b – bachhelling bächîn – backwërc bacolôn – badestubære badestube – balde baldecheit – balmunden balmunt – balsamtrôn balsamtropfe – ban, bane 1ban – banekîe banël – bänkelîn banken – bantac bant|âder – banzins banzûn – bârbrët 1barc – bârkleit barkorn – barmhërzeclîche barmhërzege – barten bartenære – base Baseler, Basler – bate bate, pate – bearbeiten bearren – bechersamenære becherweide – beckenknëht beckenkol – bedancheit bedarf (?) – bedingen bedirmen – bedrangen, bedrengen bedrât – begâben begâbunge – begelimpfen begenagen – begin begîne – beglîmen beglîmunge – begrîflich begrîflîcheit – behaft behaftec – behaltunge behandeln – beheimsuochen beheiʒen – behern behêrren – behoven behten – behuoflich behuoren – beie beie – beinîn beinîsen – beiʒe 1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit bekantnisse, bekentnisse – bekerzen bekicken – beklipfen beklocken (?) – bekorunge bekorungnisse – beküelen bekumberhaft – belæren belasten – belîbelich belîben – belônære belônen – bemaln bemangen – bemurmeln bemüseln – benedîunge benediz – bennen bennige – bequâme bequæme – bërc|êrîn bërcgar – bërcphenninc bërcrëht – beredenunge beredet – 1berennen 2berennen – bërhtnaht berhtram – berillîn berîmeln – bërlich bërlîn – bernisch bërnklâ – bêrswîn bertenære – beruofære beruofen – besamentlîchen besamenunge – beschatzære beschatzen – beschemen beschemenisse – beschînen beschirm – beschouwunge beschremen – besebelicheit beseben – besetzunge besëʒ – besîtes besitzære – beslîʒen besloʒ – besnöuwen besnüeren – besprëchære besprëchen – beste bestëchen – bestiure bestiuren – bestürzen bestutten – besuochnisse besuochunge – bët betagen – bëtelære bëtelærinne – bëtemësse betemmen – bëtewîn bëtewîp – betrahtegen betrahten – betrogenlich betrônen – betrûren betrûrigen – bettemunt betten – betûchen betüemen – betwungenheit betwungenlich – bevellicheit bevern – bevliehen bevlieʒen – bevür bevürhten – bewærnüsse bewarsam – bewëlgen bewëllen – bewindeln bewinden – bezâfen bezaln – beziln bezimbern – beʒʒer beʒʒerære – bî bestân bîbilde – bíderben, bedérben biderbenen, bederbenen – bîenkar bîenswarm – bieʒenblat bieʒenkrût – bîhtât bîht(e) – bilchmûs bildære – bildoht bildunge – bilsensaf bilsensâme – bineʒ binide – birden bir(e) – birnwîn birsære – bischolf bî schrîben – bî slâfen bî|slëht – bît bitære – bittern bitternis – biurlîn biuschen – bîvilde bîvilden – bîzeichenen bî zëmen – blahsen 1blæjen – blâsehorn blæselîn – blatengîr blatenrinc – blëchhantschuoch blëchrinc – bleichvëlt blende – blîche blîchen – blîkloz blîkolbe – bliuclich bliuge – blôdern blotschen – blüemunge blüetebërnde – bluomental bluomenvar – bluotgieʒen bluotgieʒende – bluotstürzunge bluotsûgende – bobenthalben boc – bogelîn bogen – 2bolle bollen – 3bor bor-, enbor- – (borliep,) enborliep bormære – bortengewant bortiure – bote botech – bou bouc – boummate boum|öle – bôʒwurz brâ – brâ|hâr bræhen – brantlich brantreite – brâwelîn bræwen – brëhenen brëhentac – brenken brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche brëtsnîdære – brieschen brievære – brionie brîsære – briulêhen briumeister – briuwe briuwe – brohsen bronie – brôthalle brôtheit – bruch bruch – bruckenambet bruckenære, bruggenære – brüeterîn brügel – brünnære brunne – brünselbërc brünseln – bruoderhûs bruoderkint – brust brust – brûtdëgen brûtdrüʒʒel – brûtsanc brûtschaft – buckel buckelære – büellîn büeʒære – buhsboum bühse – bûlslac bulzen – buoben buobengâbe – buochisch buochkamere – buoliân buollîn – buppe bur – burcgrâvenambet burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen burcmeisterschaft – burcstal burcstat – bürde bürdelîn – burgergemeine bûr|gerihte – Burgunder Burgunjoys – bursenære bursît – büschelîn buschoff – bütelin bûtelîn – bûvëlt bûvisch – buʒʒel
|
brûtlachen
stN.
ein Wollstoff (eine besondere Art des Scharlachs? Vgl. Brüggen, Kleidung, S.
