hove|nagære
stM.
‘jmd., der sich am Hof durchfrisst’
sô springet der grille hin und her / als loter [Taugenichts,
Gaukler] und ander hofenager, / die selber ungern wirte sîn
Renner
5636
MWB 2 1742,21; Bearbeiter: Diehl
hovenære
stM.
‘Hofbesitzer, -inhaber’
mansionarii de Synzeche, qui vulgo dicuntur hovinnere
UrkMarienstatt
20
(a. 1253)
MWB 2 1742,25; Bearbeiter: Diehl
hovenlich
Adj.
→
hovelich
MWB 2 1742,28;
hovephaffe
swM.
‘Geistlicher an einem Hof’
ob dehein graf, dehein freie, dehein dienstman, dehein hofpfaff oder dehein
vitztum gevangen werd, daz in di herren ped [beide]
ledigen svͤln UrkCorp (WMU)
1800A,28;
wir lazzen euch wizzen, daz wir hern Vlreichen den ersamen abtt
[...], in vnserem besundern scherm, genad vnd
sicherhait genomen haben also daz wir wellen, daz derselb ersam abtt fuͤrbas
vnser besunderer chapplan vnd hofpfaff ist vnd sein sol UrkAsb
147
(a. 1336);
also daz si [...] alle di recht haben, die ander
unser hofpfaffen habent, di tagleichen in unserm hof sint UrkEnns
6,240
(a. 1337)
MWB 2 1742,29; Bearbeiter: Diehl
hovephenninc
stM.
an den herrschaftl. Hof zu leistende Abgabe (vgl. Anm.z.St.):
mansus, in quo residet Swering, solvit in festo beati Georii 7 denarii, qui
dicuntur hofpfennige UrbGurk
105
u.ö.
MWB 2 1742,42; Bearbeiter: Diehl
hovephliht
stF.
‘Verpflichtung dem Hof gegenüber’
froͤde het hie hove pfliht TürlArabel
F 366
MWB 2 1742,46; Bearbeiter: Diehl
hover
stM.
ahd. hovar (vgl. AWB 4,1168f.; EWA 4,1087ff.), seit dem 12. Jh. auch →
hoger
(zuerst in Gl., vgl. AWB 4,1175; EWA 4,1091).
‘Buckel, Höcker’
gippus: houer Gl
3:439,60
(BStK926);
ich was chrump als ein sichel, / mir was ein hover michel / dâ
ze den schultern ûz gebogen, / hals und ahsel nider gezogen, / und stiurte mich, sô
ich gie, / mit beiden handen ûf diu chnie, / niuwan ze füezen ich sach
KvHeimUrst
586;
der rücke was ir ûf gebogen, / dâ engegen ein hover ûz
gezogen / ob dem herzen als ein huot Wig
6305;
meister Otte, / des man vil dicke spotte / durch den hover,
den er het Ottok
331;
do wuͦhs ir geswinde ein ungeschafenr hover uf dem
ruggen, daz si hesslich ward Seuse
135,29.
– metonym. ‘Buckliger’
wer ich ain houer vngestalt LS 224
5;
ain hofer trait ain berg / hinden vff dem nake MinneR 52 (L)
84
MWB 2 1742,48; Bearbeiter: Diehl
hoverât
stM.
‘Hofrat’, Beratergremium an einem Hof:
dâ besendet iuwern hoverât, / [...],
/ und ervaret iegelîches muot Tr
8443.
18369
MWB 2 1743,1; Bearbeiter: Diehl
hoverede
stF.
höfisch angemessene Redeweise (entspr. lat. sermo curialis, vgl.
hovemære
,
hovesprâche
, als Gegenbild:
rede, diu niht des hoves sî Tr
7954
):
der ellenthafte werde degen / tet ir mit suͤzem
maͤren kunt / wie sin herze ze aller stunt / von ir werden minne bran /
fúr das er ir kúnde erst gewan. / mit hoͮfe rede das geschach
RvEWh
13813;
dar nach so man sprechen sol / von ieglichem prise / in wol
geziminder wise, / riterliche von riterschaft, / minnecliche von der craft / die
dú suͤze minne hat, / wisliche wisen rat / ze wisem ende bringen, /
von hovelichen dingen / hoverede machen guͦt ebd.
