horn
stN.
auch horen, Pl. auch hörner, horne
(:zorne
Rol
5482
).
1
‘Horn’
1.1 allg. 1.2 als Helmschmuck (aus Tierhorn oder diesem nachgebildet) 1.3 als Trinkhorn bzw. Behältnis für Flüssigkeiten 1.4 als Schröpfkopf 1.5 übertr. von etw. spitz zulaufend Hervor- bzw. Herausragendem 1.6 vereinzelt (wohl bibelsprachl. beeinflusst) als Symbol der Stärke, in der
Wendung jmdn. von den ~ bringen
‘jmdn. entmachten’ (vgl. auch DWB 4,2,1817f.) 2
‘Hornsubstanz’
2.1 allg. 2.2 als in der Panzerung und im Waffenbau verwendetes Material 2.3 im Vergleich ‘hart wie Horn’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 226) 3 Bez. verschiedener Horninstrumente (vgl. MGG S 4,368f.; Eitschberger, Musikinstr.,
S. 179ff.) 3.1 allg. 3.2 im Vergleich von Hornstoß und lauter Stimme (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 226) 3.3 sprichwörtl.
1
‘Horn’
1.1
allg.:
Aristotiles spricht, daz alliu tier, die hörner auf dem
haupt habent, mangeln der zend an dem obern kinpacken BdN
13,26;
alliu hörner sint inwendig hol ân des hirzen hörner
[Geweih]
ebd.
129,16.
266,20
u.ö.;
[das Tier] heizzit einhurne, uon div daz iz niewan
eines hornis hat Spec
14,3;
Ipocr
27;
Mühlh
180,18
1.2
als Helmschmuck (aus Tierhorn oder diesem nachgebildet):
sîn helm was mit zwein hornen / gezieret wol in fürsten
wîs, / diu lûhten beide silbergrîs / und hæten schône sich gebogen
KvWTurn
488.
997;
EnikFb
3042.
3815
1.3
als Trinkhorn bzw. Behältnis für Flüssigkeiten:
nim in ein horn oͤl [vgl. I Sm
16,1]
RvEWchr
23763;
der [Ginover (Dat.)] brahte uz
Provenze ein horn / von Portigal ein petschelier, daz was so wunderlicher art, /
swer dar uz tranc, der wandel hete, daz er da mit begozzen wart
Tannh
4,50
1.4
als Schröpfkopf:
snyt eme den becze [Biss] , daz
ez sere blode vnde setcze eyn horne eder eynen koph dar ouer, daz daz bose blud
her vz komme OvBaierl
140,4
1.5
übertr. von etw. spitz zulaufend Hervor- bzw. Herausragendem:
der [die Haloerscheinung] het
ainen volkomenn halben kraiz und het ain horn gegen mittem tag und daz ander
gegen norden oder gegen der himelspitz gekêrt BdN
98,11;
der sneck [...] hât vier
hörner [Fühler] , aber ir zwai sint lenger und zwai
kürzer ebd.
303,2;
irn adel den erkenn ich wol, wann sie den pflug begreifen bei dem horen
Neidh (S)
2,86 c34:9,7;
und her stunt lange an dem horne des altâres HvFritzlHl
242,1;
ArnoltSieb
22,4
1.6
vereinzelt (wohl bibelsprachl. beeinflusst) als Symbol der Stärke, in der
Wendung jmdn. von den ~ bringen
‘jmdn. entmachten’ (vgl. auch DWB 4,2,1817f.):
do von ir untrwe riet / wi si brechten von den horn / Jesum, des si sich
besworn TvKulm
3369
2
‘Hornsubstanz’
2.1
allg.:
an den [Händen] sint forne finf
fingere mit horne. / daz horn sint die negele Gen
133;
ir [der Hornmenschen] vel was
horn in grüenem schîn Wh
395,23.
35,13;
Rennew
30411
u.ö.
– vom Pferdehuf:
welch ros eynen gespaldyn vues hot, dem sal man uf
spaldyn czwisschen dem hare unde czwischen dem horne Albrant
3,28
(vgl. aber:
czwyschyn deme horne unde dem hufe ebd.
