brunne, burne
swstM.
auch bronne, born;
einmal stF. (
HistAE
710
).
1
‘Quelle, Brunnen’
1.1 allgemein 1.2 sprudelnde, fließende Quelle, Quellbach, Fluss 1.3 gefasste Wasserquelle, ‘Brunnen, Zisterne’ 2
‘Quellwasser, frisches Wasser’
3
‘Quelle, Ursprung’ (meist allegorisch von Gott, Christus, dem Heiligen Geist, Maria etc.) 4
‘Harn’
1
‘Quelle, Brunnen’
1.1
allgemein:
er irbeizta bî einem brunnen Gen
965;
er [Adler] gahet zeinem brunne,
/ er badet sich dar inne Hochz
589;
da bi ist ein burc, heizet Garama. da inne ist ein burne
Lucid
35,13;
kalt und vil reine / ist der selbe brunne: / in rüeret
regen noch sunne, / nochn trüebent in die winde. / des schirmet im ein linde
Iw
569;
ein beckîn, / dâ sol wazzer inne sîn / eines quellegen
brunnen Volmar
681;
von den wunderleichen prunnen
[Kapitelüberschrift]
BdN
482,2
1.2
sprudelnde, fließende Quelle, Quellbach, Fluss:
von den brunnen, / die in paradyse springent
VEzzo
89;
VMos
6,2;
ähnl.
Lucid
19,5;
dâr môste wir scowen / manigen edelen brunnen, / der ûz
den walde quam gerunnen / lûtir unde vil kalt SAlex
5185;
ein brunne ûzem velse schôz Parz
508,17;
den schilt er leite nider, aldâ der brunne vlôz
NibB
978,2;
dâ vlôz ein fonteine, / ein vrischer küeler brunne, /
durchlûter als diu sunne Tr
16739;
daz bechelîn, / daz von dem brunnen dâ gât ebd.
14433;
des küllen brunnen bach GTroj
2019;
ains brunnen fluss ebd.
9819;
der brunnen ursprinc truckent niht RvEBarl
6171;
die päch fliessen ab den pergenn, die prünnenn über sich
wallent HvHürnh
37,5.
– übertr. auf das strömende Blut:
der slac sanc in die siten linge [linke
Seite] , / lunge, miltz do uz im viel, / dar nach ain
brunne bluͦtes wiel / uz hertz und uz adern WhvÖst
8402
1.3
gefasste Wasserquelle, ‘Brunnen, Zisterne’:
der brunne was gemeine bedecket mit eineme steine
Gen
1267;
vmme den bvrnen was iz also getan, / so ein aymer begonde
in gan, / daz der ander vz gie ReinFu
K,933;
einen brunnen graben
Lucid
38,11;
LvRegSyon
3422;
der [
wurm
] irdranc
alli di brunni, / di dir in der burch warin; / di cisternin wurdin leri
LobSal
60;
in der alten ê geschriben stat: ‘hat ain man ain cysternen, der sol
si bedeken; tuͦt er des nit, vallet sines nach geburen rint dar in oder
sin schâf, er sol es gelten’, won er sinen brunnen nit wol bedakte
PrGeorg
3,33
(vgl. Ex 21,33f.);
das [
gevæze
]
gesenkit in eynen born odir in eyne cysterne Pelzb
132,29;
mitten in den [l.
dem
] prunne stet, / da der prunne auff get, / ain
ziborne [Ziborium, Hostienkelch] von golde
HvNstAp
12973
2
‘Quellwasser, frisches Wasser’
swel sieche dez burnen getrinket, der wirt gesunt
Lucid
38,2;
den brunnen schepfen
AvaLJ
66,4;
der künec Artûs nam in die hant / daz becke
[...], / und schuof ez vollez brunnen Iw
2531;
daz man si mit dem brunnen vil dicke dâ vergôz
NibB
1066,3;
dy stede begizen myt fryszen bornnen OvBaierl
22,25;
giuz ûf den stein [...] des brunnen
ein teil Iw
595;
dô er den râm von im sô gar / getwuoc mit einem brunnen Parz
186,3;
du solt ris nemen vnd suͤde ez in eime brunnen
BvgSp
5;
der guͦten mete machen wil, der werme reinen brunnen
ebd.
14;
daz ir gote niht kunnen / win machen uz dem brunnen Rennew
18042.
– von geweihtem Wasser:
der pabis segenete den brunnen TrSilv
291;
Lucid
120,7;
dise heiden woͤllen gar taufen sich; /
[...] gip her den brunnen und ein buͦch!
