Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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b – bachhelling
bächîn – backwërc
bacolôn – badestubære
badestube – balde
baldecheit – balmunden
balmunt – balsamtrôn
balsamtropfe – ban, bane
1ban – banekîe
banël – bänkelîn
banken – bantac
bant|âder – banzins
banzûn – bârbrët
1barc – bârkleit
barkorn – barmhërzeclîche
barmhërzege – barten
bartenære – base
Baseler, Basler – bate
bate, pate – bearbeiten
bearren – bechersamenære
becherweide – beckenknëht
beckenkol – bedancheit
bedarf (?) – bedingen
bedirmen – bedrangen, bedrengen
bedrât – begâben
begâbunge – begelimpfen
begenagen – begin
begîne – beglîmen
beglîmunge – begrîflich
begrîflîcheit – behaft
behaftec – behaltunge
behandeln – beheimsuochen
beheiʒen – behern
behêrren – behoven
behten – behuoflich
behuoren – beie
beie – beinîn
beinîsen – beiʒe
1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit
bekantnisse, bekentnisse – bekerzen
bekicken – beklipfen
beklocken (?) – bekorunge
bekorungnisse – beküelen
bekumberhaft – belæren
belasten – belîbelich
belîben – belônære
belônen – bemaln
bemangen – bemurmeln
bemüseln – benedîunge
benediz – bennen
bennige – bequâme
bequæme – bërc|êrîn
bërcgar – bërcphenninc
bërcrëht – beredenunge
beredet – 1berennen
2berennen – bërhtnaht
berhtram – berillîn
berîmeln – bërlich
bërlîn – bernisch
bërnklâ – bêrswîn
bertenære – beruofære
beruofen – besamentlîchen
besamenunge – beschatzære
beschatzen – beschemen
beschemenisse – beschînen
beschirm – beschouwunge
beschremen – besebelicheit
beseben – besetzunge
besëʒ – besîtes
besitzære – beslîʒen
besloʒ – besnöuwen
besnüeren – besprëchære
besprëchen – beste
bestëchen – bestiure
bestiuren – bestürzen
bestutten – besuochnisse
besuochunge – bët
betagen – bëtelære
bëtelærinne – bëtemësse
betemmen – bëtewîn
bëtewîp – betrahtegen
betrahten – betrogenlich
betrônen – betrûren
betrûrigen – bettemunt
betten – betûchen
betüemen – betwungenheit
betwungenlich – bevellicheit
bevern – bevliehen
bevlieʒen – bevür
bevürhten – bewærnüsse
bewarsam – bewëlgen
bewëllen – bewindeln
bewinden – bezâfen
bezaln – beziln
bezimbern – beʒʒer
beʒʒerære – bî bestân
bîbilde – bíderben, bedérben
biderbenen, bederbenen – bîenkar
bîenswarm – bieʒenblat
bieʒenkrût – bîhtât
bîht(e) – bilchmûs
bildære – bildoht
bildunge – bilsensaf
bilsensâme – bineʒ
binide – birden
bir(e) – birnwîn
birsære – bischolf
bî schrîben – bî slâfen
bî|slëht – bît
bitære – bittern
bitternis – biurlîn
biuschen – bîvilde
bîvilden – bîzeichenen
bî zëmen – blahsen
1blæjen – blâsehorn
blæselîn – blatengîr
blatenrinc – blëchhantschuoch
blëchrinc – bleichvëlt
blende – blîche
blîchen – blîkloz
blîkolbe – bliuclich
bliuge – blôdern
blotschen – blüemunge
blüetebërnde – bluomental
bluomenvar – bluotgieʒen
bluotgieʒende – bluotstürzunge
bluotsûgende – bobenthalben
boc – bogelîn
bogen – 2bolle
bollen – 3bor
bor-, enbor- – (borliep,) enborliep
bormære – bortengewant
bortiure – bote
botech – bou
bouc – boummate
boum|öle – bôʒwurz
brâ – brâ|hâr
bræhen – brantlich
brantreite – brâwelîn
bræwen – brëhenen
brëhentac – brenken
brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche
brëtsnîdære – brieschen
brievære – brionie
brîsære – briulêhen
briumeister – briuwe
briuwe – brohsen
bronie – brôthalle
brôtheit – bruch
bruch – bruckenambet
bruckenære, bruggenære – brüeterîn
brügel – brünnære
brunne – brünselbërc
brünseln – bruoderhûs
bruoderkint – brust
brust – brûtdëgen
brûtdrüʒʒel – brûtsanc
brûtschaft – buckel
buckelære – büellîn
büeʒære – buhsboum
bühse – bûlslac
bulzen – buoben
buobengâbe – buochisch
buochkamere – buoliân
buollîn – buppe
bur – burcgrâvenambet
burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen
burcmeisterschaft – burcstal
burcstat – bürde
bürdelîn – burgergemeine
bûr|gerihte – Burgunder
Burgunjoys – bursenære
bursît – büschelîn
buschoff – bütelin
bûtelîn – bûvëlt
bûvisch – buʒʒel

