Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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b – bachhelling
bächîn – backwërc
bacolôn – badestubære
badestube – balde
baldecheit – balmunden
balmunt – balsamtrôn
balsamtropfe – ban, bane
1ban – banekîe
banël – bänkelîn
banken – bantac
bant|âder – banzins
banzûn – bârbrët
1barc – bârkleit
barkorn – barmhërzeclîche
barmhërzege – barten
bartenære – base
Baseler, Basler – bate
bate, pate – bearbeiten
bearren – bechersamenære
becherweide – beckenknëht
beckenkol – bedancheit
bedarf (?) – bedingen
bedirmen – bedrangen, bedrengen
bedrât – begâben
begâbunge – begelimpfen
begenagen – begin
begîne – beglîmen
beglîmunge – begrîflich
begrîflîcheit – behaft
behaftec – behaltunge
behandeln – beheimsuochen
beheiʒen – behern
behêrren – behoven
behten – behuoflich
behuoren – beie
beie – beinîn
beinîsen – beiʒe
1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit
bekantnisse, bekentnisse – bekerzen
bekicken – beklipfen
beklocken (?) – bekorunge
bekorungnisse – beküelen
bekumberhaft – belæren
belasten – belîbelich
belîben – belônære
belônen – bemaln
bemangen – bemurmeln
bemüseln – benedîunge
benediz – bennen
bennige – bequâme
bequæme – bërc|êrîn
bërcgar – bërcphenninc
bërcrëht – beredenunge
beredet – 1berennen
2berennen – bërhtnaht
berhtram – berillîn
berîmeln – bërlich
bërlîn – bernisch
bërnklâ – bêrswîn
bertenære – beruofære
beruofen – besamentlîchen
besamenunge – beschatzære
beschatzen – beschemen
beschemenisse – beschînen
beschirm – beschouwunge
beschremen – besebelicheit
beseben – besetzunge
besëʒ – besîtes
besitzære – beslîʒen
besloʒ – besnöuwen
besnüeren – besprëchære
besprëchen – beste
bestëchen – bestiure
bestiuren – bestürzen
bestutten – besuochnisse
besuochunge – bët
betagen – bëtelære
bëtelærinne – bëtemësse
betemmen – bëtewîn
bëtewîp – betrahtegen
betrahten – betrogenlich
betrônen – betrûren
betrûrigen – bettemunt
betten – betûchen
betüemen – betwungenheit
betwungenlich – bevellicheit
bevern – bevliehen
bevlieʒen – bevür
bevürhten – bewærnüsse
bewarsam – bewëlgen
bewëllen – bewindeln
bewinden – bezâfen
bezaln – beziln
bezimbern – beʒʒer
beʒʒerære – bî bestân
bîbilde – bíderben, bedérben
biderbenen, bederbenen – bîenkar
bîenswarm – bieʒenblat
bieʒenkrût – bîhtât
bîht(e) – bilchmûs
bildære – bildoht
bildunge – bilsensaf
bilsensâme – bineʒ
binide – birden
bir(e) – birnwîn
birsære – bischolf
bî schrîben – bî slâfen
bî|slëht – bît
bitære – bittern
bitternis – biurlîn
biuschen – bîvilde
bîvilden – bîzeichenen
bî zëmen – blahsen
1blæjen – blâsehorn
blæselîn – blatengîr
blatenrinc – blëchhantschuoch
blëchrinc – bleichvëlt
blende – blîche
blîchen – blîkloz
blîkolbe – bliuclich
bliuge – blôdern
blotschen – blüemunge
blüetebërnde – bluomental
bluomenvar – bluotgieʒen
bluotgieʒende – bluotstürzunge
bluotsûgende – bobenthalben
boc – bogelîn
bogen – 2bolle
bollen – 3bor
bor-, enbor- – (borliep,) enborliep
bormære – bortengewant
bortiure – bote
botech – bou
bouc – boummate
boum|öle – bôʒwurz
brâ – brâ|hâr
bræhen – brantlich
brantreite – brâwelîn
bræwen – brëhenen
brëhentac – brenken
brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche
brëtsnîdære – brieschen
brievære – brionie
brîsære – briulêhen
briumeister – briuwe
briuwe – brohsen
bronie – brôthalle
brôtheit – bruch
bruch – bruckenambet
bruckenære, bruggenære – brüeterîn
brügel – brünnære
brunne – brünselbërc
brünseln – bruoderhûs
bruoderkint – brust
brust – brûtdëgen
brûtdrüʒʒel – brûtsanc
brûtschaft – buckel
buckelære – büellîn
büeʒære – buhsboum
bühse – bûlslac
bulzen – buoben
buobengâbe – buochisch
buochkamere – buoliân
buollîn – buppe
bur – burcgrâvenambet
burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen
burcmeisterschaft – burcstal
burcstat – bürde
bürdelîn – burgergemeine
bûr|gerihte – Burgunder
Burgunjoys – bursenære
bursît – büschelîn
buschoff – bütelin
bûtelîn – bûvëlt
bûvisch – buʒʒel

