hâ – haber- haberlîte – hachelen hachelwërc – hage hage- – 2hagen hagen- – halbe halbe – hallergëlt hallergülte – halphimel halp|hunt – halpvaste halpvierteil – halser halsgebeine – halsveste halsvlinken – hamerslac hamerslahen – hanef hanef|âkambe – 1hansen 2hansen – hantgiften hantgiftphenninc – hantsalbe hantschmänt – hantvestlich hantvestunge – hârbendelîn hârblôʒ – hârlouf harm – harnaffe harnasch, harnas – 1harre 2harre – hartruore hartsinnic – haselbir haselbluome – hasenvleisch hasenwint – havendierne havengazzer – haʒʒiclich haʒ|zorn – heberînmelwer hebesal – 3hecken heckenjeger – hegelîn hegeln – heidenisch heidenischheit – heilalle heilant – heilige heiligeistlîcheit – heilvuorlich heilwâc – heime suochen hei|metze – heimvart heimvartlich – heitber, heidelber heiter – heiʒmuot heiʒsühtic – hëlfebære hëlfebërnde – hëlkleit helle – helleglocke hellegluot – hellemunt hellemünzer – hellerigel hellerîs – helle- hellesun – hellevreisærin hellevunke – hëllunge helm – hëlmschîn hëlmschirbe – helwërtwitze hely – hendewinden hendewringen – hennenvuoʒ hentschuocher – herbërgen herbërgerîe – hêre herebërge – hergesidele hêrgesidele – hêrischheit hërkêre – Herodære Herodiane – hêrrennôt hêrrenphruonde – herschrîære hêrschunge – hertes hërtgëlt – hërverloufen herverten – hërzeblüete hërzebluot – hërzekrachen hërzekranc (?) – hërze|nabele (?) hërzenandâht – hërzenvride hërzenvrô – hërzestôʒ hërzesüeʒe – hërzevrouwelîn hërzewaʒʒer – heselîn heselîn – hîbære hichela – hierunder hiesch – himelbalsem himelbære – himelgesanc himelgesinde – himelknabe himelknolle – himelpalas himelphat – himelschheit himelschlich – himelstîge himelstîgunge – himelval himelvane – himelvürste himelvürstin – hinde hinden – hindergêunge hindergrîfen – hindernisse hinderrât – hinderstelle hinderstellic – hinderwërtlingen hinder wîchen – hinker hinkêre – hinnëben hin nëmen – hînt hintber – hinwërt hinwësunge – hirngupfe hirnhût – hirtelîn hirtelôs – hirʒmilch hirʒ- – hiu hiubelhuot – hiuten hiutezucker – hôchgebirge hôchgebluomet – hôchgenant hôchgenende – hôchgewaltic hôchgewîht – hôchmeister hôchmësse – hôchvart hôchvart – hôchzîtkleit hôchzîtlich – hœhe hôheclich – holde hölde – hol|loch hol|louch – holzapfelîn holzban – holzheit holzhërre – holzschuoherin holzstîc – honec honec|bluome (?) – honec|tranc honec|triefende – hônheit honic – hopfenziech hopferebe – horgen horgewat – hornicsprenget (?) hornîn – horten hortgadem – hospitâl hossen – houbeten houbet|êre – houbetkleit houbetklôster – houbetman houbetman|ambet – houbetsachwaltære houbetschande – houbetsünde houbetsündic – houbetwaʒʒer houbetwëgen – höuptinc höurëht – höuwezëhende houwic – hovegeselle hovegesinde – hovelich hovelîche – hovephenninc hovephliht – hoveschar höveschære – hovestatzins hove|stetære – hovezins hovezorn – 1hûchen 2hûchen – hüenerhirne hüenerhûs – hûfeht hufel – hügenisse hügenumft – hüllenwëbære hüllenwëbærinne – humerâl hummen – hundertweide hundesber – hungergîtic hungerhâr – hunt huntaffe – huobdinc huobe – huof huofblat – huorgelust huorgelustic – huotelôs huote|strëbe (?) – hurmelen hurnaʒ
– hurticlich hurtieren – hûs|êre hûsgëlt – hûslode hûslôs – hûsvrouwe hûswer – hûwen hûwen – hy
|
hac
stMN.
Pl. hage (
Kudr
379,2
), hege (
UrkCorp (WMU)
1151,1.
2479,24
), heger (
WeistGr
1,165
(Mitte 14. Jh.)
). vereinzelt swM. (
BraunschwRchr
2677
).
1
‘Dornstrauch’
2
‘dichtes Gebüsch, Dickicht’ ; 3
‘Hecke, Strauch- oder Flechtwerk’ , als Vorrichtung zum Fangen von Wild (vgl.
hecke stswF.) 4
‘Einfriedung, Begrenzung (eines Stückes Land)’ , z.B. als Hecke, Baumreihe,
Zaun, Palisade 4.1 allg. (bezogen auf einen Garten oder anderes Kulturland); 4.2 für ein umfriedetes wildreiches Waldstück, ‘Jagdgehege’
4.3 milit., Befestigungsanlage aus untereinander verflochtenen
Bäumen/ Sträuchern oder als Verhau, Palisade, teilw. die umfriedete Fläche
mitbezeichnend 4.3.1 eigentl.; 4.3.2 übertr. 5 bildl. für etw., das jmdn./etw. umfängt, einschließt, festhält
(Anschlussmöglichkeiten bes. zu 3 und 4 ) 6 als Bestandteil von Personennamen
1
‘Dornstrauch’
ein hac der alze manigen dorn und lützel rosen uf sich ladet, / des vruhten
hilfet niht so wol so vil sin kratzen schadet FvSonnenburg
8,11;
ein hac dâ bluote / von rôsenrîchen dornen
KvWTroj
1688;
mit einem griuwelichen hage / stuont daz loch verdürnet
ebd.
