b – bachhelling bächîn – backwërc bacolôn – badestubære badestube – balde baldecheit – balmunden balmunt – balsamtrôn balsamtropfe – ban, bane 1ban – banekîe banël – bänkelîn banken – bantac bant|âder – banzins banzûn – bârbrët 1barc – bârkleit barkorn – barmhërzeclîche barmhërzege – barten bartenære – base Baseler, Basler – bate bate, pate – bearbeiten bearren – bechersamenære becherweide – beckenknëht beckenkol – bedancheit bedarf (?) – bedingen bedirmen – bedrangen, bedrengen bedrât – begâben begâbunge – begelimpfen begenagen – begin begîne – beglîmen beglîmunge – begrîflich begrîflîcheit – behaft behaftec – behaltunge behandeln – beheimsuochen beheiʒen – behern behêrren – behoven behten – behuoflich behuoren – beie beie – beinîn beinîsen – beiʒe 1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit bekantnisse, bekentnisse – bekerzen bekicken – beklipfen beklocken (?) – bekorunge bekorungnisse – beküelen bekumberhaft – belæren belasten – belîbelich belîben – belônære belônen – bemaln bemangen – bemurmeln bemüseln – benedîunge benediz – bennen bennige – bequâme bequæme – bërc|êrîn bërcgar – bërcphenninc bërcrëht – beredenunge beredet – 1berennen 2berennen – bërhtnaht berhtram – berillîn berîmeln – bërlich bërlîn – bernisch bërnklâ – bêrswîn bertenære – beruofære beruofen – besamentlîchen besamenunge – beschatzære beschatzen – beschemen beschemenisse – beschînen beschirm – beschouwunge beschremen – besebelicheit beseben – besetzunge besëʒ – besîtes besitzære – beslîʒen besloʒ – besnöuwen besnüeren – besprëchære besprëchen – beste bestëchen – bestiure bestiuren – bestürzen bestutten – besuochnisse besuochunge – bët betagen – bëtelære bëtelærinne – bëtemësse betemmen – bëtewîn bëtewîp – betrahtegen betrahten – betrogenlich betrônen – betrûren betrûrigen – bettemunt betten – betûchen betüemen – betwungenheit betwungenlich – bevellicheit bevern – bevliehen bevlieʒen – bevür bevürhten – bewærnüsse bewarsam – bewëlgen bewëllen – bewindeln bewinden – bezâfen bezaln – beziln bezimbern – beʒʒer beʒʒerære – bî bestân bîbilde – bíderben, bedérben biderbenen, bederbenen – bîenkar bîenswarm – bieʒenblat bieʒenkrût – bîhtât bîht(e) – bilchmûs bildære – bildoht bildunge – bilsensaf bilsensâme – bineʒ binide – birden bir(e) – birnwîn birsære – bischolf bî schrîben – bî slâfen bî|slëht – bît bitære – bittern bitternis – biurlîn biuschen – bîvilde bîvilden – bîzeichenen bî zëmen – blahsen 1blæjen – blâsehorn blæselîn – blatengîr blatenrinc – blëchhantschuoch blëchrinc – bleichvëlt blende – blîche blîchen – blîkloz blîkolbe – bliuclich bliuge – blôdern bliuge stF. bliugen stV. bliugen swV. bliuwât stF. bliuwe stswF. bliuwel stM. bliuwen stN. bliuwen stV. (IIa) bliuwestat stF. blîvar Adj. blîvarwe stF. blîwâge stF. blîweich Adj. blîwîʒ stN. blîzeichen stN. bloch stN. blochrise stF. blochwërc stN. blœde Adj. blœde stF. blœdecheit stF. blœdeclich Adv. blœdelich Adv. blœden swV. blôdern swV. blotschen – blüemunge blüetebërnde – bluomental bluomenvar – bluotgieʒen bluotgieʒende – bluotstürzunge bluotsûgende – bobenthalben boc – bogelîn bogen – 2bolle bollen – 3bor bor-, enbor- – (borliep,) enborliep bormære – bortengewant bortiure – bote botech – bou bouc – boummate boum|öle – bôʒwurz brâ – brâ|hâr bræhen – brantlich brantreite – brâwelîn bræwen – brëhenen brëhentac – brenken brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche brëtsnîdære – brieschen brievære – brionie brîsære – briulêhen briumeister – briuwe briuwe – brohsen bronie – brôthalle brôtheit – bruch bruch – bruckenambet bruckenære, bruggenære – brüeterîn brügel – brünnære brunne – brünselbërc brünseln – bruoderhûs bruoderkint – brust brust – brûtdëgen brûtdrüʒʒel – brûtsanc brûtschaft – buckel buckelære – büellîn büeʒære – buhsboum bühse – bûlslac bulzen – buoben buobengâbe – buochisch buochkamere – buoliân buollîn – buppe bur – burcgrâvenambet burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen burcmeisterschaft – burcstal burcstat – bürde bürdelîn – burgergemeine bûr|gerihte – Burgunder Burgunjoys – bursenære bursît – büschelîn buschoff – bütelin bûtelîn – bûvëlt bûvisch – buʒʒel
|
bliuge, bluoge
stF.