   buntschuoch - buochelære    


buntschuoch stM. ‘ Schuh aus Leder, der mit einem Band zugebunden wird’ (vgl. LexMA 7,1573f.; Heyne, Hausaltertümer 3,285): ob da inder von einem bockvelle / si ein alter bvntschvͦch? FabelCorp 37,201; zwen rindrin buntschuoch Bauernh 427; zwên rôte buntschuoche, / die man mit riemen swinde / im zuo den beinen binde Ottok 20021; swer affen und tôren welle jagen, / der sol sich warnen buntschuoch Quodlibet(W) 1156,22. – feinerem Schuhwerk gegenübergestellt: phui, daz er verwâzen sî, / er gemachter dienstman! ─ / niht baz ich in ahten kan [...] als bî stivaln buntschuoch Helbl 4,782. – als Bestandteil von Personennamen: F. Davm der Puntschvch UrkCorp (WMU) 349,35

MWB 1 1100,60; Bearbeiter: Tao

buntvar Adj. ‘mehr-, vielfarbig’ amandinus ist ain stain, der ist puntvar oder vêchvar, alsô daz er mangiverbig ist BdN 435,29

MWB 1 1101,11; Bearbeiter: Tao

buntwërc stN. ‘gestreiftes Pelzwerk’ (s.a. bunt stN.): zu hand des andern morgens vrû / legtin an sich die helede / manchin purpur schône und edele, / beide buntwerg und hermîn / mit breitin lîsten zobelîn, / in gesniten ze gewande Eilh(L) 2067; dy ediln Tartirn und di richin di tragin sidin gewant und guldin tuch, gevutirt mit vuchsin balgin odir mit buntwerke odir mit hamstern odir mit zoblin MarcoPolo 17,19. 25,11. 74,11