   blôʒeclîche(n) - blüetevarwe    


blôʒeclîche(n) Adv. auch blœzencliche. 1 ‘unverhüllt, offen’
2 ‘frei (von Materiellem, Weltlichem), rein’
3 ‘bloß, ausschließlich’
   1 ‘unverhüllt, offen’ waz got an im wolde, / daz wisete er blozeclichen genug Pass III 354,5; da mit enschlief do sant Johan / uf Ihesus hercze zuͦ der stunt / und ward verzuket, und wart im kunt / gottes werdú toͮgenhait / [...] in sinen zwain naturen, / blosklich an allen figuren [(l. alle?) ohne jede Symbolik] WernhMl 8290    2 ‘frei (von Materiellem, Weltlichem), rein’ so man dich [Gott] ie bloͤsklicher von aller materi entwiset, so man dich ie minneklicher in luter froͤdenbernder wunne schowet Seuse 378,7; unz daz der nidersenkend lip wirt ab geleit und daz gelútert oge der sele vernúnftikeit in der ewigen sunnen rad blosklich wirt gesteket ebd. 387,11; wan aber dú sele von dez sweren libes krankheit dem lutern guͦt in entbiltlicher wise nit mag blosseklich alle zit an gehaften, so muͤsse si etwas biltlichs haben ebd. 391,2    3 ‘bloß, ausschließlich’ daz her Johannes [...] vnde juncfrowe Fine [...] hant verluhen ir ouenhus [...] vnd die houestat, do daz ouenhus vffe stat, als ez iezunt mit buͦwe begriffen ist bloͤzencliche [Bezug unklar] Johannese Vendenheime UrkCorp (WMU) 3514,42

MWB 1 893,32; Bearbeiter: Tao

blôʒen swV. 1 ‘bloß, nackt sein’
2 ‘arm sein, werden’
   1 ‘bloß, nackt sein’ ich schricke, so dir blozent [Hs. bloezent ] dine zehen; / die sint wol gestellet Tannh 11,26. – übertr.: der ungetouften liute schar, / der [deren] muot an eren blozet [(: genozet) dem Ehre fehlt, abgeht] KvWGS 1445    2 ‘arm sein, werden’ got der nympt nur daz er leicht. / ainer plosset, der ander reichet Teichn 263,32

MWB 1 893,56; Bearbeiter: Tao

blœʒen swV. 1 tr.
1.1 ‘jmdn./etw. entblößen’
1.2 ‘einen Zweig entrinden’
1.3 ‘etw. verwüsten, zerstören’
1.4 ‘etw. enthüllen, bekannt machen’
1.5 umschreibend für ‘töten, sterben lassen’
1.6 bildl. in myst. Texten: ‘jmdn. (die Seele) von Kreatürlichem, Weltlichem befreien’
2 refl.
2.1 ‘Laub abwerfen’
2.2 ‘sich zeigen, sichtbar werden’
2.3 ‘sich nicht schützen’
   1 tr.    1.1 ‘jmdn./etw. entblößen’ ir muose ein arm geblœzet sîn Parz 375,10; sich, wie er [Christus] vor dir ûfgezogen, / geblœzet unde nacket stêt, / sîn haubet unde lîp gebogen VilwerdeSele 102; hals und achssel gar geplozzet Teichn 547,47; tochtir Edom, [...] du wirst trunkin und geblosit Cranc Kl. Jer 4,21    1.2 ‘einen Zweig entrinden’ vnd kleyde das gebloste teyl mit eyner ryndin eynis vremdin boumis Pelzb 121,2; vnd stoz di gancze rinde an den geblostin czwik des boumis ebd. 121,18. 122,7    1.3 ‘etw. verwüsten, zerstören’ die vorburc si blozten Serv 1795; set, der herre wirt di erde blosen und zustoren [...] und ire woner zustrouwen Cranc Jes 24,1    1.4 ‘etw. enthüllen, bekannt machen’ diuͤ selb scham diuͤ geit im schmerczen, / wer sin altez uͤbel bloͤsset / und ims vnder augen stoͤzzet Teichn 499,25    1.5 umschreibend für ‘töten, sterben lassen’: manic hals wart dâ geblôzet / des houbtes, daz ê darûf was Ottok 7295; wann in got dez lebens bloͤsset Teichn 514,56    1.6 bildl. in myst. Texten: ‘jmdn. (die Seele) von Kreatürlichem, Weltlichem befreien’ ez ist zweierleie geburt der menschen: ein ín die werlt und ein ûz der werlt, daz ist: geistlîche in got. wilt dû wizzen, ob dîn kint geborn werde und ob ez geblœzet sî, daz ist, ob dû gotes sun sîst gemachet? Eckh 3:325,4; in der worheit, wilt du haben den schoͤppfer der creaturen, so muͦst du enberen der creaturen, wanne es enmag nút anders sin, also vil also din sele gebloͤsset ist und geteilet Tauler 425,32; Seuse 279,8    2 refl.    2.1 ‘Laub abwerfen’ jarlanc bloezet sich der walt, / und ouch diu heide / valwet von dem kalden sne Tannh 8,1    2.2 ‘sich zeigen, sichtbar werden’ nu blœzen selten sich ir zane / gein mir ûf minneclîchen gruoz KLD:WvMezze 7:5,9    2.3 ‘sich nicht schützen’ sie hatten dar ûf keinen wân, / daz iemant solde schiezen, / des wolden sie geniezen. / sie blôsten sich deste baz LivlChr 8699

