hâ – haber- haberlîte – hachelen hachelwërc – hage hage- – 2hagen hagen- – halbe halbe – hallergëlt hallergülte – halphimel halp|hunt – halpvaste halpvierteil – halser halsgebeine – halsveste halsvlinken – hamerslac hamerslahen – hanef hanef|âkambe – 1hansen 2hansen – hantgiften hantgiftphenninc – hantsalbe hantschmänt – hantvestlich hantvestunge – hârbendelîn hârblôʒ – hârlouf harm – harnaffe harnasch, harnas – 1harre 2harre – hartruore hartsinnic – haselbir haselbluome – hasenvleisch hasenwint – havendierne havengazzer – haʒʒiclich haʒ|zorn – heberînmelwer hebesal – 3hecken heckenjeger – hegelîn hegeln – heidenisch heidenischheit – heilalle heilant – heilige heiligeistlîcheit – heilvuorlich heilwâc – heime suochen hei|metze – heimvart heimvartlich – heitber, heidelber heiter – heiʒmuot heiʒsühtic – hëlfebære hëlfebërnde – hëlkleit helle – helleglocke hellegluot – hellemunt hellemünzer – hellerigel hellerîs – helle- hellesun – hellevreisærin hellevunke – hëllunge helm – hëlmschîn hëlmschirbe – helwërtwitze hely – hendewinden hendewringen – hennenvuoʒ hentschuocher – herbërgen herbërgerîe – hêre herebërge – hergesidele hêrgesidele – hêrischheit hërkêre – Herodære Herodiane – hêrrennôt hêrrenphruonde – herschrîære hêrschunge – hertes hërtgëlt – hërverloufen herverten – hërzeblüete hërzebluot – hërzekrachen hërzekranc (?) – hërze|nabele (?) hërzenandâht – hërzenvride hërzenvrô – hërzestôʒ hërzesüeʒe – hërzevrouwelîn hërzewaʒʒer – heselîn heselîn – hîbære hichela – hierunder hiesch – himelbalsem himelbære – himelgesanc himelgesinde – himelknabe himelknolle – himelpalas himelphat – himelschheit himelschlich – himelstîge himelstîgunge – himelval himelvane – himelvürste himelvürstin – hinde hinden – hindergêunge hindergrîfen – hindernisse hinderrât – hinderstelle hinderstellic – hinderwërtlingen hinder wîchen – hinker hinkêre – hinnëben hin nëmen – hînt hintber – hinwërt hinwësunge – hirngupfe hirnhût – hirtelîn hirtelôs – hirʒmilch hirʒ- – hiu hiubelhuot – hiuten hiutezucker – hôchgebirge hôchgebluomet – hôchgenant hôchgenende – hôchgewaltic hôchgewîht – hôchmeister hôchmësse – hôchvart hôchvart – hôchzîtkleit hôchzîtlich – hœhe hôheclich – holde hölde – hol|loch hol|louch – holzapfelîn holzban – holzheit holzhërre – holzschuoherin holzstîc – honec honec|bluome (?) – honec|tranc honec|triefende – hônheit honic – hopfenziech hopferebe – horgen horgewat – hornicsprenget (?) hornîn – horten hortgadem – hospitâl hossen – houbeten houbet|êre – houbetkleit houbetklôster – houbetman houbetman|ambet – houbetsachwaltære houbetschande – houbetsünde houbetsündic – houbetwaʒʒer houbetwëgen – höuptinc höurëht – höuwezëhende houwic – hovegeselle hovegesinde – hovelich hovelîche – hovephenninc hovephliht – hoveschar höveschære – hovestatzins hove|stetære – hovezins hovezorn – 1hûchen 2hûchen – hüenerhirne hüenerhûs – hûfeht hufel – hügenisse hügenumft – hüllenwëbære hüllenwëbærinne – humerâl hummen – hundertweide hundesber – hungergîtic hungerhâr – hunt huntaffe – huobdinc huobe – huof huofblat – huorgelust huorgelustic – huotelôs huote|strëbe (?) – hurmelen hurnaʒ
– hurticlich hurtieren – hûs|êre hûsgëlt – hûslode hûslôs – hûsvrouwe hûswer – hûwen hûwen – hy
|
hovesæʒe
swM.
auf einem Hof Ansässiger, Pächter (vgl. differenzierter DRW 5,1335):
wellent dîe houesêzen ir gedinge vf den houestetten verkoufen, so sol mens von
erst dem houeherren bîeten UrkCorp (WMU)
2751,8;
allen den, an die dise houestat in houesezzen wis iemerme gevellet ebd.
3273,25;
uber alle die hove der brudere oder dienestliute, dar inne si selber niht
seshaft sint, so hat reht der schultheisse, oder der rihtere für zu ladenne an
gerihte den hovesessen StRStrassb
57,37
MWB 2 1745,51; Bearbeiter: Diehl
hövesch
Adj., Adv.
vereinzelt und spät auch adv. (
Minneb
4455;
SM: Go
3:2,6
); auch subst.; ab etwa 1200 in allen Dialektgebieten bedeutungsgleich auch
hubisch/ hübesch (vgl. zur Lautgeschichte Bumke, Höf. Kultur, in:
PBB 114/1992, S. 414-492; hier S. 427ff.), im Md. z.T. v-Ausfall (z.B. HagenChr
(G) ).
Kern- und Programmwort zur Charakterisierung eines Gesellschaftsideals der
ritterlich-adeligen Lebenswelt mit ihren materiellen wie ideellen Aspekten (lat.
curialis, vgl.
