Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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hâ – haber-
haberlîte – hachelen
hachelwërc – hage
hage- – 2hagen
hagen- – halbe
halbe – hallergëlt
hallergülte – halphimel
halp|hunt – halpvaste
halpvierteil – halser
halsgebeine – halsveste
halsvlinken – hamerslac
hamerslahen – hanef
hanef|âkambe – 1hansen
2hansen – hantgiften
hantgiftphenninc – hantsalbe
hantschmänt – hantvestlich
hantvestunge – hârbendelîn
hârblôʒ – hârlouf
harm – harnaffe
harnasch, harnas – 1harre
2harre – hartruore
hartsinnic – haselbir
haselbluome – hasenvleisch
hasenwint – havendierne
havengazzer – haʒʒiclich
haʒ|zorn – heberînmelwer
hebesal – 3hecken
heckenjeger – hegelîn
hegeln – heidenisch
heidenischheit – heilalle
heilant – heilige
heiligeistlîcheit – heilvuorlich
heilwâc – heime suochen
hei|metze – heimvart
heimvartlich – heitber, heidelber
heiter – heiʒmuot
heiʒsühtic – hëlfebære
hëlfebërnde – hëlkleit
helle – helleglocke
hellegluot – hellemunt
hellemünzer – hellerigel
hellerîs – helle-
hellesun – hellevreisærin
hellevunke – hëllunge
helm – hëlmschîn
hëlmschirbe – helwërtwitze
hely – hendewinden
hendewringen – hennenvuoʒ
hentschuocher – herbërgen
herbërgerîe – hêre
herebërge – hergesidele
hêrgesidele – hêrischheit
hërkêre – Herodære
Herodiane – hêrrennôt
hêrrenphruonde – herschrîære
hêrschunge – hertes
hërtgëlt – hërverloufen
herverten – hërzeblüete
hërzebluot – hërzekrachen
hërzekranc (?) – hërze|nabele (?)
hërzenandâht – hërzenvride
hërzenvrô – hërzestôʒ
hërzesüeʒe – hërzevrouwelîn
hërzewaʒʒer – heselîn
heselîn – hîbære
hichela – hierunder
hiesch – himelbalsem
himelbære – himelgesanc
himelgesinde – himelknabe
himelknolle – himelpalas
himelphat – himelschheit
himelschlich – himelstîge
himelstîgunge – himelval
himelvane – himelvürste
himelvürstin – hinde
hinden – hindergêunge
hindergrîfen – hindernisse
hinderrât – hinderstelle
hinderstellic – hinderwërtlingen
hinder wîchen – hinker
hinkêre – hinnëben
hin nëmen – hînt
hintber – hinwërt
hinwësunge – hirngupfe
hirnhût – hirtelîn
hirtelôs – hirʒmilch
hirʒ- – hiu
hiubelhuot – hiuten
hiutezucker – hôchgebirge
hôchgebluomet – hôchgenant
hôchgenende – hôchgewaltic
hôchgewîht – hôchmeister
hôchmësse – hôchvart
hôchvart – hôchzîtkleit
hôchzîtlich – hœhe
hôheclich – holde
hölde – hol|loch
hol|louch – holzapfelîn
holzban – holzheit
holzhërre – holzschuoherin
holzstîc – honec
honec|bluome (?) – honec|tranc
honec|triefende – hônheit
honic – hopfenziech
hopferebe – horgen
horgewat – hornicsprenget (?)
hornîn – horten
hortgadem – hospitâl
hossen – houbeten
houbet|êre – houbetkleit
houbetklôster – houbetman
houbetman|ambet – houbetsachwaltære
houbetschande – houbetsünde
houbetsündic – houbetwaʒʒer
houbetwëgen – höuptinc
höurëht – höuwezëhende
houwic – hovegeselle
hovegesinde – hovelich
hovelîche – hovephenninc
hovephliht – hoveschar
höveschære – hovestatzins
hove|stetære – hovezins
hovezorn – 1hûchen
2hûchen – hüenerhirne
hüenerhûs – hûfeht
hufel – hügenisse
hügenumft – hüllenwëbære
hüllenwëbærinne – humerâl
hummen – hundertweide
hundesber – hungergîtic
hungerhâr – hunt
huntaffe – huobdinc
huobe – huof
huofblat – huorgelust
huorgelustic – huotelôs
huote|strëbe (?) – hurmelen
hurnaʒ – hurticlich
hurtieren – hûs|êre
hûsgëlt – hûslode
hûslôs – hûsvrouwe
hûswer – hûwen
hûwen – hy

   hovesæʒe - hovespîse    


hovesæʒe swM. auf einem Hof Ansässiger, Pächter (vgl. differenzierter DRW 5,1335): wellent dîe houesêzen ir gedinge vf den houestetten verkoufen, so sol mens von erst dem houeherren bîeten UrkCorp (WMU) 2751,8; allen den, an die dise houestat in houesezzen wis iemerme gevellet ebd. 3273,25; uber alle die hove der brudere oder dienestliute, dar inne si selber niht seshaft sint, so hat reht der schultheisse, oder der rihtere für zu ladenne an gerihte den hovesessen StRStrassb 57,37