‘Verzagtheit; Schüchternheit, Schamgefühl’
ih wartte den, der heil mih tet vone wenichmuote, bluoge des geistes [
a pusillanimitate spiritus
]
PsWindb
54,9;
ane [= âne
] bluͤge lute / sag ich [Frau Minne] dir,
swer liep wil han, / da muͦz auch laid under gan WhvÖst
6530
(vgl. unbliuclich
5709.
7408
);
Agly diu junge kuͤngin / vor vræuden was erschrocken, / daz ir daz hertze
locken / wart uz bluͤge balthait ebd.
9393;
so ser min hertz nah im stat / daz sich min wiplich bluͤge hat / verschamt von
sinen lieben ebd.
12588
MWB 1 883,41; Bearbeiter: Tao
bliugen
stV.
→ bliuwen
MWB 1 883,52;
bliugen
swV.
s.a.
blûgen
.
‘jmdn. schüchtern machen’, mit Ersparung des Akk.-Obj.:
minn bindet und enbindet, / minn hertet, minne lindet, / minn bliuget, minne
machet balt, / minn twinget junc, minn twinget alt HvBer
526
MWB 1 883,53; Bearbeiter: Tao
bliuwât
stF.
‘Schlag’
sô der zorn dînes mundes gere der [
zungen
] ze der sceltâte odir dîner hant ze blûwâte, sô uersage si ime
TrudHL
134,13.
– speziell ‘unblutiger Schlag’
von der pliwat gehornt zwelf schillinge [...], der
sint des clagers zehen, der schepfen ainr, des rihters ainr UrkCorp (WMU)
1914,7
MWB 1 883,58; Bearbeiter: Tao
bliuwe
stswF.
‘Stampf-, Reibemühle (speziell für Hanf und Flachs)’
vmbe den halbteil der niderun mv́li vnd den halbteil der bliwen da ze Botstein
UrkCorp (WMU)
N124,34;
dc si, die malent, nuͥt irren sol weder bloͤwe noch walche
[Walkmühle] noch enkein ander rát
[Mühlrad]
ebd.
3474,29;
da lit oͧch ein muͥli und ein bloͤwe; die geltent ze zinse 4 muͥt kernen und
ein swin UrbHabsb
1:188,1
MWB 1 884,1; Bearbeiter: Tao
bliuwel
stM.
1
‘Werkzeug zum Schlagen’
2
‘ Stampf-, Reibemühle (spez. für Hanf und Flachs)’
1
‘Werkzeug zum Schlagen’
alsô seh wir oft auf den püeheln ob den pächen, dâ die
weschen waschent, den slag mit den pleueln, ê wir den galm hœren BdN
92,1;
daz ist ain pœs visch und stinkend
[...] und mag nümmer gekocht werden, man plew in dann
vor mit ainem plewel oder mit ainem steken, als man den dürren stokvisch tuot ebd.