kurtois
; zu Paarformeln wie
~ unde guot, ~ unde
wîs etc. vgl. mit zahlreichen Belegen Erlei, Höfisch, S. 293-304),
‘den gesellschaftlichen Vorstellungen des (idealen) Hofs entsprechend,
höfisch’
1 auf Menschen bezogen (Verhalten und Erscheinungsbild umfassend) 1.1 Gruppen der Hofgesellschaft 1.2 einzelne Mitglieder der Hofgesellschaft 1.2.1 Männer 1.2.2 Frauen 1.3 Personen außerhalb der Hofgesellschaft (selten) 2 Einstellungen, Verhaltensweisen und Handlungen in höfischem Zusammenhang charakterisierend (z.B. Jagd, Turnier, Minne, Fest, Gespräch) 3 auf den äußeren Eindruck bezogen, von Angemessenheit übergehend zu Eleganz und
äußerlicher Schönheit (zunehmend verfestigt auf Graphien mit b ) 3.1 von Menschen 3.2 von Gegenständen, überw. Kleidung und Ausstattung (bezogen auf Aufwändigkeit von Material und Herstellung sowie Erscheinungsbild) 3.3 selten von Tieren 4 auf Kunst und Literatur bezogen 5 Einzelnes 5.1
‘adelig’
5.2 bezogen auf Gott bzw. heidnische Götter 5.3
‘klug, gebildet’ (?) 5.4 bezogen auf die Ostertage (jüngere Belege SchweizId 2,965) 6 mit negativem Aspekt (vgl. auch einzelne Belege zu Spielleuten unter
1.2 )
1
auf Menschen bezogen (Verhalten und Erscheinungsbild umfassend)
1.1
Gruppen der Hofgesellschaft:
vor Etzeln dem künege ein ingesinde reit, / vrô und vil
rîche, höfsch unt gemeit, / wol vier und zweinzec fürsten tiwer unde hêr
NibB
1342,2;
hufsch des hoves gesinde si Andreas
432;
ie ze dem tische sach man komen / hübsche kamerære UvEtzWh
1615;
tûsent ritter wol becleit. / als ich von in geschriben
vant, / algelîch was ir gewant, / der hübschen kumpânîe UvZLanz
8861;
ûf den hof der knappe reit. / die höfschen prüeveten
sîniu kleit / wol nâch knappelîchen siten Parz
648,4;
alsus enpfâhen wir den süezen meien! / wol ûf, ir hübschen
leien! / wir suln die fröide heien, / vil frœlîch tanzen reien
KLD: GvN
14: 1,12;
die [
hôhgezîten
]
suln wir vrœlîche begân: / stolze junge vrouwen hân / und werde ritter
hôhgemuot / und ander hövesche liute guot RvEBarl
11430.
– bezogen auf Spielleute, z.T. in den Wendungen
~ man; ~
liut:
ich was ein höfscher spilman / und kunde genuoge /
höfscheit unde vuoge Tr
7560;
wa ist diu künegin hêr? / hât si der hübeschen videler bî dem Rîne iht
mêr? RosengD
461,2;
UvEtzAlex
Anh. 1942;
da was ouch manic hubes man: / [...] / der
fidelte uzer der mazen wol, / der sluͦc die drumen, dirre peif, / der
ander suͦze wise greif / an harpen unde an rotten Elis
167;
EnikFb
252;
SHort
3176;
Orend
2334;
er [Salomon] hete ouch springerinne unde
singerinne und ander hübischer liute vil, daz ez âne mâze was
PrBerth
1:176,15;
wan sol oͮuch wissen, vmbe dîe hupschen luͤte vnd vmbe
buͦben vnd vmbe dîe [...] wîp, das stat an
des rates bescheîdenheit UrkCorp (WMU)
1295,4;
ze dem brutlouffe soll ouch nit me hûbscher lütte sin wan zwen singer,
zwen giger und zwen toiber [Schalmeienspieler]
StRZürich (B)
123,30
1.2
einzelne Mitglieder der Hofgesellschaft
1.2.1
Männer:
der willen hett ritter zu werden
[...], der must wesen hubsch on dorperkeyt und
gut on schalckeyt, barmherczig syn uber die armen und milte wiedder die
durfftigen Lanc
120,26;
wande du wâris biderbe unde gût / und hetes manlîchen
mût. / [...] vil milde, / gevôge zô dînem schilde,
/ getrûwe unde wârhaft, / hubisch unde êrhaft, / wol geborn unde rîche
SAlex
3807;
Herb
2975;
er hete guͦte wapin an / und quam wol als ein
huuisc man / geuarn an des ringis ort Athis
E 158;
joch sol ez niemer hövescher man gemachen allen wîben guot. / er ist
sîn selbes meister niht, swer sîn alze vil getuot MF: Eist
3:3,3;
eyn ritter koin [l. küene
] ,
hoisch ind wijs HagenChr (G)
3608;
der soldân hübesch unde wîs KvWPart
15765.
–
‘herre ritter’, sprach die jungfrau,
‘ir sint als hubsch nit als ir wol sin mochtent, ir hettent
nehelich dißen verwunten ritter ertrettet, der wetlich ein als edel man
ist als ir sint oder edeler!’ Lanc
362,1;
irn sitt nit hubsch das ir mich uß mynen
gedencken hant bracht ebd.
224,25
1.2.2
Frauen:
vil dîkke saget man dem hêrren ze mære, / daz ze
Biterne wære / guoter knehte alsô vil / manic rîterlîch spil, / vil manic
hovesc frowe Kchr
4351;
Elena was gewere, / suzze, senfte, reine, frut, /
kvsche, schone, milde, gut, / edel, einfalt, ersam, / hubisch, wise, lustsam
Herb
2942;
ouch intfienc wole den degen / Beatris die gute, / die
hovische unde die wol gemuͦte GrRud
Ib 19;
sie was an allen sachen [in ihrer ganzen
Erscheinung] / hübsch unde hovelîch, / schœne unde
minneclîch Wigam (B)
1548;
‘höfschiu, getörste ichz iu gesagen, / ich
sagetez iu’ sprach Tristan Tr
12086
1.3
Personen außerhalb der Hofgesellschaft (selten):
sage mir, hoͤbescher cramer stolz unt lobbêre
PassSpW
287;
ist daz der höfsche koufman, / von dem uns sîn sun
Tristan / sô manege tugende hât geseit? Tr
4055
2
Einstellungen, Verhaltensweisen und Handlungen in höfischem Zusammenhang
charakterisierend (z.B. Jagd, Turnier, Minne, Fest, Gespräch):
swelch man hât einn hüfschen muot, / der tuot mit rehte swaz er tuot
WälGa
3921;
Helbl
1,463;
der keiser an den wirt gert, / daz er durch hubschen sit /
mit den kameræren rit / ein lutzel für die stat Ottok
32288;
UvZLanz
1340;
LvRegFr
2909;
der wise do mitt wortten hie / sine rede angefieg. / mitt
hübschen züchten er sprach GTroj
19669;
dû sprichest, als der höfsche sol: / diu wort gezement der
crône wol Tr
4495;
man siht noch hiure hofschen tanz, / mangen swanz / unde
kranz. / wen sol der verdriezen? KLD: Kzl
11: 1,11;
kurzewil und hoͮsches leben RvEWh
9866;
ir [der minneholden
] beider wille was al
ein, / ir kurzwîle hübesch unde gemein, / als in beiden wol gezam Heidin
II
1780;
wie vollekomen er wære / an höfscher jegerîe
Tr
3315.