MWB 1 1101,14; Bearbeiter: Tao

buobe swM. 1 ‘Knecht, Diener (für niedere Tätigkeiten)’ (Knappe, Trossknecht, Hofdiener, Kriegsknecht, Tagelöhner, Marterknecht), z. T. mit verächtlichem Nebensinn und in 3 übergehend
2 unter Zeugnisunfähigen (neben Kindern, Frauen, Wahnsinnigen, Meineidigen etc.) genannt, unklar, ob wegen Nicht-Volljährigkeit, Unfreiheit oder schlechtem Leumund
3 ‘zuchtloser, ehrloser Mensch’
3.1 allgemein
3.2 ‘Übeltäter, Bösewicht’
3.3 ‘Fahrender, Spielmann’
3.4 ‘jmd., der an einem Glücksspiel teilnimmt, Spieler’
3.5 als Schimpfwort
4 in Vergleichen zum Ausdruck eines elenden, erbärmlichen Zustandes, Anblicks
5 Schachfigur, Name des achten Bauern bei Heinrich von Beringen
   1 ‘Knecht, Diener (für niedere Tätigkeiten)’ (Knappe, Trossknecht, Hofdiener, Kriegsknecht, Tagelöhner, Marterknecht), z. T. mit verächtlichem Nebensinn und in 3 übergehend: der köche, küchenknechte, / buoben und garzûne / und swaz dâ pedûne / in beiden hoven mochte sîn, / des küniges und der künigîn HvFreibTr 4355; schiltkneht unde buoben Ottok 11435; die hofschelk daz gar hart muot: / puoben und schintvessel / [...] triben in vor dem tisch entwer MüOsw 3320; pei dem tier [ mertracken ] verstên ich die pœsen puoben und die verræter und die ungetrewen schintvezzel BdN 235,9; den graben sach man si fullen ─ / des hulfen in die buoben ─ / daz man über die gruoben / ân geruste gie Ottok 10922; dô wart der ellenthaft [König Ottokar] [...] den buoben ze teil. / die machten in blôz unde bar, / wand si zugen im ab gar / harnasch unde kleider ebd. 16710; WhvÖst 18084; mit ganzer volleiste / hânt buoben burgerlîchen schîn / burger die went ritter sîn, / ritter die hânt herren namen Reinfr 26907; item das ain yeder pueb ist pflichtig ze gien vor den oxen vnd wägen in der stat ze Trint vnd sol die hant haben auf der teixel, das er chain person oder tier oder anderen dingen laid thue oder schaden StatTrient 155; darzuͦ wellent si, daz chein werchman noch puͦb auf die mietstat [Platz, wo die Tagelöhner gedungen werden] ge, wan der sein tagwerch gewurchen muͤge StRMünch 186,28; die schürpher vnd die buobin Martina 56,91. 73,1. 171,42    2 unter Zeugnisunfähigen (neben Kindern, Frauen, Wahnsinnigen, Meineidigen etc.) genannt, unklar, ob wegen Nicht-Volljährigkeit, Unfreiheit oder schlechtem Leumund: wir sullen iuch wîsen wer niht geziuge mac gesîn: diu kint diu niht ze iren jâren komen sint, unde wîp, [...] unde buoben und die sô tump sint [...], und die unsinnic sint unde blinden und tôren SpdtL 90,7; SchwSp(W) 14,3; ez mag auch kain buͤbe niemens geziuk sin umbe kain gulte oder des iemen schaden muge gehaben, ane daz iemen an den lip gat oder umbe ein e, da sint si wol geziuk umbe StRAugsb 128,23; man sol wizzen, wer zwech [l. zewch ] gesein mag oder nicht, daz sint chint, die zuͦ irn tagen nicht choͤmen sint ze vierzehen iarn, und weib [...]. puͦben [ ‘Burschen unter 18 Jahren’ (? so Glossar z. St.)] muͤgen auch nicht zewch gesein StRMünch 333,23    3 ‘zuchtloser, ehrloser Mensch’    3.1 allgemein: manic ahpêr herre hât buoben muot Renner 6907; luoder, muotwille und spil / machent frîer buoben vil ebd. 6316; fraw Mynn, ir seyt ain krankes weib: / ir tragt fail ewrn leib / als ain gemaines freuwelein / (wie mocht ir leichter gesein?) / dann munichem [l. den munichen ] und pfaffen, / lottern, pueben und affer [l. affen ] HvNstAp 218    3.2 ‘Übeltäter, Bösewicht’ wir setzen ouch, ob ein biderbe man [...] einen buͦben duͦrch rechte verschulte sache slahe, oder stoze, oder werfe, daz die bezzerunge dar umme an uns unde an deme rate ste WüP 7i,12 (= UrkCorp 2302,19 ); ob keiner boser lichter man oder ein buͦbe spreche die wort, die an gotes oder an der heiligen ere ge WüP 7i,17; swaz arme liute haben behalten / in welden, in velsen, in talen, in gruoben, / daz siht man leider freidige buoben / sô gar ûz strîchen und durch varn / daz wênic ieman sich kan bewarn Renner 6898; pueben [...]dw da treibent missetat, / poͤzz gepaͤr und poͤzew wort Teichn 439,19    3.3 ‘Fahrender, Spielmann’ die in [ spillaͤuten, die mit vnzuͤchtigen worten vnd werchen, mit schelten vnd mit poͤsem gesang den laͤuten dienent ] staͤtikleich geben vnd grozzew gab, die tuͦnt totsuͤnd, von dez wegen daz si die puͦben [ histriones ] vnd die suͤnder auf haltent RechtssA G11,17; weitere Belege s. RechtssWB, S. 186.    3.4 ‘jmd., der an einem Glücksspiel teilnimmt, Spieler’ so verbuͤtt man allen buͤben allerleie wuͤrfelspil in allen winhofen WüP 96,10; der eine buob verspilet sîn gelt / vil nâch, daz im ein klein beleip HvBer 9143. 9371 u.ö. (vgl. unten unter 5)    3.5 als Schimpfwort: swaz auch der geschiht fuͤrkumet, daz man also spricht, er ist ein buͤbe, oder sie ist ein huͤre [...], daz sol geintzlich und gar am rate sten WüP 45,2    4 in Vergleichen zum Ausdruck eines elenden, erbärmlichen Zustandes, Anblicks: ich engefar nymer nacket fur keinen guten man als ein buͦbe, so mochten sie wol wenen das ich verurteilt were als ein diep Lanc 107,24; sus lac er [der getötete böse Kaiser Julianus] offenlich geschant. / [...] vil kleiner herschefte pflac / gelich wol einem buben Pass III 161,41; als einen leiden buben / liezen sie do loufen in. / sus gienc er her unde hin / zuslagen und beroubet MarLegPass 24,296; von einem wîbe wart er [Sisera, vgl. Idc 4,21 und 5,26] betoubt: / [...] der lac als ein buobe dâ tôt Renner 6893    5 Schachfigur, Name des achten Bauern bei Heinrich von Beringen: der snitzer hab in sinnen wol, / wie man einn buoben snîden sol. / er mach in etlich mâze blôz, / sîn har vil reide unde ouch grôz. / daz er ein buobe sî bekant, / mach er im in die grehten hant / drî würfel, daz gehœrt in an HvBer 8553; diu bühse, die der buobe treit, / bediut uns mit bezeichenheit / boten, die die brieve tragent ebd. 9386 u.ö.