258,13
2
‘ Stampf-, Reibemühle (spez. für Hanf und Flachs)’
daz ich dem huse von Clingenowe [...] han gegeben zwo
múlina vnd ein bliwele [stNF.?]
UrkCorp (WMU)
N134,36.
2112,3
MWB 1 884,9; Bearbeiter: Tao
bliuwen
stN.
‘Schlag; Kampf’
sus galt zwei bliwen der gast Parz
295,28;
ich sol rechen ê ein bliuwen, / dâ von ich sît mit riuwen / fuor ebd.
304,13;
do hub sich ein plewen / mit swerten vnter yne Neidhc
99:6,1
MWB 1 884,20; Bearbeiter: Tao
bliuwen
stV. (IIa)
auch blûwen,
blouwen,
bliugen (
MillPhys
89,2 ).
1
‘jmdn./etw. schlagen, prügeln, züchtigen’ , tr. und intr. (mit Präp.-Obj.) 2
‘etw. durch Schlagen, Klopfen bearbeiten; etw. durch etw. hindurch schlagen’
3
‘sich abmühen’ refl.
1
‘jmdn./etw. schlagen, prügeln, züchtigen’, tr. und intr. (mit
Präp.-Obj.):
hinden unde in mitten / vorne er
in [Esel] vaste blov VMos
74,13;
vnze daz die iudin nîdin begundin unde viengin si unde bluven
si unde wrfin si in den charchare Spec
78,22;
Kchr
10720.
13142;
Greg
1315;
dô man alte sach dur zuht die jungen bliuwen, / dô stuond ez
an êren baz und och an triuwen SM:UvS
11: 3,6;
KvWHvK
133;
~ und zerhouwen
Wig
7589;
er [Wein] macht das ainer chlaffet, / das man in
wol zernewet / und im den rukch blewet HvBurg
256;
wir sullen iren vaigen kragen / noch heutte plewn und peren
HvNstAp
7489;
so ez [Pferd] ye vester nach ym plewet
Teichn
558,44.
–
mit etw.:
daz [...] mich der tubel solle blouwen / mit
siner stangen iserin Brun
6470;
vnd als sie dan yn gebluwen / mit geisseln, darnach sie yn gedoden
EvStPaul
9395.
–
(an) die brust ~
als Geste der Wehklage, Trauer:
di brust bluwer mit den hanten. /
[...] uil groz wart di chlage sín
Rol
6968;
unz ih di muoter vant riwege, / an die brust bliwende, /
wainunde und clagende, / michel nôt habende Kchr
3832
2
‘etw. durch Schlagen, Klopfen bearbeiten; etw. durch etw. hindurch schlagen’
die lâsen, dise wunden, / disiu blou, disiu dahs, / disiu
hachelte vlahs, / dise spunnen, dise nâten Iw
6203;
Helmbr
1360;
swer har [Flachs] in diu stat pringet oder in der
stat derret oder pliwet oder swinget aus den agen StRMünch
222,23.
407,12.
14;
das die ledergerwere iemerme sulnt bluwen das halbe kurdewan,
[...] swas sie zer wochen gegerwent, das ensulnt sie
niemanne veil bieten noch geben ze coͧffenne, ez ensi denne halbes gebluwen
[halbfertig geschlagen (s. Regest)]
UrkCorp
N159,25.27;
von einem muͥtte gêrsten ze malenne vnd ze bloͤwenne [enthülsen
(s. Regest)] sol man geben ein imin
[Getreidemaß] vngeblûwen ebd.
3474,4;
BdN
258,13
( →
bliuwel
stM.).
– in Vergleichen:
ze glicher wise also man den har îe offter blîwet vnd fvrbet vnd also er
da von schone wirt vnd wize, also mvze der menische in dirre werlt gelvtret
werden PrFrgmLpz
379;
als durh die dicken mûre / brichet der bickel / und der
zimberman den zwickel / bliuwet durh den herten
nagel [Knorren?] , / Schoyûse sîn swert
[...] / in den ungelouben weiz Wh
54,23.