99.
347;
ir iegelîcher dô began / gegen dem ellenthaften man / mit
hovereden schallen RvEAlex
6441
MWB 2 1743,4; Bearbeiter: Diehl
hoverëht
stN.
1
‘Hofrecht’ , für einen Hof (Grundherrschaft oder fürstl. Hof)
geltendes Recht (zur Sache und genaueren rechtl. Differenzierung vgl. DRW 5,1319f.
und 2 HRG 2,1101f.) 2 übertr. auf die an einem Hof geltenden Sitten und Bräuche (z.T. in der Wendung:
etw. tuon nâch ~
)
1
‘Hofrecht’, für einen Hof (Grundherrschaft oder fürstl. Hof)
geltendes Recht (zur Sache und genaueren rechtl. Differenzierung vgl. DRW 5,1319f.
und 2HRG 2,1101f.):
allez daz gvͦt daz der herre sinem dienstman lihet ze hoverehte. da sol
er hoverehtes abphlegen. vnd lehenrechtes SchwSp
204a;
swer in dan vor geriht kamphlîch an sprichet, / daz alte hovereht er an im
brichet RvZw
182,8.
– auf einzelne Rechte und Pflichten bezogen:
ut de hominibus monasterio suo iure proprietatis vel censualitatis
pertinentibus [...] ius mortuarium quod vulgo val et
hobreht dicitur, ammodo percipiant DRW
5,1320
(Reyscher,Stat. 305; a. 1267).
– das zugehörige Hofgericht:
in dûht diu junger alsô guot / daz er sî nôte verstiez, /
wand sî sich vil gar verliez / ze sînem hoverehte Iw
7341
2
übertr. auf die an einem Hof geltenden Sitten und Bräuche (z.T. in der Wendung:
etw. tuon nâch ~
):
ritter unde knechte / nach schönnem hove rechte / gabend
trost irem heren GTroj
24194;
dâ nâch besehen wir zehant / ritter unde knehte, / ros und îserîn gewant / vil
gar nâch hoverehte Virg
305,10;
sî hôrten sînes hornes dôz: / loufen, springen wart dâ grôz / her gegen der
richen porten, / dâ vor der kleine recke stuont / (nâch hoverehte daz sî tuont), /
und gruozten in mit worten ebd.
224,5.
668,8.
669,3
MWB 2 1743,19; Bearbeiter: Diehl
hovereht
Adj.
auch -roht, vgl.
hogereht
.
‘höckerig, buckelig, krumm, verwachsen’
gibberosus: houerehter, hogerohter SummHeinr
1:309,576;
im was daz houbet geleit / daz im sîn rûhez kinnebein /
gewahsen zuo den brüsten schein. / sîn rücke was im ûf gezogen, / hoveroht und ûz
gebogen Iw
464;
sein [des Unkeuschen] prust ist
klain oder behend und ist dar zuo derhebt oder ain wênig hoferot BdN
51,32;
ein geczwerg kurcz und höferecht und ußermaßen ungeschaffen
Lanc
604,12;
næme einer [...] gar ein armez wîp, ein höverehtez,
sô wærez doch ein rehtiu ê, wan daz ez selten wol gerâtet PrBerth
1:320,29.
– subst.:
hat ain hoverohter guͦt, / si minnent in fuͤr
werden man. / er si haltz, crump oder lan, / hat er guͦt, er wirt gereht
WhvÖst
8658
MWB 2 1743,46; Bearbeiter: Diehl
hoverëhtlêhen
stN.
‘Lehen nach Hofrecht, Dienstlehen’
von houereht lehen [Überschrift] .