271):
ein brûtlachen von Gent, / noch plâwer denne ein lâsûr, / het an geleit der
freuden schûr: / daz was ein kappe wol gesniten / al nâch der Franzoyser siten
Parz
313,4;
brûnez scharlach brâht von Gint, / daz man heizet brûtlachen
Wh
63,23
MWB 1 1070,22; Bearbeiter: Tao
brûtleich
stM.
‘Hochzeitslied’
mit süezem minnesange, / (daz sint epithalamica) / mit den brûtleichen wart
sie dâ / in daz palas gecondwieret LvRegSyon
3212.
– s.a.
brûtliet
MWB 1 1070,29; Bearbeiter: Tao
brûtleichen
swV.
‘sich vermählen’
so ist verboten jn decretis, daz niemen jn disen ziten brutlichen sol unze
nach ostern uber siben naht PrMill
425
MWB 1 1070,33; Bearbeiter: Tao
brûtleite
stF.
‘Hochzeit’
Marke der hiez an der vrist / den lantbarûnen allen sagen, /
dazs inner ahzehen tagen / alle ze hove kæmen [...] ze
sîner brûtleite Tr
12549
MWB 1 1070,36; Bearbeiter: Tao
brûtlich
Adj.
‘hochzeitlich, Hochzeits-; bräutlich’
brutlichem bette bereitet als gemehelt [
nuptiali thalamo
preparata ut sponsata
]
PsM
H 101,2;
do sach er einen da sitzen an bruͤtlich gewæte
PrOberalt
166,13.
166,19
(gewant);
mit brutlicher wete HeslApk
4749;
ein brûtlîchez kleit Kröllwitz
4299;
HeslApk
20784;
Reinfr
24937;
EvAug
53,14
(Mt 22,11);
briutlîchen stuol Reinfr
10885;
swenne so ein brutegoum / durch sinen brutlichen rum / geseze in sinem
brutestul HeslApk
3220;
an der prautlichen hochzeit [
festum
nuptiarum
]
HvHürnh
37,8
MWB 1 1070,40; Bearbeiter: Tao
brûtliet
stN.
‘Hochzeitslied’
der sêle wuof, der engel schal / rihten sich zesamen dâ / und
sungen epitalamicâ. / daz bediutet hôhiu brûtliet KvHeimHinv
1049;
die engel singent her und dâ / êpitalamitâ: / daz betiutet ‘hôhiu
brûtliet’ Georg
1009.
– s.a.
brûtleich
MWB 1 1070,52; Bearbeiter: Tao
brûtliute
st.Pl.
‘Brautleute, -paar’
der degen pald [...] gab yegleicher
[Jungfrau] ainen man. / nu saget: wie vil wirdet dan /
prewtschafft [La. prawtlewt
] und hochtzeit? /
geleich funff hundert ane streyt HvNstAp
5885
MWB 1 1070,58; Bearbeiter: Tao
brûtlouf, brûtlouft
stFMN.
1
‘Vermählung, Hochzeit, Vermählungsfeierlichkeiten’
1.1 allgemein 1.2 in Vergleichen 1.3 in Verbindung mit Verben 2
‘geistliche Vermählung, Hochzeit’ , von der Vereinigung der Christen mit Gott
1
‘Vermählung, Hochzeit, Vermählungsfeierlichkeiten’
1.1
allgemein:
swenne dirre brûtloufte zît allerêst fure wirdit
Gen
1306;
nu wirt ouch nimmir mere / dehein broutlouft so here, /
wan disiu nimmir zergat / unde immir ewich stat Hochz
1063;
sîn fater habet sich sîner mûter geloubet / unt saz in
foller brûtlofe VAlex
390;
ein doͤrfelin, daz haizzet Chana, da wart ein
brutluft PrOberalt
33,38;
da ergie diu brutluft ebd.
