buckelære, buckeler
stM.
afrz. boucler mit Umbildung des Suffixes (Suolahti 1,72); auch
pokeler, bigollere.
1
‘Schild mit Buckel’
2 metonym. (wie
hornboge
,
schilt
usw.) ‘der mit einem
~
bewaffnete Krieger’
1
‘Schild mit Buckel’
wan er zwei scharpfiu mezzer truoc, / spizzic unde lanc
genuoc, / und zwêne buggelære UvZLanz
1121;
Wig
10504;
ainen bigollere / fürtt er GTroj
6130;
und danne sullen si vehten mit buggelæren,
[...] die sullen îsenîn sîn SpdtL
176,4;
EnikWchr
13696;
daz er im gap ein slac swær, / Hectorn under dem bucklær ebd.
13746;
schirmen mit dem bucklær / lêrt er in und sleg swær ebd.
13671;
si buten für die buggeler, / dâ hinder stuonden si gebogen / und heten ûz diu
swert gezogen KvWTroj
5020;
bereytit den pokeler [
scutum
] und den
schilt und trettit uz zu strite Cranc
Jer 46,3;
die vogelær [...] machent ainen
puklær von weizem leineim tuoch und ze mitlist dar ein von rôtem tuoch ain rôtez
flekel BdN
198,8;
ains schilts prait oder aines puklers prait ebd.
492,22.
–
der glob si dir fúr gesprait / ze schilt und och ze
bugeler! SHort
4619;
in minnen enpfienge er die minnenclichen slege uf dem buckeler des
lebenden glouben Tauler
405,27;
alsus [...] haltent iemer vaste den buckeler des
heilgen glouben und schirment vaste al umb úch mit dem swerte des heilgen gottes
wortes ebd.
407,8;
sin [des Herrn Mai] buckeler was rosenbluot
Herbst
25
2
metonym. (wie
hornboge
,
schilt
usw.) ‘der mit einem
~
bewaffnete Krieger’
der chuͦnc uon Marssilien / furt uz siner yselen /
niun tusent puchelare Rol
2635;
StrKarl
3104
MWB 1 1078,45; Bearbeiter: Tao
buckeleht
Adj.
‘bucklig’
hoferot ist die prust / und puckent [La.
pucklat
] ir [Flata, Mutter des
Ungeheuers Kolkan] der rucke HvNstAp
4401;
von allen pugklochten vnd grinttingen vnd die nicht hend noch oren hieten
GestRom
137
MWB 1 1079,12; Bearbeiter: Tao
buckeler
stM.
zu afrz. bouclier (Rosenqvist 2,210) oder buckelære mit
semantischer Umdeutung, möglich auch Ableitung von buckel.
‘Schildmacher’
durch der meister der platner, puchler vnd helmer willen StRPrag
19;
daz dhein vremder man [...] sich ze Prag sezen schol,
der platner, puchler oder helmer hantwerk ze wurchen, er hab denn der stat recht
empfangen vnd wird purger ebd.
19
MWB 1 1079,17; Bearbeiter: Tao
buckelhûs
stN.
wohl ‘Spitze des Schildbuckels’
ûf dem buckelhûse stuont / ein stein Parz
741,11
MWB 1 1079,26; Bearbeiter: Tao
buckeln
swV.
‘mit Erhöhungen versehen’, nur Part.-Adj.:
daz die delphin ir zungen wegen und daz si gespitzelt zungen
haben scharpf und rauch an dem griff und vast gepukelt BdN
235,21
MWB 1 1079,28; Bearbeiter: Tao
buckelrîs
stN.
vom Schildbuckel ausgehende Metallbänder zur Stabilisierung des Schildes:
vil stein mit sunderschîne / wârn verwiert durch kostlîchen prîs / alumbe ûf
diu buckelrîs Parz
741,10;
grôz unde kleine [Edelsteine] / wârn verwieret in
daz buckelrîs PleierMel
3389.
5933.
