bleichros
stN.
‘hellfarbiges Pferd, Schimmel’
albidus vel pallidus: blancros, bleichros SummHeinr
1:145,423
MWB 1 867,49; Bearbeiter: Tao
bleichrôt
Adj.
‘blassrot’
der man [Schlafmohn] ist
drierhande: ein mit wisen bluomen, der ander mit rosenvaren, der dritte ein teil
bleicher. under disen drin ist der wisse aller edelst.
[...] di rosenrot ist dar nach di beste.
[...] di dritte bleich rot, ob man der milch nutzet, si
gipt dem slaf Macer
31,7
MWB 1 867,52; Bearbeiter: Tao
bleichsal
Adj.
‘schmutzig blass’
die mir wilen waren rot, / mine wangen, die sint mir fal, /
vnde min varwe bleichsal / vnde wibelvar min munt Herb
12866
MWB 1 867,58; Bearbeiter: Tao
bleichvar, bleichgevar
Adj.
‘bleich, blass aussehend’
diu juncfrouwe bleich gevar / mit zuht ûf von ir venje stuont Parz
437,20;
gar krefftig was ir ungemach, / da von sÿ dik der selben stund / kust sinen
blaich farwen mund KvHelmsd
2290;
MinneR 476
457;
Morolff hette gemacht dri schar, / ein was swartz gefar, / di ander wis als
dann der sne, / so was die dritte bleich gefar SalMor
503,4.
562,3;
vil manig margariten / dar innen sin verkastet, / der schiͤn doch bleichvar
glastet / gein dem schilde, der dar under / brent in lobes fur lunder Minneb
2470;
daz kraut hât langeu pleter [...]
und sein pluom ist plaichvar oder gelblot BdN
396,16.
– jmdn.
~ getuon:
si getaten blaich uâr / manigen uermezen man
Rol
4424
MWB 1 867,62; Bearbeiter: Tao
bleichvëlt
stN.
wie
bleichacker
:
an der aytzucht des obirsten tyches an deme wege des blechveldis Cranc
Jes 36,2
MWB 1 868,13; Bearbeiter: Tao
blende
stF.
‘Blendung, Blendwerk’
di werlt ist nicht wen ein blende / und ein kunterfeit an ende Brun
10232;
got behende du wundelich [Pron.-Adj. ‘alle Wunden’]
/ von uns swende so minneclich, / sunde blende die von uns brich / vil genende wol
endelich Macc
14393
MWB 1 868,16; Bearbeiter: Tao
blenden
swV.
1
‘jmdn. blind machen, blenden; das Sehvermögen mindern’
2 von 1 ausgehende bildl. und übertr. Verwendungen 2.1
‘jmdn. (etw.) (ver-)blenden, täuschen’
2.2
an etw. geblant sîn
‘etw. beraubt sein’
3
‘das Licht, den Glanz von etw. verblassen lassen; etw. (mit etw.) bedecken’
1
‘jmdn. blind machen, blenden; das Sehvermögen mindern’
an dem zehentim iâre gewan er Ierusalem unde
[...] blante den kûnich Spec
38,24;
daz Alexander [...] / sîne liute
habete gevangen / unde geblentet unde erhangen VAlex
1024;
Herb
17616;
Eracl
3054;
RvEBarl
11302;
jmdn. mit den molten ~
Jüngl
1235;
sei daz man der swalben kindel plent, in komen diu augen
wider BdN
201,13;
es wirt etwenne ein luter oͮge als schiere geblendet von wissem melwe als von
bleicher eschen Seuse
221,19
2
von 1 ausgehende bildl. und übertr. Verwendungen
2.1
‘jmdn. (etw.) (ver-)blenden, täuschen’
etslîcher hin zir spræche, / daz in ir minne stæche / und im die freude
blante Parz
217,3;
diu liebe kan wol blenden / einn man, daz er niht gesiht
/ und nimt im doch der ougen niht Eracl
2480;
hat dich der tufel geblant? / du bist mit sehenden ougen
blint Herb
9780;
totlicher sunden dampen / blendet im der ougen liecht Daniel
6771.
– mit Gen.:
du bist ein bischof genant / vnde doch der warheide [in
Bezug auf die warheit
] geblant / die din munt [...] / den
anderen solde machen kunt PassI/II
219,26.
