beliegen
stV.
‘jmdn./etw. verleumden’
ouch en ist nieman sô ummâre sô der nîtspottâre, / der ime daz
ze frumikheite zûhet daz er sînen tiureren beliuget Gen
770;
hêrre, nû scônet iwer worte! / gehaltet iwer êre! / ich
vurhte vil sêre, / ich sî wider iuh belogen Kchr
15452;
er verweiz ie genôte / dem getwerge Melôte, / daz ez in hæte
betrogen / und ime sîn reine wîp belogen Tr
14928;
des wirt er so vernidet, / belogen und gehazzet /
[...] / von den tugentlosen StrKD
56,93.
–
ja nü wart die rede nye belogen [als unglaubwürdig
erwiesen] , / die man lang hat gesprochen, / vnd wart auch nye
zerbrochen Krone
17199
MWB 1 562,32; Bearbeiter: Diehl
beliewen
swV.
‘mit Lauben umgeben’
daz hûs daz was sinwel, / beliewet umb und umbe wol
Wig
228
MWB 1 562,45; Bearbeiter: Diehl
beligen
stV.
1 intr. ‘zum Liegen kommen, liegen bleiben, verharren’
2 tr. 2.1
‘etw. belegen, bedecken’
2.2
‘jmdn./etw. belagern’
2.3
‘mit jmdm. schlafen’
1
intr. ‘zum Liegen kommen, liegen bleiben, verharren’
sin houbit scol huite dar umbe beligin [zu Boden
fallen]
Rol
3706.
4649;
got muoz binamen mit mir gesigen / oder mit mir sigelôs
beligen Tr
6782;
den sluoc er, daz er dâ belac / unversunnen und betoubet HvFreibTr
5212;
sweder iwer dâ beligt [unterliegt] , / nâch dem mîn
frouwe jâmers pfligt Parz
697,3;
alhy so billicht der vreuden schyn MinneR 497
10;
zuletst belac [schwand] darûf ir mût NvJer
11364.
–
‘sterben, auf dem Kampfplatz bleiben’ (oft tôt ~
):
waz dâ werlte tôt belach VAlex
892;
in dem walfloze / belagen si tot alle samt
Rol
4353;
nv walde es got, ob ich gesige / oder tot hie belige
Herb
11686.
–
der kaiser nachte genote / sinin uil lieben toten, / di
im belegen waren Rol
8643.
3887;
also ist Hector belegen Herb
10939
2
tr.
2.1
‘etw. belegen, bedecken’
dâ was mit den tôten / der wech aller belegen En
7175;
künec Lôt mit den sînen / der hete des veldes vil belegen
UvZLanz
2821;
als her daz wal dan hat belegen, / als man zu rechte sal pflegen
HeslApk
19025;
nochdann hatt myn frau all wege thun belegen mit rittern
und mit knechten Lanc
319,2
2.2
‘jmdn./etw. belagern’
jst oͮch, das men vf etzliche stat der vorgenanten varende wirt oder si
beliget UrkCorp (WMU)
1788AB,28;
ein schœne burc bî dem mer: / di belac daz kreftige her
UvZLanz
120;
daz er die werc dâ het uf brâht / und sie belêge mit der maht
Kreuzf
6354;
ClosChr
141,4;
Lanc
98,11
2.3
‘mit jmdm. schlafen’
an varendeme wîbe [...] mach die man nôt dûn unde
sîn lîph verwirken, ob her se ân iren dank belegit SSp
135,22;
bôsheit dranc / in zu sulchir virne, / daz er eine dirne
[...] unkûschlich mit gewalt belac NvJer
26009;
nu wizzet, liebiu muoter mîn, ich belige den knaben werden Neidh
SL 2:6,4;
(vgl. jedoch Wießner, Komm., S. 6)
MWB 1 562,48; Bearbeiter: Diehl
belîmen
swV.
‘etw. (mit etw.) bekleben’
ich sprach niuwelîche, wes schult daz wære, daz der mensche des niht ensmecket
und sprach, ez wære des schult, daz sîn zunge belîmet wære mit anderm unvlâte
Eckh
1:387,6
MWB 1 563,21; Bearbeiter: Diehl
belîp
stMN.
