betrüebenisse
stFN.
fast ausschließlich in relig. Texten, in Bibelübersetzungen für tristitia,
tribulatio, conturbatio.
1
‘Betrübnis’
1.1 allgem. 1.2
‘Trübsal, Traurigkeit, Kummer’
1.3
‘Drangsal, Not’
2
‘Beeinträchtigung, Schädigung’
1
‘Betrübnis’
1.1
allgem.:
der [Gott] uns trœstet in allen
unsern betrüepnissen Eckh
5: 8,5
1.2
‘Trübsal, Traurigkeit, Kummer’
ir sult uch vrouwen / di in dem betrubnisse gewesin sit Brun
3539;
leit betrupenisse unde not / sich dem herren do erbot PassI/II
379,80;
betrubnisse und vorchte MarLegPass
25,245;
22,317;
Elis
944;
PfzdHech
316,37.
–
der betrupnisse cleit [Trauerkleidung]
Hester
1029;
zuͦ einem urkunde / sines herzen leide / vloz durch die ougen beide /
der betruͦbnisse ein bach Vät
4385.
23792;
PfzdHech
379,1.
1.3
‘Drangsal, Not’
daz [...] deme here von in iht
kume betrûbnisse StatDtOrd
114,9;
80,32;
ez wirt bedrubnisse also groz, / nie wart beschauwet sin genoz
EvStPaul
1255
u.ö.
2
‘Beeinträchtigung, Schädigung’
si zirgezind [l. ze ergetzende
] der selbin bitroͤpnuzze mit allim vlisse UrkCorp (WMU)
1829,32
MWB 1 719,12; Bearbeiter: Gärtner
betrüebesal
stN. , betrüebesale
stF.
1
‘Betrübnis, Trübsal’
2
‘Beeinträchtigung’
1
‘Betrübnis, Trübsal’
dv solt gedultich sin gein got, swenne er vber dich verhenget
siechtvmes betrvͤbsal PrBerthKl
5,53;
Sente Johane deme zoigete och got sine heimelichkeit, do er in bedrubesale waz
HlReg
55,34;
PrGeorg
122,9
u.ö.;
BdVollk
3,1
u.ö.
2
‘Beeinträchtigung’
an allez betruͤbsal von vns vnd von vnsern erben UrkCorp (WMU)
N550,1
MWB 1 719,32; Bearbeiter: Gärtner
betrüebetlîche
Adv.
‘betrübt’
betruͤptlich sy zuͦ im gieng FrSchw
5427
MWB 1 719,40; Bearbeiter: Gärtner
betrüebunge
stF.
1
‘Störung, Verwirrung’
2
‘Traurigkeit, Trübsal’
1
‘Störung, Verwirrung’
er hiez in in der celle wesen / und sine gebet zu Gote lesen / ane betrubunge
Vät
9267;
iz geschit dikke, daz von der wiungen der probsten grozze betrubunge wassent
in den clostern BrEb
65;
69;
BdVollk
211,13;
VitasPatr
306,4.
320,23
2
‘Traurigkeit, Trübsal’
owe die selben mere / waren Petro vil swere / mit betrvbunge zvplicht
PassI/II
58,83
MWB 1 719,42; Bearbeiter: Gärtner
betrüejen
swV.
‘gedeihen’
sô betrüejete er [Mensch] dester
baz und wüehse ûf ze gote, des sâme er ist Eckh
5: 111,12;
das unße stadt vnnd vnsre koeffluthe zcu Ilmene, by frede, bie eynunge, bie
ere, vnde bie guthe mogen bedrue vnnd beste UrkIlmenau
44
(a. 1330, kopial 15. Jh.)
MWB 1 719,50; Bearbeiter: Gärtner
betrügelich
Adj.
→
betrogenlich
Adj., Adv.
MWB 1 719,56;
betrügenlîche
Adv.
→
betrogenlich
Adj., Adv.
MWB 1 719,57; Bearbeiter: Gärtner
betrügnisse
stF. , betriegnisse
stF.
‘Hinterhältigkeit; Täuschung, Betrug’
wetriegnüss, vntrew vnd verrätnüss, die tagleich in der welt wachsent
Schachzb
62,97;
Teichn
704,21;
straffent ir mich mit boͤser kuͦnst, / mit bedruge und bedrugnisse / durch
gebresten des verstentenisse Pilgerf
2961.
2992
u.ö.
MWB 1 719,58; Bearbeiter: Gärtner
betrüllen
swV.
‘jmdn. betrügen’
daz mære iuch niht betrüllet Helmbr
60;
sus hete er widernullet [gerächt] , / daz er was
betrullet SchneekindA
82;
JTit
3012,2.
5274,4
MWB 1 720,1; Bearbeiter: Gärtner
betrûren
swV.
