hirnbein
stN.
Knochen, der das Hirn bedeckt, ‘Hirnschale’
im was sin houbet so gar zv slagen, / daz im daz blozze hirn
bein / in der wunden vz schein Herb
12503;
wir nâmen den karfunkelstein / ûf des selben tieres hirnbein,
/ der dâ wehset under sîme horn Parz
482,30
MWB 2 1593,7; Bearbeiter: Tao
hirnbolle
swF.
‘Hirnschädel’
den sol man zem besten / slahen an die hirnbollen / mit disem slegel envollen,
/ daz im daz hirn mit alle / ûf die zungen valle Schlegel
1142
MWB 2 1593,13; Bearbeiter: Tao
hirne, hërne
stN.
herne
Rumelant
3:63b;
OvBaierl
11,5.
141,6.
162;
KarlGalie
4105.
5344
u.ö.
1
‘Hirn, Gehirn’
1.1 als Organ bei Mensch und Tier 1.2 Hirn der Tiere als Heilmittel 1.3 Hirn der Tiere als Nahrungsmittel 1.4 als Sitz der Empfindungen, des Gemüts 2 metonym. ‘Kopf, Schädel; Stirn’
1
‘Hirn, Gehirn’
1.1
als Organ bei Mensch und Tier:
[Gott] gab dem weichen hirne den gebel ze scirme
Gen
118;
daz hirne ist geteilt in drie cameren
Lucid
63,7;
daz mensch hât ain grœzer hirn nâch seinr
grœzen wan kain ander tier, und ain man hât ain grœzer hirn wan
die fraw BdN
7,7;
und ist der suht alsô / daz sî von dem hirne gât
Iw
3421;
er sluoc im obene ze tal / beidiu hirne und hirneschal
Tr
5452;
si schriͤten hiͤrn unde verch / durch helm und durch patwat
Dietr
9047;
dem zvrspielt er die schalen, / daz daz hirn dar vz floz
Herb
7633;
schedel vnd hirne ebd.
5854;
Martina
136,28.
– in Gen.-Verbindungen:
des hirnes sichtum SalArz
22,3;
des hirnes krancheit ebd.
106,3;
BdN
409,23;
hirns march GvJudenb
1899;
WhvÖst
12182
1.2
Hirn der Tiere als Heilmittel:
nehein ercenîe ist, chümt des gîers hirn dâ zuo, sin habe
sô grôze chraft, daz si nimer misserætet Barth
154,32
u.ö.;
vor di uallinde sucht ist gut rosen ole gemischit mit
hirzes hirne SalArz
35,7;
des kämels hirn dürr gemacht und getrunken in ainem
ezzich hailt die vallenden sucht BdN
124,24
1.3
Hirn der Tiere als Nahrungsmittel:
wirt, bisende uns würste, / dâbî schæfîn hirne SM:
Had
18: 1,8;
man slecht nû so manig vê, / des vint man / guotiu
krœsiu, houbt und vüezze / und och süezze hirn und die [=
diech
]
ebd.
20: 2,10;
ein hirn sol man nemen vnd mel vnd epfele vnd eyer
BvgSp
6
1.4
als Sitz der Empfindungen, des Gemüts:
dô wart sîn riuwe alsô grôz / daz im in daz hirne schôz /
ein zorn unde ein tobesuht Iw
3232;
und schôz im in daz hirne sîn / ein vil wüetender pîn WvRh
5566;
ûz der platten im brach / und ûz dem hirne ouch / ein
tamph und ein rouch / als ûz einer kolgruoben Ottok
36044;
erwuoten mueze im daz herne Rumelant
3:63b;
mit vil beswertem hirne [mit betrübtem Gemüt]
Pass III
484,51;
er fleuht des tôdes pein in dem hirn mit seinem süezem
gesang BdN
174,21;
niuwen wîn / trinkent siu, derz hirne rüeret / und ouch
vüeret ir muot hô SM: Had
20: 1,9;
Renner
9448;
Seuse
127,28.
– der Wahrnehmung, der Gedanken, des Verstandes:
ich enpfind an dem hirn / und sich daz von der
wârheit wol, / daz ein kint von mir komen sol, / daz wirt gewalticlîch / in
dem künicrîch EnikWchr
19872;
daz er vil lihte ein tor / in sime hirne wirt Wartb (H)
561:4,8;
daz sie hete ein so wise hirn Vät
16014;
swaz guter lere [...] in wisem hirne lag
Frl
8:11,3;
siner witzen hirne Pass III
481,50;
swer nu dâ vürbaz sinnen wil, / dem mac der hame rîzen ûf des hirnez
zil, / unde wirt vor allen witzen gar der vrîe Wartb
Rs 12,9;
ich wird da von unsynnig / und tobig in dem hirne, /
wenn ich daz selbe durch kirne / und reht tu bedenken Minneb
4399;
seit dv an hirne bist FabelCorp
21,5;
du pist blede, / dir ist das haubt ede, / das hiern
ist dir worden wan HvBurg
3173
2
metonym. ‘Kopf, Schädel; Stirn’
diu [Kröte] treit einen stein guot /
obe in ir hirne / nâch bî der stirne Volmar
463;
sein haupt trug es [Tier] schon
enpar, / auff seinem hirne da vor / ain krone HvNstAp
6630;
dîn houbt ist geschaffen wol, / als einer schœnen
frouwen sol. / dîn hirn ist lieht, dîn wengel klâr, / dîn mündel ist rôsenvar
EnikWchr
12477.