[...] allez daz goͮt daz der herre sinem
dienstman lihet ze hoverehte, da sol er hoverehtes ab phlegen vnd lehenrehtes
SchwSp
203b
MWB 2 1743,62; Bearbeiter: Diehl
hovereise
stF.
‘Fahrt an einen (Herrscher-)Hof’ (i.d.R. mit dem entsprechenden
Aufwand, vgl.
hovevart
):
nu sît mir grôze willekomen unt al den vriunden mîn. / der
iuwer hovereise sul wir hôhgemuote sîn NibB
789,4;
dô kom der küene Volkêr, ein edel spileman, / zuo der
hovereise mit drîzec sîner man, / die heten sölch gewæte, ez möht^$’ ein künec
tragen ebd.
1476,2
u.ö.;
wir wellen uns mit vlîze darzuo kêren, / daz unser vrouwen hovereise werde
alsô rîche erziuget, / daz sîn daz lant habe vrum und êre Loheng
1197;
Kudr
245,4.
–
dis ist ein hovereise der minnenden sele, die ane got
nút mag wesen Mechth
1: 4,11
MWB 2 1744,3; Bearbeiter: Diehl
hovereite
swF.
‘Hofstatt, (bäuerl.) Anwesen’ (zur weiteren Differenzierung
vgl. DRW 5,1325f.):
div hofereite, da wir inne sitzzen, div sol vnser sin, die wille wir dar inne
sitzen wellen UrkCorp (WMU)
603,13;
ain hofrait, mit sehtzich morgen akkers vnd zehen tagwerch wismads, mit aller
vreihait vnd rehten UrkHohenz
3,179
(a. 1348);
einweider si [die bescholtene Frau]
ruͤm die stat, als die man tuͦnt, oder si blibe innerhalb irs huses
oder iͤrr hofereite WüP
44,4;
ez sullen ouch die ledrer dhainen slauch noch stirn in die
bech der muller nicht werffen noch uf die strauzz, si sullen sie in irr hofreitin
behalten StRAugsb
170,22.
– bezogen auf die Fläche der Hofstätte:
unam aream, que vulgariter dicitur hoveraiti UrkWürtt
7,399
(a. 1275);
diz sint diͤ guͦt: ein hube diͤ ist gnant wilden hube,
waz dor zv gehort, mit der hofereite wisen eckern vnd weide vnd waz dor zv gehort
besucht vnd unbesucht UrkWürzb
40,532
(a. 1343);
zcu dem sechstin gesecze / teilte he alle vlecze [
fundos
omnes Grund und Boden] / der hovereitin gliche
PfzdHech
239,26.
– Zubehör zu einer Hofstatt:
domus mea sita in Mængen cum eidem pertinentibus, que vulgariter dicuntur ain
hoveraiti UrkWürtt
10,24
(a. 1292)
MWB 2 1744,16; Bearbeiter: Diehl
hoverîbe
swF.
‘Hofdirne, ehrlose Herumtreiberin’
verschamtiu umbetrîbe, / sünden schanden reizelklobe, / lôsiu hoverîbe! /
dienet man ir immer, sî gelonet nimmer wol / [...] / diust
an êren kranc Neidh
WL 28:2,3
MWB 2 1744,41; Bearbeiter: Diehl
hoverihtære
stM.
‘Hofrichter, Richter an einem Hofgericht’ (zur Differenzierung
mit zahlr. Belegen vgl. DRW 5,1328-31):
deme ersame herrin greue Hermanne van Sulz, der ein houe rechtere ist des
romisshin kuͦningis Albrechtis UrkCorp (WMU)
3374,7;
wir setzen, daz des richis hof habe einen houerichtere, der en vriman sii
ebd.
