berinnen
stV.
1 tr. in Wendungen wie mit bluote berunnen ( sîn ) ‘mit Blut
überströmt’
2 intr. mit Dat.d.P. ‘überströmt werden’
1
tr. in Wendungen wie mit bluote berunnen (sîn) ‘mit Blut
überströmt’
mit bluote was berunnen allez sîn gewant NibB
1951,3;
di scár lac in dem blute gar berunnen Rol
4370;
in hete der strît getân vil heiz: / beide bluot unde sweiz / hâte si berunnen
gar Er
4500;
din lip waz von dem hitzigem bluͦte an menger stat berunnen Seuse
316,32;
Lanc
332,6
2
intr. mit Dat.d.P. ‘überströmt werden’
Hartmuot der starke in durch den helm sluoc, / daz im sîn liehtiu brünne mit
bluote gar beran Kudr
1418,3;
des herzen vlut zun ougen vloz, / di im die wangen begoz / mildiclich hin zu
tal / und di brust uber al, / di im von zeheren beran MarLegPass
21,107
MWB 1 607,24; Bearbeiter: Schnell
bërisch
Adj.
‘nördlich’ (von bërinne
‘Sternbild der nördlichen Halbkugel’):
‘polus septentrionalis’, daz ist die ‘nab pey dem siben gestirne’ oder
‘borealis’, daz ist ‘nordisch’ oder ‘articus’, daz ist ‘perisch’ Sphera
67,34
MWB 1 607,38; Bearbeiter: Schnell
berîsen
stV.
‘jmdm. zufallen, zuteil werden’
zuͦ dem selgem kindelbedde / loufent si alle recht
[...] si suͤchent ’n heilant algemeine, / si hoffent,
dat in der selger spisen / in der kribben iͤt sül berisen MarlbRh
38,32
MWB 1 607,43; Bearbeiter: Schnell
berîten
stV.
1
‘jmdn./etw. (zu Pferde) erreichen’
2
‘etw. abreiten, durchreiten’
3
‘etw. (Pferde) reiten’
1
‘jmdn./etw. (zu Pferde) erreichen’
er begunde boten ze senden / ze allen den landen, / dî er mohte berîten
JJud
133;
bischove und ebbete kâmen dar / und diu phafheit vil gar, / swaz man der mohte
berîten / in des tages zîten Er
6344;
swaz er der haiden machte
beriten [einholen] , / derne genas nie nehain barn
Rol
6321;
Herb
5149;
Tr
1127.
– übertr. ‘etw. in die Hände bekommen, erwerben’
swaz ich mir mach berîten, / ez wirt in ze rouwen En
4896;
Paris wunder da beginc: / er sluc vnd vinc, / swaz er
bereit oder vant Herb
11877;
nach sante Agathen ende / wolde er ir gut beriten, / daz im icht konde
entgliten Pass III
184,46.
–
‘(jmdn.) zu Pferde angreifen’
im ouch sô grôze nôt / der brûdre anvechtin bôt /
[...], / daz er dâ nicht berîtin / mochte, sundir
dannen vlôch NvJer
17487;
so war hey de Cristen mochte beryden, / dar begunde hey mit en zo stryden
Karlmeinet
422,36
2
‘etw. abreiten, durchreiten’
an der selben stunde / wart von den gesten, /
[...] / al die strâzen gein Orlens beriten
Wh
209,9;
von du wart ime [Lupold] sin len
breit [l. bereitet
] , / daz Berker mit sime scilde bereit / manigin winter kaldin
Roth
4892;
grâf Albreht tet im selben wê / mit grôzer arbeit / er ez allez bereit, / dar
im enpholhen was ze rîten Ottok
69977.
–
‘etw. behüten, beschützen’
so sal ich mime herren von Triere und sime stifte ir land
[...] getruwelichen berieden und beschirmen
UrkMoselQ
210,18
(a. 1350);
es beriert kein man: er muͦs liden not. / schirmens vnd bereitens wart dir
nie so guͦt WolfdD
1218,1
3
‘etw. (Pferde) reiten’
ire ors, nâch wunsches siten, / wol nâch lust sie beriten / vor Akers uf der
plânje dâ Kreuzf
2672
MWB 1 607,48; Bearbeiter: Schnell
beriuten
swV.