– übertr. auf den Wind:
so der rouch uf gat in den luft, so bluwet in der wint vnz
er dicke wirt Lucid
57,2
3
‘sich abmühen’ refl.:
und dô er sich geblûwin / [...] hatte manche vrist
NvJer
19563
MWB 1 884,25; Bearbeiter: Tao
bliuwestat
stF.
‘Stelle, wo eine Stampf-, Reibemühle steht’
da lit oͧch ein bluwestat UrbHabsb
1:65,18
MWB 1 885,13; Bearbeiter: Tao
blîvar
Adj.
‘bleifarbig’
swenne iz [Blut] unnaturlich is, daz
mac man [...] irkennen wol an der uarwe, wanne so iz ist
weninc wiz oder suartz, bliuar oder gel oder wazzeruar SalArz
2,51;
daz wazzeruarbe harn vnde der da heizet lacteus,
[...] glaucus, [...] liuidus
vnde der swarze harn, der e bliuar ist gewesen, di alle bezeichent gar ummezige
kelde SalArz
111,30
u.ö.;
OvBaierl
42,5.
43,9;
blifar wurden ir wenglin rott / umb des erwelten ritters tod GTroj
19191
MWB 1 885,16; Bearbeiter: Tao
blîvarwe
stF.
‘Bleiweiß’
cerusa: bliuarue VocBV887
3:487,3
MWB 1 885,26; Bearbeiter: Tao
blîwâge
stF.
‘Waage zum Abwiegen von Blei’ bzw. Abgabe dafür oder ‘Setzwaage mit einem
Bleilot’
dor obir wolle wir, das di bly wage nirgin andirswo wen do selbis gehaldin werde
ewiclichin UrkSchles(B)
131:1,12;
blywage UrkSchles
3,39
(vgl. Anm. z.St.; a. 1316 kopial);
umme di pleiwag bescheid wir euch also, das di gehoret di herschaft
[Grundherrn] an BgRIglau
338,22
MWB 1 885,28; Bearbeiter: Tao
blîweich
Adj.
‘weich wie Blei’
di ir wol gezirten helmuaz / waren alle bliwaich. / swaz sin
daz swert begraif, / daz muse allez in zwai Rol
4305;
StrKarl
5329
MWB 1 885,36; Bearbeiter: Tao
blîwîʒ
stN.
‘Bleiweiß’
von corianders same, silberschum, bliwiz, ezsig, rosenolei, di
fuͦnfe zusamne getan: da mache von ein salbe Macer
30,5;
daz saf mit ezsige unde mit bliwiz getempert, hilfet an di
stat gestrichen, di mit der hitze bekumirt ist ebd.
70,11;
SalArz
73,53.
78,31;
OvBaierl
136,13
MWB 1 885,40; Bearbeiter: Tao
blîzeichen
stN.
‘Bleisiegel’
diz wib da in ein cellen gienc / [...] der alde man
die tur versluc / und leite ein blizeichen dran, / daz deweder wib, noch man / zu ir
mochte kumen drin Pass III
541,95
MWB 1 885,46; Bearbeiter: Tao
bloch
stN.
auch block, blöcher (Pl.);
s.a.
phloc
.
1
‘Baumstamm, dickes Brett, Klotz’
2 Block als Strafeinrichtung (vgl. DRW 2,371) 3 eine Art ‘Falle’
4
‘Holzschrein, Bahre’
5
‘Klumpen’
1
‘Baumstamm, dickes Brett, Klotz’
an daz fiur neleget man neweder bloch noch stoch
Himmelr
8,24;
do ein villan / einen wek hat getan / in ein bloch vnd hat in
dvrchgeslagen ReinFu
K,1543.
K,1550.
K,1589;
zuͦ dem loch / das vor gebort was in das bloch KvHelmsd
1870;
diu mûre was behangen / mit grôzen blochen sinwel; /
[...] swen iemen an den graben gie, / und man diu bloch
vallen lie, / sô hurten si die vînde wider / in den tiefen graben nider
Wig
10750;
Ottok
48784.