5884;
Renner
157;
Suchenw
24,97
2
‘dichtes Gebüsch, Dickicht’;
teilw. unterschieden von walt:
uber ein mos in ein hac, / dort verre hin fur einen walt KvFuss
1912;
nim dri der grœsten riusen din [...]! /
die ersten lege zuo dem hage / bi dem wazzer uf daz lant, / die andern in den
walt zehant HvPforzen
82;
teilw. synon. neben vorst, walt verwendet:
si kêrten zuo dem vorste, / der bî Troye nâhe lac, / und
îlten an den wilden hac KvWTroj
11874.
452;
EckenlE2
105,7;
WhvÖst
986;
Mügeln
171,6.
–
ein dickez hac Wig
2125;
KLD:Alex
2:10,8;
Minneb
4331;
des edeln hages risach WhvÖst
1086;
daz liehte morgenrôt / was durch den grüenen hag gedrungen
KvWLd
14,2;
daz lang dik hag Krone
9796;
daz gevilde allez vollez lach, / sam ob ein rast langer hach / wer da
nidere gevalt. / die toten lagen ungezalt Dietr
8895.
–
der helt slouf dur den hac Marner
2,62;
Krone
9177;
daz dürre holz ime hage Parz
172,18;
in den hagen / geswigen alle vogele Kudr
379,2;
ir soldet riuten / [...] in
jenem hage HvFreibTr
4977;
div matte vnder dem múlhage vnd ein matte bi den nusboͮme
vnder dem selben hage UrkCorp
161,22.
–
gruͤn als der hag ain wafenclait
WhvÖst
10228
3
‘Hecke, Strauch- oder Flechtwerk’, als Vorrichtung zum Fangen von Wild (vgl.
hecke stswF.):
wiͤr verbieten dræuch [Fallen] und hage und
tierstriche, do man daz wilde inne vaͤchet. ez sol auch nieman necze nuczen
UrkSalzb
4,383
(a. 1328 kopial);
bildl.:
swer gotes minne wil bejagen, / der muoz ein jagendez herze tragen
[...]: / si gât niht slâfende in den sac, / wan
[= man
] muoz si twingen in den hac
LobGesMar
1,12.
– hierher?
so ich alsus mit froden jag, / so zucht dort her by ainem hag / ain
heckiäger MinneR 505
143
4
‘Einfriedung, Begrenzung (eines Stückes Land)’, z.B. als Hecke, Baumreihe,
Zaun, Palisade
4.1
allg. (bezogen auf einen Garten oder anderes Kulturland);
in Verbindung mit Verben:
den [
boumgart
]
bevridet ein vestez hac Wig
669;
[um einen Baumgarten] weder mûre noch grabe engie
/ noch in dehein zûn umbevie, / weder wazzer noch hac Er
8706;
der hak, der zwischen dien selben wingarten hin gat UrkCorp
(WMU)
2389,27;
ich han
in [
wingarten
] umbegraben und einen
hag dar umbe und einen zun gemacht Tauler
290,8;
ain buman, / wann sein huͦb gesæt wirt, /
[...] sleht umb daz vælt ein hag
Teichn
474,11.
– mit Präp.:
der tzvn dovcht in ze dicke vnd ze hoch, / mit den
zenen er dannen zoch / einen spachen [...]. / nv
want er sich dvrch den hag ReinFu
K,51;
so gant [...]
manigú menschen guggen úber den dornigen hag
Seuse
432,1;
vntz an der Spitaler Rvti, als si mit hage begriffen ist vnd mit
zeichen vs gescheiden UrkEidgen (K)
110
(a. 1309);
den wingarten [...] mit allem rehte, als wir
in hatton, mit wegen, die wir dar zvͤ hatton, mit graben vnd mit
hegen, alse er vmbevangen ist UrkCorp (WMU)
2479,24;
Suchenw
28,17.
– die eingefriedete Fläche mitbezeichnend:
alumben berc lac ein hac, / des man mit edelen boumen
pflac. / vîgen boum, grânât, / öle [...], / des
wuohs dâ ganziu rîcheit Parz
508,9;
sîn hof an einer ebene lac; / dâ hinder was ein schœne hac
Wildon
2,30.
– bildl.:
vermîdent dise reise / zuo des wilden meres
hage [Strand, Küste] ! KvWTroj
9403
4.2
für ein umfriedetes wildreiches Waldstück, ‘Jagdgehege’
in sîme hage / stuonden würze
[...]. / den walt nante man
[...] / Behforet, den Schœnen Walt.
[...] / lewen, bern, rôtwilt, / swîn und swaz man
jagen wil, / des was dâ mêr danne vil / ze rehter tagalte UvZLanz
3964;
uz dem hage durch daz gras / gieng ain wildnære
[...], / ein seltsain wild er scholde / gevangen
haben in dem hage WhvÖst
6830
4.3
milit., Befestigungsanlage aus untereinander verflochtenen
Bäumen/Sträuchern oder als Verhau, Palisade, teilw. die umfriedete Fläche
mitbezeichnend
4.3.1
eigentl.;
als Teil der Vorbefestigung einer Burg (vgl.
(burc)hagen):
sî sâhen wie diu veste lac: / niden drumbe gienc ein hac / mit
boumen starc verworren. / die lie man nider [hatte man
niedergebogen und so weiterwachsen lassen] in rehter
zît. / der wurzeln saf in grüene gît Virg
187,2;
für die burc ze Garte reit er in daz grüene hac OrtnAW
196,3;
daz ich [...] verchauft han mein
purchstal ze Erlungshofen und di zway hakch dopi, swaz di begriffen
habent und umbvangen UrkEichst
2,237
(a. 1332);
die würme [...], / die
in der vorburc lâgen / und des hages pflâgen / in dem Verworrenen tan
UvZLanz
7362;
von würmen manicvalden / ist der hac behüetet
harte. / ez ist gar ein würmegarte ebd.
5047;
WolfdB
145,3.
146,4.