– Vgl. auch rîs
Er
2308
MWB 1 1079,32; Bearbeiter: Tao
bucken
Adj.
→
bocken
MWB 1 1079,39;
bücken
swV.
s.a.
1bocken.
1 tr. 1.1
‘etw. biegen, jmdn. niederdrücken’
1.2
‘etw. darbieten, hinhalten’
2 refl.: ‘sich neigen, sich beugen, bücken’
3 intr.: ‘sich beugen’
4 Part.-Adj.: ‘gebeugt, gebückt, krumm’
1
tr.
1.1
‘etw. biegen, jmdn. niederdrücken’
dü wil ain bom ain rute ist, / der in bucket er nit brist; / kain biegen
mag da frummen, / so er kraft an sich hat genomen LS158
16;
er liez Andream bucken / die cleidere ab im zucken PassI/II
208,74;
obe dez mannes bilde / stund ein frawen bilde sleht, / uff gerichtet und
gereht, / von starkem stahel wol durch smitt, / [...]
daz ez gebucken nieman kunde, / wann dem ez sin von hertzen gunde Minneb
267.
– übertr.:
wand er in wolde bucken [unterwerfen] / mit
gewapenter hant Pass III
271,22;
nu si wir gar verdrucket, / in schemde hie gebucket. /
smaheit muze wir liden Daniel
1360
1.2
‘etw. darbieten, hinhalten’
wedir stet nicht dem bosen. sundir wer uch slet an daz rechte wange, bucke
[
praebere Mt 5,39] ym ouch daz
andir EvBerl
122,16.
126,17
(Lc 6,29)
2
refl.: ‘sich neigen, sich beugen, bücken’
innen des daz ors sich pucte Parz
260,16;
HvNstAp
8549;
daz bilde wann ez sich bucket Minneb
269;
sô der mensch ain kindel ist, sô gêt er auf den henden, dar
nâch gêt er aufreht auf den füezen unz an daz letzt alter, sô pückt er sich dan
wider zuo der erden, BdN
4,2;
nu hat getan der wise, / unser suzer scheppher, / als ein getrewer arbeiter, /
der vil uf sinen rucke leit / unde eine swere burde treit, / die in so harte drucket
/ daz er durch not sich bucket ErzIII
41,64;
[der vriedel
] hat in mich gedrücket / die
truben, da min vater sich selben hat in gebücket Frl
1:19,29;
durch daz [durch des mit der Hand ausgeführten Kreuzeszeichens
willen, vgl. Anm.z.St.] got in der priester hant sich bücket ebd.
2:16,18
3
intr.: ‘sich beugen’
nu lide dich und la dich und bucke und swig stille und sprich inwendig
Tauler
265,22;
das er fur sich uber synen sattelbogen must buͦcken
Lanc
181,31;
er buͦckt so ferre ubers fenster das er uß gevallen
were ebd.
608,12
4
Part.-Adj.: ‘gebeugt, gebückt, krumm’
– Part. Prät.:
dar in [in dem Banner] stund gebuͤcket /
von perlin ein galander Minneb
1756;
achseln zun oͤrten niht gebuht / und queck, die
sint der besten zuht. / und sint sie nider gebeiget, / ir forme schalkeit zeiget
Physiogn
285;
der ist vorhtik, der ain slehtez hâr hât und dar zuo
ainen krumben oder gepuckten leib BdN
50,3.
– Part. Präs.:
hoferot ist die prust / und puckent
ir [Flata, Mutter des Ungeheuers Kolkan] der rucke
HvNstAp
4401
MWB 1 1079,40; Bearbeiter: Tao
buckeram, buckerân
stM.
auch buggeram; afrz. boqueran(t) (Suolahti 1,73).
ein Stoff, der ursprünglich in der Stadt Buchara hergestellt wurde; zur genaueren
Bestimmung der Stoffart vgl. BMZ, Lexer („steifes, aus Ziegen- oder
Bockshaaren gewebtes Zeug”), Schultz, Höf. Leben 1,352f. („ein
Baumwollenstoff”) und Nellmann, Parz. zu 588,15 („Leinen oder
Baumwolle”, mit Lit.); zuerst bei Wolfram. –
hemde und bruoch von buckeram Parz
588,15;
ein kleine gezelt von buckeram ebd.
