bolsterlîn
stN.
‘kleines Polster’
alsus er in den grünnen wald / brachte den kranken fürsten vin, /
ein lichtt sydin pülsterlin / waz im under den lib gelaitt GTroj
1348
MWB 1 921,37; Bearbeiter: Plate
bolsterschuoch
stM.
‘gefütterter Schuh, Pelz-, Winterschuh’ (vgl. SchwäbWB
1,1280):
daz wir do gelobtun in baiden [...] ze gende
[...] ze sant Martins mis [...]
vier bolstirshuͦhe UrkCorp (WMU)
1207,45
MWB 1 921,41; Bearbeiter: Plate
1bolz
stM.
‘Brei, Mus, Grütze’ (aus roman. pultem, lat. puls,
pultis; vgl. AWB 1,1256):
iantaculum [La. lanticulum
] primus cibus quo
ieiunium solvitur bolz SummHeinr
1:334,291
lataculum: bolz ebd.
2:90,54
MWB 1 921,46; Bearbeiter: Plate
2bolz
stswM.
ahd. bolz(o) stswM.
1
‘gefiederter Pfeil (für Bogen und Armbrust)’
1.1 allgem. 1.2 in Vergleichen; bezogen auf Schnelligkeit 1.3 übertr. 2
‘Stützbalken’ (vgl. SchweizId 4,1227; WBÖ 3,590) 3
‘Schlüsselrohr’
1
‘gefiederter Pfeil (für Bogen und Armbrust)’
1.1
allgem.:
Esau vuor ze holze mit bogen jouch mit bolze, / mit
netzen jouch mit hunten vieng er hirze unde hinten Gen
1074;
sie hetten [...] geschutze in
guten baten [in gutem Zustand] , / armbrust vf gezogen,
/ kocher, phile vnde bogen, / stralen vnde bolzen Herb
4741.
8706;
ich gesach nie guoten bolz / âne vedern und âne holz Freid
119,8;
er schnaid von ainem holtze / den pogen zu dem poltze, /
den sennwete er gar vaste / mit lindenem paste HvNstAp
6750
1.2
in Vergleichen; bezogen auf Schnelligkeit:
si [Barke] kam für sich geflozzen / und balde
enwec geschozzen / sam ûz der nüzze vert der bolz KvWPart
725;
ein ritter unverzagt / in einem snellen renneholz
[schnellfahrenden Kahn] / fuor als balde als ein
bolz / vert von einem starken bogen Ottok
4504;
Minneb
16;
rechtt als von der senwen vertt der boltz, / suss ylten
dorss ain andren an GTroj
462.
– bezogen auf Befiederung:
do [im Paradies] stunt gevidert also ein
bolz / gewachsin daz ture lebenes holz Brun
5343
1.3
übertr.:
niht wan tjoste was ir bolz [ihr (Liebes-)Pfeil war allein
das Lanzenstechen (mit dem sich der Geliebte ihre Huld verdienen
musste)] : / ir friwent si gein dem vînde schôz Parz
217,14;
ich wil sin ein boltz, / zu wer mich selbe shiezzen Rennew
8252;
Lemberslint schôz sînen bolz / mit gefüegen worten stolz / gegen Gotelinde
Helmbr
1497;
Partonopier [...] / lie sîner klâren ougen bolz /
an die keiserinne stolz / vil ofte vliegen unde varn KvWPart
16577;
der tuvel ouch darinne warf / an dem wirt gelust so scharf /
[...] er was geruͤret / mit des tuvels
bolzen Vät
4281;
der Minnen bolz Virg
1000,7
2
‘Stützbalken’ (vgl. SchweizId 4,1227; WBÖ 3,590):
der [
turn
] was nû underwarht gar, / sô
daz man het gesetzet dar / manigen bolz grôz, / phîlær genôz, / von eichînem holze.
/ die selben siul und bolze / habten den turn ûf, / daz er niht gie ze hûf
Ottok
59809.
28725;
WhvÖst
12000
3
‘Schlüsselrohr’
Schlegel
522
(La.);
vgl.
bölzelîn
MWB 1 921,51; Bearbeiter: Plate
bölzelîn
stN.
1
‘kleiner Pfeil’
2
‘Halm, Schaft des Schlüssels’ (vgl. LexMA 7,1492)
1
‘kleiner Pfeil’
bogen unde bölzelîn / die sneit er mit sîn selbes hant, / und schôz vil vogele
die er vant Parz
118,4.
