blaten
swV.
1
‘auf dem Blatt pfeifen’
2
‘Blätter, Blumen von einer Pflanze (ab)pflücken’
1
‘auf dem Blatt pfeifen’
ze blaten er begunde UvTürhTr
551.
1544;
do begvnde ich ze blaten / mit stimme in maniger ahte Bîspel(G)
242,34;
der vogeler gar süße blat Mügeln
47,7.
47,15;
dir lob min zunge blat ebd.
144,1
2
‘Blätter, Blumen von einer Pflanze (ab)pflücken’
die palmboume hiez ich blaten Vät
25017;
da pluͦmen brechen, platten / man frowen siht SHort
6728
MWB 1 860,60; Bearbeiter: Tao
blatenære
stM.
zu blate swstF.
1
‘Schmied, der Brustpanzer anfertigt’
2
‘der eine Tonsur trägt, Geistlicher, Mönch’
1
‘Schmied, der Brustpanzer anfertigt’
daz wir durch der stat frum willen ze Prag vnd ouch durch der meister der
platner, puchler vnd helmer willen [...] dez ze rat worden
sein [...], daz dhein wremder man
[...] sich ze Prag sezen schol, der platner, puchler
oder helmer hantwerk ze wurchen, er hab denn der stat recht empfangen vnd wird
purger StRPrag
19;
got hât evangelier, / priester und episteler, / sô hat diu werlt platner, /
halsperger und schuopeler: / die sint alle gotes knehte Renner
7281.
2383
2
‘der eine Tonsur trägt, Geistlicher, Mönch’
wafen [...] über disen blatenære, / der mir so
klegeliche swære / und laster hat gebriuwen! HvPforzen
279;
pfaffenfürsten habent vil mêr sorgen / [...] üm
werltliche platener / denne üm geistliche blatener Renner
2384
MWB 1 861,4; Bearbeiter: Tao
blatenblëch
stN.
‘Metallplatte an dem Brustpanzer’
sie haten augen als ein struz; / ir zene warn als die
sech [Hacke] ; / ir augprauwen als die platenblech
HvNstVis
488
MWB 1 861,21; Bearbeiter: Tao
blatendienest
stMN.
das Stellen der Ausrüstung eines bewaffneten Reiters als Grundlast der Bauern des
Deutschen Ordens:
do sullen sie von iklichen virczig huben einen platendienst tun DRW
10,1084
(CDPruss.; a. 1321);
so ader die czeit der freyheit vs gehet, [sollen]
[...] L. vnd seine nachkomlinge dem bischoffthume myt eynem
pferde mit leichten wopen, das dewtsch platedinst heist, ewiglich pflichtig werden
czu dienen ebd.
10,1084
(CulmUB.; a. 1321).
10,1084
(CDPolon.; a. 1347)
MWB 1 861,25; Bearbeiter: Tao
blatengîr
M.
‘glatzköpfiger Geier’
wo sie siht beschorn pfaffen / als ein plattengeir geschaffen Teichn
543,80
MWB 1 861,35; Bearbeiter: Tao
blatenrinc
stM.
‘Brustharnisch’
das ê was scone unte ganz, / daz wart geworphen, daz iz hinc / dhem manne unz
uf dhen platenrinc BraunschwRchr
8257
MWB 1 861,38; Bearbeiter: Tao
blatenslaher
stM.
‘Plattenschmied, Harnischmacher’
wir verbieten, daz nieman [...] von deheinem
goltsmide dehein werck ze pfant nem, niur als vil dez waerchlons gesein mach,
[...] und auch von cheinem sabuͤrchen [l.
sarwürken; Zusatz im Satzungsbuch B: und von plattenslahern
noch von deheinem hantwerchsman
]
StRMünch
216,24App.
– als Bestandteil eines Personennamen:
unser lieb pruͤder Martein der plattensloher und Peter der goltsmit
UrkRegensb
544
(a.1342)
MWB 1 861,42; Bearbeiter: Tao
blatensmit
stM.
wie blatenslaher, hier als Bestandteil von Personennamen:
umb Heinr. den plattensmit UrkRegensb
741
( ca. 1325 -1350).
746.
749
MWB 1 861,52; Bearbeiter: Tao
blâtere, blâter
swstF.