49186;
zehant hiez er mit listen / eine eichîne kisten / würken ungevüege, /
[...] von vier grôzen blochen Schlegel
512.
– in Vergleichen:
do lag er als ein ander bloch / und lebt et allez dan
noch StrKD
147,101;
Seuse
45,10;
hete daz der gast vernomen, / daz duhte in swære als ein
bloch [würde ihn sehr belasten]
StrKD
161,15;
er sleht im einen grozen slag, / daz er nit me geleben
mag. / er vellet ab her als ein bloch HvNstGZ
5950;
HvNstAp
12026;
dâ von sô brach er unde spielt / die rotte in kurzer wîle, / sam der mit
eime kîle / zerklübe grôziu blöcher KvWTroj
32961;
als ein affe der gehefftet ist / an ein ploch und gebonden ist, / der nit
uffgestigen mag / er falle dan balde wieder abe, / also ist mir der lip ein
ploch swere / und eine zange, die da heldet sere Pilgerf
6273.
6276.
– Sprichw. (vgl. TPMA 10,177):
waz touc der slegel âne stil, / dâ man blöcher spalten wil? Freid
126,14
2
Block als Strafeinrichtung (vgl. DRW 2,371):
sin bain warent im in ainem block / versmit, man haist ez ain stock. / nieman
wann dieb man dar in slecht / und wen man umb boshait vecht MinneR 439
989.
– übertr.:
der welte swæres bloch, / daz lip vnd sel erlemmet / vnd allis heil
vertemmet Martina
26,62;
la mich in disem leben noch, / wan grulich ist des todes bloch Hiob
4024;
mit leides seile sie mich zoch / gar hoch uff sorgen erker / und liez in
trurens kerker / mich vallen in ein tieffes loch / und slug mich in unmutes
bloch, / daz mir der lip derbidemt Minneb
1792
3
eine Art ‘Falle’
er het geheizen ein bloch / bereiten, der listige man, / zwelf sensen hiez er
dar an / al umb und umbe machen HvFreibTr
2702.
2707.
2754.
2881;
dô lîz der leidige wert beslân / mit wolfsegense [vgl. Anm.
z.St.] ein bloch Eilh(L)
5305
4
‘Holzschrein, Bahre’
da hub sie den samit off, und myn herre Ywan sah wo ein
bloch darunder lag, das was wol funff schu lang und wol anderhalbes breit
Lanc
549,26.
549,32.
550,1
5
‘Klumpen’
ich [personif. Habgier] laden und besweren mich /
mit dem metal der so sere wiget, glich; / das ist von golde ein ploch, das ich /
danne hencken an mich [...]. / ich glichen dem affen der
das ploch fuͤret / und das tynset und huͤdet: / also huͤden ich myn ploch
Pilgerf
9486.
9489.
9491;
an Judas, der dinen konnig verriedt, / ich yme zu zijden daz ploch anehieng; /
in sine budel und in sine secke / lachte ich so viel der ploecke / das er von hohe
her abe nider viel ebd.
9496.
9498
MWB 1 885,50; Bearbeiter: Tao
blochrise
stF.
‘Riese (Holzrutsche), Schneise (zum Abtransport der Bäume)’
UrkSüdtirol
3,1:156
(a. 1290)
MWB 1 886,46; Bearbeiter: Tao
blochwërc
stN.
‘Gefängnis’
vnd wart im da gemachet ain blochwerch, da er inn solte gelegen sin vntz an
sinen tod Kuchim
45,204
MWB 1 886,49; Bearbeiter: Tao
blœde
Adj.
1
‘schwach, gebrechlich, zerbrechlich’
1.1 von körperlicher Schwäche (auch in Bezug auf das Sehvermögen) 1.2 von geringer Festigkeit (des Materials, Bauwerks) 1.3 übertr. 1.4 von Frauen und Kindern, in 2 übergehend, formelhaft 2
‘verzagt, furchtsam, schüchtern, feige’
1
‘schwach, gebrechlich, zerbrechlich’
1.1
von körperlicher Schwäche (auch in Bezug auf das Sehvermögen):
der was ein witebere, / alt vnde swære, / bloͤde [
brode
Wernh
D 1711
] sines leibes Wernh
A 1541;
si [Frau Welt] was sô gar
unreine / daz von ir blœden [Laa. broͤden, bosen
] lîbe wac / ein alsô egeslicher smac / den niemen kunde erlîden
KvWWelt
229;
plod und krankch HvBurg
5252;
Krone
27153;
siech vnd blöde ebd.