– subst.:
sümliche bizent ab der sniten / und stozents in die
schüzzel wider / nach geburischen siten; / sülh unzuht legent die hübschen nider
TannhHofz
48.
– ironisch:
daz ist Engelbolt mit sîm gesellen Stœren: / die
trettent also wæhe / und gênt dort hübesche her von Hôhenlîten SM:
Go
3: 2,6
3
auf den äußeren Eindruck bezogen, von Angemessenheit übergehend zu Eleganz und
äußerlicher Schönheit (zunehmend verfestigt auf Graphien mit b)
3.1
von Menschen:
daz ist ein hübesch knappe, der weibel: / sîn hâr, daz ist
crispet, / wand erz an dem ringe dike rîbet SM: Go
2: 3,1;
wand sî mit guotes wîbes schamen / wol bekleidet hât ir höfschen lîp
KLD: RvR
13:1,4;
SM:HvS
4: 4,1;
hubische vrowen spulgint [pflegen] sich ze
verwinne mit wizir varwe vnde mit rotir varwe PrGeorg (Sch)
2,162;
wie hubsch [
pulchra
] du bist ein
vrindin min. / Maria magt MarSpAmorb
2,1;
diu kel was hübesch unde sleht / und in allewîs gereht
[
collum Jesu pulchrum erat, planum atque
rectum
]
WvRh
6354.
1308
(aber:
ir ganc was hövesch [
multum
curialis
] unde sleht ebd.
1433
);
do dem húbschen kneblin des weinenden mannes
gross trehen úber sinú oͤglú als vast ab runnen
Seuse
122,7.
121,29
u.ö.;
mit jungen junc, mit alten alt, / mit snellen balt, / mit vrevelen vrech,
mit hübeschen wolgestalt Frl
8:4,3
3.2
von Gegenständen, überw. Kleidung und Ausstattung (bezogen auf Aufwändigkeit
von Material und Herstellung sowie Erscheinungsbild):
dâ [am Mantel] stuont ein
höfscher zobel vor / [...], / weder ze smal noch ze
breit, / gesprenget, swarz unde grâ Tr
10924;
dâ wæren komen geste, / schœner ritter viere, /
hübsch mit geziere / an ross und an gereite UvZLanz
6276;
rôt sîne schuoh und hübesch gnuoc HvFreibTr
1182;
dißer schilt ist viel húbscher dann ich wonde
Lanc
342,34;
daz [beim Gewand] diu übervlüzze der hübeschen
lenge gerlîchen vermîden werde KlarAugsb
4,9;
si suln ouch haben einen swarzen wîl [Schleier]
niht ze kostbær noch ze hübesch gestrecket über ir houpt ebd.
4,27;
[er] bot dem jungling ein húbsches
zeinli [Körbchen] , daz waz vol roter
frúhten Seuse
31,29.
– übertr.:
séht àn die heide, seht an den grüenen walt: /
[...] / bluomen loup diu beide / mit mangem
hübschen kleide / sô sínt sìe bekleit KLD: GvN
20: 1,6
3.3
selten von Tieren:
ein hövescher hunt, der spilte gegen sînem herren schône,
/ wand er sprang ûf in unde bal in süezer stimme dône KvWLd
32,166;
‘luoge, liebe muoter, sich, / zarte muoter, waz hân ich! / ein alsô
hübschez heselîn!’ Häslein
193;
WernhMl
5257;
Seuse
139,3
4
auf Kunst und Literatur bezogen:
fabeln, zale vnde spel, / hubesche buch, minne brieb / was im
[dem Kg. Priamos] vzer mazze lieb Herb
3151;
sô tihteter schanzûne, / rundate und höfschiu liedelîn
Tr
19211;
daz ir in allen iuwern tagen / habet nie gehœret sagen
/ sô hübsche mêre gehiure / von schœner âventiure HvFreibTr
1259.
–
mit diser hibschen gezierde lossen wir die rede stan WolfdD
1112,1;
wir biten dich herr bescheiden / daz du in gotes geleiden /
teutsche machest min hubsche kunst Physiogn
15.
–
ein tribün man vor dem chor vie, / [...] / mit
golt man darin gas, / mit hübschen werchen mans peslas
[umfieng]
Hawich
4325.
– bezogen auf die literarisch-künstlerische Haltung (oder zu
5.3
?):
da von sprach hie vor alsus / ein hubescher man, Ovidius
Ainune
312;
dâ von der hübsche Nîthart / sanc, als ich vernumen hân
HvFreibTr
3780
5
Einzelnes
5.1
‘adelig’
von hovescher geburt DRW
5,1246
(MagdebChr. I; a. 1350)
5.2
bezogen auf Gott bzw. heidnische Götter:
her Jûpiter, der hübsche got KvWTroj
813.
1575;
vnser herre Jesus Christus, der starke, der wise, der gvde, der shone, der
edele, der hohe, der werde, der riche, der milde, der svze, der hvbese, der
othmvdige SalHaus
60,9
5.3
‘klug, gebildet’ (?):
microcosmus, daz ist als vil gesprochen als die clain
werlt. dar umb sprechent hübsch leut: ich sach alle werlt in ainem rock
BdN
4,8;
es ist sicher, das juden vnd haiden minnent vnd bekennent etlich reht,
anders ieglicher neme den andren lip vnd guͦt, der úber jn
moͤchte. dis ist ain húbscher stritt nach der warheit
Gnadenl
1,545;
dy dritte wise [einen Baum zu
pfropfen] ist hobisch [elegant, ausgefallen
?] vnd selczen Pelzb
120,30
5.4
bezogen auf die Ostertage (jüngere Belege SchweizId 2,965):
15 ß an dem hübschen mendag, vnd 15 ß an dem hübschen zistdag
DRW
5,1577
(Geschfrd.; a. 1347)
6
mit negativem Aspekt (vgl. auch einzelne Belege zu Spielleuten unter
1.2):
la mich des gniezzen doch / das ich [der
Teufel] also pin noch, / das ich chain weltleich schande / geschünt
[betreibe] nie in chainem lande / an hübscher sunden
vil Märt
2987;
schonen lip vil hubesch sie [die Sünderin
Pelagia (ein bose wip) vgl. V.
