bewitzet
Part.-Adj.
‘mit Verstand begabt’
wer des [Geld] allermaist besitzet, / der haizzet
erber und bewitzet Teichn
564,1760
MWB 1 758,11; Bearbeiter: Hoffmann
bewollen
Part.-Adj.
→
bewëllen
stV.
MWB 1 758,14;
bewollenussede
stF.
‘Schmutz, Befleckung’
mit wine unde mit hǒre unde mit allen dien bewollennussedon
die demo dîuvéle lîhchênt ÄPhys
9,14
MWB 1 758,15; Bearbeiter: Hoffmann
bewollunge
stF.
‘Befleckung (durch den nächtlichen Samenerguß)’
swenne des samen zu uil wirt, so sal man in minern mit der
minne, ader he machit sichtum, ab he sich nicht minnert uon der bewollunge di da
geschit in deme slafe SalArz
24,25;
di bewollunge [...] an deme slafe
[...] ist zweierhande: [...]
uon deme vmmezigin samen [...] vnde gedanken di man hat
nach den wiben ebd.
62,16
MWB 1 758,18; Bearbeiter: Hoffmann
bewonen
swV.
1 tr. ‘etw. bewohnen’
2 intr. ‘wohnen’
3
an etw. bewonet sîn
‘an etw. gewöhnt sein’
1
tr. ‘etw. bewohnen’
dî burc bewonten [...] / ubiltêtiger lûte vil
NvJer
27159;
dorfir [...], / dî daz luit bewonin pflac ebd.
16124.
– übertr.:
bewone, hêrre, mîne brust / mich sêliclîch irlûchtinde ebd.
78
2
intr. ‘wohnen’
alle mensche [...], die da erlost sin mit dem tuͦren
bluͦte [...], die suln gen in der othmuͦticheit und bewonen
in dem heiligen geyste PrLpz
73,9
3
an etw. bewonet sîn
‘an etw. gewöhnt sein’
daz ich habe nach den sunden gedacht und han sie vollenbracht und bin dar an
bewonet PrLpz
40,24
MWB 1 758,27; Bearbeiter: Hoffmann
beworren
Part.-Adj.
→
bewërren
stV.
MWB 1 758,38;
beworrenheit
stF.
‘Verwirrung, Verstrickung’
den [
Riwalîn
] ouch die trahte sîne / verwurren in der minne / sînes herzen
küniginne. / in hæte wol beworrenheit / in wunderlîch pârât geleit Tr
875;
Îsôt was sîn liep und sîn leit, / jâ Îsôt, sîn beworrenheit,
/ diu tet im wol, diu tet im wê ebd.
18988;
daz sehst ist, daz du dein sinne solt behuten vor aller beworrenheit
Eckh (J)
63,11
MWB 1 758,39; Bearbeiter: Hoffmann
beworrenlîche
Adv.
‘verwirrt’
sô wir irre wesen / unde beworrenlîche lesen Kröllwitz
1485
MWB 1 758,47; Bearbeiter: Hoffmann
beworten
swV.
‘etw. durch Worte ausdrücken’
das ich befunden han, das mag ich nieman gewortigen [La. das
kan ich nit beworten
]
Katrei
334,35
MWB 1 758,49; Bearbeiter: Hoffmann
bewüefen
swV.
‘etw. beklagen’
mit rehter uorhte unde mit saliger riwe bewoͮffent si ir
missetât Spec
121,17
MWB 1 758,52; Bearbeiter: Hoffmann
bewulnisse
stF.
vgl.
bewollunge
.
‘Befleckung’
von vnkivschekeit koment drizehen sivnde [...] dv
drizehende heizet vnkivscheit began mit bewulnesche der troemen Bihteb
36
MWB 1 758,55; Bearbeiter: Hoffmann
bewunden
Part.-Adj.
→
bewinden
stV.
MWB 1 758,59;
bewürken, bewirken
V.
vereinzelt bewerken ( HeslNic
4526, Pelzb
121,33).
1 mit Akk.d.S. ‘etw. (mit etw.) einfassen, abschließen’
2 mit Akk.d.P. ‘jmdn. einschließen, einsperren’
1
mit Akk.d.S. ‘etw. (mit etw.) einfassen, abschließen’
und hiez unses herren bilde / in gimmen und in golde /
bewerken [La. verwurken
] als er wolde HeslNic
4526;
den selben stain [...], / beworht mit
gold HimmlJer
143;
ähnl.
Rol
3293;
Wig
7084.
–
vnd bewerke [bedecke] di czu
vugunge [die gepfropfte Stelle] wol vor dem
reyn [Regen]
Pelzb
121,33;
wen der wyn lyt vf den hevin, so bewirkin
[verstopfen] si gar wol das spvnt des vassis
ebd.
