Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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hâ – haber-
haberlîte – hachelen
hachelwërc – hage
hage- – 2hagen
hagen- – halbe
halbe – hallergëlt
hallergülte – halphimel
halp|hunt – halpvaste
halpvierteil – halser
halsgebeine – halsveste
halsvlinken – hamerslac
hamerslahen – hanef
hanef|âkambe – 1hansen
2hansen – hantgiften
hantgiftphenninc – hantsalbe
hantschmänt – hantvestlich
hantvestunge – hârbendelîn
hârblôʒ – hârlouf
harm – harnaffe
harnasch, harnas – 1harre
2harre – hartruore
hartsinnic – haselbir
haselbluome – hasenvleisch
hasenwint – havendierne
havengazzer – haʒʒiclich
haʒ|zorn – heberînmelwer
hebesal – 3hecken
heckenjeger – hegelîn
hegeln – heidenisch
heidenischheit – heilalle
heilant – heilige
heiligeistlîcheit – heilvuorlich
heilwâc – heime suochen
hei|metze – heimvart
heimvartlich – heitber, heidelber
heiter – heiʒmuot
heiʒsühtic – hëlfebære
hëlfebërnde – hëlkleit
helle – helleglocke
hellegluot – hellemunt
hellemünzer – hellerigel
hellerîs – helle-
hellesun – hellevreisærin
hellevunke – hëllunge
helm – hëlmschîn
hëlmschirbe – helwërtwitze
hely – hendewinden
hendewringen – hennenvuoʒ
hentschuocher – herbërgen
herbërgerîe – hêre
herebërge – hergesidele
hêrgesidele – hêrischheit
hërkêre – Herodære
Herodiane – hêrrennôt
hêrrenphruonde – herschrîære
hêrschunge – hertes
hërtgëlt – hërverloufen
herverten – hërzeblüete
hërzebluot – hërzekrachen
hërzekranc (?) – hërze|nabele (?)
hërzenandâht – hërzenvride
hërzenvrô – hërzestôʒ
hërzesüeʒe – hërzevrouwelîn
hërzewaʒʒer – heselîn
heselîn – hîbære
hichela – hierunder
hiesch – himelbalsem
himelbære – himelgesanc
himelgesinde – himelknabe
himelknolle – himelpalas
himelphat – himelschheit
himelschlich – himelstîge
himelstîgunge – himelval
himelvane – himelvürste
himelvürstin – hinde
hinden – hindergêunge
hindergrîfen – hindernisse
hinderrât – hinderstelle
hinderstellic – hinderwërtlingen
hinder wîchen – hinker
hinkêre – hinnëben
hin nëmen – hînt
hintber – hinwërt
hinwësunge – hirngupfe
hirnhût – hirtelîn
hirtelôs – hirʒmilch
hirʒ- – hiu
hiubelhuot – hiuten
hiutezucker – hôchgebirge
hôchgebluomet – hôchgenant
hôchgenende – hôchgewaltic
hôchgewîht – hôchmeister
hôchmësse – hôchvart
hôchvart – hôchzîtkleit
hôchzîtlich – hœhe
hôheclich – holde
hölde – hol|loch
hol|louch – holzapfelîn
holzban – holzheit
holzhërre – holzschuoherin
holzstîc – honec
honec|bluome (?) – honec|tranc
honec|triefende – hônheit
honic – hopfenziech
hopferebe – horgen
horgewat – hornicsprenget (?)
hornîn – horten
hortgadem – hospitâl
hossen – houbeten
houbet|êre – houbetkleit
houbetklôster – houbetman
houbetman|ambet – houbetsachwaltære
houbetschande – houbetsünde
houbetsündic – houbetwaʒʒer
houbetwëgen – höuptinc
höurëht – höuwezëhende
houwic – hovegeselle
hovegesinde – hovelich
hovelîche – hovephenninc
hovephliht – hoveschar
      hovephliht stF.
      hover stM.
      hoverât stM.
      hoverede stF.
      hoverëht stN.
      hovereht Adj.
      hoverëhtlêhen stN.
      hovereise stF.
      hovereite swF.
      hoverîbe swF.
      hoverihtære stM.
      hoverihte stswF.
      hoverîtære stM.
      hoverlîn stM.
      hoveroht Adj.
      hoveruoche swM.
      1hovesache stF.
      2hovesache stF.
      hovesaz stM.
      hovesæʒære stM.
      hovesæʒe swM.
      hövesch Adj., Adv.
      hoveschal stM.
      hoveschalc stM.
      hoveschar stF.
höveschære – hovestatzins
hove|stetære – hovezins
hovezorn – 1hûchen
2hûchen – hüenerhirne
hüenerhûs – hûfeht
hufel – hügenisse
hügenumft – hüllenwëbære
hüllenwëbærinne – humerâl
hummen – hundertweide
hundesber – hungergîtic
hungerhâr – hunt
huntaffe – huobdinc
huobe – huof
huofblat – huorgelust
huorgelustic – huotelôs
huote|strëbe (?) – hurmelen
hurnaʒ – hurticlich
hurtieren – hûs|êre
hûsgëlt – hûslode
hûslôs – hûsvrouwe
hûswer – hûwen
hûwen – hy

