Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
  Ansicht: Standard Gliederung    |     Zusatzinformationen   Links      |     Portion: Artikel pro Seite

b – bachhelling
bächîn – backwërc
bacolôn – badestubære
badestube – balde
baldecheit – balmunden
balmunt – balsamtrôn
balsamtropfe – ban, bane
1ban – banekîe
banël – bänkelîn
banken – bantac
bant|âder – banzins
banzûn – bârbrët
1barc – bârkleit
barkorn – barmhërzeclîche
barmhërzege – barten
bartenære – base
Baseler, Basler – bate
bate, pate – bearbeiten
bearren – bechersamenære
becherweide – beckenknëht
beckenkol – bedancheit
bedarf (?) – bedingen
bedirmen – bedrangen, bedrengen
bedrât – begâben
begâbunge – begelimpfen
begenagen – begin
begîne – beglîmen
beglîmunge – begrîflich
begrîflîcheit – behaft
behaftec – behaltunge
behandeln – beheimsuochen
beheiʒen – behern
behêrren – behoven
behten – behuoflich
behuoren – beie
beie – beinîn
beinîsen – beiʒe
1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit
bekantnisse, bekentnisse – bekerzen
bekicken – beklipfen
beklocken (?) – bekorunge
bekorungnisse – beküelen
bekumberhaft – belæren
belasten – belîbelich
belîben – belônære
belônen – bemaln
bemangen – bemurmeln
bemüseln – benedîunge
benediz – bennen
bennige – bequâme
bequæme – bërc|êrîn
bërcgar – bërcphenninc
bërcrëht – beredenunge
beredet – 1berennen
2berennen – bërhtnaht
berhtram – berillîn
berîmeln – bërlich
bërlîn – bernisch
bërnklâ – bêrswîn
bertenære – beruofære
beruofen – besamentlîchen
besamenunge – beschatzære
beschatzen – beschemen
beschemenisse – beschînen
beschirm – beschouwunge
beschremen – besebelicheit
beseben – besetzunge
besëʒ – besîtes
besitzære – beslîʒen
besloʒ – besnöuwen
besnüeren – besprëchære
besprëchen – beste
bestëchen – bestiure
bestiuren – bestürzen
bestutten – besuochnisse
besuochunge – bët
betagen – bëtelære
bëtelærinne – bëtemësse
betemmen – bëtewîn
bëtewîp – betrahtegen
betrahten – betrogenlich
betrônen – betrûren
betrûrigen – bettemunt
betten – betûchen
betüemen – betwungenheit
betwungenlich – bevellicheit
bevern – bevliehen
bevlieʒen – bevür
bevürhten – bewærnüsse
bewarsam – bewëlgen
bewëllen – bewindeln
bewinden – bezâfen
bezaln – beziln
bezimbern – beʒʒer
beʒʒerære – bî bestân
bîbilde – bíderben, bedérben
biderbenen, bederbenen – bîenkar
bîenswarm – bieʒenblat
bieʒenkrût – bîhtât
bîht(e) – bilchmûs
bildære – bildoht
bildunge – bilsensaf
bilsensâme – bineʒ
binide – birden
bir(e) – birnwîn
birsære – bischolf
bî schrîben – bî slâfen
bî|slëht – bît
bitære – bittern
bitternis – biurlîn
biuschen – bîvilde
bîvilden – bîzeichenen
bî zëmen – blahsen
1blæjen – blâsehorn
blæselîn – blatengîr
blatenrinc – blëchhantschuoch
blëchrinc – bleichvëlt
blende – blîche
blîchen – blîkloz
blîkolbe – bliuclich
bliuge – blôdern
blotschen – blüemunge
blüetebërnde – bluomental
bluomenvar – bluotgieʒen
bluotgieʒende – bluotstürzunge
bluotsûgende – bobenthalben
boc – bogelîn
bogen – 2bolle
bollen – 3bor
bor-, enbor- – (borliep,) enborliep
bormære – bortengewant
bortiure – bote
botech – bou
bouc – boummate
boum|öle – bôʒwurz
brâ – brâ|hâr
bræhen – brantlich
brantreite – brâwelîn
bræwen – brëhenen
brëhentac – brenken
brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche
brëtsnîdære – brieschen
brievære – brionie
brîsære – briulêhen
briumeister – briuwe
briuwe – brohsen
bronie – brôthalle
brôtheit – bruch
bruch – bruckenambet
bruckenære, bruggenære – brüeterîn
brügel – brünnære
brunne – brünselbërc
brünseln – bruoderhûs
bruoderkint – brust
brust – brûtdëgen
brûtdrüʒʒel – brûtsanc
brûtschaft – buckel
buckelære – büellîn
büeʒære – buhsboum
bühse – bûlslac
bulzen – buoben
buobengâbe – buochisch
buochkamere – buoliân
buollîn – buppe
bur – burcgrâvenambet
burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen
burcmeisterschaft – burcstal
burcstat – bürde
bürdelîn – burgergemeine
bûr|gerihte – Burgunder
Burgunjoys – bursenære
bursît – büschelîn
buschoff – bütelin
bûtelîn – bûvëlt
bûvisch – buʒʒel