MWB 1 894,1; Bearbeiter: Tao

blôʒheit stF. ‘Freisein, Reinheit (von Kreatürlichem)’, in myst. Texten: und als vor ist gesaget von îtelkeit oder blôzheit, daz, nâch dem als diu sêle durnehtiger, blœzer und ermer ist und minner hât der crêatûren und îteler ist aller dinge, diu niht got ensint, dar nâch nimet si got lûterlîcher Eckh 5: 32,8. 5:209,1 u.ö.; abgescheidenheit [...], [...] luterkeit, blosheit, unverbildete friheit und einikeit Tauler 55,25 u.ö.; Seuse 174,7 u.ö.; HvFritzlHl 150,16

MWB 1 894,40; Bearbeiter: Tao

blœʒlich Adj., Adv. 1 ‘nackt, unverhüllt, rein’ , bildl.
2 ‘offen, klar, deutlich’
3 ‘gänzlich, völlig, ohne Einschränkung’
4 ‘bloß, nur, allein’
   1 ‘nackt, unverhüllt, rein’, bildl.: wisheit und kunst der seligin lit daran daz si got bloizlich bekennen alse he ist, on allis mittil Parad 36,5; und daz uns geoffinbarit worde fon gode, daz solde wir fort gemenin den di ez nicht blozlich inphahin ebd. 66,15; o du edele sele, o edele creature, waz gest du uz dir suchen den der alzuͦmole und aller werlichest und bloͤslichest in dir ist [...]? Tauler 10,6; so man dich ie bloszlicher von aller materi enbloͤsset, so man dich ie minneclicher in lutrer froͤdenbernder wunne schowet Seuse 450,28    2 ‘offen, klar, deutlich’ in deme evangelio, / da sin lere sprichet also, / die man blozlich horet lesen Pass III 314,47; sit daz so blozlich ist beschriben ebd. 73,55; dar nach er bloslich in bat / daz er queme zu der stat / und sie mit gotes helfe an gote / brechte von des duvels spote Vät 31031; Eckh 5:60,12    3 ‘gänzlich, völlig, ohne Einschränkung’ das ich ze vil mins aigens willen bin, das ist wa ich mich selber bruch in aigenschaft rainer dinge, da ich gottes er [= êre ] nit bloͤslich inn main [„wofern ich mich verhalte wie etwas Selbständiges, ohne dabei lediglich Gottes Ehre im Auge zu haben“, Glossar z.St.] Lilie 77,4; unde da von so enist niht blöslich [ absolute ] zesprechen, daz Christus si ein „creaturen“ oder „minre denne der vatter“, sunder mit beterminierunge, daz ist „nach menschlicher nature.“ ThvASu 98,18. 112,18    4 ‘bloß, nur, allein’ der arm mit güetiger gedult / gerte [...] von dem künige nihtes mêr / dann eines phenninges blœzlich HvBer 6410; aber die heidenen die hettent enkeinen enhalt daruf sú buwetent, denne uf gottes gnode bloͤslichen in sine barmherzikeit Tauler 64,16