Rennew
8771;
uon deme babise Urbane / wart er siner sunde ane / in deme
toufliche brunne Litan
1080;
also versuochest du [Maria] si gar / diu din
tugent widerbar / in des toufes brunnen KvWGS
1071;
WhvÖst
15909.
– bildl. (vgl. auch Pos. 3):
do getrank er des vil heiligen brvnnen der gotheit
Spec
28,10;
Christ, der ein brunne ist des êwigin guͦtis. der
des brunnin getrinchit, den gedurstet nimmir mêre ebd.
41,15;
so wil ich bittin dich [Gott] dastu / begiezest
mine sinne nu / mit dem brunnin dinir wisheit RvEWchr
69;
dyn hertze moesses nemen vromen / dat du des bornes drincken salt / die
[= der
] alre suͤesden
[Gen.Pl. von süezeden stF.] hait
gewalt MinneR 497
43;
(für Tränen:)
die trahene dar in runnen, von ir herze spranch der brunne
AvaLJ
174,3.
82,5
3
‘Quelle, Ursprung’ (meist allegorisch von Gott, Christus, dem
Heiligen Geist, Maria etc.):
herre got, himlischer vater, dv bist ein lebentiger brvnne allez
gvͤtes, von dem vns alle gnade flivzzet DvAPatern
3;
uwer sele hat gedurstet nach gote, dem lebeden brunnen HlReg
23,2;
er [Gott] ist ain ursprung und ain brunne aller
tugend von dem sint aller hailigen tugend geflossen PrGeorg
43,27;
loͮfen zvͦ dem lebintigim brunnen, dem heiligim
Crist Spec
9,23;
Jhesus der gnaden bronne HvNstGZ
4521;
wande dv [der Heilige Geist] heizis
wistumis brunne, / ein sluzil der irbarmunge Litan
139;
der hailig gaist ist ôch in der sele als ain brunne. der kuͤle brunne
der loͤschet den durstigen PrGeorg
58,30;
sancta Maria. / brunne besigelter, / garte beslozzener
MarldM
64;
Spec
93,19;
Maria, stella maris, / [...] burne
des paradises, / dan uns du genade uz gefloz MarldA
231;
PrGeorg
48,29;
der [Antichrist] ist ein uater
aller ubermoͮte, ein brunne alles unrehtes Spec
112,8.
–
Apolle und die Camênen, / der ôren niun Sirênen, /
[...] die gebent ir sinne brunnen / sô volleclîche
manegem man Tr
4876;
mîner sælden meiewunne, / tuo genâd an mir nu schîn, / sô
daz mir belîbe / stæt der fröiden brunne SM:Ro
3: 3,10;
daz ez [Herz] ain prunn und ain
ursprinch ist der kreften aller andern glider BdN
26,1;
si [Sonne] ist ain prunn oder
ain ursprinch der hitz ebd.
58,19
4
‘Harn’
daz muoz ich an dem brunnen sehen, / sô kan ich dar nâch reht spehen, / wie
ich iu dar nâch erzen sol, / daz sich ich an dem brunnen wol EnikWchr
14899. 14902;
HvNstAp
1946;
daz sibend [Zeichen der
Schwangerschaft] ist, daz diu frawe irn prunnen ze stunden niht wol
gehaben mag BdN
38,33;
sich sînes brunnen benemen
‘sich seines Harns entledigen’
ebd.
108,18
MWB 1 1048,56; Bearbeiter: Tao
brünne
stswF.
auch bruni(g)e, bronie (
Roth
3449;
Karlmeinet
414,42.
415,44.
456,2 ).
–
‘Brünne, Brustpanzer’ (vgl. Schultz, Höf. Leben 2,40ff.):
sîn brunie was hurnîn vil vast SAlex
1305;
eine brünje hêt er an geleit / über einen wîzen halsberc, /
daz was heidenischez werc / von breiten blechen hürnîn Wig
7371;
ir brunigen waren drilihe Rol
4664;
her troch eine brunien guldin Roth
1108.
2704;
ähnl.
NibB
428,4;
ir vil liehten brünne ebd.
66,3.
406,2.
1775,3;
(snê)wîze ~
Roth
686.
3449.
4108;
NibB
79,3.
188,2;
Ottok
62223;
eine brunien uaste Roth
3507;
uil waich ist din brunne Rol
4408;
halspergin unti brunigvn Anno
8,9;
GTroj
8298;
eine ~ anlegen
Wig
7371;
tragen
Roth
686.
3507;
NibB
1775,3;
vüeren
ebd.