– in anderen Verwendungen:
[Herzog Heinrich der Löwe] uzgab daz blich
[gab das Gebiet ( →
blech) zur Bebauung frei] , / daz geheyzen
ist dhe Hage, / und heyz mit howe und mit slage / iz buwen unte vesten,
/ daz iz vor argen gesten / sicher were osten, westen
BraunschwRchr
2677;
der hag [Landwehr?] ze Biedertan,
behebet den graue Ruͦdolf selbe dritte frier lúte alder
dienstmanne mit dem eide, daz er nivt versezzet wart
[...], so ist der hag sin UrkCorp
(WMU)
6,26.28;
dâ was ein vil grôzer hagen / von den Samen vor geslagen,
[...] / sam ez wêre ein bolewerc
[...]. zû hant / trâten zû die cristen, /
sie enwolden nicht gevristen, / sie enhiwen den hac enzwei
LivlChr
3985.
4067;
sô sint sie [Räuber im Wald] alsô
starke verheget: / ez enwerde [...] daz diu
lantschaft / den hac zerbreche mit kraft, / sô wil ichz dâ vür niht hân
/ daz man sie iemer müge gevân UvEtzWh
6268.
– nur mit Bezug auf die Verflechtung der einen
~
bildenden Gewächse:
schar in schar gar verworren / was sam ein hac geflohten. / sî
konden noch enmohten / ein ander niht entwîchen Reinfr
20305;
bildl.:
ir herze was geflohten / in der süezin minne hack, / da ez
verworren inne lac Martina
55,31
4.3.2
übertr.:
von lanzen und von swerten [seiner
Gegner] / was umb in ein michel hac KvWTroj
34773;
ein hac wart umbe in dâ geweben / von liuten unde
ein dicker zûn ebd.
31348.
34698;
er hete von tôten einen hac / umb sich gehouwen ûf dem plân, / die
ûzvart er kûm mohte hân UvEtzAlex
13574.
13751.
–
da von ist nicht pesser
hag [Schutz] / fuͤr dw sund dann
scham und vorcht Teichn
285,24
5
bildl. für etw., das jmdn./etw. umfängt, einschließt, festhält
(Anschlussmöglichkeiten bes. zu 3 und 4):
der zwelfbote lac / in des kerkeres hac / verhaget mit ungemache Pass
I/II (HSW)
29118;
Pass III
478,15;
daz diu minne het verheget in ir hage / manic vrîez herze, daz nû was ir gîsel
Loheng
1515;
nu hat mich beslozzen dez alters hag Teichn
163,27;
liegen triegen ist ein hac, / wol im, der in vermîden mac Freid
168,27;
RvEBarl
5402;
Frl
9:2,9.
–
[der Teufel verführt in Frauengestalt einen Mönch; aber der hl.
Bartholomäus] wolde im hi den valschen hac [die
täuschende Hülle] / uf rumen, der in irrete / und von genaden
in virrete / an dem unreinen bilde Pass I/II (HSW)
32746
6
als Bestandteil von Personennamen:
her Heinrich von dem Hag UrkCorp (WMU)
1150,36.
2576,24;
HvdHageTagz
M,15-18(Akrostichon)
MWB 2 1081,57; Bearbeiter: Bohnert
hacgevilde
stN.
‘mit Dorngestrüpp bewachsenes Gelände’, als Jagdrevier:
[
daz waidmænlin
] jach, ez woͤlt sin luz
/ ersuͦchen me nach wilde. / durch daz gevilde [La.
haggevilde
] / kert ez durch der merker spehen. /
Wildehelm von Österrich sehen / ez aber in den rosen wart WhvÖst
7152
MWB 2 1084,15; Bearbeiter: Bohnert
hachboum
stM.
→
hagenboum
MWB 2 1084,21;
hachel, hechel
stF.
‘Hechel’ (Gerät mit Spitzen zum Durchziehen und Reinigen von Flachs oder
Hanf):
cranacula: hahel Gl
3:639,55;
den knoden ich entstricken wil mit mines sinnes hechel FrlSuppl
5:233,82
MWB 2 1084,22; Bearbeiterin: Herbers
hachelen, hechelen
swV.
1
‘Flachs oder Hanf (mit einer hachel) bearbeiten,
reinigen’
2 bildl.
1
‘Flachs oder Hanf (mit einer hachel) bearbeiten,
reinigen’
dar in er durch ein venster sach / würken wol driu hundert
wîp. / [...] disiu hachelte vlahs, / dise spunnen, dise
nâten Iw
6204
2
bildl.:
swer [...] uns den rücke hechelt / mit maniger
untriuwe hagedorn Renner
15090;
wizzet daz valsche lecheler / sint des tiufels hecheler, / die pfaffen und
leien und hôhe fürsten / hecheln künnen und ouch bürsten /
[...] daz si wênent si sîn die, / die si nimmer werdent
und wurden nie ebd.
1140
MWB 2 1084,27; Bearbeiterin: Herbers
hachelwërc
stN.
vgl. mnd. hakelwerk (Schiller/Lübben 2,176).
‘Umzäunung, Wall, Teil einer Festung’
[Meister Karl] quam in tougir lûr [in
heimlichem Hinterhalt] / zu Junigêdin ûf den berc / bî nachte in
daz hachilwerc [
suburbium
] / unde slûc dâ
heidin vil NvJer
24635.
16120;
hachilwerke [
exstructio
vallorum
]
Cranc
Ez 17,17;
waz ûf die burc nicht entran, / daz quam in der cristen hant. / ir hachelwerc
wart ouch verbrant LivlChr
9152.
9576
u.ö.
MWB 2 1084,38; Bearbeiterin: Herbers
hackbrët
stN.
‘Hackbrett’
ein wagen mit troêgen oder mit slegeln oder mit hacpretern
[
git
] einen phenninch UrkCorp (WMU)
547ABC,5,34
MWB 2 1084,48; Bearbeiterin: Herbers
1hacke
swF.
‘verführerische Frau, Dirne’, hier für Frau Welt:
diu werlt lachet mich triegende an / und winket mir. / nu hân ich als ein tumber
man / gevolget ir. / der hacchen hân ich manigen tac / geloufen nâch MF:Hartm
5:3,5
(vgl. z.St.