   brouchen - brückelât    


brouchen swV. überwiegend frühmhd. belegt. 1 ‘etw. biegen, formen’
2 refl. ‘sich neigen, krümmen’ (s.a. bringen 13 )
   1 ‘etw. biegen, formen’ golt ketenne [...] gebroͮht in wurmes wîs TrudHL 23,23; Will 18,3; alsô der tuot der ûz wahsse ein bilede machet, / alsô brouchet er den leim Gen 110; der engel unde diu sêle [...] sint ûf dich [Gott] gebrouchet [nach dir gebildet] , daz sie dîne forme in sich enpfâhen DvASchr 368,26. 323,34; in stæines weise [...] den niemen mac gewæichen, / gebrovchen noch gelæichen Warnung 3308. ich broͮche miniv chnie zoͮ gote Spec 135,29; ebenso Priesterl 161; PsM H 84,3; wande elliu diemuͦt an deme gebrouchten halse gemêret wirt TrudHL 54,16; daz houbet brouhte er [der Teufel] uns zuo der erde TrudHL(O) 3,7 (vgl. Komm.z.St.). min herze muͦz ich broͮchen [hineinbiegen] / in ivwer aller rat Wernh D 2092    2 refl. ‘sich neigen, krümmen’ (s.a. bringen 13 ): wanta sích gót uon hímele héra ze érdon gebrôhta dúrh mînen wíllon Will 19,3; die hosen [...] an dem bäine [des Verstorbenen] ; / die brouchent sich nû läider chläine [sind nun steif und starr] Erinn 626. – unsicher, ob hierher (oder zu brûchen; vgl. Anm.z.St.): die hoste vreude sich zu jamer bruchet [verkehrt sich zu jamer ] Frl 8:1,16

MWB 1 1033,51; Bearbeiter: Hoffmann

brouten swV. briuten

MWB 1 1034,12;

broʒ stN. auch probs ( BdN ). ‘Knospe’ ûz grüener boume brozzen / so dringet widerstrît / bluot vil maniger leijen SM:St 10: 1,5; des früht sint sam diu körnl oder sam die probs, die an der paum reisern her für schiezent BdN 348,21. 339,34. – übertr.: jn ir brüel [bildl. für die weibliche Scham] zefuort er daz broz, / daz mit blüete was entsprungen Krone 11726

MWB 1 1034,13; Bearbeiter: Hoffmann

broʒʒen swV. auch probsen ( BdN ). ‘Knospen treiben, ausschlagen’ dô sach ich drî wînrebe / brozzen unde bluon Gen 1950; wenn die paum des êrsten probsent, ê si läuber gewinnent BdN 348,23; PsM Per 22,19; die minnen este brozzen WhvÖst 880. beidiu wîp unde geiz / müezen brozzen [sich recken?] gotweiz / zuo ir rehten spîse Bîspel(Pf) 11,32

MWB 1 1034,21; Bearbeiter: Hoffmann

bruch Adj. ‘wort-, vertragsbrüchig’; nur in der Wendung – ~ werden an etw./gegen jmdn. (vgl. bruch stM. 2.2 ) : wurden si aber bruch an keinen dingen, als vor gesprochen ist UrkCorp (WMU) 2550,27; werden sie des brvch, so valle daz gvͦth an die pfarre ebd. 1530,8; swelich vischer oder jude [...] an kauffen oder an verkauffen bruch wurde WüP 59,4. 25,4; abir sie haben ubirtreten min gelubde, do zint si bruch wurden kegen mir [ ibi praevaricati sunt in me ] Cranc Os 6,7