1
‘(Wasser-, Luft-)Blase’
2
‘Harnblase’
3
‘Pustel, Geschwür’
4
‘Brustwarze’
5 als Teil eines Blasinstrumentes (vgl. Eitschberger, Musikinstr., S. 235ff.;
blâse Pos. 3 )
1
‘(Wasser-, Luft-)Blase’
wann oft gillt er [Donner] sam der
ainem ain plâtern voller luftes auf dem haupt zerslüeg BdN
92,31;
unz er [Donner] daz wolken
zerpricht an ainer seiten sam der luft die plâtern tuot ebd.
92,35;
bulla: blatera SummHeinr
2:197,145
2
‘Harnblase’
niderhalb des magen gêt ein wazzersaga / in die blâterun untir
zwisken hegedruosen Gen
182;
diu plâse oder diu plâter ist ain vaz des harmprunnens
BdN
34,11;
sô hât der mensch den harnstain in der blâter
Barth
130,9;
SalArz
115,43;
den stein in der plâter(n) (zer)brechen
ebd.
12,55;
BdN
341,34.
321,18;
swel wip rinnende blatern haben SalArz
63,54;
wenn man in [Drachen] verjagen wil
[...], sô nimt man ain aufgeplâsen plâtern und sleht
dar auf mit coralleinn gärtleinn BdN
270,15.
–
‘Gallenblase’
nim des rephvnes gallun vnde sine blatervn
Ipocr
93
3
‘Pustel, Geschwür’
sin aber di blatern zu einer wrate [=
warze
] geratin, so sal man [...]
SalArz
28,6.
28,13;
di blatern di uzsetzigen hant an dem antluze ebd.
92,4;
so an dem brande blatern werden ebd.
79,52.
79,46;
ein blater als ein eie ebd.
31,17
(ähnl.
EnikWchr
7998 );
di swarzen blatern Macer
30,8;
OvBaierl
72,6;
ir [der Frau Welt] lîp was voller
blâtern / und ungefüeger eizen KvWWelt
222;
RvEWchr
10217.
– im Sinne von vîcblâter:
der die vichblatern hab, der nem hirzin unslit oder buchines
[...] und brenne di blatern bi einem fiure, unz si
breste BenRez
38a.
– übertr.:
die muter wirt der dohter blater, / die dohter an ir muter kert
EvStPaul
8423
(vgl. Lc 12,53);
geistliche blotern Tauler
95,25.
95,26.
– als Scheltwort:
dû an güet ein vippernater, / dû fræzigiu wolfes blater
[fressendes Geschwür; s.a. wolf
] , / dû schamlôsiu hundes muoter Ottok
63496
4
‘Brustwarze’
ir [des weiblichen Teufels] har das
waren slangen, / dy hiengen ir auff di wangen. / aydexen und natren / von dem halse
untz auff di platren / hingen auß ir velle HvNstAp
9022
5
als Teil eines Blasinstrumentes (vgl. Eitschberger, Musikinstr., S. 235ff.;
blâse Pos. 3):
wo in der blater grüfte / und in dem ror von meisterlicher
hende / gebrochen wirt die lüfte, / da sachet sich ein phifen sunder wende
Mügeln
316,9
MWB 1 861,55; Bearbeiter: Tao
blâterkopf
stM.
wohl ‘aufgedunsener Kopf’ (vgl. SchweizId 3,414), hier als Beiname:
auch ander sein guot freund / kamen mit mair Betzen dar: / Dietrich der
übelfar, / Cuonrat der platerkopf [La. plotterkopf
] / und auch maier Nastropf MeierBetz
23
MWB 1 862,36; Bearbeiter: Tao
blæterlîn, blæterl
stN.
Dimin. zu blâter.
‘kleine Blase’
die [
swammen
] sint prait und dick und oben rôt mit weizen plæterln
BdN
402,8;
der siehtum sleht an der stat her auz mit klainen
pläterleinn ebd.
417,35;
wâ der wurm über ains menschen plôze hant gêt, die unwirdigt
er und læzt plæterl nâch im ebd.
301,11.
275,15
MWB 1 862,42; Bearbeiter: Tao
blâtern
swV.
zu blâter F.
refl., ‘sich aufblähen’
alle dw werlt mit iͤr sach / ist als ein vaym in einem pach / der nympt vom
wazzer sein gestalt. / wann er dann ein weil auf walt / und sich platert in dem see,
/ so wiͤrt ez ein wazzer als ee Teichn
22,59
MWB 1 862,49; Bearbeiter: Tao
blâterphîfe
swF.
ein Blasinstrument (vgl. Eitschberger, Musikinstr., S. 236 und 241):
daz wir windischen treten / nâch der blâterphîfen Helbl
14,49
MWB 1 862,55; Bearbeiter: Tao
blâterspil
stN.
ein Blasinstrument (vgl. Eitschberger, Musikinstr., S. 235f. ):
schalmayen und tamburen, / pusaun, horen und plater spil, /
deß was da ane zale vil HvNstAp
10504
MWB 1 862,58; Bearbeiter: Tao
blâtersuht
stF.