MF:Anm
511f.,
s.a.
hâke
2)
MWB 2 1084,51; Bearbeiterin: Herbers
2hacke
swF.
1
‘Hacke, Axt, Beil’
2
‘Schlachtung’
1
‘Hacke, Axt, Beil’
dem vater er
[
Helmbreht
]
[...]
brâhte [...] ein bîle, / [...] und
eine hacken dâ mit Helmbr
1066;
mit hacken und mit bîlen / solden sis [das
Burgtor] ûf brechen Ottok
51154
u.ö.;
des begund sich schamen / diser fleischhackære, / wan ez was
im ein swære, / daz er einen tôten man / solt mit der hacken
bestân [bekämpfen]
EnikWchr
18100.
18090;
Alexander [...] hiez der megde tiure / mit yseninen
hacgen / die haten spitze zacgen / Martinen ovgen brawen /
[...] vz zerren Martina
55,83;
JTit
4822,2;
EvAug
4,22
2
‘Schlachtung’
so geit der fleischaher xv. phenning von der hachken UrbBayS
4,208
MWB 2 1084,57; Bearbeiterin: Herbers
hackebanc
stF.
‘Bank zum Zerhacken von Fleisch’
mit küchenvarwem velle / was er
[Rennewart] ûf einer hackebanc / die naht
[...] / gelegen Wh
201,25.
–
es ist aber nach warheit dez selben als verre und verrer,
denn der einer finen berlen sprechi ein hakbank [wie wenn jmd. eine
schöne Perle ein Hackbrett nenne]
Seuse
343,8
MWB 2 1085,6; Bearbeiterin: Herbers
hacken
swV.
1
‘Erde, Boden hacken, bearbeiten’
2
‘etw. (mit einem Beil, Messer o.ä.) zerteilen, zerkleinern’
3 verstärktes ‘hauen’
1
‘Erde, Boden hacken, bearbeiten’
in ym [bei sich selbst] gesprach der buman nu: /
‘[...] / so mir min herre den bu benymt, / so
weiz ich wol, was mir gezymt. / ich mag gehacken nu niht me’ EvStPaul
8952;
die sint wol koler genôz, / [...] und
die müezzen haken unde riuten SM:Had
17: 1,7;
2
‘etw. (mit einem Beil, Messer o.ä.) zerteilen, zerkleinern’
[die Abgötter] lâgen ûf dem esteriche. /
[...] einer lac dâ gar gestümmelt / der ander was klein
zedrümelt. / [...] der gehakt in kleiniu stücke
Philipp
3355.
– in Bezug auf Pflanzen, Lebensmittel:
nim ein gesoten fleisch vnd spec gehacket
BvgSp
5a;
hacke peterlin vnd salbey ebd.
15
u.ö.;
BdN
359,9.
–
‘etw. kleine hacken’
wem diu glider krank sint von übriger füll und von
fäuhten, der schol kranwitpaum mit wurzeln und mit al hacken klain und sieden
gar wol BdN
326,34;
nim von der brust des huͦnes vnd hacke ez cleine
BvgSp
23.
10
u.ö.
–
alle sweinen lentpraten sol man in die wurste hacken [zu
Würsten verarbeiten]
NüP
38
3
verstärktes ‘hauen’
den helm mit dem tracken, den Trebuchet so worhte, / swie vil man druf
gehacken moht, daz er im doch vil wenic vorhte, / daz in immer mannes hant
verschriete [zerhaute]
JTit
5903,2.
4744,2
MWB 2 1085,13; Bearbeiterin: Herbers
hackentiuvel
stM.
als Schimpfname:
dirre gouch ziuhet jungiu göuchlîn, / von dem kumt meister Schöuchlîn, /
Hackentiufel und Röuchlîn, / [...] und manic ander
bœsewiht Renner
1673
MWB 2 1085,38; Bearbeiterin: Herbers
hackmeʒʒer
stN.
‘Hackmesser’
artauus: hakmesser VocOpt
10.078
MWB 2 1085,42; Bearbeiterin: Herbers
hactûbe
swF.
→
hegetûbe
MWB 2 1085,44;
hadel
stM.
vgl. →
zerhadelet
Part.-Adj.; s.a. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,725.
wie hader, im Wortspiel:
swâ sich gemischet vil untugende zuo dem adel, / dâ mag daz adelkleit wol
werden zeinem hadel KLD:SvT
1:1,5;
weiterer Beleg: ZfdA 28 (1884), S. 245 (La. zu
Parz
111,25
)
MWB 2 1085,45; Bearbeiter: Bohnert
hader
stswM.
‘schäbiges, zerrissenes Stück Stoff, Lappen, Lumpen’
sô einer wil wænen, er habe ein guot tuoch, sô hâst dû
[Schneider] ez zerzogen, daz ez deste langer sî, unde
machest ein guot tuoch ze einem îteln hadern PrBerth
1:146,24.
1:396,36;
daz hemde ein hader was von slegn Parz
111,25;
daz gewant was [...] alt unde hadern bœse,
unde in bleckete der lîp allenthalben PrBerth
1:184,33;
[die Hirten finden das Jesuskind] mit hadern bewunden, /
in einer vihechrippen / ermeclîchen licken Aneg
2540;
[ein Tüchlein,] daz kum zu einen [l.
einem
] hader gut wer,
[...] da legt ir [Frauen]
alle ewern fliz und wile an PrBerth
1:253,15-17(La.).
– abwertend für ein Kleidungsstück:
wederz wære iu lieber: der iu einen guoten niuwen mantel gæbe
[...], oder einen alten hadern PrBerth
1:383,9.
1:16,25.
1:59,13;
er gap sîn gwant der armen diet, [...]. / in einen
hader er sich stiez AlexiusB
162;
Warnung
3847.
– bildl., mit Gen.:
daz si han kein ander cleit / an allein der sunden hadr TvKulm
5887;
[jmd. lebt] in seiner alten poshait hadern
Teichn
691,119
MWB 2 1085,51; Bearbeiter: Bohnert
hadergewant
stN.