MWB 1 1034,29; Bearbeiter: Hoffmann

bruch stM. 1 eigentl.
1.1 ‘Brechen, Zer-, Abbrechen (einer Sache)’
1.2 jägerspr. ‘Verlust der Spur des Wildes (durch den Jagdhund)’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 38b)
1.3 ‘Bruch, Riss, Quetschung (am menschlichen oder tierischen Körper)’
2 übertr.
2.1 ‘Mangel, Gebrechen, Schaden’
2.2 ‘(moralische) Verfehlung, Vergehen, Sünde; Rechtsverletzung’
2.3 ‘Streitigkeit, Rechtsstreit’
   1 eigentl.    1.1 ‘Brechen, Zer-, Abbrechen (einer Sache)’ des wart von speres brüchen / dâ löcherehte manic schilt KvWTroj 32664. 34274; KvWEngelh 4815; wen als der bogin wirt gezogin / gecrummit und widirbogin / und doch blîbit bruchis ân NvJer 2688; des schiffes bruch wart kume irwant, / man zoch ez ganz an daz lant Vät 2177; sin celle bleib veste und gans / ane allerhande bruchez schrantz ebd. 31968. 6366. 39552; swie kranc die fiole si, / doch ist groz zirde da bi / des morgens an ir bruche / von varwen und von ruche HeslApk 22063; wie kleine der bruch si, iz [das Glas] ist doch ye niet gantz noch vollenkomen Seuse 535,3; WernhMl 2737. 4845; sumlich jên dem ûzern tûch [des Tempels] / sî geschên des rizzes bruch JvFrst 10298; min cleider bliben ganz / an allen bruch, an allen wanc, an allen schranz Frl 1:14,12. – Ergebnis des Brechens: ‘abgebrochenes Stück’ dîne hûffelon. sínt sámo der brúch des rôten ápfeles [ fragmen mali Punici ] Will 57,1. – ‘Bruchstelle’ die widervart ez [das würmel ] dô gevie / gegen dem selben bruche [des Eies] hin / dâz ûze gie, dâ woldez in RvEAlex 1131    1.2 jägerspr. ‘Verlust der Spur des Wildes (durch den Jagdhund)’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 38b): ob disen [...] geschæhe ein bruch von überlistic fliehen Hadam 18,4; vil brüch gên widerbrüchen [Wiederaufnehmen der Spur] / ergiengen dâ ebd. 492,6; ist aber sin [des Jägers] sin durch obert, / daz er in volget uff den bruch [nachdem sie die Spur verloren haben] / und schryet zu in durch hilffe ‘juch’ / und bringt sie wider uff die vart, / so jagen sie nach irre art / sust nach dez meisters helffe Minneb 1639    1.3 ‘Bruch, Riss, Quetschung (am menschlichen oder tierischen Körper)’ din bruch [ fractura ] ist unhailsam, din wunde ist al zu boze PrLpz 12,20; ebenso Cranc Jer 30,12; den schachern irú bain man brach: / Ihesum man ieczent toten sach, / und kainen bruch sú tatent im WernhMl 11495; JvFrst 10559. 10582; KvWTroj 12861; welch ros czubrochyn ist uf dem ruͤcke, so [...] salbe den bruch do mete boymole Albrant 3,40. 2,12; di batenie gestosen ist guͦt zu allerhand bruͦche dez houbtez Macer 38,12    2 übertr.    2.1 ‘Mangel, Gebrechen, Schaden’ alles trostes ist da [in der Hölle] pruch Vät 41155; er [Artus] übersach wol allen schaden, / den ein bœse herre entsitzet, / der von swachem bruche switzet UvZLanz 7766; dîn [des Winters] gewalt / sêre smalt, / dîn kraft duldet bruch und spalt, / dîn mül niht mêr malt KLD:Kzl 13: 1,5; und daz Isaie spruch / gewunne an der wârheit keinen bruch, / sunder daz er wurd volbrâcht JvFrst 8266; TvKulm 3306; von dem himelriche und von den nún koͤren und wer den bruch [den durch den Sturz Luzifers leer gewordenen Chor] billichen soͤlle erfúllen Mechth 3: Reg. 2; RvZw 121,12; Mühlh 120,4; Pelzb 132,25. âne/sunder (allen) ~ ‘vollkommen’ er was gephrophet uf den stam / der rehten tugende sunder bruch Vät 1513; daz gentzlich war ist und gantz, / an allen bruch, an allen scrantz Hiob 9352. 13140; Teichn 331,17; von der Jungfrauengeburt: daz si dich durch den selben spruch [das Wort ave ] / ze kinde enphienc ân allen bruch / in ir vil kiuschen wammen KvWLd 1,35; Daniel 1067. – eines Dinges ~ werden ‘(jmdm.) versagen’ do wart im bruch / der kunst, wand im die vedere brach Pass III 129,80; aller ere wart im bruch PassI/II 45,36; wo mir wirt an dem lobe bruch Minneb 1667; ob mir wol ist worden bruch, / daz ich lîhte einen spruch / unrehte hân gesprochen Kröllwitz 3972    2.2 ‘(moralische) Verfehlung, Vergehen, Sünde; Rechtsverletzung’ swer ouch sines bruder bruch [ peccatum ] , / [...] durch got bedecket und hielt Vät 19681; werft von uch alle uwir bruche [ praevaricationes vestras ] , an den ir obirtreten hat Cranc Ez 18,31 u.ö.; daz cruze, jehet mine zunge, / ist alles broches ein bezzerunge Brun 9833; und vorgab im innenclîch / al dî bruche, dî er î / widir in dâ vor begî NvJer 9569; PrLpz(L) 48,22; StatDtOrd 74,31; Hiob 2795; die engel werden ußgesant, / die toten wecket ires rufes stimme. / [...] durch bruch wer da geslagen wirt, der stirbet sunder wende / und wirt geheilet nimmer me Mügeln 14,15. vmbe solich bruch, der geschehen ist an dem gesezede, daz zwischen vnserm vatter, vns vnd jm wart gemath UrkCorp 588,38; swer den lantfride brichet vnd den bruch nicht vfrichten [La. bezzeren ] wil ebd. 879H,13; ob si sich liezen riwen / ires frides bruch Ottok 46791. 47174; sîner triwe bruch ebd. 10776    2.3 ‘Streitigkeit, Rechtsstreit’ ein gancze luter vnde stete svͦne [...] vmbe alle die sache vnde bruche, die zwischen vns vnde im vf geloͮffen waren UrkCorp 931,18; daz si alle bruche vnder in rihtent nach minne oder nach rehte ebd. 931,39; ez werde dann auch verrihttet der vorgenant lantgraf mit im umb den bruch und umb die sache, die er gen im hat MGHConst 6,1:43,31 (a. 1325); UrkFriedb 65 (a. 1301); UrkFreiberg 2:5,25 (a. 1317)

