln – bruoderhûs bruoderkint – brust brust – brûtdëgen brûtdrüʒʒel – brûtsanc brûtschaft – buckel buckelære – büellîn büeʒære – buhsboum bühse – bûlslac bulzen – buoben buobengâbe – buochisch buochkamere – buoliân buollîn – buppe bur – burcgrâvenambet burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen burcmeisterschaft – burcstal burcstat – bürde bürdelîn – burgergemeine bûr|gerihte – Burgunder Burgunjoys – bursenære bursît – büschelîn buschoff – bütelin bûtelîn – bûvëlt bûvisch – buʒʒel
|
bunt
stM.
1
‘etw. zum Binden’
1.1 eigentl. 1.2 übertr. ‘Fessel, Zwang, Gewalt, Macht’
2
‘Art des Einwickelns’
3
‘Verknüpftes, Verbundenes, Bündel’ , bildl. 4
‘Bürde, Last’
5
‘Bindung, Verbindung, Vereinigung’
5.1 allgemein 5.2
‘Verbindung der Steine in der Mauer’
5.3 (Würfelbrettspiel:) ‘Vereinigung von zwei oder mehreren Steinen auf
einem Feld’ (eine vor gegnerischem Schlag sichere Stellung, vgl.
DWB 2,517 und buf
2 ) 5.4
‘Verpflichtung, Vertrag, Vereinbarung; Bündnis’ (s.a. DRW 2,566f. mit weiteren Belegen) 6
‘Verschlossenes, Geheimnis, Rätsel’
1
‘etw. zum Binden’
1.1
eigentl.:
–
‘Verband einer Wunde’
deheines arzâtes bunt, / swie rehte wol er binde, / mirn frumet niht
HartmKlage
1815.
–
‘Band, Fessel’
der punt [
des schildes, die
Schildfessel] was durch den spitz getzogen Suchenw
3,132
1.2
übertr. ‘Fessel, Zwang, Gewalt, Macht’
unde wil got den menschen villen / unde [...] mit
suͤche en beguzet, / nymant ist der [...] tu en
gesunt / der suche widir gotis bunt Hiob
4660;
er [Gott] ist uß bunde der
naturen fri Mügeln
4,2.
289,8;
Pilatum nam des wunder / daz Jesus [...] dâ stûnt
/ ûf des letzten urteils punt / zû sterben und ze leben / und wolde im doch
nicht geben / antwort gên der vrâge sîn JvFrst
7652.
–
bunt der minne, minnen bunt:
mich bant der minne bunt SM:Had
13: 2,9;
daz ist warer minnen bunt, / wenne kus ist vrunde
zeichen HeslApk
4366;
och schaffet dik der minne punt / das vil zits glich wirt als ain
stund KvHelmsd
3221;
HeidinII
1144.
–
bunt der helle, des tiuvels, der sünden, des tôdes:
diu kerge schuof den êrsten mort, der manigen brâht
hât in der helle bünde SM:JvR
1: 15,13;
so vergeit in got ir suͤnd / und chuͤmpt iͤr
vreunt auz dez teufels pund Teichn
90,30;
in den bunden / der houbethaften sunden / gebunden
HeslApk
4465;
Mügeln
369,5;
wan vur in [Christus] erstûnden / von des
tôdes punden / di tôten di erkucket heten / vor langer zît di prophêten
JvFrst
10345;
Mügeln
168,3.
–
sloz und bunt u.ä.:
sit dv [Gott] bist sloz vnd bvnt / der
tieff, der breit ein selden port, / der svͥnde ein heil, der sele
hort TürlArabel
*A 2,14;
di hie ir trewͮ prechen / an der minne, den werd chunt / der
schanden sloz und auch ir punt: / all rain vrawn sein im gehaz!
Suchenw
24,297.
–
‘Heilkraft’
di salbe sal habin den bunt / daz si mache gesunt PfzdHech
318,37.
– eher umschreibend:
ich weiz wol daz du
[Christus] gotes kint / bist an alles zwifels
bont HvNstGZ
3433;
er bolt [= wolt
] nymmer sunten /
und nur puezzen in staeten punten Teichn
150,16.
–
‘bindende, zwingende Beweiskraft (einer Rede, eines
Arguments)’
wan vol ist myns herzen munt / rede, di hat craft unde bunt
Hiob
12126;
damit bewiset offenbar / ist, das nature nam ir nar / uß gotes tugent
[...]. / die red und ouch der rede bunt / macht
keisern, künigen, fürsten kunt [...], / das die
natur ist gar ein troum, / wo sie nicht fürt der tugent zoum
MügelnKranz
2273;
von der wîsen rede punt / di si von im
[Jesus] hôrten / ûz der schrift bewêrten
worten JvFrst
8686
2
‘Art des Einwickelns’
Nicodemus ouch dar kam, / [...] und bewante in
[den Leichnam Christi] an der stunde / mit dem lînîn
nâch dem punde / als di juden phlâgen JvFrst
11202
3
‘Verknüpftes, Verbundenes, Bündel’, bildl.:
drivalt inein gedrungen unde einlich indriu geflohten / bist
dû: der stric hât allen sin werlichen übervohten; / nie gedanke mohten / gebrechen
in die bünde sîn KvWLd
32,8;
durch tagalt wolte ich gerne / mit einer schiehen hinden / schalclîchez rîten
lerne, / diu schalkes bünde kunde wol verbinden / und ouch der widerloike meister
wære Hadam
491,4;
ich han ungelukches pund / oder dez gelukches hauffen
Teichn
443,4;
der selige Job geziret, / mit tugenden durch floriret
[...]. / [...] Job, der
tugende bunt Hiob
273
4
‘Bürde, Last’
hât iemen sorgen swæren bunt, / den trûric muot bestricket hât, / der strîche
wîplîch güete dar Winsb
15,7;
ich han einen swaͤren punt / der mir aller hertist leit, / daz ich
nicht wizzen chan die zeit, / wann mich der tod greiffet an Teichn
20,4;
zu welchir zit der sunder / irsufzit in herzen ger / leidende groze sunde, /
bichtende ire bunde, / alzuhant er werden sol / ledic siner sunden
mol [= mâl
]
Daniel
5678;
Hiob
5127;
Teichn
383,52
5
‘Bindung, Verbindung, Vereinigung’
5.1
allgemein:
er wart für uns geletzet / dô er am kriuze wart verwunt. /
lop habe der drîer bunt KLD:Kzl
2: 16,19;
eine persône hete Christ / in zweir natûre punde JvFrst
9259;
merket dise bünde [die feste Verbindung von tugent
und maze
]
Frl
5:90,11;
[eine Rippe] die nie entsloz den ersten bunt
[verwendete Gott für die Erschaffung der Frau; gemeint: die
Bindung der Frau an den Mann hat nie aufgehört (FrlWB)]
ebd.
