brâ
F.
1
‘Augenlid’
2
‘Augenbraue’
3
‘Wimper’
4
‘Rand, Einfassung, Saum’
1
‘Augenlid’
also skiero so diu brawa zesamine geslat MemMori
46;
also schiere so ein bra die andere beruͦren mac
Lucid
135,26;
HeslApk
20347;
Teichn
331,23;
die öber vnd die nidder bra / hal sich niht, die sah man, / vnd was das auge
zugetan Krone
24501;
die brâwen wâren eben, sleht / und in allewîs gereht. /
[...] keiner krümbe kunne / hâten diu hâr der ougenbrâ
[...]. / die überbrâ wârn
[...] schôn gebogen / ob dien ougen ze wâr WvRh
1331.
–
dem diu ougen ser sin an der bra BenRez
13;
im sint die oberen brâ swær Barth
156,17;
sie [Erwachende] streich
[rieb] die brâ und sach alumbe LvRegSyon
1627;
jr bran sint swere [...] si
wachint uil SalArz
33,58
2
‘Augenbraue’
dem ungevüegen manne / wâren granen unde brâ / lanc rûch unde
grâ Iw
445;
Halzibier der clâre / mit reitbrûnem hâre / und spanne breit
zwischen brân Wh
46,3;
die brâwen als ein benselstrich, / kleine sleht und wîplich Flore(G)
6889;
augbrawen, die sich
rurent [berühren] , / sweren mut bie in furent. / augbrawen
bie dez hares kal, / die hant auch kleiner krefte wal. / die brawen mit den augen
wagent, / vollich der kunste wol behagent. / und so ie minner ist die bra, / so
minner kunste wizzet da Physiogn
163;
dîn mündel ist rôsenvar, / eng unde wol gestalt; / dîn brâ sam si sîn gemâlt,
/ klein und ze mâzen hôch; / daz vel, dîn ougenüberzoch, / daz ist wîz als
liljenblat EnikWchr
12480;
er nibelt uz den brawen WhvÖst
12013;
sin braͮwen, die da warent sam die schwartzen woͤlkeli, die da
swebent ob dem glast der sunnen Seuse
551,22
3
‘Wimper’
ir oͮglider eben und schlecht, / aͮn allen bresten, wol gerecht;
/ ir brawen brun und wol gelich, / krumb ain wenig úbersich. / ob den oͮgen
hoch genuͦg / ir ober brawen, sere kluͦg, / als sú mit listen wærind
gar / gemalet an ain bilde dar WernhMl
965;
zahy wie vert dar obe / irs blickes glast, der zertlich sicht / uz augen
gro[z] durch browen liecht Minneb
3230.
– als Bezeichnung für etw. Geringes, zur Verstärkung der Negation:
vil minre denn ein stumbe / mohten sî gehœren. / ob ein krach mohte stœren
/ al die welt unz ûf ein ort, / er mohte von in niht gehôrt / umb ein brâwe
werden Reinfr
22355
4
‘Rand, Einfassung, Saum’
sie stuonden bî ein ander dâ / vil vürder ûf des steines brâ RvEAlex
1964;
al umbe des steines brâ / gât ein rinc, der ist grâ
Volmar
195;
die brawe oder sins kleides soͮm Tauler
274,2.
274,4.
– Lit.: Dolch, Augenbraue
MWB 1 960,18; Bearbeiter: Plate
brach
stM.
zu
brëhen
.
‘lautes Geräusch, Lärm, Schall’
die sper buten sô lûten crach, / daz der tambûren brach / man in der owe niht wol
vernam UvEtzAlex
9058;
und waz man vridis worchte / [...] den brâchin sî ân
undirlâz / mit ungestuirem brache NvJer
21906;
wan man kan / dicke ir
[Nachtigall] semftem brache nicht entwîchen: / wan sie echt
alle ruowen, so lât sie dar strîchen SM:UvB
7: 1,6;
WhvÖst
6059
u.ö.
MWB 1 961,3; Bearbeiter: Plate
bræch
stN.
‘(Münz-)Gepräge’
dô man daz bræch sach an / an den pfenningen guot EnikWchr
25244.
25239
MWB 1 961,12; Bearbeiter: Plate
brâche
stF.
1
‘das Umbrechen des Bodens nach der Ernte’ , 2
‘umgebrochen liegendes, unbestelltes Feld’
3
‘Zustand des Brachliegens’ , in der Wendung in ~
ligen
1
‘das Umbrechen des Bodens nach der Ernte’,
übertr.:
und han ich vreude unbehende / gehat von mynem schatze groz, / des mir vur
ander vil zu vloz, / so kume mit syner brache / uber mich her Gotes rache!