– refl.:
daz si [...] ir gemüete / von dir
[Gott] wendent und sich blendent / und
êwiclich ir sêle schendent Renner
10711
2.2
an etw. geblant sîn
‘etw. beraubt sein’
wir sîn an êren hie geblant Virg
690,2
3
‘das Licht, den Glanz von etw. verblassen lassen; etw. (mit etw.) bedecken’
der göteliche schin, / des glanz die sunnen blendet KvWGS
1271;
aber das grosse liecht der sunnen das hat si
[Sterne] geblendet Tauler
378,24;
was di erde geblant / mit sne in winderziten, / so gienc er an di liten / und
schar den sne hin zu tal MarLegPass
21,42;
Cranc
Uzl 266,32
MWB 1 868,22; Bearbeiter: Tao
blendunge
stF.
‘Verblendung, Blindheit’
unde alse vil alse nah dem so enist got niht ein sache der blendunge [
excaecationis
] oder der verhertunge, alse er ouch dekein sache der sünde ist
ThvASu
180,27
MWB 1 868,57; Bearbeiter: Tao
blenke
stF.
1
‘weiße Farbe’
2
‘weiße Schminke’
1
‘weiße Farbe’
minnen kraft mit freuden krenke / frumt in bleich an sîner blenke Parz
810,30;
im gap dar diu künegîn ir hemde, / blanc sîdîn, als ez ir blenke ruorte
Tit
81,3;
JTit
1530,2;
ir mundes rœte und ouch ir armes blenke MinneR 30
654,4;
iwers helmes varwe [...], / diu ist von vier stücken
gar: / lâsûrblâ und silbervar, / daz ein teil swarz alsam ein kol, / daz stêt gên
der blenke wol Bit
2806;
sô trage ich wol in grâwe wîze strîfen. / geswîget Muot, daz bringet mir die
krenke, / mîn blenke müeste brûnen Hadam
234,6.
–
bî der blenke diu briune, Umschreibung für die weibl. Scham (vgl.
blanc
Adj.):
ez ist guot / daz man bî der blenke / die briune rüere Neidh(HW)
53,16
2
‘weiße Schminke’
ir varewe lieht unde gût, / rehte als milich unde blût, / wol gemischet rôt
und wîz, / âne blank [Laa. blencke, blanke
] und ân vernîz En
5172
MWB 1 868,62; Bearbeiter: Tao
blenkeln
swV.
‘wiederholt erklingen machen’
Gáselhere, nu blanckell dein tambúre! Neidhc
120:8,1
MWB 1 869,16; Bearbeiter: Tao
blenken, blanken
swV.
1
‘hell, weiß sein, glänzen’
2
‘glänzend weiß machen, erglänzen lassen’
3
‘sich hin und her bewegen’
1
‘hell, weiß sein, glänzen’
man sach helme und schilde / glîzen ûf dem gevilde, / die brunjen blenken sam
ein glas LivlChr
3283.
8341;
sîne cleidere sint worden schînende und alzuͦ vile blankinde alse der snê, und
alse kein verwer ûf der erden nicht mac blankinde gemachen EvBeh
Mc 9,2;
si sâhin einen jungelînc sitzende [...], bedackit mit
einer blankinden stôlin ebd.
Mc 16,5;
di blenkend natur gotis hat an sich genomen menschlich natur Eckh (J)
58,5
2
‘glänzend weiß machen, erglänzen lassen’
sô hât snê geblenket die heide, / dâ die bluomen gâben ê
liehten schîn SM:UvB
5: 1,4;
ritterliche da ir swert / der arme kraft da clancte [La.
blanckte
] / durch wapen, daz ez lancte / die sel von dem libe WhvÖst
17581
3
‘sich hin und her bewegen’
er klaffendez hufisen! / owe, er karrende tur! / er kirret wider unde fur /
als in slaf ein blenkende lin [Fenster]
Jüngl
919;
irú oͮgen sint in minú geblenket [in die meinen
gesenkt] , ir herz gegen mir geneiget, ir sel und ir muͦt ane
underlaz in mich geboͤget Seuse
224,29
MWB 1 869,18; Bearbeiter: Tao
blenkieren
swV.
‘glänzen lassen’
man sach vil mange wîze hant / ir vinger dâ blenkieren KvWTroj
28211
MWB 1 869,40; Bearbeiter: Tao
blêren
swV.
‘blöken’
ouch hôrte man in [Widder] blêren / alsam ein
jungez lembelîn KvWTroj
11044
MWB 1 869,43; Bearbeiter: Tao
blesset
Adj.
‘einen weißen Fleck an der Stirn habend’ (vgl. blasse DWB
2,71):
do ward dem Betzen / gegeben [...] auch ain plassetz
rösslein MeierBetz
46
MWB 1 869,46; Bearbeiter: Tao
blesten
swV.
‘platschen, klatschend (auf etw.) aufschlagen’
Gâwân holt unsenften zins, / dô er untz ors drîn [ins
Wasser] bleste Parz
604,3;
Malfer sluͦg einen so vaste / daz er uf die erden blaste, / von dem slage tot
er lag Rennew
23370
MWB 1 869,50; Bearbeiter: Tao
bletelîn, blätel
stN.