MWB 1 1034,39; Bearbeiter: Hoffmann

brûch stM. ‘Nutznießung, Gebrauch’ das das [die Gelder] on alle minderung in erkouffung ligender gütern in bruch und nutz diser capell [...] gewendt sole werden UrkGlar 193 (a. 1345); behielt auch ein kirch, oder ein chloster brief vͤber freihait vnd vͤber pruͤch, der niht dreizzik iar oder viertzik sait, so ist der brief tot RechtssA B66,16

MWB 1 1036,12; Bearbeiter: Hoffmann

bruchbrôt stN. ‘Brotreste’ die junger von den tischen / bruchprotes, greten, vischen / fulten do vil schiere / brot corb dristunt viere SHort 8830

MWB 1 1036,19; Bearbeiter: Hoffmann

brûchec Adj. ‘herkömmlich, üblich’ bräuchig und herkomen DRW 2,458 (HagenauStatB; a. 1339)

MWB 1 1036,22; Bearbeiter: Hoffmann

brucheht Adj.? bruocheht

MWB 1 1036,24;

brüchel stM. ‘Brecher’ owê dû bœswiht êren kranc, / [...] dû aller sælikeit ein hagel, / dû frides und triwen bruchel, / dû manheit lôser kruchel [Krüppel] Ottok 63505