12531;
unser blœdez [kraftloses, unritterliches]
vehten / gezimt niht guoten knehten. / [...] obz iuwer
muot niht vervât / vür zageheit, sô ist mîn rât, / daz wir diz blœde vehten lân
/ und eine wîle ruowen gân Er
902.
908;
swer siech in dem houpt ist, enphleget er dirre dinge
niht, dem werdent diu ougen blœde [...] unde nimt im
daz gesihen abe Barth
157,4.
– bildl.:
daz reht sol [wie ein Adler] zwei vetich hân, /
geistlîch und wertlîch geriht. / [...] sît einz dem
andern entweich, / sît wart daz reht blœde und weich / und muoste vallen nider
WälGa
12634
1.2
von geringer Festigkeit (des Materials, Bauwerks):
do waren die dillen / blode und unstete ErzIII
96,13;
daz er [Drache] da zart / von yme die starcke
sarwat, / glich als weres ein blödes blat Krone
13502;
ze stuckin brah er sinú bant / reht als ein bluͤdis dúrre stro
RvEWchr
20858;
ist an der gruntveste gebreste, / sô ist daz gezimber gar / blœde und
unstæte WälGa
12026
1.3
übertr.:
–
‘vergänglich, sündhaft, hinfällig’
sîn rât und blœdes [La. boͤses
] fleisches gir, / die hânt geverret, hêr, uns dir
Walth
3,13;
Mai
22,38
(La. zu brœde);
so wizzet daz nimmer bloder man / untruwer noch der karge, / di von
desin dingen sin arge, / mag komen in gotis riche dort Brun
12609;
vater, sun und hailig gaist, / in ain gestricket, sit du waist / unser
bloͤdes leben, / so la din helf geben / uns ymmer vræude an ende
WhvÖst
19537;
do geschuof got [...] / unsern vater Adâmen /
[...] ûz einem brœden [Hs.
bloͤdem
] leime Aneg
1078;
dem sust zu poßhait ist so gach, /
[...] der mag wol schier werden / zu ainer
ploden erden HvNstAp
82;
ach mensch, bloder worm! / noch tribet hohfart in dir
storm HvNstGZ
2317;
wâren von ir lîbe / wir alle niht ensprungen, / alte
unde junge, / sô wâre diu werlt ôde, / ringe unde brôde [La.
bloͤde AC] , / sone ruofte niemen an got
Wernh
1614.
– von der gebrochenen Macht des Teufels:
blode wart sin craft, / do in der einre ubirwant
Litan
412.
– von schwachem Verstand:
Dagenot [...] was ein tor
gewesen ye und ye und ein schnúdel, er was der blödest den man wuͦst, all
die welt spot syn umb syn groß affenheit die er rette und tegelichs dethe
Lanc
228,37.
293,3.
293,16.
–
‘entblößt, ohne Herrschaft’
do der kunich Dietmar starp, / romisch lant nach im verdarp, / daz iz
wart allez oͤde, / an groͤzer richeit bloͤde Dietr
2527;
nu sint elliu miniu rich / leider gar ze bloͤde / und alle min gelt
oede ebd.
7518
1.4
von Frauen und Kindern, in 2 übergehend, formelhaft:
wâr ich der fromediste man, / [...] oder daz
blôdiste wîb En
11070;
diu wîb sint brôder [La. bloͤder h]
dan die man ebd.