‘Blatternkrankheit, Pocken’
diu blâtersuht si ane chom, / si wurden ze ubeleme lobe Exod
1763.
2071
MWB 1 862,62; Bearbeiter: Tao
Blatvüeʒe(n), Platvüeʒe(n)
Pl.
‘Blatt-, Plattfüßler’ (volkssprachl. Bezeichnung für Skiapoden; vgl. Chr.
Gerhardt, Beiträge, ZfdA 133[2004], 187f.):
iz [Mantel] brachtin blatvuze /
Aspriane zo eren Roth
1871;
dar nâch fuor er zehant / in der platfüezen [La.
blathufen
] lant. / die wârn griulîch gestalt: / er wær junc oder alt, / er het
einen fuoz als ein schilt / und was eislîch als ein wilt EnikWchr
21120;
die einougen und die breitfüezen [La. platfuͦzzen
]
ebd.
21149;
ein volc [...] / ungestalt und unsüeze, / die hiezen
blatevüeze. / [...] swen ez wil unweter werden, / sô recken
die unwerden / die füeze ûf [...] / und schirmen sich vor
dem weter dâmite ErnstD
3828;
ErnstB
4671
(La.).
4716
(La.).
– Vgl. Plathüeve
MWB 1 863,1; Bearbeiter: Tao
blatwërfen
stN.
‘das Umblättern’
unz er [Esel] wol gelernet hate / daz selbe
blatwerfen gar StrAmis
253.
263.
269
MWB 1 863,16; Bearbeiter: Tao
blâvar
Adj.
‘blaufarbig; blutunterlaufen’
cianeus: blavaruwer SummHeinr
2:243,01.83;
man sach da gele glizzen, / daz grune vnde daz blavare
Herb
1315;
in einem vanen blâvar Bit
9792;
sein pluom ist plâvar oder gelvar BdN
394,29.
424,8;
ime geswal der arm behendelich gross und ward blawvar Seuse
44,12
MWB 1 863,19; Bearbeiter: Tao
blâvogellîn
stN.
‘Blaumerle’ (? vgl. Suolahti, Vogelnamen, 49):
turdus: blaifoͤgeli VocOpt
44.211
MWB 1 863,26; Bearbeiter: Tao
blâvuoʒ
stM.
eine Falkenart (vgl. Suolahti, Vogelnamen, 338):
wer sölte niht über die tumpheit schrîen, / ob einer vür sperwer rœtelwîen /
koufte und blâfüeze vür hebich? Renner
5467;
mit valkchen und mit plafuessen / sach mans auf raiger paissen Seifrit
7997;
ach, hett ich einen blafuß für den falken
Mügeln
404,1;
Pilgerf
7075.
8908
MWB 1 863,28; Bearbeiter: Tao
blâweitîn
Adj.
‘waidblau’
sin [des personif. Mai] ros ist die heide breit; /
so ist die decke sin / blaweitin blüemelin Herbst
34
MWB 1 863,35; Bearbeiter: Tao
blæwen
swV.
→
1blæjen
MWB 1 863,38;
blæwen
swV.
‘etw. blau machen’
der ander gar in himel varwem schine / als der saphir mit ciclade geblewet
JTit
3777,3;
ein ciclade geblewet was al sin dach der sarwe ebd.
3779,1;
der swan mit perlîn was durchgraebt / und der ougen sehen mit saphier geblaebt
Loheng
5322
MWB 1 863,39; Bearbeiter: Tao
blâwling
stM.
Fisch mit bläulicher Färbung:
fuͥnfzig zins blaweling von far und fach und von den hofstetten FWB
4,567
(Kläuli, Schweiz.Urbare; a. 1331)
MWB 1 863,45; Bearbeiter: Tao
blâze
swM.
eine Bezeichnung des verkleideten Narren (vgl. ahd. blâzen
‘blöken’, AWB 1, 1188 )? Oder als dialektale Var. zu
blôʒ
(vgl. Anm.z.St.)?
dô sach si den blôzen [= Konjektur; Laa. blaczen,
vmberaten, tvͤmmen
] , / der ein tôre solde sîn HBirne
232
MWB 1 863,49; Bearbeiter: Tao |