Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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b – bachhelling
bächîn – backwërc
bacolôn – badestubære
badestube – balde
baldecheit – balmunden
balmunt – balsamtrôn
balsamtropfe – ban, bane
1ban – banekîe
banël – bänkelîn
banken – bantac
bant|âder – banzins
banzûn – bârbrët
1barc – bârkleit
barkorn – barmhërzeclîche
barmhërzege – barten
bartenære – base
Baseler, Basler – bate
bate, pate – bearbeiten
bearren – bechersamenære
becherweide – beckenknëht
beckenkol – bedancheit
bedarf (?) – bedingen
bedirmen – bedrangen, bedrengen
bedrât – begâben
begâbunge – begelimpfen
begenagen – begin
begîne – beglîmen
beglîmunge – begrîflich
begrîflîcheit – behaft
behaftec – behaltunge
behandeln – beheimsuochen
beheiʒen – behern
behêrren – behoven
behten – behuoflich
behuoren – beie
beie – beinîn
beinîsen – beiʒe
1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit
bekantnisse, bekentnisse – bekerzen
bekicken – beklipfen
beklocken (?) – bekorunge
bekorungnisse – beküelen
bekumberhaft – belæren
belasten – belîbelich
belîben – belônære
belônen – bemaln
bemangen – bemurmeln
bemüseln – benedîunge
benediz – bennen
bennige – bequâme
bequæme – bërc|êrîn
bërcgar – bërcphenninc
bërcrëht – beredenunge
beredet – 1berennen
2berennen – bërhtnaht
berhtram – berillîn
berîmeln – bërlich
bërlîn – bernisch
bërnklâ – bêrswîn
bertenære – beruofære
beruofen – besamentlîchen
besamenunge – beschatzære
beschatzen – beschemen
beschemenisse – beschînen
beschirm – beschouwunge
beschremen – besebelicheit
beseben – besetzunge
besëʒ – besîtes
besitzære – beslîʒen
besloʒ – besnöuwen
besnüeren – besprëchære
besprëchen – beste
bestëchen – bestiure
bestiuren – bestürzen
bestutten – besuochnisse
besuochunge – bët
betagen – bëtelære
bëtelærinne – bëtemësse
betemmen – bëtewîn
bëtewîp – betrahtegen
betrahten – betrogenlich
betrônen – betrûren
betrûrigen – bettemunt
betten – betûchen
betüemen – betwungenheit
betwungenlich – bevellicheit
bevern – bevliehen
bevlieʒen – bevür
bevürhten – bewærnüsse
bewarsam – bewëlgen
bewëllen – bewindeln
bewinden – bezâfen
bezaln – beziln
bezimbern – beʒʒer
beʒʒerære – bî bestân
bîbilde – bíderben, bedérben
biderbenen, bederbenen – bîenkar
bîenswarm – bieʒenblat
bieʒenkrût – bîhtât
bîht(e) – bilchmûs
bildære – bildoht
bildunge – bilsensaf
bilsensâme – bineʒ
binide – birden
bir(e) – birnwîn
birsære – bischolf
bî schrîben – bî slâfen
bî|slëht – bît
bitære – bittern
bitternis – biurlîn
biuschen – bîvilde
bîvilden – bîzeichenen
bî zëmen – blahsen
1blæjen – blâsehorn
blæselîn – blatengîr
blatenrinc – blëchhantschuoch
blëchrinc – bleichvëlt
blende – blîche
blîchen – blîkloz
blîkolbe – bliuclich
bliuge – blôdern
blotschen – blüemunge
blüetebërnde – bluomental
bluomenvar – bluotgieʒen
bluotgieʒende – bluotstürzunge
bluotsûgende – bobenthalben
boc – bogelîn
bogen – 2bolle
bollen – 3bor
bor-, enbor- – (borliep,) enborliep
bormære – bortengewant
bortiure – bote
botech – bou
bouc – boummate
boum|öle – bôʒwurz
brâ – brâ|hâr
bræhen – brantlich
brantreite – brâwelîn
bræwen – brëhenen
brëhentac – brenken
brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche
brëtsnîdære – brieschen
brievære – brionie
brîsære – briulêhen
briumeister – briuwe
briuwe – brohsen
bronie – brôthalle
brôtheit – bruch
bruch – bruckenambet
bruckenære, bruggenære – brüeterîn
brügel – brünnære
brunne – brünselbërc
brünseln – bruoderhûs
bruoderkint – brust
brust – brûtdëgen
brûtdrüʒʒel – brûtsanc
brûtschaft – buckel
buckelære – büellîn
büeʒære – buhsboum
bühse – bûlslac
bulzen – buoben
buobengâbe – buochisch
buochkamere – buoliân
buollîn – buppe
bur – burcgrâvenambet
burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen
burcmeisterschaft – burcstal
burcstat – bürde
bürdelîn – burgergemeine
bûr|gerihte – Burgunder
Burgunjoys – bursenære
bursît – büschelîn
buschoff – bütelin
bûtelîn – bûvëlt
bûvisch – buʒʒel

   blœdecheit - blüemekîn    


blœdecheit stF. 1 ‘Schwäche, Schwachheit’
2 ‘Trägheit’
3 ‘Zaghaftigkeit, Feigheit, Schüchternheit’
   1 ‘Schwäche, Schwachheit’ wan dv́ mensliche bloͤdekeit mag niht lange die goͤtliche svͤzze vnde daz vnbegriffen lieht erliden DvAStaff 419; DvAPatern 301; die von dez libes plodikait / in laster, sund, boshait / kurtz oder lang sint gelegen SHort 8763; daz si die wâren gotes minne / an in sterct und mêrte, / sô daz si niht verkêrte / wîplichiu blœdikeit / in deheine zageheit, / diu si möht berouben / kristenliches gelouben Ottok 52251; [sie] fundent das geboren kint / aͮn allú zaichen dú an kinden sint / von naturlicher bloͤdekait / und grosser kranker snoͤdekait WernhMl 2649    2 ‘Trägheit’ man sol sich vor blœdekeit / behüeten und vor trâkeit, / daz man nien tuo min dan man sol, / swer nâch reht wil rihten wol WälGa 12571.    3 ‘Zaghaftigkeit, Feigheit, Schüchternheit’ zwischen zwein untugenden ist / ein tugent zaller vrist. / diumuot ist [...] / zwischen hôhverte und blœdekeit; / [...] swer über mâz diumüetec ist, / sîn diumuot wirt zuo der vrist / untugent unde blœdekeit WälGa 9996; vorhte unde blœdekeit 12586. 12595; das die aposteln kamen in also grosse kuͦnheit nach also grosser bloͤdekeit, do si enpfiengen den heligen geist Mechth 5: 12,10; do waz din manhaitt worden schwach: / daz du dich ainer mütter barn / last an wirde machen arn, / daz ist an dir ain blödekaitt GTroj 5337; vort sich Job unschuldic seyt / der zagheyt und der blodekeyt Hiob 11888; doch ir lieb gein im under brust / was sô starc, daz sie enpfâhens het gelust, / wan daz diu scham mit bloedikeit sie vâhen / kunde Loheng 3036