MWB 1 894,50; Bearbeiter: Tao

blûc, blûwec Adj., Adv. unsicher, ob blûc aus blûwec verkürzt ist. 1 ‘schüchtern, verlegen; schamhaft; demütig’
2 ‘peinlich, unangenehm’
3 ‘traurig, unmutig’
4 ‘schwach, gering’
   1 ‘schüchtern, verlegen; schamhaft; demütig’ daz ist ir aller [ der megde ] site / daz si zem êrsten schamic sint / unde blûc sam diu kint Er 1325; swanne ich sprechen sol ze nôt, / [...] sô wird ich blûc, von schamen rôt MF:Gottfr 2:3,9; er het ê die getürstekeit, / daz er mit grimmen löuwen streit, / und was nû worden von der scham / sô blûc und alsô vorhtesam, / daz er niht einer megde guot / getorste künden sînen muot / und sînes herzen ungemach KvWTroj 15560; ein magt solt also blug und also schämig sin das si keinen man mit vollen ougen niemer solt an gesehen PrEngelb 203,77; Seuse 481,10. 263,22; EbnerMarg 90,16; swer got liep hât, den kiuset man tougen / an senften gebêrden, an bliugen ougen Renner 4502. 12519. 12639. 16661; dez buchelînes anevanc / daz ich wol erkenne cranc / ergie mit blugem sinne [in bester Absicht] / in sant Martinvn minne Martina 291,89; so wurde iv hie entslozzin / min name vnde doch vil bluc [ohne Autorenstolz] : / ich bin geheizin brvder Hvc / ze nachnamen von Langenstein ebd. 292,35; der plügen junckfrawen Marien HvNördlBrf 5,2; nun han ich ain blüg begird und ain minendes getruwen und ein diemuttiges aischen zu dem aller barmhertzigisten Jhesu ebd. 16,82. 15,20 u.ö. (s. SchwäbWB 1,1183f.)    2 ‘peinlich, unangenehm’ doch enlebet dehein man, / der ie gewan zer welte muot, / ern habe gerne selbe guot, / wand ez erlât in blûger bete UvZLanz 8049; vil blûge’z wart ze hove gesagt [sie wagten es kaum dem Burgherrn zu sagen] : / der wirt vor schame was nâch verzagt Parz 164,9    3 ‘traurig, unmutig’ vor leide blûwec wart der man Bit 4151; wand langez klagen stêt niht wol, / swer liut und lant verrihten sol: / die werdent blûwic dâvon Ottok 22862    4 ‘schwach, gering’ – von der Freude: des hat sich gemert / da von ir freude [...], / die vor was blowig vnd lasz Krone 13541. – von der Fähigkeit zur Abwehr: dô was daz liut an witzen kranc. / ir vreise, ir zouberlist sie twanc, / daz ir wer was gên in blûc RvEBarl 13133; dêswâr ir muot ist alsô swach / daz sie an wer verdorben sint / noch herter danne ein bliugez kint RvEAlex 6672. – von der sozialen Stellung: von den brusten sîner guote / liez er die gnâde sûgen / die armen unt die blûgen Wernh 5484; swie rîch, swie arm, swie bliuge wir sîn, / doch hœre wir alle ein lobelîn / vil lieber denne ein schelten: / daz hœrt gern ieman selten, / er si mehtic oder kranc Renner 15421. – Lit.: Palmer, Shame

