balderîchen
Adv.
‘voller Kühnheit, mutig’ (vgl. balde stF.):
wan ern gesach den trachen nie, / ern kêrte belderîchen ie Tr
8962
MWB 1 410,50; Bearbeiterin: Baumgarte
baldriân
stM.
‘Baldrian’
amantilla [...] valeriana: baldrian VocBV947
533,32
MWB 1 410,53; Bearbeiter: Diehl
bale
stM.
‘Unrecht’
hee was so junck ind so domp, / dede hei recht offte krump, / off dede hei eynichen boesen bale, / he waende dat hei dede waele KarlGalie
1070;
ind bedachte harde wale, / we Orie mit starckem bale / ir hedde gewert groesse schande ebd.
10544.
8715
MWB 1 410,55; Bearbeiter: Diehl
baleis
stM.
→
balas
MWB 1 410,61;
balêne
F.
‘Walfischweibchen’ (aus lat. balæna):
wenn der walvisch über dreu jâr kümt, sô unkäuscht er mit seim weib, diu haizt ze latein balena BdN
247,34;
sein zaichen was die serene: / niden ain walene, / oben weybes pilde HvNstAp
488
MWB 1 410,62; Bearbeiter: Diehl
balie
stswF.
‘Burghof’
sie warent allsamen in die andern balgie [
en l’autre baille
] gegangen Lanc
186,28;
das sie der burg nit me mochten gesehen dann das dach von dem thorn oben und die balien fur von der burg ebd.
449,28
(vgl. Anm.z.St.)
MWB 1 411,4; Bearbeiter: Diehl
balîe
stF.
‘Ballei’ (Provinz des Deutschen Ordens außerhalb Preußens, vgl. 2HRG 1,412f.):
des meisteres kost, die sal man niht eischen von den balîen, sunder von dem trisêrere, der sal die geben StatDtOrd
101,26.
101,30;
vnsir lantkommentv́r der palye von Elsâs vnde oͮch von Bv́rgundin UrkCorp (WMU)
1820,34
MWB 1 411,9; Bearbeiter: Diehl
balîe
swM.
‘Amtmann, Vorsteher einer Ballei (Landkomtur)’ (vgl. balîer):
alle vursten und ratgeben, houbtlute, balywen und lantrichter [
principes regni magistratus et satrapae senatores et iudices
] haben einen rat angegangen, daz ein gebitlich gesecze uzgee Cranc
Dan 6,7
MWB 1 411,16; Bearbeiter: Diehl
balîer
stM.
‘Vorsteher einer Ballei, Landkomtur’ (vgl. balîe swM.):
so hayn wir gebeeden broder Johanne den commendur van Tryrre, de eyn balyere is vns ordens in Nyderlant UrkAachen
235
(a. 1346);
Conrad von Ruͦckingen cometuͦr zuͦ Frankenford vnd baliger vͦber die huͦser sente Johans ordens in der Wetreybe UrkYsenb
149
(a. 1350)
MWB 1 411,22; Bearbeiter: Diehl
balke
swM.
1
‘Balken’
2
‘Erker, Balkon’
1
‘Balken’
daz sint di stainwente, / di uf habent di balchen HimmlJer
384;
aber von dem werke vellet ein spân - als dâ ein spân abevellet von einem balken, den man houwet Eckh
2:243,2;
des cypressen holz ist gar guot zuo palken in kirchen und zuo grôzem gepäw BdN
319,12.
–
‘Sitzstange für Vögel’
si blickt uf ainen balken / und sah ir tuͤblin WhvÖst
7354;
dô sach er einen valken / sizzen vor dem balken / uf einer stangen bî der want Bussard
824.
– übertr.:
doch blib er stan uf mines herzen balken Mügeln
404,3;
ich wird auch dicke gefultert / zwor uber spottes balken [verspottet (phras. ?)]
Minneb
2563.