MWB 1 888,43; Bearbeiter: Tao

blœdeclich, blœdeclîchen Adv. ‘zaghaft, furchtsam, schüchtern’ und Galahot begund zu gedencken das er villicht durch synen willen als blöteclich gebere und das er licht vor im nit wolt sagen was im war Lanc 290,34; das er fast blödiclich geyn den frauwen wert sah ebd. 294,7. 317,13; wie stêt daz ritterschefte, / dâ man sus blœdeclîche tuo KvWTroj 23475; si entet niht sam die vrechen, / blœdiclîch [vgl. bluͤklich Frauentreue(L) 217 ] si daz sprach Frauentreue 213; vorcht uch nicht vor dem konige von Babylonien, vor dem ir uch so blodeclichen schuit Cranc Jer 42,11; ein teil si blœdeclîchen [besorgt (vgl. La. bluglichen ] sprach KvFuss 2796

MWB 1 889,11; Bearbeiter: Tao

blœdelich, blœdelîchen Adv. 1 ‘zaghaft, schüchtern, verlegen’
2 ‘langsam’
   1 ‘zaghaft, schüchtern, verlegen’ swíe lieb sie den man habe, / die scame wisít sie dar abe, / daz [so dass] síez blodílíchín tvͦ Athis D 35; diu stuont blœdelich, / dô der von Ôsterrîch / her gegen ir gie Ottok 90269; HvFritzlHl 211,25    2 ‘langsam’ wan her ein alt man was unde ungesprêche, sô sprach her blôdelîchen und gemechlîchen HvFritzlHl 70,12

MWB 1 889,25; Bearbeiter: Tao

blœden swV. ‘sich fürchten’ der pfaffe begund blöden / von jämerlichem grimen dol HvPforzen 324h App.

MWB 1 889,33; Bearbeiter: Tao

blôdern swV. ‘rauschen’ diu drozze wart ze enge, / daz sich von dem wâcgedrenge / diu güsse begunde werren, / blôdern unde kerren / als ein windesprût ûf dem mere Weinschwelg 140; dô huob er ûf unde tranc: / einen trunc, der begunde plôdern, / als daz wazzer ûf den flôdern / ûf alten kumpfmüln tuot ebd. 229

MWB 1 889,36; Bearbeiter: Tao

blotschen swV. ‘platschen’ (vom Wasser), nur subst. Inf.: daz wasser ob den wolken rant, / daz ez ergallmt und erdos. / ez bracht und tet manigen stos / uber der stein rotschen. / gar grulich waz sin blotschen, / daz ez an steinen tet wider Minneb 34

MWB 1 889,43; Bearbeiter: Tao

blouwen stV. bliuwen

MWB 1 889,48;