MWB 1 895,21; Bearbeiter: Tao

blûcheit, blûkeit stF. 1 ‘Ängstlichkeit, Unsicherheit, Furcht’
2 ‘Schamgefühl, Schüchternheit; Demut’
3 ‘Zahmheit’ (vom Beizvogel)
   1 ‘Ängstlichkeit, Unsicherheit, Furcht’ vnde davon mit etslicher blvchait [ scrupulositas ] von uns di mazze der spise der andro wirgisazte [(wird) das Maß der Nahrung für andere bestimmt] BrZw 40; nu wais der minneklich got, / daz der rain sel ist not, / daz si zu dirre großen gob / plaukait, vorht und demut hab MvHeilGr 1090; ein siech sol alle blugkeit hin werfen und sol dem arzade nahen, des bisin sin genesen ist Seuse 301,12    2 ‘Schamgefühl, Schüchternheit; Demut’ Parzivâl der clâre / wart des âne vâre / überparlieret, / daz wart gecondwieret / elliu scham ûz sîme herzen dô: / âne blûkeit wart er vrô Parz 696,20; blukait und kindes scham / twanc und der megliche [= magetliche ] nam / die suͤzen und die claren / baide das si warent / ain tail vil lihte schamerot, / als ir kinthait gebot RvEWh 13915 u.ö.; diu junge süeze künigîn / was ein lützel worden balt. / si twanc diu minne und ir gewalt, / daz si dô liez ir blûcheit KvWTroj 8535; minn unde scham, die beide / twingent mich [...] / diu scham, diu wil mîn êre, / diu minne mîn unwerdikeit. / owê minn unde bliucheit, / wie tuont ir mir sô leide! ebd. 8726; schemelîchiu blûcheit ebd. 8797; wîplîchiu blûcheit ebd. 21492 u.ö.; KvWPart 15649; Crispinn girlich sinne / uz bluͤchait da traten WhvÖst 13035. 7201. 10676; Minneb 4872; daz sie [Maria] nie man rehte under ougen an gesach von schamede unde von blûkeit PrBerth 1:256,6; du solt dine oͮgen behuͦten, das sie sich nit wildicklichen hin und her werffen, und aller meist, so ein man gegenwúrtig ist oder mit dir redt [...], das du mit froͤwlicher blukeit dine oͮgen nider werffest Seuse 481,4; des [...] got ergebenen hertzen Marien rainigkeit und plugkeit HvNördlBrf 16,5    3 ‘Zahmheit’ (vom Beizvogel): der dem grimmen vederspil die gir / verhabt [...], / man muoz im dâ nâch bluwikeit jehen Wh 317,8

MWB 1 896,9; Bearbeiter: Tao

blûclich, bliuclich, blûweclich Adj., Adv. 1 ‘schüchtern, verschämt, verlegen; ängstlich; demütig’
2 ‘besonnen, zurückhaltend’
3 ‘traurig, unmutig’
   1 ‘schüchtern, verschämt, verlegen; ängstlich; demütig’ ir gebærde was vil bliuclîch, / einer megede gelîch Er 1320. 1489; Iw 2254; Parz 33,20. 633,28; Tr(M) 743 (La. zu schemelîche); bliuclicher schame güete KvWTroj 8822. 8709. 8038. 16132; RvEAlex 1050; RvEWh 13815; PleierMel 914; GTroj 8821; ain magtt one schande, / [...] für den küng bluglichen gie ebd. 20133; des muͦz ich uz den hælmen lesen / min tihten als ein stupfelman, / der bluͤglich [ohne Selbstbewusstsein] nach hin slichen kan, / swaz in da spruͤch entrise, / daz min zunge unwise / samen und fuͤge WhvÖst 1498; Flegetânîs der heiden sach, / dâ von er blûweclîche [mit großer Scheu (Nellmann, Parz)] sprach, / im gestirn mit sînen ougen / verholenbæriu tougen Parz 454,18; ein teil si blœdeclîchen [La. bluglichen; besorgt] sprach KvFuss 2796; bluglich und hinderkomen GTroj 6843; swaz guotes der mensch hât, daz er niht diemüeteclîchen üebet unde blûclîchen behüetet, daz nimt vil selten guot ende DvASchr 334,17; swer nu gotez leichnam wirdicleich enpfâhen wil der schol seinen gaist uben in sehslai andaht. [...], cze dem vierdem mâl in bluchleicher dimut MvHeilFr 59. 62; Renner 12072; Seuse 42,20. 49,31    2 ‘besonnen, zurückhaltend’ unrehtez gâhen sûmet dich. / [...] vil schône der ersprenget, / als state ims verhenget, / mit vil bliuclîchen siten, / und hât den gâhen schiere erriten HartmKlage 1561; ein teil blûweclîche / antwurte der videlære KlageB 3566    3 ‘traurig, unmutig’ herr, geruochet ir / eine rede bescheiden mir, / umb waz die liut in Ôsterrîch / gebâren alsô blûclîch? Helbl 15,40; darzuo sach man in gebârn / blûclich âne mâzen, / daz er solde lâzen / sîn vînde underwegen Ottok 30780; frô und niht blûwiclich ebd. 95802. 62698

MWB 1 896,48; Bearbeiter: Tao

blûdemic Adj. ‘weich von Charakter’ ein blûdemigez wîp, / diu von ungebærd ir lîp / ze der zît niht enthalten kan, / sô diu gnâde sie bestêt LvRegSyon 2857