34,39;
hie huop sich diu brûtlouft sâ Iw
2434;
der brûtloufte hôhgezît Parz
53,23;
RvEAlex
18088.
15276;
RvEWchr
20575.
– Pl.:
die brûtloufte wâren guot, des vroute sich Jacob
Gen
1296;
Hochz
322;
Konr
22,34;
PrOberalt
34,23
1.2
in Vergleichen:
si waren alle samt fro, / sam di ze brutloften sint
Rol
3443;
herre, din ewig rich stat offen vor minen oͮgen
gelich der edelsten brutlofte und der groͤsosten hochgezit und der
langesten wirtschaft Mechth
4: 5,14;
daz reiche der himel ist gliche worden eim menschen eim chünge, der da
machet ein prutluft sinem svn EvAug
52,24
(Mt 22,1);
also ein brutegam ufstunde / von dem bette mit vrouden urhaft / an dem
tage siner brutlaft. / [...] glicher wis bar ane we /
got di maget Brun
3411
1.3
in Verbindung mit Verben:
–
~ (der brûtloufte hôchgezît) begân, hân, machen, phlegen, stiften,
tuon
‘eine Hochzeit feiern, veranstalten, ausrichten’
in beiden er dar nâch enbôt / daz sie mit vröuden
[...] / der brûtloufte hôchgezît / begiengen
vrœlîche dâ, / die er begienc in Persîâ RvEAlex
15276;
RvEWchr
20594;
der dac quam daz si beide ir brutloft solten han, dise zu werlichen
dingen, di jungere zu gotlicher minnen HlReg
34,3;
LvRegSyon
4112;
sie [...] machte groze brutluft
En(FSch)
1911;
wie mit vil rîchen sachen / ein künic wolde machen /
eine brûtlouft sînem kinde RvEBarl
3465;
EvAug
52,24
(Mt 22,1);
Tauler
431,24;
wand er der brûtloufte pflac Parz
336,14;
sîne boten er ouh sante / heim ze Kriechlande / und
hîz daz lant berihten / und ein brûtlofte stiften / in allen dem gebêre, /
alser dâ selbe wêre SAlex
4009;
wirt du brutlouft gitan ÄJud
171.
–
bereiten:
nu sehent wie der herre sine brunloft bereit hat,
sin ohssen sint geslagen [...] und sine vogele sint
getoͤtet [vgl. Mt 22,4]
Tauler
402,23.
–
ervüllen:
daz taten die boten, si samten uͤbel und
guͦt, daz diu brautluft erfuͤlt wart [sich mit
Gästen füllte]
PrOberalt
165,38.
166,5.
–
geben:
sy azen unde trunken unde nomen husvrowen unde wurden gegebyn czu der
brutlouft [verheiratet]
EvBerl
120,1
(Lc 17,27).
103,6
(Lc 20,34).
–
laden:
da wart er ze einer brutloufte / geladen
AvaLJ
57,1;
PrOberalt
31,8;
RvEBarl
11979;
EvAug
52,26
(Mt 22,1).
–
setzen:
irrare [...] die den
einvaltigen luͤten saiten daz die
brutluͤft [Sakrament der Ehe] von got
niht gesetzet wærn, si wærn von dem tiufel gesetzet PrOberalt
34,30.
–
swern:
daz heiltuom [...], / dâ man den briutelouft
ûf swuor KvWTroj
999.
–
volbringen:
mit küneclîchen dingen / wart sîn brûtlouft volbrâht,
/ als es der künic hâte gedâht RvEBarl
3475.
–
walten:
Eminêus [Hymenaeus, Gott der Hochzeit] , /
der aller briuteloufte wielt KvWTroj
995
2
‘geistliche Vermählung, Hochzeit’, von der Vereinigung der
Christen mit Gott:
daz sint die brutluͤft da got selber der
bruͤtgam ist, da die hilig christenheit diu brut ist PrOberalt
34,34;
nu suͤlen wir unsern heilant vil minnenchlichen biten,
[...] daz wir ze siner brautluͤft chomen und in
immer an ende sehen muͤzzen ebd.
37,31;
nu mag uns wundern, war umb die uͤbelen und die
unrechten zuͦ den brautluften der ewigen sælicheit geladen sein ebd.
165,39
MWB 1 1070,63; Bearbeiter: Tao
brûtloufkleit
stN.
