bîsëʒʒel
stM.
‘Beisitzer’
kempfer von des wegen daz si tot suͤnd tuͦnt, so sol man in chain sacrament
niht geben, noch si begraben. vnd der herren richter vnd peisaͤzzel [
assessor
] , vnd all die dar zuͦ rat vnd hilff tuͦnd, vnd die priester die si [
kempfer
] dar zu segent, die selben werdent all manslaͤchtig vnd tuͦnt tot
suͤnd RechtssA
K17,8;
peisezzel RechtssB
K17,8
MWB 1 822,20; Bearbeiter: Tao
bîsîn, bîwësen
stN.
‘das Nahesein, Anwesenheit, Gegenwart, Gesellschaft’
das er [Gott] dich mit vetterlicher
liebe meine vnde dich des besten gewer: sines ewigen biwesenes
DvAStaff
385;
PrGeorg
272,38;
alsulches nâgebûrs / und sînes bîwesens gern / wolden dâ enpern / die
Sarrazîne Kreuzf
653;
Eckh
5:17,4;
aller menschen bisin [...] ist mir ein bitterkeit
Seuse
313,4.
221,20.
221,27;
daz [Stern] vor niht moht gesehen
werden von der sunnen peiwesen KvMSph
35,22
MWB 1 822,28; Bearbeiter: Tao
bî sîn, bî wësen
V.
zu dâbî sîn s. unter bî, dâbî.
1
‘in der Nähe von jmdm./etw. sein; an etw. teilnehmen’
2
‘jmdm. helfend nahe sein, beistehen’
3 Das logische Subj. steht im Dat.; das grammatische Subj. bezeichnet
1
‘in der Nähe von jmdm./etw. sein; an etw. teilnehmen’
wan swer von wâfen wirt wunt, / der wirt schiere gesunt, / ist
er sînem arzte bî Iw
1553;
swie rehte liep er ir sî, / sî müet, ist er ir ze dicke bî
ebd.
2872;
swie rûch ich ein gebûre sî, / und wær ich rîterschefte
bî [beim Turnier] , / wær ich gewâfent unde geriten, /
ich kunde nâch rîterlîchen siten / alsô wol gebâren / als die ie rîter wâren ebd.
3558;
die ime [Gott] bî sint durch geloube
unt durch rethiu werche unt die ime uerre sint durch ire brôde JPhys
2,37;
swie frömde mîn lîb der minneklichen süezzen sî, / mîn herze
ist ir doch stæte bî SM:Te
12: 0,2.
– Wendung swære bî ~
‘beschwerliche Gesellschaft sein’ (s.a. unter
bî
):
der [
der getriuwe man
] ist leider swaere bî MF:Mor
7: 5,3.
–
bîwesende dinc als Übers. des lat. circumstantia (s.a.
bîwësunge):
ThvASu
152,3.
156,26
2
‘jmdm. helfend nahe sein, beistehen’
den [Bedrängten] was din gute san
bi Litan
914;
wen daz im Polidamas / zv guten staten bi was
Herb
14462;
herre got, nu wis mir bî! Wig
5811;
süezer Krist [...], / sô biut mir
dîner helfe hant / und wis nû mînen sinnen bî RvEBarl
121
3
Das logische Subj. steht im Dat.; das grammatische Subj. bezeichnet
eine moralische Qualität, die jmdm. zu eigen ist:
ir herzen was vil kiusche bî Parz
809,13;
swem herzenlîchiu triwe ist bî, / der wirt nimmer minne frî, / mit freude,
etswenn mit riuwe ebd.
532,7;
her Chuͦn von Teising vnd ander genug, den triwe vnd warheit bei ist
UrkCorp (WMU)
1533,42.
– einen Gemütszustand, in dem sich jmd. befindet:
den edeln juncvrouwen was vil hôher freuden bî
NibB
576,4;
dâ vor was im ein kumber bî Parz
80,30.