   hovephliht - hoveschar    


hovephliht stF. ‘Verpflichtung dem Hof gegenüber’ froͤde het hie hove pfliht TürlArabel F 366

MWB 2 1742,46; Bearbeiter: Diehl

hover stM. ahd. hovar (vgl. AWB 4,1168f.; EWA 4,1087ff.), seit dem 12. Jh. auch → hoger (zuerst in Gl., vgl. AWB 4,1175; EWA 4,1091). ‘Buckel, Höcker’ gippus: houer Gl 3:439,60 (BStK926); ich was chrump als ein sichel, / mir was ein hover michel / dâ ze den schultern ûz gebogen, / hals und ahsel nider gezogen, / und stiurte mich, sô ich gie, / mit beiden handen ûf diu chnie, / niuwan ze füezen ich sach KvHeimUrst 586; der rücke was ir ûf gebogen, / dâ engegen ein hover ûz gezogen / ob dem herzen als ein huot Wig 6305; meister Otte, / des man vil dicke spotte / durch den hover, den er het Ottok 331; do wuͦhs ir geswinde ein ungeschafenr hover uf dem ruggen, daz si hesslich ward Seuse 135,29. – metonym. ‘Buckliger’ wer ich ain houer vngestalt LS 224 5; ain hofer trait ain berg / hinden vff dem nake MinneR 52 (L) 84

MWB 2 1742,48; Bearbeiter: Diehl

hoverât stM. ‘Hofrat’, Beratergremium an einem Hof: dâ besendet iuwern hoverât, / [...], / und ervaret iegelîches muot Tr 8443. 18369

MWB 2 1743,1; Bearbeiter: Diehl

hoverede stF. höfisch angemessene Redeweise (entspr. lat. sermo curialis, vgl. hovemære , hovesprâche , als Gegenbild: rede, diu niht des hoves sî Tr 7954 ): der ellenthafte werde degen / tet ir mit suͤzem maͤren kunt / wie sin herze ze aller stunt / von ir werden minne bran / fúr das er ir kúnde erst gewan. / mit hoͮfe rede das geschach RvEWh 13813; dar nach so man sprechen sol / von ieglichem prise / in wol geziminder wise, / riterliche von riterschaft, / minnecliche von der craft / die dú suͤze minne hat, / wisliche wisen rat / ze wisem ende bringen, / von hovelichen dingen / hoverede machen guͦt ebd. 99. 347; ir iegelîcher dô began / gegen dem ellenthaften man / mit hovereden schallen RvEAlex 6441

MWB 2 1743,4; Bearbeiter: Diehl

hoverëht stN. 1 ‘Hofrecht’ , für einen Hof (Grundherrschaft oder fürstl. Hof) geltendes Recht (zur Sache und genaueren rechtl. Differenzierung vgl. DRW 5,1319f. und 2 HRG 2,1101f.)
2 übertr. auf die an einem Hof geltenden Sitten und Bräuche (z.T. in der Wendung: etw. tuon nâch ~ )
   1 ‘Hofrecht’, für einen Hof (Grundherrschaft oder fürstl. Hof) geltendes Recht (zur Sache und genaueren rechtl. Differenzierung vgl. DRW 5,1319f. und 2HRG 2,1101f.): allez daz gvͦt daz der herre sinem dienstman lihet ze hoverehte. da sol er hoverehtes abphlegen. vnd lehenrechtes SchwSp 204a; swer in dan vor geriht kamphlîch an sprichet, / daz alte hovereht er an im brichet RvZw 182,8. – auf einzelne Rechte und Pflichten bezogen: ut de hominibus monasterio suo iure proprietatis vel censualitatis pertinentibus [...] ius mortuarium quod vulgo val et hobreht dicitur, ammodo percipiant DRW 5,1320 (Reyscher,Stat. 305; a. 1267). – das zugehörige Hofgericht: in dûht diu junger alsô guot / daz er sî nôte verstiez, / wand sî sich vil gar verliez / ze sînem hoverehte Iw 7341    2 übertr. auf die an einem Hof geltenden Sitten und Bräuche (z.T. in der Wendung: etw. tuon nâch ~ ): ritter unde knechte / nach schönnem hove rechte / gabend trost irem heren GTroj 24194; dâ nâch besehen wir zehant / ritter unde knehte, / ros und îserîn gewant / vil gar nâch hoverehte Virg 305,10; sî hôrten sînes hornes dôz: / loufen, springen wart dâ grôz / her gegen der richen porten, / dâ vor der kleine recke stuont / (nâch hoverehte daz sî tuont), / und gruozten in mit worten ebd. 224,5. 668,8. 669,3

