beginstnisse
stF.
‘Anfang, Ursprung’
got [...] / aller menschen geburt hat er / geformet
unde hat gewis / vunden der dinge beginstnis Macc
8894;
an deme beginstnisse der [...] reyse MarcoPolo
75,2
MWB 1 486,44; Bearbeiter: Schnell
begir
stFN.
auch beger.
‘Bedürfnis, Verlangen’
– bezogen auf natürliche Bedürfnisse:
ez benimt den lust ze ezzen und die begir der unkäusch
BdN
416,22;
WernhMl
329.
– bezogen auf einen Wunsch, ein inneres Streben:
do er den apfel ir / gap nach ir hertzen gir [La.
begir
] , / den diu schœnst solt enpfan JvKonstanz
752;
hebe vf din bette vnd nach begir / gewander hin, war wollest du
EvStPaul
11653;
durch des lernins beger / wart he ein discipuler PfzdHech
170,30;
KvHelmsd
4385
MWB 1 486,49; Bearbeiterin: Baumgarte
begirde
stF.
auch begerde.
‘Verlangen, Begierde’
– bezogen auf natürliche Bedürfnisse:
die tzaichen des guetenn magens sint: ring des leibes,
klarhait der verstanndenhait, guet wegirde des essenns HvHürnh
28,15.
39,8.
3,1.
– negativ gewertet ‘Begierde, Habgier’ und wohl auch allgemeiner
‘Laster, Schwäche’
man sol die begirde des flaͤzsches niht volpringen
SpitEich
39,38;
swer richeit also meinet, daz er dar nach gewinnet solch begerde, / dem tuͦt
sich uf diu erde JTit
6175,2;
Lanc
18,16;
Tauler
407,18;
meilmut komt von begirden Frl
7:18,13;
Krone
25911;
dem positiven, terminologisierten Gebrauch der myst. Lit. (
DvAStaff , Eckh , Seuse )
gegenüberstellend:
wenn ich red von der begirde, / so betracht ich weltlich wirde / und tracht
nit ze himelrich Teichn
590,1.
– bezogen auf ein inneres Streben oder einen heftigen Wunsch:
vnde dv́ andaht [...] wirt niht worte
bedv́rfende, noch mit worten enmag si begrifen ir herzen begirde, vnde allein mit
svftenne vnd mit gervnge vͤbit si sich DvAStaff
188
u.ö.;
wand alliu sîn begirde / stuont nâch zweier hande lob Ottok
94591;
Pylatus [...] erteilte, das ir [des
Volkes] begirt beschehe und lies in den, den si da begerten
EvPass
242,6;
HvHürnh
6,2.
–
beteliche ~
‘Ersuchen’
dz wir uns neigen genedencliche gegen der betliche begirde, div vns lobt und
impfilt vzgenoͤmelich getruwer dienst mit steten willen UrkCorp (WMU)
574,38
u.ö.
MWB 1 486,60; Bearbeiterin: Baumgarte
begirdeclîche
Adv.
‘aus innerem Antrieb, mit Eifer’
dú frowe zoch das kint allain / an ieren brústen wirdeklich, / mit trúwen gar
begirdeklich, / alse ir tugende wol gezam WernhMl
572
MWB 1 487,25; Bearbeiterin: Baumgarte
begirden
swV.
‘verlangen, wünschen’
ir sinne des begirdent / daz si iuch gern sæhen WhvÖst
7194.
– Part.-Adj. ‘auf etw. ausgerichtet’
von einem willen, der geherzigot vnd begirdot ist geistlich RvBib
21,5
MWB 1 487,29; Bearbeiterin: Baumgarte
begirec
Adj.
1
‘begierig, verlangend’
2
‘begehrenswert, erstrebenswert’
1
‘begierig, verlangend’
sus zogten si gæn Solia: uf der suͤzzen Minne sla / begiric was ir hertz
WhvÖst
15529;
der da fur mocht der enbeit des hindersten nit, so begirig
waren sie zu striten Lanc
236,20;
dar usz sulent ir trincken [...] in ewer begirigs
hertz das feur der minen HvNördlBrf
43,81
2
‘begehrenswert, erstrebenswert’
der mensche nême abe von allen dingen daz grobeste unde nême sie nâch dem unde
sie lustic unde begiric sint Eckh (Pf)
199,35
MWB 1 487,34; Bearbeiterin: Baumgarte
begirecheit
stF.
‘Gier’
wenn auch die begirikhait chostleicher speis waͤr alz vͤber maz,
[...]daz waͤr ein totsuͤnd RechtssA
F36,30.