140,30;
BvgSp
19.
23.
– in rechtl. Bestimmungen: ‘etw. einhegen, einzäunen’
männeglîch sol auch bewürken sîn teil des hoves
SSpAug
207,15;
swer wilde tier hegen wil bûzen banvorsten, der sal sie binnen sînen
beworchten geweren haben SSp(W)
2:62,3.
2:38
u.ö.
2
mit Akk.d.P. ‘jmdn. einschließen, einsperren’
die arme sunderinne / liez sich bewirken drinne [in die
Zelle]
Pass III
542,8;
da ist si inne bevangen und wunderlich beworcht
Mechth
6: 16,14;
Wig
2520;
HeslNic
4457
MWB 1 758,60; Bearbeiter: Hoffmann
bewurzeln
swV.
1 refl. ‘seine Wurzeln haben’
2 tr. ‘jmdn. festigen’
1
refl. ‘seine Wurzeln haben’
da schein der gvͦte wuͦchir, / der sich dort ce Kriechen / so
vruͦ bewurcelote Ägidius
141
2
tr. ‘jmdn. festigen’
vnd der geist der gotis vorchte sol in ervullen vnd bewuͦrzeln PrLpz(L)
90,32
MWB 1 759,17; Bearbeiter: Hoffmann
bezâfen
swV.
‘jmdn. zieren, schmücken’
ez get mænger schon bezauft [: mitelschaft
] / gar in richen klaiden guͦt Teichn
511,46
MWB 1 759,22; Bearbeiter: Hoffmann
bezaln
swV.
1
‘bezahlen’
1.1 mit Akk.d.S. (u. Dat.d.P.) 1.1.1
‘für etw. (Sache, Leistung, Schaden) bezahlen’
1.1.2
‘etw. (Geldbetrag, Schuld) bezahlen’
1.2 mit Akk.d.P. ‘jmdn. bezahlen, ausbezahlen’
1.3 ohne Obj. ‘mit dem Leben bezahlen, den Tod erleiden’
2
‘etw. (Ruhm, Ehre u.ä.) erwerben, erlangen’ (nur in literar. Texten des 13.
Jh.s, häufig bei Wolfram),
1
‘bezahlen’
1.1
mit Akk.d.S. (u. Dat.d.P.)
1.1.1
‘für etw. (Sache, Leistung, Schaden) bezahlen’
bis he dat gewant bescailt hefvet UrkCorp
53,33;
den schaden suͤllen wir im oder sinen erben mit dem selben haupgelt
gentzlich bezaln vnd abrihten UrkWürzb
40,270
(a.1339);
Tauler
150,16.
327,5
1.1.2
‘etw. (Geldbetrag, Schuld) bezahlen’
als ob ich im hundert mark bezalt hæte Eckh
2:17,5;
do wurt alle schulde gentzlich bezalt Tauler
80,15
1.2
mit Akk.d.P. ‘jmdn. bezahlen, ausbezahlen’
binnin des jaris vrist so solin wir in bezalit han UrkCorp
3502,37;
vnd hant mich di alle bezalt vnd gewert ebd.
2709,18.
–
nuͦnhundert phunt haller [...], der wir an
gereidem gelde gentzliche sin bezalt und gewert von ime UrkFrankf
2,344
(a.1333);
Lanc
578,3
1.3
ohne Obj. ‘mit dem Leben bezahlen, den Tod erleiden’
der heiden mêr / wan hundert hêten nu bezalt, / tôt nider uf daz lant
gevalt Kreuzf
5915;
von des strîte dâ bezalt / het maniger werlîcher Sarrazîn ebd.
7216.
4282
2
‘etw. (Ruhm, Ehre u.ä.) erwerben, erlangen’ (nur in literar. Texten des 13.
Jh.s, häufig bei Wolfram),
zumeist in der Verbindung
prîs
~
:
dem [
Achilles
] bequam Evfemes / vnde wande pries an im bezalen
Herb
7631;
sie bezalent zv rosse grozzen pris ebd.
14328.
11858.
12369
u.ö.;
ich hân dicke prîs bezalt / und manegen ritter ab gevalt Parz
135,3
u.ö.;
Eskelabôn der manegen prîs / bezalte durh der wîbe lôn
Wh
106,25.
117,13
u.ö.;
Georg
123;
JTit
3248,4
u.ö.;
TürlArabel
*A 84,29.
–
al âventiure ist ein wint, / wan die man dâ [in Schastel
marveil
] bezalen mac Parz
318,21;
wie hât Gahmurets sun gevarn, / sît er von Artûse reit? / ober liep od
herzeleit / sît habe bezalt an strîte? ebd.