– Sonstiges:
iedoch sul wir uns wern, / die wîl uns ist daz leben
bî [solange wir am Leben sind]
Ottok
5045;
das merke swer geleret si: / sit dem gotes vluch ist bi
[ihn trifft] , / swer sine kunst nimande leret, /
so wirt licht ouch sin heil gemeret, / swer da leret das her kan
Macer
Reimvorr. 12
MWB 1 822,38; Bearbeiter: Tao
bî sîten
Adv.
→
besîte
MWB 1 823,14;
bîsitzære
stM.
‘Mitglied eines Gerichts’
so er von den bisitzern dar umb beruͤffet wirt DRW
1,1479
(ZürichStB; a. 1348)
MWB 1 823,15; Bearbeiter: Tao
bî sitzen
stV.
1
‘bei jmdm./ etw. sitzen, sich zu jmdm. setzen’
2
‘beisitzen (bei Gericht)’
3
‘in der Nähe, in der Nachbarschaft (von jmdm., einem Land) leben’ ,
bîgesezzen sîn mit Dat.-Obj.
1
‘bei jmdm./ etw. sitzen, sich zu jmdm. setzen’
wie vil gnâdic si sî / der daz chindel sitzet bî
Wernh
152;
sî saz mir güetlichen bî Iw
341;
si gesaz in eines tages bî / heinlîchen unde lîse
Tr
12078.
11024;
daz iu mîn vater sitzet bî Wh
145,7.
263,19;
RvEBarl
12076;
dâ sâzen dem grâle bî / der aller besten rîter drî Parz
815,17
2
‘beisitzen (bei Gericht)’
da sal dis vodis [= vogetes
] rihtere bi sizzen ende sal sien derdeil [
dritteil, gemeint wohl: Drittel der Bußleistung] hain
UrkCorp
55,7;
dô sach er jêmirlîchin an / den richter sô vormezzin / und dî im bîgesezzin /
wârn nâch gerichtis sittin NvJer
22495
3
‘in der Nähe, in der Nachbarschaft (von jmdm., einem Land) leben’,
bîgesezzen sîn mit Dat.-Obj.:
sô was [...] / dem lande ze Swâles /
ein rise bî gesezzen Tr
15919;
zwen riesen [...] wúnsten alle tag
teglich diß lant, sie zwingen alles das yn by geseßsen ist Lanc
230,19;
vnde in [
Amazones
] kvmet engeine [= engegen
] / ritter wol vermezzen, / irme lande bi gesezzen Herb
14351;
dir bringent mangen stolzen degn / Partî und Mêdî / und die dir sint gesezzen
bî / in dînen landen hie und dâ RvEAlex
4988
MWB 1 823,18; Bearbeiter: Tao
bî|slac
stM.
‘in schlechterem Metall (nach)geprägte Münze, Falschgeld’
die sweren guldin und die bislege DRW
1,1477
(StraßbMünzg; a. 1330)
MWB 1 823,41; Bearbeiter: Tao
bî|slâfe
swF.
‘Konkubine, Nebenfrau’
wol ahtzic herzoginne unde grævinne, die sîne bîslâfen wâren PrBerth
1:177,25
MWB 1 823,44; Bearbeiter: Tao
bî|slâfelinge
st.Pl.
wie bîslâfe:
Salomon hete sechzig koninginne, / di im alle dinten uf minne, / und der
bislafelinge zwaren / zu vir male zwenzig waren Brun
2015.
178;
di gekronte koninginne schar / bezeichenen di reinen meide, / di bislafelinge
[...] / bescheide ich uf daz eliche lebin, / daz got
selbir hat gegebin ebd.
2028
MWB 1 823,47; Bearbeiter: Tao
bî slâfen
stV.
‘den Beischlaf vollziehen, das Beilager halten’
do slif bi der edele ture furste [...] unde hatte
hochzit mit der hochgebornen koniginne Köditz
27,22;
wi wol daz di edele kongis tochtir nuwelich bi geslafin hatte ebd.
28,1.
26,1.
– subst.:
daz man die kint zuͦ samene gebe vnde an [in Bezug
auf] bislafene vnd an allir hande dingen die brutlauf vnd die
hogetit, alse nach cristenlicher e gewoͤnlich ist, follenbrenge UrkCorp (WMU)
1000,25
MWB 1 823,54; Bearbeiter: Tao
bî|slëht
Adj.
auch bislich.