‘etw. beklagen’
der trûrige Marke [...] der betrûret
aber daz Tr
14918
u.ö.;
betrûren und bedriezen / muoz vil maniger muoter kint, / daz ûf dem mer der
segelwint / die Kriechen her gefüeret hât KvWTroj
37518;
MinneR 496
162
MWB 1 720,5; Bearbeiter: Gärtner
betrûrigen
swV.
‘jmdn. betrüben’
svelh bruͦder von geschihte von im ettewaz vnredlih vorderet, den sol er niht
versmahen noh betrourigen BrAsb
31.
34.
36
u.ö. (immer für contristare)
MWB 1 720,10; Bearbeiter: Hoffmann
betschelier
stM.
auch beschelier, ba(t)schelier, bachelier,
zahlreiche weitere Formen (bacheler, batzillier,
bascelier, beczel(i)er u.a.) im Lanc ; aus afrz.
bachelier. Zu Herkunft und Formen s. Suolahti 62; Rosenqvist 1,82f.;
Vorderstemann, Fremdw. 59-61.
–
‘Knappe, junger Ritter’
ich [Rennewart] bin ein armer
betschelier, / und doch vil werder liute vruht Wh
290,24;
ich bin ein armer beczeler, und erkennet mich licht
etschlicher von synen [Artus’] rittern Lanc
239,3;
dirre betschelier gemeit UvZLanz
2695.
–
ir edelen betscheliere, / vüerent her an schiere / rosse und swaz dar ûfe lît
UvTürhTr
915;
alle jung batschelier die der jost gerten
Lanc
380,24;
ich [
Pêleus
] bin ein junger betschelier / und hân gevohten selten KvWTroj
3638.
–
manig werder wetschelir, / ameral und cavalier HvNstAp
4020;
wol hundert soldenier, / sarjant und baschelier Ottok
45016
MWB 1 720,14; Bearbeiter: Hoffmann
bëtstuol
stM.
‘Betstuhl’
(s.a.
bettestuol
):
dô gienc daz münechlîn [...] unt vant daz kindelîn
enbor / ûf dem betestuole sîn Mönchl
234
MWB 1 720,32; Bearbeiter: Hoffmann
bëtswëster
stF.
‘Begine’
die begin von der stat, die man petswester heizzet UrkEichst
2,36
(a. 1307).
MWB 1 720,35; Bearbeiter: Hoffmann
bette
stN.
1
‘Bett, Nachtlager; Sitzbett, Diwan; Federbett, Bettpolster; Lager,
Liegestatt’
1.1
‘Liegebett, zur Nachtruhe bestimmtes Bett’
1.1.1 allgemein 1.1.2 verbale Wendungen 1.1.3 übertr.; 1.2
‘gepolsterter Sitz, Sitzbett, Diwan’
1.3
‘Unterbett, mit Federn oder Stroh gefülltes Bettpolster’ (Teil von
1.1 ) 2
‘Beet, Ackerstück, Feldmaß’
1
‘Bett, Nachtlager; Sitzbett, Diwan; Federbett, Bettpolster; Lager,
Liegestatt’
1.1
‘Liegebett, zur Nachtruhe bestimmtes Bett’
1.1.1
allgemein:
stratus ab sternendo dictus betti SummHeinr
1:369,387;
stratus: bette vel lectus ebd.
2:85,201;
lectus: bette VocOpt
20.005;
thorus: bette ebd.
20.006.
–
Möbelstück, das - im Gegensatz zu dem leichteren spanbette
- aus einem hohen hölzernen Gestell mit Bretterboden, Kopf-, Fuß- und
Seitenbrettern (vgl. bettebret) und Bettpfosten
(stollen) bestand und mit Vorhängen versehen sein konnte
(vgl. Heyne, Hausaltertümer 1, 265-268):
ein bette [...] ûf vier guldînen stollen
ErnstD
2377;
Parz
561,23;
ir bette [...] was vil
senfte und hoh. / dar uf moht ein sneller floch / mit sprungen niht
gelangen. / ez was vil wol behangen / alumbe und umbe fur den stoup
StrKD
145,366;
ein hôhez bette Boner
48,18;
ein schœne bette [...] drumbe swief / ein
wol getâner umbehanc Flore(G)
5953.
– häufig Beschreibungen der kostbaren Ausstattung des ~ mit
Polstern, Kissen und Decken (vgl. auch
bettewât
):
den [
sal
] funden si berihtet [...] mit vil
rîchen betten, lanc unde breit. / [...] vil
manigen kolter spæhe von Arraz man dâ sach / der vil liehten pfellel und
manec bettedach / von arâbîschen sîden, [...] /
diu declachen härmîn [...] und von swarzem
zobele NibB
1824,3;
ein kulter wart des bettes dach, / [...]
mit einem pfellel, sunder golt / [...]
gesteppet ûf palmât. / dar über zôch man linde wât, / zwei lîlachen
snêvar. / man leit ein wanküssen dar, / unt der meide mantel einen, /
härmîn niwe reinen Parz
552,13.