1599;
daz ir mit wintender hant / stêt als ein blœde wîp, / diu ir zuht und ir
lîp / nâch vriunden sêre hât gesent KlageB
1021;
ir weinet reht alsam diu kint, / die dürftigen unde weisen sint, / und als
diu kranken, blœden wîp UvLFrd
305,9;
bruͦder, soͤlhes ungemach / soͤlte twingen bloͤdiu wip. / bi uns nit
langer belip! Rennew
25025
2
‘verzagt, furchtsam, schüchtern, feige’
waz her dâ brôder [La. bloder
] lûte vant / âne herze unde âne were / mit den entran her uber mere
En
4436;
Herb
13929;
diu burc hiez Schâtel le mort, / der wirt Mâbûz der blœde. /
sîn herze daz was œde / von êren und von manheit UvZLanz
3551
u.ö.;
ist er ein zage, so ist er bloͤde MinneR 52
58;
war umbe siht man iuch verzaget / durch eines bloeden phaffen wort, / der
strîtes selten hât bekort / und lützel kumbers ie geleit? KvWTroj
19133;
GTroj
5339;
WhvÖst
17259;
wann ich wer ir zu dinste zu bloͤde Minneb
4813;
und gedencket nit an uwer schone wip / und an uwer kinde da heim, / das uns
nit blode werde der stritt SalMor
486,6.
–
~ und küene, ~ oder balt:
den blôden und den kûnen [allen]
En
1111;
junc oder alt, / oder blœde [La. bluege
] oder balt Parz
93,16.
–
blœde herze:
daz plœdiu herzen küenet / und in gît hôchgemüete Parz
96,16;
min blöde herz trit ser up hor, / als it vernimt den
oversten chor, / du ennems mich self bit diner hant / ind leids mich durch der
engel lant MarlbRh
89,15;
es [Gebet] machet ein sur herze
suͤsse, [...] ein tump herze wise, ein bloͤde herze
kuͤne Mechth
5: 13,4.
–
er ist ein unversunnen man. / er hât glîche getân / alse
der blôde hovewart. / sulih ist sîn art: / swenner nahtes iht vernemet, / durh
sîne blôdicheit wirt er irgremet, / er ne tar dar nâher comen niet, / al
bellender flîhet SAlex
1521
MWB 1 886,52; Bearbeiter: Tao
blœde
stF.
1
‘Schwäche, Schwachheit’
2
‘Schamgefühl; Feigheit’
1
‘Schwäche, Schwachheit’
– von körperlicher Schwäche:
Samsonis sterkin, die were da ein blóde
Lucid
150,6;
zwenn [l. zwelf?] sterkern mannen man
sú [Banner] bevalch: / ob es [die
Verneigung der Banner vor Christi] von bloͤde [der
Träger] wære beschechen, / das soͤlt mit den sin
versechen [abgewendet]
WernhMl
11397.
– übertr.:
wan div seligen chint dannoch zü dem alter niht chomen
waren, das si von ir menslicher blode dehein schulde iht heten
Konr
4,9;
Wernh
A 418;
doch muozen zallen ziten / die reinen frovwen striten / gein dez libes
blode / wie man daz fleisch ertode / daz ez der sele niht enschade
Martina
94,97;
daz machet der fúrsten ploͣede, / daz ir höfe steend so öede Dietr
213
2
‘Schamgefühl; Feigheit’
vor wîben und vor mannen / diu frou ir blœde vergaz, /
[...] si enplôzt sich irer kleider / und liez sich
meniclichen sehen, / die solhe zeichen [der
Schwangerschaft] kunden spehen Ottok
11623.
– personif.:
dâ leit Manheit die Blœde nider, / daz Unreht diu Gerehtikeit HvBer
2870
MWB 1 888,21; Bearbeiter: Tao
blœdecheit
stF.