‘Gewand aus grobem Stoff’
von sînem [Franziskus] hadergewande
[als Reliquie] / ist [...]
siecher liute vil genesen LvRegFr
4826
MWB 2 1086,9; Bearbeiter: Bohnert
haderoht
Adj.
‘zerrissen, wie ein Lumpen’
sô nemt altez gewant, daz allez haderot sî, wan ir wizzet wol, swer
bœsez gewant ane hât, daz zebrosten ist, den siht man hin und her blecken
PrBerth
2:103,13
MWB 2 1086,12; Bearbeiter: Bohnert
hadertuoch
stN.
‘grober Stoff’
in hadertuoch er sich nu want, / der ê truoc scharlachens gewant
LvRegFr
895
MWB 2 1086,17; Bearbeiter: Bohnert
hafner
stM.
→
havenære
MWB 2 1086,20;
haft
Adj.
1
‘festsitzend, festgehalten, gefangen, gefesselt’
1.1 eigentl. 1.1.1 präd. 1.1.2 subst. 1.2 übertr., von Gelähmten und Besessenen 2
kindes ~
‘schwanger’
3 in rechtl. Zusammenhängen 3.1 von Personen, ‘haftbar, verpflichtet’ , präd. 3.2 etw. ist jmdm.
~
‘als Sicherheit gesetzt’ ( umbe etw.) 3.3
‘gepfändet, beschlagnahmt’
4 vereinzelt ‘bewaffnet’ (vgl. frnhd. mit behafter hand und s. dazu
FWB 3,764 s.v. beheften
1 )
1
‘festsitzend, festgehalten, gefangen, gefesselt’
1.1
eigentl.
1.1.1
präd.:
[der hl. Silvester besiegt einen
Drachen:] ‘hie mit sîstû gebunden
[...] !’ / der trache wart sâ dâ haft /
âne ture und âne slôz Kchr
10595;
reht alse der vrîe vogel tuot, / der
[...] / ûf daz gelîmde zwî gestât:
[...] / sus reget er vedern und wil dan; / dâ
mite gerüeret er daz zwî / an keiner stat, swie kûmez sî, / ezn binde in
unde machin haft Tr
853;
AristPhyll
319;
[ein Frevler berührt die Totenbahre Mariens:] sin
hende / [...] belibent an der baͮre haft, /
geschlagen mit des barleies kraft [
manus
[...] adhaeserunt feretro paralysi
contractae
]
WernhMl
13881;
der gebure sagite mere, / daz ein ber were / in sime
bloche haft ReinFu
S3,1579;
RvEAlex
8202
1.1.2
subst.:
sich hat irlegiget [l.
irlediget
] der háfte
Roth
4307;
hiute sint alle die haphte fri gemachot, die dir tievil hate gebundin
mit den sundon PrWack
3,108;
die helenden [=
elenden
] haftin Roth
2417.
2607;
nu bistu [Christus] her
chomin, die armin tôtin, die hellichen haftin zerlôsin Spec
60,10;
Kchr
11661;
RvEAlex
8303
1.2
übertr., von Gelähmten und Besessenen:
daz min træhtin einen armen mennischen erloste uon dem ubilen geiste, der
was ungisehende unt unsprechende unt ungihorende.
[...]. daz min træhtin do begie an dem haftin
mennischen, daz biget er tægelichen in der hæiligen christenheit PrHoff
105,4.
– mit Präp.:
[jmd. ist] mit dem tievel haft Neidh
WL 15:1,4(La.).
– subst.:
do bat her die kuninginne [...], / dat si uf
hulfe zven hasten [l. haften
] / von
grozen uncreften. / ‘daz sin, vrowe, mine kint, / die lange crump
gelegin sint [...].’ Roth
3187;
die siechen macht er gisvnt [...], die
vzsetzigen rein. die haften machter ledic PrGriesh
450b,14
(oder zu 1.1.2?)
2
kindes ~
‘schwanger’
rehte an dem selben zil / was ouch sî worden kindes haft Flore (S)
569;
[der Engel zu Maria:] dich besegnet des obersten kraft, /
hie mit wirst du kindes haft SpJesu
364
3
in rechtl. Zusammenhängen
3.1
von Personen, ‘haftbar, verpflichtet’, präd.:
daz er daz vorgenante gutt sol uf geben. swie er daz nuͤth
entútt, so sol her Cunrad Vorgassun [...] haft
sin, unz daz daz geschiht UrkCorp (WMU)
1998,30;
wann oͧch die vorgenanten juden ze Wirtzburg von dem burgrafn von
Nurenberg ledig und loz werdent umbe daz gût [...], so
sullen si haft und phand sin dem obgenanten byschof von Wirtzburg und sinem
styft MGHConst
6,2:289,14
(a. 1333).
– mit Gen.d.S.:
so suln die burgen der burkschaft haft beliben UrkCorp (WMU)
2720,1;
das ich alles des gebunden und haft und gehorsam sol sin
UrkFreiburg (Sch)
237
(a. 1321);
UrkCorp (WMU)
3005,29;
UrkFreiburgGr
13,90
(a. 1330);
vereinzelt literarisch:
lîp und herze müezent wesen / frî vor aller minne / ân iuch küneginne:
/ des wil ich iemer wesen haft Reinfr
3557.
– mit Präp.:
so sin wir schuldig [...] den burgern von
Strazburg vunfzehen mark silbers vnde sine zervnge, vnde sint haft bi
gesworneme eide vur in vnd alle sine frivnt UrkCorp (WMU)
N74,17;
das die stat ze Rvfach vnde die mvntat haft werde vmbe die vorgenanten
hvndert marg ebd.
2623,21;
vnd sulnt die gyseln vmb dis silber vnd dise suͦne mit vns haft
sin ebd.
N43,28.
N674,3;
UrkHohenz
1,164
(a. 1344);
vnd svln ouch dar zuͦ die burgen alle gegen inen haft sin
UrkCorp (WMU)
3003,20.