434,7;
JTit
4909,4;
ruom Parz
526,6;
sicherheit ebd.
171,28;
vluste JTit
4175,4;
werdekeit Parz
267,1.
321,7;
JTit
211,2
MWB 1 759,25; Bearbeiter: Hoffmann
bezalunge
stF.
‘Bezahlung’
bis daz wir [...] dem obgnanten Heinrich
[...] fuͤnftzig pfunt haller gegeben vnd gentzlich vnd
gar bezalt haben. vnd swan die selbe bezalung also geschehen ist,
[...]
UrkWürzb
40,208
(a. 1338);
were dat sache dat wir [...] der vorsprochinre
bezalingen suͦmich wuͦrden UrkSchön
3,7
(a. 1339);
zu betzalonge ließ er [Christus] blut nas, / wie wol
er den zolle nit schuldig was Pilgerf
45.
9678
MWB 1 759,62; Bearbeiter: Hoffmann
bezëdelen
swV.
‘etw. ergründen, begreifen’
als ich ez danne bezedel, / so wer ein yglich edel / gut wip und verstanden /
einem torn mynne [...] schuldig, der sie liep het
Minneb
993
MWB 1 760,7; Bearbeiter: Hoffmann
bezeheren
swV.
‘etw. beweinen’
swenne so den súndær sine súnde geriuwent unde er die bezæhert
Konr(Sch)
113,38
MWB 1 760,11; Bearbeiter: Hoffmann
bezeic, bezeige
stF.
‘Kunde, Zeugnis, insbesondere nähere Bezeichnung der Lage und Beschaffenheit
eines Grundstückes’
man tuet im fürbas chain pitzaig, wann er selber wol wais, welchs der weingart
ist, den er erledigt hat aus frongewalt StRWien
115.
das man umb chain purkrecht pitzaige icht tu ebd.
122;
als die pitzaich denn erget ebd.
90
MWB 1 760,14; Bearbeiter: Hoffmann
bezeichenen
swV.
auch bizeichenen.
1
‘etw. bedeuten, symbolisieren, (allegor. oder typolog.) Sinnbild für etw./jmdn.
sein’ (sehr häufig in relig. Lit.) 2
‘etw. anzeigen’
3
‘etw./jmdn. bestimmen, etw. festlegen’
4
‘etw. mit einem Zeichen versehen, be-/versiegeln’
1
‘etw. bedeuten, symbolisieren, (allegor. oder typolog.) Sinnbild für etw./jmdn.
sein’ (sehr häufig in relig. Lit.):
den vater wunter nam waz daz [Josephs
Traum] scolte bezêchenen Gen
1767;
hier begin ih einna reda umbe diu tier uuaz siu gesliho
bezehinen ÄPhys
1,2;
daz [die Geschehnisse des Alten
Testaments] was allez geistlich, / daz bezeichnot christinlichiu
dinc VEzzo
336;
der hilig vater sprach ‘ditz ist mein liber sun’, daz bezaichent [
significat
] : so der mensch getauft wirt, so ist er gotes chint
PrOberalt
32,30.
– mit Akk.d.P.:
die [
sunne
] bezeichent den waren gotis sun. so betútet der mane die
cristenheit Lucid
125,15;
mit sinem amt [als Hirte]
bezaichent Davit unsern herren PrOberalt
18,13;
Gen
2774;
TrudHL
88,22;
Konr
18,7.
– mit Akk.d.S.:
daz dîu dîerer gerno in déro hôhe sint, daz bezêichenet
dîe hôhon unte dîe incomprehensibilem maiestatem Christi Will
36,9;
der uîcpoum bezeichenôt die diemuͦt, der oleboum
bezeichenôt die erbarmede TrudHL
41,17;
PrOberalt
104,19;
MarlbRh
128,1.
– mit Obj.-Satz:
daz er aue ein horn habit, daz bezeichinot daz Christ
sprach, ich unt min uater wir birn ein JPhys
3,19;
div tvbe zivhet oͮch fremediv ivngide. da ist vns mite
bezaichenet, daz wir barmherze svln sin Spec
36,20;
Hochz
779;
MarlbRh
126,2;
Lanc
121,19.
–
swel man ein guot wîp hat / unde zeiner ander gât, / der bezeichent daz
swîn MF:Her
5:3,3
2
‘etw. anzeigen’
wenne diu sunne in irm aufganch des morgens rôt scheint oder
tunkel oder wenne si verporgen ist under den wolken, daz bezeichent regentage
BdN
58,7;
Roth
1109.