MWB 2 1745,51; Bearbeiter: Diehl

hövesch Adj., Adv. vereinzelt und spät auch adv. ( Minneb 4455; SM: Go 3:2,6 ); auch subst.; ab etwa 1200 in allen Dialektgebieten bedeutungsgleich auch hubisch/  hübesch (vgl. zur Lautgeschichte Bumke, Höf. Kultur, in: PBB 114/1992, S. 414-492; hier S. 427ff.), im Md. z.T. v-Ausfall (z.B. HagenChr (G) ). Kern- und Programmwort zur Charakterisierung eines Gesellschaftsideals der ritterlich-adeligen Lebenswelt mit ihren materiellen wie ideellen Aspekten (lat. curialis, vgl. kurtois ; zu Paarformeln wie ~ unde guot, ~ unde wîs etc. vgl. mit zahlreichen Belegen Erlei, Höfisch, S. 293-304), ‘den gesellschaftlichen Vorstellungen des (idealen) Hofs entsprechend, höfisch’ 1 auf Menschen bezogen (Verhalten und Erscheinungsbild umfassend)
1.1 Gruppen der Hofgesellschaft
1.2 einzelne Mitglieder der Hofgesellschaft
1.2.1 Männer
1.2.2 Frauen
1.3 Personen außerhalb der Hofgesellschaft (selten)
2 Einstellungen, Verhaltensweisen und Handlungen in höfischem Zusammenhang charakterisierend (z.B. Jagd, Turnier, Minne, Fest, Gespräch)
3 auf den äußeren Eindruck bezogen, von Angemessenheit übergehend zu Eleganz und äußerlicher Schönheit (zunehmend verfestigt auf Graphien mit b )
3.1 von Menschen
3.2 von Gegenständen, überw. Kleidung und Ausstattung (bezogen auf Aufwändigkeit von Material und Herstellung sowie Erscheinungsbild)
3.3 selten von Tieren
4 auf Kunst und Literatur bezogen
5 Einzelnes
5.1 ‘adelig’
5.2 bezogen auf Gott bzw. heidnische Götter
5.3 ‘klug, gebildet’ (?)
5.4 bezogen auf die Ostertage (jüngere Belege SchweizId 2,965)
6 mit negativem Aspekt (vgl. auch einzelne Belege zu Spielleuten unter 1.2 )
   1 auf Menschen bezogen (Verhalten und Erscheinungsbild umfassend)    1.1 Gruppen der Hofgesellschaft: vor Etzeln dem künege ein ingesinde reit, / vrô und vil rîche, höfsch unt gemeit, / wol vier und zweinzec fürsten tiwer unde hêr NibB 1342,2; hufsch des hoves gesinde si Andreas 432; ie ze dem tische sach man komen / hübsche kamerære UvEtzWh 1615; tûsent ritter wol becleit. / als ich von in geschriben vant, / algelîch was ir gewant, / der hübschen kumpânîe UvZLanz 8861; ûf den hof der knappe reit. / die höfschen prüeveten sîniu kleit / wol nâch knappelîchen siten Parz 648,4; alsus enpfâhen wir den süezen meien! / wol ûf, ir hübschen leien! / wir suln die fröide heien, / vil frœlîch tanzen reien KLD: GvN 14: 1,12; die [ hôhgezîten ] suln wir vrœlîche begân: / stolze junge vrouwen hân / und werde ritter hôhgemuot / und ander hövesche liute guot RvEBarl 11430. – bezogen auf Spielleute, z.T. in den Wendungen ~ man; ~ liut: ich was ein höfscher spilman / und kunde genuoge / höfscheit unde vuoge Tr 7560; wa ist diu künegin hêr? / hât si der hübeschen videler bî dem Rîne iht mêr? RosengD 461,2; UvEtzAlex Anh. 1942; da was ouch manic hubes man: / [...] / der fidelte uzer der mazen wol, / der sluͦc die drumen, dirre peif, / der ander suͦze wise greif / an harpen unde an rotten Elis 167; EnikFb 252; SHort 3176; Orend 2334; er [Salomon] hete ouch springerinne unde singerinne und ander hübischer liute vil, daz ez âne mâze was PrBerth 1:176,15; wan sol oͮuch wissen, vmbe dîe hupschen luͤte vnd vmbe buͦben vnd vmbe dîe [...] wîp, das stat an des rates bescheîdenheit UrkCorp (WMU) 1295,4; ze dem brutlouffe soll ouch nit me hûbscher lütte sin wan zwen singer, zwen giger und zwen toiber [Schalmeienspieler] StRZürich (B) 123,30    1.2 einzelne Mitglieder der Hofgesellschaft    1.2.1 Männer: der willen hett ritter zu werden [...], der must wesen hubsch on dorperkeyt und gut on schalckeyt, barmherczig syn uber die armen und milte wiedder die durfftigen Lanc 120,26; wande du wâris biderbe unde gût / und hetes manlîchen mût. / [...] vil milde, / gevôge zô dînem schilde, / getrûwe unde wârhaft, / hubisch unde êrhaft, / wol geborn unde rîche SAlex 3807; Herb 2975; er hete guͦte wapin an / und quam wol als ein huuisc man / geuarn an des ringis ort Athis E 158; joch sol ez niemer hövescher man gemachen allen wîben guot. / er ist sîn selbes meister niht, swer sîn alze vil getuot MF: Eist 3:3,3; eyn ritter koin [l. küene ] , hoisch ind wijs HagenChr (G) 3608; der soldân hübesch unde wîs KvWPart 15765. ‘herre ritter’, sprach die jungfrau, ‘ir sint als hubsch nit als ir wol sin mochtent, ir hettent nehelich dißen verwunten ritter ertrettet, der wetlich ein als edel man ist als ir sint oder edeler!’ Lanc 362,1; irn sitt nit hubsch das ir mich uß mynen gedencken hant bracht ebd. 224,25    1.2.2 Frauen: vil dîkke saget man dem hêrren ze mære, / daz ze Biterne wære / guoter knehte alsô vil / manic rîterlîch spil, / vil manic hovesc frowe Kchr 4351; Elena was gewere, / suzze, senfte, reine, frut, / kvsche, schone, milde, gut, / edel, einfalt, ersam, / hubisch, wise, lustsam Herb 2942; ouch intfienc wole den degen / Beatris die gute, / die hovische unde die wol gemuͦte GrRud Ib 19; sie was an allen sachen [in ihrer ganzen Erscheinung] / hübsch unde hovelîch, / schœne unde minneclîch Wigam (B) 1548; ‘höfschiu, getörste ichz iu gesagen, / ich sagetez iu’ sprach Tristan Tr 12086    1.3 Personen außerhalb der Hofgesellschaft (selten): sage mir, hoͤbescher cramer stolz unt lobbêre PassSpW 287; ist daz der höfsche koufman, / von dem uns sîn sun Tristan / sô manege tugende hât geseit? Tr 4055    2 Einstellungen, Verhaltensweisen und Handlungen in höfischem Zusammenhang charakterisierend (z.B. Jagd, Turnier, Minne, Fest, Gespräch): swelch man hât einn hüfschen muot, / der tuot mit rehte swaz er tuot WälGa 3921; Helbl 1,463; der keiser an den wirt gert, / daz er durch hubschen sit / mit den kameræren rit / ein lutzel für die stat Ottok 32288; UvZLanz 