– personif. ‘Habgier’
Begyrikeit bin ich genant / umb das ich eins andern guds begern zu hant
Pilgerf
9439.
9437
MWB 1 487,44; Bearbeiterin: Baumgarte
begirlich
Adj., Adv.
auch begerlich.
1
‘begehrenswert, erstrebenswert’
2
‘begehrend, verlangend, strebend’
1
‘begehrenswert, erstrebenswert’
ein schaz begerlich ze aller stunde / ruowet in wîser liute munde
Renner
17727;
daz gebot schînet swære, und der lôn ist begirlich Eckh
1:67,10;
HvHürnh
2,4;
Seuse
50,29.
– in Anrufungen:
du begirlicher bist komen / und haist úns laides vil genomen
WernhMl
11707;
ô begerlîchiu maget / sunder sünden dorn bedaget WvRh
14643
2
‘begehrend, verlangend, strebend’
des keisers wille gienc do vor / und sin begerlichez manen Pass III
271,85.
25,18;
allen begirlichen menschen die gerne zuͦ irme besten kement Tauler
123,12;
Eckh
5:273,7
u.ö.
–
begirlichiu craft/maht als Terminus:
zum dritten mal muͦsz man kommen über all begerung und über die begerliche
kraft [
concupiscibilis vis/potentia, vgl.
Anm.z.St.]
Seuse
522,23;
ThvASu
148,16.
186,29.
30;
ein getat der begerlicher maht ebd.
146,5
MWB 1 487,49; Bearbeiterin: Baumgarte
begirlîche
stF.
hier begerliche.
‘Verlangen, Streben’
aber volkomen, daz hat ein rede der begerlichi unde des guotes [
perfectum vero habet rationem appetibilis et boni
]
ThvASu
234,18.
162,9
MWB 1 488,3; Bearbeiterin: Baumgarte
begirlicheit
stF.
hier begerlicheit.
‘Begehren, Verlangen, Streben’
nicht in der brunst liblicher geluste unde begerlichkeit, sundirn in elicher
kuschlicher zuchtikeit Köditz
27,32.
28,23;
Teichn
590,5;
waz ist schonde? / ein schickunge der naturlichkeit, / ein menschliche
begerlichkeit [
humana concupiscentia
] , / einer korten zit gestalt, / ein blume di do nicht wert alt
Secundus
434.
–
dar umbe behöret die begirde zu der begerlicheit, aber der gedinge behörent
zuo der zornlicheit ThvASu
164,1.
166,19
MWB 1 488,7; Bearbeiterin: Baumgarte
begirn
swV.
→
begërn
MWB 1 488,18;
begirunge
stF.
→
begërunge
MWB 1 488,19;
begister, begisterz
stM.
‘Bachstelze’ (vgl. AWB 1,838; s.a. lister):
sepicecula: begisterz SummHeinr
1:166,753;
sepicecula: begister ebd.
2:66,269
MWB 1 488,20; Bearbeiterin: Baumgarte
beglenzen
swV.
‘jmdn./etw. bescheinen, bestrahlen’
sâ welch herze oder mût / mac bevân di wunne, / dâ sô manige sunne / dîn
gotlîch schîn beglenzet NvJerAdalb
31
MWB 1 488,23; Bearbeiter: Schnell
beglîmen
stV.
‘jmdn./etw. beleuchten, bescheinen’
alliz daz der himel hat bebreit / [...] / unde di
sunne beschinet / unde di mænin beglimet, / daz hat er alliz vbirmessen Glaub
118;
Parad
23,7
MWB 1 488,27; Bearbeiter: Schnell
beglîmunge
stF.
‘Beleuchtung’
der andere tac ist ein begliminde beglimunge gotlichis furis Parad
23,7
MWB 1 488,31; Bearbeiter: Schnell
beglîten
stV.
‘ausgleiten’
swelich sele dar vf [auf die glatte Brücke] quam,
die da vnreinicliche gelebt hatte, die begleit immer da PrLpz(L)
65,5.
–
in den stric
~
‘in die Schlinge geraten’
daz der in den stric begleit, / der in eime andern hette
geleit Herb
16018
MWB 1 488,34; Bearbeiter: Schnell
beglûmen
swV.
‘jmdn. täuschen, hinters Licht führen’
mit alsulchim schricke / beglûmte er sô dicke / dî Littouwin hî und dort
NvJer
20375;
vil man ir ouch von dannen trûc, / dî in den tôt wârin wunt; / und dô sî alsô
drîstunt / dî Prûzin î beglûmetin, / nicht sî iz dennoch rûmetin ebd.