MWB 1 1101,23; Bearbeiter: Tao

buoben swV. refl. ‘ein Lotterleben führen’ da von wie sich der phaff puebt, / dar an sol sich nieman chern. / wer sew nicht well mynn und ern, / der sol in doch nicht smach erpieten Teichn 167,70

MWB 1 1102,63; Bearbeiter: Tao

buobengâbe stF. ‘Gabe für Spielleute, Fahrende’ aber anders poz guͦt daz vnrecht gewunnen ist, [...] alß daz guͦt da mit verchawft oder gechawft ist gaistlich guͦt, oder der posen frawen lehen, vnd puͤbengab, vnd etwann spilgelt RechtssB A22,20. L28,1

MWB 1 1103,3; Bearbeiter: Tao

buobenîe stF. s.a. buoberîe . ‘Zuchtlosigkeit’ wan alle bvͤbenie vnd ietel wort vnd darvon man ze lather braht wirt, daz weren wir an allen ziten vnd an allen steten SpitEich 25,5; des beide hoch gerichte sold verdriezen / der verfluͦchten malat buwenien! / galgen, reder, hurde vor in die kristenheit wol mochten vrien JTit 250,3; von bubenîe und von lotterfure HvFritzlHl 107,26; ~ trîben Renner 16225

MWB 1 1103,9; Bearbeiter: Tao

buobenlëben stN. ‘zuchtloses Leben, Lotterleben’ do buͦbenleben er gewan SHort 4128; dacz [ = da ze ] hoff hat wenich ieman gewin / an der [außer wer] pubenleben chan, / schelten, springen als ein man / der da hat dw sinn verloren Teichn 277,21; [wenn er] nympt sich puebenleben an, / so haist er ein schalkch, ein pulian ebd. 461,145; ~ trîben ebd. 190,58; puebenleben und gampelweis ebd. 192,20

MWB 1 1103,18; Bearbeiter: Tao

buobenliute st.Pl. Schachfigur, Name des achten Bauern: ich wil [...] des lesten venden leben [...] betihten [...]. / sî heizent buobenliute HvBer 8548

MWB 1 1103,26; Bearbeiter: Tao

buobenplaz stM.(?) ‘Platz für Glücksspiele’? (vgl. Glossar z. St.): ez sol auch dhein leiggeb [= lîtgebe ] bei seinem aide niht gestaten dheins bubenplatz in seinem hause. wer, daz man si daran funde so sol man si straffen NüP 161. – vgl. daz phorzich was der buoben [Spieler] plaz HvBer 9130

MWB 1 1103,29; Bearbeiter: Tao

buobenspil stN. ‘schändliches Treiben’ wiͤrt er [Geistlicher] treiben puebenspil, / so hat mann auch nicht anders vil / als einen andern pueben frey Teichn 167,53; ez treibt iezunt niem so vil / poser wort und puebenspil / als etleich ritter und etleich phaffen ebd. 461,102

MWB 1 1103,35; Bearbeiter: Tao

buobenstrigel stM. ein Schimpfwort: und manic ander bœsewiht, / Gebûrnvînt und Galgenswengel, / Lasterbalc und Rüdenbengel, / [...] Landesmort und Buobenstrigel Renner 1691

MWB 1 1103,41; Bearbeiter: Tao

buobenwîse stF. ‘Art der buoben (s. dort unter 3), Zuchtlosigkeit’ ein dorf ist Pubendorff genant; / da von sind dw man geschant / dw da treibent puebenweis / und gewinnent der vrawen preis. / dw da sind von Loterlant / und dw selben lauͤt bechant / von Puebing und von Lotertal, / man sol sew vahen uͤber al. / sew sind guten lauten ein grat Teichn 190,63

MWB 1 1103,45; Bearbeiter: Tao

buoberîe stF. s.a. buobenîe . ‘Zuchtlosigkeit, Schandtat’ triuwe, zuht und wârheit, / [...] sint vertriben / ze hofe und an ir stat sint beliben / liegen, triegen, ribaldîe, / loterfuor und buoberîe Renner 1150; sy traib groß biebery / und darzuͦ haimliche buͦlery FrSchw 181; si [Flanea] hat getan mord und main / an den dry junckfräwen rain, / unnd tribt buͤbry vil / mit deß zauberers spil ebd. 4969