1340; LvRegFr 2909; der wise do mitt wortten hie / sine rede angefieg. / mitt hübschen züchten er sprach GTroj 19669; dû sprichest, als der höfsche sol: / diu wort gezement der crône wol Tr 4495; man siht noch hiure hofschen tanz, / mangen swanz / unde kranz. / wen sol der verdriezen? KLD: Kzl 11: 1,11; kurzewil und hoͮsches leben RvEWh 9866; ir [der minneholden ] beider wille was al ein, / ir kurzwîle hübesch unde gemein, / als in beiden wol gezam Heidin II 1780; wie vollekomen er wære / an höfscher jegerîe Tr 3315. – subst.: sümliche bizent ab der sniten / und stozents in die schüzzel wider / nach geburischen siten; / sülh unzuht legent die hübschen nider TannhHofz 48. – ironisch: daz ist Engelbolt mit sîm gesellen Stœren: / die trettent also wæhe / und gênt dort hübesche her von Hôhenlîten SM: Go 3: 2,6    3 auf den äußeren Eindruck bezogen, von Angemessenheit übergehend zu Eleganz und äußerlicher Schönheit (zunehmend verfestigt auf Graphien mit b)    3.1 von Menschen: daz ist ein hübesch knappe, der weibel: / sîn hâr, daz ist crispet, / wand erz an dem ringe dike rîbet SM: Go 2: 3,1; wand sî mit guotes wîbes schamen / wol bekleidet hât ir höfschen lîp KLD: RvR 13:1,4; SM:HvS 4: 4,1; hubische vrowen spulgint [pflegen] sich ze verwinne mit wizir varwe vnde mit rotir varwe PrGeorg (Sch) 2,162; wie hubsch [ pulchra ] du bist ein vrindin min. / Maria magt MarSpAmorb 2,1; diu kel was hübesch unde sleht / und in allewîs gereht [ collum Jesu pulchrum erat, planum atque rectum ] WvRh 6354. 1308 (aber: ir ganc was hövesch [ multum curialis ] unde sleht ebd. 1433 ); do dem húbschen kneblin des weinenden mannes gross trehen úber sinú oͤglú als vast ab runnen Seuse 122,7. 121,29 u.ö.; mit jungen junc, mit alten alt, / mit snellen balt, / mit vrevelen vrech, mit hübeschen wolgestalt Frl 8:4,3    3.2 von Gegenständen, überw. Kleidung und Ausstattung (bezogen auf Aufwändigkeit von Material und Herstellung sowie Erscheinungsbild): dâ [am Mantel] stuont ein höfscher zobel vor / [...], / weder ze smal noch ze breit, / gesprenget, swarz unde grâ Tr 10924; dâ wæren komen geste, / schœner ritter viere, / hübsch mit geziere / an ross und an gereite UvZLanz 6276; rôt sîne schuoh und hübesch gnuoc HvFreibTr 1182; dißer schilt ist viel húbscher dann ich wonde Lanc 342,34; daz [beim Gewand] diu übervlüzze der hübeschen lenge gerlîchen vermîden werde KlarAugsb 4,9; si suln ouch haben einen swarzen wîl [Schleier] niht ze kostbær noch ze hübesch gestrecket über ir houpt ebd. 4,27; [er] bot dem jungling ein húbsches zeinli [Körbchen] , daz waz vol roter frúhten Seuse 31,29. – übertr.: séht àn die heide, seht an den grüenen walt: / [...] / bluomen loup diu beide / mit mangem hübschen kleide / sô sínt sìe bekleit KLD: GvN 20: 1,6    3.3 selten von Tieren: ein hövescher hunt, der spilte gegen sînem herren schône, / wand er sprang ûf in unde bal in süezer stimme dône KvWLd 32,166; ‘luoge, liebe muoter, sich, / zarte muoter, waz hân ich! / ein alsô hübschez heselîn!’ Häslein 193; WernhMl 5257; Seuse 139,3    4 auf Kunst und Literatur bezogen: fabeln, zale vnde spel, / hubesche buch, minne brieb / was im [dem Kg. Priamos] vzer mazze lieb Herb 3151; sô tihteter schanzûne, / rundate und höfschiu liedelîn Tr 19211; daz ir in allen iuwern tagen / habet nie gehœret sagen / sô hübsche mêre gehiure / von schœner âventiure HvFreibTr 1259. mit diser hibschen gezierde lossen wir die rede stan WolfdD 1112,1; wir biten dich herr bescheiden / daz du in gotes geleiden / teutsche machest min hubsche kunst Physiogn 15. ein tribün man vor dem chor vie, / [...] / mit golt man darin gas, / mit hübschen werchen mans peslas [umfieng] Hawich 4325. – bezogen auf die literarisch-künstlerische Haltung (oder zu 5.3 ?): da von sprach hie vor alsus / ein hubescher man, Ovidius Ainune 312; dâ von der hübsche Nîthart / sanc, als ich vernumen hân HvFreibTr 3780    5 Einzelnes    5.1 ‘adelig’ von hovescher geburt DRW 5,1246 (MagdebChr. I; a. 1350)    5.2 bezogen auf Gott bzw. heidnische Götter: her Jûpiter, der hübsche got KvWTroj 813. 1575; vnser herre Jesus Christus, der starke, der wise, der gvde, der shone, der edele, der hohe, der werde, der riche, der milde, der svze, der hvbese, der othmvdige SalHaus 60,9    5.3 ‘klug, gebildet’ (?): microcosmus, daz ist als vil gesprochen als die clain werlt. dar umb sprechent hübsch leut: ich sach alle werlt in ainem rock BdN 4,8; es ist sicher, das juden vnd haiden minnent vnd bekennent etlich reht, anders ieglicher neme den andren lip vnd guͦt, der úber jn moͤchte. dis ist ain húbscher stritt nach der warheit Gnadenl 1,545; dy dritte wise [einen Baum zu pfropfen] ist hobisch [elegant, ausgefallen ?] vnd selczen Pelzb 120,30    5.4 bezogen auf die Ostertage (jüngere Belege SchweizId 2,965): 15 ß an dem hübschen mendag, vnd 15 ß an dem hübschen zistdag DRW 5,1577 (Geschfrd.; a. 1347)    6 mit negativem Aspekt (vgl. auch einzelne Belege zu Spielleuten unter 1.2): la mich des gniezzen doch / das ich [der Teufel] also pin noch, / das ich chain weltleich schande / geschünt [betreibe] nie in chainem lande / an hübscher sunden vil Märt 2987; schonen lip vil hubesch sie [die Sünderin Pelagia (ein bose wip) vgl. V. 29485 ] truc. / ir hohvart die hete unvuc, / der sie von hubescheit pflac Vät 29501. – in der Verbindung ~ wîp ‘Prostituierte’ (vgl. höveschærinne , hövesche ): hute dich ouch vil sere, / wiltu haben ere, / daz du icht brechst die truwe din. / din gelubde laz stete sin. / kindere unde hubsche wip, / die da han unsteten lip, / und die ungetruwen man / sal man die truwe brechen lan Secret 1147. – Lit.: Erlei, Höfisch, S. 241-268 und 293-304; Wolf, hövesch.