8:20,5
5.2
‘Verbindung der Steine in der Mauer’
des gezimt wol der stein [der siebte Edelstein
krisolitus
]
[...] in
dem tiefen vullemunde [der Himmelsstadt, vgl. Apc
21,19f.] , / wen her heldet wol zu bunde / daz werk daz her
heldet, / daz iz nicht enspeldet HeslApk
21864;
daz ieslich quader sinen bunt / ober ein mochte wol halden ebd.
22032;
wie ho ein man sin zimmer richt, / an [=
âne
] künste bunt doch muß es fallen nider
Mügeln
1,10
5.3
(Würfelbrettspiel:) ‘Vereinigung von zwei oder mehreren Steinen auf
einem Feld’ (eine vor gegnerischem Schlag sichere Stellung, vgl.
DWB 2,517 und buf
2):
swenne ichz ie mê verbieten [den Gegner
überbieten] wil, sô sul ich nemen der bünde war
WernhSpr
65,12
(vgl. Anm. z.St.);
Aristôtiles was kunt / diu mære von dem agetstein
[...]: / des gwan er beide wurf und ouch den punt /
vor aller pfaffheit Wartb(S)
163,3;
daz êrste spil ist buf genant; / daz flôr der prinze, er brach die bunde
sâ zehant; / des gab er leben unde lant KLD:Schulm
1:2,5.
– übertr.:
sist [
si sc. div vil ewige
sicherheit (die dritte der fünfzehn himmlischen
Speisen)] fri vor valscher lage. / si hat wurf vnde bunt,
/ vnstetekeit ist ir vnkvnt Martina
261,45;
du haltest ein verlornes spil, / din bunde sint zertrennet, / du
kriegest unreht, wann din gespil / die warheit baz erkennet
HeinzelJoh
21,2
5.4
‘Verpflichtung, Vertrag, Vereinbarung; Bündnis’ (s.a. DRW
2,566f. mit weiteren Belegen):
daz si di sættz vnd di bvnde alle stæte halten UrkCorp (WMU)
482,43;
swelhes bundes od swelhes gelubes min herr, bischof Gotfrid, mit mir
ennain wirdet ebd.
573,27;
dâvon er im müest tuon / zuo der selben stunt / etlicher gelubde bunt
Ottok
40968;
du solt Tarsiam schone han, / und setz ir auff disen
punt: / ‘er gebe goldes ain pfundt / wer ir den magtum well nemen!’
HvNstAp
15630;
er gab dem fride ainen punt / und kußt sy an iren roten
mund. / aller erst ward der frid gantz ebd.
5823;
wie Cristus und die kirche stan / in kuntschaft nach des
rechtes bund Mügeln
89,8
6
‘Verschlossenes, Geheimnis, Rätsel’
das word ist got in allen seinen pünden, / das ewig word kan niemant hie
durchgründen. / war got, das ist das ewig word, / der sin, der ist verslossen
FrlSuppl
10:203,16;
Clingesor, der âventiure bunt / mache den vrouwen und dem Dürgenherren kunt /
und sage in, waz sie hiez der ritter [Subj.] mîden, / wan
der âventiure grunt daz mîden gar besliuzet Loheng
2274;
daz ist auch der worhait ploz. / si hat nyndert chainen punt, / si stet dem
menschen vor dem munt Teichn
330,65.
–
‘Rätsellied’
beid still und auch gar lisen / sliess ich üch uff hie disen bunt, / hie
wirt üch kunt / gesanges grunt / in siben künst geleit FrlSuppl
8:214,18
(vgl. Anm. z.St.).
– unklar, ob hierher (vgl. DWB 2,517):
land euch den bunt / dez rehten meres [
=
mæres
] kuͤnden HeinzelJoh
18,5;
hie hebt alrerst dez meres bunt ebd.
41,1
MWB 1 1097,59; Bearbeiter: Tao
bunt
stN.
s.a.
bunt
Adj.
ein kostbares Pelzwerk, häufig in der Verbindung grâ und bunt.
„Als grâ oder grâwerc werden die Felle vom Rücken des
grauen Eichhörnchens bezeichnet; die weißen, mit dunklen Rändern gesäumten
Bauchfelle des Tieres heißen bunt oder buntwerc”
(Brüggen, Kleidung, S. 60 mit Belegsammlung Anm. 166):
si trûgen grâ unde bunt SAlex
6069;
Serv
137;
dô gap man sînen degenen ze kleidern grâ unde bunt
NibB
59,4;
Kudr
156,2;
KarlGalie
13530;
MorantGalie
399.
–
grâ, härmîn unde bunt u.ä.:
ouch was dâ gereit / wol drîer hande cleit, / grâ, härmîn,
unde bunt Iw
2193;
Wig
1703.