– mit ze und Inf.:
so svllent die burgen doch haft sin, den hof ze vertigende ane alle
widerrede UrkCorp (WMU)
575,20;
binde ich min erben datzu [...] dass si haft
vnnd gebunden sont sin, das uszerichten und ze ledgon an allen fürzug
DRW
4,1407
(AppenzUB.; a. 1350).
– mit daz-Satz:
so sol ich [...] vnd min wirtinne haft sin,
daz dem closter daz phvnt Haller nit abegange UrkCorp (WMU)
2344,3
3.2
etw. ist jmdm.
~
‘als Sicherheit gesetzt’ (umbe etw.):
so sol inen ir lib und ir guͦt haft und pfantber sin an allen dien
stetten, swa [...] si es vindent UrkBasel
4:21,28
(a. 1311);
swas schaden er vnde sine bv́rgen von der vorgenanten bvrcschaft
lident, dc wir ime da von helfen ane allen sinen schaden, vnd ist dar vmbe ime
haft alles vnser gvͦt UrkCorp (WMU)
1746,34;
UrkZürich
8,328
(a. 1310)
3.3
‘gepfändet, beschlagnahmt’
so sol des schvͦlmeisters kinden ir gvͦt lidig sin, vnde svn
êz die Mv́lner enkv́mberren lideklich, swa êz von ir wêgen haft
ist UrkCorp (WMU)
2671,39
4
vereinzelt ‘bewaffnet’ (vgl. frnhd. mit behafter hand und s. dazu
FWB 3,764 s.v. beheften
1):
swelich lay ein pfaffen [...] mit haiffter hant
angreiffet oder in wundet [...], der ist in christenlichen
pann UrkSalzb
4,380
(a. 1328 kopial)
MWB 2 1086,21; Bearbeiter: Bohnert
haft
stF.
teilw. nicht sicher von
2haft stM. zu trennen, s. dort unter
7. –
Dat. Sg. hefte und haft (
HeslApk ).
1
‘Band, Strick, Fessel’
1.1 eigentl. 1.2 bildl. 2 Mittel zur Befestigung 3
‘Gefangenschaft, Gefängnis’
4
‘Knechtschaft’
5
‘das Fest-, Zusammenhalten’
6 vereinzelt in solhen heften
‘auf solche Weise’ (vgl. hafte
4 )
1
‘Band, Strick, Fessel’
1.1
eigentl.:
ros stuenden an der heffte HvNstAp
18688;
ein vol gebunden an die hefte [Pl.]
Hadam
456,5.
– als ‘Band, Verbindung’ für eine Stelle, wo die Haut eines
Tieres an dessen Körper festsitzt (s.a. Dalby, Mediaeval Hunt S. 77):
dô begunde er die hût [des
Hirsches] scheiden / von den sîten beiden, / dô von den
heften über al Tr
2883
1.2
bildl.:
wande wir in des tuvelis hefte [La. zoumhefte
G 300
] / [...] waren
[wären] / wene durh den sun den du
[Maria] gebare Litan (M)
S, 368;
sunde daz ist ein haft, / diu uns manich ubel schaft Kröllwitz
4504;
doch muß dir uß dem strange / der sünden helfen und uß
bannes hefte / mit rechter buße zange / der priester Mügeln
337,10.
175,11;
hie muͦss alle haft entheftet sin, ellú
ding gelassen sin Seuse
190,13
2
Mittel zur Befestigung:
und gab im ein hafft [Spange] fur
yn an synen rock, die guldin was Lanc
57,21;
daneben das stM.
(vgl.
2haft stM. 2):
hett man der hafft eynen [eine dieser
Spangen] fur yne gespannen ebd.
57,28
3
‘Gefangenschaft, Gefängnis’
waz der besten gevangen was, / ûz den andern er die las, / in
sîne haft nam er die, / tôten er die andern lie Kreuzf
751;
sî [...] brâchten sî in ire haft
NvJer
3979;
[Christus] lac in grabes hefte Frl
7:4,15;
mit uneindeutigem Genus (vgl.
2haft stM.
3):
worden ledic ûz ir haft, / der gunêrten heidenschaft, / was
nûwes der kunic Gwîdô Kreuzf
501;
UvZLanz
1858;
SSp
83,15
4
‘Knechtschaft’
ich [Kg. David] habe gar / Golie
hochvart verblant [...] / und uch erlost us siner haft
[Goliath hatte den Israeliten in Aussicht gestellt: servi
eritis et servietis nobis I Sm 17,9 ]
HeslApk
23170;
sulde man alliz daz [d.h. auch das Unrechte] gewern
/ daz bewilen vrunde gern, / daz were keine vruntschaft, / sundir eine gesworne haft
PfzdHech
282,29;
Frl
7:3,7
5
‘das Fest-, Zusammenhalten’
an swelcher hande kleider daz zeichen [der Gürtel als Symbol der
Schamhaftigkeit] pfligt der hefte, / der scham ein ougenweide sol
daz selbe sin JTit
5564,1
6
vereinzelt in solhen heften
‘auf solche Weise’ (vgl. hafte
4):
daz verstet in solhen heften Teichn
417,74
MWB 2 1087,49; Bearbeiter: Bohnert
1haft
stM.
‘Gefangener’
die consule [...] uirteiltin den haft
Athis
A 153;
ia hat er dir [Christus dem
Luzifer]
[...] alli dine karchâre zerbrochin, hat dine hâfte ûz
genomin, gelosit dine gebundine [
captivos eiecit, ligatos
solvit
PL
39,2061
]
Spec
59,24.
59,17
MWB 2 1088,31; Bearbeiter: Bohnert
2haft
stM.
teilw. nicht sicher von haft stF. zu trennen, s. unter
7.