blôʒ Adj., Adv. (selten). mit verstärkendem al Parz 801,17; RvEBarl 5127. 1 Adj. ohne Gen.-/Präp.-Erg.
1.1 bezogen auf Menschen, Tiere und Pflanzen
1.1.1 ‘unbedeckt, entblößt, nackt’
1.1.2 ‘ungepanzert, unbewaffnet, ungeschützt’ (Ggs. gewâfent )
1.1.3 ‘ohne Haare, ohne Federn, kahl’
1.1.4 Weiteres
1.2 bezogen auf unbelebte Dinge (Waffen, Sattel, Feld, Berg, Gefäß, Münzen usw.)
1.2.1 (Waffen:) ‘blank, gezückt’
1.2.2 (Schildriemen der zerhauenen Schilde:) ‘unbedeckt’
1.2.3 (Sattel:) ‘ohne Reiter’
1.2.4 (Wiese, Feld, Berg:) ‘kahl, leer’
1.2.5 (Hofstätte, Burg, Land:) ‘unbebaut, leer’
1.2.6 Weiteres
1.3 übertr.
1.3.1 ‘unverhüllt, rein von Kreaturhaftem, lauter’ , in mystischen Texten
1.3.2 ‘unverhohlen, deutlich, offen, offenbar’ (v.a. in Verbindung mit Verben sîn, sagen/sprechen, machen ; teilweise als Adv. auffassbar)
1.3.3 ‘schlicht, einfach’
1.3.4 ‘einfältig, schwach’
2 Adj. mit Gen.- oder Präp.-Erg.: ‘ohne etwas; entblößt von etw., frei von etw., einer Sache beraubt’ (vgl. 1 ), oft präd. in Verbindung mit den Verben sîn, werden, stân, vinden
2.1 mit Gen.-Erg.
2.2 mit Präp.-Erg.
3 Adj., Adv. ‘bloß, nichts anderes als, nur, allein’
   1 Adj. ohne Gen.-/Präp.-Erg.    1.1 bezogen auf Menschen, Tiere und Pflanzen    1.1.1 ‘unbedeckt, entblößt, nackt’ des gestuont dâ vil der degene von milte blôz âne kleit NibB 1370,4; swâ ir der lîp blôzer schein Iw 1331; Kam vant sîn vater blôzen KLD:Kzl 1: 1,9; KvWHvK 582; RvEBarl 5127; dô machten si den herren blôz [beraubten ihn der Kleidung] EnikWchr A I,93; dô truoc der reine gotes trût / ze lîche an sîner blôzen hût / ein hertez tuoch, hærîn / halp und halbez wüllîn RvEBarl 6474. 14954; SM:Ta 3:1,6; her Brvn [der seine Ohren und den Hut verloren hatte] qvam ze hove bloz ReinFu K,1607. K,1598; daz die vrouwen daz houbet bedecket hânt und die mannesnamen blôz nâch sant Paulus lêre [vgl. I Cor 11,4] Eckh 5: 114,2; als er endahte mich, / sô wolt er sunder wât / mîn arme schouwen blôz MF:Mor 30: 4,6; (vor jmdm.) ûf sîne blôzen knie vallen RvEBarl 14773; MarLegPass 21,102. blôze hant: swer in [Stein] hât in blôzer hant, / den mac niemen, al die vrist / unz er in blôzer hant ist, / gesehen noch gevinden Iw 1204; ir sült die kel ouch jucken niht, / so ir ezzt, mit blozer hant TannhHofz 110. 80; BdN 301,10. – in Vergleichen: ~ sam ein hant u.ä.: er [...] zarte abe sîn gewant, / daz er wart blôz sam ein hant Iw 3236; Er 5401. 651. mit blôzen handen ‘mit bloßen Händen, ohne Waffen in den Händen’ StrKD 9,16; RvEWchr 20564    1.1.2 ‘ungepanzert, unbewaffnet, ungeschützt’ (Ggs. gewâfent): der [...] wolde Alexander geben ainen slach, / dâ er im den hals plôz gesach VAlex 1284; mir ist als mære, da si gewâfent sîn, / als ob si blôze stüenden NibC 458,2. 1944,1; NibB 2249,1; Herb 13594; sî wâren gewâfent sêre / sô daz an in niht mêre / blôzes wan daz houbet schein Iw 6681; her Gwîgâlois hie blôzer stêt; / niht mê er ze schirme hêt / niwan sîn barez îsengwant Wig 6987; die gewâpenden und die blôzen Wh 417,6; sunder harnasch blôz ebd. 324,23. 408,5; HvNstAp 8623. diu blôze sîte ‘die nicht durch den Schild gedeckte Seite’ swâ man se wolt an rîten, / daz was zer blôzen sîten Parz 257,22; sus was der wol gelobte man / gerant zer blôzen sîten an / mit rede [mit Worten] ebd. 299,14. 674,6. – im Vergleich: Êrec was blôz als ein wîp Er 103    1.1.3 ‘ohne Haare, ohne Federn, kahl’ merretich mit honege gestossen unde an daz houbt gestrichen, daz schurfhalp bloz ist, machet har Macer 90,3; Barth 143,36; diu nase als einem ohsen grôz, / kurz, wît, niender blôz Iw 448; sô der habich sein alt federn wirft, sô strekt er sein plôz flügel gegen suden BdN 170,1. 223,28    1.1.4 Weiteres: – ‘ohne Laub’ der [Baum] wart blôz / und loubes alsô lære / als er verbrennet wære Iw 660; manic hundert zwîer wâren blôz / und daz sîn [Josephs Stab] was geloubet KvHeimUrst 460. – ‘ohne Hülle, frei, offen’ im was sin houbet so gar zv slagen, / daz im daz blozze hirn bein / in der wunden vz schein Herb 12503; wenne dû mit dem vinger rüerst den wunden menschen auf sein plôz hirn BdN 6,33; dar nâch schol man in die rinden abziehen und schol die plôzen kern in ain wazzer legen und schol si gar wol sieden ebd. 339,21. – ‘ohne Besitz, mittellos’ stichet ab in der wirt nider, / sô muoz er danne blôzer wider / scheiden gar ân sîne habe Wig 1952; nimbt [...] ain witib ainen man und pringt in des gewalt nichts [...] und chumbt also plosse [ohne Mitgift] in sein gewalt StRWien 30; Ottok 876; RvEBarl 704    1.2 bezogen auf unbelebte Dinge (Waffen, Sattel, Feld, Berg, Gefäß, Münzen usw.)    1.2.1 (Waffen:) ‘blank, gezückt’ ein vil starkez wâfen daz truog er blôz an sîner hant NibB 1951,4; ähnl. SSpAug 175,18; wir heizen gewâfente hant blôziu swert in der hant oder [...] ander gewâfen SpdtL 191,22; KvWLd 24,27; ein swert [...], / blôz âne scheide Volmar 953; ein sper scharph unde blôz KvWLd 1,108; BdN 275,16    1.2.2 (Schildriemen der zerhauenen Schilde:) ‘unbedeckt’ ir schiltriemen sint nacket blôz / und unverdecket von den breten Wh 242,18    1.2.3 (Sattel:) ‘ohne Reiter’ man sach dâ vor ir handen vil manegen satel blôz NibB 233,1    1.2.4 (Wiese, Feld, Berg:) ‘kahl, leer’ dâ man bluomen sach ûf dringen, da ist ez blôz: nu schouwet wie diu heide lît KLD:GvN 5: 1,4; da daz felt was bloz, / e ez wurde mitten tag, / daz velt von toten vol lag Herb 7570. 