9077;
Eracl
1952;
ouch kouften si dâ / bunt, hermîn unde grâ Ottok
73106
u.ö.
–
vêhe unde bunt:
ein bette [...], / dâ man grôze rîcheit sach: / mit
samît überdecket, / [...] dar obe lac vêch unde bunt
Schlegel
692.
– zusammen mit hermelîn genannt:
die ermel werdent underzogen / mit hermelîn und mit bunt Ottok
25280;
guetter chlaider tausent par, / die under czogen wern gar / mit hermel und mit
punden Seifrit
2727;
dusent vederen de warent bunt / ind dusent de warent hermelin KarlGalie
8260.
– zusammen mit phellel, samît, ziklât etc. genannt:
phellil unt bunt LAntichr
335;
vil guotiu kleider hêtens an / von bunt und von samîte
Wig
7301;
ciglat, purper, samit, punt, timit, rosat, palkin JTit
1451,2;
HvNstAp
5899
MWB 1 1100,10; Bearbeiter: Tao
buntbrief
stM.
‘Vertrags-, Bündnisurkunde’
ouch hant die von Basel, von Costentz, von Zu̍rich
[...] in dirre gelu̍bde und buntnu̍sse in
selben us behebt ir erren eide und buntnu̍sse nach den gelu̍bden als
ir erren buntbrieve stant ane alle geverde UrkBasel
4:107,21
(a. 1333)
MWB 1 1100,38; Bearbeiter: Tao
buntgevar
Adj.
wie
bunt
Adj. 1, vgl.
buntvar
:
aldâ der heiden [
Feirefîz
] bunt gevar /
saz Parz
764,14
MWB 1 1100,44; Bearbeiter: Tao
büntnisse
stFN.
‘Vertrag, Abmachung’
daz ich mich vnd all mein erben der vorgeschriben puntnuͤsse han
verpunden UrkCorp (WMU)
2169,29,26;
das sú stet habin die buntnuse, die wir dauor getan habin fur vns vnd fur
vnser nachkomen UrkHohenz
1,110
(a. 1301 kopial);
daz auch di vorgenant suͦn, richtigung, tæding und puͤntnuzze,
di zwischen uns gemachet sint stæt [...] beleiben
MGHConst
5:232,37
(a. 1315).
–
‘Bündnis’(?):
ich rât ouch sî [sc. wercman
]
[...] sich des sunderlîch bewarn, / daz sî dhein büntnuss
under in / iht stiften, wan ir ungewin / und ouch der stat sich dâ von mêrt
HvBer
9618.
– weitere Belege s. DRW 2,571
MWB 1 1100,46; Bearbeiter: Tao
buntschuoch
stM.
‘ Schuh aus Leder, der mit einem Band zugebunden wird’ (vgl.
LexMA 7,1573f.; Heyne, Hausaltertümer 3,285):
ob da inder von einem bockvelle / si ein alter bvntschvͦch?
FabelCorp
37,201;
zwen rindrin buntschuoch Bauernh
427;
zwên rôte buntschuoche, / die man mit riemen swinde / im zuo den beinen binde
Ottok
20021;
swer affen und tôren welle jagen, / der sol sich warnen buntschuoch
Quodlibet(W)
1156,22.
– feinerem Schuhwerk gegenübergestellt:
phui, daz er verwâzen sî, / er gemachter dienstman! ─ / niht baz ich in ahten
kan [...] als bî stivaln buntschuoch Helbl
4,782.
– als Bestandteil von Personennamen:
F. Davm der Puntschvch UrkCorp (WMU)
349,35
MWB 1 1100,60; Bearbeiter: Tao
buntvar
Adj.
‘mehr-, vielfarbig’
amandinus ist ain stain, der ist puntvar oder vêchvar, alsô
daz er mangiverbig ist BdN
435,29
MWB 1 1101,11; Bearbeiter: Tao
buntwërc
stN.
‘gestreiftes Pelzwerk’ (s.a.
bunt
stN.):
zu hand des andern morgens vrû / legtin an sich die helede / manchin purpur
schône und edele, / beide buntwerg und hermîn / mit breitin lîsten zobelîn, / in
gesniten ze gewande Eilh(L)
2067;
dy ediln Tartirn und di richin di tragin sidin gewant und guldin tuch,
gevutirt mit vuchsin balgin odir mit buntwerke odir mit hamstern odir mit zoblin
MarcoPolo
17,19.
25,11.
74,11
MWB 1 1101,14; Bearbeiter: Tao
buobe
swM.
1
‘Knecht, Diener (für niedere Tätigkeiten)’ (Knappe,
Trossknecht, Hofdiener, Kriegsknecht, Tagelöhner, Marterknecht), z. T. mit
verächtlichem Nebensinn und in 3 übergehend 2 unter Zeugnisunfähigen (neben Kindern, Frauen, Wahnsinnigen, Meineidigen etc.) genannt, unklar, ob wegen Nicht-Volljährigkeit, Unfreiheit oder schlechtem Leumund 3
‘zuchtloser, ehrloser Mensch’
3.1 allgemein 3.2
‘Übeltäter, Bösewicht’
3.3
‘Fahrender, Spielmann’
3.4
‘jmd., der an einem Glücksspiel teilnimmt, Spieler’
3.5 als Schimpfwort 4 in Vergleichen zum Ausdruck eines elenden, erbärmlichen Zustandes, Anblicks 5 Schachfigur, Name des achten Bauern bei Heinrich von Beringen
1
‘Knecht, Diener (für niedere Tätigkeiten)’ (Knappe,
Trossknecht, Hofdiener, Kriegsknecht, Tagelöhner, Marterknecht), z. T. mit
verächtlichem Nebensinn und in 3 übergehend:
der köche, küchenknechte, / buoben und garzûne / und swaz dâ pedûne / in
beiden hoven mochte sîn, / des küniges und der künigîn HvFreibTr
4355;
schiltkneht unde buoben Ottok
11435;
die hofschelk daz gar hart muot: / puoben und schintvessel /
[...] triben in vor dem tisch entwer MüOsw
3320;
pei dem
tier [
mertracken
] verstên ich die pœsen
puoben und die verræter und die ungetrewen schintvezzel BdN
235,9;
den graben sach man si fullen ─ / des hulfen in die buoben ─ / daz man über
die gruoben / ân geruste gie Ottok
10922;
dô wart der ellenthaft [König
Ottokar]
[...] den buoben ze teil. / die
machten in blôz unde bar, / wand si zugen im ab gar / harnasch unde kleider ebd.