– häufig zur Übersetzung von oder in Anlehnung an Lc 6,41:
du syest eyn gestuppe in dynes brudir ougen unde fuͤlist nicht eynes balken in dynes selbis ougen EvBerl
108,20;
Frl
6:4,13
2
‘Erker, Balkon’
ob der stuben jechlicher sol ein balche sin mit zwein venstern SchweizId
4,1190
(a. 1307)
MWB 1 411,30; Bearbeiter: Diehl
balle
swM.
selten stM. ( Physiogn 391 ); vgl. auch
2bal.
1
‘Ballen, Rundung’ phras. in Vergleichen 2
‘Ballen (an Händen und Füßen)’
3
‘Warenballen’
1
‘Ballen, Rundung’ phras. in Vergleichen:
–
‘rund wie ein Ballen’
sein stirn ist sinbel geleich ainem pallen BdN
51,22;
der berc was ein cristalle, / sinewel als ein balle UvZLanz
210;
uz irer bruste saffe / zwen eppfel sint entsprungen, / gebrutet und auch gedrungen / zu sammen als ein balle Minneb
3241.
– unter dem Aspekt ‘Beweglichkeit, Geschwindigkeit’:
dô ich sô vil manic edele wîp / den sînen keiserlîchen lîp / und sînen ritterlîchen prîs / mit lobe gehôrte in ballen wîs / als umbe trîben unde tragen Tr
1030
2
‘Ballen (an Händen und Füßen)’
knorrecht und slimpfes an gewit / da vorne gen dem balle, / derst torpellich mitalle Physiogn
391;
doch muz man der seiten klanc / nemelich an der harfen / irholn mit negelen scharfen / und mit der vingere ballen HeslApk
9709;
als ein grîfe hêt si klâ / an den vingern allen. / rôt und linde ballen / die man an schœnen vrouwen siht, / ich wæne wol dern hêt si niht Wig
6319;
swelch ros mavchel reh ist [eine Entzündung im Bereich der Fessel hat] , daz spreizet sich auf dem pallen Albrant
1,6
u.ö.
3
‘Warenballen’
unde ist sin reht davon, daz man im von dem ballen aht ris gaebe StRAugsb
40,14.
40,15;
zweinzic hundert ballen / von lînînen tuochen EnikWchr
12952;
ouch kouften si dâ / bunt, hermîn unde grâ / und luoden des manigen ballen Ottok
73107
MWB 1 411,49; Bearbeiter: Diehl
1ballen
swV.
1
‘(mit jmdm./etw.) Ball spielen’
2
‘jmdn. (wie einen Ball) zu Boden werfen’
3
‘etw. zusammenballen, zu einem Ball formen’
1
‘(mit jmdm./etw.) Ball spielen’
bis daz si an ainem tage / zevelde ballen giengen WhvÖst
1915;
der bal bezeichent kindespil: / dâ mite soltû [Alexander] ballen vil / und sô die zît vertrîben RvEAlex
4227;
si [die törichte Jungfrau] mit ir herzen ballet: / nu git sis disem, denne dem SHort
780;
si werden gewurfen mit schanden / den tuveln zu den handen, / dy mit in ballen ymmer me Hiob
5633
2
‘jmdn. (wie einen Ball) zu Boden werfen’
er wart die kuͤnge [beim Turnier] ballen / nider gæn der gruͤn WhvÖst
14914
3
‘etw. zusammenballen, zu einem Ball formen’
dar umb læt sich der reif niht schôn pallen sam der snê BdN
85,21.
– fraglich (mit starkem Prät.):
der nem morchen vnd erwelle daz vz einem brunnen. vnd geballen vz eime kaldem wazzer. vnd gehacket cleine BvgSp
79
MWB 1 412,14; Bearbeiter: Diehl
2ballen
swV.
‘tanzen’ (aus afrz. baler, vgl. Harding, Dancing Terms S. 91):
alsus was dâ wunnen vil. / aller hande fröuden spil, / sô in der welt ie wart gedâht, / daz wart allez vollebrâht / [...] / tanzen ballen springen, / singen schallen swingen Reinfr
4204.
