begîne
swF.
‘fromme Frau, Laienschwester, Begine’ (vgl. LexMA 1,1799-1803):
und sin uͤbunge sol sin gemeine minne zuͦ allen menschen
[...] es si nunnen oder múnche oder begine
Tauler
193,17.
285,9;
die begin von der stat, die man petswester heizzet
[...], di bereden muͤgen, daz si uͤber ir leipnar weder
chauffen noch verchauffen, suln ungestiwert sin UrkEichst
2,36
(a. 1307);
o ir vil torehtigen beginen, wie sint ir also vrevele, das ir
vor únserm almehtigen rihter nit bibenent [...] ! nu ich
[Mechthild] bin die minste under úch
Mechth
3: 15,4.
3:24,4;
SHort
4796;
HvNstGZ
435;
Yolande
4022
MWB 1 484,63; Bearbeiter: Schnell
beginen
swV.
‘den Rachen aufsperren, jmdn. verschlingen’
ani imo zi vil biginit er [der
Teufel] , / do muoser widir gebin / daz er e von schuldin mochti
habin SuTheol
133b;
der tobende wûterîch / der was der hellen gelîch, / di daz
abgrunde / begenit mit irn munde SAlex
6674;
von süezes lîbes smacke wart in daz kindel kunt. / von grôzer hungers nœte
iegelîches wolves munt / daz kindelîn beginte WolfdA
101,3.
– bildl.:
ein jvncherre was eines graven kint / den hete der sichtuͦm so begint / daz er
niht gesten mohte Albert
1523.
– Sprichw. (?):
swer ze vil beginen wil, / erwirget er, êst niht ze vil [würgt er
daran, so geschieht es ihm recht]
Virg
626,4
MWB 1 485,12; Bearbeiter: Schnell
beginlich
Adj.
‘grundlegend, übergeordnet’
die beginlichen besliezunge der kunst [
principales conclusiones scientiae
]
ThvASu
228,31
MWB 1 485,26; Bearbeiter: Schnell
beginnære
stM.
‘Anfänger (der am Anfang steht), Initiator’
ein beginnære, der eines guoten lebens beginnen sol, der neme ein glîchnisse
Eckh
3:397,4;
dy erstin heysin dy beginner, [...] dy andirn heysin
dy zunemere [...] dy dritten sint dy vollinkomenin
Cranc
Uzl 257,14.
Uzl 257,24;
Joseph, der heilige man, / [...] / und aller tugende
ein spiegelglas, / ünsers heiles beginner WvRh
15818
MWB 1 485,29; Bearbeiter: Schnell
beginnærinne
stF.
‘Anfängerin, Begründerin’
beginnerinne, dy aines guͦten lebens beginne wolten, dy süllen tuͦn alz ainer,
der ainen zirkel macht Eckh
3:414,15;
der reinen gotes tragaerinne, / der kristenheit beginnaerinne; / der süezen
muoter unde magt Philipp
9087
MWB 1 485,37; Bearbeiter: Schnell
beginne
stN.
→
begin
stN.
MWB 1 485,43;
beginnen
stswV.
(IIIa mit st. und sw. Prät.)
‘beginnen, anfangen’
1 überw. mit einfachem Inf.; oft umschreibend 2 mit Obj. 2.1 mit Gen.d.S. 2.2 mit Gen.d.S. und Dat.d.P. (zur Paraphrase von lat. creare , vgl. Freytag, SuTheol., S. 146) 2.3 mit Akk.d.S. 2.4 mit abh. Satz 3 intr. 4 refl.
1
überw. mit einfachem Inf.; oft umschreibend:
an den stunden ruofen si begunden AvaLJ
144,1;
swâ daz fleisch beginnet fûlen oder tôten Barth
141,3;
sus begunden si sich under in / slahen unde morden starke
Tr
442;
Eracl
398;
HimmlJer
1.
