houbetgewant
stN.
‘(um den Kopf gebundene) Kopfbedeckung’ (vgl.
gewant
3
):
Gâwân die wunden verbant / mit der frouwen houbtgewant
Parz
507,22;
ze sînes bettes houpte suocht er sîn gürtelgwant [La. haubet
gewant
]
WolfdA
75,1
MWB 2 1710,42; Bearbeiter: Luxner
houbetgezierde
stF.
‘Kopfschmuck’
ich wolde du soldes dir ervar / gesmide guldin, edel gar / von werke, von
gesteine, / gurtel, vingerlin, vurspan reine, / houbetgezierde, gut gesloufe
Schampiflor
269
MWB 2 1710,47; Bearbeiter: Luxner
houbetgolt
stN.
‘goldener Kopfschmuck, Stirnreif’
her [Eneas] sande ein tûre houbetgolt / irre
[Lavinias] meisterinne En
12996;
nie golt so klar geliutert wart in dem heizen fiure. / des wirke ich hie ein
houbetgolt zu krone disen beiden [
manheit unde ritterlich
gemüte
]
Frl
5:46,12;
ir houbitgolt vorwiret mit gesteine edele unde clar, / des was an ir wunder,
des nam dâ manigir war RosengF (LKN)
9,112
MWB 2 1710,52; Bearbeiter: Luxner
houbetguot
stN.
‘Kapital, Grundvermögen’ (vgl. auch
houbetgëlt
und
houbetschaz
):
es ist aber wirser dann wüecher, wann sy den herren an irem hawptgüet nichtz
dafür abtzyehent Schachzb
66,194;
vindet ein cristen sin gut in eins iuden gewalt daz im
verstoln oder geraubet ist, daz sol im der iude wider geben umbe daz hauptgut
StRAugsb
55,15.
99,11.
– in Verbindung mit Zinsen (vgl.
gesuoch
):
swelher jud leihet uf pfant, der sol uf dem selben pfant
haben habtguͦt und gesuͦch StRMünch
289,2;
[der Burggraf an seinen Vogt:] wis den juden beholfen
gein aller manclich vmb ir gult, ez sei heubtgut oder gesuch UrkWürzb
39,219
(a. 1323);
SchwSp
75b;
StRAugsb
20,22;
UrkHohenz
2,371
(a. 1323).
– in Verbindung mit (Geschäfts-)Gewinn (vgl.
gewin
):
sô sîn wille alsô ergât, / daz houbtguot uns hie bestât, / den gewin er mit im
füeret hin UvEtzAlex
1998;
hat er fonf pfont [...] vnd wil da mit chavffen oder
verchavffen [...] so sol er gewin vnd havbtguot verstiwren
DRW
5,297f.
(Bergmann, München; a. 1294);
KvHelmsd
3642;
StRAugsb
169,25.
– in Verbindung mit (finanziellen) Verlusten (vgl.
1schade
):
noch enmag kain iude uf sine pfant niht mer behaben
hauptguͦtz und schadens denne das pfant werd StRAugsb
55,3;
de regthere sulen deme uͥden alse wale regthen vanme schaden alse vanme
hoiftgude UrkKöln
4,120
(a. 1327);
StRMünch
289,7;
UrkStraßb
3,118,19
(a. 1297)
MWB 2 1710,61; Bearbeiter: Luxner
houbethaft
Adj.
‘außerordentlich, besonders’
1 in negativem Kontext 2 in positivem Kontext
1
in negativem Kontext:
dich und dîne genôze / füeret er [der Teufel] hiut
in die helle / du bist der untriwen geselle. / dô si die rede getâten, / zesamne si
aber trâten / mit houbethafter vîentschaft StrKarl
12047;
daz wurde ein houbthafte scham / beide mir und minen kinden
StrKD
4,68;
besnîdet iuh von houbethaften
mailen [Makel] , / iwer herze machet raine
Kchr
9426;
RvEBarl
14781;
HeslApk
4656.