1
‘Schwäche, Schwachheit’
2
‘Trägheit’
3
‘Zaghaftigkeit, Feigheit, Schüchternheit’
1
‘Schwäche, Schwachheit’
wan dv́ mensliche bloͤdekeit mag niht lange die goͤtliche
svͤzze vnde daz vnbegriffen lieht erliden DvAStaff
419;
DvAPatern
301;
die von dez libes plodikait / in laster, sund, boshait / kurtz oder lang sint
gelegen SHort
8763;
daz si die wâren gotes minne / an in sterct und mêrte, / sô daz si niht
verkêrte / wîplichiu blœdikeit / in deheine zageheit, / diu si möht berouben /
kristenliches gelouben Ottok
52251;
[sie] fundent das geboren kint / aͮn allú zaichen dú an
kinden sint / von naturlicher bloͤdekait / und grosser kranker snoͤdekait
WernhMl
2649
2
‘Trägheit’
man sol sich vor blœdekeit / behüeten und vor trâkeit, / daz man nien tuo min
dan man sol, / swer nâch reht wil rihten wol WälGa
12571.
3
‘Zaghaftigkeit, Feigheit, Schüchternheit’
zwischen zwein untugenden ist / ein tugent zaller vrist. / diumuot ist
[...] / zwischen hôhverte und blœdekeit; /
[...] swer über mâz diumüetec ist, / sîn diumuot wirt
zuo der vrist / untugent unde blœdekeit WälGa
9996;
vorhte unde blœdekeit
12586.
12595;
das die aposteln kamen in also grosse kuͦnheit nach also
grosser bloͤdekeit, do si enpfiengen den heligen geist Mechth
5: 12,10;
do waz din manhaitt worden schwach: / daz du dich ainer mütter barn / last an
wirde machen arn, / daz ist an dir ain blödekaitt GTroj
5337;
vort sich Job unschuldic seyt / der zagheyt und der blodekeyt Hiob
11888;
doch ir lieb gein im under brust / was sô starc, daz sie enpfâhens het gelust,
/ wan daz diu scham mit bloedikeit sie vâhen / kunde Loheng
3036
MWB 1 888,43; Bearbeiter: Tao
blœdeclich, blœdeclîchen
Adv.
‘zaghaft, furchtsam, schüchtern’
und Galahot begund zu gedencken das er villicht durch synen
willen als blöteclich gebere und das er licht vor im nit wolt sagen was im war
Lanc
290,34;
das er fast blödiclich geyn den frauwen wert sah ebd.
294,7.
317,13;
wie stêt daz ritterschefte, / dâ man sus blœdeclîche tuo KvWTroj
23475;
si entet niht sam die vrechen, / blœdiclîch [vgl.
bluͤklich
Frauentreue(L)
217
] si daz sprach Frauentreue
213;
vorcht uch nicht vor dem konige von Babylonien, vor dem ir uch so blodeclichen
schuit Cranc
Jer 42,11;
ein teil si blœdeclîchen [besorgt (vgl. La. bluglichen
] sprach KvFuss
2796
MWB 1 889,11; Bearbeiter: Tao
blœdelich, blœdelîchen
Adv.
1
‘zaghaft, schüchtern, verlegen’
2
‘langsam’
1
‘zaghaft, schüchtern, verlegen’
swíe lieb sie den man habe, / die scame wisít sie dar abe, /
daz [so dass] síez blodílíchín tvͦ
Athis
D 35;
diu stuont blœdelich, / dô der von Ôsterrîch / her gegen ir gie Ottok
90269;
HvFritzlHl
211,25
2
‘langsam’
wan her ein alt man was unde ungesprêche, sô sprach her blôdelîchen und
gemechlîchen HvFritzlHl
70,12
MWB 1 889,25; Bearbeiter: Tao
blœden
swV.
‘sich fürchten’
der pfaffe begund blöden / von jämerlichem grimen dol HvPforzen
324h App.
MWB 1 889,33; Bearbeiter: Tao
blôdern
swV.
‘rauschen’
diu drozze wart ze enge, / daz sich von dem wâcgedrenge / diu güsse begunde
werren, / blôdern unde kerren / als ein windesprût ûf dem mere Weinschwelg
140;
dô huob er ûf unde tranc: / einen trunc, der begunde plôdern, / als daz wazzer
ûf den flôdern / ûf alten kumpfmüln tuot ebd.
229
MWB 1 889,36; Bearbeiter: Tao |