12881; daz blôze gevilde Greg 2763; ainen perg, der was ploß HvNstAp 10296    1.2.5 (Hofstätte, Burg, Land:) ‘unbebaut, leer’ wenne der hvͦber bvwen wil sinen blossen hvͦp hof, so sol man ime gen fvnf holzer UrkCorp (WMU) N816,22; ez en wær danne daz divͤ hevser ab brunnen vnd daz die hofstete bloz wurden ebd. 1399,41. – (eine Burg) ~ (ver)brennen ‘niederbrennen’ LivlChr 6873. 11600. 11413; NvJer 1587. – etw. ~ machen ‘ausplündern, -rauben’ daz man darumbe machte blôz / des von Wirzpurg eigen, / ûf huoben und ûf sweigen / sîn guot man im nam Ottok 33443    1.2.6 Weiteres – (Zelt, Tisch:) ‘offen, unbedeckt’ gegen der sunnen stuont ez [ gezelt ] blôz Wig 10851; er sal vasten [...] unde sal sunderlîche in einer cameren ûf eime thislachene ezzen, âne die tage, sô ime ze wazzere unde zu brôte gevellet ze vastene, sô sal er ûf einer blôzen tavelen ezzen StatDtOrd 88,22. – (Gefäß:) ‘ohne Inhalt, leer’ daz vaz muoz blôz und îtel werden Eckh 5: 28,5; (übertr.:) allez, daz nemen sol und enpfenclich sîn, daz sol und muoz blôz sîn ebd. 5: 28,9. – (Münzen:) ‘rein, pur, unvermischt’ (s. a. DRW 2,374): SchweizId 5,156; daz an ekchern oder an gerihten leit, daz blozze phenninge genant sint, sol er abslahen [aufrechnen (s. Regest)] fver sehs phvnt UrkCorp (WMU) 1472,6    1.3 übertr.    1.3.1 ‘unverhüllt, rein von Kreaturhaftem, lauter’, in mystischen Texten: blôze und lûter güete Eckh 5: 10,4; dem reht wære [mit wem es recht stünde] , in der wârheit, dem liuhtet got als blôz in dem werltlîchen als in dem aller götlîchesten, dem got alsô wære worden ebd. 5: 210,15 so bút die hant us diner begerunge alleine zuͦ dem úberweselichen blossen luterme wesende das got alleine weselichen ist Tauler 152,8. 426,10; von der blossen gotheit Seuse 178,6. 186,2    1.3.2 ‘unverhohlen, deutlich, offen, offenbar’ (v.a. in Verbindung mit Verben sîn, sagen/sprechen, machen; teilweise als Adv. auffassbar): nû wizzit blôz, / sulch gelt sult ir mir gebin, / odir ich wil ûwir lebin / âne vrist vorschrôtin NvJer 10352; Ottok 23223; si widersagten in daz blôz ebd. 38580; daz wunder, daz ist bloz Frl 6:2,2; unde gotes rat [...] unde dem alle ding sin bloz Hiob 4707. – (jmdm.) etw. ~ sagen/sprechen: Ottok 7667 u.ö.; Hiob 8725. 2009. – formelhaft daz ist (offenbar und) bloz: Hiob 3427. 2592. 11681; HistAE 269. 426. – jmdm. etw. (mit rede) ~ machen ‘jmdm. etw. eröffnen, mitteilen’ ê ich mit rede machte blôz / manic tât und geschiht Ottok 984; bescheiden und ~ machen ebd. 46797; doch was dî sache stille, / durch dî er sich der ê intslôz [auf die Ehe verzichtete] , / dî er ouch darnâch machte blôz / etslîchin sînen tougin NvJer 9494    1.3.3 ‘schlicht, einfach’ die rede ist ernestlîch gevar, / des rede ich ernestlîchen dar / mit blôzen worten unde bar [im Ggs. zu geblûmet rede (V. 89) ] Erlös 103    1.3.4 ‘einfältig, schwach’ gotes wunder sint sô grôz, / des menschen sin ist gein in blôz Freid 9,4 (zit. im Renner 18864 ).    2 Adj. mit Gen.- oder Präp.-Erg.: ‘ohne etwas; entblößt von etw., frei von etw., einer Sache beraubt’ (vgl. 1), oft präd. in Verbindung mit den Verben sîn, werden, stân, vinden    2.1 mit Gen.-Erg.: er lief nacket unde blôz / aller hande kleider, / niwan dirre beider: / zweir schuohe und einer niderwât Wig 9806; ich hêt ungerne ‘decke blôz!’ / gerüefet, dô ich si nacket sach Walth 54,21; KLD:UvL 41:5,4. 29:5,9; er [Wald] muoze ze jungeste siner tolden werden bloz Wahrh 66; valwet nu heide, / stênt ouwen bluomen blôz SM:Ro 1: 1,2; krûtes wart diu erde blôz UvZLanz 2574; vnd wrdin die vorgenanden hofstette bar vnd bloz der hvͥser UrkCorp (WMU) 753,26; Schoyûse [Schwertname] wart der scheiden blôz / und manlîch gezucket Wh 77,14; sus lac er sinne und guotes blôz Wig 5429; her Salomon wart bloß / von minne witze Mügeln 220,1; alles liebes blôz SM:Te 1: 2,6; freuden blôz SM:KvT 2: 1,4; SM:Had 17:1,2; MF:Mor 7:5,9; vreude und helfe blôz Wh 51,10; ir trôstes [...] blôz KLD:UvL 15: 2,3; der vorhte blôz und eine KvWTroj 802; alles valsches blôz Wig 1561; svnden bloz TannhBu 44; der [...] tugende blôze KvWLd 25,76; dar umbe, wiltû ganze vröude und trôst haben und vinden in gote, sô sich, daz dû blôz sîst aller crêatûren, alles trôstes von den crêatûren Eckh 5: 29,15. 5:298,1. 5:42,22    2.2 mit Präp.-Erg.: aber ich wæn, daz si [Lunge] truckner sei und plœzer von pluot wan diu leber, dar umb, daz si den luft in sich gevazzen müg BdN 30,16; von silber was si [ schîbe ] niender blôz KvWTurn 462; an êren blôz KvWLd 25,37; sîn sældehafter lîp / ist blôz vor âküste UvZLanz 1335; stêt dîn tugent vor wanke blôz, / dû solt an mir niht wenken Wh 456,6    3 Adj., Adv. ‘bloß, nichts anderes als, nur, allein’ – Adj.: mein claid was ain plosser rock HvNstAp 8633; dar uber warf der reine man / einen blozen surkot Elis 3209; sol ich sô verderben / und alsô gar ersterben, / daz von mir niht werde / wan ein blôziu erde? RvEBarl 1338; ein holz, ein stein, ein erde blôz / ist er [Götze] ; er wuohs in wilde, / ê daz in zeinem bilde / gemachet eines menschen hant ebd. 12812; im [Käfer im Rosenhaus] enwart nih wan der bloze dorn StrKD 29,47; er enhâte doch niht mêr gelâzen dan ein blôz netze und sîn schiffelîn Eckh 5: 195,2. 5:17,6; ich sanc hie vor den frowen umbe ir blôzen gruoz Walth 49,12; sô vil sô ich gesanc nie man, / der anders niht enhete wan den blôzen wân MF:Reinm 8: 1,2; sich blôzen nuz behaben ‘sich nur die Nutzung vorbehalten’ UrkCorp (WMU) 727,33. – Adv.: [ der wîse mensche ] ensiht weder uf dis weder uf das, danne blos uf got on allen zuͦval Tauler 108,1; des selben solt du ledig sin und enkein sehen haben uf nút denne blos in den willen gotz ebd. 152,28