29485
] truc. / ir hohvart die hete unvuc, / der
sie von hubescheit pflac Vät
29501.
– in der Verbindung
~ wîp
‘Prostituierte’ (vgl.
höveschærinne
,
hövesche
):
hute dich ouch vil sere, / wiltu haben ere, / daz du icht brechst die
truwe din. / din gelubde laz stete sin. / kindere unde hubsche wip, / die da han
unsteten lip, / und die ungetruwen man / sal man die truwe brechen lan
Secret
1147.
– Lit.: Erlei, Höfisch, S. 241-268 und
293-304; Wolf, hövesch.
MWB 2 1745,61; Bearbeiter: Diehl
hoveschal
stM.
‘laute, festliche Freude am Hof’
den âbent und den morgen fruo / geschach dâ kurzewîle vil. / justieren,
tanzen, seiten spil / wart gesehen unde erkant. / pferit, silber und gewant / wart
umb êre dâ gegeben. / man sach dâ junge und alte leben / in rîchem hoveschalle
KvWEngelh
5003;
er solte heizen mîden / sîn ingesinde disen dôz. / der
hoveschal ist alsô grôz / und muoz mir werden hie ze sûr KvWTroj
8584.
5334.
– Festlichkeit am Hof:
nu kam in manec geselleschaft / tegelich ûf der strâze, / die
sich ze guoter mâze / gasten ûf den hoveschal UvZLanz
9134
MWB 2 1749,17; Bearbeiter: Diehl
hoveschalc
stM.
1
‘Bauer’
2
‘Diener an einem Hof’ , oft herabsetzend
1
‘Bauer’
colinus [l. colonus
] : houiscalc
Gl
3:666,8
(BStK287)
2
‘Diener an einem Hof’, oft herabsetzend:
ein lôser hoveschalc KvWLd
32,211;
swer dient mit sünden, daz mit schanden / dem würde gelônet in allen landen /
nâch sînem werde, daz wêr wol: / sô wêre sô manic hof niht vol / hofeschelke, der
selten ieman / grôze êre oder frumen ie gewan Renner
18301;
daz haben die argen nu verkeret. / milt dekeine bosheit leret, / ein man wolde
danne im selbe geben. / als lernent hoveschelke leben Jüngl
894.
866;
BMisstr
390
MWB 2 1749,29; Bearbeiter: Diehl
hoveschar
stF.
‘Schar von Hofleuten’
hie mite sô kam diu ritterschaft / zuo geloufen herhaft / und
dâ mit al diu hoveschar Tr
4025.
3573;
dô wart sîn junger lîp gesehen / trûric unde freuden bar. / ouch wart sîn
werdiu hoveschar / betrüebet und die lantdiet KvWEngelh
5176
u.ö.;
[er] kam ze Prîamô gevarn, / der in mit sînen hovescharn /
enpfienc gar minneclichen dô, / [...] / und al sîn werdiu
ritterschaft, / diu kam gedrungen herhaft / und bôt im süezen willekomen
KvWTroj
18242
u.ö.;
KvWAlex
1165
MWB 2 1749,41; Bearbeiter: Diehl
höveschære
stM.
jmd., der den Gesellschaftsidealen der ritterlich-höfischen Lebenswelt entspricht,
‘Hofmann’
1 positiv 2 negative Aspekte in den Vordergrund rückend 2.1 jmd., der sich (fälschlich) als Hofmann gibt 2.2
‘Verführer’ (vgl.
höveschen
1.1 und
hovierer
2 )
1
positiv:
er was ain furste mare, / alzoges [ganz und
gar] ain hubiscare; / gehaizen was er Margariz Rol
5634;
her sach dâ sitzen unde stân / manege maget wol getân / und manech wol getânez
wîb, / die wol heten ir lîb / gezieret nâch ir lantsiten. / die hobischâre kaffende
riten / beidenthalben der strâzen En
12862.
12865
2
negative Aspekte in den Vordergrund rückend
2.1
jmd., der sich (fälschlich) als Hofmann gibt:
er [der Herr] nam in
[den Knecht in Herrenkleidern] bi dem hare / und
zoch im abe sin gewant / und hiez in werfen zehant / in sinen charchære. / da
lac der hofschære / also lange, unz er verdarp StrKD
90,42
2.2
‘Verführer’ (vgl.
höveschen
1.1 und
hovierer
2):
nv qvam her Ysengrim, ir man, / do tet der
hobischere [Reinhart Fuchs] , / als der rede niht
enwere ReinFu
K,441;
der keiser verwandelte sine witze: er überhuorte den rittæren ir wip; er
wart ein hübeschäre PKchr
213,35.
– als Bestandteil eines Personennamens (bezogen auf äußere Erscheinung
oder Verhalten [vgl.
höveschman
]?):
Vͦlrich Hv́bscher UrkCorp (WMU)
2357,27
MWB 2 1749,52; Bearbeiter: Diehl
höveschærinne, höveschelærinne
stF.
‘leichtfertige Frau, Prostituierte’ (vgl.
höveschwîp
):
do gesah der starche degin / ein hovescherin, ein
schoͤne wip, / dú hate ein minninchlichin lip. / zuͦ der gie
er und lag bi ir / durh sinis muͦtwillen gir, / als in sin irrecheit lerte
RvEWchr
20922;
ein râtgeb âne triuwe / ein übeltæt âne riuwe, / ein fürsprech âne sinne, /
ein siechiu hübscherinne / ein buochsagær trunken Helbl
2,1446;
man sol auh wizzen daz chein hubslerin hie in der stat wonen
sol StRAugsb
190,34.
7,36;
aber ob ain pvrger ainen dem div stat verboten ist, oder ainen spilman oder
ain offenev hoͤfscherinne laidigt von schvlden, der sol des niht engelten
gain dem gerihte, wan so getan levte habent des rehten niht StRLandau
228
MWB 2 1750,12; Bearbeiter: Diehl
hövesche
stF.
1
‘Schönheit’
2
‘außereheliche Verbindung’ (vgl.
hövescheit
2
)
1
‘Schönheit’
swa man frouwen prüeven sol, da muoz ich für dich schallen, /
an hübsch und ouch an güete Tannh
3,60
(vgl.
schoener forme ich nie gesach, diu min cor hat besezzen; / an
ir ist elliu volle ebd.