‘Bleibe, Ruhe’
binden / wolt er den geist in sînen lîp, / sô daz er stæteclîch belîp / bî im
haben müeze Reinfr
21472;
minn hertze bi mir hat kain belip / vnde strebet allewent hin zuͦ ir
JvKonstanz
A,2434/20;
JMeissn
A 1:25,17
MWB 1 563,26; Bearbeiter: Diehl
belîpnisse
stN.
‘Aufenthalt, Bleibe’
daz ewige himelrich, / daz erbere blipnis Secret
799;
daz im sin gevangnúst dest lichter wurdi, als er sich selber dú x jar ane isen
hate in geschlossen nah blipnust in der capell Seuse
60,11.
159,16;
ze einer steten belibnust so haben wir das vorgnant selgereit gerihtet und
geordenet UrkBaden
10
(a. 1344)
MWB 1 563,31; Bearbeiter: Diehl
belisten
swV.
‘etw. durch list abwenden’
het ich her Salomônes sin, / ich künde ez niht belisten, /
[...] / ez muoz in tôdes kisten / mîn lîp dort
êwiclîchen sîn Kolm(B)
116,12
(1KonrW/7/503)
MWB 1 563,38; Bearbeiter: Diehl
belit
stSubst.
‘Pappel’ (vgl. AWB 1,871):
populus: belit vel albare SummHeinr
1:180,133;
populus: alber, huius genera duo sunt: altera alba, altera nigra: belit ebd.
2:45,234
MWB 1 563,42; Bearbeiter: Diehl
beliuhten
swV.
1
‘jmdn./etw. beleuchten, erhellen’
2 übertr. 2.1
‘jmdn./etw. erleuchten’
2.2
‘jmdn./etw. erwähnen’
1
‘jmdn./etw. beleuchten, erhellen’
iz ne beluchte nie chein lith Roth
3579;
die brâhten lieht von himel dar, / dâ mite belûhten sie / ir
vrouwen ûf der erde hie KvHeimHinv
681;
daz allerminste [...], daz ie beschinen oder
beliuhtet wart von disem liehte Eckh
3:260,11;
darumme sal der mensche flizicliche beluchtin sine fimf sinne, daz si icht
inbrengin daz der sele schedelich si Parad
78,16;
Minneb
2410.
– zur Bezeichnung der Einzigartigkeit ‘der je das Licht der Welt
erblickte’ (vgl. beschînen):
bezzern schilt deheinen belûhte nie der tac
NibB
1702,2;
so schone maget, so schone kint / bewewete nie der
win [l. wint
] / noch en beluchte nie die svnnen schin Herb
16476;
RvEWh
14015;
lieber liep beliuhtet niht diu sunne
KLD:Kzl
15: 3,10;
diu welt nie beluht / so manigen wunderlichen man / bi ain ander
WhvÖst
16336.
8455
2
übertr.
2.1
‘jmdn./etw. erleuchten’
mit der genaden blicke / hat unser lieber herre got / nach siner tugende
gebot / Dominicum alhie belucht Pass III
372,53
u.ö.;
daz got durch sine gute / des menschen gemute / zu rechtem wege beluchte
MarLegPass
19,9
2.2
‘jmdn./etw. erwähnen’
daz gvͦet daz vor belævchtet ist, daz habent si alles verchavft
StiftZwettl
261;
mit den gezivgen, die da bi sint gewesen, die auch hie beloͤvcht vnd
benant sint UrkCorp (WMU)
2505,31
MWB 1 563,46; Bearbeiter: Diehl
beliumden
swV.
auch beliumunden.
‘jmdn. (wegen einer Sache) verleumden, in schlechten Ruf bringen’
kom einer sîner [des Apothekers] krâme bî / nâch
gifte, der beliumt niur sî, / und der sî ein arcwænic man, / daz er den lâze
scheiden dan / und im versage HvBer
7635;
SchwSp
105a.
– mit Gen.:
ist daz ein man den andern beliumundet boeser dinge, daz er
im sinen liumunt boesert, daz ge an sin ere StRAugsb
111,3;
der den andern beliumundet boeser dinge ebd.
5,4.
– mit Präp.:
ist er é belvͥmedet mit der dinge deheinen SchwSp
105a;
wirt aber iemen beliumt umbe die vorgenanten schulde
StRAugsb
163,12.
