hovesprâche
stF.
1
‘Hoftag’ (entspr. lat. colloquium curiale ) 2 höfische Rede, gehobener, höfischer Sprachstil (entspr. lat. sermo
curialis , vgl.
hovemære
,
hoverede
,
hovespël
)
1
‘Hoftag’ (entspr. lat. colloquium curiale):
die herren begunden riden / da vazzite sich man wider man /
daz er schone zo houe quam / durch daz iz ein houe sprache was / ir nehein iz ne uir
saz Roth
646
2
höfische Rede, gehobener, höfischer Sprachstil (entspr. lat. sermo
curialis, vgl.
hovemære
,
hoverede
,
hovespël
):
so sihet sú einen ganzen got in drin personen
[...]. so gruͤsset er si mit der hovesprache,
die man in dirre kuchin nút vernimet Mechth
1: 2,10
MWB 2 1756,3; Bearbeiter: Diehl
hovestat
stF.
Grund und Boden, auf dem ein Hof mit allen zugehörigen Gebäuden steht oder stehen
könnte, ‘Hof-, Hausstätte’ (stark differenziert vgl. DRW
5,1354-1360):
hie wirt dû sedelhaft! / bowe dise hovestat, / si sol an dem
jungisten dîn urchunde sîn Kchr
10436;
swâ ein ganzez dorf lac, / darin der grâf ze haben phlac /
ein huobe oder ein hofstat Ottok
63012;
vnd sol iegelich hofstat sin hvndert schvͦhe lang vnd fv́nfzig
breit UrkCorp (WMU)
1797,14.
889,8.
1399,41;
suaz min och uffi dir hovistad vindit, daz umi zugihorit, daz
sal min virteili mit dir hovistad, daz iz nummir niemini me zu nuzzi inwerdi
Mühlh
108,27;
ein hofstat da daz vogelhvs vf stet UrbBayÄ
38;
StRAugsb
110,22.
–
der edil kúnig, der wise man, / den tempil stiften
do began / uf einir hofstat alda, / dú hiez mons Moria
RvEWchr
32611;
an des tempels hovestat Reinfr
18001.
– bildl.:
tiutsch hât wîte hofestat Renner
22343
MWB 2 1756,13; Bearbeiter: Diehl
hovestæte
Adj.
‘am Höfischen festhaltend, das Höfische bewahrend’
got weiz wol, mîn lop wære iemer hovestæte, / dâ man eteswenne lobelîche tæte
/ mit gebærde, mit gewisser rede, mit ræte Walth
30,9
MWB 2 1756,32; Bearbeiter: Diehl
hovestatphenninc
stM.
Abgabe von einer Hofstelle (vgl.
hovestiure
,
hovezins
):
so ist ditz div gewonleich purkhut die man vns gibt zv dem vorgenanten haus ze
Pravnekk: des ersten sechs vnd zwainzich muͤt chorns
[...] daz marchtgericht ze Bravnekk und die
hofstetpfenning UrkBrixen
1,134
(a. 1309);
so sulen auch die putel dem zolner sein march reht und sein hofstat pfenning
samenen helfen RbHohenlohe
36
MWB 2 1756,37; Bearbeiter: Diehl
hovestatzins
stM.
Abgabe von einer Hofstelle:
die hofstatzinse in der stat und die gartenzinse dar umbe
UrbHabsb
1:417,2;
her Wernher von Wile [...] hat ze pfand an
hofstettzinsen in der selben stat 2<1/2> pfund gelts
UrkAargau
1,4:25,2
(a. 1281)
MWB 2 1756,46; Bearbeiter: Diehl
hove|stetære
stM.
‘Inhaber einer Hofstelle’
all die werichpauern und hofstetter und vreileut DRW
5,1360
(ArchKärnten; a. 1351).
– oft Bestandteil eines Personennamens:
hern Rvͦdolf dem hofsteter von Walastat UrkCorp (WMU)
1157,22
u.ö.
MWB 2 1756,51; Bearbeiter: Diehl
hovestetelîn
stN.
Dimin. zu
hovestat
:
hvs vnde hofstat vnde bavmgarten mit elliv div vnd der zv hœret ane daz
hofstætlin daz ettewenne was des Hailigen Cruces den haben wir daz wider geben
UrkCorp
549,42;
hovestettelin UrkFreiburg
3:265,31
(a. 1315)
MWB 2 1756,56; Bearbeiter: Diehl
hovestiure
stF.