MWB 1 1036,25; Bearbeiter: Hoffmann

bruchelich Adj., Adv. 1 ‘gesetzes-, treubrüchig’
2 ‘Schaden bringend; gebrechlich, schwach’
   1 ‘gesetzes-, treubrüchig’ swaz in dem rîche bruchlîch lebt / und ouch dem rehten widerstrebt HvBer 2016; ob ein knecht an trewen laͤr / von seim herren czogen waͤr / pruͤchenleich an widertail Teichn 564,1107; wer dat sache, dat wir an eyngem de vurschreven punt, vurwarden ind stucke eins deils of zumale versumelich of bruchlich weren MGHConst 8:86,15 (a. 1346)    2 ‘Schaden bringend; gebrechlich, schwach’ der muz nach der gelust ouch han / biwilen bruchelichen val PassI/II 248,82; bruchelich [La. pricheleich ] leben Vät 10330

MWB 1 1036,29; Bearbeiter: Hoffmann

brüchen stN. unklar, ‘Mangel, Brüchigkeit’?: mit wilder rede spruͤchen, / die sunder valsches bruͤchen / sich ze rimen sliezzen WhvÖst 1456

MWB 1 1036,41; Bearbeiter: Hoffmann

brûchen swV. s.a. gebrûchen (häufiger belegt). 1 ‘jmdn./etw. brauchen, beanspruchen; etw. genießen; etw. ge-, verbrauchen, etw. benützen’
1.1 mit Gen.d.P.
1.2 mit Gen.d.S.
1.3 mit Akk.d.S.
2 refl. ‘sich mit etw. beschäftigen’
3 subst. ‘Genießen, Genuss’
   1 ‘jmdn./etw. brauchen, beanspruchen; etw. genießen; etw. ge-, verbrauchen, etw. benützen’    1.1 mit Gen.d.P.: swenn ich dîn aber dürftic bin / und dîn ze nœten brûchen sol, / sô kan ich dir [Schwan] geruofen wol KvWSchwanr 383; Joseph obe dir [ Jacob ] gestêt sô dir diu sêle ûz gêt, / dîn ougen er lûchet sô er dîn mêr nebrûchet Gen 2525; godes ane kummersal / [...] zu bruchene alters eine Elis 6932; HeslNic 3028    1.2 mit Gen.d.S.: mich bedûhte, dô ich mînes slâfes brûhte, / wie sunne und mâne zuo ze mir chôme Gen 1763. 2024; daz her syner leyn selue bruͦchen mach vnde auch behalden UrkCorp 3567,23    1.3 mit Akk.d.S.: die hente er brûchte zeineme iegelichen werche Gen 206; wer den esel brûchen sol, / der sol in spîsen Boner 89,61. snüer unde kleine hüllen, / hentschuohe, borten, stûchen, / die vrouwen solten brûchen KvWTroj 27488; Pollidamas der brûchte / sîn swert mit frecher hende ebd. 31934. so sol man bruchen die spise die warm unde fiuhter naturen sien MNat 7,20; so sol die ander mule dc wascer bruchen, ob sie ez bedarf UrkCorp 645,22; so svlnt sie von diseme selben guͦte cehen schillinge bruchen zuͦ dienste ime reuentor ebd. N107,17; ein girekeit vil ze habende oder lange ze bruchende Mechth 6: 4,9. wir súllent sú [die suͤssekeit Gottes] bruchen und nút gebruchen [Nutzen daraus ziehen und nicht nur Genuss] Tauler 100,9. ~ und nützen: KvWTroj 30186; UrkCorp 728,7    2 refl. ‘sich mit etw. beschäftigen’ wa ich mich selber bruch in aigenschaft rainer dinge, da ich gottes er nit bloͤslich inn main Lilie 77,4    3 subst. ‘Genießen, Genuss’ die sünder, die sich durch daz brûchen der crêatûre nâch irm luste wider got an ir sêle sêlikeit hindernt Eckh (Pf) 247,25; zuokunft ist ein niwiu freude von eime lieben friunde und ist ein unverdrozzenz brûchen sîner gegenwürtikeit ebd. 354,22