MWB 1 897,20; Bearbeiter: Tao

blüegeln swV. ‘brüllen’ des er blüegelte als ein ber Virg 635,4

MWB 1 897,24; Bearbeiter: Tao

blüegen swV. Oder ist belüegen, -lüejen anzusetzen? ‘brüllen’ er begunde sêre blüegen [ : vüegen ] Virg 631,8

MWB 1 897,26; Bearbeiter: Tao

blüejelich Adj. ‘blühend’ kunftiger salden bluwelich, / ewic vreude dir schenkende, / unser stete gedenkende / behalden vurbaz dir suze / die gotliche gewalt muze Macc 260

MWB 1 897,29; Bearbeiter: Tao

blüejen swV. auch blüegen ( KvWPart 3758 ), blüewen, blû(w)en. 1 intr. ‘blühen, Blüten treiben’
1.1 von Pflanzen
1.2 vielfältig übertr. ‘in voller Kraft stehen; erblühen, sich zur höchsten Vollkommenheit entfalten; gedeihen; von etw. erfüllt sein’ usw.
2 tr. ‘etw. zum Blühen bringen, (als Blüte) hervorbringen’ , übertr.
3 Part.-Adj. gebluot, geblüejet : ‘aufgeblüht, blühend’
   1 intr. ‘blühen, Blüten treiben’    1.1 von Pflanzen: dô sach ich drî wînrebe / brozzen unde bluon, zuo zîtigen berigen sich machen Gen 1950; dâ stuont manic boum sô frumer, / der aldaz jâr obez truoc, / [...] und anderhalp doch bluote UvZLanz 3947; Macer 53,3. 76,5; Pelzb 121,8; die blüenden vier wochen, / sô der vil süeze meie în gât / unz an daz, dâ er ende hât Tr 538. – in Vergleichen und bildlichen Ausdrücken: alse div lilie unde div rôse uz den dornen bloͮt, same wart div unser rôse, .s. Maria, uon den iuden geborn Spec 96,25; ir antlütze wart missevar, / daz ê in hôhem gemüete / baz danne ein rôse blüete Wig 7608; daz spil [...], / dar inne der tôt als ein dorn / in dem meien blüete ebd. 7629; der was der minne ein blüender stam Wh 88,12; o frouwe, / aller tugent ein blüende ouwe, / rôsegarte dornes ân SM:EvS 1: 7,7    1.2 vielfältig übertr. ‘in voller Kraft stehen; erblühen, sich zur höchsten Vollkommenheit entfalten; gedeihen; von etw. erfüllt sein’ usw.: in sîner blüenden jugent Tr 295; RvEWchr 21600; HvNstAp 13014; sin minnekliches junge bluͤiendes leben Tauler 231,30; diu wunderlîche schœne / der blüejenden Îsôte Tr 17805. 16007; dô Jêsus mennischeit / der tôt an dem kriuze müete, / innen des sîn leben blüete / ûz der gotlîchen sterke Wh 219,26. sîn herze an vreuden bluote UvZLanz 7794; fröiden hôchgemüete blüet mir an der selben stunt, / dô si sprach daz süeze wort KLD:UvL 44: 4,4. 53:7,2; in freuden swebt und bluot / sîn herze und sîn muot Ottok 90145; des sîn sælde immer blüete / und sîn unverswigeniu güete Wh 463,9. unte íh ôuh dés uváre tûo, óbe dîu plebs catholica [...] blûoie in studio uirtutum Will 107,17; diu was ein bluome der güete, / ir herze in tugent blüete Wig 6117; wie er an tugenden blûnde was Kreuzf 316; wand ir reinez gemüete / ie nâch êren blüete Wig 3186; LvRegSyon 1620; Tristant, der triuwen blüende, / der ie durch êre müende / was sînen ritterlîchen lîp HvFreibTr 6513. – ‘entstehen’ ein leit von dem sheiden bluͤt, / daz kan langen kummer bern Rennew 33546. – von rhetorischer Ausschmückung: wâ nu rîcher künste hort, / wâ schœne rede, wâ blüende wort [...]? HvFreibTr 2; zu volbringene diz mêr, / daz sô blüende hât unz her / mit schœner rede betichtet / mîn hêrre meister Gotfrit von Strâzburc ebd. 12; ein lob mit blünder sprüche ris Mügeln 116,6 u.ö.    2 tr. ‘etw. zum Blühen bringen, (als Blüte) hervorbringen’, übertr.: diu [ kemenâte ] was alsô gehêret / mit einem bette gêret, / daz mich mîn armuot immer müet, / sît d’erde alsölhe rîchheit blüet Parz 242,30; ob sie [Sarazenen] der walt noch kunde blüen, / wir suln sie doch mit strîte müen UvEtzAlex 9947; daz mich ir sterben muͤwet / und ymmer sende swære bluͤwet Rennew 9230; daz muͦz [...] herzebernden kummer bluͤwen ebd. 11896. 16364    3 Part.-Adj. gebluot, geblüejet: ‘aufgeblüht, blühend’ ez tuont diu vogelîn schîn, / daz siu die boume sehent gebluot MF:Veld 18,2; ir lant was über allez jâr / als miten meien gebluot UvZLanz 205; swie diu heide stêt gebluot SM:KvT 7: 1,9; unsen wingarten der gebluet stat Brun 605 u.ö; [sie] kâmen hin gegangen / vil vruo und in dem touwe / ûf die gebluoten ouwe / und ûf daz wunneclîche tal Tr 17352; daz sol diu werde mir vertragen / daz ich ir lop sol hôhe sagen, / si wol gebluotez meienrîs KLD:WvM 5:2,10