MWB 2 1743,19; Bearbeiter: Diehl

hovereht Adj. auch -roht, vgl. hogereht . ‘höckerig, buckelig, krumm, verwachsen’ gibberosus: houerehter, hogerohter SummHeinr 1:309,576; im was daz houbet geleit / daz im sîn rûhez kinnebein / gewahsen zuo den brüsten schein. / sîn rücke was im ûf gezogen, / hoveroht und ûz gebogen Iw 464; sein [des Unkeuschen] prust ist klain oder behend und ist dar zuo derhebt oder ain wênig hoferot BdN 51,32; ein geczwerg kurcz und höferecht und ußermaßen ungeschaffen Lanc 604,12; næme einer [...] gar ein armez wîp, ein höverehtez, sô wærez doch ein rehtiu ê, wan daz ez selten wol gerâtet PrBerth 1:320,29. – subst.: hat ain hoverohter guͦt, / si minnent in fuͤr werden man. / er si haltz, crump oder lan, / hat er guͦt, er wirt gereht WhvÖst 8658

MWB 2 1743,46; Bearbeiter: Diehl

hoverëhtlêhen stN. ‘Lehen nach Hofrecht, Dienstlehen’ von houereht lehen [Überschrift] . [...] allez daz goͮt daz der herre sinem dienstman lihet ze hoverehte, da sol er hoverehtes ab phlegen vnd lehenrehtes SchwSp 203b

MWB 2 1743,62; Bearbeiter: Diehl

hovereise stF. ‘Fahrt an einen (Herrscher-)Hof’ (i.d.R. mit dem entsprechenden Aufwand, vgl. hovevart ): nu sît mir grôze willekomen unt al den vriunden mîn. / der iuwer hovereise sul wir hôhgemuote sîn NibB 789,4; dô kom der küene Volkêr, ein edel spileman, / zuo der hovereise mit drîzec sîner man, / die heten sölch gewæte, ez möht^$’ ein künec tragen ebd. 1476,2 u.ö.; wir wellen uns mit vlîze darzuo kêren, / daz unser vrouwen hovereise werde alsô rîche erziuget, / daz sîn daz lant habe vrum und êre Loheng 1197; Kudr 245,4. dis ist ein hovereise der minnenden sele, die ane got nút mag wesen Mechth 1: 4,11

MWB 2 1744,3; Bearbeiter: Diehl

hovereite swF. ‘Hofstatt, (bäuerl.) Anwesen’ (zur weiteren Differenzierung vgl. DRW 5,1325f.): div hofereite, da wir inne sitzzen, div sol vnser sin, die wille wir dar inne sitzen wellen UrkCorp (WMU) 603,13; ain hofrait, mit sehtzich morgen akkers vnd zehen tagwerch wismads, mit aller vreihait vnd rehten UrkHohenz 3,179 (a. 1348); einweider si [die bescholtene Frau] ruͤm die stat, als die man tuͦnt, oder si blibe innerhalb irs huses oder iͤrr hofereite WüP 44,4; ez sullen ouch die ledrer dhainen slauch noch stirn in die bech der muller nicht werffen noch uf die strauzz, si sullen sie in irr hofreitin behalten StRAugsb 170,22. – bezogen auf die Fläche der Hofstätte: unam aream, que vulgariter dicitur hoveraiti UrkWürtt 7,399 (a. 1275); diz sint diͤ guͦt: ein hube diͤ ist gnant wilden hube, waz dor zv gehort, mit der hofereite wisen eckern vnd weide vnd waz dor zv gehort besucht vnd unbesucht UrkWürzb 40,532 (a. 1343); zcu dem sechstin gesecze / teilte he alle vlecze [ fundos omnes Grund und Boden] / der hovereitin gliche PfzdHech 239,26. – Zubehör zu einer Hofstatt: domus mea sita in Mængen cum eidem pertinentibus, que vulgariter dicuntur ain hoveraiti UrkWürtt 10,24 (a. 1292)