79,3;
fiunfzec tûsent manne, / mit brunnen bevangen
Kchr
7313;
dô sluoc der herre Irnfrit den küenen spileman, / daz im
muosen bresten diu ringes gespan, / unt daz sich beschutte diu brünne fiwerrôt
NibB
2072,3;
die brünjen sich entranden, / daz sich die ringe zecluben /
und die wâfenrocke stuben / harte wîten umbe sie UvZLanz
4500;
die ~ zertrennen
Kchr
5218;
WhvÖst
16390;
er kloup im brünje und îsengwant Wig
7658;
jmdn. durch eine ~ slahen
NibB
2296,1.
188,2.
– bildl.:
er [Gott] leit an fleiskliche
brunne / durh allez mannes chunne, / daz er nah champfes site / mit dem viande
strite Wernh
D 2521;
gurtet vch mit der minnen, leget an vch die bruͦnige der gerechticheit,
vor alle ding nemet an vch den schilt des geloubn, da mit ir muͦgt erleschen
die vurigen schoz des tuͦuels PrLpz(L)
91,40
MWB 1 1050,43; Bearbeiter: Tao
brunnech
stN.
‘durch viele Quellen versumpftes Land, Moorland’
jenhalp diu Tuͦnawe tailet sich / in siben strangen stark / durch die
nidern mark: / do rinnet si durch ein brunnech / daz wild ist und do manic tech
[= tîch ‘Teich’?] / von grozen
roren inne stet WhvÖst
919
MWB 1 1051,11; Bearbeiter: Tao
brunnegrabe
swM.
‘Wassergraben, befestiger Wasserlauf’
von dem vôrstwege den prunnegrabn her nider vntz in die
Liesnickh [Liesing]
UrkCorp (WMU)
1118,11
MWB 1 1051,17; Bearbeiter: Tao
brünneholz, burneholz
stN.
s.a.
brennholz
.
‘Brennholz’
alliz daz burneholz sal man koufin mit phenningen vnd mit shærvin, die da sint
geworcht des jaris zv Erforte UrkCorp (WMU)
1161AB,9,5,7,3.
N412,29.
679,32;
borneholtz StRHeiligenst
89;
[sie] haben reht zu hauͤwen kaltholtz
[das nicht zum Bauen geeignete Holz, vgl. O. Böhme, Germ. 30, S.
118f.] vnd brunneholtz. jtem sy mugen auch hauwen buͤholtz
zu irem selbis buwe UrkWürzb
39,278
(a. 1326).
41,126
(a. 1345);
er [...] mag derselben holtzer nützzen, als vil er
der ze brünneholtz und ze pawen ze seinem haus bedarf UrkLudw
199
(a. 1342 kopial)
MWB 1 1051,21; Bearbeiter: Tao
brunnekîn
stN.
‘Spritzer’ (vom Wein beim Ausgießen in eine Schale):
vnd wen man yn gust in di schale vnd di bornichin vf spryngin
obir dy schale, der stet czu lobin vnde mak lange weren. Pelzb
139,28
MWB 1 1051,34; Bearbeiter: Tao
brunnekrësse, burnkrësse
swM.
‘Brunnenkresse’ (vgl. Marzell 3,301ff.):
strucion heiset burnkresse zu dute Macer
43,1;
burnkresse gestosen und den wiben an di heimeliche stat
gebunden, loset si von dem toten kinde ebd.
43,5;
swo sich ein bose blater erhebet, da sol man nemen
burncressen saf unde girstinmel unde honec ebd.
43,7;
nasturcium aquaticum: brunkresse VocOpt
50.213;
grüen als ein burnekresse / fuorte ein ritter einen schilt KvWTroj
31338
MWB 1 1051,39; Bearbeiter: Tao
brünnelîn
stN.
Dimin. zu
brunne
.
‘kleine Quelle, kleiner Bach’
nu gesach er eine lachen sweben / smal unde mâzlîche grôz, /
in die von einem velse vlôz / ein küelez cleinez brunnelîn Tr
9081;
ein vôrest und ein grüener walt / nâch an den anger stiezen, / dar ûz sach man
dâ fliezen / bech unde manic brünnelîn KvWTroj
1151;
pey ainem kulen prunnelein, / da wolten sy di nacht sein
HvNstAp
10286.
8557
(La.);
ain chlaines prunnlein ist gewahsen in ain grozzez wazzer [vgl.
Est 10,6. 11,10 ]
MvHeilFr
31;
BdN
359,2.
– unklar, ob eine kleine Quelle, ein kleiner Bach oder Brunnen gemeint
ist:
alse der wasserual gat an Veringer staige ze deme brúnnelin ze der alten múli
UrkCorp (WMU)
738,22
MWB 1 1051,49; Bearbeiter: Tao
brunnemeister
stM.