MWB 2 1745,61; Bearbeiter: Diehl

hoveschal stM. ‘laute, festliche Freude am Hof’ den âbent und den morgen fruo / geschach dâ kurzewîle vil. / justieren, tanzen, seiten spil / wart gesehen unde erkant. / pferit, silber und gewant / wart umb êre dâ gegeben. / man sach dâ junge und alte leben / in rîchem hoveschalle KvWEngelh 5003; er solte heizen mîden / sîn ingesinde disen dôz. / der hoveschal ist alsô grôz / und muoz mir werden hie ze sûr KvWTroj 8584. 5334. – Festlichkeit am Hof: nu kam in manec geselleschaft / tegelich ûf der strâze, / die sich ze guoter mâze / gasten ûf den hoveschal UvZLanz 9134

MWB 2 1749,17; Bearbeiter: Diehl

hoveschalc stM. 1 ‘Bauer’
2 ‘Diener an einem Hof’ , oft herabsetzend
   1 ‘Bauer’ colinus [l. colonus ] : houiscalc Gl 3:666,8 (BStK287)    2 ‘Diener an einem Hof’, oft herabsetzend: ein lôser hoveschalc KvWLd 32,211; swer dient mit sünden, daz mit schanden / dem würde gelônet in allen landen / nâch sînem werde, daz wêr wol: / sô wêre sô manic hof niht vol / hofeschelke, der selten ieman / grôze êre oder frumen ie gewan Renner 18301; daz haben die argen nu verkeret. / milt dekeine bosheit leret, / ein man wolde danne im selbe geben. / als lernent hoveschelke leben Jüngl 894. 866; BMisstr 390

MWB 2 1749,29; Bearbeiter: Diehl

hoveschar stF. ‘Schar von Hofleuten’ hie mite sô kam diu ritterschaft / zuo geloufen herhaft / und dâ mit al diu hoveschar Tr 4025. 3573; dô wart sîn junger lîp gesehen / trûric unde freuden bar. / ouch wart sîn werdiu hoveschar / betrüebet und die lantdiet KvWEngelh 5176 u.ö.; [er] kam ze Prîamô gevarn, / der in mit sînen hovescharn / enpfienc gar minneclichen dô, / [...] / und al sîn werdiu ritterschaft, / diu kam gedrungen herhaft / und bôt im süezen willekomen KvWTroj 18242 u.ö.; KvWAlex 1165

MWB 2 1749,41; Bearbeiter: Diehl

höveschære stM. jmd., der den Gesellschaftsidealen der ritterlich-höfischen Lebenswelt entspricht, ‘Hofmann’ 1 positiv
2 negative Aspekte in den Vordergrund rückend
2.1 jmd., der sich (fälschlich) als Hofmann gibt
2.2 ‘Verführer’ (vgl. höveschen 1.1 und hovierer 2 )
   1 positiv: er was ain furste mare, / alzoges [ganz und gar] ain hubiscare; / gehaizen was er Margariz Rol 5634; her sach dâ sitzen unde stân / manege maget wol getân / und manech wol getânez wîb, / die wol heten ir lîb / gezieret nâch ir lantsiten. / die hobischâre kaffende riten / beidenthalben der strâzen En 12862. 12865    2 negative Aspekte in den Vordergrund rückend    2.1 jmd., der sich (fälschlich) als Hofmann gibt: er [der Herr] nam in [den Knecht in Herrenkleidern] bi dem hare / und zoch im abe sin gewant / und hiez in werfen zehant / in sinen charchære. / da lac der hofschære / also lange, unz er verdarp StrKD 90,42    2.2 ‘Verführer’ (vgl. höveschen 1.1 und hovierer 2): nv qvam her Ysengrim, ir man, / do tet der hobischere [Reinhart Fuchs] , / als der rede niht enwere ReinFu K,441; der keiser verwandelte sine witze: er überhuorte den rittæren ir wip; er wart ein hübeschäre PKchr 213,35. – als Bestandteil eines Personennamens (bezogen auf äußere Erscheinung oder Verhalten [vgl. höveschman ]?): Vͦlrich Hv́bscher UrkCorp (WMU) 2357,27

MWB 2 1749,52; Bearbeiter: Diehl

höveschærinne, höveschelærinne stF. ‘leichtfertige Frau, Prostituierte’ (vgl. höveschwîp ): do gesah der starche degin / ein hovescherin, ein schoͤne wip, / dú hate ein minninchlichin lip. / zuͦ der gie er und lag bi ir / durh sinis muͦtwillen gir, / als in sin irrecheit lerte RvEWchr 20922; ein râtgeb âne triuwe / ein übeltæt âne riuwe, / ein fürsprech âne sinne, / ein siechiu hübscherinne / ein buochsagær trunken Helbl 2,1446; man sol auh wizzen daz chein hubslerin hie in der stat wonen sol StRAugsb 190,34. 7,36; aber ob ain pvrger ainen dem div stat verboten ist, oder ainen spilman oder ain offenev hoͤfscherinne laidigt von schvlden, der sol des niht engelten gain dem gerihte, wan so getan levte habent des rehten niht StRLandau 228