– übertr.:
daz er gegen ir in rûnewarten [ ‘Flüsterworten’,
Konjektur; ruomewât
Neidh(HW)
] bölzel schiuzet Neidh
WL 19:5,10;
ein müezic mensche [...] stêt
[...] reht als ein zil, / ze dem die tiufel ir
bölzelîn / schiezent Renner
10427;
diu minne [...] schüzze
[...] dar ir bolzelîn, /
[...] dar von diu roete quam, dar nâch diu bleiche
Loheng
6641;
Virg
1000,11
2
‘Halm, Schaft des Schlüssels’ (vgl. LexMA 7,1492):
vünf slüzzel kleine [...] / diu bölzlîn innerhalben
hol Schlegel
522
MWB 1 922,29; Bearbeiter: Plate
bolzgevidere
stN.
‘gefiederter Pfeil’
er îlte ûf in mit sneller just / noch balder denne ein bolz gevider KvWTroj
35991;
im wart von ir gesendet / ir liehten ougen bolzgevider ebd.
7765
MWB 1 922,42; Bearbeiter: Plate
bônbrî, bônenbrî
M.
‘Bohnenbrei’
pultes: bonbri SummHeinr
2:429,02.22;
der bonen bri den man also machet, der ist gut mit pheffer
SalArz
10,24.
10,20
MWB 1 922,46; Bearbeiter: Plate
bône
F.
‘Bohne’ (nicht die heutige Gartenbohne, die erst in der Neuzeit aus
Amerika eingeführt wurde, vgl. Kluge S. 137):
erweiz vnde bonen Herb
16628;
sô die bône stênt gebluot Wh
99,25;
waz êren hat vro Bône, / daz man von ir singen sol, / si rehtiu vastenkiuwe!
Walth
17,25;
zisern [Erbsen] unde bonen / gent mir
niht hohen muot Tannh
13,61;
wold uns sîn got als wol lônen, / wir æzen ouch visch für bônen Ottok
45858;
hie ist auch ein sakch komen, / da ist inn der armen kraut /
[...]die ponn und die arbais HvBurg
5549;
gebrande bône Barth
139,17;
di grunen bonen SalArz
10,14;
BvgSp
31;
ungeschelte bônen StatDtOrd
67,35;
zwæne mvtt [Scheffel] arwaiz vnde bonen
UrbBayÄ
899,a.
– in Vergleichen, für etwas Kleines, Geringes, Wertloses:
frumt si niht mêre / wider den gotes zorn denne eine pône!
Priesterl
661;
mîn forderunge ist ûf in kleiner danne ein bône Walth
26,26;
kleine als ein bône / was der selbe stein Wig
841;
ich spriche, daz allez guot, joch alle crêatûren, gegen gote
ist minner dan ein bône gegen aller dirre lîplîchen werlt Eckh
5: 59,1.
– phras. niht eine bône
‘gar nicht/gar nichts’
sin hæten umbe ein bezzer leben / niht eine bône gegeben
Tr
16876;
sie enahteten eine bône niht ûf got Eckh
1:103,2;
der ouch der vursten persone / nicht achtet um eyne bone Hiob
12870;
kynder, uff alle die gelaszenheit, die nit usz geubet enist, engebe ich nit
eyn bone Seuse
513,21;
nun vürhte ich / dîne stange unde dich / niht eine halbe bône
Tr
15991;
tuot deweder ir welt! / ich wenz [= wende ez, ändere
es] niht mit dem [nicht um so viel] daz
man schelt / von einer halben bone RuprvWü
574
MWB 1 922,50; Bearbeiter: Plate
bônebluot
stF.
‘Bohnenblüte’
so nim garthagen und hasensmalz und bomole, ponebluͦt und
mach ein phlaster BenRez
9
MWB 1 923,20; Bearbeiter: Plate
bônenbrî
M.
→
bônbrî
MWB 1 923,23;
bonenie
stF.
‘Päonie, Pfingstrose’
pyonia heiset bonenie Macer
60,1.
– Verschreibung für beonie? (vgl. AWB 1,879); vgl.
peon
MWB 1 923,24; Bearbeiter: Plate
bônenmël
stN.