Hiob
11811
2
‘umgebrochen liegendes, unbestelltes Feld’
mit spern hurticlichen bedechet wart heid, anger, wis und brache JTit
3940,4;
wie si vuͦren uf stupfel und uf brachen ebd.
870,2;
so ez [Vieh] gnvͤc gizzet vf den maten, so
sol erz vz triben an die brache UrkCorp (WMU)
N815,8;
WeistGr
1,33;
der sne was groz, der luft was kalt / di brache warnt ubirfrorn
HeinzelRitt
57
3
‘Zustand des Brachliegens’, in der Wendung in ~
ligen:
sin buw im niht in brache lak, / er liez in niht verderben HeinzelJoh
58,1;
weitere mhd. Belege
DRW
2,440
und
UrkThurgau
5,275
(a. 1349)
MWB 1 961,15; Bearbeiter: Plate
bræche
stF.
1
‘Flüssigkeit, Geläufigkeit’ (des Sprechens) 2
‘Unterbrechung, Abbruch’
1
‘Flüssigkeit, Geläufigkeit’ (des Sprechens):
die zunge was im [Paulus] vollen balt / an
ordenlicher breche. / hievon ouch sin gespreche / lustsam muste in allen sin
Pass III
547,25;
siner zungen gelit / nach ordenlicher breche / was im gar ungespreche ebd.
119,35
2
‘Unterbrechung, Abbruch’
woͤlt ir der werden kuͤngin / behalten lib und guͦt
[...] / der haiden craft versnidet! / alrerst hat daz
[sc. gemach
] du [l.
nu?] bræche WhvÖst
16165
MWB 1 961,32; Bearbeiter: Plate
brachen
swV.
‘brach machen, lärmen’
brasteln vnd krachen [Hs. brachen
] / horte
er vil vor yme da Krone
27401
und soldin machin / ein schrîen und ein brachin NvJer
8394
MWB 1 961,42; Bearbeiter: Plate
brâchen
swV.
1
‘(eine Brache) umpflügen’
2
‘brach liegen’ , übertr. (?)
1
‘(eine Brache) umpflügen’
vnd schullen in iegleich arbait ze prochen vnd ze zwibrochen
[zweites Pflügen] vnd zwe der sat helfen ie der man
mit seinem [...] phflueg UrkCorp (WMU)
67,45.
–
ûf etw. ~
‘für die Aussaat von etw. pflügen’, übertr.:
Blasius der gotes knecht / was ie zu allen tugenden recht / uf die er
gebrochet was Pass III
168,3
2
‘brach liegen’, übertr. (?):
ainer fraget mich der maͤr, / wem ain sach geleich waͤr / das
ain fraw prachen tuͦt [sich verweigert?] / an
ainem getrewen man so guͦt / der sie maint ungevaͤrleich Teichn
718,3
(vgl. WBÖ 3, 691-693 unter 1. [eigtl.] und 6. [übertr.]).
MWB 1 961,46; Bearbeiter: Plate
bræchen
swV.
‘eindrücken, prägen’
was ist ditze pilde, daz hier an [
phenninc
]
gemunzet unde geprachet ist? Konr(Sch)
173,3.
173,9;
die herlichen munze [der Seele] , da [in
die] er iuch nach im selbem hat geprachet unde geschafen ebd.
171,20;
o schepher der nature, / in überswenker list / gebrechet din
figure / nach unser münze ist [in der Inkarnation]
Mügeln
344,3.
–
herre, du salt sen / pruvelichen swes die pfat
[Fußspuren] / mugen sin, die vor dir stat
[Pl.] / gebrechet uf dem tenne [in
ausgestreuter Asche]
Daniel
7997
MWB 1 961,59; Bearbeiter: Plate
brâchhacke
F.
‘Zeit, wenn das Brachfeld gehackt wird’
und zu brochacke [
sol man geben
] ein weissen
brot an den acker, und einen sweigkese WeistGr
1,698
MWB 1 962,6; Bearbeiter: Plate
brâchkrût
stN.
(vgl. AWB 1,1310)
1
‘Odermennig’ (Marzell 1,144) 2
‘Kohl-Lauch’ (Marzell 1,201)
1
‘Odermennig’ (Marzell 1,144):
agrimonia: brachkraut VocBV285
3:548,29
2
‘Kohl-Lauch’ (Marzell 1,201):
emicedo: brachrud SummHeinr
1:194,289
MWB 1 962,10; Bearbeiter: Plate
brâchlouch
stM.