MWB 1 1036,44; Bearbeiter: Hoffmann

bruchhaftic Adj. ‘straffällig, zur Strafzahlung verpflichtet’ di [Pfennige] sal he brengen deme schultheißin in syn hus, di wile her isßit. thede he des nicht, he worde brochhafftig unseme hern StRHeiligenst 101

MWB 1 1037,19; Bearbeiter: Hoffmann

brüchic Adj. 1 ‘wort-, vertragsbrüchig’
2 ~ werden ‘(an etw.) Schaden nehmen’
3 jägerspr.: Jagdhunden wirt ~ , ihnen geschieht ein bruch (vgl. dort unter 1.2 ), sie verlieren die Spur des Wildes (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 38b)
   1 ‘wort-, vertragsbrüchig’ welich vnser bruchic wirt an dem andern an den stvcken di hi vor bescriben stein UrkCorp 1816,41. 351,46; wellent sy pruchig werden an mir Teichn 620,19; als er der frawn gab die ler / die an der ee was worden pruchig ebd. 610,143. 613,18; were daz der edele man graue Heinriche bruchich oder vellic worde daz wi en heizen tun UrkThür 507 (a. 1313)    2 ~ werden ‘(an etw.) Schaden nehmen’ daz er wirt witzen bruchig / und an dem libe suchtig Minneb 1657    3 jägerspr.: Jagdhunden wirt ~ , ihnen geschieht ein bruch (vgl. dort unter 1.2), sie verlieren die Spur des Wildes (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 38b): wist, wo junge welffe / nach einem hirtzen schone / her jagen in sußem done, / daz den gar dick bruchig wirt Minneb 1639

MWB 1 1037,24; Bearbeiter: Hoffmann

brûchlîchen Adv. ‘verkostend, genießend’ die innerliche raste do man sich haltet wúrdeclichen und bruchlichen [La. wirklichen vnd gebrúchlichen ] , also got sin selbes gebruchet in wurklicher wisen Tauler 402,26

MWB 1 1037,40; Bearbeiter: Hoffmann

bruchnisse stFN. ‘Streitigkeit, Zerwürfnis’ ob der kriege oder der bruche keiner uf erste, da von krieg oder bruchnisse furbaz muge werden UrkCorp 1126A,13; daz wi [...] vns vmme alle sachen vnde bruchnisse, di zcwischin vns gewest sin, eintrechtelich vnde gentzlich vor einet vnde berichtet habn UrkDresd 19 (a. 1309)

MWB 1 1037,45; Bearbeiter: Hoffmann

brûchnisse stF. ‘Genuss’ da [im Himmelreich] ist frovde ane maze, [...] godis werlich becantnisse, vollekvmen minne, selic brvhnisse SalHaus 36,6

MWB 1 1037,52; Bearbeiter: Hoffmann

bruchsilber stN. ‘Bruchsilber, Werksilber zum Einschmelzen’ das nieman [ze] Zúrich enkein silber, es si loͤtig oder bruchsilber, koͧffen sol FWB 4,1238 (Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.; a. 1334/5)

MWB 1 1037,55; Bearbeiter: Hoffmann

brûchunge stF. ‘(myst.) Genuss, Genießen (Gottes)’ ouch spiset diz spise [Eucharistie] des volkomnen menschen inreliche ubunge und bruchung so daz der mensche [...] sich vil wesentlicher und stettiklicher ubet inwendig sich zefugen und zekeren zu guͦtlicher guͦtheit und zuͦ götlicher minne MvHeilFr 21 (Anm.); und [Gott] ist da aller meist in bekentnusse gottlicher nature [...] und an minne und an bruchunge und an dancnemekeit und an vereinunge der willen Vateruns(Sch) 41; do sprach er [Gott] : ich muͦs din schonen an der bruchunge beide din und min Mechth 7: 8,16

MWB 1 1037,59; Bearbeiter: Hoffmann

bruckære stM. ‘Brückenwächter, Brückenzöllner’ der brugger und der torwart, / der hirte und der banwart, / pfaffen, leigen, jung und alt, / [...] si lebent alle in gîtekeit Boner 9,41; vnd suͥllent och die ober brugger besorgen [...], daz sy die muren der graben beider jerlich jetten vnd daz krut vss machen, vmb daz die muren nit zerfallen StRBern 1:151,11. 1:191,18. – als Personenname: ein zweiteil [ acker ] nebent den bruckere UrkCorp N107,30; ein schvͦpozse [Grundstück] ze Hagenbach, die des brvggers wirten bvwet ebd. 552,8