– hierher oder zu
1ballen (vgl. Glossar)?:
die sich zu Gote ziehen, tantzen, / ballen entvlihen Daniel
2040.
2937
MWB 1 412,31; Bearbeiter: Diehl
ballerîe
stF.
‘Tanz’ (aus afrz. balerie):
[ich] wil sin ein vrolich wijf / mit den fieren meeden / die fierlich kunnen treeden / die suesse ballerie PassSpK
303
MWB 1 412,39; Bearbeiter: Diehl
ballerisse
F.
‘Tänzerin’ (aus afrz. balerisse):
here min, des wil ig syn / hie vur deme gesinde dyn / eine baloerisse mit den live PassSpK
288
MWB 1 412,43; Bearbeiter: Diehl
ballespil
stN.
‘Ballspiel’
zetar [Wehklagen] uber vnser reien vnde uber den dantz, / vber ballespiel vnde manchen rutenkrantz! daz wir also sere dar vff sin verflißen, / daz wir ny kein bekentenisse hatten gein gode ThürJungfrSp
B 346
MWB 1 412,46; Bearbeiter: Diehl
ballieren
swV.
‘tanzen’ (aus afrz. baler):
lât den seiten vor bereiten wie man dâ palliere KLD:UvW
Leich 3,115;
is ieman in diesen hove / de ze eren inde love / minen gesten inde mich / baloeren wilt PassSpK
280;
danzen inde sprengen / baloeren inde sengen ebd.
295
MWB 1 412,51; Bearbeiter: Diehl
balme
FM.
→ palme
MWB 1 412,57;
balme
stswF.
‘überhängender Fels, Felsenhöhle’
das viche traib der werde knab / [...] zu ainer balme ön allen has GTroj
2015;
vor ainem wilden balme, / da des kindes hütte was ebd.
1594.
– als Ortsname (?):
jensid der Are, da diu Balme lit UrkEidgenG
4,1:346
(a. 1312).
– als Bestandteil von Personennamen:
diu edel vrowe vro Clara von der Balmen UrkEidgenG
4,1:344
(a. 1312)
MWB 1 412,58; Bearbeiter: Diehl
balmunden
swV.
‘jmdn. zu einem balmunt erklären, seiner Vormundschaft entheben’
unde wirt er überredet daz er in übel getân hât an ir guote, man sol in balmunden; daz ist daz er niemer mêr voget noch phleger mac gesîn SpdtL
128,12
u.ö., ähnl.
SchwSp
30a
u.ö.
MWB 1 413,1; Bearbeiter: Diehl
balmunt
stM.
1
‘untreuer Vormund’
2
‘untreue Verwaltung, Entfremdung (von Gütern)’
1
‘untreuer Vormund’
unde bit ivch durch die triwe, als ich si iu bevilhe, daz ir ir rethe [rechtschaffener] voget sînt unde ir genadich voget sit, vnde daz ir nit palemunt ne werdent Trauformel
44
2
‘untreue Verwaltung, Entfremdung (von Gütern)’
sine alienatione, que dicitur balmunt DRW
1,1177
(Lacomblet, UB., a. 1209)
MWB 1 413,7; Bearbeiter: Diehl
balrât
stM.
1
‘falscher, böser Rat’
2
‘falscher Ratgeber’
1
‘falscher, böser Rat’
[Herodes] was ein heiden vnd was mit sinen balraden an daz riche cuͦmen PrLpz
99,20;
er vorhte sere Davidis lon / umbe sine valsche rete / und das er danne hete / den lip virlorn und das lebin, / das er Davide muͤste gebin / umbe sinin valschin balrat RvEWchr
29847;
des bleib er ouch geduldic / an sinen misseteten, / wand er von walreten / des tufels hete sich verbost HeslNic
264
2
‘falscher Ratgeber’
und alsô geschiht ez, daz noch rætet ein ungetriuwer balrât, der ein lant oder zwei læt unsælic werden ze leide unde ze schaden von sînem ungetriuwen râte PrBerth
1:213,18;
wer den andern fraͤvellich nemmet ain diep [...] der git dem amman x sol. [...] ainen verraͤter, ain balrat in dem selben reht DRW
1,1178
(LeutkirchStR.; 14. Jh.)