2,19)
2.2
als in der Panzerung und im Waffenbau verwendetes Material:
diu brustwere darf aver niht sin / weder horn noch bein /
noch stal noch stein SüklV
754;
sin wappenklaid von hornne waz / grün alsam daz grünne
grass GTroj
22539.
14245;
niht ist daz dâ vor [vor der
Lanze] gewer, / horn, stein noch îsengwant, / man steche dâ
durch unz an die hant Wig
4751;
Rol
3315.
5113;
si fuorten alle starke bogen / erziuget wol ûz horne
KvWTroj
29943.
38082
(vgl.
hornboge
)
2.3
im Vergleich ‘hart wie Horn’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S.
226):
sîn [des Zentauren Cheiron] hût
was herte alsam ein horn KvWTroj
5872;
im [dem Riesen] was diu hût niht linde, / si was
herter denn ein horn StrDan
433
3
Bez. verschiedener Horninstrumente (vgl. MGG S 4,368f.; Eitschberger, Musikinstr.,
S. 179ff.)
3.1
allg.:
waz sol ein jager ân guot hund und ân ein horn? SM:
Ga
1: 2,8;
lude do ein horn scal / ouer berich vnd
dalc [über Berg und Tal]
Roth
4195;
von vil rôtem golde fuort^$’ der herre ein
schœne horn NibB
951,4;
von helfenbeine ein michel horn / hiez er dô schellen
über al KvWTroj
12198;
inainer siner hant / truger
[Roland] daz horn Oliuant Rol
6776;
da enwaz kein swigen: / [...], /
horn, busunen, brummen, / beide zymbeln und drummen, / harpfen und auch zytoln
HvNstGZ
4667;
HvNstAp
19103;
Lanc
158,3;
in doze des horen [interl. zu in voce
tube
]
PsM
46,6.
–
sô man der busînen horn / erschelte
Kreuzf
2884
(vgl. busîne)
3.2
im Vergleich von Hornstoß und lauter Stimme (vgl. Friedrich, PhrasWB, S.
226):
mit kraft begonde ruofen der degen ûz erkorn, / daz sîn
stimme erlûte alsam ein wisentes horn NibB
1987,2;
sin stime alsam ain horn / da mit grossen creften schall
GTroj
9382;
sîn stimme alsam ein horn dôz Tr
4046;
HvNstAp
4172;
Er
8994
3.3
sprichwörtl.:
ez missehillet oft ein horn. / wa wechset ane spriu ein korn, / rose ane
dorn? Frl
5:71,13
MWB 2 1694,36; Bearbeiter: Hansen
hornaffære
stM.
‘Bäcker von hornaffen’ (nur als Bestandteil von
Personennamen):
Wolacher dez Hornoffers suns lederers ein w. umb Fridr. den Hiert flaischawer
UrkRegensb
754
(ca. 1325-1350).
737
(ca. 1325-1350)
u.ö.
MWB 2 1695,57; Bearbeiter: Hansen
hornaffe
swM.
auch harnaffe.
ein Gebäck (vgl. DWB 4,2,1821):
ich schaff den schuͤlern, die mit der procession gent, umb hornafen
[...] 2 lb UrkRegensb
528
(a. 1341);
und schol man ie der geswester geben alle freytag 2 d und einen hornafen
ebd.
528
(a. 1341);
den schuͦlæren umb harnaffen 12 ß ebd.
688
(a. 1350)
MWB 2 1695,62; Bearbeiter: Hansen
hornblâs
stMN.
‘Hornstoß, Hornblasen’, hier spez. ‘Aufgebot, Aufruf
zur Heerpflicht’
alle die in dieser frieheit sint oder sin sollent,
[...] sint auch schuldig zu vnserm hornblase vnd zu
vnserm degelichen geschreye uss zuziehen mit vns vnd vnsern mannen
WeistGr
2,3
(a. 1321)
MWB 2 1696,5; Bearbeiter: Hansen
hornblâsære
stM.
