b – bachhelling bächîn – backwërc bacolôn – badestubære badestube – balde baldecheit – balmunden balmunt – balsamtrôn balsamtropfe – ban, bane 1ban – banekîe banël – bänkelîn banken – bantac bant|âder – banzins banzûn – bârbrët 1barc – bârkleit barkorn – barmhërzeclîche barmhërzege – barten bartenære – base Baseler, Basler – bate bate, pate – bearbeiten bearren – bechersamenære becherweide – beckenknëht beckenkol – bedancheit bedarf (?) – bedingen bedirmen – bedrangen, bedrengen bedrât – begâben begâbunge – begelimpfen begenagen – begin begîne – beglîmen beglîmunge – begrîflich begrîflîcheit – behaft behaftec – behaltunge behandeln – beheimsuochen beheiʒen – behern behêrren – behoven behten – behuoflich behuoren – beie beie – beinîn beinîsen – beiʒe 1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit bekantnisse, bekentnisse – bekerzen bekicken – beklipfen beklocken (?) – bekorunge bekorungnisse – beküelen bekumberhaft – belæren belasten – belîbelich belîben – belônære belônen – bemaln bemangen – bemurmeln bemüseln – benedîunge benediz – bennen bennige – bequâme bequæme – bërc|êrîn bërcgar – bërcphenninc bërcrëht – beredenunge beredet – 1berennen 2berennen – bërhtnaht berhtram – berillîn berîmeln – bërlich bërlîn – bernisch bërnklâ – bêrswîn bertenære – beruofære beruofen – besamentlîchen besamenunge – beschatzære beschatzen – beschemen beschemenisse – beschînen beschirm – beschouwunge beschremen – besebelicheit beseben – besetzunge besëʒ – besîtes besitzære – beslîʒen besloʒ – besnöuwen besnüeren – besprëchære besprëchen – beste bestëchen – bestiure bestiuren – bestürzen bestutten – besuochnisse besuochunge – bët betagen – bëtelære bëtelærinne – bëtemësse betemmen – bëtewîn bëtewîp – betrahtegen betrahten – betrogenlich betrônen – betrûren betrûrigen – bettemunt betten – betûchen betüemen – betwungenheit betwungenlich – bevellicheit bevern – bevliehen bevlieʒen – bevür bevürhten – bewærnüsse bewarsam – bewëlgen bewëllen – bewindeln bewinden – bezâfen bezaln – beziln bezimbern – beʒʒer beʒʒerære – bî bestân bîbilde – bíderben, bedérben biderbenen, bederbenen – bîenkar bîenswarm – bieʒenblat bieʒenkrût – bîhtât bîht(e) – bilchmûs bildære – bildoht bildunge – bilsensaf bilsensâme – bineʒ binide – birden bir(e) – birnwîn birsære – bischolf bî schrîben – bî slâfen bî|slëht – bît bitære – bittern bitternis – biurlîn biuschen – bîvilde bîvilden – bîzeichenen bî zëmen – blahsen 1blæjen – blâsehorn blæselîn – blatengîr blatenrinc – blëchhantschuoch blëchrinc – bleichvëlt blende – blîche blîchen – blîkloz blîkolbe – bliuclich bliuge – blôdern blotschen – blüemunge blüetebërnde – bluomental bluomenvar – bluotgieʒen bluotgieʒende – bluotstürzunge bluotsûgende – bobenthalben boc – bogelîn bogen – 2bolle bollen – 3bor bor-, enbor- – (borliep,) enborliep bormære – bortengewant bortiure – bote botech – bou bouc – boummate boum|öle – bôʒwurz brâ – brâ|hâr bræhen – brantlich brantreite – brâwelîn bræwen – brëhenen brëhentac – brenken brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche brëtsnîdære – brieschen brievære – brionie brîsære – briulêhen briumeister – briuwe briuwe – brohsen bronie – brôthalle brôtheit – bruch bruch – bruckenambet bruckenære, bruggenære – brüeterîn brügel – brünnære brunne – brünselbërc brünseln – bruoderhûs bruoderkint – brust brust – brûtdëgen brûtdrüʒʒel – brûtsanc brûtschaft – buckel buckelære – büellîn büeʒære – buhsboum bühse – bûlslac bulzen – buoben buobengâbe – buochisch buochkamere – buoliân buollîn – buppe bur – burcgrâvenambet burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen burcmeisterschaft – burcstal burcstat – bürde bürdelîn – burgergemeine bûr|gerihte – Burgunder Burgunjoys – bursenære bursît – büschelîn buschoff – bütelin bûtelîn – bûvëlt bûvisch – buʒʒel
|
beʒʒernhalp, beʒʒerthalp
Adv.
‘zur Annahme von Buße bereit, gnädig’
ein iegelich kristenmensche muoz gote zwivalte buoze tuon
[...]. der almehtige got was und ist ie bezzernhalp
PrBerth
1:70,12;
daz si [Herren] der
[Untertanen] ze allen zeiten vætterlich vnd gvͤtlich
phlegen vnd gen in bezzerthalb sin UrkCorp
2445,30
MWB 1 771,10; Bearbeiter: Hoffmann
beʒʒerteil
stMN.
‘Mehrheit’
waz von den andern in deme rate oder von deme merreteil vnd deme besserteil
der andern in deme rate wirt gedeidinget vnd vberkomen UrkCorp
N77,31
MWB 1 771,17; Bearbeiter: Hoffmann
beʒʒerunge
stF.
1
‘Besserung, Verbesserung’
1.1 von Personen: ‘Fortschritt’
1.2 von Sachen 2
‘Bestrafung, Züchtigung’
3
‘Entschädigung, Wiedergutmachung; Bußleistung’ (häufig in Rechtstexten)
1
‘Besserung, Verbesserung’
1.1
von Personen: ‘Fortschritt’
sus kam diu süeze junge / ze solher bezzerunge / an lêre
und an gebâre Tr
8028;
das sie sin ere und sin besserung so gern gesehen hette
Lanc
95,9;
RvEWh
2983.
–
‘moralische und religiöse Erbauung’
niuwan liht der erre [der
Prior] vm bezzirunge [
pro aedificatione
] welle etwaz kurcilic sprechin BrZw
38;
bistû gerne guͦt sô flîzze dich der bezzerunge dînes
nâhesten TrudHL
68,20;
diu liet ich der werlde zeiner bezzerunge sende Neidh
SL 30:4,15;
RvEBarl
16073.