– Inf. mit ze:
do begunde sic [sich] das wazzer cze
minneren vber cehenzic vnd funfczig tage Konr
1,39;
ze vrâgen er begunde Parz
29,30;
da begund die frauw erbermclich zu weynen Lanc
17,24;
BdN
172,32.
– Gerundium mit ze (häufig bei Mechth ):
dú italkeit ist dú erste súnde, dú den menschen beginnet ze
jagende von gotte Mechth
5: 19,5;
und si [die Seele] beginnet ze
vliessende von herzeklicher liebi ebd.
6: 1,138.
6:13,8
u.ö.
2
mit Obj.
2.1
mit Gen.d.S.:
in sines namen minne / so beginne wir dises liedes
HimmlJer
17;
dô sî der vart begunde Iw
7945;
wan beginnet ir der spil NibB
471,1;
do des strîtes wart begunnen Parz
689,7;
eines liedes wil ich beginnen Wernh
1;
SM:Gl
1:10,7.
– in der Wendung: klage
~
‘Klage erheben, einleiten’
wie her der klage beginnen suͦle UrkCorp (WMU)
51,32
2.2
mit Gen.d.S. und Dat.d.P. (zur Paraphrase von lat. creare, vgl.
Freytag, SuTheol., S. 146):
der du gnad ist, der hat avir
bigunnin [erschlossen] / unsirmo herzin einis
brunnin SuTheol
249;
duo habet er ime
begunnen [erschaffen] / der ougen von der sunnen
VEzzo
49
2.3
mit Akk.d.S.:
hier begin ih einna reda umbe diu tier, waz siu gesliho
bezehinen ÄPhys
1,1;
jâ, der ez et begünde, / der suohte, unz er mich vünde
Tr
19523;
den bv, den si zu Alsnac uppe deme berge hatte begunnen
UrkCorp (WMU)
44,22;
Mechth
4:28,3
2.4
mit abh. Satz:
si heten begunnen, das si in dem lobe des almehten gotes
zallen czeiten wæren Konr
16,35
3
intr.:
hie beginnet daz arzinboͮch Ypocrotis Ipocr
3;
in nomine domini, ich wil beginnen, sprechent âmen Walth
31,33;
achzen huben, die beginnen, do sich die nesten huben von der stat enden
UrkCorp (WMU)
777,1.
93,6;
Eracl
2816
4
refl.:
von gote sî verwâzen / diu ungnædige stunde / an der sich êrste begunde / diu
vil swære gewonheit ZwBüchl
8;
vervluochet sei diu ere / vnd der sælden stunde, / dar an sich begunde / meins
vater sælicheit Krone
378;
die kuͤnstigen tag [Lichttage]
beginnent sich an der sunnen aufgank [...] und enden sich
an der sunnen underval KvMSph
41,4
MWB 1 485,44; Bearbeiter: Schnell
beginnunge
stF.
‘Anfang, Beginn, Ursache’
wan her di beginnunge des êwangêlischen beginnes ist lêrinde EvBeh
71.
7;
minne vil süeze beginnunge hât / und dunket an dem anevange guot
MF:Berng
3:2,5
MWB 1 486,29; Bearbeiter: Schnell
beginsel
stN.
‘Beginn’
oich spricht men, het sy bescheydenheit / de dbeghynsel weder steit
[die dem Beginn (von Amors Eroberung) widersteht]
MinneR 496
292
MWB 1 486,34; Bearbeiter: Schnell
beginst
stF.
‘Anfang, Ursprung’
die dri [die Trinität] ein wesen umbekreißt, /
unspeldig, ewig, an beginst MügelnKranz
2173;
ich disputieren kan / von aller hande kunst beginst ebd.
259;
o wiser rat [...] / ursache aller sache bist, /
beginst, du mittel, ende PvReichenb
2:7,14
MWB 1 486,38; Bearbeiter: Schnell
beginstnisse
stF.
‘Anfang, Ursprung’
got [...] / aller menschen geburt hat er / geformet
unde hat gewis / vunden der dinge beginstnis Macc
8894;
an deme beginstnisse der [...] reyse MarcoPolo
75,2
MWB 1 486,44; Bearbeiter: Schnell
begir
stFN.
auch beger.