3,49
)
2
‘außereheliche Verbindung’ (vgl.
hövescheit
2
):
es si danne, das si ainen man ze huͥbsche oder ze de ê neme nach dem
vorgenantin Hainriche UrkCorp (WMU)
2016,45;
darnach gap er im Amelin / zeiner elichen wirtin / mit hundert marken die si
gwan / daz er ze hübsche wart ir man RuprvWü
930
MWB 2 1750,28; Bearbeiter: Diehl
hövescheit
stF.
ab etwa 1200 in allen Dialektgebieten bedeutungsgleich auch
hubisch-/hübesch- (vgl. zur Lautgeschichte Bumke, Höf. Kultur, in: PBB
114/1992, S. 414-492; hier S. 427ff.); im Md. z.T. v-Ausfall (z.B.
KarlGalie ).
aus höfischer Erziehung und Bildung erwachsene, den gesellschaftlichen
Vorstellungen des (idealen) Hofes entsprechende Grundhaltung (lat.
curialitas, vgl.
kurtoisîe
)
1 meist positiv ‘dem Hof angemessene Haltung, höfisches
Verhalten’
1.1 allgem. 1.2 überw. bezogen auf die aus dieser Grundhaltung resultierenden Verhaltensweisen und Handlungen in höfischem Zusammenhang (z.B. Jagd, Turnier, Minne, Fest, Gespräch) 1.3 auf den äußeren Eindruck bezogen, von Angemessenheit übergehend zu Eleganz und
äußerlicher Schönheit 1.3.1 von Menschen 1.3.2 von Kleidung und Ausstattung (bezogen auf Aufwändigkeit von Material und Herstellung sowie Erscheinungsbild) 1.3.3 selten von Tieren und ihrem Erscheinungsbild 2 selten mit negativem Aspekt (auf Äußerlichkeiten abzielend, vgl.
höveschen
,
hövesche
) ‘Leichtfertigkeit,
Verführung’
1
meist positiv ‘dem Hof angemessene Haltung, höfisches
Verhalten’
1.1
allgem.:
uwer biederbekeit und uwer hubscheit und uwer wolstender
lip Lanc
534,29;
swer ze hove wil wol gebârn, / der sol sich deheime bewarn / daz er nien
tuo unhüfschlîchen, / wan ir sult wizzen sicherlîchen / daz beidiu zuht und
hüfscheit / koment von der gewonheit WälGa
657;
wan nieman ist sô rîche, / in ensweche an sîner hübscheit
/ ein zorn und ein herzeleit / und nâhe gândiu riuwe UvZLanz
7505;
von disses herren manheit / vnde von gener frauwen
hubescheit Herb
902;
Neidh
SL 30:3,6.
–
bî jmds. ~ als Bekräftigungsformel:
bî mîner höfscheit sô sült ir / für wâr daz wol gelauben mir
UvLFrd
198,9.
74,26;
bî iuwer hübscheit ich iuch man / [...] / daz
ir mir ze wizzen tuot UvEtzWh
2928.
– auf Gott bezogen:
in disen dingen hæte Îsôt / einen list ir herzen vür
geleit / vil verre ûf gotes höfscheit Tr
15552;
daz diu gotes hövescheit [textkritisch problematisch, Hs.
hofweyshait, vgl. enthöveschen
]
/ ob mîner vrouwen swebete / und dâ wider strebete / daz ir dehein grôz
ungemach / von den rossen niene geschach Er
3461
1.2
überw. bezogen auf die aus dieser Grundhaltung resultierenden Verhaltensweisen
und Handlungen in höfischem Zusammenhang (z.B. Jagd, Turnier, Minne, Fest,
Gespräch):
er lernt in sîner kintheit / tugent und gevuoclîcheit / singen unde
seitenspil / und ouch ander hübscheit vil: / schirmen unde springen, / loufen
und ouch ringen Wigam (B)
345;
der greve dede syne heuscheit [d.i.
höfscheit
] / als der edele vur sich deit
HagenChr (G)
5210;
WälGa
3920;
er kund alle fuoge, / der man ze hübescheit bedarf
KvWTroj
4731;
Tr
7562;
Machaon was riche / vnde lebete wunderliche: / er enpflag
deheiner hubisheit Herb
3101;
sô wol dir, sumer, alsô manger hövescheit Walth
64,17;
alsô ergie diu hübscheit, / daz si der minne pflâgen /
und bî einander lâgen EnikWchr
20896;
KLD:UvL
59: 1,5;
des ist der turnei dar geleit. / da ist aller slahte
hübscheit UvZLanz
2684;
wem aventüre nun behagtt, / dem wirtt mit gantzer
hübschhaitt / ain ware urkünde gesaitt GTroj
6465;
wir wellen singen unde lesen / von liebe und von hubescheit
ThvKandelb
43.
– häufig durch ~
; etw. durch ~
tuon:
swer an des edeln lantgrâven râte sî / dur sîne hübscheit, er sî
dienstman oder vrî, / der mane in umb mîn lêren Walth
85,18;
swâ sô bî den frouwen durch ir höfscheit / kurzewîle
pflâgen die riter vil gemeit NibB
131,1;
Pârîse was diu rede leit. / er zôch dur sîne
hübescheit / den huot gezogenlichen abe KvWTroj
1776;
durch rechte hoeschet KarlGalie
4628;
er hâtz durch höfscheit getân Parz
767,16;
PleierTand
18309
1.3
auf den äußeren Eindruck bezogen, von Angemessenheit übergehend zu Eleganz und
äußerlicher Schönheit
1.3.1
von Menschen:
daz Achilles næme / an sich wîplîchiu kleit / durch
sînes lîbes hübscheit EnikWchr
14536.