12589.
7350
MWB 1 488,40; Bearbeiter: Schnell
begnâden
swV.
1
‘jmdm. Gnade erweisen, seine Schuld erlassen, jmdn. von Sünden erlösen’ (mit Akk.d.P.) 2 rechtl. Gebrauch 2.1
‘jmdn./etw. (eine Stadt) (mit einem Privileg) ausstatten, beschenken’
2.2
‘jmdn. (von einer Abgabe) befreien’
1
‘jmdm. Gnade erweisen, seine Schuld erlassen, jmdn. von Sünden erlösen’ (mit
Akk.d.P.):
warer got, begnade mich, min súnde sint mir werlichen leit!
Mechth
3: 21,105;
er hat uns begnadet in sinen geminten sun [Eph 1,1]
ThvASu
64,33;
des bitt ich uch, frau, das ir mich darumb begnadent und
nement besserung wie ir selber wollent Lanc
292,8;
PrOberalt
79,19;
Seuse
375,12;
HeslApk
862.
– Part.-Adj. ‘durch Gottes Gnade ausgezeichnet’
dis sint etteliche andehtige guͦte bredien des erlúhteten begnodeten lerers
bruͦder Iohans Tauwelers Tauler
7,2;
mit der begnater craft [
virtute gratuita
]
ThvASu
194,19;
die begnadete tugent [
virtus gratuita
]
Gnadenl
3:O1,332
2
rechtl. Gebrauch
2.1
‘jmdn./etw. (eine Stadt) (mit einem Privileg) ausstatten, beschenken’
wan wir vnd vnser erben van vnserm gnædigen herren apt Fridereichen
[...] nach des landes reht mit einem weinzehent ze
Perchtolstoͤrf sein begnadet UrkCorp (WMU)
996,8;
da begnate uns unser herre kunch Ruͦdolf mit unde bechante
uns unserr raehte StRAugsb
1,19;
der kobil [Stuten] milch trynkit nymant me wen
der groze chaam, ane eyn volk das ist sundirlich begenodit von Cyngius
MarcoPolo
21,8
2.2
‘jmdn. (von einer Abgabe) befreien’
unde sal och eini marc gebi an die stad, daz min su
[auf dass man sie] miti gibezziri. wollin su un
abir an ichti bignade, daz mugin su tu Mühlh
163,1.
162,21
MWB 1 488,47; Bearbeiter: Schnell
begnâdunge
stF.
1
‘Gnadenerweis’ (Gottes) 2
‘Schenkung, Privilegierung’
1
‘Gnadenerweis’ (Gottes):
als einem ellichen [jeglichen] beginne der
begnadunge in der menschlicher naturen ThvASu
64,31;
die eine [Anfechtung] driben ich an sine beduronge
[Erbarmen] , / die ander vor sine konniglich
begnadonge Pilgerf
12631
2
‘Schenkung, Privilegierung’
alle guttere vnde lehen, dye von dem reiche zcu lehen rurin
[...], mage der orde an fordir irholunge
[ohne weitere Anfechtung] von sulchir begnadung wegin
an alle beswerung jn fryher eygenschafft behaldin UrkCorp (WMU)
222AB,8
MWB 1 489,12; Bearbeiter: Schnell
begougeln
swV.
‘jmdn. täuschen, verführen’
wie der man begoukelt ist / der sîn wîp guot machen kan / und ist selbe ein
unreht man WälGa
4036;
dô wart si sêre betrubet und sante ime einen brif und vil smêlîcher wort dar
inne, alsô daz her begoukelt wêre und zoubernisse volgete HvFritzlHl
43,19;
der [Teufel] ist ein goukelêr, / der uns anevihtet
immer mêr / mit sîner valschlîchen luge, / wie er uns bekoukel muge Kröllwitz
4182;
Pass III
686,37
MWB 1 489,23; Bearbeiter: Schnell
begoumen
swV.
‘jmdn./etw. bewachen’
[Maria bat die Apostel] daz ir lîp sô behuoten sî, / daz
er verzucket würde niet / von der jüdeschen diet, / und alsô begoumeten in, / daz si
nit spotteten sîn WvRh
14616
MWB 1 489,33; Bearbeiter: Schnell
begraben
stV.