MWB 1 897,33; Bearbeiter: Tao

blüejunge stF. ‘Blühen’ du bist, herre, min labunge und ich din bluͤjunge Mechth 5: 20,4; die lúhtende bluͤjunge ir [Marias] schoͤnen oͮgen ebd. 5: 23,69

MWB 1 898,39; Bearbeiter: Tao

blüemekîn stN. ‘Blümchen’ ich hân ein plüemikîn / gebrochen UvLFrd 244,21. 568,10

MWB 1 898,43; Bearbeiter: Tao

blüemelîn stN. auch blüemelî, blüemel. ‘kleine Blume, Blüte’ maniger hande blüemelîn / lachent ûz des meien touwe / gên der liehten sunnen schîn SM:JvW 1: 2,1; nû ist heide wol geschœnet / mit vil manigen blüemelîn gemeit SM:KvL 7: 1,2. 15:1,9; dú bluͤemel der gamillen SHort 8379. 5379; Wig 4992; Frl 5:77,2; PrGeorg 264,26; dîn liehter schîn muoz iemer sîn / mîn meie und mîniu blüemelîn SM:Ta 1: 5,4; eya wer gehilfet mir des, das ich noch an der cronen ein klein bloͤmelin moͤge sin [...] ? Mechth 7: 1,127. – übertr. zur Bezeichnung des kleinen Flecks auf der Stirn der Bienenkönigin: er [Bienenkönigin] hât auch an der stirn ain weiz plüemel [vgl. in fronte macula quedam, quasi quodam diademate candidatus ] , dâ mit hât in diu nâtûr gekrœnet vor den andern peinen BdN 288,27. – bildl. für ‘Jungfräulichkeit’ (vgl. bluome): sie wolde daz blüende blüemelîn / irs blüenden magettuomes wern HvFreibTr 702. – spez. ‘Vergissmeinnicht’ (s.a. bluome): blumelin [vgl. Anm. z.St.] daz erste ist, / wechset uf gar ane mist Daniel 1693. 2578

MWB 1 898,45; Bearbeiter: Tao

blüemeln swV. nur Part.-Adj., ‘mit Blumen bestanden’: eine heide breite [...], / diu schône geblüemet [La. geblumelt ] was Mai 70,5; ûf daz geblüemete [La. geblumelt ] velt / sluogen si ûf ir gezelt ebd. 70,9