‘Hochzeitsgewand’ (s.a.
brûtkleit
1):
die bredige usser sante Matheus ewangelio dez zwentzigesten sunnendages von
eime menschen sunder brunloͮft kleit Tauler
398,3
(vgl. Mt 22,11f.)
MWB 1 1072,8; Bearbeiter: Tao
brûtlouften
swV.
‘heiraten, Hochzeit feiern’
di sune diser werlde di brûtlûften und werden gigebin zuͦ brûtlûften
EvBeh
Lc 20,34;
ist alsô di sache des menschin mit der hûsvrowen, sô fuͦget iz niht
zuͦ brûtlûftene ebd.
Mt 19,10.
Mt 24,38.
179
MWB 1 1072,13; Bearbeiter: Tao
brûtlouftlich
Adj.
‘hochzeitlich, Hochzeits-’
den man dâ zer brûtlouft vant / âne brûtlouftlîch gewant, /
daz ist der den gelouben hât / und in sîn kranker sin niht lât / den glouben
vollebringen / mit reineclîchen dingen RvEBarl
3526;
daz er der sêle gewant, / den lîp, behielte reine / von
süntlîchem meine, / daz sîniu brûtlouflîchen kleit, / [...]
iender mâsen solden hân, / swenn er zer wirtschaft solde gân, / dar des hœhsten
keisers kint / alle, die genennet sint, / geladet an sîne brûtlouf hât ebd.
11973
MWB 1 1072,18; Bearbeiter: Tao
brûtmantel
stM.
‘Brautmantel’
miltekait, erbarmhertzkait, kúnschkait, demuͤtkait, gedultekait,
senftekait [...] dise tugent sint alle der selen klait. und
úber diz tugent alle sont ir úch flissen der minne, dú ist ain brutmantel der selen,
da mit si wirt got gefuͤget ze ainer brut PrGeorg
241,9
MWB 1 1072,29; Bearbeiter: Tao
brûtmiete
stF.
‘Mitgift’
wil er die brûtmiete NibB
1928,2
MWB 1 1072,35; Bearbeiter: Tao
brûtmuos
stN.
eine breiige Speise, die beim Hochzeitsmahl den Gästen dargeboten wird (vgl.
SchwäbWB 1,1375):
der koch kam und bracht dort her / daz brutmusz und gebraten
[Bratwürste]
Bauernh
197.
222
MWB 1 1072,37; Bearbeiter: Tao
brûtsanc
stN.
‘Hochzeitslied’
hebe dich ane, heiligir iubil des wunnecliken brûtsanges
TrudHL
6,28;
ir inren ôren diu nemugen nieht uernemen des wunneclichen
brûthsanges unde des mandelchôsennes daz got tuͦt mit den rainen herzen
ebd.
67,8
MWB 1 1072,42; Bearbeiter: Tao
brûtschaft
stF.
‘Vermählung’
das ich mynen frunden ettwas wilpretes zu der brutschafft
hett bracht Lanc
38,11;
nu saget: wie vil wirdet dan / prewtschafft und hochtzeit? /
geleich funff hundert ane streyt HvNstAp
5885
MWB 1 1072,47; Bearbeiter: Tao
brûtschaz
stM.
‘Mitgift, Aussteuer’
und sol der vorgenante unser herre der chunich unserm suͦne geben ze
zuͦgelt und ze bruͦtschatz zehentuͦsend march silbers
MGHConst
5:563,27
(a. 1323);
UrkSchlesFürst
2:18,29.30
(a. 1329 kopial)
MWB 1 1072,52; Bearbeiter: Tao
brûtsëgen
stM.
‘Einsegnung der Neuvermählten’
ze bette sie si brâhten, / die bischove bedâhten / sie mit dem brûtesegene
EbvErf
879
MWB 1 1072,57; Bearbeiter: Tao
brûtstiure
stF.
‘Aussteuer, Mitgift’ (vgl DRW 2,473):
auch bestetigen wir in funf hundert phunt [...]
zuͦ brautstiwer UrkHohenz
2,444
(a. 1331)
MWB 1 1072,60; Bearbeiter: Tao
brûtstücke
stN.
→
briutelstücke
MWB 1 1072,63;
brûtstuol, briutestuol
stM.
s.a.
briutelstuol
.