MWB 1 1038,8; Bearbeiter: Hoffmann

bruckbrët stN. wohl ‘Brett für das hölzerne Gerüst am Ofen, das als Lagerstatt dient’ (vgl. brucke 2): do schenckten die leut [...]: / ainer gab ain pruckprett [Konjektur, vgl. Anm. z.St.; Hss.: pruͦchpett, pruchbet ] , / der ander hiesz ain schwingen / usz seinem huse pringen MeierBetz 227; Oder liegt hier bruochbette ‘Bett von leinenem Zeug’ (BMZ 1:111a,30) vor?

MWB 1 1038,19; Bearbeiter: Hoffmann

brucke, brücke stswF. auch brugge (überwiegend alem. Belege; u.a. RvEWh , SM:St , Seuse , WernhMl , GTroj , Boner ; vgl. auch WMU 1,298 u. FWB 4,1257f.). 1 ‘Brücke (über ein Gewässer)’
1.1 eigentl.
1.2 übertr. und bildl.
2 ‘Zugbrücke’
3 ‘erhöhtes Sitzgerüst aus Brettern’ (vgl. Schmeller, BWB 1,347; FWB 4,1241)
4 ‘Landungsbrücke, an der die Schiffe anlegen’
   1 ‘Brücke (über ein Gewässer)’    1.1 eigentl.: ze der Tîver sie schiere kâmen / ûf eine brücke, diu dâ was Eracl 1149; dô wart ein brucke alsô breit / über die Tuonou geworht, / daz darüber âne vorht / zehen neben einander riten Ottok 7727; die brücke, diu dervor / über ein drætez wazzer gie UvZLanz 3608; ein hûs enmitten drinne [im See] lac. / von dem lande gienc ein brücke dar ebd. 7163; EnikFb 1498; BdN 120,33; Virg 188,7. eine brükke steinîn grôz Parz 354,6; RvEWh 9177; ein brucke starc von holz Ottok 77376. 10866; ein schmale brucke, die sere böse was Lanc 214,23; uber eyn cleyn brúcken, die von hurden [Flechtwerk] was gemacht ebd. 6,3; die ander sit der brucken was ein barbekanie [Vorwerk] gemacht wol besloßen und veste ebd. 380,19. – in Verbindungen mit den Verben (wider) machen, slagen; ze-, niderbrechen: der kuninc hîz sîne man / grôze boume howan / und eine brucke machen SAlex 2631; ein bruck macht er über den Rîn, / diu maht niht bezzer gesîn EnikWchr 21169; Rennew 35557; UrkCorp N797,22; der herre det die brucken wiedder machen Lanc 384,13; ein êrlîch bruck lange / was über das wazzer geslagen EnikFb 2700; diu brucke, diu darüber gie, / die Unger zebrâchen die Ottok 11054; und swâ ein brucke oder ein stec / indert gie über einen bach, / zehant man daz nider brach ebd. 11085; Rennew 35569. âne ~ und âne stec: Dodines der wilde / der fuort den künec sô guoten wec, / âne brücke und âne stec, / daz er schiere heim kam UvZLanz 7318; hôch in den lüften sint mîn wege, / âne brugge und âne stege / über sê und über lant Boner 81,44. 9,6; Mechth 6:16,6. – in Aufzählungen mit anderen Weg- und Gebäudebezeichnungen: ûf brücke, in vurte, und an den wegen Wh 465,24; er hies machen guͦte wege, / bruggen, notúrfte stege / machot er durch der lúte not RvEWh 15548; Himmelr 10,13; Mühlh 149,15; da mit sult ir [...] / euwr stat zieren: / die turne wol formyren, / paide strass und weg, / graben, prucken unde steg HvNstAp 1186; sine grozin herschaft, / der dirre fúrste pflac hie vor, / rincmûre, brugge, búrge tor / zeigint mit gewalt alda RvEWchr 3621; GTroj 5250. – als Zollstätte: vnde chœ̂men die vber eine, daz si der brugge schrieben den zol, der von alter her reht wæ̂re UrkCorp 548A,18. swelhen wagen, geladen mit troͤgen [...], man uͤber diu prugke fuͤret, dovon gibt man