14295;
ich sluoc den künic zwâr, / daz im daz hirn und daz hâr / vor
mir ûf dem gras lac. / ich traf in reht an sînen nac ebd.
11064;
manic druc und stôz / wart dâ enphangen, / an hirne und an
wangen Ottok
67956;
RvEWchr
19310;
BdN
444,9
MWB 2 1593,17; Bearbeiter: Tao
hirngeil
Adj.
‘übermütig’
spricht einer, der ist hirngeil Helbl
2,725
MWB 2 1594,24; Bearbeiter: Tao
hirngupfe
swF.
‘Bedeckung des Hirns, Hirnschale’
ich trûwe es mînem swerte, ez schrôte die hirngupfen sîn Neidh
WL 32:7e,14
MWB 2 1594,26; Bearbeiter: Tao
hirnhût
stF.
‘Hirnhaut’, Glossenbeleg des 13. Jh.s s. AWB 4,1135
MWB 2 1594,29; Bearbeiter: Tao
hirn-, hërnenkopf
stM.
‘Hirnschale’
do blies der edele Ruͦlant, / daz im der hirn kopf [La.
hiern rebe
] zespielt / unt daz herce chume ganz
behielt StrKarl (S)
6977;
by des helmes luminere [Helmfenster] / stach hey en
durch der [l. den
] heyrnen kopp, / dat hey
tirvelde als eyn dop KarlGalie
12711
MWB 2 1594,31; Bearbeiter: Tao
hirnlôs
Adj.
‘hirnlos’
du bist betrogen alder hiernlôs alder hohvertich PrSchw
1,69
MWB 2 1594,38; Bearbeiter: Tao
hirnribe, -rëbe
swFM.
‘Hirnschale’
cerebella, cerevella: hirnireba, hirneschala SummHeinr
2:217,161;
er zesluͦc im di hirnreben Rol
4731;
StrKarl (S)
5647;
di hirnribe sich im entrante / dem chunen wigante
Rol
6061;
do blies der edele Ruͦlant, / daz im der hirn kopf [La.
hiern rebe
] zespielt / unt daz herce chume ganz
behielt StrKarl (S)
6977
MWB 2 1594,40; Bearbeiter: Tao
hirn-, hirneschal
stF.
vereinzelt swF. (
Neidh
WL 14:6k,12
).
‘Hirnschale’
cerebella, cerevella: hirnireba, hirneschala SummHeinr
2:217,161.
1:124,127.
2:4,53;
zcerende ougen werden von der vuchte, di da rinnet in di
ougen durch di adern, di da gent vnder di hirnschale SalArz
38,48;
des menschen hirnschal ist auz hertem pain gemacht
BdN
4,14;
diu hirnschal hât dreu kämerlein ebd.
4,22;
er sluoc im obene ze tal / beidiu hirne und hirneschal
Tr
5452.
7057;
und gap im aber einen slac / dur den helm und durch die hirnschal
StrKarl
5017;
Neidh
WL 32:6,14;
sînes kopfes hirneschal KvWTroj
36017;
Macer
17,20;
LvRegFr
4687;
KvWPart
10547;
Rab
659,4.
824,1;
Renner
9557;
HvNstAp
10742.
19514.
– verbunden mit Synon. (gebel, schedel):
alsô daz im diu hirneschal / und der gebel spielten
KvWTroj
25710;
die beckenhûben [...], / diu
[...] im verbarc / den schedel und die hirneschal
ebd.
31071;
daz [Schwert] dem rîlichen künige
dranc / dur schedel und dur hirneschal ebd.
40039.
– metonymisch für eine Art Kopfschutz:
umb daz houbt ist er niht kal, / er hât ein veste hirnschal / zwischen zwên
hüet gemachet Helbl
2,1234
MWB 2 1594,47; Bearbeiter: Tao
hirn-, hërnschëdel
stM.
‘Hirnschädel’
caluaria: gibilla, gebil [La. herneschedel, s. Bd.