‘Ehrensitz der Braut, des Bräutigams am Hochzeitstag’
ze dem andern male ladete in Krist von dem brvtstvͦle,
da der selbe gotes trvt wip ze siner e genomen solte haben Spec
28,3;
daz lachen was doch rîch genuoc / daz Jûpiter ze decke truoc / und diu gotinne
Jûnô, / dô si in ir rîche hô / im brûtstuole sâzen Er
7662;
do wart der magit Gayte / gegin der hochgecite / gecleidit so
nie magit baz / an irn brutestuol gesaz Athis
C* 8;
dô der helt Lemberslint / und sîn gemahel Gotelint / den briutestuol besâzen
Helmbr
1469;
Kudr
549,1;
HeslApk
3221;
JTit
1538,4(App.);
Brun
849;
also bistu [Maria] gesetzet / mit im
[Gott] an den briutestuol KvWGS
307
MWB 1 1073,1; Bearbeiter: Tao
brütten
swV.
refl.
1
‘nach etw. verlangen, streben’
2
‘in die Höhe streben, sich erheben’
1
‘nach etw. verlangen, streben’
swes sumlîch beginnent / dar nâch brüttent sich die andern
Erinn
337;
daz er nâch fremdem lantsit / sich sô stæte briutet [Hs.
prüetet, l. brüttet nach Haupt/Wießner in der Anm. zu
Neidh (HW)
44,26 und R. Kienast im Glossar zu Erinn
337
]
Helbl
1,287;
ich wil mich gegen der süezen minne brütten [
:
zerütten
]
Neidh
WL 6:6,1;
Megengôz / brüttet sich gein in [sc. jungen
mägden
]
ebd.
WL 11:5,6
2
‘in die Höhe streben, sich erheben’
swie hohe si [
Lucifer und di von
Babilone
] sich brutten in hochvart mit gewalte, / mit fieber
und mit schutten [?] , di hohe trinitat si dicke valte
JTit
829,1
MWB 1 1073,16; Bearbeiter: Tao
bû
stMN.
auch bou.
1
‘Ansiedlung, das Wohnen, Wohnstätte’ (nicht immer scharf zu
trennen von 2 und 3 ) 2 bezogen auf die Landwirtschaft 2.1
‘Bestellung des Feldes, Ackerbau, Weinbau; Bewirtschaftung von Gütern,
Höfen’
2.2
‘bestelltes Feld, Acker’
2.3
‘Hof, Besitz’ (?) 2.4
‘Feldfrucht, Ertrag’
2.5
‘Dung’
3 auf das Bauen, Errichten bezogen 3.1
‘Bau eines Hauses, Tempels, Gerüsts, Nestes, einer Stadt
(usw.)’ (nicht immer von 3.2 zu trennen) 3.2
‘Gebautes, Errichtetes, Bauwerk, Gebäude’
3.3
‘Fundament’
4 bergm. 4.1
‘Abbau von Erzen, Gewinnung von Salz’
4.2
‘Abbaustelle’
5 Wendungen (meist in Urkundentexten) 5.1 etw. ze bûwe bringen
‘ein Stück Land bestellen, bewirtschaften’
5.2
ze bûwe grîfen s. u. 1
5.3 etw. ( ein guot, die reben usw.) in (rehtem, guotem, bûlichem)
bûwe haben,
‘etw. (ein Gut) ordnungsgemäß bewirtschaften, (einen Acker, ein
Rebland) ordnungsgemäß bestellen, in gutem Zustand halten’
5.4
in bûwe ligen
‘bestellt, bewirtschaftet werden’
5.5
in rehtem bûwe sîn (vom Rebland) ‘in gutem Zustand
sein’
5.6 in der Pertinenzformel in bû oder urbû (in unbû / niht) sîn (im
Konjunktiv Präs.) ‘gleichgültig ob bebaut oder nicht, ob bestellt oder
nicht’
5.7
rehten und zîtlichen bû tuon
‘die Arbeiten (z.B. für den Weingarten) ordnungsgemäß und rechtzeitig
ausführen’
5.8
deheinen (burclichen, werhaften) ~ tuon/machen
‘kein Bauwerk (Burg, Befestigung) errichten’
1
‘Ansiedlung, das Wohnen, Wohnstätte’ (nicht immer scharf zu
trennen von 2 und 3):
under diu chômen in die frowen: / si griffen frôlîche ze bowe
[ließen sich nieder]
Kchr
10502.