16103;
Vät
232
u.ö.
–
‘Buße, Umkehr des Lebens’
und schuͤln uns von der bosheit hintz got cheren und
schuͤln im bezzerung gehaizzen und laisten PrOberalt
167,28;
daz wir begiengen wider got / bezrung unser sunde Ottok
3231;
ze bekerde und ze besserunge des lebens Seuse
284,12;
Lanc
503,7;
HvNstGZ
6557.
–
‘Besserung der Gesundheit, Genesung’
vleisches spise sol den siechen gar vnd kranchen verhenget werden durh bezzerunge [
pro reparatione
]
BrAsb
36;
UvZLanz
2194;
RvEBarl
15220
1.2
von Sachen:
‘Nutzen, Förderung’
dur pesserunge v̓nser beider gvͤter, so wir ze Witêlinkon hein
UrkCorp
1151,45;
dvrch v̓nsers gotzhvses nvz vnd besrvng ebd.
2224,22.
1262,27;
BrAlt
2.
–
‘Aufbesserung, Erhöhung’
der dem almæchtigen got die gebe
[...] mit wucher und mit pesserung wider
geantwurt PrOberalt
108,26;
ze einer pesrung irr pfrünt UrkIndersd
75
(a. 1343).
–
‘Ausbesserung, Reparatur’
die sulen den wegen vnd den brucken ir recht halten mit machene vnd
mit bezerunge UrkCorp
494,13;
chost oder pezzerung an dem haus MGHConst
5:20,43
(a. 1314)
2
‘Bestrafung, Züchtigung’
unde sol in der vogt der stat ze bezzerunge an der schreiat
heizen slahen StRAugsb
126,15;
die ambehtlûte, die ir undertânen durch bezzerunge willen
[...] zuhtegen mugen underwîlen
StatDtOrd
53,21;
UrkCorp
2345,41
3
‘Entschädigung, Wiedergutmachung; Bußleistung’ (häufig in
Rechtstexten):
geschiht aber in dehein schad in den drin jaren, da svln si bezzerunge vordern
von dem rihter UrkCorp
482,47;
so sol er sich ze bezzerunge, unz daz er genade vindet, entwürten vür gevangen
in den roten turn ze Saint Uolriche RbBasel
12,5.
–
von Troye künic Prîamus / hât keinen willen noch dar zuo, / daz er dir
bezzerunge tuo / und er dir büezen welle / den schaden KvWTroj
24948
u.ö.;
umb des goteshûses schaden, / den er tet [...], /
dâ wolt der bâbest umbe hân / antwurt unde bezzerunge Ottok
5447;
Herb
13181;
ThvASu
46,21
(für lat. satisfactio);
RvEBarl
10917.
–
‘Strafe, festgelegte Bußleistung (in Form einer Geldsumme oder der
Verbannung)’
so sol er der stat ze bezzerung fvͤnf iar uz der stat sin
StRAugsb
106,14;
so ist er dem vogte schuldik ze bezzerunge eins phunt
phenninges ebd.
173,7;
UrkCorp
3290,29;
StRBrünn
179.
–
‘Gerichtseinnahme durch Bußgelder’
dat halfscheit von beden, von schetzonge und von besseronge WeistGr
6,764
(a. 1315);
WeistÖ
6:525,14
(a. 1289; kopial).
– verbale Wendungen;
~ nemen:
Mühlh
173,22;
Lanc
422,10
u.ö.;
Kröllwitz
3481.
–
~ tuon:
StatDtOrd
55,14;
WüP
7h,3;
KLD:Kzl
1:3,9;
UrkCorp
N568,23;
TvKulm
3493.
– etw. ze ~
geben:
StRAugsb
117,36;
StRBrünn
403;
UrkCorp
372,28;
WüP
23,4
MWB 1 771,21; Bearbeiter: Hoffmann
beʒʒist, best
Adj.
Superl. zu guot, bezzer;
bezzerist Wernh
A 1066.
‘beste’
1 ohne aller .
2 nach aller + Gen.
1
ohne aller. –
sun mîn der lezziste, dû nebist der wirsiste noch der
bezziste Gen
2966;
der bœste ist dir der beste / und der beste der bœste
Iw
144;
daz ergest und daz beste Tr
12538.
–
sîn bester [nächster] vriunt
Iw
4850;
der was sî heimlîch [...] ir diu
næhest und diu beste Iw
1792.
–
waz ime were daz beste Herb
14986;
swaz uns danne daz beste sî KvHeimUrst
1055;
wir wollen in al / vmbe fahen, / daz ist daz beste vns
getan Herb
7738;
daz der minniclîche got niemer enmöhte daz gelîden, daz
er siech wære, ez enwære sîn bestez [das Beste für
ihn]
Eckh
5: 57,11.
–
sît dir diu werlt des besten giht SM:Gl
3: 9,2.
–
der beste
‘Vornehmste’
zwêne oder drî der besten brûdere
StatDtOrd
79,9;
der künec [...] und sîne besten
alle Iw
3071;
die besten von dem lande, / an den des landes craft dô
stuont Tr
5722
2
nach aller + Gen.:
aller rouch beste AvaLJ
25,5;
aller steine beste HimmlJer
56;
aller liute beste Iw
6119.
– nach Gen. + aller:
der junchvrouwen aller bezzeste Gen
1006.
– mit verstärkendem aller:
hie ist daz lant aller bezzest Gen
2556;
daz aller beste wîp MF:Reinm
15: 5,8;
gehôrsame würket alwege daz aller beste in allen dingen
Eckh
5: 186,5
MWB 1 772,24; Bearbeiter: Plate
bî
Präp., Adv.
‘bei, neben, in der Nähe, an; in; durch’. Die Präp. steht i.d.R. mit Dat.,
gelegentlich mit Instrumental diu (s. u.
7.4
) oder Gen. (s. u.