‘roden, (Landbesitz) bearbeiten’
groz eigen sie beruten / und haben burge, stete, lant HeslApk
6638
MWB 1 608,18; Bearbeiter: Schnell
beriuwen
stV.
1 unpersönl. mit Akk.d.P. ‘jmdn. betrüben, bekümmern, gereuen’
2 persönl. mit Akk.d.S. ‘etw. bereuen’
3 refl. (mit Gen.d.S.) ‘sich (über etw.) betrüben, (etw.) bereuen’ (meist in unpersönl. Konstruktion) 4 in der Wendung: jmdm. beruwen sîn
‘jmdm. leid tun’
1
unpersönl. mit Akk.d.P. ‘jmdn. betrüben, bekümmern, gereuen’
es soll dich nicht berewen / das du mich warnest, guter man
HvNstAp
20378.
12596;
Maximianum do berou, / daz er der herschefte enpar Pass III
490,40;
ist daz iz euch beroͤwet, / da sit ir selbe schuldic an ErzIII
56,278.
56,482;
Herb
8160;
StatDtOrd
82,29;
MinneR 481
833.
– und mit Gen.d.S.:
ab si lichte horen und sich bekeren eyn itzlicher von sinem bosen wege und
mich ouch beruywe des obils Cranc
Jer 26,3;
do berow den herren des obils, das er gesprochen hatte widir si ebd.
Jer 26,19
2
persönl. mit Akk.d.S. ‘etw. bereuen’
wir sculn iz ê beruogen, vil wârlîchen beriuwen, / mit wârer
buozze chomen zantlâzze Gen
569;
swen si niene megen betriugen vil innere siz beriuwent ebd.
920.
– mit doppeltem Akk.d.S.:
sô balden / hân wir dekeinen ritter / der unser angest
bitter / beriuwen lâze sîniu lit KvWSchwanr
829
3
refl. (mit Gen.d.S.) ‘sich (über etw.) betrüben, (etw.) bereuen’ (meist in
unpersönl. Konstruktion):
daz irs ûch icht berouwet En
4329;
swenne wir uns beruwen / und ware bichte getuen HeslApk
3276;
swer mit Jezabel unvuret, / dem ist kumftic und gereit / groz angest und groz
arbeit, / her enberuwe sich der tat ebd.
3903
4
in der Wendung: jmdm. beruwen sîn
‘jmdm. leid tun’
ich habe gesvndet myne tage / vnd ist myr noch vil selten e
beruwen TannhBu
28;
ey wie im daz beruwen was Pass III
433,19
MWB 1 608,21; Bearbeiter: Schnell
beriuwenisse
stFN.
‘Reue, Buße’
daz er sîner missetât kume zu berûwenisse unde zu bîhte
StatDtOrd
54,32;
der sunden vnd der vnzucht / zv beruenisse er quam / sine buze er drumme nam
PassI/II
196,38;
sie sal alleine sin zu deme werke daz ir gesaczit vnde sal vollenhyrten
[ausharren] in der weinungen des berunisses vnde
vochten die freisliche rede des aposteln BrEb
25
MWB 1 608,51; Bearbeiter: Schnell
beriuwesen, beriusen
swV.
‘etw. bereuen, beklagen’
die sæligen die ir suͤnde innechlichen beriuset habent in disen
hiligen tagen, die werdent hiut erledigt von den ewarten PrOberalt
78,16.
57,11.
122,25;
der sîne sunde alsô beriuse / oder anderswâ gebûzze
Erinn
24;
PsM
4,5;
maniger an der stunde / sîne sund begunde / beriusen und beklagen Ottok
32934.
36244
MWB 1 608,59; Bearbeiter: Schnell
beriʒ
stM.
‘(umrissener) Bezirk’
item darnach fragt der schultis die scheffen uf ire eide, was rechts,
herlicheit und freiheit sie dem apt theilen in dem bann und berisz WeistGr
5,686
(a. 1354)
MWB 1 609,3; Bearbeiter: Schnell
berîʒen
stV.