14530;
diu edel magt was garwe / an lîbe, an antlüt, an varwe / schoene unde
minneclîch / und aller hübscheite rîch WvRh
1404;
(aber auch von äußerl. Schönheit abgesetzt:
daz in dem lande / nieman bekande / enkeine
juncvrouwen, / die man gerner möhte schouwen / durch schœne noch
durch hübscheit UvZLanz
1449
)
1.3.2
von Kleidung und Ausstattung (bezogen auf Aufwändigkeit von Material und
Herstellung sowie Erscheinungsbild):
sîn gewant, als ich iu hân geseit, / daz was mit
grôzer höfscheit / nâch sînem lîbe gesniten Tr
3346;
er schein ein engel, niht ein man, / an allem sîme
gereite. / ze einer hübscheite / fuort er sîdîn mouwen [weite
Ärmel] . / man möht in gerne schouwen
UvZLanz
4432;
En
5773;
hvbeschait sol man an dem gewande niht hawen
SpitEich
41,25;
sô suln si tragen vür ein gürtel ein seil. dar an sol dekein
hübescheit sîn KlarAugsb
4,21;
das fürgebüege was [der Brustgurt des Pferdes entsprach
ganz den Normen der] hubscheit, / ein borte nicht zuo
breit / mit guoter syden undertragen, / dar uff schone golt geslagen
TristMönch
391
1.3.3
selten von Tieren und ihrem Erscheinungsbild:
vernemt scône hovescheit / umbe ein pharît daz si reit: / ein tûre
zoum lach der ane. / daz winster ôre und der mane / wâren im wîz als der snê
En
5241
2
selten mit negativem Aspekt (auf Äußerlichkeiten abzielend, vgl.
höveschen
,
hövesche
) ‘Leichtfertigkeit,
Verführung’
hie zv Constantinnopole / in der merin burge / was daz scone
wif / die ie gewan den lib / dar umbe hetter arbeit / vnde ir warh
[erwarb, erreichte] mit sinir houisheit / daz die
magit lossam / ir uater inran Roth
3783;
ich bejech ouch daz ich gesuͦndiget habe mit gedanken, mit worten, mit
werken, mit uber aze, mit ubertranke, an huͦre, an uͦberhuͦre,
an sippehuͦre, an huͦres geluͦst, mit homuͦte, mit
huͦbescheit, mit spotte PrLpz
47,23;
war zuo sol dem briester gemäitheit! / ez ist nicht anders
umbe sîn höfscheit / denne als umb des esels singen; / jâ sol er den lîp twingen /
daz er werde chiusch unt räine Priesterl
538;
ouch wizzent, daz ich iuwer niht / wil ze hübischeite gern.
/ welt ir der minne mich gewern, / nâch der mir ist von grunde wê, / sô wil ich hân
ze rehter ê / mit triuwen iuch für alliu wîp KvWTroj
21215;
HeimlBote
14.
–
ein nunne gemeit. / diu was durch ir hövescheit [weltl.
Begierden] / ûz ir zelle entrunnen Helmbr
110;
ein tumber jungelinc, / der hete elliu sîniu dinc / gerihtet durch sîn
üppecheit / nâch der werlde hofscheit LvRegFr
395.
– Lit.: Erlei, Höfisch, S. 317-337.
MWB 2 1750,39; Bearbeiter: Diehl
höveschelærinne
stF.
→
höveschærinne
MWB 2 1752,28;
höveschen
swV.
auch hübschen, vgl. dazu
hövesch
.
intr.; meist als (subst.) Inf.; oft mit Verben der Bewegung oder
Richtungsadverbien, ‘sich im höfischen Rahmen bewegen, höfischen Umgang
haben’ (vgl.
hovieren
)
1 überw. zur Beschreibung von Kontakten und Beziehungen zwischen Mann und
Frau 1.1 mit negativem Aspekt ‘Unzucht treiben’ (u.a. für die
frühesten Belege der ganzen Wortfamilie, vgl. ähnlich
hövescheit
) 1.2 meist positiv bestimmt von den Idealen der
hövescheit
, einem höfischen Verhaltenskodex
‘flirten, kokettieren’
1.3 übertr. 2 verallgem. ‘feiern’ in einem höfischen Zusammenhang
1
überw. zur Beschreibung von Kontakten und Beziehungen zwischen Mann und
Frau
1.1
mit negativem Aspekt ‘Unzucht treiben’ (u.a. für die
frühesten Belege der ganzen Wortfamilie, vgl. ähnlich
hövescheit
):
unkûsce er sich underwant: / er rait hovescen in diu
lant, / er hônde di edelen frouwen Kchr
16555;
ze aller jungest kom iz sus, / daz der chunich
Justinjânus / gehofescet mit ainer frouwen: / die beslief er tougen ebd.
13041;
wê, daz er die guoten sînes höfschens niht erlât, / daz er âne ir willen
tuot Neidh
WL 22:4,8;
wenne ir woltet bî mir nie belîben / und gienget ûz hübschen ze andern
wîben. / daz wil ich mînen friunden klagen Renner
12938
1.2
meist positiv bestimmt von den Idealen der
hövescheit
, einem höfischen Verhaltenskodex
‘flirten, kokettieren’
da [in meiner Burg] geruochent
ir belîben / und hübschent mit den wîben: / die machent iu kurzewîle
UvZLanz
582.
3440;
die wellen mit mir jagen, / daz si sich bereiten; die
aber hie bestân, / hövschen mit den vrouwen, daz sî mir liebe getân
NibB
912,4;
sîn höfschen zimt den frouwen niht, swes herze unsanfte wol getuot
KLD: RvR
4:10,5.
– z.T. mit werbendem Aspekt:
wir wellen höfscen rîten verre in vremdiu lant
NibB
350,3;
daz ist Irenber. / vert von Botenbrunne er / durch sîn höfschen dâ her
abe, / ein vil hiuzer dorefknabe, / guoter wîbe minne müeze im nimmer werden
teil! Neidh
WL 35:4,3;
sie legent ir hovekleider an / und gânt mit fröuden von dan /
höveschen zuo den frouwen. / [...] / dâ wirt tanzen
unde singen / und an vil mangen dingen / ein wunneclîchez hôchzît
StrDan
683.
630
1.3
übertr.:
wân und wunsch, daz wolt ich allez ledic lân: / höveschent mîne sinne dar,
/ waz mac ichs, gebents iu mînen sanc? Walth
62,21
2
verallgem. ‘feiern’ in einem höfischen
Zusammenhang:
den alten und den jungen / hiez er vröude machen / mit maneger hande sachen: /
sagen unde singen, / tanzen unde springen, / höveschen unde seit spil. / dâ was
kurzewîle vil UvTürhTr
1427;
er [der Knecht in
Herrenkleidern] wart da von so stolz, / daz er zeacker noch zeholz /
niht mer varn wolde, / als er von rehte solde. / beidiu naht und tac / niwan
hofschens er phlac StrKD
90,32;
ich fliuse des wirtes hulde niht, bit ich in sîner kleider: / sô wære im umbe
ein überigez hübschen michel leider KLD: Gelt
2,8;
SHort
3060.
– Lit.: Wolf, hövesch; Erlei, Höfisch, S.