Dimin. zu
blat
stN.
‘Blättchen’
1 zu
blat
1 :
2 zu
blat
2.1
1
zu
blat
1:
den risen des niht verdrôz, / er swung in an den arm sîn / sam ein ringez
bletelîn EnikWchr
9868;
vnd thuͦt diß die krancke natur, das sy ausser einem bletlein machenn mag
eynen menschenn, so ist es gott vil müglicher, das er auß eynem brott moͤge machenn
seyn leychnam Eckh
2:475,11;
klein bluͤmlin noch ein bletlin noch enkein grassprúnglin Tauler
157,1;
Seuse
64,26.
– als Bild für die Vergänglichkeit:
er [der Mensch] sol ouch
merchen, daz sin leben / einem blætelin ist vil gelich. / daz en mach des niht
erwern sich, / der wint enwæ ez hin dan StrKD
81,27
2
zu
blat
2.1:
der mag [Magen] hât inwendig vil
häutelvasen reht sam klaineu plätlein an ainem püechlein BdN
32,8
MWB 1 869,55; Bearbeiter: Tao
bleteren
swV.
‘Blätter abpflücken’
die truogen nâch im rôsen dar, / gepletert vrisch und wol gevar UvLFrd
228,24
MWB 1 870,7; Bearbeiter: Tao
bletiche
F.
→ blateche
MWB 1 870,10;
bletze
MN.
→
blez
MWB 1 870,11;
bletzelîn
stN.
Dimin. zu
blez
.
‘Fleckchen, kleines Stück Land’
daz wir in dem banne ze Holzhusen [...] ein blezzili
eins bongartin hindir dem hûs [...] dem selbin herne Johans
Snewilin hein ze eigin gegebin UrkCorp (WMU)
381,42;
da lit oͧch ein bletzlin eins wîngarten; das giltet ze zinse 6 d.
UrbHabsb
1:324,13
MWB 1 870,12; Bearbeiter: Tao
bletzen
swV.
‘einen Flicken ein-, aufsetzen, etw. flicken’
do zemal was sy als arm das sy nit gewandes hat won ainen gebietzten gebletzet
rok, den sy an truͦg Stagel
103,2;
er waz ouch ein guͦter demutiker man und herre, dovon bletzet er in einre
hervart sin wambesche ClosChr
57,4
MWB 1 870,19; Bearbeiter: Tao
blez, bletze
stMN., swM.
1
‘ein kleines Stück Tuch, Flicken’
2
‘Flecken, ein Stück Land’
3
‘in kleine Stücke geschnittene Kaldaunen’
4
‘Plätzchen, Gebäck, Kuchen’
1
‘ein kleines Stück Tuch, Flicken’
sy getruͦg niemer besser gewand won als es der covent gab, und das selb was
dik als gar krank das sy fil bletz dar an machet Stagel
18,15;
nieman geruchet nuwen bletzen / hin an ein aldes cleit zu setzen
[Mc 2,21]
EvStPaul
2658.
– „wohl ein kleines schmales stück, das vorgebunden wird um den unterleib
warm zu halten; ein fleck, wie dieses wort noch in brustfleck gehört
wird“ (BMZ 1:204b,8):
min maget heizzet Metze / und spinnet an eime bletze KgvOdenw
13,118;
er graiff ir an den bletze, / si stiesz in uff den buch: / daz spil was
hert unde ruch Bauernh
268
2
‘Flecken, ein Stück Land’
vnd an demme selben hofi lit ein blez, da ein trotte vffi stat
[...]; eien [l. einen
] blez rebin hinder des Babistis hvs, daz ist eigen; jn demme tal och
ein blez, daz lit nebint eime blezce, daz hort ce demme kilwarttvemi vnd ist och
eigen; jn der berggazzen ein blez vnd in demme widemi hofi och ein blez
UrkCorp (WMU)
N92,34ff.;
da mitte ist daz vorgenante bletz gevrsâzet [ersetzt,
abgegolten] vnd sol îemerme vnserre stette sin ebd.
2704,36,37
u.ö.
3
‘in kleine Stücke geschnittene Kaldaunen’
ingwant bletze, term und magen / und ouch kragen zuo der
gluot. / herbest tuot in baz danne sumer ê SM:Had
20: 2,4.