686;
und sehen, die wîle ich hân den tac, / ob keiner slahte bû
hie sî / eintweder verre oder nâhen bî, / dâ ich liute vinde, / ze den ich mich
gesinde Tr
2527;
sîn ander lant, / daz sô nâhe der erden ort liget, / dâ nieman
vürbaz bûwes pfliget Wh
35,6.
–
sich an einem Ort ze, mit ~ nider lâzen:
do al dú erde irtruchint schein, / Noe zoh uf die erde widir / und lie
sich da ze buwe nidir RvEWchr
834;
die wildin Elamiten [...] liezin sih mit bû da
nidir ebd.
1905.
2159.
–
nu hate mit richir werdekeit [...] das geslehte
von Esau / ir nidirlaz und ir bu / in Edam dem lande RvEWchr
14179;
das ze keinir zit / nieman drinne mag genesin / noch mit dekeinim bûwe
wesin / in dén wuͤste landen da ebd.
1415;
samint wesen, gemeinir bu / mohte do undir in niht wesen ebd.
6909;
wer ich da heym zu puwe Alph
165,2
2
bezogen auf die Landwirtschaft
2.1
‘Bestellung des Feldes, Ackerbau, Weinbau; Bewirtschaftung von Gütern,
Höfen’
dines boͮwes solt du leben GenM
52,17;
Gen
2096;
si [
diu erde
] was ein maget dannoch,
/ wan kein schrunde noch kein loch / dar în von starkem bûwe gie KvWSilv
3477;
wil ein herre wîsen sînen zinsman von sînem guote, der
zuo dem guote niht geborn ist, daz sol er im künden ze liehtmesse. daz selbe sol
ein man tuon ob ers lant ze bûwe lâzen [aufgeben] wil
SpdtL
216,22;
iu ist bû wol bekant, / nemt die arl in die hant, / ert, ziunet unde sæt,
/ snît, dreschet unde mæt, / und ander slahte arbeit, / die man gebûren ûf leit
BuchdRügen
1501;
Irenwart und Uoge, / die von rehte solten phlegen / bûwes mit ir phluoge,
/ die sach man ze Wienne koufen currît unde platen Neidh
WL 28:9,3;
StrAmis
1398;
RvEWchr
7856;
EnikWchr
8086;
SHort
541;
Helmbr
555. 557. 560;
Helbl
1,832;
daz si vnrehtes gewaltes erlazzen sein an der selben weinwahste, an ir
bowe, an ir lesen, an huet setzen UrkCorp (WMU)
2345,27;
werj aber das von vrlúge wegen dv̓ vorbenemten gvͦt ze Wendelingen
mvͦsten beliben ane bv in wuͤsti ebd.
2595,16.
–
‘wirtschaftlicher Zustand eines Hofes’
ist das er oder sine kint sich scheiden mvͦzzent von disime
gvͦtte von ehaftiger not, so sol er den hof in solichme bvwe lan, das
wir v phvnt drvfe mogent han UrkCorp
N383,11
2.2
‘bestelltes Feld, Acker’
ze dem [Christus als Ackermann des Himmels] wil
ich mich ziehen / und selhen bû vliehen / den der schûr und der hagel sleht /
und der wâc abe tweht AHeinr
790.
797;
Iw
2833;
ir bû und ir wîngarten / gar niderhouwen er in hiez Ottok
32805
2.3
‘Hof, Besitz’ (?):
wîngarten, boume, gesætez velt, / alle die wisen unt die
heide, / ors und ander vihe diu beide, / al den bû unz an den strôwes wisch, /
die vogele, daz wilt und den visch, / [...] daz het er
zehenstunt widerwegen Wh
256,27;
sage mir, lieber bauman, / namst du dich ie an / einen andern underdingen
/ und von seinem bawe dringen? HvBurg
838
2.4
‘Feldfrucht, Ertrag’
daz ein ieglîch man, / der bouwet oder bouwen kan, / gæb der werden
pfafheit / [...] alles bouwes den zehnden teil
EnikWchr
25509;
von dem reichen mann [...] :
derselb het grozz paw [La. getraide; vgl. Lc
12,16] auf den ekkern, vnd stunden die scheunen vol
SchlierbAT(LS)
1,157
2.5
‘Dung’
vnd achzich burdi gvͦtis buwes sol das gotzhús geben ierlich
UrkCorp (WMU)
842,13
(vgl. SchweizId
4,1949)
3
auf das Bauen, Errichten bezogen
3.1
‘Bau eines Hauses, Tempels, Gerüsts, Nestes, einer Stadt
(usw.)’ (nicht immer von 3.2 zu trennen):
swer bûwes ie begunde Parz
403,15.