16710;
WhvÖst
18084;
mit ganzer volleiste / hânt buoben burgerlîchen schîn / burger die went ritter
sîn, / ritter die hânt herren namen Reinfr
26907;
item das ain yeder pueb ist pflichtig ze gien vor den oxen vnd wägen in der
stat ze Trint vnd sol die hant haben auf der teixel, das er chain person oder tier
oder anderen dingen laid thue oder schaden StatTrient
155;
darzuͦ wellent si, daz chein werchman noch puͦb auf die
mietstat [Platz, wo die Tagelöhner gedungen werden]
ge, wan der sein tagwerch gewurchen muͤge StRMünch
186,28;
die schürpher vnd die buobin Martina
56,91.
73,1.
171,42
2
unter Zeugnisunfähigen (neben Kindern, Frauen, Wahnsinnigen, Meineidigen etc.)
genannt, unklar, ob wegen Nicht-Volljährigkeit, Unfreiheit oder schlechtem
Leumund:
wir sullen iuch wîsen wer niht geziuge mac gesîn: diu kint diu
niht ze iren jâren komen sint, unde wîp, [...] unde buoben
und die sô tump sint [...], und die unsinnic sint unde
blinden und tôren SpdtL
90,7;
SchwSp(W)
14,3;
ez mag auch kain buͤbe niemens geziuk sin umbe kain
gulte oder des iemen schaden muge gehaben, ane daz iemen an den lip gat oder umbe
ein e, da sint si wol geziuk umbe StRAugsb
128,23;
man sol wizzen, wer zwech [l. zewch
]
gesein mag oder nicht, daz sint chint, die zuͦ irn tagen nicht choͤmen
sint ze vierzehen iarn, und weib [...]. puͦben
[ ‘Burschen unter 18 Jahren’ (? so Glossar z.
St.)] muͤgen auch nicht zewch gesein StRMünch
333,23
3
‘zuchtloser, ehrloser Mensch’
3.1
allgemein:
manic ahpêr herre hât buoben muot Renner
6907;
luoder, muotwille und spil / machent frîer buoben vil ebd.
6316;
fraw Mynn, ir seyt ain krankes weib: / ir tragt fail ewrn
leib / als ain gemaines freuwelein / (wie mocht ir leichter gesein?) / dann
munichem [l. den munichen
] und pfaffen, /
lottern, pueben und affer [l. affen
]
HvNstAp
218
3.2
‘Übeltäter, Bösewicht’
wir setzen ouch, ob ein biderbe man
[...] einen buͦben duͦrch rechte
verschulte sache slahe, oder stoze, oder werfe, daz die bezzerunge dar umme an
uns unde an deme rate ste WüP
7i,12
(=
UrkCorp
2302,19
);
ob keiner boser lichter man oder ein buͦbe spreche
die wort, die an gotes oder an der heiligen ere ge WüP
7i,17;
swaz arme liute haben behalten / in welden, in velsen, in talen, in
gruoben, / daz siht man leider freidige buoben / sô gar ûz strîchen und durch
varn / daz wênic ieman sich kan bewarn Renner
6898;
pueben [...]dw da treibent missetat, /
poͤzz gepaͤr und poͤzew wort Teichn
439,19
3.3
‘Fahrender, Spielmann’
die in [
spillaͤuten, die mit vnzuͤchtigen
worten vnd werchen, mit schelten vnd mit poͤsem gesang den
laͤuten dienent
] staͤtikleich geben
vnd grozzew gab, die tuͦnt totsuͤnd, von dez wegen daz si die
puͦben [
histriones
] vnd die
suͤnder auf haltent RechtssA
G11,17;
weitere Belege s. RechtssWB, S. 186.
3.4
‘jmd., der an einem Glücksspiel teilnimmt, Spieler’
so verbuͤtt man allen buͤben allerleie
wuͤrfelspil in allen winhofen WüP
96,10;
der eine buob verspilet sîn gelt / vil nâch, daz im ein klein beleip
HvBer
9143.
9371
u.ö. (vgl. unten unter 5)
3.5
als Schimpfwort:
swaz auch der geschiht fuͤrkumet, daz man also
spricht, er ist ein buͤbe, oder sie ist ein huͤre
[...], daz sol geintzlich und gar am rate sten
WüP
45,2
4
in Vergleichen zum Ausdruck eines elenden, erbärmlichen Zustandes,
Anblicks:
ich engefar nymer nacket fur keinen guten man als ein
buͦbe, so mochten sie wol wenen das ich verurteilt were als ein diep
Lanc
107,24;
sus lac er [der getötete böse Kaiser Julianus]
offenlich geschant. / [...] vil kleiner herschefte pflac /
gelich wol einem buben Pass III
161,41;
als einen leiden buben / liezen sie do loufen in. / sus gienc er her unde hin
/ zuslagen und beroubet MarLegPass
24,296;
von einem wîbe wart er [Sisera, vgl. Idc 4,21 und
5,26] betoubt: / [...] der lac als ein
buobe dâ tôt Renner
6893
5
Schachfigur, Name des achten Bauern bei Heinrich von Beringen:
der snitzer hab in sinnen wol, / wie man einn buoben snîden sol. / er mach in
etlich mâze blôz, / sîn har vil reide unde ouch grôz. / daz er ein buobe sî bekant,
/ mach er im in die grehten hant / drî würfel, daz gehœrt in an HvBer
8553;
diu bühse, die der buobe treit, / bediut uns mit bezeichenheit / boten, die
die brieve tragent ebd.