– weitere ausführliche Beschreibungen von Prunkbetten
En
1265;
Er
374;
Tr
18146;
Warnung
2953;
Schlegel
688
1.1.2
verbale Wendungen:
daz ~ bereiten / machen (vgl. auch
betten
swV.) ‘das Bett herrichten’
ein bette was da bereitet, / mit phellele wol
bebreitet GrRud
Ib 22;
ir bette hiez sie ir bereiten, / daz was schiere
getân Eracl
3104;
er hieß ein bette machen in die schonsten kamern
die da was Lanc
127,23.
–
ze ~ / an daz ~ gân
‘miteinander ins Bett, zu Bett gehen’
do begonden sie zu bette gan. / des nedarf nie man
vragen, / ob sie icht liepliche insamet lagen GrRud
Ib 29;
denne sol man des abendes gar zitlich ze bette gon, zehant nach
der complete Tauler
384,22;
der künic gienc an sîn bette wider / unde leite sich dâ nider
HvFreibTr
2961;
so si denne gazzen harte wol, / so begundens an
ein bette gan / und begunden da churtz wile han StrKD
58(A),25.
–
an (seltener in / ûf) dem ~ ligen
‘im Bett liegen’
ir iegelich an sin bette lac / vnde ruweten biz
an den tac Herb
7845;
so íh in súlehemo bétte gelígon mit mîne wíne
Will
32,1;
Hestor lag eins nachtes off sim bette, und
traumet im [...]
Lanc
319,26
u.ö.
–
ze ~ ligen
‘krank im Bett liegen, das Bett hüten’
sie lag auch alles zu bett und stanck so das
nymant bi ir beliben kund Lanc
537,15
u.ö.;
den swestern, die staiteclich ze béth ligenth UrkCorp
1624,23.
N756,12.
– die Ehefrau an daz ~ geben /
legen:
diu iuncvrouwe nû an daz bette wart gegeben, / dar an sie muoste
der minne bûhurt lîden Loheng
2359;
darnâch diu kuniginne / schœne und gehiwer / zuo dem fursten tiwer
/ wart gelegt an ein bette Ottok
90533
1.1.3
übertr.;
‘Lager, Liegestatt’
under der linden / an der heide, / dâ unser zweier bette was
Walth
39,13;
TürlArabel
*A 163,19;
sein kunigleiches pette was / laub, kle, blumen
und graß HvNstAp
6783;
KvWTroj
16484;
SM:Had
41:2,2;
tracken galle ist unser [der
Verdammten] trank, / [...] die
wurme sullen unser bette sin ErzIII
6,381.
– in Hoheliedauslegungen:
daz bétte ueri Salomonis. [Ct
3,7] daz íst ęcclesia. in íro rûouuet ér. also der mán
in sînemo bétte Will
51,6;
got unse̜r allir herre
[...] rvͦwete̜ aller êrest an deme bette
daz was mîner trût froͮwun sêle TrudHL
41,8;
Maria di were gotis bette, / dar in er sich legete durch libe /
der tochtere Jherusalem Brun
1552.
– als Ort der unio mystica:
daz bette da únser herre und dú sele an ruͦwen sont PrGeorg
20,23;
Mechth
7:21,39;
Tauler
279,25
1.2
‘gepolsterter Sitz, Sitzbett, Diwan’
mit pfelle von Kaukasas / vil bette wârn gedecket wol; /
diu sâzen edler vrouwen vol Wig
10854;
sie saßen alle dry nieder off ein bette und begunden von
manigerhande ding zu reden; [...] uber ein wil stund
die konigin off und ging schlaffen Lanc
297,31.
257,30.
633,12
u.ö.;
KvWTroj
22783;
UvLFrd
347,23.
– bei der Bewirtung von Gästen ausgelegte Sitzgelegenheit:
des wirtes sun, ein knappe, truoc / senfter bette dar genuoc / an der
want gein der tür: / ein teppich wart geleit derfür. / dâ solte Gâwân sitzen
Parz
549,24.
229,28;
swie wunneclîch der garte was, / [...] dâ
wurden bette în getragen / mit phellînen ziechen KvFuss
2350.