3.5
); manchmal mit Akk. (vgl. Grimm, Dt. Gr. 4,997f.; Behaghel, Dt. Syntax 2,39) zur
Richtungs- bzw. Zielangabe:
er [
Marke
] sazte in [
Gandîn
] bî sich zehant Tr
13154,
besonders md.:
da sie by die pferd kam Lanc
14,14;
ich wil mit Telamone / slichen harte schone / bi die burg in den
hagen Herb
1285;
sie nam urlob un̄ gienc / [...] vn̄
legite sich bi írn uatír Athis
D 48.
Als freies Adv. kommt bî außer in paarigen Ausdrücken (s.u.
9
) nicht vor.
1 lokal 1.1 räuml. Verhältnisse im engeren Sinne bezeichnend 1.1.1
‘an, nahe an, auf’
1.1.2 häufig in geographischen Bestimmungen 1.2 Wendung 2 ein Verhältnis von Personen bezeichnend, räuml. und übertr. 3 verschiedene, überwiegend modale Verhältnisse bezeichnend 3.1
‘gemeinsam, verbunden mit’
3.2
‘zusätzlich zu’
3.3 vergleichend ‘neben’
3.4 ein In-, Nach- oder Nebeneinander von Zuständen oder Vorgängen bezeichnend 3.5
‘durch, von, infolge’
3.6 instr. ‘mit, durch’
3.7 Wendungen 4
‘zu je’ , ‘-weise’ (vor Zahlwörtern oder Subst. im Dat. Pl.) 5 in Maßangaben ‘an die, ungefähr’
6 in Ausdrücken mit sîn/wesen , oft umschreibend ( bî lebene sîn
= leben ) 7 bei bestimmten Verben 7.1 bei Verben des Anfassens 7.2 an etw. (auf)hängen ( hâhen, haften ) 7.3 jmdn. bî der hant bevelhen/geben
‘anempfehlen, übergeben’ (mit rechtlicher Wirkung) 7.4
bî etw. (einem Recht) belîben 7.5
bî jmdm. ( vriunt, vrouwe u.ä.) ligen /
slâfen 7.6
bî (zusammen mit, von) jmdm. Kinder haben, bekommen, tragen, gebären usw. 7.7
bî (von) jmdm. Besitz (als Erbe) haben 7.8
bî jmdm. / etw. lernen 7.9 bei Verben des Schwörens, Beteuerns, Mahnens bezeichnet die Präp.-Gruppe mit
bî eine Berufungsinstanz / eine Beteuerungsform u.ä. 7.10 bei Verben des Gebietens usw. bezeichnet die Präp.-Gruppe mit bî eine angedrohte Strafe 7.11 bei Verben des Übersendens, Benachrichtigens, Verkündens usw. bezeichnet die
Präp.-Gruppe mit bî eine Übermittlungsinstanz 7.12 bei Verben des Erkennens, Deutens, Schließens usw. bezeichnet die Präp.-Gruppe
mit bî ein Erkenntnismittel (Symptom, Zeichen, Beispiel) 8 temporal, oft mit zît, wîle, stunde u.ä. 8.1 allgemein 8.2 in einer Epoche 8.3 während/innerhalb einer genauer bezeichneten Zeitspanne (vgl.
bin
und
binnen
) 8.4 nach Ablauf einer Zeitspanne 8.5 sonstige Zeitangaben 9 Adv., in paarigen Ausdrücken mit verre und nâhe(n) 10 als Erst- oder Zweitglied in festen Verbindungen mit anderen Wörtern (s. auch
unter diesen) 10.1
nâhe bî (auch bî nâhen ) 10.2
vil bî
‘beinahe’
10.3
hie bî s.
hiebî
10.4
(nâhe) bî einander, nâhe einander bî (s.a. bî den ander
unter
1.1.1
und
einander
) ‘bei-, zueinander, in gegenseitiger Nähe’
10.5
bî unlangen
‘nicht lange’
1
lokal
1.1
räuml. Verhältnisse im engeren Sinne bezeichnend
1.1.1
‘an, nahe an, auf’
sîne ôigen sínt sámo tûbon bî den rínnenten báchen
[...] únte sítzent
[...] bî den rîchon wázzeron
Will
89,3;
PrOberalt
130,29;
biz er bi [auf] dem
bettebret gelit [sterbend]
Hochz
631;
ime was daz edile har / bi den orin [auf
Höhe der Ohren] aua geschorin Roth
5086;
der den [
stain Epistutes
] pei dem herzen tregt, den macht er sicher BdN
446,8;
do gesâzen ritter viere [...]
ûzerhalp bî der want Iw
91;
brûnreideloht was ime daz hâr, / gecrûspet bî dem
ende [am Ende]
Tr
3337;
gelücke, wol man dîn bedarf bî
[am] fiure in lufte ûf erde in mer
KLD:Kzl
16: 7,2;
ire mantele waren gesteinit bi der
erden [unten]
Roth
222;
Iw
6744;
das sie ein kirchen sahen stan by dem weg zu der
rechten hant Lanc
33,19;
seye [säe] si [
kerne
] in di erde bi den andir oder von den
andir [beisammen oder einzeln]
Pelzb
124,22
(vgl.
10.4
bî einander).
– mit synon. nâhe:
sô der mensche [...]
noch gât an den stüelen und heltet sich nâhe bî den wenden, labet sich
noch mit milche Eckh
5: 112,1.
– Ggs. verre von:
der jude stunt pei dem alter, der suͤndær stunt
verre von dem alter PrOberalt
149,17
1.1.2
häufig in geographischen Bestimmungen:
bi deme westeren mere / saz ein kuninc der heiz Roͮther /
in der stat zu Bare Roth
1;
wie ez sich stelle bî dem Rîne / umb den Bodemsê, / ob
der sumer sich da zer SM:KvL
13: 1,2;
Prage bi der Woltach lit als Wiene an der Tuonouwe
Tannh
12,39
1.2
Wendung:
bî der / dirre werlde
‘auf der Welt, im Diesseits’
Neidh
WL 30:2,4;
Renner
17099.
17585;
PrOberalt
119,8
2
ein Verhältnis von Personen bezeichnend, räuml. und übertr.
– enger räuml. ‘bei’:
er ist so gern bî mir / und ich bî im
SM:Had
33: 2,8;
swer dô nâhe bî mir stuont MF:Reinm
26: 3,7;
ir sint unfro umb uwer meister, das ir sie nicht by uch
habent ebd.