9386
u.ö.
MWB 1 1101,23; Bearbeiter: Tao
buoben
swV.
refl. ‘ein Lotterleben führen’
da von wie sich der phaff puebt, / dar an sol sich nieman chern. / wer sew
nicht well mynn und ern, / der sol in doch nicht smach erpieten Teichn
167,70
MWB 1 1102,63; Bearbeiter: Tao
buobengâbe
stF.
‘Gabe für Spielleute, Fahrende’
aber anders poz guͦt daz vnrecht gewunnen ist,
[...] alß daz guͦt da mit verchawft oder
gechawft ist gaistlich guͦt, oder der posen frawen lehen, vnd
puͤbengab, vnd etwann spilgelt RechtssB
A22,20.
L28,1
MWB 1 1103,3; Bearbeiter: Tao
buobenîe
stF.
s.a.
buoberîe
.
‘Zuchtlosigkeit’
wan alle bvͤbenie vnd ietel wort vnd darvon man ze
lather braht wirt, daz weren wir an allen ziten vnd an allen steten
SpitEich
25,5;
des beide hoch gerichte sold verdriezen / der verfluͦchten malat
buwenien! / galgen, reder, hurde vor in die kristenheit wol mochten vrien
JTit
250,3;
von bubenîe und von lotterfure HvFritzlHl
107,26;
~ trîben
Renner
16225
MWB 1 1103,9; Bearbeiter: Tao
buobenlëben
stN.
‘zuchtloses Leben, Lotterleben’
do buͦbenleben er gewan SHort
4128;
dacz [
= da ze
] hoff hat wenich ieman
gewin / an der [außer wer] pubenleben chan, / schelten,
springen als ein man / der da hat dw sinn verloren Teichn
277,21;
[wenn er] nympt sich puebenleben an, / so haist er ein
schalkch, ein pulian ebd.
461,145;
~ trîben
ebd.
190,58;
puebenleben und gampelweis ebd.
192,20
MWB 1 1103,18; Bearbeiter: Tao
buobenliute
st.Pl.
Schachfigur, Name des achten Bauern:
ich wil [...] des lesten venden leben
[...] betihten [...]. / sî
heizent buobenliute HvBer
8548
MWB 1 1103,26; Bearbeiter: Tao
buobenplaz
stM.(?)
‘Platz für Glücksspiele’? (vgl. Glossar z. St.):
ez sol auch dhein leiggeb [= lîtgebe
]
bei seinem aide niht gestaten dheins bubenplatz in seinem hause. wer, daz man si
daran funde so sol man si straffen NüP
161.
– vgl.
daz phorzich was der buoben [Spieler] plaz
HvBer
9130
MWB 1 1103,29; Bearbeiter: Tao
buobenspil
stN.
‘schändliches Treiben’
wiͤrt er [Geistlicher] treiben puebenspil, /
so hat mann auch nicht anders vil / als einen andern pueben frey Teichn
167,53;
ez treibt iezunt niem so vil / poser wort und puebenspil / als etleich ritter
und etleich phaffen ebd.
461,102
MWB 1 1103,35; Bearbeiter: Tao
buobenstrigel
stM.
ein Schimpfwort:
und manic ander bœsewiht, / Gebûrnvînt und Galgenswengel, / Lasterbalc und
Rüdenbengel, / [...] Landesmort und Buobenstrigel
Renner
1691
MWB 1 1103,41; Bearbeiter: Tao
buobenwîse
stF.
‘Art der buoben (s. dort unter 3),
Zuchtlosigkeit’
ein dorf ist Pubendorff genant; / da von sind dw man geschant / dw da treibent
puebenweis / und gewinnent der vrawen preis. / dw da sind von Loterlant / und dw
selben lauͤt bechant / von Puebing und von Lotertal, / man sol sew vahen
uͤber al. / sew sind guten lauten ein grat Teichn
190,63
MWB 1 1103,45; Bearbeiter: Tao
buoberîe
stF.
s.a.
buobenîe
.
‘Zuchtlosigkeit, Schandtat’
triuwe, zuht und wârheit, / [...] sint vertriben / ze
hofe und an ir stat sint beliben / liegen, triegen, ribaldîe, / loterfuor und
buoberîe Renner
1150;
sy traib groß biebery / und darzuͦ haimliche buͦlery
FrSchw
181;
si [Flanea] hat getan mord und main / an den dry
junckfräwen rain, / unnd tribt buͤbry vil / mit deß zauberers spil ebd.
4969
MWB 1 1103,53; Bearbeiter: Tao
buoc
stM.
1 beim Menschen ‘Obergelenk des Armes oder Beines’ 2 beim Tier ‘Vorderbug, Schulter’
3 übertr. ‘Biegung’
1
beim Menschen ‘Obergelenk des Armes oder Beines’:
–
‘Schulter’
dô geswal im [Eneas, der von einem vergifteten Pfeil am
rechten Arm getroffen wurde] der arm / von dem
bûche [l. buoge, vgl. ahsel in V.
11914
] unz an die hant En
11885;
das er [...] das selbe schaͮff uff sinem
buͦg / [...] truͦg KvHelmsd
2951.
3816.