– in Doppelfunktion als Sitz- und Liegebett:
ûf einem strô was ir baz, / dâ sie bî im
lac ode saz, / danne mit aller der zierheit, / die
ûf des keisers bette was geleit Eracl
4398;
UvLFrd
348,14;
PrOberalt
37,4
1.3
‘Unterbett, mit Federn oder Stroh gefülltes Bettpolster’ (Teil von
1.1):
culcitra: bette VocOpt
20.010;
abir dv bettv [
lectisternia
] . dv svns [= suln si
] han nah ir wandlunga vnde nah der gesezida ir aptis
BrEng
22
(in anderen Übers. stattdessen bettegewant).
–
zwei bette wâren drûf [auf das spanbette
] geleit, / mit rîchem pheller wol bezogen ErnstB
2600;
ouch was daz bette [Bettgestell] wol beriht
/ mit betten [Bettpolstern] lieht gemâle, /
bezogen mit zindâle, / dar obe zwei lîlachen klâr ErnstD
2391;
daz stroͮ ist umbe kornes willen und nit me, man welle denne ein bette
daruz machen do du uffe ruͦwest Tauler
20,8;
En
1275.
– im Sprichw.:
ich wæne, daz iht bettes sî, / dâ sî ein bœsiu veder bî Freid
120,21
2
‘Beet, Ackerstück, Feldmaß’
areola lectulus: lectus in horto id est bette, diminutivum ab area
SummHeinr
2:103,70.
2:161,200;
areola: bet VocBV927
3:351,35;
dar nâch dô stacte̜ er die̜ edilen planze in,
[...] dô was daz pette wol gebouwen
TrudHL
81,16.
– in elsäss. Urkunden (nur hier stF.):
zweî bette dez aggkerz, der da lit vf der burstat UrkCorp
2260,45;
die zwenzig fuͤder wingeltes, die ich der fuͥr habe vf der bette ze
Mollesheim ebd.
N778,7.
N609,13
MWB 1 720,37; Bearbeiter: Hoffmann
bette
swF.
→
gebette
swF.
MWB 1 722,32;
bettebodem
stM.
‘Bretterboden des Bettes’
pluteus: bettebodym VocAbstr
360
MWB 1 722,33; Bearbeiter: Hoffmann
bettebrët
stN.
‘Seitenbrett des Bettgestells’, metonym. für ‘Bett’
spondea: bettebret VocBV926
3:621,11;
daz er durch got nine git, / biz er bi dem bettebret
gelit [auf dem Krankenbett liegt]
Hochz
631;
meister Cunrat selbe quam / zu der frouwen lobesam / sitzen fur ir bettebret
Elis
8967.
1633.
8895;
ErzIII
40,63;
Bauernh
380;
Reiher
351;
StRFreiberg
274,31
MWB 1 722,35; Bearbeiter: Hoffmann
bettedach
stN.
‘Bettdecke’
manec bettedach / von arâbîschen sîden NibB
1825,2
MWB 1 722,43; Bearbeiter: Hoffmann
bettegegate
swM.
‘Bettgenosse, Ehegatte’
swer wer so ungehure, / der do wold virvratin [quälen,
plagen] / sinen betgegatin PfzdHech
189,5
MWB 1 722,45; Bearbeiter: Hoffmann
bettegëlt
stN.
‘Bezahlung, die im bettespil geleistet wird’
daz ez ê selten sî geschehen, / daz ie sô schœne messinc /
vür guldîniu teidinc [die unterschobene Braut statt der
richtigen] / ze bettegelte würde gegeben Tr
12609
MWB 1 722,48; Bearbeiter: Hoffmann
bettegenôʒ, bettegenôʒe
stswM.
‘Bettgenosse, Ehepartner’
als on got gewirdigit hat in disem leben zu einem elichin bettegenozin der
heiligen frouwen Elyzabeth Köditz
18,6;
in daz ellende [...] wart er gestozen / mit sinem
bettegenozen HistAE
5932;
iuwer bettegenôz HvFreibTr
4837
MWB 1 722,53; Bearbeiter: Hoffmann
bettegeræte
stN.
‘Bettzeug’
zim bette gerethe [
stramenta lectorum
] ist ez gnvͦch an einr mattvn. vnde an eim vilze. vnde an eim
bettvͦche vnde an eim chvssin BrEng
55;
vnd [
ich
] hatte [früher] bette von golde, vnd waren
mit gar edelem gewete, da fúr het mir got dis betgerete [
stramentum hoc
] gegeben VitasPatr
318,18
MWB 1 722,59; Bearbeiter: Hoffmann
bettegeselle
swM.
‘Bettgenosse’
der liebe man, daz liebe wîp, / die lieben bettegesellen / nu pflegen, swes
sie wellen HvFreibTr
5429
MWB 1 723,1; Bearbeiter: Hoffmann
bettegespil
swF.
‘Bettgenossin’
daz ich [...] nitt enberen wil / sin tochter sy min
bett gespil GTroj
23442
MWB 1 723,4; Bearbeiter: Hoffmann |