‘randvoll’
also fulton si die züber [mit Wasser] hinz si
biscleht wurden PrSchw
2,16.
– in Verbindung mit vierteil als Mengenangabe von Getreide:
‘gestrichenes Viertel’
so sol er von eime andern guͦte [...] gen ein
bisleich vierteil habern UrkCorp (WMU)
1120,28;
die schopoze [= schuopoze, ein Flächenmaß (kleiner als
eine Hufe)] Schikes, dv dem gottes huse ze Hilzchilc ze houezinse
giltet sehs verteil kernen vnd ein biselichez ebd.
N270,39;
weitere Belege s. DRW 4,1702f.
MWB 1 824,1; Bearbeiter: Tao
bislich
Adj.
→ bîslëht
MWB 1 824,12;
bî slîchen
stV.
‘sich an jmdn. heranschleichen’
des [Sünden] mac man alles sich erholn, / wan dem
der rehte geloube ûz sînem herzen wirt verstoln / von den cristen dieben, die uns
mit valscher lêre slîchent bî RvZw
88,6
MWB 1 824,13; Bearbeiter: Tao
bis|mânôt
stM.
‘August’
er begvnde lven [= lüejen
] , / daz er bi den chven / in dem pismanode wære FabelCorp
37,239
(vgl. Anm.z.St.)
MWB 1 824,18; Bearbeiter: Tao
bîsorge
stF.
‘Vorsorge, Fürsorge; Seelsorge’
daz ammit er bewachte / sechs jâr mit bîsorgin vil NvJer
13237;
daz er solde [...] / der lande mit gebîte pflegin /
und mit bîsorge nemin war ebd.
17081
u.ö.;
swenne man kûset bischofe oder abte oder abtischen, die den herschilt habn,
daz lên suln sie vor enphâen unde die bîsorge dar nâh SSp(W)
3:59,1.
–
~ geben:
Gabinus gab bisorge do / des tempels vil gar Hyrcano Macc
12489.
–
~ tragen:
daz gotes vorbesichtekeit / allerdinge bysorge treit Hiob
1150.
8295
MWB 1 824,21; Bearbeiter: Tao
bîspël
stN.
1
‘ausgedeutetes, zur Ausdeutung dargebotenes Bild, lehrhafte Erzählung, lehrhaftes
Beispiel’
1.1
‘Gleichnis, Fabel, Exempel, Spruch, Sprichwort’ u.ä. 1.2
‘Beispiel, Vorbild’
2
‘typologische Ausdeutung eines Typus’
1
‘ausgedeutetes, zur Ausdeutung dargebotenes Bild, lehrhafte Erzählung, lehrhaftes
Beispiel’
1.1
‘Gleichnis, Fabel, Exempel, Spruch, Sprichwort’ u.ä.:
diz vliegende bîspel / ist tumben liuten gar ze snel, / sine mugens niht
erdenken Parz
1,15.
241,9;
von segel balde gêt der kiel: / der man ist sneller der drûf gêt. / ob ir
diz bîspel verstêt, / iwer prîs wirt hôch unde snel ebd.
660,6;
Walth
85,32;
KgTirol
13,3. 7;
Jêsus [...] / ein ander bîspel
hât geseit, / daz seiter künfteclîche / von dem himelrîche
RvEBarl
3460.
3360;
diz bispel tuter [
dûte er (Joatham), vgl. Idc 9] in also
RvEWchr
19095;
nv merchet alle besvnder / ein bispel durch wunder, / wie einem wolfe
geschach FabelCorp
37,2;
StrKD
112,8.
122,2;
HlReg
11,33;
Elmend
A 149.
A 606;
hôchvart stîget manegen tac, / biz sie niht hœher komen mac, / sô muoz si
danne vallen; / diz bîspel sage ich allen Freid
29,1
1.2
‘Beispiel, Vorbild’
mich sterkden ouch diͤ godes brüde / bit iren bispeln
wider diͤ luͥde MarlbRh
104,2.