MWB 1 889,49; Bearbeiter: Tao

blôʒe stN. (?) ‘freier Platz’ (?): ez trâten die genôze / alle ze einem klôze [Hs. blosse ] / und drungen mit kreftiger kêr / durch die vînde gein dem mer ErnstD 3122

MWB 1 892,60; Bearbeiter: Tao

blœʒe stF. 1 ‘ offene Stelle, freier Platz’
2 ‘unbedeckter, ungeschützter Teil des Körpers’
   1 ‘ offene Stelle, freier Platz’ als der homutige man / an die bloze quam hervor PassI/II 159,35; dhein blosz man vermeit, / die man kund erdencken, / da man jne wande wencken Krone 25522. – Waldlichtung: diu selbe stimme wîst in / durch michel waltgevelle hin / dâ er an einer blœze ersach / wâ ein grimmer kampf geschach Iw 3837. – vom Wasser freie Fläche, Festland: die filosophi ahtent den manen alse breit alse die blóze dirre welte vnz an daz mer, vnde daz sintgewege bedecket hat Lucid 49,3    2 ‘unbedeckter, ungeschützter Teil des Körpers’ Rebecca nam das kitzi vel: / swa Jacobe ir sune dú kel / oder die hende waren bar, / die bloͤze dahte si vil gar / und liez ez niender schinin bloz RvEWchr 5723; WernhMl 5778; des mundes wil ich hie gedagen / und von der andern blœze sagen / des minniclîchen wîbes HeidinII 1220; swa in daz swert erlangen / an der bloͤzze moht / und im ze sniden toht, / daz rert er in dem bluͦt WhvÖst 12083. – ‘glattes, bartloses Kinn’ morphea ist ein siehtuom, dâ von chumet vil dike daz dem manne diu barthâr ûz vallent. wil dû des helfen, sô rîb zem êrsten die blœze, daz si nâhen beginne bluoten Barth 147,25; die [Bartträger] dannoch gebaren, / alsam ir blöze sin noch blanc, daz zimt nicht guten sinnen Frl 5:27,6; KLD:LvS 8:2,8. – ‘Nacktheit, Mangel an Kleidung bei Bedürftigen’ die hie vil eben / teilen mitte den armen / ir brot und sich irbarmen / lazen alle ire not, / die en armut, crankeit bot, / hunger, bloze, ellende Daniel 2497

MWB 1 893,1; Bearbeiter: Tao

blôʒeclîche(n) Adv. auch blœzencliche. 1 ‘unverhüllt, offen’
2 ‘frei (von Materiellem, Weltlichem), rein’
3 ‘bloß, ausschließlich’
   1 ‘unverhüllt, offen’ waz got an im wolde, / daz wisete er blozeclichen genug Pass III 354,5; da mit enschlief do sant Johan / uf Ihesus hercze zuͦ der stunt / und ward verzuket, und wart im kunt / gottes werdú toͮgenhait / [...] in sinen zwain naturen, / blosklich an allen figuren [(l. alle?) ohne jede Symbolik] WernhMl 8290    2 ‘frei (von Materiellem, Weltlichem), rein’ so man dich [Gott] ie bloͤsklicher von aller materi entwiset, so man dich ie minneklicher in luter froͤdenbernder wunne schowet Seuse 378,7; unz daz der nidersenkend lip wirt ab geleit und daz gelútert oge der sele vernúnftikeit in der ewigen sunnen rad blosklich wirt gesteket ebd. 387,11; wan aber dú sele von dez sweren libes krankheit dem lutern guͦt in entbiltlicher wise nit mag blosseklich alle zit an gehaften, so muͤsse si etwas biltlichs haben ebd. 391,2    3 ‘bloß, ausschließlich’ daz her Johannes [...] vnde juncfrowe Fine [...] hant verluhen ir ouenhus [...] vnd die houestat, do daz ouenhus vffe stat, als ez iezunt mit buͦwe begriffen ist bloͤzencliche [Bezug unklar] Johannese Vendenheime UrkCorp (WMU) 3514,42

MWB 1 893,32; Bearbeiter: Tao

blôʒen swV. 1 ‘bloß, nackt sein’
2 ‘arm sein, werden’
   1 ‘bloß, nackt sein’ ich schricke, so dir blozent [Hs. bloezent ] dine zehen; / die sint wol gestellet Tannh 11,26. – übertr.: der ungetouften liute schar, / der [deren] muot an eren blozet [(: genozet) dem Ehre fehlt, abgeht] KvWGS 1445    2 ‘arm sein, werden’ got der nympt nur daz er leicht. / ainer plosset, der ander reichet Teichn 263,32

MWB 1 893,56; Bearbeiter: Tao

blœʒen swV. 1 tr.
1.1 ‘jmdn./etw. entblößen’
1.2 ‘einen Zweig entrinden’
1.3 ‘etw. verwüsten, zerstören’
1.4 ‘etw. enthüllen, bekannt machen’
1.5 umschreibend für ‘töten, sterben lassen’
1.6 bildl. in myst. Texten: ‘jmdn. (die Seele) von Kreatürlichem, Weltlichem befreien’
2 refl.
2.1 ‘Laub abwerfen’
2.2 ‘sich zeigen, sichtbar werden’
2.3 ‘sich nicht schützen’
   1 tr.    1.1 ‘jmdn./etw. entblößen’ ir muose ein arm geblœzet sîn Parz 375,10; sich, wie er [Christus] vor dir ûfgezogen, / geblœzet unde nacket stêt, / sîn haubet unde lîp gebogen VilwerdeSele 102; hals und achssel gar geplozzet Teichn 547,47; tochtir Edom, [...] du wirst trunkin und geblosit Cranc Kl. Jer 4,21    1.2 ‘einen Zweig entrinden’ vnd kleyde das gebloste teyl mit eyner ryndin eynis vremdin boumis Pelzb 121,2; vnd stoz di gancze rinde an den geblostin czwik des boumis ebd. 121,18. 122,7    1.3 ‘etw. verwüsten, zerstören’ die vorburc si blozten Serv 1795; set, der herre wirt di erde blosen und zustoren [...] und ire woner zustrouwen Cranc Jes 24,1    1.4 ‘etw. enthüllen, bekannt machen’ diuͤ selb scham diuͤ geit im schmerczen, / wer sin altez uͤbel bloͤsset / und ims vnder augen stoͤzzet Teichn 499,25    1.5 umschreibend für ‘töten, sterben lassen’: manic hals wart dâ geblôzet / des houbtes, daz ê darûf was Ottok 7295; wann in got dez lebens bloͤsset Teichn 514,56    1.6 bildl. in myst. Texten: ‘jmdn. (die Seele) von Kreatürlichem, Weltlichem befreien’ ez ist zweierleie geburt der menschen: ein ín die werlt und ein ûz der werlt, daz ist: geistlîche in got. wilt dû wizzen, ob dîn kint geborn werde und ob ez geblœzet sî, daz ist, ob dû gotes sun sîst gemachet? Eckh 3:325,4; in der worheit, wilt du haben den schoͤppfer der creaturen, so muͦst du enberen der creaturen, wanne es enmag nút anders sin, also vil also din sele gebloͤsset ist und geteilet Tauler 425,32; Seuse 279,8    2 refl.    2.1 ‘Laub abwerfen’ jarlanc bloezet sich der walt, / und ouch diu heide / valwet von dem kalden sne Tannh 8,1    2.2 ‘sich zeigen, sichtbar werden’ nu blœzen selten sich ir zane / gein mir ûf minneclîchen gruoz KLD:WvMezze 7:5,9    2.3 ‘sich nicht schützen’ sie hatten dar ûf keinen wân, / daz iemant solde schiezen, / des wolden sie geniezen. / sie blôsten sich deste baz LivlChr 8699