–
‘Hüfte’
ir hâr enpflohten unde lanc, / zetal in ir buoc ez swanc
Wig
6293
2
beim Tier ‘Vorderbug, Schulter’
ze sînen [des Hirsches] büegen
kêrter wider; / von der brust enbaste er die Tr
2886
u.ö.;
doch wizz, daz diu glider an dem menschen aigenleich achsel
haizent und an den tiern haizent si püeg BdN
19,31;
ver [= vrou
] Hersant lief
nach im drin / mit alle wan [
wante
‘bis’] vber den bvc ReinFu
K,1169;
er [...] legete ir also vil nider
[...], / daz er in dem blute watte / dem rosse vnz an
die buge Herb
8857;
den rossen auff di püge / der stoß ward ungefuge, / das in di
puege furen auß / und sassen hinden auf den stauß HvNstAp
6317;
daz ich daz ors mit sporn sluoc / weder zen lanken noch in den buoc, / dâ
hinder eines vingers breit / dâ der surzengel ist geleit Greg
1602;
SHort
3190.
– als Bratenstück:
ân klobwürste solt dûs nicht lân; / mangen buog / gib in,
darzuo guote grieben SM:Had
20: 3,8;
sy machten und prieten genug: / der den rucken, der den
püg HvNstAp
9606
3
übertr. ‘Biegung’
ich dâht, zuo welhem buoge / die vart ich lieze
[...]. / ach, Triege hât verfüeret / mich Hadam
452,4.
453,1
MWB 1 1103,61; Bearbeiter: Tao
buocbein
stN.
‘vorderer Oberschenkel, Blatt’
zen buocbeinen [des
Hirsches] kêrter wider, / diu entrante er beide nâch ir zît, / daz
rehte vor, daz linke sît. / diu zwei hufbein er dô nam / unde beschelte diu alsam
Tr
2876
MWB 1 1104,27; Bearbeiter: Tao
1buoch
stN.
Pl. auch büecher (selten).
1
‘Buch, Codex; Schrift, Werk, Erzählung’
1.1 allgemein 1.2 Pl., im Hinblick auf den Unterricht im Lesen und Schreiben ‘gelehrte
Bildung’
1.2.1 mit lêren, lernen 1.2.2
diu (der) buoch kunnen
‘buchgelehrt sein’ , bes. ‘die Schriften der
Bibel lesen und verstehen können’ (s. a. u.
2 ) 1.2.3 in anderen Ausdrücken 1.3
diu swarzen buoch (auch Sg. daz swarze buoch )
‘Bücher (Buch) der Schwarzen Kunst (Nigromantie)’
2
‘Buch’ als Teil eines Gesamtwerks 2.1 biblisches Buch 2.2 Abschnitt, Kapitel nicht-biblischer Texte 3
‘Buch’ als Quelle, Vorlage der Dichtung 4
‘Buch für bestimmte Eintragungen’
4.1 Besitz-, Güterverzeichnis, Stadtbuch usw. 4.2
daz ~ der lebendigen u.ä., ‘Buch des Lebens’ (in dem die Namen der Gerechten, Seligen verzeichnet sind, bibl. Ausdruck, vgl. z.B. Ps 68,29 und Apc 3,5) 4.3
der æhte ~
‘Verzeichnis der Geächteten’ (vgl.
âhtebuoch
), hier für das Buch des Todes 4.4 bildl. Ausdrücke 5
‘Buchstabe’
1
‘Buch, Codex; Schrift, Werk, Erzählung’
1.1
allgemein:
Kyôt der meister wîs / diz mære begunde suochen / in
latînschen buochen Parz
455,4;
waz rach er an den buochen, / der diz hiez schrîben unde
lesen? Tr
8622;
hie hât daz buoch ein ende Wig
11708;
Willehalmes [...], / der dizz
buͦches herre ist Rennew
26051;
Reinbot, / du solt ein buoch tihten Georg
21;
der veter ~
(
Eckh
5:57,3
) oder
der altveter ~
(s. a.
altvater
);
ich bivt iv daz pvͦch [Messbuch, vgl.
Anm. z.St.] , daz kvsschent vnd legent es vf den alter
SpitEich
5,38;
die rihtent nâch dem rehte und als in Karlen buoch [Karls d.
Gr. Gesetzbuch] gebôt Hardegger
1:7,13;
der ärzt püecher BdN
35,14;
daz kurtz puch
[
tractatus
] von der gestalt der werlt
tail wir in vier haubtstuk KvMSph
6,6;
in eines buches valden [Blättern,
Lagen]
HeslApk
9144.
9307.
– mit lesen:
ein ritter sô gelêret was / daz er an den buochen las / swaz er dar an
geschriben vant AHeinr
2;
Iw
22;
Parz
102,6;
Tr
152;
RvEBarl
940;
ein schœniu maget vor ir las / an einem buoche
[las ihr aus einem Buch vor] ein mære / wie
Troje zevuort wære Wig
2714;
lesen die buͦch elliu samt: / sine zaigent dir
[Roland] nehain gelichin, / noch nelebet in
allen ertrichen, / noch newirt niemir mere Rol
7518
1.2
Pl., im Hinblick auf den Unterricht im Lesen und Schreiben ‘gelehrte
Bildung’
1.2.1
mit lêren, lernen:
der êrste meister sîn / der lêrtin chriechisch unde
latîn / unt pûchstabe sezzen an eineme perment. /
[...] unt lêrtin vil manich pûch / und ander
wîsheit genûch VAlex
175;
der [Priester Cyrinus] lert
iz [Kind] do die bvͦche vnd die heilige
gotes ê Konr
5,8;
Tr
7727;
das si lernen ireu chind der puech chunst und si
haissen übenn an hohen und edeln chünsten HvHürnh
23,5;
dise jungen maget Îsôte, / diu lernet ie genôte / diu
buoch und dar zuo seitspil Tr
7847.