106,21
2
‘typologische Ausdeutung eines Typus’
diz bîspel [Ezechiels
Pforte] muoste ervüllet sîn / an dirre selben
künigîn [Maria]
RvEBarl
2527.
– Lit.: H. de Boor, Über Fabel und Bîspel (SBA. PPH 1966, 1), München
1966
MWB 1 824,32; Bearbeiter: Tao
bîspëln
swV.
‘in Gleichnissen reden’
dô Jesus het gebîspelt / in dem tempel vor den juden JvFrst
592
MWB 1 824,57; Bearbeiter: Tao
bîsprâche
stF.
‘üble Nachrede, Verleumdung’
ober [= ob er
] firbirt pisprache unt giriskheit unt huͦrlust und ander werltliche
achust JPhys
9,13;
ich begihe dem almahtigim got, daz ich mich versundet han
[...] mit bisprâche, mit luge, mit lugen urkvnde, mit
maineidin, mit hintirkosunge Spec
4,6;
Litan
1300
MWB 1 824,60; Bearbeiter: Tao
bîspræche
stswF.
‘üble Nachrede, Verleumdung’
ob im bispræche ist leit MillPhys
70,2;
sich hat zuo iu gesellet / bispræch und akvst Krone
1743;
noch nît noch haz was under in, / noch bîspræche noch arcwân LvRegFr
1729;
du solt din red also maͮssen, das du wenig redest und nit zuͦ lut brechtest
und nit zuͦ verlaszner bisprechen pflegest Seuse
481,12
MWB 1 825,3; Bearbeiter: Tao
bîsprâchede
stF.
‘üble Nachrede, Verleumdung’
ich habe gisundôt [...] in meinrâte, in bisprachide,
in murmelôde BambGlB
144,11
MWB 1 825,11; Bearbeiter: Tao
bîsprëch
stN. oder stM.
Ansatz unischer.
– wie bîspræche:
daz er niht wirt geleidet / mit deheinem beispræch, / da man mit nah ræch /
dise speis vnd daz ezzen / sam manigem wirt gemezen / hin nach, wie vil er verzert
Krone
8754
MWB 1 825,14; Bearbeiter: Tao
bîsprëchære
stM.
‘Verleumder’
obtrectator: bisprechare SummHeinr
1:296,372.
2:23,446;
wan swaz iemen nû getuot, / daz velschent die bîsprechære / mit manigem bœsem
mære LvRegFr
124
MWB 1 825,19; Bearbeiter: Tao
bîspruch
stM.
‘Sprichwort, Spruch’ (Übers. von proverbia):
man liset in den bîspruchen: dâ ist heil, dâ vil râtes ist
StatDtOrd
96,26
(vgl. Prv. 11,14 und TPMA 9, 192f.)
MWB 1 825,23; Bearbeiter: Tao
bisse
stSubst.
‘feines Leinengewebe’ (Heyne, Hausaltertümer 3,228f.; Suolahti 1,67):
ein phellel der heiz [l. heizet
] pissus VMos
59,10.
56,4;
di phellele uil wahe, / pisse unde purpur Rol
2497;
sie santen den edelen wiben / purpuram unde siden, / coccum
vnde bisse Wernh
D 2249;
der karge rîche vert von hûs / in purpur unde in bisse
KvWLd
25,62
MWB 1 825,27; Bearbeiter: Tao
bîstal
stN.
‘Türpfosten’
ein kriuze mit drîen orten, / geschaffen sô der buochstap /
den got den Israhêlen gap / mit dem lambe bluote / ze schrîben durh die huote / an
bîstal und an übertür Wh
406,25;
sleht er nah im in daz bistal oder in die tur oder in daz
drisschuͤfel oder in daz ubertur StRAugsb
119,7;
von derlai holz macht Salomôn die peistal der tür an dem
tempel BdN
348,32;
die peistal haizt diu geschrift fulchra ebd.
349,2
MWB 1 825,34; Bearbeiter: Tao |