‘Hornbläser, Hornist’
cornicen: hornblasere SummHeinr
2:243,01.86
MWB 2 1696,11; Bearbeiter: Hansen
hornblâse
swF.
‘Hornbläserin’, hier ‘Hexe, Zauberin’ (vgl.
Anm.z.St. in Haug/ Vollmann, Frühe dt. Lit., S. 1563):
waz huotest dû dâse? / ubeliu hornplâse! / dû soltest
pillîcher dâ ze holze varn, / danne di mägede hie bewarn. / dû bist ain unholde
Kchr
12184
MWB 2 1696,13; Bearbeiter: Hansen
hornblâsen
stV.
‘ein Horn blasen’
hornblaset in dere niuwen maninne trumben [interl. zu
bucinate in neomenia tuba
]
PsWindb
80,4.
– subst. ‘Hornstoß, Hornblasen’
sô schaffe ich, [...] daz unser venre Wîcnant / ein
hornblâsen schelle, / daz der dôz erhelle Bit
7587;
sô ist einer [l. ir
]
horenblâsen [Hs. hoͤren blasen
] gitân /
die unser hêrre ûf der warte häizzet stân Priesterl
108
MWB 2 1696,19; Bearbeiter: Hansen
hornblâst
stM.
‘Hornstoß’
daz du durch ain horn plast / aller diner wizze uergezzen
hast! Rol
6088
MWB 2 1696,27; Bearbeiter: Hansen
hornboge
swM.
Bogen aus Horn oder hornverstärkter Kompositbogen:
ein sper als ein horn bog, mit listen wol gezehet, / halp horne und mit ader
zog, durch pigelt [wohl ‘mit Pech
durchzogen’
] gar, mit varwe uberwehet JTit
1263,1;
si [...] begunden sih weren /
ingegen dem kriechischen here / und spienen ire hornbogen SAlex
4502;
di sunne kam also haisse: / so waich wurden ir horenpogen, /
si hett ain knab gezogen HvNstAp
3741
u.ö.;
si truogen starke hornbogen / und kunden alle schiezen
KvWTroj
25012
u.ö.;
JvKonstanz
893;
StrKarl
5676.
– metonymisch ‘Bogenschütze’
mit in waren dar chomen / siben hundert hornbogen
Rol
4666.
2611.
2625
MWB 2 1696,29; Bearbeiter: Hansen
hornbruoder
stM.
wohl Bez. für Mitglieder des Ordens vom Heiligen Lazarus (dessen Mitglieder sich
der Pflege der Aussätzigen widmeten, vgl. K. P. Jankrift, Leprose als Streiter
Gottes, Münster 1996; z.St. vgl. RvZw S. 74f. sowie ahd.
horngibruoder
‘Aussätziger’ AWB 4,1261 mit Lit.):
barvüezen, bredigære, criuzer orden sint da engegen [gegen den
Ehestand] blint, / grâ, wîz, swarzer münche vil, / hornbruoder unt
martære RvZw
225,5
MWB 2 1696,43; Bearbeiter: Hansen
horndôn
stM.
‘Hornklang, Hornmelodie’
er nam sîn mit den ougen war / und begunde in grüezen schône:
/ in vremedem horndône / ein ander wîse huober an Tr
3248
MWB 2 1696,52; Bearbeiter: Hansen
horndôʒ
stM.
‘Schall eines Hornes’
vil michel wart der horndôz, / wan ez [das Horn] was
lanc unde grôz Er
9626;
lûte sam ein horn dôz ebd.
8994
MWB 2 1696,56; Bearbeiter: Hansen
hornelîn
stN.
auch hörnelîn; Dimin. zu
horn
.