– mit Obj.-Satz:
dise [Herzogstochter] belumete einen heiligen
dyacon daz er solte wider iren willen sú alsus besweret haben ElsLA
696,14
MWB 1 564,9; Bearbeiter: Diehl
beliuten
swV.
→
belûten
MWB 1 564,25;
beliutern
swV.
‘jmdn. läutern’
biz daz si von der barmhertzkait gotes und von gemainem gebet baz beliutert
werden EbnerMarg
38,17
MWB 1 564,26; Bearbeiter: Diehl
bëllære
stM.
‘bellender Hund, Kläffer’
er kaller, er beller, er vederspil, / daz grimmet und doch niht vahen will
Jüngl
921
MWB 1 564,29; Bearbeiter: Diehl
belle
stF.
‘Gesäßbacke’ (hierher oder zu
2bal?, vgl. afterbelle, arsbelle):
so sal man iz legen also warm hinden uf den rucke vnde an di
stat da di belle an di lenden gen SalArz
59,23;
Renner
7350
MWB 1 564,32; Bearbeiter: Diehl
belle (?)
F.
→
bëllen
MWB 1 564,36;
bellechîn
Adj.
‘kugelförmig’
an deme tage wirt der herre ablegen cyrde des geschudes und bellechin menelyn [
lunulas halbmondförmiges Schmuckstück, Halsband ?] ,
halsgesmide Cranc
Jes 3,18
MWB 1 564,37; Bearbeiter: Diehl
bëllen
stV. (IIIb)
1
‘bellen’
2 hierher oder zu einem ahd. belegten bellen swV. ‘brüllen,
schreien’ (vgl. AWB 1,873f.) ?
1
‘bellen’
ein hövescher hunt, der spilte gegen sînem herren schône, /
wand er sprang ûf in unde bal in süezer stimme dône KvWLd
32,167;
funff hundert hunde, / di machten ungefugen schal: / diser
galph, diser pal HvNstAp
8795;
sam ain hunt, der niht gepellen mag BdN
115,11;
wer aim hund gibt ainen lebentigen frosch in prôt, der
verleust sein peiln [d.i. bellen
]
ebd.
306,11;
wider die warhæit si [die Ungeheuer] bullen / mit
æiterigen zungen Serv
622.
– übertr.:
der tievel ûz dir belle Neidh
SL 8:5,2;
mit bellender stimme sprach er Seuse
61,11;
swenne unser mage vor hunger billet, / salz und brôt in schier gestillet
Renner
9533.
– Sprichw. (?):
eines hundis bellen / mac vil scâfe irschellen; / ob si
rehtis hûtêris niht ne haben, / er tût in michelen scaden. / dâ mite meinter
daz, / daz iz ein unstête folc was / alliz Daries here, / dâ er sih mite wolde
were SAlex
2539;
ain hundt / der vil pild zu aller stundt / ist unnucz und enwicht
Seifrit
2076;
saget an, ist iu daz iht kunt / daz ein vil bellender hunt / selten grôzen
schaden tuot? RvEAlex
4276;
da ir nit mugind bissen, da bellent aber Seuse
382,3.
463,12;
was hilfet, das der hunt billet; die wile das der wirt
sclafet, so brichet der diep in sin hus Mechth
7: 3,20
2
hierher oder zu einem ahd. belegten bellen swV. ‘brüllen,
schreien’ (vgl. AWB 1,873f.) ?:
mitt ungefügen bellen gross [unter großem Geschrei]
/ gaben sy vil mangen stoss / mitt hornnen uff die schiltte GTroj
16145
MWB 1 564,41; Bearbeiter: Diehl
bellîʒ
stM.