494,5;
wer [...] daz sich imant vnser burger zcu hofe zcuge
[...], di sal vnser hoferichter
[...] zcu Legnicz binnen der muer richten
DRW
5,1329
(LiegnitzUB. 51; a. 1326)
MWB 2 1744,46; Bearbeiter: Diehl
hoverihte
stswF.
beim Besitzwechsel auf einem Hof zurückzulassende Bestände (vgl.
hovegerëhte
,
2hovegerihte
):
est autem ius eiusdem boni, quod dicitur hoverihti, taliter statutum:
quandocunque [...] villicus [...]
cedit vel si decedit, dimittat in loco [...] de feno
meliori [...] id quod sufficere videatur pro 4 bubus
arantibus et 1 malterum avene pro semine UrkWürtt
4,Anh.15
(13. Jh.);
Salgisperge ain hof der giltet vier pfvnt oder daz alse tivre
ist, da sint zwai pfvnt fvr hoverihte UrbBayÄ
1586;
unde sol man danne den hvͤber lan varn uf daz gut da
er uffe saz, unde sol er danne dem herren des daz gut was sine hofrihten geben unde
sol von im schaiden nah des dorfes rehte StRAugsb
60,17
MWB 2 1744,57; Bearbeiter: Diehl
hoverîtære
stM.
an einem Hof lebender Ritter:
so svln zwen hofritter, die wir dazvͦ benennen nach vnsers rates rat vi
pfaerst [Pferde] habn vnd niht mer
UrkWittelsb
2,53
(a. 1294);
swigent ir böser wicht / sprach ain alter hoffe ritter KgimBade
1,253;
ain hofritter sol och sin / gesetzet in dem huze din / der mit ganzem sinne /
hab der warhait minne / er ist genant duͤ rechtikait / und trait an im dez
kunigez clait / von sinem kun ist er geborn / und hat an sinen rat gesworn / grossi
wisz ist im bechant / er heltet luͤt und och die lant / in mag nieman
betriegen Gnaistli
539
MWB 2 1745,8; Bearbeiter: Diehl
hoverlîn
stM.
Dimin. zu
hover
.
‘Höckerlein, kleiner Buckel’ (hier metonymisch):
Melioss sprach: ‘ane grusse / trüwe ich vor dir,
höverlin, / wol iemer untz uff min ende sin. / waz möchtt ich fraisse enpfachen /
von dir gar untonnen man?’ GTroj
21445
MWB 2 1745,20; Bearbeiter: Diehl
hoveroht
Adj.
→
hovereht
MWB 2 1745,26;
hoveruoche
swM.
→
horeruoche
MWB 2 1745,27;
1hovesache
stF.
‘Hofstatt, zu einem Haus oder Hof gehöriger Grund’
confirmamus [...] duas curtes
[...] et unam houesacham [...]
et duas houesachas UrkEnns
2,100
(a. 1073);
die hofstat, da daz hus vf stat, vnd alle hofsache vor vnd hinten
UrkCorp (WMU)
736,28;
ein ieglich man des hofesache daran stozzet
StRAugsb
170,14;
StRMünch
55,12
MWB 2 1745,28; Bearbeiter: Diehl
2hovesache
stF.
→
obese
MWB 2 1745,35;
hovesaz
stM.
vom herrschaftlichen Hof gesetzter Pachtzins für etw.:
swaz in von den vorgeschriben vnsern ampten, nuͤtzzen vnd
guͤlten wirt und gevellet, daz suͤllen sie uns nach iren trwͤen
an beraiten pfenningen verdienen, als der hofsatz gesetzzt ist
UrkWittelsb
2,387
(a. 1347)
MWB 2 1745,36; Bearbeiter: Diehl
hovesæʒære
stM.
‘auf einem Hof Ansässiger, Pächter’ (vgl.
hovesæʒe
):
Heinrich der schuͦsuter [...] unde Agnes, sine
eliche husvrowe, die do wilemal unser hofesesser wornt UrkStraßb
3:173,31
(a. 1305).
– bei mehreren Beliehenen der dem Leiheherrn gegenüber Verantwortliche:
als dicke der hofesesser abeget, der es empfangen hett von ir aller wegen, als
dicke sol man dem hofeherren einen anderen hofesesser geben UrkStraßb
4,2:125,18
(a. 1322)
MWB 2 1745,42; Bearbeiter: Diehl |