‘etw. umkreisen, umreißen, von etw. die Grenzen angeben’
mit dem selben steine beriz iz [die
Pustel] , iz zeget PrüllS
1,3;
du blünder salden hag, / kein zung din lob berißen mag
Mügeln
124,2;
darnach heist der schultis die scheffen aussen gehn und manet sie ires eids,
das sie meim hern von Hornbach weisen und bereissen den bann WeistGr
5,686
(a. 1354);
JTit
340,1
MWB 1 609,7; Bearbeiter: Schnell
berkel
stN.
Dimin. zu barke.
‘kleiner Kahn’
ein kleinez perkel vüert ein swan Loheng
718
MWB 1 609,15; Bearbeiter: Schnell
berkorn
stN.
‘Weinbeere’
uva: berikorn SummHeinr
1:171,23.
2:41,182
MWB 1 609,17; Bearbeiter: Schnell
bërle
stswF.
‘Perle’ (vgl. Engelen, Edelsteine, S. 350-356):
ia waren die herren alle / mit phelle wole behangen / mit
golde ioch mit berelen Rol
1550;
von berlen vil wîze / knöpfe wârn geworht daran
Wig
2541;
NibB
712,3;
BdN
255,21.
– als Heilmittel:
nim mer veim vnde perlen di nicht durkel sin, mache ein
stuppe vnde tempir daz mit dem wizen eines eies vnde laz iz in di ougen
SalArz
38,24.
111,58.
– übertr. als Bezeichnung für Maria:
du berle ob allen gimmen KvWGS
1888.
– in bildl. verstärkter Negation:
wie vil er [Gott] helf ist wernde, so stet sin
helfe doch in bernder bluͤde, / daz nimmer die [Blüten]
verrisent gen einer halben berle [auch nur im Geringsten
verblühen]
JTit
6072,1.
– im Sprichw. ‘Perlen vor die Säue werfen’ (vgl. TPMA 10,318):
dâ von sprach her Frîdanc: / swer berlen schüttet vür diu swîn, / die mügen
unlange rein sîn Renner
5803
vgl.
Freid
123,6
MWB 1 609,19; Bearbeiter: Schnell
bërlen
swV.
‘jmdn./etw. (wie mit Perlen) schmücken, zieren’
diz gebet erhal in beiden werlden, / der kristen und der heiden, die sin lop
florierten unde berlden JTit
2764,4;
got unser schepfer daz gebôt, / daz in genumen hât der tôt /
[...]. / wol geblüemet und wol geberlt / ist sîner
blüenden vünde kranz HvFreibTr
34;
wol geberlt / ir wat, ir guͤrtel, ir vuͦrspan Guter
1:2,1;
Renner
21000.
4947;
Loheng
3350;
TvKulm
4276.
– bildl. ‘(in vollendeter Schönheit) herstellen’ (?) (vgl. FrlWB):
got hat dich [Minne] mit siner liebe in mich
geperlt Frl
4:20,4.
7:1,2
MWB 1 609,38; Bearbeiter: Schnell
bërlich
Adj.
zu bërn.
‘hervorbringend, gebärend’
diu sunne schînet durch daz glas und dringet daz wazzer von der rôsen; daz
kumet von kluocheit der materie des glases von der berlîchen kraft der sunnen
Eckh
1:407,3.
– wohl hierher (vgl. FrlWB):
alsam der alrunen glanz / der berendigen vrouwen schranz, / pinliche bürde
weichet [La. perlicher porten wehe
]
Frl
3:15,4
MWB 1 609,50; Bearbeiter: Schnell
bërlîn
stN.
Dimin. zu bërle:
ein cleinez snuorlîn / von wîzen berlîn Tr
10937.
11115;
perlein, rubein, palaß / und dar zu manig stain klar / waren
im gerigen [geflochten] in das har HvNstAp
11649;
ez sol in ieslîcher want / ligen zwelf karfunkelstein, / dar umb wîz berlîn
klein EnikWchr
12884;
HvBurg
5469
MWB 1 609,58; Bearbeiter: Schnell
bermde
stF.
→
barmde
MWB 1 610,1;
bermeclich
Adj.