1
‘Fessel, Band; Knoten’
1.1 eigentl. 1.2 bildl. 1.3 übertr. 1.3.1 auf Geistiges bezogen. 1.3.2 auf Einschränkung, Lähmung der Glieder und Sinne bezogen, ‘Betäubung,
Benommenheit’
2
‘Vorrichtung zum Festhalten; Mittel zum Festmachen’
3
‘Gefangenschaft; Gefängnis’
4
‘Zusammenhalt, Verknüpfung, Verbindung’
4.1 eigentl. 4.2 übertr. 5
‘das Anhaften, Festsitzen’
5.1 eigentl. 5.2 übertr. 6 womit/ woran etw. Halt findet, haftet: ‘fester Halt, Grundlage’ , übertr. 7 hierher oder zu haft stF. 7.1
‘(Recht auf) Beschlagnahme’
7.2 übertr., mit verschiedenen Anknüpfungsmöglichkeiten (zu 1 ,
3 oder 5 )
1
‘Fessel, Band; Knoten’
1.1
eigentl.:
wes gewalt [...] / erlöset hete so manigen haft /
der, die waren in des chæisers æhte Serv
2728;
umb den hals lag im daz bant. [...] / do er sach,
daz im sin kraft / nicht mochte zubrechen den haft Erz III
87,14
1.2
bildl.:
ouch ist ez [das Kreuz] niht ein kleiner haft /
dem tumben man, / der sînem lîbe meisterschaft / niht halten kan MF:
Hartm
5:1,5;
des muoz ich heften einen haft / an dirre materie
[...], / wenne ich fürhte si werde ze lanc
Renner
20280;
[durch die Verbindung Willehalms und Gyburgs] wirt
gestriht ein haft, / den al der heidentvͦm nvͥt loͤset
TürlArabel
*A 164,14;
in flihtet der tiuvel manigen haft in sînen stric, daz eht er sie mit
manigen listen vâhe PrBerth
1:478,35;
do der kúnig Pharao / die israhelschen diet also
/ in sinis jochis strengen haft / bant RvEWchr
8870;
ir lieplich geselleschaft / vlaht sich in eines strickes haft / den von
sinen kreften / nieman kund entheften Auge
92;
Krone
4904;
KLD:Namenlos
D 238:5,4;
RvEGer
322;
Pass I/II (HSW)
35319
1.3
übertr.
1.3.1
auf Geistiges bezogen.
–
‘Rätsel’
diz ist ein meisterlîchiu vrâge: / entsliezet ir mir disen haft, /
daz kumt von rehter meisterschaft! RvZw
158,10;
[Clingsor:] swer mir nû loeset disen haft
[...] / und mir den sin gar eben kunde ûz
rihten, / der müeste wol gelêret sîn. /
[Wolfram:] Clingesor, ich loese dir den
knoten Loheng
31;
Wartb
Rs 85,1;
FvSonnenburg
49,5;
VogelRätsel
3,8.
–
wiltu dirre kunste [der Zauberei]
knoten / zurlosen wol und iren haft [verborgenen
Sinn]
Pass III
158,9.
– der in einem Wort oder Text enthaltene Sinn, ‘Gehalt,
Inhalt’
[die Goldene Regel] ist der zehen bote haft /
unde hât wol ir aller kraft Kröllwitz
3494;
dise siben bete [des Vaterunsers] sint
kumen / in disses einigen wortes haft ebd.
4542;
di heiligen schrift und iren haft / konder im vil wol zurlosen
Pass I/II (HSW)
41004
1.3.2
auf Einschränkung, Lähmung der Glieder und Sinne bezogen, ‘Betäubung,
Benommenheit’
yme entweich der swere hafft, / das er [...]
/ mohte gesteen vnd gegeen kunde Krone
26790;
Gawein [...] gewan wider sein chraft, / vnd
verliez in der swær haft, / der in von der blœde
[Ohnmacht] betwanch ebd.
6696.
12008
2
‘Vorrichtung zum Festhalten; Mittel zum Festmachen’
daz ruorte die vallen und den haft, / der
[...] daz swære slegetor / von nidere ûf habte enbor
Iw
1087;
Griff oder Riegel:
ich vant an der fossiure / den haft und sach die vallen
Tr
17111.
17054;
in quam ein liechter engel, / der tur unde hengel, / sloz, rigel unde haft /
brach Pass I/II (HSW)
25217.
–
[Kreuzigung Jesu:] die vuze sie begunden /
[...] uber einander schrenken;
[...] / ein starker nagel was der haft Pass
I/II (HSW)
6485;
Spange:
Lanc
57,28
(zit. s.v. haft stF. 2).
– hier anzuschließen:
nem buckîn leder vnd mache dar ûz einen bûtil vnd sprich iô zu deme hafte
[wohl: bei jedem Nahtstich, vgl. FWB 7,855f. s.v.
haft
4
] : in deme namen des vatirs vnd des sons vnd
des heilgin geistis Barth (H)
492(Anm.)
3
‘Gefangenschaft; Gefängnis’
(s.a. haft stF. 3):
möhte dirre elend [der in einen hohlen Berg eingeschlossene
Gawein] / mit icht werden ernert, / den also hat behert
[...] / also kumberlicher hafft? Krone
26598;
(bildl. von der Minnegefangenschaft:)
dirre chriech vnd der haft / Gawein des nahtes nie verliez ebd.
8067.
–
sus wart er [...] / geworfen
[...] in den haft Pass III
466,45;
Antipater [...] gevangen lac / in des kerkers
haft Pass I/II (HSW)
4175;
Pass III
380,11.
– viell. hier anzuschließen, für eine als Falle dienende Grube:
ist aber der priester selben blint / und wil her dan leiten blinde kint, /
sie vallent beide in die graft, / ich meine in des tuvels haft, / den er zu
vallene hat gegraben HeslApk
1178(App.)
4
‘Zusammenhalt, Verknüpfung, Verbindung’
4.1
eigentl.:
den scheft [der Lanze] ieweder neigte
[...] dar / dâ der schilt hât sînen haft
Reinfr
8875;
[jmd.] hât sîns speres schaft gezilt / bî dem riemen
dâ der schilt / mit stricke hât genomen haft ebd.
17321;
ein keten sich zur andern sloz / so eigenlich in einen haft, / als eines
smides meisterschaft / gewesen were darunder Pass I/II (HSW)
19741.