403,25;
wie er den bu gemerte [förderte]
RvEWchr
31376;
solte sin bu fúr sih gan / odir werdin vollebraht, / als er ez hete gedaht
ebd.
32504.
32970;
und do der buw ward ussgericht KvHelmsd
2884;
ein grôze glocke ein karrutsche zôch, / diu dar ûf gemachet was mit bûwe
hôch Loheng
5002;
ze sîner stift, / die er mit bûwe umd mit gift / selbe hât erhaben
Ottok
11978;
dar umb mag man ez [Tannenholz]
wol gehandeln zuo paw und zuo feur BdN
314,3.
354,1.
–
si lesent an Tristande, / daz ein swalwe zÎrlande /
von Curnewâle kæme, / ein vrouwen hâr dâ næme / zir bûwe und zir geniste /
[...] und vuorte daz wider über sê
Tr
8605.
–
sîn [Trojas] bû der wart vollendet
KvWTroj
13378
3.2
‘Gebautes, Errichtetes, Bauwerk, Gebäude’
die hovistat, daz [= dâ ez (die
Vergewaltigung)] uffi gisciet, is da bui uffi, den sal min
nidir hoiwi Mühlh
108,24;
ist daz ein burger buwen wil swelher hande bu daz ist, ez
si von stainen oder von holtze, swaz man dem herin furet, ez sin staine oder
holtz, kalc oder sant, da sol er chainen zol von gaeben StRAugsb
34,4;
und swelhi ze bumaistern genomen werdent diu
[...] svͤlen sweren das si der stet
guͦt und der stet baw bewaren ebd.
77,16.
171,39;
und wirt min hus also volbraht von dirre massenie, / so
wizzet, daz mir von dem bu her in den buosen snie Tannh
12,30;
dô hiez der furste balt / nider brechen Valkenberc / und lære machen den
berc / des bûwes, daz dâ stuont daroben Ottok
74377;
dez dages vellet gar dernider / waz buͦwes uf der
erden stete [l. stet
] , / ez si torn oder
glete HvNstGZ
6100;
GTroj
2484;
Seifrit
3487.
– übertr. für das Gedicht:
nim guͤtlich disen lesten bu, / den ich diner
guͤd geven ever nu, / wand min allererst anegin wers du
MarlbRh
133,33
3.3
‘Fundament’
ein mure starch, dú wart betragin / mit erde und alse undirslagen / mit
starchim buwe veste und rih RvEWchr
32627.
– übertr.:
wer im [Gott] helfe getruwet, / uf stæten bu
er buwet. / dar uf ich gebuwen han Rennew
17374;
sinen buwe setzet is [sc. predicament, wohl
‘bildhafte Rede’] sere wißlich / uff andern
gront lichteclich Pilgerf
1215
4
bergm.
4.1
‘Abbau von Erzen, Gewinnung von Salz’
als ofte bracht er newe mere / wie ez umb den bow were ErzIII
56,312;
swaz in den bow horen sol, / daz kan er allez gevordern wol ebd.
56,331.
56,500;
daz hal in der Gôzach [Gosau im Salzkammergut,
Oberösterr.] / muost der herzog verloben / unden unde oben, /
daz sîne kint noch er / hin für nimmer mêr / gehieten dheinen bou Ottok
70346
4.2
‘Abbaustelle’
und muz der bow wuste sten / und beginnet daz wazzer uf gen ErzIII
56,179
5
Wendungen (meist in Urkundentexten)
5.1
etw. ze bûwe bringen
‘ein Stück Land bestellen, bewirtschaften’
vnde swenne diz selbe goͮt [= eigen, daz da
heizet ze dem Willer ime rîet
] ze boͮwe wirt
braht, so sol der spital dirre vor genander froͮwen alle iærlichen geben
zehen schillinge Costenzerre phennigge vnz an ir tot UrkCorp
301,42;
daz der selbe maister [...] vnser vorgenant æigen
[...] ruten suln also, daz zwei vnd drîzêck lehen
nach rutin reht von nu in vier iâren da sin gemachet, vnd der sol einez sin dez
liutpriesters [...], vnd daz selbe suln wir im ze
buͤ bringen [vgl. Regest dazu: „in angebautem Zustand
übergeben”] oder ein erbuens [=
erbûwenez
] kaufen ebd.