84,27;
in gemeinsamer Bewegung ‘neben’:
Lancelot reit allweg by syner frauwen Lanc
92,6.
– zu einer Gruppe gehörend als Teil von ihr:
si ieman bî iu [ ‘unter
euch’] an der habe, / der gewalt von dem lande habe, / der hœre und
verneme mich! Tr
8779;
sô muoz man bî der ungemuoten / schar mich in den sorgen
sehen MF:Mor
31: 3,6;
swâ du sehest die besten, / da solt du wonen bî
SM:Pf
1: 2,12;
süezzer wunsch bî allen wîben, / dîn hânt êre tiutschiu
lant SM:St
2: 2,1.
– unter jmds. Regierung (auch zeitlich), Kommando:
der milte künec Heinrich, / bi dem was fride staete
Tannh
6,19;
bî der zweir schar houbtman / wart sô mit rîterschaft
getân, / des got sol danken und diu wîp Wh
370,3.
– Wendungen:
bî den liuten
‘in Gesellschaft’
Er
9438;
swære bî jmdm. sîn
‘beschwerliche, lästige Gesellschaft für jmdn. sein’
Walth
48,11;
KLD:UvW
37:2,6;
vgl.
bî sîn
3
verschiedene, überwiegend modale Verhältnisse bezeichnend
3.1
‘gemeinsam, verbunden mit’
dâ wirt diu sende sorge bî dem ungemüete kranc
KLD:GvN
8: 4,4;
zuht bî fröiden frouwen schône stât
KLD:UvL
51: 1,4;
wâ vinde ich êre und dâ bî guot?
KLD:Kzl
16: 12,6.
– mit adversativem oder konzessivem Nebensinn:
als daz swarze bi dem wizzen ist Herb
17080;
bî wîser lêre unwîsiu tât, / bî krefte ein zager muot
KLD:Kzl
16: 8,4;
hie vant ich wîsheit bî der jugent Iw
339
3.2
‘zusätzlich zu’
kamelein und helffant / wurden weytten gesant: / dem
fursten zway, dem drey / und schone klainot da pey HvNstAp
3985
3.3
vergleichend ‘neben’
Vênus diu götinne, / lebt si noch, / si müeste bî ir
verblichen sîn MF:Wolfr
8: 5,11
3.4
ein In-, Nach- oder Nebeneinander von Zuständen oder Vorgängen
bezeichnend:
der mit dem schafte / stach ir zwene oder dri / vnd als
einre wolde da bi / einen andern mit dem swerte slan, / so mvste er selbe den
lip lan Herb
6402;
vrouwe, ich muoz von dem lande varn, / und ir hie derbî
[andererseits] bestân / bî mînen vriunden
Tr
14037.
– mit konditionalem Nebensinn:
gelobet im doch daz beide, / daz er des lîbes sicher
sî. / er geredet vil lîhte dâ bî [ ‘im Gegenzug’]
/ sînes vrumen aber eteswaz Tr
10494
3.5
‘durch, von, infolge’
got der sprah do pi sinen genaden / wir sulen tun einen man
VMos
6,13;
swâ scham ûz tœrschen herzen kumt, diun ist bî tugenden
niht gezamt KLD:Kzl
16: 16,2;
nu ist der künec erstorben / und ist daz rich gar erben
fri. / da bi ist vil verdorben, / des besten lands ein michel teil
Tannh
6,25;
bi des [dadurch dass] iegelicher
sinen muotwillen gechosot, / so stat daz reht verbosot VRechte
42;
be disem worte, / himilischiu porte, / enpfinge in dinem
reinen libe MarseqS
35
3.6
instr. ‘mit, durch’
wand im diu ougen sint erblendet, / bî den man siht daz wâre lieht
LvRegSyon
315
3.7
Wendungen:
bî einem munde
‘mit einer Stimme’ (sprechen, antwurten)
Rol
8999;
Kchr
13137.
14549;
bî einem hâre
‘im geringsten’
EnikWchr
4234
4
‘zu je’, ‘-weise’ (vor Zahlwörtern oder Subst. im Dat. Pl.):
bi zwein, bi drin, bie fieren / volgeten die sine na
Herb
10228;
also kamen sie alle by zwenczigen yn geritten so lang biß ir
zweyhundert wart Lanc
8,6.
–
als ez quam vf den tag, / bi einzeln stucken
[Stück für Stück] , da er [der tote
Ajax] lag, / Pirrus in zv samne las Herb
16739;
der mantel was [...] innen al ûz
gezieret, / bî zîlen [Reihe für Reihe] geflottieret
Tr
10920
5
in Maßangaben ‘an die, ungefähr’
na bi zehen milen Herb
17728;
bî drîzigen Eckh
5: 15,7;
entrinde eyn czwik [...] von dem ende
bi czwen spannen odir dryn Pelzb
120,33.
–
der babist Pelagius selbe starb vnde vil bi
hundert [gut hundert] menschen
Lucid
120,16
6
in Ausdrücken mit sîn/wesen, oft umschreibend (bî lebene sîn
= leben):
swer dô dâ bî dem mære was [die Erzählung
anhörte] / und ez rehte in sîn herze las, / dem süezete diu rede
den muot Tr
8305;
ûf stuont der vürsten einer dô, / die bî dem râte
wâren [an der Beratung teilnahmen]
ebd.
15343;
sol ich bî disem hazze wesen [der Feindseligkeit
ausgesetzt sein] , / sôn kan ich niemer genesen ebd.
8427;
ob er bî leben wære ode [...] verscheiden
Parz
575,6;
bî sinne sîn ebd.
616,29;
lât mich bî fröiden sîn KLD:GvN
2: 5,7;
waz staeter fröude bi uns was Tannh
2,70
7
bei bestimmten Verben
7.1
bei Verben des Anfassens:
do gieng er zuͦ dem grabe vnd nam si bi der hant vnd hiez
si vͦf sten Konr
12,66;
bi den henden sie sich bevingen Roth
1756;
(übertr.:)
Wolfrat der wigant / nam achzich dusint bi der hant /
vnde brachte si [...] zo eime sconin kiele / ebd.