MWB 1 899,3; Bearbeiter: Tao

blüemen swV. s. a. bluomen und geblüemet Part.-Adj. 1 ‘etw. mit Blumen schmücken’
2 ‘jmdn./etw. (mit etw.) schmücken, verzieren’
2.1 konkret
2.2 übertr. ‘jmdn./etw. mit Lob schmücken, preisen’
3 ‘(in Vollkommenheit) erschaffen’
   1 ‘etw. mit Blumen schmücken’ v́nser bétte ist uuóla geblûomet Will 24,1; dâvon siht man nû die heide / wol geblüemet und den walt SM:HvT 2: 1,3; wie der meie blüemet manig velt SM:KvL 19: 1,4; der meie het dâ wol sîn gras / gerœset und geblüemet KvWKlage 2,8; der naturlich gebluͤmter anger Seuse 374,23. – refl.: ‘Blüten treiben, blühen’ swâ diu rebe sich blüemet, / dâ fliuhet daz gewürme dan KvWLd 32,243    2 ‘jmdn./etw. (mit etw.) schmücken, verzieren’    2.1 konkret: manec storje dort geblüemet reit, / gelîch gevar der heide Wh 20,8; der samît geblüemet was / mit dem golde von Kaukasas Wig 10695; ir kleider sint gezieret, / gebluͤmet und florieret HvNstGZ 7559; ob iuwer lîp nu kamphes ger, / [...] sô werdent hie geblüemet / in wâpencleider [so kleidet Euch in Eure Rüstung] wünniclich, / sô zierent iuch KvWSchwanr 966    2.2 übertr. ‘jmdn./etw. mit Lob schmücken, preisen’ ein wîp, diu ir wîpheit / wider ir selber liebe treit [...], / die sol diu werlt alle / wirden unde schœnen, / blüemen unde crœnen / mit tegelîchen êren Tr 18056; daz er geblüemet wart mit lobe KvWTurn 1099; ir lop blüemen unde rœsen / solten alle zungen KvWLd 1,231. – ‘ etw. rhetorisch kunstvoll ausschmücken’ die brief mit grammaticâ het meisters kunst geblüemet Loheng 7577; ob ich daz sunderlichen gepruͤven kunde mit gebluͤmten worten JTit 897,2; mit geblumter rede Minneb 469; Frl 11:1,9; Cranc Vorr. Dn 271,15. – refl. ‘sich selbst loben, sich (einer Sache) rühmen, prahlen’ des wil ich offenlîche mich / vor al den Criechen rüemen / und des mich selben blüemen / daz ich ander valscheit nie / mit untriuwen gen dir begie RvEAlex 20156; er liss hoffertigen man / sich selber hoche blümen / und och mitt güfte rümen GTroj 8231; wan si wolden sich ho blumen / ob alle lute und dor an / daz nymant mochte wan sy han / von gote bekentnisses waz Hiob 4820    3 ‘(in Vollkommenheit) erschaffen’ e daz Adam ward geplumet, / da waz ich vor gotez augen Teichn 354,38

MWB 1 899,8; Bearbeiter: Tao

blüemîn Adj. ‘aus Blumen, reich an Blumen’ ieslîchiu ob ir hâre truoc / ein kleine blüemîn schapel Parz 234,11; bluomîniu schapel ebd. 776,7; Wig 10520. 11300; der turnei al stille stêt / ûf einem blüemînen plân Parz 386,29; sus zinste man im blüemîn velt ebd. 544,11; ûz dem her sîn cundewieren was / ab dem blüemînen gras / von manegem rîter sêre wunt Wh 467,10

MWB 1 899,50; Bearbeiter: Tao

blüemunge stF. ‘Ausschmückung (der Rede)’ unde dovon ist iz ouch, daz unse tolkunge der blumunge sinir rede vor nicht gehossen [laufen] kunde den andirn [vgl. unde accidit, ut prae ceteris florem sermonis eius translatio non potuerit conservare ] Cranc Vorr. Jes 7,11

MWB 1 899,58; Bearbeiter: Tao

blüetebërnde Adj. ‘Blüte tragend’ swa sich die minne zweiet und sinniclich vereinet, / da wirt ir frucht gemeiet mit bluͤde bernden vreuden ungeweinet JTit 1905,2

MWB 1 900,1; Bearbeiter: Tao

1blüetelîn stN. (Dimin. zu bluot stMF.) ‘kleine Blüte’ der êrste morgenrôt was der wille des vaters, der ander was diu underbougikeit des sunes, der dritte was, dô ir beider geist undergreif daz minneclîche aller lûterste blüetelîn, daz iene swebete umbe daz megetlîche herze Marîen Eckh (Pf) 638,38; daz Cristus menschlich natur an sich nam in einer unteillichi der materien, [...] und also der angenomennen gemeinen menschlichen nature entwúrte [entsprach] daz rein bluͦtli in der gesegneten Marien lib, da er liplich gezoͤw von nam Seuse 333,16

MWB 1 900,5; Bearbeiter: Tao

2blüetelîn stN. Dimin. zu bluot stN. von einem kleinen Kind: dar umb wil ich nit, daz sin junges bluͤtli also vergossen werd Seuse 121,18

MWB 1 900,17; Bearbeiter: Tao

blüeterîch Adj. ‘reich an Blüten’ reiner wîbe süezez lachen / mac baz sendez trûren swachen / danne ein blüeterîcher hac KLD:Kzl 5: 3,6

MWB 1 900,20; Bearbeiter: Tao

blüetevarwe stF. ‘Blumenfarbe’ mit maniger hande liehten blüetevarwe PrBerth 1:223,20

MWB 1 900,23; Bearbeiter: Tao