1
‘jmdn. begraben, beerdigen, bestatten’
1.1 bildl. 1.2 in der Wendung in jmds. herzen
1.3 in der Wendung lëbendec
2
‘etw. vergraben’ (z.T. mit präp. Erg.) 3
‘etw. mit Gravuren versehen’
1
‘jmdn. begraben, beerdigen, bestatten’
mit salmen unt mit gebet / ir toten sie begruͦbin
Rol
8663;
ê daz man in begrüebe, man sanc unde las NibB
1065,3;
und sulen sie mit solichen eren singennes und lesennes als unserem bruder
begraben und bestaten UrkCorp (WMU)
N388,30;
TrSilv
836;
AvaLJ
102,3;
Spec
1,11.
– mit einer durch in/ ûf/ ze angeschlossenen präp. Erg.:
min lichename werde ê begraben in der erde
Rol
6167;
Agomennon do liez, / [...] / in
einen mermelsteine / Prothesilaum begraben Herb
6109;
dar nach wart er begraben in Ebron Lucid
15,14;
PrOberalt
118,31;
Lanc
16,15;
Mechth
7:53,20;
myn vatter und myn mutter ligent alda begraben off dem
kirchoff Lanc
192,30;
do liez er sinen lichnamen zuo der erde begraben
AvaLJ
159,2;
do wart er zv Delfos begraben Herb
18194;
Mechth
5:9,21;
Eracl
5391
1.1
bildl.:
sol ez iemer dâ zuo komen, /
[...] / daz triuwe und êre werde / begraben in der
erde, / sô ligent si beidiu hie begraben Tr
18658;
mîn vreude ist êwiclîch begraben / mit jâmer unz an mînen
tôt Wig
980;
dem ist sîn hôher sin begraben UvLFrd
588,2
1.2
in der Wendung in jmds. herzen
~ :
Kriemhilt ir leit daz alte in ir herzen was begraben
NibB
1912,2;
der hât daz lebende paradîs / in sînem herzen begraben
Tr
18067;
ein trûren, daz nu menegen tac / in mînem herzen lît
begraben MF:Reinm
36b: 2,5;
Boner
33,35
1.3
in der Wendung lëbendec
~ :
künig Alexanders muter, / die keiserinne rich, / die
lebendig wart begraben Mügeln
359,11;
so ist diu rehte urteil, daz man in laebendigen begraben
sol StRAugsb
88,8.
– bildl.:
mîn freude ist lebendec begrabn Parz
461,12
2
‘etw. vergraben’ (z.T. mit präp. Erg.):
recht als ein man her tuͦt, der da begrebet sin selbes
guͦt [Mt 25,18]
Macer
Reimvorr. 8;
vnd begrap den boum eyner spannen tyf Pelzb
121,35;
daz golt, daz begraben ist / tieffe undir den mist
Hochz
47;
daz selbe vaz solt dv begrabin in der erde nivn tage
Ipocr
311;
OvBaierl
157,9.
– bildl. ‘etw. eingraben, versenken’
den man siecht in sunten schallen, / in dem ist got nicht begraben
Teichn
40,87;
diz wort in dir danne lit / begraben: ganc zu Gote! Daniel
2979
3
‘etw. mit Gravuren versehen’
ez wil nyndert ein pawr sein, / er well gantzeu wappen haben, / schilt und
helm schon begraben Teichn
351,14
MWB 1 489,38; Bearbeiter: Schnell
begraben
swV.
‘etw. mit einem Graben umgeben’
vil wol her si [die Burg] in sîner zît / begrabete
und bemûrde En
13297;
er hieß den wald umbehaben, / hie verzeinenen und da pegraben
HvNstAp
8791;
an die begrabenun wîse UrkSlgAlmende
408
(a. 1225).
– bildl.:
[Das Beispiel soll beherzigen,] wer ger ein frawen
gewynnen, / die mit eren ist begraben, / daz sie in werde liep haben Minneb
2869
MWB 1 490,21; Bearbeiter: Schnell
begrabunge
stF.
‘Begräbnis, Beerdigung’
in eime iegelichen hûs sal man haben ein wîz tûch mit eime
swarzen crûce zu der begrabunge unser brûdere, die dâ verscheiden
StatDtOrd
71,31;
daz sy hat gehabit, daz hat sy getan, sy ist kumen czu salben den licham myn
in der begrabunge [Mc 14,8]
EvBerl
55,1;
sô sint si gegen mir gegangen unverwunnen unde zugen mich doch zuo dem tôde
und zuo der begrabunge PrHermet
334
MWB 1 490,30; Bearbeiter: Schnell |