– häufig
~ sünde
‘schwere Sünde, Todsünde’ (vgl.
houbetsünde
):
von in [
hôchvart, unkiusche und
gîticheit
] kumt luoder unde frâz, / spil,
arcwân, nît, zorn und haz / und manic ander houbthaftiu sünde
Renner
15899;
sin erstiz werch Adames was ein hoͮbthaft sunde
Spec
7,10;
diser tot der fuͤr daz
puͤritor [Stadttor] hintz dem grab getragen
waz, der bezeichent einen ieglichen menschen der mit toͤtlichen
suͤnden und mit haubthaften suͤnden gevallen ist
PrOberalt
161,33;
PrBerth
1:488,16;
StrKD
147,147
2
in positivem Kontext:
die este [an einem allegor. Baum] habent iemer
jugent: / daz sint die houbethaften tugent StrFra
1292;
ein bilder houbethafter zuht, / ein volliu gruft der sinne RvZw
136,4
MWB 2 1711,26; Bearbeiter: Luxner
houbethaftic
Adj.
1
‘schlimm, verhängnisvoll’
2
‘einer Leibes- oder Lebensstrafe unterliegend’ (bei Kapitalverbrechen) (vgl. WMU 2,885)
1
‘schlimm, verhängnisvoll’
nû weste der arme herre niht / der houbethaftigen geschiht, / diu im dâ heime
was geschehen [ein feindl. Heer erwartet ihn]
Mai
157,36.
–
~ sünde/ gebrëste
‘schwere Sünde, Todsünde’ (vgl.
houbetsünde
):
die houpthæftigen sunde, / der si vermiden chunde, / der
besæze daz himel riche StrKD
144,21;
er [der Teufel] hat sherphe zende als der lewe.
[...] mit dem zande werdent ertoetet alle die in
hoͮftaphtigen sunden vervarent PrLeys
18,38;
nv flege [anflehen] wir die
getriwen, / daz si vns mvͤzze enriwen [l.
ent|riuwen, vgl. Glr. Z. St.] / von
hauphaftiger svnde Wernh
A 2305;
Spec
47,6;
SHort
8749;
unde wirt er [der Mensch] vunden an eime
houbethaftigen gebresten ([...]: diz sint houbetsünde),
wizzet, wer an der einem wirt funden, der muoz êwiclîche verlorn sîn
Katrei (Pf)
454,9
2
‘einer Leibes- oder Lebensstrafe unterliegend’ (bei
Kapitalverbrechen) (vgl. WMU 2,885):
daz dehain rihtær noch amptman [...] iht suͦln
haben ze rihten vͦber læzlich geschiht oder vͦber hauptheftige, noch
vͦber leiplich oder des gutes UrkCorp (WMU)
2345,16
MWB 2 1711,50; Bearbeiter: Luxner
houbethâr
stN.
‘Kopfhaar’
sie [Hersint] det einen duc
zvͦ der helle. [...] da hat sie daz huͦbethar
uerlorn ReinFu
S2,914
MWB 2 1712,9; Bearbeiter: Luxner
houbethërre
swM.
‘bedeutende, herausragende Person’ (vgl.