MWB 1 894,1; Bearbeiter: Tao

blôʒheit stF. ‘Freisein, Reinheit (von Kreatürlichem)’, in myst. Texten: und als vor ist gesaget von îtelkeit oder blôzheit, daz, nâch dem als diu sêle durnehtiger, blœzer und ermer ist und minner hât der crêatûren und îteler ist aller dinge, diu niht got ensint, dar nâch nimet si got lûterlîcher Eckh 5: 32,8. 5:209,1 u.ö.; abgescheidenheit [...], [...] luterkeit, blosheit, unverbildete friheit und einikeit Tauler 55,25 u.ö.; Seuse 174,7 u.ö.; HvFritzlHl 150,16

MWB 1 894,40; Bearbeiter: Tao

blœʒlich Adj., Adv. 1 ‘nackt, unverhüllt, rein’ , bildl.
2 ‘offen, klar, deutlich’
3 ‘gänzlich, völlig, ohne Einschränkung’
4 ‘bloß, nur, allein’
   1 ‘nackt, unverhüllt, rein’, bildl.: wisheit und kunst der seligin lit daran daz si got bloizlich bekennen alse he ist, on allis mittil Parad 36,5; und daz uns geoffinbarit worde fon gode, daz solde wir fort gemenin den di ez nicht blozlich inphahin ebd. 66,15; o du edele sele, o edele creature, waz gest du uz dir suchen den der alzuͦmole und aller werlichest und bloͤslichest in dir ist [...]? Tauler 10,6; so man dich ie bloszlicher von aller materi enbloͤsset, so man dich ie minneclicher in lutrer froͤdenbernder wunne schowet Seuse 450,28    2 ‘offen, klar, deutlich’ in deme evangelio, / da sin lere sprichet also, / die man blozlich horet lesen Pass III 314,47; sit daz so blozlich ist beschriben ebd. 73,55; dar nach er bloslich in bat / daz er queme zu der stat / und sie mit gotes helfe an gote / brechte von des duvels spote Vät 31031; Eckh 5:60,12    3 ‘gänzlich, völlig, ohne Einschränkung’ das ich ze vil mins aigens willen bin, das ist wa ich mich selber bruch in aigenschaft rainer dinge, da ich gottes er [= êre ] nit bloͤslich inn main [„wofern ich mich verhalte wie etwas Selbständiges, ohne dabei lediglich Gottes Ehre im Auge zu haben“, Glossar z.St.] Lilie 77,4; unde da von so enist niht blöslich [ absolute ] zesprechen, daz Christus si ein „creaturen“ oder „minre denne der vatter“, sunder mit beterminierunge, daz ist „nach menschlicher nature.“ ThvASu 98,18. 112,18    4 ‘bloß, nur, allein’ der arm mit güetiger gedult / gerte [...] von dem künige nihtes mêr / dann eines phenninges blœzlich HvBer 6410; aber die heidenen die hettent enkeinen enhalt daruf sú buwetent, denne uf gottes gnode bloͤslichen in sine barmherzikeit Tauler 64,16

MWB 1 894,50; Bearbeiter: Tao

blûc, blûwec Adj., Adv. unsicher, ob blûc aus blûwec verkürzt ist. 1 ‘schüchtern, verlegen; schamhaft; demütig’
2 ‘peinlich, unangenehm’
3 ‘traurig, unmutig’
4 ‘schwach, gering’
   1 ‘schüchtern, verlegen; schamhaft; demütig’ daz ist ir aller [ der megde ] site / daz si zem êrsten schamic sint / unde blûc sam diu kint Er 1325; swanne ich sprechen sol ze nôt, / [...] sô wird ich blûc, von schamen rôt MF:Gottfr 2:3,9; er het ê die getürstekeit, / daz er mit grimmen löuwen streit, / und was nû worden von der scham / sô blûc und alsô vorhtesam, / daz er niht einer megde guot / getorste künden sînen muot / und sînes herzen ungemach KvWTroj 15560; ein magt solt also blug und also schämig sin das si keinen man mit vollen ougen niemer solt an gesehen PrEngelb 203,77; Seuse 481,10. 263,22; EbnerMarg 90,16; swer got liep hât, den kiuset man tougen / an senften gebêrden, an bliugen ougen Renner 4502. 12519. 12639. 16661; dez buchelînes anevanc / daz ich wol erkenne cranc / ergie mit blugem sinne [in bester Absicht] / in sant Martinvn minne Martina 291,89; so wurde iv hie entslozzin / min name vnde doch vil bluc [ohne Autorenstolz] : / ich bin geheizin brvder Hvc / ze nachnamen von Langenstein ebd. 292,35; der plügen junckfrawen Marien HvNördlBrf 5,2; nun han ich ain blüg begird und ain minendes getruwen und ein diemuttiges aischen zu dem aller barmhertzigisten Jhesu ebd. 16,82. 15,20 u.ö. (s. SchwäbWB 1,1183f.)    2 ‘peinlich, unangenehm’ doch enlebet dehein man, / der ie gewan zer welte muot, / ern habe gerne selbe guot, / wand ez erlât in blûger bete UvZLanz 8049; vil blûge’z wart ze hove gesagt [sie wagten es kaum dem Burgherrn zu sagen] : / der wirt vor schame was nâch verzagt Parz 164,9    3 ‘traurig, unmutig’ vor leide blûwec wart der man Bit 4151; wand langez klagen stêt niht wol, / swer liut und lant verrihten sol: / die werdent blûwic dâvon Ottok 22862    4 ‘schwach, gering’ – von der Freude: des hat sich gemert / da von ir freude [...], / die vor was blowig vnd lasz Krone 13541. – von der Fähigkeit zur Abwehr: dô was daz liut an witzen kranc. / ir vreise, ir zouberlist sie twanc, / daz ir wer was gên in blûc RvEBarl 13133; dêswâr ir muot ist alsô swach / daz sie an wer verdorben sint / noch herter danne ein bliugez kint RvEAlex 6672. – von der sozialen Stellung: von den brusten sîner guote / liez er die gnâde sûgen / die armen unt die blûgen Wernh 5484; swie rîch, swie arm, swie bliuge wir sîn, / doch hœre wir alle ein lobelîn / vil lieber denne ein schelten: / daz hœrt gern ieman selten, / er si mehtic oder kranc Renner 15421. – Lit.: Palmer, Shame