MWB 2 1744,16; Bearbeiter: Diehl

hoverîbe swF. ‘Hofdirne, ehrlose Herumtreiberin’ verschamtiu umbetrîbe, / sünden schanden reizelklobe, / lôsiu hoverîbe! / dienet man ir immer, sî gelonet nimmer wol / [...] / diust an êren kranc Neidh WL 28:2,3

MWB 2 1744,41; Bearbeiter: Diehl

hoverihtære stM. ‘Hofrichter, Richter an einem Hofgericht’ (zur Differenzierung mit zahlr. Belegen vgl. DRW 5,1328-31): deme ersame herrin greue Hermanne van Sulz, der ein houe rechtere ist des romisshin kuͦningis Albrechtis UrkCorp (WMU) 3374,7; wir setzen, daz des richis hof habe einen houerichtere, der en vriman sii ebd. 494,5; wer [...] daz sich imant vnser burger zcu hofe zcuge [...], di sal vnser hoferichter [...] zcu Legnicz binnen der muer richten DRW 5,1329 (LiegnitzUB. 51; a. 1326)

MWB 2 1744,46; Bearbeiter: Diehl

hoverihte stswF. beim Besitzwechsel auf einem Hof zurückzulassende Bestände (vgl. hovegerëhte , 2hovegerihte ): est autem ius eiusdem boni, quod dicitur hoverihti, taliter statutum: quandocunque [...] villicus [...] cedit vel si decedit, dimittat in loco [...] de feno meliori [...] id quod sufficere videatur pro 4 bubus arantibus et 1 malterum avene pro semine UrkWürtt 4,Anh.15 (13. Jh.); Salgisperge ain hof der giltet vier pfvnt oder daz alse tivre ist, da sint zwai pfvnt fvr hoverihte UrbBayÄ 1586; unde sol man danne den hvͤber lan varn uf daz gut da er uffe saz, unde sol er danne dem herren des daz gut was sine hofrihten geben unde sol von im schaiden nah des dorfes rehte StRAugsb 60,17

MWB 2 1744,57; Bearbeiter: Diehl

hoverîtære stM. an einem Hof lebender Ritter: so svln zwen hofritter, die wir dazvͦ benennen nach vnsers rates rat vi pfaerst [Pferde] habn vnd niht mer UrkWittelsb 2,53 (a. 1294); swigent ir böser wicht / sprach ain alter hoffe ritter KgimBade 1,253; ain hofritter sol och sin / gesetzet in dem huze din / der mit ganzem sinne / hab der warhait minne / er ist genant duͤ rechtikait / und trait an im dez kunigez clait / von sinem kun ist er geborn / und hat an sinen rat gesworn / grossi wisz ist im bechant / er heltet luͤt und och die lant / in mag nieman betriegen Gnaistli 539

MWB 2 1745,8; Bearbeiter: Diehl

hoverlîn stM. Dimin. zu hover . ‘Höckerlein, kleiner Buckel’ (hier metonymisch): Melioss sprach: ‘ane grusse / trüwe ich vor dir, höverlin, / wol iemer untz uff min ende sin. / waz möchtt ich fraisse enpfachen / von dir gar untonnen man?’ GTroj 21445

MWB 2 1745,20; Bearbeiter: Diehl

hoveroht Adj. hovereht

MWB 2 1745,26;

hoveruoche swM. horeruoche

MWB 2 1745,27;

1hovesache stF. ‘Hofstatt, zu einem Haus oder Hof gehöriger Grund’ confirmamus [...] duas curtes [...] et unam houesacham [...] et duas houesachas UrkEnns 2,100 (a. 1073); die hofstat, da daz hus vf stat, vnd alle hofsache vor vnd hinten UrkCorp (WMU) 736,28; ein ieglich man des hofesache daran stozzet StRAugsb 170,14; StRMünch 55,12

MWB 2 1745,28; Bearbeiter: Diehl

2hovesache stF. obese

MWB 2 1745,35;

hovesaz stM. vom herrschaftlichen Hof gesetzter Pachtzins für etw.: swaz in von den vorgeschriben vnsern ampten, nuͤtzzen vnd guͤlten wirt und gevellet, daz suͤllen sie uns nach iren trwͤen an beraiten pfenningen verdienen, als der hofsatz gesetzzt ist UrkWittelsb 2,387 (a. 1347)