‘Kohllauch, Gemüselauch’
emicedo: brachloͮch SummHeinr
1:194,289.
– weitere Glossenbelege aus mhd. Zeit s. AWB 1,1310
MWB 1 962,14; Bearbeiter: Plate
brâchmâne
swM.
‘Brachmonat, Juni’
unde heizet [...]junius, / daz ist der brachmane
Macc
10006;
in dem prâchmônn, der ze næhst nâch dem maien ist, allermaist pei
den sumerleichen sünwenden BdN
88,14
MWB 1 962,17; Bearbeiter: Plate
brâchmânôt
stM.
auch -mânde, st. und sw.
‘Brachmonat, Juni’
iunius: brachmanot SummHeinr
1:104,1121;
iunius: bracmanoth ebd.
2:70,53;
des eirsten dagis des bramayndes UrkCorp (WMU)
1758,37;
die [...] wallevart / bi ziden an gevangen wart / da der
brachmant [Laa. brachmand, brachmanot
] ende hat, /
die sunne ouch an ir hohe gat Elis
4355;
dô der brâchmânde gelac / ûf des mândin drittin tac [3.
Juni]
NvJer
5847;
dô man las / brâchmândin vîrde nônas, / daz ist, sô wir begên alhî / Marcellînî
und Petrî [2. Juni]
ebd.
984;
der meistir [...] in des brâchmândis lûne / nam nâch im
die kêre / mit einem cleinin here / [...] an sente Nicomêdis
tac [1. Juni]
ebd.
20965
MWB 1 962,22; Bearbeiter: Plate
brâchôt
stM.
auch -ât; nur alem.
‘Brachmonat, Juni’
in dem manod, dem man nemmet brachod UrkCorp (WMU)
2440,32;
jn dem brachôt an sent Vîtez tag [15. Juni]
ebd.
1435/1,21;
jn brachade ebd.
1127,27;
ze brachode ebd.
1978,31;
iunius: brachot VocOpt
56.011;
als ainen krezohten [krätzigen] hunt / in dem brachat
floͤh avne [der im Juni ohne Flöhe ist]
LügenrM
130
MWB 1 962,36; Bearbeiter: Plate
brâchvogel
stM.
eine Drosselart (vgl. Suolahti, Vogelnamen, S. 59):
turdus: brachvogel SummHeinr
1:165,744.
2:66,264;
so daz fiuer abe ge, so gip im hunre zezzen vnde rephuner vnde
brachuogel SalArz
68,20.
17,42;
dâ funden si [...] ûf dem velde gân / rephüener,
brâchvögel âne zal / [...] und ander vogel vil EnikWchr
9201.
– weitere Belege aus mhd. Zeit s. AWB 1, 1307f.
MWB 1 962,44; Bearbeiter: Plate
brâchvogellîn
stN.
eine Drosselart (Suolahti, Vogelnamen, S. 59):
turdus: bratfoͤgelli VocOpt
44.211
(wohl Verschreibung aus brac-).
MWB 1 962,52; Bearbeiter: Plate
brâchwurz
stF.
eine Wolfsmilch-Art (vgl. AWB 1,1313; Marzell 2,378f.):
eusole: brachwrz SummHeinr
1:193,288.
2:52,339
MWB 1 962,55; Bearbeiter: Plate
1bracke
swM.
‘Spürhund’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 34a-37b mit umfangreicher
Belegsammlung):
dô fûrde frouwe Dîdô / einen bracken vil gereht, / den enliez si deheinen kneht /
gestreichen noch gerûren En
1767;
dô nam ein alter jegere einen guoten spürhunt. / er brâhte den
herren in einer kurzen stunt / dâ si vil tiere funden [...]
swaz ir der bracke ersprancte, die sluoc mit sîner hant / Sîfrit NibB
934,1;
er het wol hundert winde, / ân ander huntgesinde, / bracken sûse
und leithunt UvZLanz
1547;
ouch muose erz [Wild] selbe vâhen, /
âne bracken ergâhen Iw
3276;
mir was dîn kunft versweiget, / als ein bracke ame
seile [du kamst so lautlos heran wie ein Spürhund, der am Leitseil
geht]
Wh
119,23;
ein naslôser bracke / wære wol ze verte komen dâ ebd.
240,10;
tugende spürt er sam daz wilt / ein nasewîser bracke
KvWLd
32,251;
swer sô durch den banvorst rîtet, sîn boge und sîn armbrust sal ungespannen sîn
[...], sîne winde unde sîne bracken ûf gevangen, und sîne
hunde gekoppelt SSp(W)
2:61,3
MWB 1 962,58; Bearbeiter: Plate
2bracke
swM.