1
‘(kleines) Horn’
2 ein Horninstrument (vgl.
horn
3 )
1
‘(kleines) Horn’
im [Bukephalos] was ob irz
geloubet, / gewahsen ûz der stirne sîn / ein gevüegez hornelîn
RvEAlex
2116
2
ein Horninstrument (vgl.
horn
3):
min brüder her Nestor / blassett ain klaines hörnnelin, / da
mitt söllt ir gewarnett sin GTroj
22849;
Tantrîsel blies sîn hornelîn HvFreibTr
4763
u.ö.;
ein cleine hellez hornelîn / daz gâben sime an sîne hant
Tr
3204
u.ö.;
Alph
1446
MWB 2 1696,59; Bearbeiter: Hansen
hornen
swV.
→
hürnen
MWB 2 1697,4;
horngeblâse
stN.
‘Hörnerschall’
sin engel er uz sendet balde / in horngeblase vnd in busunen / mit grozer
stymme sunder runen EvStPaul
1301
MWB 2 1697,5; Bearbeiter: Hansen
horngedôʒ
stN.
‘Hörnerschall’
vrowede unde horen gidoz / hadden si uppe deme lande WildM
2,162
MWB 2 1697,8; Bearbeiter: Hansen
horngeschelle
stN.
‘Hörnerschall’
daz [Wildschwein] wart in ouch des mâles schîn, /
wan ez von dem gevelle / und von dem horngeschelle / erstoubet was und ûf getriben
KvWPart
428;
dô wart grôz horngeschelle / in maneger slahte dône
Tr
3454
MWB 2 1697,10; Bearbeiter: Hansen
hornhuot
stM.
aus Horn bestehender oder hornverstärkter Helm (vgl. horn
2):
den schilt nam er an die hant. / dô bant er ûf den helmhuot [Hs.
hornhuͦt
] : / nâch ritterschefte stuont sîn
muot Bit
2191
MWB 2 1697,15; Bearbeiter: Hansen
hornic, horninc
M.
md. unter nd. Einfluss.
‘Ecke, (spitzer) Winkel’ (vgl. mnl.
hornic MNW 3,601f, mnd. horninc Schiller/ Lübben
2,303):
di dri hornic so du weist / bezeichen den vater den son den
geist Brun
4421.
4407.
– als Personenname (vgl. DRW 5,1559):
Syffridus dictus Horninge UrkErf
2,834
(a. 1341)
MWB 2 1697,20; Bearbeiter: Hansen
hornicsprenget (?)
Part.-Adj.
md. unter nd. Einfluss.
‘zackenartig gesprenkelt’ (oder syntagmatisch
hornich als Adj. zu lesen? vgl. auch Schiller/ Lübben 2,
303):
der [
stein
] ist uns
jacinctus genant, / hornichsprenget purpurvar / in allenthalben hie und dar
Brun
1714
MWB 2 1697,27; Bearbeiter: Hansen
hornîn
Adj.
→
hürnîn
MWB 2 1697,33;
horniʒ
stM.
→
hornuʒ
MWB 2 1697,34;
hornschal
stM.
‘Schall eines Horns, Hörnerschall’
dâ was vil ingesindes vür / geloufen durch den hornschal
Tr
3233;
si dô über al / hôrten disen hornschal Er
9629;
er hürnete alsô swinde / und wart sîn hornschal alsô grôz, /
daz der walt dâ von erdôz HvFreibTr
3567.
4765.
– wohl als Pl. hierher i.S.v. ‘Hornstoß’
Jesus [d.i. Josua] der gotes
genanne / der leite si dannen / zu der burc ze Iericho / uil schire iruahten si si
do / da plisen di snelle / siben horn shelle VMos
69,4
MWB 2 1697,35; Bearbeiter: Hansen
hornschellen
swV.
‘ein Horn blasen’
in disen ziln sint elli gericht des gotzhus über des gotzhus lüt vnd
guͦt, vnd sol nieman in disen zilen hornschellen noch gewilt vellen noch
wighaftigen buw machen WeistGr
1,4
(M. 14. Jh.)
MWB 2 1697,45; Bearbeiter: Hansen
hornsege
stF.
Säge für Horn:
ze vier stücken man in [Georgs Körper] brach / mit
einer starken hornsege Georg
4724
MWB 2 1697,50; Bearbeiter: Hansen |