MWB 1 1103,53; Bearbeiter: Tao

buoc stM. 1 beim Menschen ‘Obergelenk des Armes oder Beines’
2 beim Tier ‘Vorderbug, Schulter’
3 übertr. ‘Biegung’
   1 beim Menschen ‘Obergelenk des Armes oder Beines’: – ‘Schulter’ dô geswal im [Eneas, der von einem vergifteten Pfeil am rechten Arm getroffen wurde] der arm / von dem bûche [l. buoge, vgl. ahsel in V. 11914 ] unz an die hant En 11885; das er [...] das selbe schaͮff uff sinem buͦg / [...] truͦg KvHelmsd 2951. 3816. – ‘Hüfte’ ir hâr enpflohten unde lanc, / zetal in ir buoc ez swanc Wig 6293    2 beim Tier ‘Vorderbug, Schulter’ ze sînen [des Hirsches] büegen kêrter wider; / von der brust enbaste er die Tr 2886 u.ö.; doch wizz, daz diu glider an dem menschen aigenleich achsel haizent und an den tiern haizent si püeg BdN 19,31; ver [= vrou ] Hersant lief nach im drin / mit alle wan [ wante ‘bis’] vber den bvc ReinFu K,1169; er [...] legete ir also vil nider [...], / daz er in dem blute watte / dem rosse vnz an die buge Herb 8857; den rossen auff di püge / der stoß ward ungefuge, / das in di puege furen auß / und sassen hinden auf den stauß HvNstAp 6317; daz ich daz ors mit sporn sluoc / weder zen lanken noch in den buoc, / dâ hinder eines vingers breit / dâ der surzengel ist geleit Greg 1602; SHort 3190. – als Bratenstück: ân klobwürste solt dûs nicht lân; / mangen buog / gib in, darzuo guote grieben SM:Had 20: 3,8; sy machten und prieten genug: / der den rucken, der den püg HvNstAp 9606    3 übertr. ‘Biegung’ ich dâht, zuo welhem buoge / die vart ich lieze [...]. / ach, Triege hât verfüeret / mich Hadam 452,4. 453,1

MWB 1 1103,61; Bearbeiter: Tao

buocbein stN. ‘vorderer Oberschenkel, Blatt’ zen buocbeinen [des Hirsches] kêrter wider, / diu entrante er beide nâch ir zît, / daz rehte vor, daz linke sît. / diu zwei hufbein er dô nam / unde beschelte diu alsam Tr 2876