zwen pfenning ze zoll StRMünch 236,8; UrkNAltaich 2,52 (a. 1347); wer über sîne brugge reit / oder gieng, ein phenning muost er geben Boner 76,4. – in Verbindung mit Ortsnamen oder als Teil von Namen: zeiner brücke [...] / diu hiez ze dem Stiebenden stege UvZLanz 7145; der ein [ wec ] geet zur brúcken vom Werte, und die ander straß get zu der Verlornen Brucken, die man spricht das sie under dem waßer ge Lanc 609,14; aine mv́lie, div bi dem wege lit vnder den nusboͮmen ob der brugge ze Ragæsch UrkCorp N 371,8; Heinrich den man sprichet an der Brugge ebd. 1306,6; hie bi waren gezv̓ge [...] Johans von Rinach, Heinrich Bokli, Peter an der Brugge ebd. 2671,9    1.2 übertr. und bildl.: di [Seligen] sint unser brucge, / si sulen unsich laiten / uz tisen arbaiten / ze der himelisgen Jerusalem HimmlJer 293; Rol 3948; ich bin Got, dez lebens weg, / ich bin bruͤcke und steg HvNstGZ 7187; WernhMl 14560; Mügeln 348,7. er was des râtes brücke AHeinr 70; vf diner wisheit brvggen Martina 110,105; so heizet daz gelücke / sines wesens brücke Frl 5:53,4. 5:88,4. ir mære [die Botschaft der Cundrîe ] was ein brücke: / über freude ez jâmer truoc Parz 313,14; die wol gezimierten / ir brücke wâren über bluotes vurt Wh 397,29; hoher muͦt wart ir [ Kyburc ] ein gast. / ir wolte nymmer jamers last / komen von dem rugge. / ir was enzwei diu brugge / die ir wunne solte tragen Rennew 1826; unreht gewalt, ze valle stê dîn brugge RvZw 64,7    2 ‘Zugbrücke’ dô er ze dem hûse kêrte, / dô wart diu brücke nider lân Iw 4373. 4978; bit die brüke iu nider lâzen / und offen iu die strâzen Parz 225,29; daz sie gein der porten giengen / und beide die ketenen viengen, / und zucten sie so vaste / daz diu brugge nider blaste Rennew 30614; die brucke zôch man ûf zehant / und beslôz daz tor vil vast als ê PleierGar 7446; Wig 4520; Kreuzf 5396. er sol machen ein vfgend bruͤggen UrkWürzb 40,266 (a. 1339); und hub nach im ein groß uffgend brucken Lanc 8,20    3 ‘erhöhtes Sitzgerüst aus Brettern’ (vgl. Schmeller, BWB 1,347; FWB 4,1241) vrouwe Japhîte diu reine / ûf eine hôhe brücke saz, / daz nie dehein brücke baz / von betten wart geslihtet, / mit tepten wol berihtet, / und mit liehten pfellen Wig 7469; wie wilt den winter dû genesen? / [...] dâ wil ich den strousak in die stuben tragen, / sô muoz oven unde brugge erwagen SM:St 11: 4,11    4 ‘Landungsbrücke, an der die Schiffe anlegen’ ich hân ein hôhez ors hie bî, / ich wænez ouch wol sô hôch sî, / mîne vrouwen, iuwer vriundîn, / daz ich si wol zer brucken în / sô schône gevüere, / daz si daz mer iht rüere Tr 13382 (vgl. schifbrucken 13368.71); weset alle hinne [im Innern des Schiffes] tougen! / wan knehte und marnære, / die vorschen der mære / ûf der brucke vor der schiftür ebd. 8697 (z.St. vgl. jedoch Sprenger, Germ. 22, 409: "hier wird wohl ein hölzernes Gerüst vor der Cajütenthür, zum Ausschauen errichtet, gemeint sein")

MWB 1 1038,27; Bearbeiter: Hoffmann

brückelât stN. ‘Brosame’ von dem armen Lazarus, dem er vffe ertriche hette die brúckelote [La. bröckle vnd die broͤsenly ] von sim tische verseit ElsLA 60,32

MWB 1 1040,11; Bearbeiter: Hoffmann