MWB 2 1745,36; Bearbeiter: Diehl

hovesæʒære stM. ‘auf einem Hof Ansässiger, Pächter’ (vgl. hovesæʒe ): Heinrich der schuͦsuter [...] unde Agnes, sine eliche husvrowe, die do wilemal unser hofesesser wornt UrkStraßb 3:173,31 (a. 1305). – bei mehreren Beliehenen der dem Leiheherrn gegenüber Verantwortliche: als dicke der hofesesser abeget, der es empfangen hett von ir aller wegen, als dicke sol man dem hofeherren einen anderen hofesesser geben UrkStraßb 4,2:125,18 (a. 1322)

MWB 2 1745,42; Bearbeiter: Diehl

hovesæʒe swM. auf einem Hof Ansässiger, Pächter (vgl. differenzierter DRW 5,1335): wellent dîe houesêzen ir gedinge vf den houestetten verkoufen, so sol mens von erst dem houeherren bîeten UrkCorp (WMU) 2751,8; allen den, an die dise houestat in houesezzen wis iemerme gevellet ebd. 3273,25; uber alle die hove der brudere oder dienestliute, dar inne si selber niht seshaft sint, so hat reht der schultheisse, oder der rihtere für zu ladenne an gerihte den hovesessen StRStrassb 57,37