MWB 1 413,15; Bearbeiter: Diehl
balrætære (?)
stM.
zu balrât.
‘falscher Ratgeber’ (oder balredære
‘Lästermaul’, vgl. Glossar):
wes hastu dich genomen an, / balretter, lieger, arger wicht SHort
2719
MWB 1 413,31; Bearbeiter: Diehl
balreder
stM.
→
balrætære
MWB 1 413,35;
balsam, balseme
stswMF.
1
‘Balsamharz’
2
‘Balsamgewächs’
3 übertr.: ‘Linderung, Wohltat’
1
‘Balsamharz’
der balsem ist gelvar und gar lauter BdN
360,1;
nem man des balsems ainen tropfen und tuo in in ain gaizein milch ebd.
359,34;
narde, balsame und mirt, / swaz edelen smac von arte birt / oder arômâtes namen ie gewan KvHeimUrst
1951;
ain edler wurczegarte was, / dar in och studen warend / die balsamen gebarend WernhMl
3146;
Iw
1582;
HvNstAp
17987;
Brun
5763;
Mechth
1:16,2.
– als Salbe, die einen Leichnam vor Verwesung bewahrt:
der balsem lât si vûlen niht. / swelhe lîche man sô besiht, / gebalsemt vleisch hût und bein, / der sint tûsent jâr al ein, / als ob si læge die êrsten naht Wh
451,25;
sie strichen wurze vnde krut / an sin fleisch [Hectors Körper] vnde an sin hut. / sie bestrichen in allenthalben / mit balsmen Herb
10654;
und nim dar ûz mîn herze gar, / [...] daz soltu denne salben / mit balsam allenthalben, / durch daz ez lange frisch bestê KvWHerzm
302;
AvaLJ
105,2;
BdN
361,5.
– als Arzneimittel:
dar nach saltu di hende salben mit lorole. oder mit balsem SalArz
98,4;
der balsem hât die kraft, daz er entlœst BdN
360,27;
man schol balsem geben wider all veraltet siehtüem des hauptes ebd.
360,34.
– als Öl für Glaslampen (bes. bei Begräbnissen):
sehs glas lank, gar luter sam di sunne, / di truoc man vur der bare. man sagte mir, daz balsem darinne brunne JTit
991,4;
ein lampade wart dô gehangen / uber Pallases grab / [...] / daz ole daz dar inne was / daz was balsam vile gût En
8357;
vorem grâle kômen lieht: / diu wârn von armer koste nieht; / sehs glas lanc lûter wolgetân, / dar inne balsem der wol bran Parz
236,4;
ein lampen, die [...] was edels balsams voll Seifrit
5874
2
‘Balsamgewächs’
galgân unt pheffer, / balsamo unt wîrouch, timiâm wahset der ouch Gen
245;
und von den andern fünfen [Brunnen] wirt des balsems velt durchfäuht BdN
358,32;
iedoch spricht Avicenna, daz diu erd durchfäuhtt werd, dâ der balsem wechst, von dem prünnel des veldes Engadi ebd.
359,1
3
übertr.: ‘Linderung, Wohltat’
Marke envünde ie dar inne / den balsemen der minne Tr
16500;
das schuf genaden balsam und sin salben Mügeln
151,9;
ach mynne, du werder krisem, / du sußer balsam und bisem! Minneb
1338;
balsems saft in solches herzen grunde blüet Loheng
3049;
din ruch sal alle balseme werwinnen [übertreffen]
Lilie
44,39
MWB 1 413,36; Bearbeiter: Schnell |