→
barmeclich
MWB 1 610,2;
bërmeise
swF.
→
banmeise
MWB 1 610,3;
bermelich
Adj., Adv.
→
barmlich
MWB 1 610,4;
bermît
stN.
→
pergamënte
MWB 1 610,5;
bermuoter
stF.
1
‘Gebärmutter’
2
‘Kolik, Bauchgrimmen’
1
‘Gebärmutter’
du salt merken, dat harne rot wert itzwanne von groter suke,
alz in der bermoter eder von grozer grymmen OvBaierl
36,14;
ich beschwer dich, bermuoter, / bi dem vil hailigen bluote, /
[...] daz du dich nider legest / und dich niena regest
Segen2
52
2
‘Kolik, Bauchgrimmen’
Aristotiles spricht, daz des wolfes pluot und auch sein mist
guot sein für den grimmen in dem leib, den man haizt die permuoter und haizt ze
latein colica BdN
147,21;
ez [Quittensaft] pringt dick die
permuoter in dem leib ebd.
320,28
MWB 1 610,6; Bearbeiter: Schnell
Bern
Subst.
1 in lit. Texten i.d.R. ‘Verona’
2
‘Bern’
1
in lit. Texten i.d.R. ‘Verona’
sô redete von Berne der herre Dietrich NibB
1726,3;
dô sprach der helt von Berne ebd.
2245,1;
do reit dar manich got knech / bit Rothere ingegin Berne
Roth
2977;
Verona: Berna SummHeinr
1:261,158.
2
‘Bern’
wand herzog Berchtold von Zeringen die stat von Berne hat gestift
StRBern
1:3,9;
satzungen der stat Bern ebd.
1:27,1
u.ö.
MWB 1 610,18; Bearbeiter: Schnell
bern
swV.
1
‘jmdn. schlagen’
2
‘etw. kneten, rühren’
3
‘etw. treten, (einen Weg) gehen’
1
‘jmdn. schlagen’
hie vor dô berte man die jungen, / die dâ pflâgen vrecher zungen Walth
24,9;
ûf in sluog unde berte / der künec wert von Spangen
KvWTurn
834;
der turnei wart hert, / geslagen und gebert / wart dô manic man Ottok
82042;
ReinFu
K,1727;
KvWHvK
122.
–
Wate und ouch Hetele hêtenz alsô gewert, / [...]
ûf helme sô gebert / mit den guoten swerten Kudr
794,2;
di arm beginnent sich wern / und werdent ûf die rîchen bern
EnikWchr
24434
2
‘etw. kneten, rühren’
nime bilsenole unde bere daz mit wahse unde mach eine cherzen
Barth
139,34;
mische die alle under einander unde pere si vil vlîzechlîchen
wol einen halben tach ebd.
143,16.
138,24.
153,13;
SalArz
87,32.
–
‘jmdn./etw. formen’
daz ertrîche, / dar ûz her Adam wart gebert KvWSilv
3453;
so man dv́ heilige bette wort berret mit dem mvnde
DvAStaff
202;
ez habent ouch unser herren gesetzet uber den ziͤgel, daz man den wol
brennen und beren schol und in der groͤz und in dem model NüP
65;
lüg lât sich als ein weich wahs bern Marner
15,326
3
‘etw. treten, (einen Weg) gehen’
sô daz mit triten wart gebert [wenn das (Gewürz) zertreten
wurde] , / sô was dâ sûr smac erwert Parz
790,5;
der [Christus] wîse mich an bezzer
stat, / daz ich den helleclîchen pfat / iht ze lange dürfe bern Wh
38,15;
er hât die wîten strâze / leider ze lange geberte Tund
2173;
Freid
66,11;
StrKD
69,54
MWB 1 610,26; Bearbeiter: Schnell
bërn
stF.
zu tschech. berna
‘Landessteuer’ (im Ggs. zur Stadtsteuer, vgl. JelinekWB, S. 106f.):
daz dy purger nicht pern schullen geben StRBrünn
378;
und czu dem ersten mal sag wier seu vrei von allem pern und von aller
chunigssteur ebd.
384
u.ö.
MWB 1 610,55; Bearbeiter: Schnell |