4743;
bíme hare durch den phuͦl / wart er dicke gezogín
Athis
A 120;
daz ors er bî dem zügele nam Tr
9147;
sîns rosses er bî dem zoume pflac Wig
6845;
Ringewiffel frôn Elsun / bî der stûchen
[Ärmel] fuorte SM:Go
2: 7,8
7.2
an etw. (auf)hängen (hâhen, haften):
ein friskinc [...] haftote bi den
hornen / in den bramen unde in den dornen VMos
19,20;
daz si den selben chuͤnigen auf den hals træten und hiezz
si da pei auf hahen PrOberalt
74,11;
diu keten dâ ez [
daz becke
] hanget bî, / diu ist ûz silber geslagen Iw
590
7.3
jmdn. bî der hant bevelhen/geben
‘anempfehlen, übergeben’ (mit rechtlicher Wirkung):
der [
vatir min
] lac in sinin ende / vn̄ beualch dich mir bider hende
Roth
5135;
[
Dietrich
] gab ir bî der hant / den küenesten recken [Hagen als
Gefangenen]
NibB
2353,2
7.4
bî etw. (einem Recht) belîben:
di vorgnanten alle bei iren freiheiten und rehten
beleiben lazzen WüP
104,11;
daz ie der man belîbe / bî diu unde er haben sol Ottok
18653;
vgl.
bî belîben
,
bîbelîblich
7.5
bî jmdm. (vriunt, vrouwe u.ä.) ligen /
slâfen:
ein wîb [...] diu noch bî friunde
lît SM:Had
34: 1,3;
swâ liep bî herzeliebe lît / ie nâher unde ie nâher baz
KLD:GvN
8: 4,5;
die gaist, die pei den frawen slâfent in mannes weis
BdN
415,20
(unerotisch:
wie dicke ich in den sorgen doch / des morgens bin
betaget, / sô ez allez slief, daz bî mir lac! MF:Reinm
11: 4,3);
vgl.
bî ligen
,
bî slâfen
7.6
bî (zusammen mit, von) jmdm. Kinder haben, bekommen, tragen, gebären
usw.:
het er bi zwain elichen vrowan kint UrkCorp (WMU)
2596,27;
do gewan er bi deme wibe zuene sune VMos
34,26;
Mühlh
178,1;
UrkCorp (WMU)
1493,6;
het ouch [...] bî Gunther dem
rîchen einen sun getragen / Prünhilt diu schœne NibB
718,2;
ein mœrinne [...] Josweizen bî
im [Matusales] gebar Wh
386,19.
–
alsus wart si der selben naht / swanger bî ir bruoder Greg
399;
Wig
1023
7.7
bî (von) jmdm. Besitz (als Erbe) haben:
sin teil, swaz er hatte bi sinen geswisteriden UrkCorp (WMU)
1330,2;
ab su gut hetti bi urme erstin man Mühlh
179,4
7.8
bî jmdm. / etw. lernen:
swez si in vragen wolten, daz seit er in, daz lernten si
bei im PrOberalt
153,19;
du solt zuht bî ir lernen WolfdB
77,4;
da bi [durch Zuhören] mach er
lerne, / daz ime zu den eren wole stat GrRud
γb 45
7.9
bei Verben des Schwörens, Beteuerns, Mahnens bezeichnet die Präp.-Gruppe mit
bî eine Berufungsinstanz / eine Beteuerungsform u.ä.:
daz swere ich im bi mime gote Herb
443;
so hat die frowe von Nifen [...] besworn bi dem
vater vnd bi dem sun vnd bi dem hailigen gaist UrkCorp (WMU)
1624,17;
[
sie
] beswuren in bi sinen kinden Herb
9739;
rehte als lieb als ich dir sî, / Tristan, dâ vrâge ich
dich es bî Tr
3660;
daz wir gelopt han hie bie vnsere triuwe an eides stat UrkCorp (WMU)
1620,13.
–
daz su bikennin bi urmi eidi Mühlh
108,12;
wir haben ouch gelopt bi vnserm aide UrkCorp
1601,1;
daz er [...] bî dem eide jæhe
SM:KvA
2: 3,6.
– mit Auslassung des Verbs:
bi vwern hulden, ez ist war Herb
9503
7.10
bei Verben des Gebietens usw. bezeichnet die Präp.-Gruppe mit bî
eine angedrohte Strafe:
den liuten vride gebieten bî dem halse
SpdtL
176,10;
zv Troyge ein fride gegeben wart
[...] bi hute vnde bi hare, / vnde darzv bi der
wide Herb
2906;
wir verbieten ovch bi fvmf phunden alle gesworn ainung UrkCorp (WMU)
888,9;
daz gebieten wir in bi vnsern hulden [bei Strafe des
Huldentzugs]
ebd.
888,38
7.11
bei Verben des Übersendens, Benachrichtigens, Verkündens usw. bezeichnet die
Präp.-Gruppe mit bî eine Übermittlungsinstanz:
ir santet mir einen phaugen / bi vwerme knechte
Herb
9472;
bî den hêren wîssagen chunt er daz [
‘kündigte er an’] er wolte Kchr
9299;
bi diser scrifte sie kunt getan UrkCorp (WMU)
1089,33;
daz ez got dem menschen selber sage oder ez im bî einem
engel enbiete Eckh
5: 240,3
7.12
bei Verben des Erkennens, Deutens, Schließens usw. bezeichnet die Präp.-Gruppe
mit bî ein Erkenntnismittel (Symptom, Zeichen, Beispiel):
wen du syst, das sich der wyn gewandilt hat, vnd merkist
das bi den czeichin, als du vornomen hast Pelzb
140,26;
ich wil sîn erkant / bî mînem lewen Iw
5497;
diser blint der gerte [...] neur
des liehtes. nu schuͦllen wir pilde nemen pei dem blinten
PrOberalt
55,10;
nu wil ich sagen von der bewegelichen zit die man ahtet bi
dem loufe dez manen MNat
18,15;
siben tvgenden [...] die sint vns
bezeichent bi den siben tagen, do got geschvf himel vnd erde
PrBerthKl
1,6.
–
ich weiz bî mir [mit mir als Beleg, aus
eigener Erfahrung] wol, daz ein zage / unsanfte ein sinnic
wîp bestât MF:Reinm
5: 2,1;
ich gloub in [den unglücklichen Minnern im
allgemeinen] bî mir SM:Had
27: 1,9
8
temporal, oft mit zît, wîle, stunde u.ä.