‘Wange’ oder ‘oberer Backenknochen’? (vgl. AWB
1,1313):
male: braccon VocBV604
3:432,34
MWB 1 963,15; Bearbeiter: Plate
brackenseil
stN.
‘lange Leine für einen Spürhund (auf der Fährte)’ (vgl. Dalby,
Mediaeval Hunt, 197a); mit Ausnahme von Parz
294,4 beziehen sich alle Belege auf das
~
in Wolframs
Geschichte von Sigune und Schionatulander. –
nemt iuch [Parzival] selben an ein brackenseil / unt
lât iuch für in [Artus] ziehen Parz
294,4;
ein bracken seil gap im [
Schîânatulander
]
den pîn ebd.
141,16;
daz bracken seil was rehte im ein urhap fröuden flustbærer zîte Tit
138,4.
JTit
1475,4
u.ö.;
Minneb
4156;
Ottok
39207
MWB 1 963,18; Bearbeiter: Plate
bradem
stM. ?
ein Edelstein, der Prasius? (vgl. Engelen, Edelsteine, S. 287, Anm. 8 und →
prasem
stM.):
gespinnel [Säulen] uzer brademe dar in
[
venster
] gedret JTit
427,2
MWB 1 963,29; Bearbeiter: Plate
brâdem
stM.
‘Brodem: Ausdünstung, Hauch, Dampf, Qualm’
swaz edelen smac von arte birt / oder arômâtes namen ie gewan /
[...] der daz allez in ein gadem / zesamen stieze, der
bradem / gelîchet disem gesmacke [Wohlgeruch des
Paradieses] niht KvHeimUrst
1956;
[sie ist] mit balsam so genetzet, / daz sie gyt engelischen
bradem. / dez paradises adem / mit suße sie hat behucht, / die erst uz irem balg krucht
/ und tauwig ist vor feuchtes trore Minneb
1971;
der bradem, der in der erden gruft beslossen ist
Mügeln
33,1;
min wip den minen adem / schuwete [scheute] und ouch den
bradem / der mir uz minen syten brach Hiob
7682;
sin [des Aussätzigen] fuler bradem, /
der von im brademt alle stunt Mügeln
266,11.
–
di wisseblumen gesoten mit wasser furdert di wiep an ir
suche, [...] ob man si mit dem bradme underrouchet
Macer
39,5.
–
eyn iczlicher hatte eyn rouchvas in sinir hant, und der brodim des nebils von
dem wyrouch irhub sich Cranc
Ez 8,11;
rouchis bradem ebd.
Joel 2,30.
–
besnide biern schone vnd spalt in viere vnd lege sie in einen
hafen vnd bedecke den hafen vnd becleibe ez mit teyge, daz der bradem iht vz
muͤge BvgSp
12
u.ö.;
OvBaierl
157,8;
daz kumet von dem brâdeme oder von dem toume des wînes Eckh
2:568,4.
–
wintmuͤl von uzen verre mit balgen dar den selben bradem
[Luftstrom zur Bewegung eines Tierautomaten] gebten
JTit
437,4
MWB 1 963,33; Bearbeiter: Plate
brâdemen
swV.
‘Dunst ausströmen, dampfen’
vaporo: i [= ih
] doͮmon vel brademo
SummHeinr
2:544,377.106;
als der ein vezzelîn næme mit wazzer und daz tæte über ein grôz vaz mit wîne und
nâhe dar ane, ez gibet im wînes kraft und wînes natûre und wînes varwe.
[...] daz kumet von dem brâdeme oder von dem toume
[La. von brâdender draht ‘vom dampfenden
Dunst’] des wînes Eckh
2:568,4;
sin [eines Aussätzigen] fuler bradem, /
der von im brademt alle stunt Mügeln
266,12
MWB 1 963,62; Bearbeiter: Plate
brædemichîn
stN.
kleiner brâdem, ‘Hauch, Dunst’
so ist da [in der Seele] ein fuchtikeit, ein
bredemichen, ez heizit in deme latine ein geist, und treit daz bekant ist in der
betrachtunge in alle di gelide des lichamen Parad
97,29.
– Vgl. Seppänen, Parad., S. 207 und 225f.
MWB 1 964,8; Bearbeiter: Plate
brâ|hâr
stN
‘Brauen- oder Wimperhaar’, Bezeichnung für etw. Geringes:
got hat an ir [Maria Magdalena] vergessen niht / so túr
als um ain brahar. / si was gestalt nach wunsch gar / vom fuͦs untz an die
schaitel SHort
7111
MWB 1 964,14; Bearbeiter: Plate |