MWB 2 1750,12; Bearbeiter: Diehl

hövesche stF. 1 ‘Schönheit’
2 ‘außereheliche Verbindung’ (vgl. hövescheit 2 )
   1 ‘Schönheit’ swa man frouwen prüeven sol, da muoz ich für dich schallen, / an hübsch und ouch an güete Tannh 3,60 (vgl. schoener forme ich nie gesach, diu min cor hat besezzen; / an ir ist elliu volle ebd. 3,49 )    2 ‘außereheliche Verbindung’ (vgl. hövescheit 2 ): es si danne, das si ainen man ze huͥbsche oder ze de ê neme nach dem vorgenantin Hainriche UrkCorp (WMU) 2016,45; darnach gap er im Amelin / zeiner elichen wirtin / mit hundert marken die si gwan / daz er ze hübsche wart ir man RuprvWü 930

MWB 2 1750,28; Bearbeiter: Diehl

hövescheit stF. ab etwa 1200 in allen Dialektgebieten bedeutungsgleich auch hubisch-/hübesch- (vgl. zur Lautgeschichte Bumke, Höf. Kultur, in: PBB 114/1992, S. 414-492; hier S. 427ff.); im Md. z.T. v-Ausfall (z.B. KarlGalie ). aus höfischer Erziehung und Bildung erwachsene, den gesellschaftlichen Vorstellungen des (idealen) Hofes entsprechende Grundhaltung (lat. curialitas, vgl. kurtoisîe ) 1 meist positiv ‘dem Hof angemessene Haltung, höfisches Verhalten’
1.1 allgem.
1.2 überw. bezogen auf die aus dieser Grundhaltung resultierenden Verhaltensweisen und Handlungen in höfischem Zusammenhang (z.B. Jagd, Turnier, Minne, Fest, Gespräch)
1.3 auf den äußeren Eindruck bezogen, von Angemessenheit übergehend zu Eleganz und äußerlicher Schönheit
1.3.1 von Menschen
1.3.2 von Kleidung und Ausstattung (bezogen auf Aufwändigkeit von Material und Herstellung sowie Erscheinungsbild)
1.3.3 selten von Tieren und ihrem Erscheinungsbild
2 selten mit negativem Aspekt (auf Äußerlichkeiten abzielend, vgl. höveschen , hövesche ) ‘Leichtfertigkeit, Verführung’
   1 meist positiv ‘dem Hof angemessene Haltung, höfisches Verhalten’    1.1 allgem.: uwer biederbekeit und uwer hubscheit und uwer wolstender lip Lanc 534,29; swer ze hove wil wol gebârn, / der sol sich deheime bewarn / daz er nien tuo unhüfschlîchen, / wan ir sult wizzen sicherlîchen / daz beidiu zuht und hüfscheit / koment von der gewonheit WälGa 657; wan nieman ist sô rîche, / in ensweche an sîner hübscheit / ein zorn und ein herzeleit / und nâhe gândiu riuwe UvZLanz 7505; von disses herren manheit / vnde von gener frauwen hubescheit Herb 902; Neidh SL 30:3,6. jmds. ~ als Bekräftigungsformel: bî mîner höfscheit sô sült ir / für wâr daz wol gelauben mir UvLFrd 198,9. 74,26; bî iuwer hübscheit ich iuch man / [...] / daz ir mir ze wizzen tuot UvEtzWh 2928. – auf Gott bezogen: in disen dingen hæte Îsôt / einen list ir herzen vür geleit / vil verre ûf gotes höfscheit Tr 15552; daz diu gotes hövescheit [textkritisch problematisch, Hs. hofweyshait, vgl. enthöveschen ] / ob mîner vrouwen swebete / und dâ wider strebete / daz ir dehein grôz ungemach / von den rossen niene geschach Er 3461    1.2 überw. bezogen auf die aus dieser Grundhaltung resultierenden Verhaltensweisen und Handlungen in höfischem Zusammenhang (z.B. Jagd, Turnier, Minne, Fest, Gespräch): er lernt in sîner kintheit / tugent und gevuoclîcheit / singen unde seitenspil / und ouch ander hübscheit vil: / schirmen unde springen, / loufen und ouch ringen Wigam (B) 345; der greve dede syne heuscheit [d.i. höfscheit ] / als der edele vur sich deit HagenChr (G) 5210; WälGa 3920; er kund alle fuoge, / der man ze hübescheit bedarf KvWTroj 4731; Tr 7562; Machaon was riche / vnde lebete wunderliche: / er enpflag deheiner hubisheit Herb 3101; sô wol dir, sumer, alsô manger hövescheit Walth 64,17; alsô ergie diu hübscheit, / daz si der minne pflâgen / und bî einander lâgen EnikWchr 20896; KLD:UvL 59: 1,5; des ist der turnei dar geleit. / da ist aller slahte hübscheit UvZLanz 2684; wem aventüre nun behagtt, / dem wirtt mit gantzer hübschhaitt / ain ware urkünde gesaitt GTroj 6465; wir wellen singen unde lesen / von liebe und von hubescheit ThvKandelb 43. – häufig durch ~ ; etw. durch ~ tuon: swer an des edeln lantgrâven râte sî / dur sîne hübscheit, er sî dienstman oder vrî, / der mane in umb mîn lêren Walth 85,18; swâ sô bî den frouwen durch ir höfscheit / kurzewîle pflâgen die riter vil gemeit NibB 131,1; Pârîse was diu rede leit. / er zôch dur sîne hübescheit / den huot gezogenlichen abe KvWTroj 1776; durch rechte hoeschet KarlGalie 4628; er hâtz durch höfscheit getân Parz 767,16; PleierTand 18309    1.3 auf den äußeren Eindruck bezogen, von Angemessenheit übergehend zu Eleganz und äußerlicher Schönheit    1.3.1 von Menschen: daz Achilles næme / an sich wîplîchiu kleit / durch sînes lîbes hübscheit EnikWchr 14536. 14530; diu edel magt was garwe / an lîbe, an antlüt, an varwe / schoene unde minneclîch / und aller hübscheite rîch WvRh 1404; (aber auch von äußerl. Schönheit abgesetzt: daz in dem lande / nieman bekande / enkeine juncvrouwen, / die man gerner möhte schouwen / durch schœne noch durch hübscheit UvZLanz 1449 )    1.3.2 von Kleidung und Ausstattung (bezogen auf Aufwändigkeit von Material und Herstellung sowie Erscheinungsbild): sîn gewant, als ich iu hân geseit, / daz was mit grôzer höfscheit / nâch sînem lîbe gesniten Tr 3346; er schein ein engel, niht ein man, / an allem sîme gereite. / ze einer hübscheite / fuort er sîdîn mouwen [weite Ärmel] . / man möht in gerne schouwen UvZLanz 4432; En 5773; hvbeschait sol man an dem gewande niht hawen SpitEich 41,25; sô suln si tragen vür ein gürtel ein seil. dar an sol dekein hübescheit sîn KlarAugsb 4,21; das fürgebüege was [der Brustgurt des Pferdes entsprach ganz den Normen der] hubscheit, / ein borte nicht zuo breit / mit guoter syden undertragen, / dar uff schone golt geslagen TristMönch 391    1.3.3 selten von Tieren und ihrem Erscheinungsbild: vernemt scône hovescheit / umbe ein pharît daz si reit: / ein tûre zoum lach der ane. / daz winster ôre und der mane / wâren im wîz als der snê En 5241    2 selten mit negativem Aspekt (auf Äußerlichkeiten abzielend, vgl. höveschen , hövesche ) ‘Leichtfertigkeit, Verführung’ hie zv Constantinnopole / in der merin burge / was daz scone wif / die ie gewan den lib / dar umbe hetter arbeit / vnde ir warh [erwarb, erreichte] mit sinir houisheit / daz die magit lossam / ir uater inran Roth 3783; ich bejech ouch daz ich gesuͦndiget habe mit gedanken, mit worten, mit werken, mit uber aze, mit ubertranke, an huͦre, an uͦberhuͦre, an sippehuͦre, an huͦres geluͦst, mit homuͦte, mit huͦbescheit, mit spotte PrLpz 47,23; war zuo sol dem briester gemäitheit! / ez ist nicht anders umbe sîn höfscheit / denne als umb des esels singen; / jâ sol er den lîp twingen / daz er werde chiusch unt räine Priesterl 538; ouch wizzent, daz ich iuwer niht / wil ze hübischeite gern. / welt ir der minne mich gewern, / nâch der mir ist von grunde wê, / sô wil ich hân ze rehter ê / mit triuwen iuch für alliu wîp KvWTroj 21215; HeimlBote 14. ein nunne gemeit. / diu was durch ir hövescheit [weltl. Begierden] / ûz ir zelle entrunnen Helmbr 110; ein tumber jungelinc, / der hete elliu sîniu dinc / gerihtet durch sîn üppecheit / nâch der werlde hofscheit LvRegFr 395. – Lit.: Erlei, Höfisch, S. 317-337.