2090;
selbe er den brief las, / wan er diu buoch gelêret was StrKarl
2628;
die gelerten wol der buͦche JTit
5281,1.
–
der buoche lêre, lernunge:
und daz er aber al zehant / der buoche lêre an
vienge Tr
2065.
2085;
under disen zwein lernungen / der buoche unde der
zungen [Sprachen] / sô vertet er sîner
stunde vil ebd.
2094
1.2.2
diu (der) buoch kunnen
‘buchgelehrt sein’, bes. ‘die Schriften der
Bibel lesen und verstehen können’ (s. a. u.
2):
eines liedes si begunden, / want si di buoch chunden
VEzzo
6;
do hiez er [Herodes] im
gewinnen die diu buoch chunden AvaLJ
20,2;
daz osterliche lamp odir div lôsunge des egiptiischin
dienistis, daz ist wîzzinlich allin den, die div buͦche chunnin
Spec
72,27.
35,22;
Tund
1053;
StrAmis
1429.
1354;
wie si die [
mære
]
tiutschen tihten / und ze solhem sinne rihten, / daz si ein ieglîch man /
der doch der buoche niht enchan / wol endelîche vernimt / und baz ze hœrenne
gezimt KvHeimHinv
70
1.2.3
in anderen Ausdrücken:
maister Hainrich von der Neunstat, / ain artzt von
den püchen HvNstAp
20604.
1945
ähnl.
En(FSch)
11897
(vgl.
buocharzât
);
er was der buoche niht ze wîse [nicht sehr
schriftgelehrt] / und predigete doch wol ze prîse
LvRegFr
2849;
wann dir got so groß genad geben hat an der
verstanndenhait und an der schnelligkait des sinnes und der puech kunste
HvHürnh
3,7
1.3
diu swarzen buoch (auch Sg. daz swarze buoch)
‘Bücher (Buch) der Schwarzen Kunst (Nigromantie)’
sie [Medea] kvnde arzedigen /
vnde von nygromancien, / daz man heizzet swarze buch, / da man ane findet fluch
/ vnde beswernisse, / wie man in vbelnisse / die vbeln geiste beswert, / daz man
an in eruert / allez, daz da ist geschehen, / vnde wie man vor kan besehen, /
manic ding, daz kvmftic ist Herb
553;
KvWTroj
7426.
8348;
daz der priester [...] Eusêbîus,
/ di wîl er jungelinch was, / in den swarzen buochen er las Kchr
13218;
Boppe
1:30,8;
einen goukeler, der hiz Symôn Magus, der kunde di swarzen buchere und lut
di tûvele und tet grôze zeichen mit den tûvelen HvFritzlHl
148,11;
Tr
4690;
Pass III
155,94;
MarLegPass
23,65;
Boner
94,5;
nû lêretz in [den Papst] sîn swarzez buoch, daz
im der hellemôr / hât gegeben Walth
33,7;
vgl. auch zouberlîchiu buoch
RvEBarl
7956.
–
diu wîzen buoch
‘Bücher der weißen Magie (der nicht sündigen, guten
Zauberei)’, den swarzen buochen
entgegengesetzt:
swer diu swarzen buoch nu kan, / der ist ze hofe ein werder man: / der
wîzen buoche nieman gert, / swer ofte diu nennet, der wirt unwert. /
getriuwer diener lôn ist smal Renner
2175
2
‘Buch’ als Teil eines Gesamtwerks
2.1
biblisches Buch:
diu vünf buoch von Moysê RvEBarl
13583;
dô Alberîch diz lît inslûc, / dô heter ein Salemones
pûch [liber Ecclesiastes] , / dâ er ane sach /
vanitatum vanitas VAlex
20;
in apocalipsia, / in dem buͦch der heimlicheit
HvNstGZ
5662;
der taugen puͦch SchlierbAT(LS)
1,132.
1,208.
–
der minne (auch der liebe) buoch
‘das Hohelied’
dar ume sprichit di sêle in der minnen buche HvFritzlHl
27,9;
DvASchr
391,16;
Martina
174,34;
PrWack
43,22.
64,1;
in dem buoche der libe HvFritzlHl
80,14;
Daniel
2079.
– Pl. diu buoch für die Heilige Schrift:
vmbe daz ist an den buͦchin geschribin, daz
min trehtin .s. Petro gab die himelsluzzil Spec
83,26;
sît got ein rehter rihter heizet an den buochen Walth
30,19;
sô saget, war umbe er [Papst] sîne
[St. Peters] lêre von den buochen schabe
ebd.
33,4;
diu buoch sagent uns für wâr, / ein tac sî dâ tûsent jâr Freid
4,7;
mit Zusätzen:
doch ich ein leie wære, / der wâren buoche mære /
kund ich lesen unde schrîben Parz
462,12;
dú buͦh der warheit RvEWchr
182;
dú heiligú schrift, dú rehten buͦh ebd.
14617
2.2
Abschnitt, Kapitel nicht-biblischer Texte:
wir haben gesait an dem erstin buche uon den uir elementin
SalArz
7,30.
7,33;
KvMSph
22,26;
disen sin redet sant Augustînus in dem fünften buoche von
der drîvalticheit in dem jüngesten capitel Eckh
5: 416,8;
hie sal des buches ende sin. / das ander buch hebe ich an
MügelnKranz
1356
3
‘Buch’ als Quelle, Vorlage der Dichtung:
daz buͦch hiz er uor
tragen [herbeischaffen und rezitieren] , / gescriben ze
den Karlingen Rol
9022;
also iz an dem buͦche gescribin stat / in franczischer
zungen, / so han ich iz in die latine bedwngin, / danne in di tutiske gekeret ebd.