‘Bedürfnis, Verlangen’
– bezogen auf natürliche Bedürfnisse:
ez benimt den lust ze ezzen und die begir der unkäusch
BdN
416,22;
WernhMl
329.
– bezogen auf einen Wunsch, ein inneres Streben:
do er den apfel ir / gap nach ir hertzen gir [La.
begir
] , / den diu schœnst solt enpfan JvKonstanz
752;
hebe vf din bette vnd nach begir / gewander hin, war wollest du
EvStPaul
11653;
durch des lernins beger / wart he ein discipuler PfzdHech
170,30;
KvHelmsd
4385
MWB 1 486,49; Bearbeiterin: Baumgarte
begirde
stF.
auch begerde.
‘Verlangen, Begierde’
– bezogen auf natürliche Bedürfnisse:
die tzaichen des guetenn magens sint: ring des leibes,
klarhait der verstanndenhait, guet wegirde des essenns HvHürnh
28,15.
39,8.
3,1.
– negativ gewertet ‘Begierde, Habgier’ und wohl auch allgemeiner
‘Laster, Schwäche’
man sol die begirde des flaͤzsches niht volpringen
SpitEich
39,38;
swer richeit also meinet, daz er dar nach gewinnet solch begerde, / dem tuͦt
sich uf diu erde JTit
6175,2;
Lanc
18,16;
Tauler
407,18;
meilmut komt von begirden Frl
7:18,13;
Krone
25911;
dem positiven, terminologisierten Gebrauch der myst. Lit. (
DvAStaff , Eckh , Seuse )
gegenüberstellend:
wenn ich red von der begirde, / so betracht ich weltlich wirde / und tracht
nit ze himelrich Teichn
590,1.
– bezogen auf ein inneres Streben oder einen heftigen Wunsch:
vnde dv́ andaht [...] wirt niht worte
bedv́rfende, noch mit worten enmag si begrifen ir herzen begirde, vnde allein mit
svftenne vnd mit gervnge vͤbit si sich DvAStaff
188
u.ö.;
wand alliu sîn begirde / stuont nâch zweier hande lob Ottok
94591;
Pylatus [...] erteilte, das ir [des
Volkes] begirt beschehe und lies in den, den si da begerten
EvPass
242,6;
HvHürnh
6,2.
–
beteliche ~
‘Ersuchen’
dz wir uns neigen genedencliche gegen der betliche begirde, div vns lobt und
impfilt vzgenoͤmelich getruwer dienst mit steten willen UrkCorp (WMU)
574,38
u.ö.
MWB 1 486,60; Bearbeiterin: Baumgarte
begirdeclîche
Adv.
‘aus innerem Antrieb, mit Eifer’
dú frowe zoch das kint allain / an ieren brústen wirdeklich, / mit trúwen gar
begirdeklich, / alse ir tugende wol gezam WernhMl
572
MWB 1 487,25; Bearbeiterin: Baumgarte
begirden
swV.
‘verlangen, wünschen’
ir sinne des begirdent / daz si iuch gern sæhen WhvÖst
7194.
– Part.-Adj. ‘auf etw. ausgerichtet’
von einem willen, der geherzigot vnd begirdot ist geistlich RvBib
21,5
MWB 1 487,29; Bearbeiterin: Baumgarte
begirec
Adj.
1
‘begierig, verlangend’
2
‘begehrenswert, erstrebenswert’
1
‘begierig, verlangend’
sus zogten si gæn Solia: uf der suͤzzen Minne sla / begiric was ir hertz
WhvÖst
15529;
der da fur mocht der enbeit des hindersten nit, so begirig
waren sie zu striten Lanc
236,20;
dar usz sulent ir trincken [...] in ewer begirigs
hertz das feur der minen HvNördlBrf
43,81
2
‘begehrenswert, erstrebenswert’
der mensche nême abe von allen dingen daz grobeste unde nême sie nâch dem unde
sie lustic unde begiric sint Eckh (Pf)
199,35
MWB 1 487,34; Bearbeiterin: Baumgarte
begirecheit
stF.