Abgabe von einer Hofstelle (vgl.
hovestatphenninc
,
hovezins
):
ist aber ez ein man der weder hofstiur noch herstiur git, der
enhat chain reht StRAugsb
148,34
u.ö.
MWB 2 1756,61; Bearbeiter: Diehl
hovestrîch
stM.
‘Streichen eines Saiteninstruments auf höfische Weise’ oder
übertr. ‘höfisches Tanzlied’ (vgl.
hovetanz
und Harding, Dancing Terms, S. 121):
der junge Ranz / durch den tanz / gienc vermezzenlîche. / Kotzel hiez der
spileman; dem ruofte er dar: / ‘ir strîchet ûf die rehten hovestrîche!’
Neidh
WL 32:7a,13
MWB 2 1757,1; Bearbeiter: Diehl
hovet-
s.a. houbet-
MWB 2 1757,8;
hovetanz
stM.
‘höfisches Tanzlied’ (vgl.
hovestrîch
und Harding, Dancing Terms, S. 121f.):
schiere kam / Engelram / mit ûf erbürtem swerte: / ‘nu strîchet ûf bald
einen rehten hovetanz! / sich hebet hie, des ie mîn herze gerte. / hie wirt
entrennet, daz dâ heime wære beliben ganz.’ Neidh
WL 32:7b,12
MWB 2 1757,9; Bearbeiter: Diehl
hovete (?)
Subst.
Bed. unklar, (Gl.z.St. ‘Gehöft’):
[der Teufel] sante prediger an sie, / so daz sie
trugenlichen hie / die cristenheit vorglichsten / und mit den richen richsten / und
uz iren hoveten [Konjektur, Hss. houbten, hubeten,
huͦben
] twungen HeslApk
13513
MWB 2 1757,16; Bearbeiter: Diehl
hoveteidinc
stN.
landesherrliches Gericht (nur im Ostalpenraum, vgl. DRW 5,1369):
ich sag iu nû des landes reht. / iz kostent mangen phenninc / ze Wienne diu
hofteidinc Helbl
2,698;
in rechtem gerichte des hof taidinges ze Wienne UrkHeil
2,136
(a. 1330);
UrkEnns
6,142
(a. 1334);
UrkKlostern
1,273
(a. 1339)
MWB 2 1757,22; Bearbeiter: Diehl
hovetenzel
stN.
‘höfisches Tänzchen’ (vgl. Harding, Dancing Terms, S.
123f.):
sô die voretanzer danne swîgen, / sô sult ir alle sîn gebeten, / daz wir
treten / aber ein hovetänzel nâch der gîgen Neidh
WL 4:3,12
MWB 2 1757,29; Bearbeiter: Diehl
hovetiuschære
stM.
‘jmd., der am Hof täuscht, schmeichelt, betrügt’ (vgl.
hoveliegen
):
ein volc ist hofetiuscher genant, / daz bî dem pâbste ist wol bekant, / dâ man
billicher gerehtikeit / fünde und slehte einveltikeit. / hofetiuscher sint übel
liute, / der wir leider vil haben hiute: / wenne swer ze hofe tiuschen kan, / der
effet manigen einveltigen man Renner
17245
MWB 2 1757,34; Bearbeiter: Diehl
hovetrût
stMN.
‘Angehöriger des Hofes’
aulicus: houedrut vel houeling SummHeinr
2:15,318.
1:282,172.
2:168,304
MWB 2 1757,42; Bearbeiter: Diehl
hovetür
stF.
‘Tür zum Hof’
innerhalp der hoftver [am Brunnen] ensol niemen
vremder waschen noch sinev ros trenchen UrkCorp (WMU)
1382,5;
under der hoftúr stuͦnd
[er] umb sich gafende Seuse
74,26
MWB 2 1757,45; Bearbeiter: Diehl
hovevart
stF.