9080.
2703.
8207;
hie ensaget nv niht me / daz welsche buch von Iosane / noch
von sinem wibe Herb
1178;
disiu âventiure / vert âne der buoche stiure
Parz
115,30;
ine wil aber nihtes von im jehen, / wan alse ichz von dem
buoche nim Tr
14245.
– bes. in formelhaften Ausdrücken der Quellenberufungen:
uns ne habe daz bûch dan gelogen, / sô wêren di Kriechin
sigelôs, / ne wêre Alexander ir trôst / mit den bileden niwit comen
SAlex
4503;
Roth
16;
ob uns daz buoch niht liuget Er
8698;
RvEWchr
2057;
alsô diz buͦch quît Anno
26,10;
nv horen wir diu buͦch sagen Rol
3489;
Herb
1437;
als uns daz buch gezalt hat Roth
3479;
tiv buͦch urchundent inoch: / der kaiser gebot ain
hof Rol
8673.
– bezogen auf die Bibel:
duo der geweltige got al sîn werch fole tet /
[...] duo was dere vespere zît alsô daz buoch chwît
Gen
226;
dú heiligú schrift, dú rehten buͦh / sagint das
got sante dar / ein engil RvEWchr
14617;
bî den zîten was âne swær / daz ertrîch wan unde lær / und
ouch dar zuo vinster was, / als ich an dem buoche las EnikWchr
338
4
‘Buch für bestimmte Eintragungen’
4.1
Besitz-, Güterverzeichnis, Stadtbuch usw.:
ein bvͦch, was gar alt, da ires gvͦtes von altere gar vil
ane stat UrkCorp
2842,12;
wie ez nv dar vmbe [um das Haus] gestan solte,
daz wart gezogen an daz bvͤch, daz sæit also [vgl. Art. 71 im
StRAugsb
137f.
]
ebd.
481,18;
jnde suͦlen sin jargezide zehantz beschriven in allen iren
buͦchen, da si ire memorien in plegent ze schrivene ebd.
407A,47.
–
der stat/stete buoch
‘Stadtbuch’:
vnd hiez an der stet [Augsburg] bvͦch
sehen, wie lange ain man oder ain frowe ir aigen inne haben solt, daz si
fvͤrbaz rvͦwichlich [unbehelligt]
sæzze UrkCorp
3133,33;
den selben [eingeführten] wein sol man
prennen mit der stat zaichen an dez vazz poden und sol in in der stat
puͦch schreyben StRMünch
474,16
4.2
daz ~ der lebendigen u.ä., ‘Buch des Lebens’
(in dem die Namen der Gerechten, Seligen verzeichnet sind, bibl. Ausdruck, vgl.
z.B. Ps 68,29 und Apc 3,5):
vertilget werden si uon dem buche der lebentigen unde mit rehten niht
gescriben werden si [
deleantur de libro uiuentium: et cum
iustis non scribantur
]
PsM
68,29;
Spec
24,14;
alle di mit Roͮlante beliben, / di sint an
den [l. der?] lebentigen buͦchen
gescriben Rol
3266.
3259.
6162;
Ottok
63566;
der lebenden buoch
RvEBarl
14394;
HeslApk
103;
daz ~ des (ewigen) lîbes / lebens
Rol
6516;
Litan
1247;
Konr
4,6;
HeslApk
4997.
5035.
5193;
daz lebende ~
ebd.
23241;
SHort
615;
Vät
20829;
KvHelmsd
3624;
Seuse
7,3;
bildl. für Christus:
daz dritte ist daz lebend buͦch, únser herre Jhesus Christus, daz
buͦch siner hailgen mentschait, daz an dem karfritag geschriben wart. an
dem buͦch liset man gedult, demuͦt, senfti
[...] und maͤnig ander tugend, die da
geschriben sint mit den rosvarwen buͦchstaben sinez rainnen
bluͦtez PrGeorg
315,26.
131,13;
es [das Leiden Christi] ist
doch ein lebendes buͦch, da man ellú ding an vindet Seuse
256,19
4.3
der æhte ~
‘Verzeichnis der Geächteten’ (vgl.
âhtebuoch
), hier für das Buch des Todes:
dich beschribt des todes hant / in siner echte buch
Mügeln
365,18
4.4
bildl. Ausdrücke:
wer sich von tugent kert, / den hat fluch in lasters buch
geschriben Mügeln
328,18;
want ich in mynes herzen buch / mit gote schiere han
uberlesen / wie al myn leben ist gewesen Vät
33460;
schrib in dins herzen buch: / in rume du got nicht
versuch Mügeln
235,1
5
‘Buchstabe’
der die êwe nach den buͦchen uernimet, den erslehit
siu. obe’r si geistlichen uernimit, so irchuchet siu in [vgl. II
Cor 3,6]
JPhys
17,20
MWB 1 1104,32; Bearbeiter: Tao
2buoch
stN.
‘Buchenwald, Forst’
ein hueb jn dem puech bei Liboch UrkCorp (WMU)
2015,3
MWB 1 1107,38; Bearbeiter: Tao
buocharzât
stM.
‘an der Universität ausgebildeter Arzt’
meister Heinrich [...] geheizen von
der Nuͤwenstat, / [...] ein buͤchartzat von
der kuͤnst HvNstGZ
8096;
vgl. arzât von den buochen unter
arzât
MWB 1 1107,40; Bearbeiter: Tao
buochbediuten
stN.
‘autoritätsgestützte Lehre’
swer niht waiz waz wirde kan / gewuͤrken an den
luͤten, / der merke buͦchbetuͤten! / wie sol der wird und er
began / der si niht kan verstan / oder nie si gehort? WhvÖst
11616
MWB 1 1107,45; Bearbeiter: Tao |