MWB 2 1745,51; Bearbeiter: Diehl

hövesch Adj., Adv. vereinzelt und spät auch adv. ( Minneb 4455; SM: Go 3:2,6 ); auch subst.; ab etwa 1200 in allen Dialektgebieten bedeutungsgleich auch hubisch/  hübesch (vgl. zur Lautgeschichte Bumke, Höf. Kultur, in: PBB 114/1992, S. 414-492; hier S. 427ff.), im Md. z.T. v-Ausfall (z.B. HagenChr (G) ). Kern- und Programmwort zur Charakterisierung eines Gesellschaftsideals der ritterlich-adeligen Lebenswelt mit ihren materiellen wie ideellen Aspekten (lat. curialis, vgl. kurtois ; zu Paarformeln wie ~ unde guot, ~ unde wîs etc. vgl. mit zahlreichen Belegen Erlei, Höfisch, S. 293-304), ‘den gesellschaftlichen Vorstellungen des (idealen) Hofs entsprechend, höfisch’ 1 auf Menschen bezogen (Verhalten und Erscheinungsbild umfassend)
1.1 Gruppen der Hofgesellschaft
1.2 einzelne Mitglieder der Hofgesellschaft
1.2.1 Männer
1.2.2 Frauen
1.3 Personen außerhalb der Hofgesellschaft (selten)
2 Einstellungen, Verhaltensweisen und Handlungen in höfischem Zusammenhang charakterisierend (z.B. Jagd, Turnier, Minne, Fest, Gespräch)
3 auf den äußeren Eindruck bezogen, von Angemessenheit übergehend zu Eleganz und äußerlicher Schönheit (zunehmend verfestigt auf Graphien mit b )
3.1 von Menschen
3.2 von Gegenständen, überw. Kleidung und Ausstattung (bezogen auf Aufwändigkeit von Material und Herstellung sowie Erscheinungsbild)
3.3 selten von Tieren
4 auf Kunst und Literatur bezogen
5 Einzelnes
5.1 ‘adelig’
5.2 bezogen auf Gott bzw. heidnische Götter
5.3 ‘klug, gebildet’ (?)
5.4 bezogen auf die Ostertage (jüngere Belege SchweizId 2,965)
6 mit negativem Aspekt (vgl. auch einzelne Belege zu Spielleuten unter 1.2 )
   1 auf Menschen bezogen (Verhalten und Erscheinungsbild umfassend)    1.1 Gruppen der Hofgesellschaft: vor Etzeln dem künege ein ingesinde reit, / vrô und vil rîche, höfsch unt gemeit, / wol vier und zweinzec fürsten tiwer unde hêr NibB 1342,2; hufsch des hoves gesinde si Andreas 432; ie ze dem tische sach man komen / hübsche kamerære UvEtzWh 1615; tûsent ritter wol becleit. / als ich von in geschriben vant, / algelîch was ir gewant, / der hübschen kumpânîe UvZLanz 8861; ûf den hof der knappe reit. / die höfschen prüeveten sîniu kleit / wol nâch knappelîchen siten Parz 648,4; alsus enpfâhen wir den süezen meien! / wol ûf, ir hübschen leien! / wir suln die fröide heien, / vil frœlîch tanzen reien KLD: GvN 14: 1,12; die [ hôhgezîten ] suln wir vrœlîche begân: / stolze junge vrouwen hân / und werde ritter hôhgemuot / und ander hövesche liute guot RvEBarl 11430. – bezogen auf Spielleute, z.T. in den Wendungen ~ man; ~ liut: ich was ein höfscher spilman / und kunde genuoge / höfscheit unde vuoge Tr 7560; wa ist diu künegin hêr? / hât si der hübeschen videler bî dem Rîne iht mêr? RosengD 461,2; UvEtzAlex Anh. 1942; da was ouch manic hubes man: / [...] / der fidelte uzer der mazen wol, / der sluͦc die drumen, dirre peif, / der ander suͦze wise greif / an harpen unde an rotten Elis 167; EnikFb 252; SHort 3176; Orend 2334; er [Salomon] hete ouch springerinne unde singerinne und ander hübischer liute vil, daz ez âne mâze was PrBerth 1:176,15; wan sol oͮuch wissen, vmbe dîe hupschen luͤte vnd vmbe buͦben vnd vmbe dîe [...] wîp, das stat an des rates bescheîdenheit UrkCorp (WMU) 1295,4; ze dem brutlouffe soll ouch nit me hûbscher lütte sin wan zwen singer, zwen giger und zwen toiber [Schalmeienspieler] StRZürich (B) 123,30    1.2 einzelne Mitglieder der Hofgesellschaft    1.2.1 Männer: der willen hett ritter zu werden [...], der must wesen hubsch on dorperkeyt und gut on schalckeyt, barmherczig syn uber die armen und milte wiedder die durfftigen Lanc 120,26; wande du wâris biderbe unde gût / und hetes manlîchen mût. / [...] vil milde, / gevôge zô dînem schilde, / getrûwe unde wârhaft, / hubisch unde êrhaft, / wol geborn unde rîche SAlex 3807; Herb 2975; er hete guͦte wapin an / und quam wol als ein huuisc man / geuarn an des ringis ort Athis E 158; joch sol ez niemer hövescher man gemachen allen wîben guot. / er ist sîn selbes meister niht, swer sîn alze vil getuot MF: Eist 3:3,3; eyn ritter koin [l. küene ] , hoisch ind wijs HagenChr (G) 3608; der soldân hübesch unde wîs KvWPart 15765. ‘herre ritter’, sprach die jungfrau, ‘ir sint als hubsch nit als ir wol sin mochtent, ir hettent nehelich dißen verwunten ritter ertrettet, der wetlich ein als edel man ist als ir sint oder edeler!’ Lanc 362,1; irn sitt nit hubsch das ir mich uß mynen gedencken hant bracht ebd. 224,25    1.2.2 Frauen: vil dîkke saget man dem hêrren ze mære, / daz ze Biterne wære / guoter knehte alsô vil / manic rîterlîch spil, / vil manic hovesc frowe Kchr 4351; Elena was gewere, / suzze, senfte, reine, frut, / kvsche, schone, milde, gut, / edel, einfalt, ersam, / hubisch, wise, lustsam Herb 2942; ouch intfienc wole den degen / Beatris die gute, / die hovische unde die wol gemuͦte GrRud Ib 19; sie was an allen sachen [in ihrer ganzen Erscheinung] / hübsch unde hovelîch, / schœne unde minneclîch Wigam (B) 1548; ‘höfschiu, getörste ichz iu gesagen, / ich sagetez iu’ sprach Tristan Tr 12086    1.3 Personen außerhalb der Hofgesellschaft (selten): sage mir, hoͤbescher cramer stolz unt lobbêre PassSpW 287; ist daz der höfsche koufman, / von dem uns sîn sun Tristan / sô manege tugende hât geseit? Tr 4055    2 Einstellungen, Verhaltensweisen und Handlungen in höfischem Zusammenhang charakterisierend (z.B. Jagd, Turnier, Minne, Fest, Gespräch): swelch man hât einn hüfschen muot, / der tuot mit rehte swaz er tuot WälGa 3921; Helbl 1,463; der keiser an den wirt gert, / daz er durch hubschen sit / mit den kameræren rit / ein lutzel für die stat Ottok 32288; UvZLanz 