– in med. Zusammenhang:
nu sulle wir sagen [...] waz ir
iglichez bezeichen an dem harne, ich meine di substantiam vnde di uarbe vnde di
quantitatem SalArz
110,42
u.ö.;
wie des menschen gestalt und seiner glider schickung uns
bezaichent sein nâtürleich siten BdN
42,18.
36,26
3
‘etw./jmdn. bestimmen, etw. festlegen’
abir dar nâch bezeichente [
designavit Lc 10,1] her ouch andere zwêne und sibenzic
[Jünger]
EvBeh
Lc 10,1
(ebenso
EvAug
157,13
);
er bezeichente da mite [mit einem
Olivenzweig] / fride [...] nach der alden
gewonheit Herb
15279;
der erste buochstabe an der ersten sillaben bezeichint wel
tage verworfen si MNat
18,10;
daz er ir eine stat bezeichente do sú in sinen eren eine kirche buwete
ElsLA
822,13;
ThvASu
54,10.
18,11;
BdN
168,25
4
‘etw. mit einem Zeichen versehen, be-/versiegeln’
si gingen hin vnd vmbgaben daz grab vnd bezeichenten den steine [
signantes lapidem Mt 27,66]
EvAug
74,24;
kandel [...] diu geprant und bezaichent ist mit der
stat zaichen StRMünch
426,4.
277,15;
disen brief bezâichent mit minem jnsigil UrkCorp
N633,33.
1520,5
u.ö.;
HeslApk
12464.
12491
MWB 1 760,21; Bearbeiter: Hoffmann
bezeichenhaft
Adj.
‘geistlich auslegbar’
daz [Empfang des verlorenen Sohns durch seinen
Vater] ist al bezeichenhaft / daz sîn sun bekêret was / und er von
sünden genas LBarl
13763
MWB 1 761,13; Bearbeiter: Hoffmann
bezeichenheit
stF.
‘geistliche Bedeutung’
diu erde keiner slahte treit, / daz gar sî âne bezeichenheit. / nehein
geschepfede ist sô frî, / sin bezeichne anderz, dan si sî Freid
12,10;
bi dem [Jonas im Walfisch] ist uns bezeichenheit /
von Jesu Cristo für geleit, / wand er verslicket wart alsam KvWGS
1619;
KvWTroj
23676;
Gen
2773
(Hs.);
Albert
133
MWB 1 761,17; Bearbeiter: Hoffmann
bezeichenisse
stF.
‘geistliche Bedeutung’
dit wazzer vluͥzt bit senfticheide, / ’t hat bezeichnis
diner [Marias] otmuͤdcheide MarlbRh
10,38;
die heilige driveldicheit, / [...] der bezeichenisse
wir vonden an der driecgehter bluͦmen Lilie
61,19;
die wetzaichnüß der underschiedunge [
significationem dictorum
]
HvHürnh
3,23;
HeslApk
7539
MWB 1 761,24; Bearbeiter: Hoffmann
bezeichenlich
Adj., Adv.
1
‘mit geistlicher Bedeutung’
2
‘etw. anzeigend, als Anzeichen für etw. (hier: Gesundheit) dienend’
1
‘mit geistlicher Bedeutung’
vnd got gabe bringende bezeichenlich [interl. zu
mysticum
]
PsM
H 44,3;
wetzaichenlichen [
figurative
]
[...] redent in geleichnüsß HvHürnh
3,9;
die schrift der reinen wîssagen: / die offent er
[der auferstandene Christus] in sêre / in
bezeichenlîcher lêre / mit der êwangeljen sage RvEBarl
2996.
6914
u.ö.;
daz si [die Edelsteine der
Kaiserkrone] bezeichenlichen meinen Ottok
40710;
PrGeorg
296,6.
320,6.
–
~ sîn
‘eine geistliche Bedeutung haben’
daz opfer [der Hl. Drei Könige]
was bezæichenlich Wernh
D 4651;
diz mere ist ouh bezeichenlich: / mit dem erin slangin [vgl.
Nm 21,6-9] ist / betút Got únsir herre Krist, / der
[...] den tot andem krúce leit RvEWchr
14331;
hiebî [dem Rad der Fortuna] ist
uns bezeichenlich / der werlte manigvalt grôz unstæte SM:JvR
1: 13,7;
VMos
81,23;
Albert
687
2
‘etw. anzeigend, als Anzeichen für etw. (hier: Gesundheit) dienend’
dez wirt genemet die gesunt arzenien, alse vil si der gesuntheit ist wirkende;
unde der harn nach dem unde er bezeichenlichen ist [
illius sanitatis significativa
]
ThvASu
262,32
MWB 1 761,31; Bearbeiter: Hoffmann |