MWB 1 1104,27; Bearbeiter: Tao

1buoch stN. Pl. auch büecher (selten). 1 ‘Buch, Codex; Schrift, Werk, Erzählung’
1.1 allgemein
1.2 Pl., im Hinblick auf den Unterricht im Lesen und Schreiben ‘gelehrte Bildung’
1.2.1 mit lêren, lernen
1.2.2 diu (der) buoch kunnen ‘buchgelehrt sein’ , bes. ‘die Schriften der Bibel lesen und verstehen können’ (s. a. u. 2 )
1.2.3 in anderen Ausdrücken
1.3 diu swarzen buoch (auch Sg. daz swarze buoch ) ‘Bücher (Buch) der Schwarzen Kunst (Nigromantie)’
2 ‘Buch’ als Teil eines Gesamtwerks
2.1 biblisches Buch
2.2 Abschnitt, Kapitel nicht-biblischer Texte
3 ‘Buch’ als Quelle, Vorlage der Dichtung
4 ‘Buch für bestimmte Eintragungen’
4.1 Besitz-, Güterverzeichnis, Stadtbuch usw.
4.2 daz ~ der lebendigen u.ä., ‘Buch des Lebens’ (in dem die Namen der Gerechten, Seligen verzeichnet sind, bibl. Ausdruck, vgl. z.B. Ps 68,29 und Apc 3,5)
4.3 der æhte ~ ‘Verzeichnis der Geächteten’ (vgl. âhtebuoch ), hier für das Buch des Todes
4.4 bildl. Ausdrücke
5 ‘Buchstabe’
   1 ‘Buch, Codex; Schrift, Werk, Erzählung’    1.1 allgemein: Kyôt der meister wîs / diz mære begunde suochen / in latînschen buochen Parz 455,4; waz rach er an den buochen, / der diz hiez schrîben unde lesen? Tr 8622; hie hât daz buoch ein ende Wig 11708; Willehalmes [...], / der dizz buͦches herre ist Rennew 26051; Reinbot, / du solt ein buoch tihten Georg 21; der veter ~ ( Eckh 5:57,3 ) oder der altveter ~ (s. a. altvater ); ich bivt iv daz pvͦch [Messbuch, vgl. Anm. z.St.] , daz kvsschent vnd legent es vf den alter SpitEich 5,38; die rihtent nâch dem rehte und als in Karlen buoch [Karls d. Gr. Gesetzbuch] gebôt Hardegger 1:7,13; der ärzt püecher BdN 35,14; daz kurtz puch [ tractatus ] von der gestalt der werlt tail wir in vier haubtstuk KvMSph 6,6; in eines buches valden [Blättern, Lagen] HeslApk 9144. 9307. – mit lesen: ein ritter sô gelêret was / daz er an den buochen las / swaz er dar an geschriben vant AHeinr 2; Iw 22; Parz 102,6; Tr 152; RvEBarl 940; ein schœniu maget vor ir las / an einem buoche [las ihr aus einem Buch vor] ein mære / wie Troje zevuort wære Wig 2714; lesen die buͦch elliu samt: / sine zaigent dir [Roland] nehain gelichin, / noch nelebet in allen ertrichen, / noch newirt niemir mere Rol 7518    1.2 Pl., im Hinblick auf den Unterricht im Lesen und Schreiben ‘gelehrte Bildung’    1.2.1 mit lêren, lernen: der êrste meister sîn / der lêrtin chriechisch unde latîn / unt pûchstabe sezzen an eineme perment. / [...] unt lêrtin vil manich pûch / und ander wîsheit genûch VAlex 175; der [Priester Cyrinus] lert iz [Kind] do die bvͦche vnd die heilige gotes ê Konr 5,8; Tr 7727; das si lernen ireu chind der puech chunst und si haissen übenn an hohen und edeln chünsten HvHürnh 23,5; dise jungen maget Îsôte, / diu lernet ie genôte / diu buoch und dar zuo seitspil Tr 7847. 2090; selbe er den brief las, / wan er diu buoch gelêret was StrKarl 2628; die gelerten wol der buͦche JTit 5281,1. der buoche lêre, lernunge: und daz er aber al zehant / der buoche lêre an vienge Tr 2065. 2085; under disen zwein lernungen / der buoche unde der zungen [Sprachen] / sô vertet er sîner stunde vil ebd. 2094    1.2.2 diu (der) buoch kunnen ‘buchgelehrt sein’, bes. ‘die Schriften der Bibel lesen und verstehen können’ (s. a. u. 2): eines liedes si begunden, / want si di buoch chunden VEzzo 6; do hiez er [Herodes] im gewinnen die diu buoch chunden AvaLJ 20,2; daz osterliche lamp odir div lôsunge des egiptiischin dienistis, daz ist wîzzinlich allin den, die div buͦche chunnin Spec 72,27. 35,22; Tund 1053; StrAmis 1429. 1354; wie si die [ mære ] tiutschen tihten / und ze solhem sinne rihten, / daz si ein ieglîch man / der doch der buoche niht enchan / wol endelîche vernimt / und baz ze hœrenne gezimt KvHeimHinv 70    1.2.3 in anderen Ausdrücken: maister Hainrich von der Neunstat, / ain artzt von den püchen HvNstAp 20604. 1945 ähnl. En(FSch) 11897 (vgl. buocharzât ); er was der buoche niht ze wîse [nicht sehr schriftgelehrt] / und predigete doch wol ze prîse LvRegFr 2849; wann dir got so groß genad geben hat an der verstanndenhait und an der schnelligkait des sinnes und der puech kunste HvHürnh 3,7    1.3 diu swarzen buoch (auch Sg. daz swarze buoch) ‘Bücher (Buch) der Schwarzen Kunst (Nigromantie)’ sie [Medea] kvnde arzedigen / vnde von nygromancien, / daz man heizzet swarze buch, / da man ane findet fluch / vnde beswernisse, / wie man in vbelnisse / die vbeln geiste beswert, / daz man an in eruert / allez, daz da ist geschehen, / vnde wie man vor kan besehen, / manic ding, daz kvmftic ist Herb 553; KvWTroj 7426. 8348; daz der priester [...] Eusêbîus, / di wîl er jungelinch was, / in den swarzen buochen er las Kchr 13218; Boppe 1:30,8; einen goukeler, der hiz Symôn Magus, der kunde di swarzen buchere und lut di tûvele und tet grôze zeichen mit den tûvelen HvFritzlHl 148,11; Tr 4690; Pass III 155,94; MarLegPass 23,65; Boner 94,5; nû lêretz in [den Papst] sîn swarzez buoch, daz im der hellemôr / hât gegeben Walth 33,7; vgl. auch zouberlîchiu buoch RvEBarl 7956. diu wîzen buoch ‘Bücher der weißen Magie (der nicht sündigen, guten Zauberei)’, den swarzen buochen entgegengesetzt: swer diu swarzen buoch nu kan, / der ist ze hofe ein werder man: / der wîzen buoche nieman gert, / swer ofte diu nennet, der wirt unwert. / getriuwer diener lôn ist smal Renner 2175    2 ‘Buch’ als Teil eines Gesamtwerks    2.1 biblisches Buch: diu vünf buoch von Moysê RvEBarl 13583; dô Alberîch diz lît inslûc, / dô heter ein Salemones pûch [liber Ecclesiastes] , / dâ er ane sach / vanitatum vanitas VAlex 20; in apocalipsia, / in dem buͦch der heimlicheit HvNstGZ 5662; der taugen puͦch SchlierbAT(LS) 1,132. 