MWB 2 1750,39; Bearbeiter: Diehl

höveschelærinne stF. höveschærinne

MWB 2 1752,28;

höveschen swV. auch hübschen, vgl. dazu hövesch . intr.; meist als (subst.) Inf.; oft mit Verben der Bewegung oder Richtungsadverbien, ‘sich im höfischen Rahmen bewegen, höfischen Umgang haben’ (vgl. hovieren ) 1 überw. zur Beschreibung von Kontakten und Beziehungen zwischen Mann und Frau
1.1 mit negativem Aspekt ‘Unzucht treiben’ (u.a. für die frühesten Belege der ganzen Wortfamilie, vgl. ähnlich hövescheit )
1.2 meist positiv bestimmt von den Idealen der hövescheit , einem höfischen Verhaltenskodex ‘flirten, kokettieren’
1.3 übertr.
2 verallgem. ‘feiern’ in einem höfischen Zusammenhang
   1 überw. zur Beschreibung von Kontakten und Beziehungen zwischen Mann und Frau    1.1 mit negativem Aspekt ‘Unzucht treiben’ (u.a. für die frühesten Belege der ganzen Wortfamilie, vgl. ähnlich hövescheit ): unkûsce er sich underwant: / er rait hovescen in diu lant, / er hônde di edelen frouwen Kchr 16555; ze aller jungest kom iz sus, / daz der chunich Justinjânus / gehofescet mit ainer frouwen: / die beslief er tougen ebd. 13041; wê, daz er die guoten sînes höfschens niht erlât, / daz er âne ir willen tuot Neidh WL 22:4,8; wenne ir woltet bî mir nie belîben / und gienget ûz hübschen ze andern wîben. / daz wil ich mînen friunden klagen Renner 12938    1.2 meist positiv bestimmt von den Idealen der hövescheit , einem höfischen Verhaltenskodex ‘flirten, kokettieren’ da [in meiner Burg] geruochent ir belîben / und hübschent mit den wîben: / die machent iu kurzewîle UvZLanz 582. 3440; die wellen mit mir jagen, / daz si sich bereiten; die aber hie bestân, / hövschen mit den vrouwen, daz sî mir liebe getân NibB 912,4; sîn höfschen zimt den frouwen niht, swes herze unsanfte wol getuot KLD: RvR 4:10,5. – z.T. mit werbendem Aspekt: wir wellen höfscen rîten verre in vremdiu lant NibB 350,3; daz ist Irenber. / vert von Botenbrunne er / durch sîn höfschen dâ her abe, / ein vil hiuzer dorefknabe, / guoter wîbe minne müeze im nimmer werden teil! Neidh WL 35:4,3; sie legent ir hovekleider an / und gânt mit fröuden von dan / höveschen zuo den frouwen. / [...] / dâ wirt tanzen unde singen / und an vil mangen dingen / ein wunneclîchez hôchzît StrDan 683. 630    1.3 übertr.: wân und wunsch, daz wolt ich allez ledic lân: / höveschent mîne sinne dar, / waz mac ichs, gebents iu mînen sanc? Walth 62,21    2 verallgem. ‘feiern’ in einem höfischen Zusammenhang: den alten und den jungen / hiez er vröude machen / mit maneger hande sachen: / sagen unde singen, / tanzen unde springen, / höveschen unde seit spil. / dâ was kurzewîle vil UvTürhTr 1427; er [der Knecht in Herrenkleidern] wart da von so stolz, / daz er zeacker noch zeholz / niht mer varn wolde, / als er von rehte solde. / beidiu naht und tac / niwan hofschens er phlac StrKD 90,32; ich fliuse des wirtes hulde niht, bit ich in sîner kleider: / sô wære im umbe ein überigez hübschen michel leider KLD: Gelt 2,8; SHort 3060. – Lit.: Wolf, hövesch; Erlei, Höfisch, S. 344-350.