800,17;
er [
wâfenroc
] was ein
wîzer bukkerân Eracl
4958;
do zôch er aller êrste an / ein wambes ûz buckerân Craun
828;
ein wambeiz [...] von einem bvkeran blanc
Krone
2863;
dehein gebour sol tragen pantzir oder isenhut oder pukrames bambeis oder
gnippen UrkWittelsb
1,149
(a. 1255);
silber, golt, vil wol geleit / ûf zendâl, dâ manger sneit. / swer des alles
niht mohte hân, / den sach man snîden puckerân UvLFrd
79,20;
so lac er [das Jesuskind in der Krippe] [....] /
als kvngis kinde niht gezam / bedeckit niht mit buggeram [oder anderen
kostbaren Stoffen]
Martina
27,76;
einer kolten von lînenem tûche oder von buckerame
StatDtOrd
39,15;
sin rosdecke und sin kursit / was von gold ain buggran, / in tuͤscher
zungen ist kain man / der ez solte gelten ain WhvÖst
10169;
UvEtzWh
3836;
MarcoPolo
3,14.
31,25.
72,12
MWB 1 1080,24; Bearbeiter: Tao
buckeramen
swV.
nur Part.Prät. gebuggeramet
‘in
buckeram
gekleidet’
selpvar ein wîp, / âne wîz, rôt, ganzlicher stæte / ungemâlet, daz si niht
gebuggerâmet wære Walth
111,14
MWB 1 1080,52; Bearbeiter: Tao
bückîn
Adj.
→
bocken
MWB 1 1080,56;
bückinc
stM.
‘Bückling, geräucherter Hering’
[Zollordnung: ] item ein stro buckingis [eine
bestimmte Menge in einem Strohgefäß verpackter Bücklinge, vgl. DWB
10,3,1642]
UrkFrankf
2,278
(a. 1329);
und ditz gesetzte ist auch von puͤckingen NüP
130;
weitere Belege s. Kehrein, S. 5
MWB 1 1080,57; Bearbeiter: Tao
bûdel
stMN.
→
biutel
MWB 1 1080,63;
bûdel
Subst.
viell. Dimin. zu
biuden
, ein Musikinstrument (vgl. Eitschberger, Musikinstr.,
S. 173), oder zu
biutel
‘(klingender) Geldbeutel’:
ein bûdel kan zesamen locken / mêre tôren und tœrîn denne vier glocken, / die man
ze gotes dienste klenget Renner
6567
MWB 1 1081,1; Bearbeiter: Tao
budeminc
stM.
‘der die Eingeweide umschließende Hautsack, Bauchfell’
omentum menbranum quod continet intestina id est budeming SummHeinr
2:390,114.
omentum: budeminc ebd.
1:135,265.
2:7,112
MWB 1 1081,7; Bearbeiter: Tao
bûden
swV.
s.a.
biuden
Subst.
–
‘auf dem Musikinstrument biuden spielen’ (vgl.
Eitschberger, Musikinstr., S. 173):
harpfen, rotten und gîgen / wil süeze andâht, zuht und swîgen: / urliuge wil
toben und schrîen, / bûden, swegeln und schalmîen Renner
5860
MWB 1 1081,11; Bearbeiter: Tao
bûdinc
stN.
s.a.
bûteidinc
.
„grundherrliches Gericht, insbes. über Feldbau u. Leihe eines
Hofgutes” (DRW1,1255; vgl. auch FWB 3,176f.; LexMA 1,156):
darzu schuͤllen si alleu jar mit andern dez gotzhaus lauͤten in
ein paudinch gen UrkEichst
1,327
(a. 1346);
ich sol auch dem vorgenanten herrn Chunraden Coppen järiclich im daz
guͤt aufgeben in paudingen, als dez lantz [...] reht
ist ebd.