8.1
allgemein:
sie schieden dannen bi der
zit [damals] / an vbel rede Herb
15217;
bi der selben
wile [gleichzeitig]
ebd.
14696;
hie vor bi manegen
stunden [oftmals]
Tannh
16,12;
nie [...] bî manger
zît [nie]
KLD:GvN
18: 5,3;
die jungfrauw nant yn kóniges kint und by wilen
[bisweilen] der rich weise Lanc
34,13;
si [Vögel] hangent an den
paumen [...] si vallent pei zeit [wenn es
Zeit ist] in daz mer und wahsent auf dem mer, unz si beginnent
ze fliegen BdN
172,31.
– verstärkt mit nâhe:
nâhe bî der selben zît [bald darauf]
Elis
4195;
nâhe bî der stunde ebd.
4575
8.2
in einer Epoche:
bi alten ziten Hochz
156;
bi der alden zit ebd.
15738;
bi den ziten PrBerthKl
4,64;
Herb
17521;
bî niuwen zîten [vor noch nicht langer Zeit,
Ggs. nû
]
SM:UvS
10: 2,2;
bî disen zîten [in heutiger
Zeit]
MF:Reinm
68: 2,6.
– zu jmds. Zeit:
bi Salmonis zitin LobSal
239;
bi Rotheres gecitin Roth
4918;
ez enwart bi siner
[Hektors] zit / nie kvner man geborn
Herb
10824
8.3
während/innerhalb einer genauer bezeichneten Zeitspanne (vgl.
bin
und
binnen
):
binnen der wochen / wurden alle die gerochen, / die bi
sehs iaren / vnz dar [in den ganzen sechs Jahren
zuvor] geslagen waren Herb
12033;
bi kurzen tagen Tannh
6,2;
bin demi iare Mühlh
146,17;
by eim jare Lanc
28,15.
–
‘(noch) zu jmds. Lebzeiten’
daz ich getroestet wurde noch bî lebendem lîbe
MF:Reinm
15: 4,4;
bi urme libi, die wili daz su lebit
Mühlh
144,18;
bî mîner zît MF:Reinm
40: 3,3;
daz geschehe bî mînen tagen! Tr
4820;
Tannh
6,108
8.4
nach Ablauf einer Zeitspanne:
bie eime halben iare / minnete sie in vffenbare
Herb
2723;
dar nach pi einer wile AvaLJ
15,1
8.5
sonstige Zeitangaben:
bî dem liehten meien KLD:Kzl
15: 1,3;
ez si biͤ tage oder bi naht WüP
75,13;
bi schonimi tagi undi bie schinigir sunnin [am
hellichten Tag]
Mühlh
120,11;
gisciet ein duibi bi slaphindir diet [während
die Leute schlafen]
ebd.
111,9;
bi dem mane schine Herb
12760.
– bezogen auf ein Ereignis:
bî dem êrsten gruoze / viel er ir ze vuoze
Iw
8041
9
Adv., in paarigen Ausdrücken mit verre und nâhe(n):
ir sît mir verre oder bî Tr
18294;
zeinem walde, / er sî verre oder bî ebd.
12729;
verre unde bi PassI/II
118,11;
sî dir nû nâhen ode bî / kunt umb selhe wâge iht
Iw
538
10
als Erst- oder Zweitglied in festen Verbindungen mit anderen Wörtern (s. auch
unter diesen)
10.1
nâhe bî (auch bî nâhen):
im lac sîn harnasch nâhe bî Parz
732,30;
der nâhen bî bî liebe lieblîch lît KLD:UvL
5: 3,7;
daz man minne nâhe bî / und nâher minne âne sî
Tr
19367;
suͤmlich die waren verre dar chomen, suͤmlich da pei nachen [
de prope
]
PrOberalt
137,4.
–
bî nâhe, bî nâch
‘beinahe, fast’ s. bînâch
10.2
vil bî
‘beinahe’
dô im vil bî sîn kraft zerbrach RvEAlex
1016.
10263.
10586
u.ö.
10.3
hie bî s.
hiebî
10.4
(nâhe) bî einander, nâhe einander bî (s.a. bî den ander
unter
1.1.1
und
einander
) ‘bei-, zueinander, in gegenseitiger Nähe’
dô wart der jeger bîten bî ein ander niht ze lanc
NibB
931,4;
zene cleyn und wiß glich nah by einander
Lanc
35,5.
–
si [die Namen Tantris und
Tristan
] lûtent nâhe ein ander bî Tr
10106;
ein edelkeit von tugenden unde ein edelkeit von künne, /
swer die bî einander treit [...], / der hât aller êren
houbetwünne KvWLd
18,18.
– als Verbergänzung:
zorn unde wîpheit, / diu übele bî ein ander zement
Tr
10261;
wirt ein man mit rehte von sînem wîbe gescheiden, und
daz si beidiu niht enwizzen daz si bî ein ander ze unrehte
sâzen [rechtswidrig verheiratet waren] , si
behabet ir selber guot SpdtL
98,11.
–
vnd war denne alliv frevde
[...]
[
die
] alle gvt lvt vnd alle hiligen in dirre werlt ie gewunnen, bei
ein ander [zusammengerechnet] , daz war niht als
ein tropf wider die minnsten himelischen frevde PrBerthKl
2,27
10.5
bî unlangen
‘nicht lange’
da vor bi unlangen Elis
6549.
– s.a. beinzigen (s.v.
einzec
),
belangen
(Adv.),
benëben
,
beniden
,
beniute
,
bîdaʒ
,
bîdiu
,
bîein
,
bin
(Präp.),
bînamen
,
binnen
,
bobene
MWB 1 772,50; Bearbeiter: Sappler
bibe
stF.
→
ërtbibe
MWB 1 777,45;
bî belîben
stV.
‘bei jmdm./etw. bleiben’;
mit Dat.d.P.:
gevrâget nimmer wer ich [Schwanritter] sî: / sô mag
ich iu belîben bî Parz
825,20;
ich belîbe iu wol sô lange bî, / daz er mir iuwern muot /
volleclîchen ze wizzen tuot KvHeimUrst
1396;
daz ich wil guoten wîben / mit dienest âne valschen muot immer
bî belîben KLD:UvL
25: 0,4;
Mai
127,10;
RvEBarl
15923.