1340; LvRegFr 2909; der wise do mitt wortten hie / sine rede angefieg. / mitt hübschen züchten er sprach GTroj 19669; dû sprichest, als der höfsche sol: / diu wort gezement der crône wol Tr 4495; man siht noch hiure hofschen tanz, / mangen swanz / unde kranz. / wen sol der verdriezen? KLD: Kzl 11: 1,11; kurzewil und hoͮsches leben RvEWh 9866; ir [der minneholden ] beider wille was al ein, / ir kurzwîle hübesch unde gemein, / als in beiden wol gezam Heidin II 1780; wie vollekomen er wære / an höfscher jegerîe Tr 3315. – subst.: sümliche bizent ab der sniten / und stozents in die schüzzel wider / nach geburischen siten; / sülh unzuht legent die hübschen nider TannhHofz 48. – ironisch: daz ist Engelbolt mit sîm gesellen Stœren: / die trettent also wæhe / und gênt dort hübesche her von Hôhenlîten SM: Go 3: 2,6    3 auf den äußeren Eindruck bezogen, von Angemessenheit übergehend zu Eleganz und äußerlicher Schönheit (zunehmend verfestigt auf Graphien mit b)    3.1 von Menschen: daz ist ein hübesch knappe, der weibel: / sîn hâr, daz ist crispet, / wand erz an dem ringe dike rîbet SM: Go 2: 3,1; wand sî mit guotes wîbes schamen / wol bekleidet hât ir höfschen lîp KLD: RvR 13:1,4; SM:HvS 4: 4,1; hubische vrowen spulgint [pflegen] sich ze verwinne mit wizir varwe vnde mit rotir varwe PrGeorg (Sch) 2,162; wie hubsch [ pulchra ] du bist ein vrindin min. / Maria magt MarSpAmorb 2,1; diu kel was hübesch unde sleht / und in allewîs gereht [ collum Jesu pulchrum erat, planum atque rectum ] WvRh 6354. 1308 (aber: ir ganc was hövesch [ multum curialis ] unde sleht ebd. 1433 ); do dem húbschen kneblin des weinenden mannes gross trehen úber sinú oͤglú als vast ab runnen Seuse 122,7. 121,29 u.ö.; mit jungen junc, mit alten alt, / mit snellen balt, / mit vrevelen vrech, mit hübeschen wolgestalt Frl 8:4,3    3.2 von Gegenständen, überw. Kleidung und Ausstattung (bezogen auf Aufwändigkeit von Material und Herstellung sowie Erscheinungsbild): dâ [am Mantel] stuont ein höfscher zobel vor / [...], / weder ze smal noch ze breit, / gesprenget, swarz unde grâ Tr 10924; dâ wæren komen geste, / schœner ritter viere, / hübsch mit geziere / an ross und an gereite UvZLanz 6276; rôt sîne schuoh und hübesch gnuoc HvFreibTr 1182; dißer schilt ist viel húbscher dann ich wonde Lanc 342,34; daz [beim Gewand] diu übervlüzze der hübeschen lenge gerlîchen vermîden werde KlarAugsb 4,9; si suln ouch haben einen swarzen wîl [Schleier] niht ze kostbær noch ze hübesch gestrecket über ir houpt ebd. 4,27; [er] bot dem jungling ein húbsches zeinli [Körbchen] , daz waz vol roter frúhten Seuse 31,29. – übertr.: séht àn die heide, seht an den grüenen walt: / [...] / bluomen loup diu beide / mit mangem hübschen kleide / sô sínt sìe bekleit KLD: GvN 20: 1,6    3.3 selten von Tieren: ein hövescher hunt, der spilte gegen sînem herren schône, / wand er sprang ûf in unde bal in süezer stimme dône KvWLd 32,166; ‘luoge, liebe muoter, sich, / zarte muoter, waz hân ich! / ein alsô hübschez heselîn!’ Häslein 193; WernhMl 5257; Seuse 139,3    4 auf Kunst und Literatur bezogen: fabeln, zale vnde spel, / hubesche buch, minne brieb / was im [dem Kg. Priamos] vzer mazze lieb Herb 3151; sô tihteter schanzûne, / rundate und höfschiu liedelîn Tr 19211; daz ir in allen iuwern tagen / habet nie gehœret sagen / sô hübsche mêre gehiure / von schœner âventiure HvFreibTr 1259. mit diser hibschen gezierde lossen wir die rede stan WolfdD 1112,1; wir biten dich herr bescheiden / daz du in gotes geleiden / teutsche machest min hubsche kunst Physiogn 15. ein tribün man vor dem chor vie, / [...] / mit golt man darin gas, / mit hübschen werchen mans peslas [umfieng] Hawich 4325. – bezogen auf die literarisch-künstlerische Haltung (oder zu 5.3 ?): da von sprach hie vor alsus / ein hubescher man, Ovidius Ainune 312; dâ von der hübsche Nîthart / sanc, als ich vernumen hân HvFreibTr 3780    5 Einzelnes    5.1 ‘adelig’ von hovescher geburt DRW 5,1246 (MagdebChr. I; a. 1350)    5.2 bezogen auf Gott bzw. heidnische Götter: her Jûpiter, der hübsche got KvWTroj 813. 1575; vnser herre Jesus Christus, der starke, der wise, der gvde, der shone, der edele, der hohe, der werde, der riche, der milde, der svze, der hvbese, der othmvdige SalHaus 60,9    5.3 ‘klug, gebildet’ (?): microcosmus, daz ist als vil gesprochen als die clain werlt. dar umb sprechent hübsch leut: ich sach alle werlt in ainem rock BdN 4,8; es ist sicher, das juden vnd haiden minnent vnd bekennent etlich reht, anders ieglicher neme den andren lip vnd guͦt, der úber jn moͤchte. dis ist ain húbscher stritt nach der warheit Gnadenl 1,545; dy dritte wise [einen Baum zu pfropfen] ist hobisch [elegant, ausgefallen ?] vnd selczen Pelzb 120,30    5.4 bezogen auf die Ostertage (jüngere Belege SchweizId 2,965): 15 ß an dem hübschen mendag, vnd 15 ß an dem hübschen zistdag DRW 5,1577 (Geschfrd.; a. 1347)    6 mit negativem Aspekt (vgl. auch einzelne Belege zu Spielleuten unter 1.2): la mich des gniezzen doch / das ich [der Teufel] also pin noch, / das ich chain weltleich schande / geschünt [betreibe] nie in chainem lande / an hübscher sunden vil Märt 2987; schonen lip vil hubesch sie [die Sünderin Pelagia (ein bose wip) vgl. V. 29485 ] truc. / ir hohvart die hete unvuc, / der sie von hubescheit pflac Vät 29501. – in der Verbindung ~ wîp ‘Prostituierte’ (vgl. höveschærinne , hövesche ): hute dich ouch vil sere, / wiltu haben ere, / daz du icht brechst die truwe din. / din gelubde laz stete sin. / kindere unde hubsche wip, / die da han unsteten lip, / und die ungetruwen man / sal man die truwe brechen lan Secret 1147. – Lit.: Erlei, Höfisch, S. 241-268 und 293-304; Wolf, hövesch.