‘Fahrt an einen (Herrscher-)Hof’ (i.d.R. mit dem entsprechenden
höfischen Aufwand, vgl.
hovereise
):
wirt des riches hervart oder hofvart geboten zerehter zit. vnd mit vrteil. daz
lenget den herren vnd allen ir mannen elliv div teidinc SchwSp
221b;
lat die hove vart under wegen, / iz ist ein hervart gewegen, / da vart hin mit
gesellen vil! Dietr
7976;
‘entrewen,’ sprach da Wolfhart, / ‘ich frew mich diser
hoffart [...].’ Walberan
398 ;
sô möht^$’ uns wol balde riuwen disiu hovevart
NibB
1924,2;
so mir dirre min bart, / si geruwet al dise houeuart
Rol
1647
MWB 2 1757,50; Bearbeiter: Diehl
hovevisch
stM.
Fisch, der an den herrschaftlichen Hof geliefert wird:
soluunt etiam vi. hofvische videlicet lachsen UrbBayS
5,519
u.ö.
MWB 2 1757,62; Bearbeiter: Diehl
hovevrouwe
swF.
‘Mieterin, Bewohnerin eines Hofes’
hat ein wirt einen inman oder ein hoffrawen ein
[l. in
] seiner herberg umb einen gedingten
zins StRMünch
332,12;
SchöffIglau
119
MWB 2 1758,1; Bearbeiter: Diehl
hovewart
stM.
‘Hofwächter’
1 Aufseher an einem Hof 2 meist bezogen auf einen Hofhund (z.T. im Gegensatz zum Jagdhund)
1
Aufseher an einem Hof:
Berhtunc sprach ‘valscher hovewart, er gert dîns frides niht.’ /
sus wart ein michel schelten mit zorne under in WolfdA
352,4;
ein singer ungedœnet, / ein hofwart, der vil hœnet, / ein râtgeb
âne triuwe Helbl
2,1442.
– als Personenname (?):
Ludiwig vnd der Houiwart von Sickingen UrkCorp (WMU)
1061,12
2
meist bezogen auf einen Hofhund (z.T. im Gegensatz zum Jagdhund):
ein hove wart der einem manne sins hoves hvͤtet tag vnde naht
SchwSp
146b;
Bîspel (Pf)
16,6;
ich wære ungern dâ ein wint, / dâ die stumphen hovewart werder dan die winde
sint RvZw
152,5;
do quamen ir hofwart alle; / daz waz des hirzzes unheil. /
der hofwarte waz ein teil / beide winde und hofwarte kint / oder halp ruden und halp
wint / [...] / beide stark, keune und snel
StrKD
7,32.
84,187
u.ö.
– häufig in Vergleichen zum Verhalten:
er [Darius] ist ein unversunnen
man. / er hât glîche getân / alse der blôde hovewart. /
[...] / swenner nahtes iht vernemet, / durh sîne
blôdicheit wirt er irgremet, / er ne tar dar nâher comen niet, / al bellender
flîhet SAlex
1521;
dannoch lac er unde grein / als ein alter hovewart HBirne
369;
reze als ein hovewart, / dem der gater ist verspart Jüngl
245;
Krone
12284;
StrKD
101,28.
103,62
MWB 2 1758,5; Bearbeiter: Diehl
hovewec
stM.
Weg zu oder bei einem Hof:
ein zweiteil stosset an den houeweg / daruf anewandunt die frowen von Sulzberg
UrkCorp (WMU)
3047,22
MWB 2 1758,31; Bearbeiter: Diehl
hovewecke
stswM.
vom Hof gegebene Wecken, Brote (vgl.
hovebrôt
):
quod viginti panes, qui hofweke dicuntur, cappellanus sancte Marie pauperibus
distribuat UrkBasel
2:271,15
(a. 1284)
MWB 2 1758,35; Bearbeiter: Diehl
hoveweiʒe
stswM.
an den Hof (das Haus) zu liefernde Weizenabgabe:
quod huebe, que dicuntur haushube dabunt triticum, quod dicitur hofwaitz
DRW
5,430
(Dollinger, Classes rurales; 14. Jh.)
MWB 2 1758,39; Bearbeiter: Diehl
hovewërc
stN.
‘Frondienste eines Hofes’ (vgl. Anm.z.St.):
notantur die hofwerich, qui homines in officio Möttnitz tenentur facere
UrbGurk
163 Überschrift
MWB 2 1758,43; Bearbeiter: Diehl |