‘Brunnenmeister, Brunnenaufseher’
ein gvͦt, das der brunnemeister hatte UrkCorp (WMU)
N675,12
MWB 1 1052,1; Bearbeiter: Tao
brunnen
swV.
‘Harn lassen, urinieren’
allez gefügel mangelt der plâsen, wan si prunnent niht, dar
umb, daz ir fäuhten sich verkêrt in der vedern nâtûr BdN
34,24
MWB 1 1052,4; Bearbeiter: Tao
brunnen
swV.
→
burnen
MWB 1 1052,8;
brunnenbort
stM.
‘Brunnenrand’
margo: brunnenbort VocOpt
54.004
MWB 1 1052,9; Bearbeiter: Tao
brunnenminze
F.
‘Bachminze’ (Mentha aquatica L., vgl. Marzell 3,139-146):
balsamita: brunnenmúncz VocOpt
50.064
MWB 1 1052,11; Bearbeiter: Tao
brunnenschate
swM.
‘schattiger Platz an der Quelle’
kument ze mittem tage zuͦ dem brunnenschatten in das
bette der minne, da soͤnt ir úch mit im erkuͤlen Mechth
1: 44,40
MWB 1 1052,14; Bearbeiter: Tao
brunnenvlieʒ
stMN.
‘Quelle, Bach’
einen balmboume [...], / dar under was ein
brunnenvliez, / der gab vil guten geniez / eim gar alten man Vät
25797;
daz [...] er [Gott] uns
gebe an dirre stat / ein brunnenvliez Pass III
662,89
MWB 1 1052,18; Bearbeiter: Tao
brunnenvluʒ
stM.
‘Bach, Fluss’
den brunnenvluz ze berg er giench WürdeSakr
1,22.
1,13;
der konig wart sere zornig und ging siczen off
[an] ein brunnenfluß Lanc
176,31;
din suͤssen minnenden brunnenvlússe vertilgent alles
min herzeleit, wan si sanfte har gant usser der heligen drivaltekeit
Mechth
7: 24,3
MWB 1 1052,23; Bearbeiter: Tao
brünnerinc
stM.
‘Panzerring des Brustharnisches’
im ergluoten an dem lîbe die liehten brünnerinc WolfdB
728,4
MWB 1 1052,30; Bearbeiter: Tao
brunnevaʒ
stN.
Gefäß, mit dem man Wasser schöpft, ‘Wasserkrug, -eimer’
o.ä.:
si lie da ligen daz brunnevaz AvaLJ
67,3
MWB 1 1052,33; Bearbeiter: Tao
brunnwaʒʒer
stN.
auch bornewasser.
‘Quellwasser’
er [
ölpaum
] teuft sein
wurzel niht verr in die erd und wechset mêr von dem regenwazzer wan von den pächen
oder von prunnwazzer BdN
335,27;
mach daz prunnwazzer kalt mit stahel, dâ mit küel dein haupt
ebd.
5,27;
ouch wisse, gustu bornewassir vf das saph, so vulit is
Pelzb
134,32
MWB 1 1052,36; Bearbeiter: Tao
brûnreideloht
Adj.
‘braun gelockt’
brûnreideloht was ime daz hâr, / gecrûspet bî dem ende
Tr
3336
MWB 1 1052,43; Bearbeiter: Tao
brûnreit
Adj.
‘braun gelockt’
der ist ein starker jungelinc / mit brûnreidem hâre
Tr
3921;
des lîbes starc, volkumen gar / an al ir liden, liehtgevar / was ir
anschouwen, brûnreit ez [= daz
] hâr
Kreuzf
727
MWB 1 1052,45; Bearbeiter: Tao
brûnrôt
Adj.
‘braunrot’
sardonix ist prunirot, ist guͦt den tifilsuhtegen
PrüllS
9,1;
das blut waz frischer und roder viel; / dan die farwe die brunrot ist, / uff
eyme gruͤnen felde gar hubsch ist Pilgerf
3496
MWB 1 1052,50; Bearbeiter: Tao
brünschen
swV.
→
brûsen
MWB 1 1052,54;
brunse
stF.
→
brunst
MWB 1 1052,55;
brünselbërc
stM.
‘Berg der Verbrennung’
du suchtigir berg, spricht der herre, und wil dich welczin uz dem gesteyne und
wil dich machin eyn brunsilberg [
dabo te in montem
combustionis
]
Cranc
Jer 51,25
MWB 1 1052,56; Bearbeiter: Tao |