MWB 2 1745,61; Bearbeiter: Diehl

hoveschal stM. ‘laute, festliche Freude am Hof’ den âbent und den morgen fruo / geschach dâ kurzewîle vil. / justieren, tanzen, seiten spil / wart gesehen unde erkant. / pferit, silber und gewant / wart umb êre dâ gegeben. / man sach dâ junge und alte leben / in rîchem hoveschalle KvWEngelh 5003; er solte heizen mîden / sîn ingesinde disen dôz. / der hoveschal ist alsô grôz / und muoz mir werden hie ze sûr KvWTroj 8584. 5334. – Festlichkeit am Hof: nu kam in manec geselleschaft / tegelich ûf der strâze, / die sich ze guoter mâze / gasten ûf den hoveschal UvZLanz 9134

MWB 2 1749,17; Bearbeiter: Diehl

hoveschalc stM. 1 ‘Bauer’
2 ‘Diener an einem Hof’ , oft herabsetzend
   1 ‘Bauer’ colinus [l. colonus ] : houiscalc Gl 3:666,8 (BStK287)    2 ‘Diener an einem Hof’, oft herabsetzend: ein lôser hoveschalc KvWLd 32,211; swer dient mit sünden, daz mit schanden / dem würde gelônet in allen landen / nâch sînem werde, daz wêr wol: / sô wêre sô manic hof niht vol / hofeschelke, der selten ieman / grôze êre oder frumen ie gewan Renner 18301; daz haben die argen nu verkeret. / milt dekeine bosheit leret, / ein man wolde danne im selbe geben. / als lernent hoveschelke leben Jüngl 894. 866; BMisstr 390

MWB 2 1749,29; Bearbeiter: Diehl

hoveschar stF. ‘Schar von Hofleuten’ hie mite sô kam diu ritterschaft / zuo geloufen herhaft / und dâ mit al diu hoveschar Tr 4025. 3573; dô wart sîn junger lîp gesehen / trûric unde freuden bar. / ouch wart sîn werdiu hoveschar / betrüebet und die lantdiet KvWEngelh 5176 u.ö.; [er] kam ze Prîamô gevarn, / der in mit sînen hovescharn / enpfienc gar minneclichen dô, / [...] / und al sîn werdiu ritterschaft, / diu kam gedrungen herhaft / und bôt im süezen willekomen KvWTroj 18242 u.ö.; KvWAlex 1165

MWB 2 1749,41; Bearbeiter: Diehl