‘Gier’
wenn auch die begirikhait chostleicher speis waͤr alz vͤber maz,
[...]daz waͤr ein totsuͤnd RechtssA
F36,30.
– personif. ‘Habgier’
Begyrikeit bin ich genant / umb das ich eins andern guds begern zu hant
Pilgerf
9439.
9437
MWB 1 487,44; Bearbeiterin: Baumgarte
begirlich
Adj., Adv.
auch begerlich.
1
‘begehrenswert, erstrebenswert’
2
‘begehrend, verlangend, strebend’
1
‘begehrenswert, erstrebenswert’
ein schaz begerlich ze aller stunde / ruowet in wîser liute munde
Renner
17727;
daz gebot schînet swære, und der lôn ist begirlich Eckh
1:67,10;
HvHürnh
2,4;
Seuse
50,29.
– in Anrufungen:
du begirlicher bist komen / und haist úns laides vil genomen
WernhMl
11707;
ô begerlîchiu maget / sunder sünden dorn bedaget WvRh
14643
2
‘begehrend, verlangend, strebend’
des keisers wille gienc do vor / und sin begerlichez manen Pass III
271,85.
25,18;
allen begirlichen menschen die gerne zuͦ irme besten kement Tauler
123,12;
Eckh
5:273,7
u.ö.
–
begirlichiu craft/maht als Terminus:
zum dritten mal muͦsz man kommen über all begerung und über die begerliche
kraft [
concupiscibilis vis/potentia, vgl.
Anm.z.St.]
Seuse
522,23;
ThvASu
148,16.
186,29.
30;
ein getat der begerlicher maht ebd.
146,5
MWB 1 487,49; Bearbeiterin: Baumgarte
begirlîche
stF.
hier begerliche.
‘Verlangen, Streben’
aber volkomen, daz hat ein rede der begerlichi unde des guotes [
perfectum vero habet rationem appetibilis et boni
]
ThvASu
234,18.
162,9
MWB 1 488,3; Bearbeiterin: Baumgarte
begirlicheit
stF.
hier begerlicheit.
‘Begehren, Verlangen, Streben’
nicht in der brunst liblicher geluste unde begerlichkeit, sundirn in elicher
kuschlicher zuchtikeit Köditz
27,32.
28,23;
Teichn
590,5;
waz ist schonde? / ein schickunge der naturlichkeit, / ein menschliche
begerlichkeit [
humana concupiscentia
] , / einer korten zit gestalt, / ein blume di do nicht wert alt
Secundus
434.
–
dar umbe behöret die begirde zu der begerlicheit, aber der gedinge behörent
zuo der zornlicheit ThvASu
164,1.
166,19
MWB 1 488,7; Bearbeiterin: Baumgarte
begirn
swV.
→
begërn
MWB 1 488,18;
begirunge
stF.
→
begërunge
MWB 1 488,19;
begister, begisterz
stM.
‘Bachstelze’ (vgl. AWB 1,838; s.a. lister):
sepicecula: begisterz SummHeinr
1:166,753;
sepicecula: begister ebd.
2:66,269
MWB 1 488,20; Bearbeiterin: Baumgarte
beglenzen
swV.
‘jmdn./etw. bescheinen, bestrahlen’
sâ welch herze oder mût / mac bevân di wunne, / dâ sô manige sunne / dîn
gotlîch schîn beglenzet NvJerAdalb
31
MWB 1 488,23; Bearbeiter: Schnell
beglîmen
stV.
‘jmdn./etw. beleuchten, bescheinen’
alliz daz der himel hat bebreit / [...] / unde di
sunne beschinet / unde di mænin beglimet, / daz hat er alliz vbirmessen Glaub
118;
Parad
23,7
MWB 1 488,27; Bearbeiter: Schnell |