344-350.
MWB 2 1752,29; Bearbeiter: Diehl
hove|schenke
swM.
‘Hofschenk, Inhaber des Schenkenamts’ (zur Sache vgl. DRW
12,450ff.):
wan wir unserm liben getruwen Ulrich von Hochsteten unserm hofschenken rechttr
schult schuldig sin [...] czweyhundert mark lotiges silbers
MGHConst
8:324,24
(a. 1347)
MWB 2 1753,18; Bearbeiter: Diehl
höveschlich
Adj. , -lîche
Adv.
überw. adv., auch -lîchen; ab etwa 1200 in allen Dialektgebieten
bedeutungsgleich hubisch-/hübesch- (vgl. zur Lautgeschichte Bumke, Höf.
Kultur, in: PBB 114/1992, S. 414-492; hier S. 427ff.), im Md. z.T. v-Ausfall (z.B.
HagenChr (G) ).
den Verhaltens- und Wertvorstellungen des (idealen) Hofes
entsprechend, angemessen (vgl.
hovelich
)
1 selten auf Personen bezogen 2 häufig zur Charakterisierung von Verhaltensweisen und Handlungen,
überw. in höfischen Zusammenhang (z.B. Gespräch, Turnier oder Minne) i.S.v.
‘wie es sich an einem Hof gehört’
2.1 meist positiv 2.2 selten negativ (vgl.
höveschen
1.1 und
hövescheit
2 ) ‘lockend, täuschend’
3 bezogen auf Abstrakta und Gegenstände
1
selten auf Personen bezogen:
zwene kvnige riche. / die waren da hubischliche
Herb
4072;
er was zallen zîten / höfschlîche an sîner siten / und truog
in sînen dienest an Tr
3400
2
häufig zur Charakterisierung von Verhaltensweisen und Handlungen,
überw. in höfischen Zusammenhang (z.B. Gespräch, Turnier oder Minne) i.S.v.
‘wie es sich an einem Hof gehört’
2.1
meist positiv:
dô hiez ir vrou Lûnete, / diu gerne höveschlîchen tete, /
ir pfärit gewinnen Iw
5894;
‘herre ritter’, sprach er, ‘ir hant nit
húbschlich gethan das ir myner frauwen hant gespottet.’
Lanc
177,30;
swer trinkend ûz dem becher siht, / daz stât hüfschlîche niht
WälGa
496;
her Mathis hoischlichen sprach: / ‘als got wilt ind men noch
saich.’ HagenChr (G)
4828;
Parz
744,26;
hoveschlîch tanzen, vrœlîch lachen / was bî niuwen
zîten wert SM: UvS
10: 2,1;
Neidh
SL 30,1,14;
der ritter der bereite sich / zuo dem turnei hübschlîch, / diu vrouwe gab
im iren segen, / hin wek sô reit der degen DietrGlesse
130;
UvEtzWh
315.
– bezogen auf Tiere:
durch nôt ez [das Pferd]
hübslîche gie, / wan ez schœne und edel was UvZLanz
1470;
dut er iz dan nit, so sal yn der [...]
amptman hubiszlichen penden MGHConst
8:682,27
(a. 1348).
– bezogen auf göttliches Handeln:
wir sulen loben got den rîchen, / er understuontz vil hüfschlîchen, /
wan er kan wol die übermüete / vellen mit krefte sîner güete
WälGa
10722
2.2
selten negativ (vgl.
höveschen
1.1 und
hövescheit
2) ‘lockend, täuschend’
wâ sint die fûze dâ mit er gie / höfslîchen mit den
frowen? Erinn
623;
wil er hübschlîchen liegen / und si dâ mite betriegen, / des wirt si
schiere gewar PleierMel
1455;
swaz ir [Maria Magdalena]
gesagete Marthe, / daz verswant mit der luft, / wand ir hubischliche guft / mit
siben tuveln was behaft Pass I/II (HSW)
39894
3
bezogen auf Abstrakta und Gegenstände:
nu saget mir, / stolzer knappe vrech und vruot, / durch iuwern
hübeschlîchen muot, / ûz welchem rîche kumt ir her HvFreibTr
1204;
allez daz ir was bekant / höfschlîcher liste und
schœner site, / dâ kürzetes ime die stunde mite Tr
8043;
daz was ein höfschlîcher site Parz
671,30.
– in der unbestimmten Form
~ dinc:
von dem brôte sie sniden / schuzeln vile reine /
[...] / diz is ein hoveslîch dink, / sprach Êneases
sun En
3782;
nu suln ouch wir gesellen sîn, /
[...]. / tages sô sul wir rîten jagen, / des nahtes
uns hie heime tragen / mit höfschlîchen dingen: / harpfen, videlen, singen, /
daz kanstû wol, daz tuo dû mir; / sô kan ich spil, daz tuon ich dir
Tr
3729.
3919;
daz sitzen wart bescheiden / an Gâwânes ringe / mit
höfschlîchem dinge Parz
762,8.
777,18;
von hübschlîchen dingen / und von minnen manicvalt / hât
er der vrowen vor gezalt UvZLanz
812.
– häufig bezogen auf das äußere Erscheinungsbild und
Kleidung ‘hübsch, fein, elegant’ (vgl. z.B.
→ hovekleit):
sîn roc was hübeschlîch gesniten / wol nâch gêndes boten
siten / von guotem sagite rôt HvFreibTr
1175;
sîn helm der was rîche, / vil harte höveschlîche / mit
rôten keln bedecket Wig
3898;
sich hêt diu maget rîche / vil harte hövischlîche / in
einen mantel gevangen ebd.
802;
sie was hübeschlîch getân, / von rôtem scharlach het sie an / roc und ouch
kursît Wigam (B)
862;
si redent ouch gemeinlîche / daz sîn zimier stê hüfschlîche. / sîn
wâfenroc ist harte rîche: / im ist niemen dâ gelîche WälGa
3842;
siu hete sich gemachet an / wol und hübschlîch genuoc
UvZLanz
859.
– bezogen auf Sprache (vgl.
2.1
):
der knappe was ouch rederîch, / geblüemet schône und
hübeschlîch / was alle sîne rede gar HvFreibTr
1302;
sî duhte ir sprache [das Französische]
seltsæne: / sô süeze und sô hübeschlich / daz sî dicke vleiz sich / daz sî ir
iht vernæme, / swie sî sant ir ze rede kæme. / sî bat sich franzois lêren
Flore (P)
533;
davon begraif Virgilius huͤbschleichen und
behendicleichen paider
scheingeprechen [Verfinsterungen] natuͤr in
ainer kuͤrzzen [Wendung] und sprach
KvMSph
60,24.