– mit Dat.d.S.:
ich sage niht wâ mîn hêrre sî. / welt ir, er blîbet freuden bî Parz
647,26;
swie kranker kunst ich doch sî, / ich belîbe der âventiure bî
Wig
11668.
– subst.: ‘Verweilen’
die ander hindernisse [...], das ist das im gebristet
gegenwúrtiger andaht und das man kein bibliben hat, und louffent zuͦ vil us uf
andere ding Tauler
319,29.
383,10
u.ö.
– Part.Präs.: ‘bleibend, beständig’
mit eime biblibenden ernste in demuͤtiger hoffenunge ebd.
28,7.
351,26
MWB 1 777,46; Bearbeiter: Hoffmann
bî|belîblich
Adj.
‘festbleibend, beständig’
da [
in der wesenlicheit, dem Wesen] ist es [
das oberste teil der selen
] unabziehelich und bi bliplich und nút in der wúrklicheit
[Wirksamkeit] noch wise der zit hie Tauler
352,2
MWB 1 777,63; Bearbeiter: Hoffmann
bibelinum
N.
wohl verhüllend für
wîbelîn:
ich wæne die phaffen unt die nunnen / ein gemäinez bîwort
chunnen, / daz si sprechent ‘post pirum vinum; / nâch dem wîne hœrt daz bibelinum!’
Priesterl
68
(vgl. Anm.z.St. mit Hinweis auf Freid
16,17
der pfaffen sünde ist anders niht, / wan daz mit wîbelîn
geschiht)
MWB 1 778,4; Bearbeiter: Hoffmann
biben
swV.
‘zittern, erzittern, beben’;
aus Furcht:
sin herze erschrac, er begunde biben Herb
17395.
13210;
En
1016;
he bivet alse ein espen lof Lilie
34,38;
AHeinr
724;
mîn bete unde mîn drô, / die hânt mirs gemachet sô / daz sî
[die wilden Tiere] bibende vor mir stânt
Iw
509;
Daniel
3533;
Cranc
Jes 44,11
– in med. Kontext:
mit warmen wasser genutzet vertribet her daz biben von dem
herzen Macer
86,7;
zorn macht das herze biben / und zünt bi im das blut
Mügeln
376,9;
Physiogn
185.
–
die erde bibte gliche: / die herten steine spilten sich, /
die greber worden uf getan HvNstGZ
3123;
Wernh
4164;
Daniel
5246;
Pilgerf
7854;
von den sölh stimme wart vernomen, / es möhte biben des mers
wâc Wh
41,7.
400,21.
– für das Jüngstes Gericht:
Got mit rehte rihtet, / swanne der bibende tac / kumt, unde der vervluhten
slac Vät
28233;
daz bibende urteil HeslApk
18382;
die starke bibende verborgene urteil gotz Tauler
222,29
MWB 1 778,11; Bearbeiter: Hoffmann
bibenelle
F.
‘Bibernelle’ (Pimpinella saxifraga, vgl. Marzell 3, 753-761):
armoracia: bibenelle VocBV947
3:534,47;
bibinella ist goͮt zuallen arbaiten des herzen, der si mit
eziche soͮdit unt si so niuzet PrüllK
7;
nim pibinellam unde zetrîp die in wazer Barth
143,20
MWB 1 778,31; Bearbeiter: Hoffmann
bibenen
swV.
‘zittern, erzittern, beben’
da pibenoten si uor uorhten [interl. zu trepidauerunt
timore
]
PsM
13,5;
do stuͦnt er und bibente vor mir Mechth
7: 7,45;
Gen
1153;
VMos
36,9;
RvEBarl
29.
–
~ wie Espenlaub:
im begunden arme unde bein / bibnen als ein espîn loup
Eracl
3027;
er [Paris] bibent unde wagete / vor sorgen als ein
espîn loup KvWTroj
20696.
–
so bibenet allez daz der ist, so nahet uns [am
Jüngsten Tag] der heilige Crist AvaJG
2,3;
und bließ so sere das jhener sal aller bibente
Lanc
116,17.
213,29;
Tr
2410;
Barth
131,15
MWB 1 778,37; Bearbeiter: Hoffmann
bibenunge
stF.
‘Beben, Zittern’
tremor: bibenunge SummHeinr(Ho)
19,25;
dienet got mit uorhten unde mendet im mit pibenunge [interl. zu
in tremore
]
PsM
2,11;
WindbCant
126;
bewenunge Brun
6351
(Hs.)
MWB 1 778,49; Bearbeiter: Hoffmann
biber
stM.
‘Biber’
castor: biber VocBV926
3:444,55;
fiber: biber SummHeinr(Ho)
8,26;
ave ist ein tîer und heizit castor piber unt ist uil milte
unde senfte JPhys
16,1;
BdN
127,3.
–
sô man den biber jaget sô sêre / daz er geloufen mac niht mêre, / sô bizet er
selber sîn geilen abe, / daz der jeger im die habe / und in dennoch lâze genesen
Renner
19529;
ebenso
JPhys
16,4;
Freid
139,5;
KvWLd
32,331;
BdN
127,18;
vgl. auch
bibergeil
.
–
des bibers zagel vischîn ist, / der im ouch muoz ze aller frist / nahtes in
dem wazzer hange Renner
19521;
ebenso
BdN
127,8;
der piber ist ain halb visch / daz man ezzen und cziren tuͤt Teichn
442,196.
– als Bestandteil von Personennamen
vgl. WMU 1,249.
MWB 1 778,54; Bearbeiter: Hoffmann
biberans
M.
Bergmannssprache, Bed. ungeklärt (ein Metall? Grimm, Dt. Gr. 2,328):
iz sin nu wol sechs jar, / iz geschach an den stunden / do der biberans wart
funden, / ich verzimert an einer want / guldin erz mit miner hant / und verstreich
ez mit unslide gar. / iz muste do sten manic jar / e daz mans mochte vinden
ErzIII
56,466
MWB 1 779,4; Bearbeiter: Hoffmann
biberban
stM.