‘Bohnenmehl’
aniz mit bonenmel unde mit heizem honege getempert hilfet den
man, ob im sin geschote zoswollen ist Macer
80,6;
so man daz bonen mel sudet mit zuker vnde mandilkernen, so ist iz
gut uor den husten SalArz
10,28
MWB 1 923,27; Bearbeiter: Plate
bônît
stN.
zu afrz. bon(n)et
‘Stoffart, woraus Kopfbedeckungen hergestellt werden’, später
‘Kopfbedeckung’.
Mhd. für verschiedene Kleidungsstücke, und zwar
1 für eine Kopfbedeckung 2 für ein über dem Brustpanzer getragenes Kleidungsstück 3 mit unsicherem Bezug
1
für eine Kopfbedeckung:
thiara: ponit VocBV926
3:626,21;
diadema: punît GlSal
169,63.
– in dieser Bed. ( ‘Mütze’) auch im Mnd., Mnl. und
Frnhd., vgl. Schiller/Lübben 1,386. 6,77; MNW 1,1359; FWB 4,776
2
für ein über dem Brustpanzer getragenes Kleidungsstück:
ain ponit vor miner bruste stat, / das vil wol durchberlot hat / dú kúneginne
gewaͤre EckenlE2
93,4
3
mit unsicherem Bezug:
sie trogen alle bonit herlich Roth
864;
ir himede waren sidin / sie trogin bonit guldin / da inne got
gesteine ebd.
1851;
von visches hiute truoger an / ein surkôt unt ein bônît Parz
570,2.
– Lit.: Schultz, Höf. Leben 2,48; Palander, S. 108f.; Suolahti, 1,69f.;
AWB 1,1258; Etymol.Wb.d.Ahd. 2,239f.; Brüggen, Kleidung, S. 207
MWB 1 923,33; Bearbeiter: Plate
bônsât
stF.
‘Bohnenernte’
mir würd [...] ein sô getân [so
reichliche] bônsât, / daz ich wolt êrlîchen leben Helbl
2,300
MWB 1 923,52; Bearbeiter: Plate
bônwibel
stM.
‘Bohnenkäfer’ (vgl. AWB 1,1259):
aigilia: bonwibil SummHeinr
1:167,767
MWB 1 923,55; Bearbeiter: Plate
bônwinde
F.
‘Ackerwinde’ (vgl. AWB 1,1259 und Etymol.Wb.d.Ahd. 2,240):
ligustria: bonwinda VocBV160
3:52,4
MWB 1 923,57; Bearbeiter: Plate
bônwurz
stF.
Glosse für die Pflanzennamen maurella und millemorbia (zu
den möglichen Zuordnungen zu botanischen Benennungen vgl. Etymol.Wb.d.Ahd.
2,240f.):
mavrella: boͮnwrz VocBV945
3:481,61;
VocBV66
3:481,61;
mavrella: bonwrz VocBV461
3:481,61;
millemorbia: druͦswrz vel ponwrz vel maurella VocBV632
3:475,38
MWB 1 923,60; Bearbeiter: Plate
1bor
stM.
zu poln. bór
‘(Fichten-)Wald’, latinisiert borra (so Strehlke zu
NvJer
7083; vgl. PreussWB 1,724f. und MlatWB 1,1541) oder zu
→
2bor in der Bed. ‘Anhöhe’ (so Pfeiffer,
NvJer. 134 s.v., und Strehlke zu NvJer
25780)?
dâ jaite nâ der cristenin trucht / manchir wegen durch den bor / alliz ûf der
vîende spor NvJer
7083;
der selbe wintir was sô kalt, / daz dî vruchtboume nicht inthalt / hattin vor dem
vroste / [...] beide in garten und ûf bor ebd.
25780
MWB 1 924,3; Bearbeiter: Plate
2bor
stM.
in den rezenten Dialekten oft F., M. z.B. WBÖ 3,616.
‘Empore in der Kirche’
do komen di posen gaist [...] und hueben si uf den obern
por AdelhLangm
60,16
(vgl. Anm. z. St.)
MWB 1 924,13; Bearbeiter: Plate
3bor
stN.
‘Bohrer’
das bor ist myt sime namen genant / hitzige ubonge [...],
/ die durch ire langes uben dut / den hymel bis an das oberste durch boren
Pilgerf
13232.
13226;
ein lang boͤre sij auch druͦg ebd.