722,12;
ich sol ouch, waz egerdan [Brachland] in das
guot hôrent, in rehten bû bringen UrkPrivR
132,28
(a. 1322)
5.2
ze bûwe grîfen s. u. 1
5.3
etw. (ein guot, die reben usw.) in (rehtem, guotem, bûlichem)
bûwe haben,
‘etw. (ein Gut) ordnungsgemäß bewirtschaften, (einen Acker, ein
Rebland) ordnungsgemäß bestellen, in gutem Zustand halten’
swie wir oder vnser erben daz selbe guͦt in rehtem buwe nit enheten
UrkCorp
N758,12;
ich sol ouch daz guot in rehtem bû hân UrkPrivR
132,24
(a. 1322);
das ich den selben acker [Maßeinheit] reben
[Pl. für ‘Rebland, Weinberg’] haben
vnd niessen sol vnze an minen tot vnd sol in haben in rechten buwe
UrkCorp
3316,17;
oͮch sol er die reben han in gvͦtem buwe ebd.
853,38.
– auf Gebäude bezogen:
[sie] sv́lent ouch daz selbe hus in besseren
buͦwe han denne ez iezent ist UrkCorp
3514,17.
– wohl auf Haus- und Ackerbau bezogen:
vnd daz her Johan oder sine erben daz gut halden sullen in bulichen
buwe in dorf vnd velde UrkCorp
3067,15
5.4
in bûwe ligen
‘bestellt, bewirtschaftet werden’
daran [an dem Gut] sulent vnsere veteren
[...] mit vns tail vnde gemainde haben an holze vnd
an waiden, die wile ez vngebvwen stat. swenne abr ez in buwe liget, so
[...]
UrkCorp
1127,14
5.5
in rehtem bûwe sîn (vom Rebland) ‘in gutem Zustand
sein’
UrkCorp
N737,39
5.6
in der Pertinenzformel in bû oder urbû (in unbû / niht) sîn (im
Konjunktiv Präs.) ‘gleichgültig ob bebaut oder nicht, ob bestellt oder
nicht’
alles das gvͦt [...] mit allem dem vnd
zvͤ dem selbi gvͦte heoret, holz, aker, wisen, wasser, es si enbiu
oder urbiu, enholz vnd envelde, gesvͦchetis oder vngesvͦchetes
UrkCorp
1744,43;
allez daz gvͦt daz sie ze Waldiv heten, ez si an hvsern, an
hofsteten, an garten, an ækkern, an wisen, oder an holze, ez si enbu oder
enunbu, mit allem dem rehte daz dar zvͦ gehoret ebd.
1963,44.
2178,43
5.7
rehten und zîtlichen bû tuon
‘die Arbeiten (z.B. für den Weingarten) ordnungsgemäß und rechtzeitig
ausführen’
er sol auch dem weingarten tun sinen rehten vnd zitlichen pau
UrkWSchott
140
(a. 1312)
5.8
deheinen (burclichen, werhaften) ~ tuon/machen
‘kein Bauwerk (Burg, Befestigung) errichten’
UrkCorp
N163,10.
2504AB,8,7.
1390,27.
1200,5
(burclichen ~
).
517,44
(werhaften ~
)
MWB 1 1073,30; Bearbeiter: Tao
1buc
stM.
‘Sturz’, in der Wendung einen ~ tuon:
der münech gap dem vergen einen herten druc, / daz er ze der erden muoste tuon
einen buc RosengD
184,2
MWB 1 1076,26; Bearbeiter: Tao
2buc
stM.
‘Krümmung, Hügel’
den buk, der vns an ir hofes mure vs gescheiden wart fuͥr almende an
der mure wider Heinrichs hus von Tuͤtlisberge FWB
4,1357
(a. 1342; Urk. Rheinfelden)
MWB 1 1076,30; Bearbeiter: Tao |