houbetliute
und
houbetman
)
1
‘Oberhaupt, Anführer’ (bes. milit.) 2
‘Kirchenpatron, Hauptheiliger’
1
‘Oberhaupt, Anführer’ (bes. milit.):
des huses hŏbet herre [...] / enpfing mit
grossen eren den Kriechen vil gemeit WolfdD
944,1;
der keiser hete heimelîche an geschriben, alle die schuldic waren an dem
babeste; die hiez er offenliche nennen, die houbetherren der getat BuchdKg
(M)
175,4;
in wart in den selben tagen / kunt getan
[...] daz ælliu haidenschaft / da mit gewalt læge
[...] und daz Wildhelm der Osterman /
des [Gen.] hauptherre wære WhvÖst
16241;
in ain ander dar und dar / begunden si sich werren, / des
strites hoͮbet herren RvEWh
1242;
Tr
18948;
KvWPart
3318;
Ammenh
7277;
Dietr
8571
2
‘Kirchenpatron, Hauptheiliger’
unde wil ein vrier man sich selben an eine kilchen geben. dem heiligen der da
hovbetherre ist. daz mag in nieman erwenden SchwSp
142a;
ich hân ir [vorzüglicher Männer] mêre denne drî
gesehen, / die wêrlich mir niht konden verjehen / welch heilige in iren kirchen wêr
/ houbtherre Renner
2656;
da von bite wir euch fleizziglichen, daz ir got zu einem lobe und unserm
hauptherrn zu ern [...] daz selbe heyligtume also erlichen
enpfahet UrkBasel
4:166,29
(a. 1347);
StatTrient
114
MWB 2 1712,12; Bearbeiter: Luxner
houbethof
stM.
‘Amtssitz’ (hier des Papstes):
binnen dirre zit geschach, / daz der pabest tot gelac, / der zu Rome da pflac
/ des amtes an dem houbthove Pass III
64,79
MWB 2 1712,37; Bearbeiter: Luxner
houbethovestat
stF.
‘Richtstätte’
die ratgeben habent ab genomen mit gemainem rate, daz man vor
Gekinger tor an der houpthofstat nieman mer houpten sol StRAugsb
234,29
MWB 2 1712,41; Bearbeiter: Luxner
houbethûs
stN.
‘Hauptsitz’ (bezogen auf den Deutschen Orden):
dis ist beschriben vf deme houbethvse zv Marienburg UrkWürzb
39,254
(a. 1324);
brûdir Herman von Oppin [...] des houbithûses
spittelêr [Verwalter des Spitals]
NvJer
26694
MWB 2 1712,45; Bearbeiter: Luxner
höubetinc
stM.
Übers. verschiedener lat. Bez. für Karpfenfische (evtl. Gründling und
Döbel):
capito: hoͮpting, gropp VocOpt
47.037;
gobio: gropp, hoͮpting ebd.
47.038
MWB 2 1712,50; Bearbeiter: Luxner
houbetjuncvrouwe
swF.
‘bedeutende Jungfrau’ (bezogen auf die 11.000 Jungfrauen der
Hl. Ursula):
der houbit jungvrowen eine, heizet sancta Cordula, di vorbarc sich under den
schiffen biz an den dritten tac, wanne si vorchte den tôt HvFritzlHl
223,37
MWB 2 1712,54; Bearbeiter: Luxner
houbetkirche
swF.
bedeutendste Kirche einer Region ‘Bischofskirche,
Kathedrale’
daz selbe münster zuͦ Oche solte sin die houbetkirche zuͦ
dütschen landen und eine stat do ein keyser enphohen sine erste crone
ClosChr
406,10;
dô diz volc was alliz bî enander gesamment in der houbit kirchen
HvFritzlHl
226,10;
dar nâch liz her [Affrayas] ime [Sankt
Bartholomäus] di hût zu mâle abe zihen.
[...] dise hût ist zu Bonivente in der houbitkirchen
ebd.
185,19
MWB 2 1712,60; Bearbeiter: Luxner
houbetkleit
stN.
eine Kopfbedeckung, hier ‘Schleier’
die frauw det ir heubtcleyt von irm munde und grußt den konig
Lanc
128,33
MWB 2 1713,6; Bearbeiter: Luxner
houbetklôster
stN.
‘Hauptkloster, Mutterkloster’
die kóniginn Alene von Bonewig macht dasselb closter,
und wart ein heubtcloster Lanc
42,19
MWB 2 1713,9; Bearbeiter: Luxner
houbetkrenzel
stN.