13017
MWB 1 924,17; Bearbeiter: Plate
bor-, enbor-
Präf. vor Adj. und Adv.;
frmhd. auch bore-, ahd. bora-. Die Präfixvariante
enbor- ist ahd. noch nicht belegt und ungeklärten Ursprungs; am ehesten
in Frage kommt Angleichung an die Form des mhd. Adv. gleicher etymol. Grundlage
enbore
‘empor’. –
‘sehr; nicht sehr; nicht, un-’. Das schon ahd. seltene Präfix hat
ursprünglich steigernde Bedeutung, die sich mhd. in nichtnegierten Sätzen nur im Falle
von modal gebrauchtem borwol
‘ganz gewiss’ erhalten hat. Ahd. kommen die mit bora-
gebildeten Adj. und Adv. nur in negierten Sätzen vor, wodurch sich Umdeutung des
Präfixes als Teil eines zweigliedrigen, zugleich steigernden und negierenden Ausdrucks
ne ... bor-
‘nicht sehr ...’ oder sogar als bloße Verstärkung der Negation
ergeben konnte. Die Umdeutung zeigt sich daran, dass mhd. in Sätzen mit
bor-Bildungen ne/en als einzige weitere Negation genügt und die
sonst obligatorisch gewordene Verstärkung durch niht beinahe nie vorkommt
(einzige Ausnahme: borsenfte
Roth
2676), ja dass auch ne/en selbst fehlen kann (vgl.
borbiderbe, -gemeit, -guot, -holt, -lange 2, -mære, -schœne, -sêre, -tiure,
-verre, -vil, -wol), und zwar bereits in den ältesten mhd. Belegen (
Gen , GenM ). Nach Ausfall der Negationspartikel kann
das Präfix dann entweder allein die steigernde und zugleich negierende Bedeutung haben
oder sogar zum ausschließlich negierenden Präfix umgedeutet sein ( ‘nicht,
un-’). – Die bor- /enbor-Bildungen werden meist litotisch
gebraucht im Sinne der sogenannten mhd. Ironie, bei der anstelle der völligen Verneinung
ein Ausdruck für ‘wenig, selten’ usw. erscheint. Hier bei
steigernder, mit ne verneinter Bedeutung: ne ... bornôt
‘nicht sehr nötig’, litotisch für ‘gar nicht
nötig’; bei negiert-steigernder Bedeutung ohne ne:
borgemeit
‘nicht sehr froh’, litotisch für ‘gar nicht
froh’.
– Lit.: Behaghel, Dt. Syntax 2,79 (§ 575); Hübner, Ironie, S. 123f.; Biener,
Steigerungsadv., S. 173-177; Etymol. Wb. d. Ahd. 2,241f.
MWB 1 924,22; Bearbeiter: Plate
bôr
stM.
‘Empörung, Erhebung, Feindseligkeit’
die [Engel des zehnten
Chors] erzeigeten got alsölhen
bôr [
kôr:
] , / daz sîn werdiu kraft vil stætec /
von in wart anrætec [verraten wurde]
Wh
308,6;
daz nie sô grôzer haz / noch urliuges bôr / wær gewesen hie enphor Ottok
29436;
dô sich von êrste huop der bôr ebd.
27767.
65931
MWB 1 924,63; Bearbeiter: Plate
borat
stM.
ein Edelstein
MinneR 210
401
MWB 1 925,6; Bearbeiter: Plate
borax
Subst.
1 eine Eidechsen- bzw. Krötenart 2 Bezeichnung des Krötensteins
1
eine Eidechsen- bzw. Krötenart:
er spricht auch, daz mangerlai egdehsen sein, als borax,
salamandra und stellio, von den wir her nâch sagen BdN
274,29;
borax haizt ain grôz krot ebd.
296,11
2
Bezeichnung des Krötensteins:
borax ist ain krotenstain. den tregt ainrlai krot in dem
haupt BdN
436,33
MWB 1 925,7; Bearbeiter: Plate
borbiderbe
Adj.
‘unredlich, korrupt’
so ist der kúnig ouch nút mit göttelichem rehte, wanne sin vatter der koufte es
[Wahl des Sohnes] umb die kurfúrsten, und mahte die
fúrsten borbiderbe darumbe daz sú guot noment, daz symonie ist MerswBrf
342
MWB 1 925,14; Bearbeiter: Plate |