MWB 1 895,21; Bearbeiter: Tao

blûcheit, blûkeit stF. 1 ‘Ängstlichkeit, Unsicherheit, Furcht’
2 ‘Schamgefühl, Schüchternheit; Demut’
3 ‘Zahmheit’ (vom Beizvogel)
   1 ‘Ängstlichkeit, Unsicherheit, Furcht’ vnde davon mit etslicher blvchait [ scrupulositas ] von uns di mazze der spise der andro wirgisazte [(wird) das Maß der Nahrung für andere bestimmt] BrZw 40; nu wais der minneklich got, / daz der rain sel ist not, / daz si zu dirre großen gob / plaukait, vorht und demut hab MvHeilGr 1090; ein siech sol alle blugkeit hin werfen und sol dem arzade nahen, des bisin sin genesen ist Seuse 301,12    2 ‘Schamgefühl, Schüchternheit; Demut’ Parzivâl der clâre / wart des âne vâre / überparlieret, / daz wart gecondwieret / elliu scham ûz sîme herzen dô: / âne blûkeit wart er vrô Parz 696,20; blukait und kindes scham / twanc und der megliche [= magetliche ] nam / die suͤzen und die claren / baide das si warent / ain tail vil lihte schamerot, / als ir kinthait gebot RvEWh 13915 u.ö.; diu junge süeze künigîn / was ein lützel worden balt. / si twanc diu minne und ir gewalt, / daz si dô liez ir blûcheit KvWTroj 8535; minn unde scham, die beide / twingent mich [...] / diu scham, diu wil mîn êre, / diu minne mîn unwerdikeit. / owê minn unde bliucheit, / wie tuont ir mir sô leide! ebd. 8726; schemelîchiu blûcheit ebd. 8797; wîplîchiu blûcheit ebd. 21492 u.ö.; KvWPart 15649; Crispinn girlich sinne / uz bluͤchait da traten WhvÖst 13035. 7201. 10676; Minneb 4872; daz sie [Maria] nie man rehte under ougen an gesach von schamede unde von blûkeit PrBerth 1:256,6; du solt dine oͮgen behuͦten, das sie sich nit wildicklichen hin und her werffen, und aller meist, so ein man gegenwúrtig ist oder mit dir redt [...], das du mit froͤwlicher blukeit dine oͮgen nider werffest Seuse 481,4; des [...] got ergebenen hertzen Marien rainigkeit und plugkeit HvNördlBrf 16,5    3 ‘Zahmheit’ (vom Beizvogel): der dem grimmen vederspil die gir / verhabt [...], / man muoz im dâ nâch bluwikeit jehen Wh 317,8

MWB 1 896,9; Bearbeiter: Tao

blûclich, bliuclich, blûweclich Adj., Adv. 1 ‘schüchtern, verschämt, verlegen; ängstlich; demütig’
2 ‘besonnen, zurückhaltend’
3 ‘traurig, unmutig’
   1 ‘schüchtern, verschämt, verlegen; ängstlich; demütig’ ir gebærde was vil bliuclîch, / einer megede gelîch Er 1320. 1489; Iw 2254; Parz 33,20. 633,28; Tr(M) 743 (La. zu schemelîche); bliuclicher schame güete KvWTroj 8822. 8709. 8038. 16132; RvEAlex 1050; RvEWh 13815; PleierMel 914; GTroj 8821; ain magtt one schande, / [...] für den küng bluglichen gie ebd. 20133; des muͦz ich uz den hælmen lesen / min tihten als ein stupfelman, / der bluͤglich [ohne Selbstbewusstsein] nach hin slichen kan, / swaz in da spruͤch entrise, / daz min zunge unwise / samen und fuͤge WhvÖst 1498; Flegetânîs der heiden sach, / dâ von er blûweclîche [mit großer Scheu (Nellmann, Parz)] sprach, / im gestirn mit sînen ougen / verholenbæriu tougen Parz 454,18; ein teil si blœdeclîchen [La. bluglichen; besorgt] sprach KvFuss 2796; bluglich und hinderkomen GTroj 6843; swaz guotes der mensch hât, daz er niht diemüeteclîchen üebet unde blûclîchen behüetet, daz nimt vil selten guot ende DvASchr 334,17; swer nu gotez leichnam wirdicleich enpfâhen wil der schol seinen gaist uben in sehslai andaht. [...], cze dem vierdem mâl in bluchleicher dimut MvHeilFr 59. 62; Renner 12072; Seuse 42,20. 49,31    2 ‘besonnen, zurückhaltend’ unrehtez gâhen sûmet dich. / [...] vil schône der ersprenget, / als state ims verhenget, / mit vil bliuclîchen siten, / und hât den gâhen schiere erriten HartmKlage 1561; ein teil blûweclîche / antwurte der videlære KlageB 3566    3 ‘traurig, unmutig’ herr, geruochet ir / eine rede bescheiden mir, / umb waz die liut in Ôsterrîch / gebâren alsô blûclîch? Helbl 15,40; darzuo sach man in gebârn / blûclich âne mâzen, / daz er solde lâzen / sîn vînde underwegen Ottok 30780; frô und niht blûwiclich ebd. 95802. 62698