‘Recht des Biberfangs’
piberpan DRW
2,315
(SteirLArch.; a. 1346 u. 1347)
MWB 1 779,11; Bearbeiter: Hoffmann
bibergeil
stNF.
zu geile swF. ( ‘Hode’).
‘Bibergeil’
castoreum: bibergeile VocBV947
3:538,16;
und spricht Aristotiles, daz des pibers mannesgezeuglein haiz
castorium, daz haizt ze däutsch pibergail BdN
127,5.
– Verwendung als Arzneimittel (vgl. LexMA 2,108; Hwb. dt. Abergl. 1,
1221-1223):
daz pibergail ist ze vil erznei guot, und wænt der piber, man
jag in allain durch der gailn willen BdN
127,6;
dem daz vel vor den ougen washe [l.
wahse
] , der nem bibergeil, diu weich si BenRez
42;
vür gegihte [...] bringet ein ander heil / warm
ziegel, haber und bibergeil Renner
9936;
SalArz
104,35
u.ö.;
OvBaierl
87,14.
– als Aphrodisiakum:
die minnere geile / die vintent hie veile / bibergeil, alrune OsterSpM
3,55
MWB 1 779,13; Bearbeiter: Hoffmann
biberîn
Adj.
‘ aus Biberfell’ (vgl. Brüggen, Kleidung, S. 60):
castorinvm: bibirin VocBV926
3:626,38;
die vedere wâren zöblîn, / bibrîn wâren die lîsten StrDan
6595
MWB 1 779,28; Bearbeiter: Hoffmann
bibervël
stN.
‘Biberfell’
ein veder er dar vnder truoch, / div was reich genuoch, / von lautern
pibervellen. / jr tivr moht gehellen / dem zobel vil nahen Krone
6860;
hie waz oͮch der grave Saniel, / dez lvͥt nvͥt wan pybervel / ze kleide
trvͦgen TürlArabel
*A 274,1
MWB 1 779,32; Bearbeiter: Hoffmann
bî bestân
V.
‘jmdm. beistehen’
di engel di mir [
Lucifer
] wellent bî / bestên an diser stunt, / die tuon mir daz kunt
EnikWchr
199;
lat Symon vallen, den valschen got, / [...] ewer
cheiner beste im bey HvBurg
2361
MWB 1 779,38; Bearbeiter: Hoffmann
bîbilde
stN.
‘Vorbild, Beispiel’
demut ist [...]ein meisterin des vrumen, / eine
stille lererin / mit bibilden di gut sin TvKulm
2042;
Cristes demut reine / ist den uz erwelten czwar / ein by bilde offenbar ebd.
2500
MWB 1 779,43; Bearbeiter: Hoffmann
biblie, bibel
swstF.
auch bibli, biblige/biblege, byblia,
wibel.
‘Bibel, Heilige Schrift’
ez truog Jeronimus von hebraisch in lateines wort ganz waz diu
wibel sinnes hât und auch von andern zungen BdN
Reimvorr. 5,3;
uz der byblien ist dise ubirtragunge in daz mittelste dutsch mit einualdigen
slechtin worten uz gedruckit EvBeh
Einl. 18;
wol wisen phaffen das anzem, / das in die bibel were kunt!
Mügeln
107,4;
er hat ouh dem convent geben sin bibeln vnd ander siniv pvche UrkCorp
2810,34;
Hiob
149;
Loheng
4271.
–
wer nu der bibel buch / wil stricken in sins herzen tuch, /
den wil ich leren [...], / kurz, wie ir ordenunge stat
Mügeln
71,1
( ~ bezeichnet hier nur das Alte Testament; vgl. ebd. 71-109).
– häufig in Quellenberufungen:
als ih ez an der bibli las RvEWchr
13039.
30492;
als ich die biblien han hören sagen HvNstAp
8200;
als wir an der bibeln lesen Ottok
22898;
als an der wibel geschriben ist SchlierbAT(LS)
1,199;
nâch der bibel sag EnikWchr
17764;
davan in der bibelgen lis HistAE
2196
MWB 1 779,48; Bearbeiter: Hoffmann
bîbôʒ
stM.
‘Beifuß’ (Artemisia vulgaris L., vgl. Marzell 1,434-442):
artimesia: biboz VocBV947
3:533,1;
VocBV926
3:580,1;
mater herbarum: biboz VocBV887
3:62,66;
tantes: biboz ebd.
3:63,75;
artemesia heiset in diutschem bybos unde heiset an den
arztbuchen muter aller wuͦrze Macer
1,1.
–
swelch wip mit einem kinde arbeitet, sudet si den bibos mit
wine oder mit bire unde nutzet das: si geniset ebd.
1,10.
ob dir din fuze we tun, nim biboz BenRez
20;
PrüllK
16;
nû ir ein arzat sît / [...] erkennet ir bîbôz?
Sibote
683.
– Umdeutung des Wortes zu bîvuoʒ, wohl aufgrund des Glaubens, dass
die an den Fuß gebundene Pflanze gegen Müdigkeit helfe (vgl. Hwb. dt. Abergl.
1,1007):
artemisia haizet peipôz [La. byfuosz
] . [...] ez sprechent auch die maister, wer
ez an diu pain pind, ez benem den wegraisern ir müed BdN
385,13;
byvoz OvBaierl
130,12;
byvus samen Pelzb
140,15
MWB 1 780,5; Bearbeiter: Hoffmann
bîbrief
stM.
‘beigefügter Brief’
deinen beibrieff und das messer han ich gesant ze Cöln unserm getruwen in got
HvNördlBrf
48,61
MWB 1 780,23; Bearbeiter: Hoffmann
bibunge
stF.
‘Beben, Zittern’
daz [bei der Klage um den
Toten] die stimme vnde die zvnge / mit der bibunge / also sere vz doz
Herb
10566;
he zonede sine suchede [zeigte seine Schwäche] an
siner bivungen, / he sueizede blut umbe dine bekerunge Lilie
36,29;
und si gingen ûz und vluͦhin von dem grabe, wan si hatte undir gangen ein
bibunge und irscreckunge [
tremor et pavor
]
EvBeh
Mc 16,8;
PrLpz(L)
60,10;
Tauler
222,9;
bewunge Cranc
Jes 33,14.
Jer 8,21
MWB 1 780,26; Bearbeiter: Hoffmann |