MWB 2 1752,29; Bearbeiter: Diehl

hove|schenke swM. ‘Hofschenk, Inhaber des Schenkenamts’ (zur Sache vgl. DRW 12,450ff.): wan wir unserm liben getruwen Ulrich von Hochsteten unserm hofschenken rechttr schult schuldig sin [...] czweyhundert mark lotiges silbers MGHConst 8:324,24 (a. 1347)

MWB 2 1753,18; Bearbeiter: Diehl

höveschlich Adj. , -lîche Adv. überw. adv., auch -lîchen; ab etwa 1200 in allen Dialektgebieten bedeutungsgleich hubisch-/hübesch- (vgl. zur Lautgeschichte Bumke, Höf. Kultur, in: PBB 114/1992, S. 414-492; hier S. 427ff.), im Md. z.T. v-Ausfall (z.B. HagenChr (G) ). den Verhaltens- und Wertvorstellungen des (idealen) Hofes entsprechend, angemessen (vgl. hovelich ) 1 selten auf Personen bezogen
2 häufig zur Charakterisierung von Verhaltensweisen und Handlungen, überw. in höfischen Zusammenhang (z.B. Gespräch, Turnier oder Minne) i.S.v. ‘wie es sich an einem Hof gehört’
2.1 meist positiv
2.2 selten negativ (vgl. höveschen 1.1 und hövescheit 2 ) ‘lockend, täuschend’
3 bezogen auf Abstrakta und Gegenstände
   1 selten auf Personen bezogen: zwene kvnige riche. / die waren da hubischliche Herb 4072; er was zallen zîten / höfschlîche an sîner siten / und truog in sînen dienest an Tr 3400    2 häufig zur Charakterisierung von Verhaltensweisen und Handlungen, überw. in höfischen Zusammenhang (z.B. Gespräch, Turnier oder Minne) i.S.v. ‘wie es sich an einem Hof gehört’    2.1 meist positiv: dô hiez ir vrou Lûnete, / diu gerne höveschlîchen tete, / ir pfärit gewinnen Iw 5894; ‘herre ritter’, sprach er, ‘ir hant nit húbschlich gethan das ir myner frauwen hant gespottet.’ Lanc 177,30; swer trinkend ûz dem becher siht, / daz stât hüfschlîche niht WälGa 496; her Mathis hoischlichen sprach: / ‘als got wilt ind men noch saich.’ HagenChr (G) 4828; Parz 744,26; hoveschlîch tanzen, vrœlîch lachen / was bî niuwen zîten wert SM: UvS 10: 2,1; Neidh SL 30,1,14; der ritter der bereite sich / zuo dem turnei hübschlîch, / diu vrouwe gab im iren segen, / hin wek sô reit der degen DietrGlesse 130; UvEtzWh 315. – bezogen auf Tiere: durch nôt ez [das Pferd] hübslîche gie, / wan ez schœne und edel was UvZLanz 1470; dut er iz dan nit, so sal yn der [...] amptman hubiszlichen penden MGHConst 8:682,27 (a. 1348). – bezogen auf göttliches Handeln: wir sulen loben got den rîchen, / er understuontz vil hüfschlîchen, / wan er kan wol die übermüete / vellen mit krefte sîner güete WälGa 10722    2.2 selten negativ (vgl. höveschen 1.1 und hövescheit 2) ‘lockend, täuschend’ wâ sint die fûze dâ mit er gie / höfslîchen mit den frowen? Erinn 623; wil er hübschlîchen liegen / und si dâ mite betriegen, / des wirt si schiere gewar PleierMel 1455; swaz ir [Maria Magdalena] gesagete Marthe, / daz verswant mit der luft, / wand ir hubischliche guft / mit siben tuveln was behaft Pass I/II (HSW) 39894    3 bezogen auf Abstrakta und Gegenstände: nu saget mir, / stolzer knappe vrech und vruot, / durch iuwern hübeschlîchen muot, / ûz welchem rîche kumt ir her HvFreibTr 1204; allez daz ir was bekant / höfschlîcher liste und schœner site, / dâ kürzetes ime die stunde mite Tr 8043; daz was ein höfschlîcher site Parz 671,30. – in der unbestimmten Form ~ dinc: von dem brôte sie sniden / schuzeln vile reine / [...] / diz is ein hoveslîch dink, / sprach Êneases sun En 3782; nu suln ouch wir gesellen sîn, / [...]. / tages sô sul wir rîten jagen, / des nahtes uns hie heime tragen / mit höfschlîchen dingen: / harpfen, videlen, singen, / daz kanstû wol, daz tuo dû mir; / sô kan ich spil, daz tuon ich dir Tr 3729. 3919; daz sitzen wart bescheiden / an Gâwânes ringe / mit höfschlîchem dinge Parz 762,8. 777,18; von hübschlîchen dingen / und von minnen manicvalt / hât er der vrowen vor gezalt UvZLanz 812. – häufig bezogen auf das äußere Erscheinungsbild und Kleidung ‘hübsch, fein, elegant’ (vgl. z.B. → hovekleit): sîn roc was hübeschlîch gesniten / wol nâch gêndes boten siten / von guotem sagite rôt HvFreibTr 1175; sîn helm der was rîche, / vil harte höveschlîche / mit rôten keln bedecket Wig 3898; sich hêt diu maget rîche / vil harte hövischlîche / in einen mantel gevangen ebd. 802; sie was hübeschlîch getân, / von rôtem scharlach het sie an / roc und ouch kursît Wigam (B) 862; si redent ouch gemeinlîche / daz sîn zimier stê hüfschlîche. / sîn wâfenroc ist harte rîche: / im ist niemen dâ gelîche WälGa 3842; siu hete sich gemachet an / wol und hübschlîch genuoc UvZLanz 859. – bezogen auf Sprache (vgl. 2.1 ): der knappe was ouch rederîch, / geblüemet schône und hübeschlîch / was alle sîne rede gar HvFreibTr 1302; sî duhte ir sprache [das Französische] seltsæne: / sô süeze und sô hübeschlich / daz sî dicke vleiz sich / daz sî ir iht vernæme, / swie sî sant ir ze rede kæme. / sî bat sich franzois lêren Flore (P) 533; davon begraif Virgilius huͤbschleichen und behendicleichen paider scheingeprechen [Verfinsterungen] natuͤr in ainer kuͤrzzen [Wendung] und sprach KvMSph 60,24. – Lit.: Erlei, Höfisch, S. 282-284, 305-317.