1,208. der minne (auch der liebe) buoch ‘das Hohelied’ dar ume sprichit di sêle in der minnen buche HvFritzlHl 27,9; DvASchr 391,16; Martina 174,34; PrWack 43,22. 64,1; in dem buoche der libe HvFritzlHl 80,14; Daniel 2079. – Pl. diu buoch für die Heilige Schrift: vmbe daz ist an den buͦchin geschribin, daz min trehtin .s. Petro gab die himelsluzzil Spec 83,26; sît got ein rehter rihter heizet an den buochen Walth 30,19; sô saget, war umbe er [Papst] sîne [St. Peters] lêre von den buochen schabe ebd. 33,4; diu buoch sagent uns für wâr, / ein tac sî dâ tûsent jâr Freid 4,7; mit Zusätzen: doch ich ein leie wære, / der wâren buoche mære / kund ich lesen unde schrîben Parz 462,12; dú buͦh der warheit RvEWchr 182; dú heiligú schrift, dú rehten buͦh ebd. 14617    2.2 Abschnitt, Kapitel nicht-biblischer Texte: wir haben gesait an dem erstin buche uon den uir elementin SalArz 7,30. 7,33; KvMSph 22,26; disen sin redet sant Augustînus in dem fünften buoche von der drîvalticheit in dem jüngesten capitel Eckh 5: 416,8; hie sal des buches ende sin. / das ander buch hebe ich an MügelnKranz 1356    3 ‘Buch’ als Quelle, Vorlage der Dichtung: daz buͦch hiz er uor tragen [herbeischaffen und rezitieren] , / gescriben ze den Karlingen Rol 9022; also iz an dem buͦche gescribin stat / in franczischer zungen, / so han ich iz in die latine bedwngin, / danne in di tutiske gekeret ebd. 9080. 2703. 8207; hie ensaget nv niht me / daz welsche buch von Iosane / noch von sinem wibe Herb 1178; disiu âventiure / vert âne der buoche stiure Parz 115,30; ine wil aber nihtes von im jehen, / wan alse ichz von dem buoche nim Tr 14245. – bes. in formelhaften Ausdrücken der Quellenberufungen: uns ne habe daz bûch dan gelogen, / sô wêren di Kriechin sigelôs, / ne wêre Alexander ir trôst / mit den bileden niwit comen SAlex 4503; Roth 16; ob uns daz buoch niht liuget Er 8698; RvEWchr 2057; alsô diz buͦch quît Anno 26,10; nv horen wir diu buͦch sagen Rol 3489; Herb 1437; als uns daz buch gezalt hat Roth 3479; tiv buͦch urchundent inoch: / der kaiser gebot ain hof Rol 8673. – bezogen auf die Bibel: duo der geweltige got al sîn werch fole tet / [...] duo was dere vespere zît alsô daz buoch chwît Gen 226; dú heiligú schrift, dú rehten buͦh / sagint das got sante dar / ein engil RvEWchr 14617; bî den zîten was âne swær / daz ertrîch wan unde lær / und ouch dar zuo vinster was, / als ich an dem buoche las EnikWchr 338    4 ‘Buch für bestimmte Eintragungen’    4.1 Besitz-, Güterverzeichnis, Stadtbuch usw.: ein bvͦch, was gar alt, da ires gvͦtes von altere gar vil ane stat UrkCorp 2842,12; wie ez nv dar vmbe [um das Haus] gestan solte, daz wart gezogen an daz bvͤch, daz sæit also [vgl. Art. 71 im StRAugsb 137f. ] ebd. 481,18; jnde suͦlen sin jargezide zehantz beschriven in allen iren buͦchen, da si ire memorien in plegent ze schrivene ebd. 407A,47. der stat/stete buoch ‘Stadtbuch’: vnd hiez an der stet [Augsburg] bvͦch sehen, wie lange ain man oder ain frowe ir aigen inne haben solt, daz si fvͤrbaz rvͦwichlich [unbehelligt] sæzze UrkCorp 3133,33; den selben [eingeführten] wein sol man prennen mit der stat zaichen an dez vazz poden und sol in in der stat puͦch schreyben StRMünch 474,16    4.2 daz ~ der lebendigen u.ä., ‘Buch des Lebens’ (in dem die Namen der Gerechten, Seligen verzeichnet sind, bibl. Ausdruck, vgl. z.B. Ps 68,29 und Apc 3,5): vertilget werden si uon dem buche der lebentigen unde mit rehten niht gescriben werden si [ deleantur de libro uiuentium: et cum iustis non scribantur ] PsM 68,29; Spec 24,14; alle di mit Roͮlante beliben, / di sint an den [l. der?] lebentigen buͦchen gescriben Rol 3266. 3259. 6162; Ottok 63566; der lebenden buoch RvEBarl 14394; HeslApk 103; daz ~ des (ewigen) lîbes / lebens Rol 6516; Litan 1247; Konr 4,6; HeslApk 4997. 5035. 5193; daz lebende ~ ebd. 23241; SHort 615; Vät 20829; KvHelmsd 3624; Seuse 7,3; bildl. für Christus: daz dritte ist daz lebend buͦch, únser herre Jhesus Christus, daz buͦch siner hailgen mentschait, daz an dem karfritag geschriben wart. an dem buͦch liset man gedult, demuͦt, senfti [...] und maͤnig ander tugend, die da geschriben sint mit den rosvarwen buͦchstaben sinez rainnen bluͦtez PrGeorg 315,26. 131,13; es [das Leiden Christi] ist doch ein lebendes buͦch, da man ellú ding an vindet Seuse 256,19    4.3 der æhte ~ ‘Verzeichnis der Geächteten’ (vgl. âhtebuoch ), hier für das Buch des Todes: dich beschribt des todes hant / in siner echte buch Mügeln 365,18    4.4 bildl. Ausdrücke: wer sich von tugent kert, / den hat fluch in lasters buch geschriben Mügeln 328,18; want ich in mynes herzen buch / mit gote schiere han uberlesen / wie al myn leben ist gewesen Vät 33460; schrib in dins herzen buch: / in rume du got nicht versuch Mügeln 235,1    5 ‘Buchstabe’ der die êwe nach den buͦchen uernimet, den erslehit siu. obe’r si geistlichen uernimit, so irchuchet siu in [vgl. II Cor 3,6] JPhys 17,20