44:2,1
4
‘Plätzchen, Gebäck, Kuchen’
dis geschach [...] an dem sunnentage, do man
vierzehen tage hatte bletz gessen UrkCorp (WMU)
2361,39;
ouch mak man si [Kirschen] trugin in
der sonnen vnd mak si sidin vnde gizen vnd plecze dar vs machin, besmerit mit
honege, vnd gelegit eyn placz vf den andirn in eyme toppe odir in eyner
tyne [= zeine ‘Korb’]
Pelzb
127,25;
kuchin odir plecze ebd.
133,11
MWB 1 870,25; Bearbeiter: Tao
blî
stNM., auch swM.
auch blîges (Gen.,
BrEng
1
), blîge (Dat., Akk.).
1
‘Blei’
2
‘Bleitafel; Bleisiegel; Richtblei’ , auch ‘Wasserleitung aus Blei’
1
‘Blei’
di turne sint mit crefte / gemuͦret in di luͦfte / mit
regelen beslozzen / mit plie begozzen VMos
64,16;
Kchr
11542;
VAlex
709;
Herb
1834;
den plîen machen wir ze golde Kchr
2087;
daz [
gesmeid
] ist sibenlai: golt silber gunderfai kupfer zin plei und eisen
BdN
474,5;
den [für schuldig Befundenen] sal
min wellindi blie in uri [ihre] orin giezi
Mühlh
108,22.
– in med. Anwendung:
nim daz gepuluerte vnde daz gebrande bli
Ipocr
165;
dem si [
ougen
] vil gezehern, der nem bli und daz wize des eies
BenRez
14;
ruten saf, rosenolei, ezzige, wiz bli, zusamene gemenget,
vertribet das da heiset heilic fiur Macer
8,17;
SalArz
52,53;
OvBaierl
95,16.
– in Vergleichen und Metaphern, bezogen auf die Eigenschaften des Bleis (die
Weichheit, das schwere Gewicht, die Farbe) und dessen niedrigeren Wert gegenüber
anderen Metallen:
der bihte der sint drie: / einiu ist gezalt zuo dem
chuphir unde zuo dem blie; / einiu heizzet silberin, / daz lat die bezzeron sin;
/ diu dritte ist guldin, / daz lat die heristen sin Hochz
619;
si traten iz [Gold] unter die
fuͦze; / unter dem miste siz lizen, / sam iz bli ware Rol
4215;
ertrunchen sint si als daz blie in wazzeren grozen PsM
C 4,10;
von den schulden sicherlich / sol yclich mensch wol vorchten sich / daz iz
durch der sunden bly / nicht in der zal der lyeben sy / durch der guten werke
gebrech Hiob
13793.
2618;
antwürte, valschiu Milte! / sît dir ist swære alsam ein blî
/ diu Kunst KvWKlage
19,3.
31,3;
di nunzehende [Farbe des Harns]
ist als ein strich uon einem bli vnde heizet liuidus SalArz
111,21;
OvBaierl
43,1;
so swartz sam ein bli ErzIII
56,166;
wie gelantz, wie stark ain helm sy, / des schwertes schnit als in ain bliy
/ tringtt, wen du es tuwingest dar GTroj
2156
2
‘Bleitafel; Bleisiegel; Richtblei’, auch ‘Wasserleitung aus Blei’
sô scrîp an ein plîge oder an eine zinîne tavel sînen namen
Barth
148,11;
HvNstAp
2562.
2655;
er hieß graben an ein pley / das ain kunig ir vatter sey ebd.
2542;
nû wellent siz zuo bringen / mit blî unde mit perment, / daz man grôzs her
über sent Ottok
52637.
8352;
des getihtes zimmer, / ob daz nâch winkelmezze sî / niht geschicket, noch nâch
mûrer meisters blî Loheng
7649.
–
aber daz wazzer, daz man in kupfer laitet, ist gar pœs
und schad, und daz man in plai laitet, ist pezzer; daz in hülzeinn rœrn von
vörhem holz gelaitet wirt, ist aller pest BdN
104,3
MWB 1 870,60; Bearbeiter: Tao
blîalt
stM.
auch blîât, blîant.
‘ kostbarer, golddurchwirkter Seidenstoff’ (vgl. Brüggen, Kleidung, S.
269f.):
Genelun uuͦrte einin blialt / uz golde gewebin
Rol
1611;
do taten an die geste / phellil vnd zindat, / mit golde herte
wol genat, / samit vnde blialt, / mit gesteine wol bestalt Herb
481.
10657;
Parz
235,10;
Tr
18149.
15199
MWB 1 871,46; Bearbeiter: Tao
blîaltsîde
F.
verdeutlichende Bildung zu
blîalt
:
uz pliat sidin wol gevar Sigun lie von ir slifen / von Lunders einen porten
clar JTit
1283,1
MWB 1 871,53; Bearbeiter: Tao |