MWB 1 896,48; Bearbeiter: Tao

blûdemic Adj. ‘weich von Charakter’ ein blûdemigez wîp, / diu von ungebærd ir lîp / ze der zît niht enthalten kan, / sô diu gnâde sie bestêt LvRegSyon 2857

MWB 1 897,20; Bearbeiter: Tao

blüegeln swV. ‘brüllen’ des er blüegelte als ein ber Virg 635,4

MWB 1 897,24; Bearbeiter: Tao

blüegen swV. Oder ist belüegen, -lüejen anzusetzen? ‘brüllen’ er begunde sêre blüegen [ : vüegen ] Virg 631,8

MWB 1 897,26; Bearbeiter: Tao

blüejelich Adj. ‘blühend’ kunftiger salden bluwelich, / ewic vreude dir schenkende, / unser stete gedenkende / behalden vurbaz dir suze / die gotliche gewalt muze Macc 260

MWB 1 897,29; Bearbeiter: Tao

blüejen swV. auch blüegen ( KvWPart 3758 ), blüewen, blû(w)en. 1 intr. ‘blühen, Blüten treiben’
1.1 von Pflanzen
1.2 vielfältig übertr. ‘in voller Kraft stehen; erblühen, sich zur höchsten Vollkommenheit entfalten; gedeihen; von etw. erfüllt sein’ usw.
2 tr. ‘etw. zum Blühen bringen, (als Blüte) hervorbringen’ , übertr.
3 Part.-Adj. gebluot, geblüejet : ‘aufgeblüht, blühend’
   1 intr. ‘blühen, Blüten treiben’    1.1 von Pflanzen: dô sach ich drî wînrebe / brozzen unde bluon, zuo zîtigen berigen sich machen Gen 1950; dâ stuont manic boum sô frumer, / der aldaz jâr obez truoc, / [...] und anderhalp doch bluote UvZLanz 3947; Macer 53,3. 76,5; Pelzb 121,8; die blüenden vier wochen, / sô der vil süeze meie în gât / unz an daz, dâ er ende hât Tr 538. – in Vergleichen und bildlichen Ausdrücken: alse div lilie unde div rôse uz den dornen bloͮt, same wart div unser rôse, .s. Maria, uon den iuden geborn Spec 96,25; ir antlütze wart missevar, / daz ê in hôhem gemüete / baz danne ein rôse blüete Wig 7608; daz spil [...], / dar inne der tôt als ein dorn / in dem meien blüete ebd. 7629; der was der minne ein blüender stam Wh 88,12; o frouwe, / aller tugent ein blüende ouwe, / rôsegarte dornes ân SM:EvS 1: 7,7    1.2 vielfältig übertr. ‘in voller Kraft stehen; erblühen, sich zur höchsten Vollkommenheit entfalten; gedeihen; von etw. erfüllt sein’ usw.: in sîner blüenden jugent Tr 295; RvEWchr 21600; HvNstAp 13014; sin minnekliches junge bluͤiendes leben Tauler 231,30; diu wunderlîche schœne / der blüejenden Îsôte Tr 17805. 16007; dô Jêsus mennischeit / der tôt an dem kriuze müete, / innen des sîn leben blüete / ûz der gotlîchen sterke Wh 219,26. sîn herze an vreuden bluote UvZLanz 7794; fröiden hôchgemüete blüet mir an der selben stunt, / dô si sprach daz süeze wort KLD:UvL 44: 4,4. 53:7,2; in freuden swebt und bluot / sîn herze und sîn muot Ottok 90145; des sîn sælde immer blüete / und sîn unverswigeniu güete Wh 463,9. unte íh ôuh dés uváre tûo, óbe dîu plebs catholica [...] blûoie in studio uirtutum Will 107,17; diu was ein bluome der güete, / ir herze in tugent blüete Wig 6117; wie er an tugenden blûnde was Kreuzf 316; wand ir reinez gemüete / ie nâch êren blüete Wig 3186; LvRegSyon 1620; Tristant, der triuwen blüende, / der ie durch êre müende / was sînen ritterlîchen lîp HvFreibTr 6513. – ‘entstehen’ ein leit von dem sheiden bluͤt, / daz kan langen kummer bern Rennew 33546. – von rhetorischer Ausschmückung: wâ nu rîcher künste hort, / wâ schœne rede, wâ blüende wort [...]? HvFreibTr 2; zu volbringene diz mêr, / daz sô blüende hât unz her / mit schœner rede betichtet / mîn hêrre meister Gotfrit von Strâzburc ebd. 12; ein lob mit blünder sprüche ris Mügeln 116,6 u.ö.    2 tr. ‘etw. zum Blühen bringen, (als Blüte) hervorbringen’, übertr.: diu [ kemenâte ] was alsô gehêret / mit einem bette gêret, / daz mich mîn armuot immer müet, / sît d’erde alsölhe rîchheit blüet Parz 242,30; ob sie [Sarazenen] der walt noch kunde blüen, / wir suln sie doch mit strîte müen UvEtzAlex 9947; daz mich ir sterben muͤwet / und ymmer sende swære bluͤwet Rennew 9230; daz muͦz [...] herzebernden kummer bluͤwen ebd. 11896. 16364    3 Part.-Adj. gebluot, geblüejet: ‘aufgeblüht, blühend’ ez tuont diu vogelîn schîn, / daz siu die boume sehent gebluot MF:Veld 18,2; ir lant was über allez jâr / als miten meien gebluot UvZLanz 205; swie diu heide stêt gebluot SM:KvT 7: 1,9; unsen wingarten der gebluet stat Brun 605 u.ö; [sie] kâmen hin gegangen / vil vruo und in dem touwe / ûf die gebluoten ouwe / und ûf daz wunneclîche tal Tr 17352; daz sol diu werde mir vertragen / daz ich ir lop sol hôhe sagen, / si wol gebluotez meienrîs KLD:WvM 5:2,10

MWB 1 897,33; Bearbeiter: Tao

blüejunge stF. ‘Blühen’ du bist, herre, min labunge und ich din bluͤjunge Mechth 5: 20,4; die lúhtende bluͤjunge ir [Marias] schoͤnen oͮgen ebd. 5: 23,69

MWB 1 898,39; Bearbeiter: Tao

blüemekîn stN. ‘Blümchen’ ich hân ein plüemikîn / gebrochen UvLFrd 244,21. 568,10

MWB 1 898,43; Bearbeiter: Tao