2,368
(a. 1349);
weitere Belege s. DRW 1,1255f.
– als Synonym zu vogtes(ge)dinc:
ane vogtes dink mag nieman sîn aigen hin gegeben
[...]. ez antwürtet ouch enkain man umb sîn aigen, ob
man in beklaget vor gerihte, ê in vogtes gedinge, ob ers in der gewer hât. etwâ
haisset ez bûdink SchwSp(W)
349,4
(vgl.
âne echt dink SSp
46,7;
âne êlîch dinc SpdtL
143,7)
MWB 1 1081,17; Bearbeiter: Tao
büebelîn
stN.
Dimin. zu
buobe
swM.:
zwei büebelîn siht man in dem strô: / der sol einez ein keiser sîn, / daz
ander hüeten sol der swîn, / und ist doch einez des andern genôz, / hungeric, arm,
einveltic, blôz Renner
19106
MWB 1 1081,33; Bearbeiter: Tao
büebin
F.
‘Dirne’
über buoben und büebinen stat kein gericht SchweizId
4,947
(a. 1297; GrChur)
MWB 1 1081,38; Bearbeiter: Tao
büebisch
Adj.
‘liederlich, böse’
vnkvsch vnd alle vnrainigkait vnd geitigkait, div svlen an ive
[bei euch] avch niht genant werden, as den heiligen
erlich ist, noch widerzemikait, noch tvmmiv rede, noch bvͤbisch rede, die
zvoͤ redelichen dingen niht gehoͤret [Eph
5,3]
SpitEich
42,8
MWB 1 1081,40; Bearbeiter: Tao
büechel
swF.
‘Frucht der Buche, Buchecker’
fagus haizt ain puoch. daz ist gar ain êrleich paum und
tregt früht, die sint dreieckot, die haizent püecheln mit uns oder puochaicheln in
anderr däutsch BdN
323,27
MWB 1 1081,46; Bearbeiter: Tao
büechîn
Adj.
‘von der Buche, buchen’
wil dû den harnstein schiere brechen, sô nim buochînen pluot
unde truchen daz an der sunne, unz iz herte werde Barth
148,26;
ane funf holzer: eichen, buͤchin, tennin, birbomin vnde affolterin
UrkCorp (WMU)
244AB,5,2;
ein eichein pfaffe [...] / eine bvchine messe singet
Wachtelm
69
MWB 1 1081,51; Bearbeiter: Tao
büege
stF.
Ansatz unsicher, zu
büegen
swV.?
‘Krümmung (der Wasseroberfläche)’
dez mag kain ander sach gesein danne dez wazzers geperg und
die rundengroͤzz [La. zu geperg bis
rundengroͤzz:
püg oder hoch oder daz es pergot ist vber sich vnd daz es vnten großer
ist
]
KvMSph
15,25
MWB 1 1081,58; Bearbeiter: Tao
büegen
swV.
refl. ‘sich beugen’, hier ‘dienstwillig
sein’
swâ sich mir daz vuocte, / gern ich mich dar buocte, / dâ ich dir gedienen
möhte / und dînen êren töhte UvTürhTr
2186;
sich sullen für in [den König] büegen / die edeln
und daz povelî / und sullen im belîben bî HvBer
9963
MWB 1 1082,1; Bearbeiter: Tao
büellîn
stN.
Dimin. zu
buole
swM.,
swF.
‘Liebster, Liebste’
Agrant der kuͤnc lac / an sin lun [l. lûze
‘Versteck’] und hort / daz Ryal so suͤzziu wort
/ retd gein der tohter sin. / er sprach: ‘liebes buͤllin! /
[...]’ WhvÖst
1722;
ir buͤllin [...] von Österrich ebd.
18001
MWB 1 1082,7; Bearbeiter: Tao |