‘(kleiner) Kranz’ (für den Kopf):
an ir [
der megde
] hovbit krenzil / uol
komin ane schrenzil [Makel] / sint die sehz bluomen
Martina
47,69
MWB 2 1713,12; Bearbeiter: Luxner
houbetkünic
stM.
‘oberster König’
das ist Marroch dú hoͮbitstat, / da ist ein
sidil in gesat / dem hohstin houbit kúnege da RvEWchr
2800
MWB 2 1713,16; Bearbeiter: Luxner
houbetküsselîn
stN.
Dimin. zu
houbetküssen
.
‘(kleines) Kopfkissen’
so sach er in dem bette / ouch ligen ein houbt kusselin
Vät
20331;
we in, di do neyn [nähen]
pholelin [l. phülwelîn
‘(kleines) Federkissen’
] undir alle hende
elbogin und machin houbtkusselin undir allis alderis houbte,
selin [Seelen] zu betrugene Cranc
Ez 13,18
MWB 2 1713,19; Bearbeiter: Luxner
houbetküssen
stN.
‘Kopfkissen’
her [Christus] was vore in dem schiffe ûf eime
houptkussin slâfinde EvBeh
Mc 4,38;
des âbendes an einer stat er [Jacob] slief, / dar
was er kumen altersein. / sîn houbet küsse was ein stein Renner
20406;
Cranc
Ez 13,21;
BrAsb
55;
Stagel
26,12
MWB 2 1713,26; Bearbeiter: Luxner
houbetlachen
stN.
‘Kopftuch, Schleier’
si het ouch bezzer gwant / denne dehein geburinne da: /
[...] ein sidin houptlachen gut / und einen wol
gestalten hut / und gut linin gwant StrKD
145,399.
119,436;
ich sach die heilegen engel und der vreuden hort: / dô hâte ir houbet lâchen
vür gehangen Wartb (S)
127,10;
peplum: hoͮbitlachen SummHeinr
1:324,122;
Gl
3:663,49
(BStK287)
MWB 2 1713,32; Bearbeiter: Luxner
houbetlachenære
stM.
wohl Hersteller von Kopftüchern (vgl.
houbetlachen
; s. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S.
385):
Chvnrat der hovbtlachner UrkCorp
2329,17;
Ellenbvrch hern Hermannes witiwe des havptlachner ebd.
3282,36
MWB 2 1713,40; Bearbeiter: Luxner
houbetlant
stN.
‘großes, bedeutendes Land, Region’ (andere Länder und Provinzen
umfassend):
da stozit an ein michil lant, / das ouch ist houbit lant
genant / vil lande dú darinne sint RvEWchr
2093;
das ist dú mindir Asẏa. / in disim houbit
lande da / Efphesus dú stat nu ist ebd.
2101
u.ö.;
daz Pârîs der wîgant / Sidonje hâte ir houbetlant / sô
vîentlichen an geriten KvWTroj
42674
MWB 2 1713,45; Bearbeiter: Luxner
houbetlast
stMF.
‘außerordentliche Last, Bürde’
ez ist verlüste ein houbetlast, / daz ieman kêret in den kreiz
[Kampfplatz] / ze strîten, dâ man niht enweiz / wâ
man sich enthalten sol KvWPart
4176;
sô daz dir niht swære / was aller bürden houbetlast
KvWLd
32,49
MWB 2 1713,53; Bearbeiter: Luxner
houbetlaster
stN.
‘Hauptsünde, -laster’ (vgl. LThK 4,1212 und
houbetsünde
):
dar umbe sol ein ieglich mensche snel unde wacker sîn unde niht træge an gotes
dienste: wan daz ist ouch der selben houbetlaster einez PrBerth
1:8,16;
diu siben volk daz sint die siben leie sünder, die in der heiligen kristenheit
alle tage sündent, die siben houbetsünde, die siben houbetlaster ebd.
1:187,18;
wan frâzheit ist der sünden houbetlaster einz ebd.
1:515,34.
1:517,9
MWB 2 1713,59; Bearbeiter: Luxner |