– auf eine geschlossene Kampfformation von Kriegern bezogen:
[Decius durchbricht eine Stellung der Gallier:]
sin volc durch und enneben / brach der viende mankraft [=
magenkraft
] . / der Gallianen vester haft /
von Decio wart [...] durchriten Pass III
375,96
4.2
übertr.:
entfriundet uns [Verwandte] mîn
aremuot, / so ist an dir swach der sippe haft KLD:Kzl
16: 11,6
5
‘das Anhaften, Festsitzen’
5.1
eigentl.:
ouch taten im [Jesus, die Dornenkrone tragend]
die wunden we / von der scharfen dorne haft Pass I/II (HSW)
6387;
in alle dirre swere [...] hete er
[Jesus] nicht me sture / wan an der drier nagele
haft, / die in hielden [...] / an des cruces aste
ebd.
6605.
–
~ geben/ nemen/ tuon/ gewinnen:
swaz der stein [Magnet] an sich genam / mit
sîner wunderlîchen kraft, / dem gab er dô solhen haft / daz ez muos belîben
Reinfr
21110.
20752.
21017;
vil scharpfe îsen / nâmen ûf dem vürsten haft Virg
97,11;
ze nageln vieren ûf den schilt / dâ sol dîn sper gewinnen haft
Winsb
21,7;
Heidin III
1376
5.2
übertr.:
alsus [...] beleip der sêle [des
toten Jesus] der haft / der götlîchen magenkraft WvRh
12228;
got, herre, [...] / slac min herze an steten haft
/ [...] zu dir Pass III
690,16;
von der kuniginne [Maria] / hat ouch daz buch
[das 1. Passionalbuch] langen haft; / ir geburt
und ir botschaft, / ir kirchganc und ir herte not, / die sich ir bi deme kruze
erbot, / der ist ein teil da beschriben ebd.
5,11;
swer [die folgende
Erzählung] hoͤrn wil [...], hab der
iender haft / mit sinnen anderswa, / der nem si wider! WhvÖst
7698;
Eckh (Pf)
656,31;
Seuse
390,8;
Teichn
441,63
6
womit/ woran etw. Halt findet, haftet: ‘fester Halt, Grundlage’,
übertr.:
uß nichte nicht enwirt, spricht alle meisterschaft, / gewalt in
nicht nicht mag gewurzen iren haft Mügeln
5,2;
maht, wîsheit unde güete / die drî habent ein ganzen haft / in mînes herren
magenkraft LvRegSyon
911;
[was die tôren behaupten,] enwart
[...] niͥ gelesen / an worten noch an
buͥchen kraft. / war nemen de tôren disen haft, / daz se de lûte trûgen sus?
Wizlav
Sp 8,14.
–
ir mochtet wol darinne [in Gottes Geschöpfen]
lesen / ir meinunge [...], / bekentet ir den got dar
obe, / der beide sie und ire kraft / gestellet hat uf guten haft Pass III
647,12;
[beim Abwärtszählen] zutal sich wider lan / die zal
muß uf der ersten [der ersten Zahl, der Eins] haft
Mügeln
284,8
7
hierher oder zu haft stF.
7.1
‘(Recht auf) Beschlagnahme’
das unser herre [...] in der stat und in dem tal
hat twing und ban über lüte und über gute, schutz und hafft über wunne und über
weide UrkEls
2,163
(a. 1339).
– Bed. unsicher:
jch han avch an den wandeln [Strafgeldern]
niht rehts, wan div mit haift [oder ‘Gefangenname’? vgl.
WMU und Regest] geschehent UrkCorp (WMU)
3191,10
7.2
übertr., mit verschiedenen Anknüpfungsmöglichkeiten (zu 1,
3 oder 5):
stiͤrbt er [Mensch] in
ainer sunden haft, / so ist er gotez anplikch frey [d.h. er muss in
die Hölle]
Teichn
2,28;
das mer [Meer] den esel nimmer
wolde tragen. / es furt in in des todes haft Mügeln
69,13;
wer die gimme an sin herze twinget, / den mag süche haft
/ nicht verderben ebd.
335,5;
PfzdHech
283,1;
Teichn
421,49;
Mügeln
260,5
MWB 2 1088,37; Bearbeiter: Bohnert
hafte
stF.
1
‘Gefangenschaft’
2
‘Gefängnis’
3
‘Festsitzen, Hängenbleiben’
4
einer hafte adv. Gen. ‘allein, nur’
1
‘Gefangenschaft’
daz sî in [den
Gefangenen]
[...] lôstin ûz der hafte /
Littouwischir eiginschafte NvJer
19234;
dî kindir sî von dannen / vûrtin in dî hafte / êwigir
eiginschafte ebd.
14425
2
‘Gefängnis’
her richter, der munzmeister hat ufgehalden einen man mit valsche unde hat den
in uwer hafte bracht StRFreiberg
78,22;
eyn selbschuldeger, der [...] in der hafte gehaldin
wirt SchöffMagdBresl
3:2,89;
unde hat in uz der hafte bracht gebunden unde gevangen
[...] her vor gerichte StRFreiberg
124,4;
di boten sullen mite gen [mit dem Kläger] zu der
hafte ebd.
122,4.
79,19.22
3
‘Festsitzen, Hängenbleiben’
der den hagedorn wil ziehen dur daz heu sunder hafte [ohne dass
er sich verhakt] , der muoz in gar besnîden, als unser herre Jêsus
Kristus, der minne boum, der den hagendorn vor gezogen hât dur daz heu dirre kranken
welt Eckh (Pf)
634,27
4
einer hafte adv. Gen. ‘allein, nur’
(vgl. haft stF. 6):
[der Mensch befolge Gottes Gebote,] wante so mager
einerhafte gehen [= jehen
] , daz er die gotes
minne habe Alkuin
52;
nieht einer haft in unseren sunton, sunter in allen unseren arbeiten sculn wir
in demo gedingen gotes helfe enbeiten ebd.
66
MWB 2 1090,58; Bearbeiter: Bohnert |