aus Pelzen gefertigte Bekleidungsstücke (Oberbekleidung wie auch deren Futter,
vgl. LexMA 6,1866ff.):
so sind denn die haut fuͤr frost / von den tyern so gestalt, /
[...] so daz nieman essen tuͦt. / dennoch iss zuͦ etwew
guͦt / daz man die haut doch schint drab / [...] daz man
pelcz macht dervan Teichn
441,153;
der gnâdige got ir iewedereme einen pellez gap, / getân ûz
fellen, daz siu der vrost nemahte chwelen Gen
490;
wît und lanc zobelîn, / sus muose ûze und inne sîn / der pelliz und der mantel
drobe Parz
231,5;
ein juncvrouwe in næte / in einen roc pfellîn; / mit einem
pelze härmîn / was er gefurrieret Wig
701;
SpitEich
6,4;
Tauler
270,7
MWB 1 565,7; Bearbeiter: Diehl
bellunge
stF.
heraldischer Terminus ‘Schrägstellung’ (mit Präp. in, s.a.
billungs und enbellen, aus afrz. de belic,
bellinc, vgl. Steinhoff, Lanc., S. 878):
der wiß ritter, der den ubersilberten schilt furt mit der
schwarczen barren in bellung Lanc
216,35;
einen wißen schilt ubersilbert mit einer roten barren in
bellune ebd.
162,19;
Lancelot [...] hett ein roten
schilt umb sin hals mit einr wißen barren in bellig ebd.
602,9
u.ö.
MWB 1 565,21; Bearbeiter: Diehl
belônære
stM.
‘Belohnender’
daz er [Gott] eyn beloner [
remunerator
] ist der, dy in suchin Cranc
Uzl 259,42
MWB 1 565,30; Bearbeiter: Diehl
belônen
swV.
‘jmdn. belohnen’
si nâmen di drîzec silberîne, den lôn des belôneten den si belôneten von den
kinderen von Israêl EvBeh
Mt 27,9;
du belônest si mit vorgenclîchen dingen, aber unser herre Jêsus Kristus lônet
mit êwigen dingen HvFritzlHl
254,20
MWB 1 565,33; Bearbeiter: Diehl
belœsen
swV.
‘jmdn. lösen, erlösen’
daz div trurige wrde getrœste, / div betwngen belœste
Wernh
D 2662.
– von etw. (überw. mit Gen.d.S.):
der elliv herze wol mach / uon sorgen belosen
Wernh
D 3113;
daz her der sorgen worde belôst En
5865;
ein bat hiez er bereiten, / wan er von arbeiten /
[...] / sweizic unde râmic wart: / des belôste er den
lîp Er
3658.
–
‘jmdn. einer Sache berauben’
jâ bin ich alles des belôst, / daz ich zer werlde ie gewan, / niwan daz ich
den lîp noch hân KlageC
1032;
wie dîn bistuom ist belôst / êren unde guotes EbvErf
486;
do si in erlosten [La. belosten
] beider / der pfenninge und der chleider StrKD
136,55
MWB 1 565,39; Bearbeiter: Diehl
belouben
swV.
refl. ‘sich einer Sache entäußern’
uuîe scál íh nú míh gelôiban [La.
belouuan
] dînero contemplationis únte áber uuíder kêran ad puluerem terrenę
actionis? Will
78,10
MWB 1 565,52; Bearbeiter: Diehl
belouchen
swV.
‘etw. umschließen, umfassen’ (vgl. belûchen 2):
si graif baltleichen da / Paridi under sein gewant / seinen arm beloucht si in
ir hant / si marchte fleizzichleichen san / mit dem finger sein ader slan
EraclB
3306
MWB 1 565,56; Bearbeiter: Diehl
beloufen
stV.
‘über etw. laufen, strömen’
[Blut] daz ouch hin uf die erden schoz / und den esterich
belief Pass III
447,65;
si kamen als ain sinfluͦt, / diu tal und berge belaufet WhvÖst
17841;
Helbl
2,327.
–
strich daz feuͤr dar vnder allenthalben, daz er
[der Stockfisch] erwarme, laze in wol belaufen mit
butern BvgSp
20.
–
‘etw. durchlaufen, durchwandern’
do trachte der gute man / [...] / daz er schone und
offenbar / die werlt beide her und dar / predigende beliefe Pass III
358,39;
ich han gar alle lant / und daz ertrich her und dar / beloufen und durch
wandert gar Hiob
682.
übertr.:
daz si durch die sache / des nachtes harte wenich slief / mit gedanken si
belief / wa daz ende wolde hin / da so hart was der begin PassI/II
62,54
MWB 1 565,61; Bearbeiter: Diehl |