MWB 2 1753,24; Bearbeiter: Diehl

hövesch|man M. Mann mit höfischem oder leichtfertigem Verhalten (nur Bestandteil von Personennamen; vgl. höveschære 2.): her Cvͦnrat Húbischman UrkCorp (WMU) 1648,13; [er] hat jr har v́bir sallute [ sal-liute ‘Treuhänder’ ] gegebin: [...] herne Húbschmannin vnde Johansen den Klingen ebd. 773,30; Cuͤnzin, hern Húbeschmannes sun von Elza ebd. 2377,2

MWB 2 1754,49; Bearbeiter: Diehl

hove|schrîbære stM. ‘Hofschreiber; Schreiber an einem Hof bzw. Hofgericht’ (differenzierter DRW 5,1341): swer mit rehte in die abraht [ aberahte ‘verstärkte Acht’ ] chvmet so sol vnser hofscriber an vnser ahtpuch screiben, vmb wel sache oder wor vmbe er in die abraht komen sei UrkCorp (WMU) 3110,48; Vlrich vnser hofscribar ebd. 2068,43; UrbHabsb 1:36,20; ein zouberêr, ein valscher man, / hielt einen hoveschriber dran, / daz er zume tuvele queme / unde sinen solt neme Pass III 283,36

MWB 2 1754,57; Bearbeiter: Diehl

hove|schultheiʒe swM. auch hoves-. Hofbedienter (meist mit gerichtl. Aufgaben): ez sol auch ein ieglicher, dem man wiͤnwahs hat behuͤt, den huͤtern irn lon geben [...]. swer des niht entut, der git in ze buͦzze 10 ß [Pfennig] mit dem lone. die sol in helfen vordern der hofschultheizze WüP 106i,5; ein hoiffs scholtiss ind der geschworn boede vnd der meier WeistGr 2,518 (a. 1298). – als Bestandteil von Personennamen: Rudegerus houeschulteize UrkWürtt 3,50 (a. 1216)

MWB 2 1755,3; Bearbeiter: Diehl

hövesch|wîp stN. ‘Liebhaberin, Mätresse, Prostituierte’ (vgl. höveschærinne ): amasia: hupschwib VocOpt 3.102; filia Herodiadis: Herodes húbschwibes tochter EvAlem 45 (Mt 14,6)

MWB 2 1755,13; Bearbeiter: Diehl

hoveshalp Adv. ‘auf der Seite des Hofes’ sin hus, das da lit am Rennewege ob dem wege hofes halp UrkCorp 1503,25

MWB 2 1755,17; Bearbeiter: Diehl

hove|site stM. einem Hof angemessene Verhaltensweisen, Gebräuche an einem Hof (vgl. hovewîse , hovezuht ): die gruozten ouch Tristanden / und sîne rotte dâ mite / höfschlîche nâch dem hovesite Tr 5354. 494; man sprichet unde seit, / daz ir sint aller tugent rîch / und iu kein fürste sî gelîch / an êren unde an hovesiten KvWTroj 15229; dâ bin ich unschuldec mite. / Alexanders hovesite / wolde mich es niht erlân. / des sit ist alsô getân, / swaz man dâ setzet vür den man, / daz man im des mit willen gan RvEAlex 6500; Neidh WL 32:7c,14

MWB 2 1755,20; Bearbeiter: Diehl

hove|slëcke swM. ‘Schmeichler am Hof’ (vgl. hovelëckære , hoveliegen ): Herman den huofschmid, / auch Peter den kecken / und den alten Hafenschlecken [Hss. hofschlecken vgl. aber Anm.z.St.] / und Henslin usz der peund MeierBetz 18

MWB 2 1755,31; Bearbeiter: Diehl

hove|smit stM. am Hof tätiger Schmied (vgl. Matzel, Wortschatz, S. 139): Haͤrtel fragner schol ein totslach umb Fridlein den hofsmit. ist dar umb enttwichen UrkRegensb 737 (a. 1325-1350)

MWB 2 1755,36; Bearbeiter: Diehl

hove|snîdære stM. ‘Schneider an einem Hof’ das kein genecht [l. kneht ] von seinem maister sol geen ze einem hofsneider; welcher es dar vber tut, den sol chein maister in einem iar ze im nemen StRPrag 32. 25

MWB 2 1755,40; Bearbeiter: Diehl

hovespël stN. ‘Hofgespräch, -gerede’ (vgl. hovemære , hoverede , hovesprâche ): mir hât mîn sin gewîssaget, / daz dû mîn ahtest kleine. / [...] / dû wirst ûz mir ein hovespel / in dîner vröuden machende. / mîn schimpfend unde lachende / hœrt man dich sprechen denne: / ‘ich hete ouch eteswenne / verborgenlîche ein herzetrût.’ KvWTroj 29276

MWB 2 1755,45; Bearbeiter: Diehl

hove|spil stN. ‘ritterliche Übung, höfisches Ritterspiel’ hie banket er sich ofte mite / wol schirmen, starke ringen, / wol loufen, sêre springen, / dar zuo schiezen den schaft, / daz tet er wol nâch sîner craft. / [...] / aller hande hovespil / diu tet er wol und kunde ir vil Tr 2121; durch hübsche kurzewîle / triben si daz hovespil. / iedoch gesluogens’ alsô vil / z’ein ander und gestâchen, / daz si ze jungest brâchen / mit zorne irn gemelichen schimpf KvWTroj 5029; daz rîten und daz hovespil / ist dâ drî stunt an dem tage StrDan 700

MWB 2 1755,52; Bearbeiter: Diehl

hovespîse stF. bei der Erbteilung abgeteilter Lebensmittelvorrat: dar nâch muoz diu vrauwe teilen gegen den erben die hofspîse diu nâch dem drîzigesten belîbet SpdtL 100,9; SchwSp 16a

MWB 2 1755,63; Bearbeiter: Diehl