MWB 1 1104,32; Bearbeiter: Tao

2buoch stN. ‘Buchenwald, Forst’ ein hueb jn dem puech bei Liboch UrkCorp (WMU) 2015,3

MWB 1 1107,38; Bearbeiter: Tao

buocharzât stM. ‘an der Universität ausgebildeter Arzt’ meister Heinrich [...] geheizen von der Nuͤwenstat, / [...] ein buͤchartzat von der kuͤnst HvNstGZ 8096; vgl. arzât von den buochen unter arzât

MWB 1 1107,40; Bearbeiter: Tao

buochbediuten stN. ‘autoritätsgestützte Lehre’ swer niht waiz waz wirde kan / gewuͤrken an den luͤten, / der merke buͦchbetuͤten! / wie sol der wird und er began / der si niht kan verstan / oder nie si gehort? WhvÖst 11616

MWB 1 1107,45; Bearbeiter: Tao

buochblat stN. ‘Blatt eines Buches’ so man denne einen gwihten gouch, / [...] heizet wesen an gotes stat, / so vertilget er des buches blat [La. daz buoch blat ] , / da die leien an solten lesen, / wie si an der sele suln genesen StrKD 108,90

MWB 1 1107,50; Bearbeiter: Tao

buoche stF. ‘Bibel, Buch der Bibel’ in der buoche lese wir, / daz Ysaias vane dir [Maria] / alsus havet gesprochen MarldA 32; oug saget uns alsus / du buoch, du der heizet Exodus, / daz [...] ebd. 45

MWB 1 1107,55; Bearbeiter: Tao

buoche swstF. ‘Buche’ seht, dô lief wir ertber suochen / von der tannen zuo der buochen / über stoc und über stein KLD:Alex 5:3,2; doch sol men daz [Wald] lazsin, daz ieman sine hant iht lêge an ein eich oder an ein buoch, es si danne zoͮ búwenne UrkCorp 1653,42; von der puochen [Überschrift] . fagus haizt ain puoch BdN 323,25. 317,8; Pelzb 121,30; von glanzer schilte bôze / wart dâ gehœret lûter klac, / als ob der wilde dunreslac / dâ spielte dürre buochen KvWTroj 33437. – Sprichw. (vgl. TPMA 1,486): si suochen birn ûf den buochen MF:Veld 7:2,7

MWB 1 1107,59; Bearbeiter: Tao

buocheichel swF. ‘Frucht der Buche, Buchecker’ daz [Buche] ist gar ain êrleich paum und tregt früht, die sint dreieckot, die haizent püecheln mit uns oder puochaicheln in anderr däutsch BdN 323,28

MWB 1 1108,7; Bearbeiter: Tao

buochelære stM. wohl ‘der gewerbsmäßige Abschreiber von buochelîn ’ (vgl. Heyne, Handwerk, S. 149): der selbe schade ouch besaz / gurtlær und irhære [Weißgerber] , / hantschuostær und buochlære [die Belagerung der Stadt brachte sie in Bedrängnis] Ottok 65692

MWB 1 1108,12; Bearbeiter: Tao