– Lit.: Erlei, Höfisch, S. 282-284,
305-317.
MWB 2 1753,24; Bearbeiter: Diehl
hövesch|man
M.
Mann mit höfischem oder leichtfertigem Verhalten (nur Bestandteil von
Personennamen; vgl.
höveschære
2.):
her Cvͦnrat Húbischman UrkCorp (WMU)
1648,13;
[er] hat jr har v́bir sallute
[
sal-liute
‘Treuhänder’
] gegebin:
[...] herne Húbschmannin vnde Johansen den
Klingen ebd.
773,30;
Cuͤnzin, hern Húbeschmannes sun von Elza ebd.
2377,2
MWB 2 1754,49; Bearbeiter: Diehl
hove|schrîbære
stM.
‘Hofschreiber; Schreiber an einem Hof bzw. Hofgericht’
(differenzierter DRW 5,1341):
swer mit rehte in die abraht [
aberahte
‘verstärkte Acht’
] chvmet so sol vnser
hofscriber an vnser ahtpuch screiben, vmb wel sache oder wor vmbe er in die abraht
komen sei UrkCorp (WMU)
3110,48;
Vlrich vnser hofscribar ebd.
2068,43;
UrbHabsb
1:36,20;
ein zouberêr, ein valscher man, / hielt einen hoveschriber dran, / daz er zume
tuvele queme / unde sinen solt neme Pass III
283,36
MWB 2 1754,57; Bearbeiter: Diehl
hove|schultheiʒe
swM.
auch hoves-.
Hofbedienter (meist mit gerichtl. Aufgaben):
ez sol auch ein ieglicher, dem man wiͤnwahs hat
behuͤt, den huͤtern irn lon geben [...]. swer
des niht entut, der git in ze buͦzze 10 ß
[Pfennig] mit dem lone. die sol in helfen vordern der
hofschultheizze WüP
106i,5;
ein hoiffs scholtiss ind der geschworn boede vnd der meier
WeistGr
2,518
(a. 1298).
– als Bestandteil von Personennamen:
Rudegerus houeschulteize UrkWürtt
3,50
(a. 1216)
MWB 2 1755,3; Bearbeiter: Diehl
hövesch|wîp
stN.
‘Liebhaberin, Mätresse, Prostituierte’ (vgl.
höveschærinne
):
amasia: hupschwib VocOpt
3.102;
filia Herodiadis: Herodes húbschwibes tochter EvAlem
45 (Mt 14,6)
MWB 2 1755,13; Bearbeiter: Diehl
hoveshalp
Adv.
‘auf der Seite des Hofes’
sin hus, das da lit am Rennewege ob dem wege hofes halp UrkCorp
1503,25
MWB 2 1755,17; Bearbeiter: Diehl
hove|site
stM.
einem Hof angemessene Verhaltensweisen, Gebräuche an einem Hof (vgl.
hovewîse
,
hovezuht
):
die gruozten ouch Tristanden / und sîne rotte dâ mite /
höfschlîche nâch dem hovesite Tr
5354.
494;
man sprichet unde seit, / daz ir sint aller tugent rîch / und
iu kein fürste sî gelîch / an êren unde an hovesiten KvWTroj
15229;
dâ bin ich unschuldec mite. / Alexanders hovesite / wolde
mich es niht erlân. / des sit ist alsô getân, / swaz man dâ setzet vür den man, /
daz man im des mit willen gan RvEAlex
6500;
Neidh
WL 32:7c,14
MWB 2 1755,20; Bearbeiter: Diehl
hove|slëcke
swM.
‘Schmeichler am Hof’ (vgl.
hovelëckære
,
hoveliegen
):
Herman den huofschmid, / auch Peter den kecken / und den alten Hafenschlecken
[Hss. hofschlecken vgl. aber Anm.z.St.] /
und Henslin usz der peund MeierBetz
18
MWB 2 1755,31; Bearbeiter: Diehl
hove|smit
stM.
am Hof tätiger Schmied (vgl. Matzel, Wortschatz, S. 139):
Haͤrtel fragner schol ein totslach umb Fridlein den hofsmit. ist dar
umb enttwichen UrkRegensb
737
(a. 1325-1350)
MWB 2 1755,36; Bearbeiter: Diehl
hove|snîdære
stM.
‘Schneider an einem Hof’
das kein genecht [l. kneht
] von seinem
maister sol geen ze einem hofsneider; welcher es dar vber tut, den sol chein maister
in einem iar ze im nemen StRPrag
32.
25
MWB 2 1755,40; Bearbeiter: Diehl
hovespël
stN.
‘Hofgespräch, -gerede’ (vgl.
hovemære
,
hoverede
,
hovesprâche
):
mir hât mîn sin gewîssaget, / daz dû mîn ahtest kleine. /
[...] / dû wirst ûz mir ein hovespel / in dîner vröuden
machende. / mîn schimpfend unde lachende / hœrt man dich sprechen denne: /
‘ich hete ouch eteswenne / verborgenlîche ein herzetrût.’
KvWTroj
29276
MWB 2 1755,45; Bearbeiter: Diehl
hove|spil
stN.
‘ritterliche Übung, höfisches Ritterspiel’
hie banket er sich ofte mite / wol schirmen, starke ringen, /
wol loufen, sêre springen, / dar zuo schiezen den schaft, / daz tet er wol nâch
sîner craft. / [...] / aller hande hovespil / diu tet er
wol und kunde ir vil Tr
2121;
durch hübsche kurzewîle / triben si daz hovespil. / iedoch
gesluogens’ alsô vil / z’ein ander und gestâchen, / daz si ze jungest
brâchen / mit zorne irn gemelichen schimpf KvWTroj
5029;
daz rîten und daz hovespil / ist dâ drî stunt an dem tage
StrDan
700
MWB 2 1755,52; Bearbeiter: Diehl
hovespîse
stF.
bei der Erbteilung abgeteilter Lebensmittelvorrat:
dar nâch muoz diu vrauwe teilen gegen den erben die hofspîse
diu nâch dem drîzigesten belîbet SpdtL
100,9;
SchwSp
16a
MWB 2 1755,63; Bearbeiter: Diehl |