3,77]
SummHeinr
1:124,126;
de hernschedel OvBaierl
141,2;
sin vngetovfter hirneschedel Martina
181,75;
deme [
houbet
] was der hirnschedel
gespalden mit eime swerte HvFritzlHl
224,13;
mit ainer spieszstang / gab er im dennocht ainen straich, / daz im der
hirnschedel waich Bauernh
558;
ParzRapp
753,44;
contra houbetsich nym eynis hundis hyrnschedil unde puluer den
unde bloz dem pherde in dy nazeholer Albrant
3,57;
craneum: hirnschedel VocOpt
1.019;
cereuella ebd.
1.020;
caluaria ebd.
1.021.
–
‘Kopfhaut’ (?, vgl. HvBPhys., Register, S. 162):
in cute capitis, id est in hirneschedele HvBCC
129,13
MWB 2 1595,6; Bearbeiter: Tao
hirnschidunge
stF.
‘Hirnkammer’ (?):
cellula cerebri: hirnschidung VocOpt
1.025
MWB 2 1595,21; Bearbeiter: Tao
hirnschiel
stM.
‘Hirnschale’
mit ainem staine sy in slug / oben auff den hiren schiel, /
das er für sy nider viel, / das er nicht hort noch gesach HvNstAp
10802
MWB 2 1595,23; Bearbeiter: Tao
hirnstal
stN.
‘Stirn’
ir brân wârn brûn unde smal, / wol getân ouch das hirnstal
Philipp
839
MWB 2 1595,27; Bearbeiter: Tao
hirnsuht
stF.
‘Krankheit des Gehirns, Wahnsinn’
dâ ist ez umbe [
umbe die
Salbe] sô gewant / daz niemen hirnsühte lite, / wurd er bestrichen
dâ mite, / erne wurde dâ zestunt / wol varende und gesunt Iw
3427
MWB 2 1595,29; Bearbeiter: Tao
hirnvël
stN.
‘Hirnhaut’
duramater: vsserhirnuel VocOpt
1.023;
piamater: innrehirnuel ebd.
1.024
MWB 2 1595,34; Bearbeiter: Tao
hirnwüetic
Adj.
‘hirnkrank, tobsüchtig’
freneticus: hirnwͦtiger Gl
3:439,64;
hie machte er jenen flühtic, / als ob er tobesühtic / wær
unde hirnewüetic KvWTroj
26099;
die von hitziger materi siech sint und von der colera, die
hitzig läut habent, hirnwüetig BdN
329,21;
weitere Belege s. HvBPhys., Register, S. 162f.
MWB 2 1595,36; Bearbeiter: Tao
hirnwurst
F.
‘Hirnwurst’
in hirnwuͤrste tuͦt man sie [Eier]
KgvOdenw
2,106
MWB 2 1595,43; Bearbeiter: Tao
hirsbecke
swM.
‘Hirsebrotbäcker’, nur als Personenname oder Bestandteil
davon:
Hen̄r̄ Hirspeche UrkCorp (WMU)
3224AB,5;
der Hirspech ebd.
3224AB,7
MWB 2 1595,45; Bearbeiter: Tao
hirse
stM.
‘Hirse, Hirsekorn’
hirs unt ruobe [...] er ouch uopte
Gen
587;
do er lert seen pon und hirs und ander getraid in dem lentzen
KvMSph
34,5;
er gwan in einer churcen zit / hierses eine schuzel vol
StrKD
129,47;
gegrues haizt hirs und ist zwairlai. daz ain ist gemainer
hirs und haizet ze latein milium. [...] daz ander
[...] haizet ze latein panicum und ze däutsch venich
BdN
403,17;
ûz hirse man den brîen tuot Gen
588;
daz brot daz uon hirse wirt SalArz
9,55;
ReinFu
K,17;
Barth
148,31;
Albrant
1,18.
2,8.
3,14
MWB 2 1595,49; Bearbeiter: Tao
hirsebrîn
M.
‘Hirsebrei’
hirsbrîn ist ir spîs EnikWchr
27525
MWB 2 1595,60; Bearbeiter: Tao
hirsegrütze
stNF.
‘Hirsegrütze’
nim frische mandelkern [...] vnd
hirse gruͤtzze vnd gesotene eyer [...]
BvgSp
47
MWB 2 1595,62; Bearbeiter: Tao
hirsegrûʒ
stMF.
‘Hirsekorn’
gip im ein iuch von hirsegrouzen oder von gerstegrouzen
SalArz
49,14.
– bildl. zur Verstärkung der Negation:
der [
adamas
] ist alse herte, der alle die
hemere drûf slüege unde zerbræche mit slegen unde bôzen, man künde sîn niht gewinnen
als grôz ein hirsegrûz ist PrBerth
1:419,1;
daz ich niht ein hirsengrûz / vorhte swaz gerumpel nider Helbl
1,380
MWB 2 1596,1; Bearbeiter: Tao
hirse-, hirses-,
hirsen-,
hërsenkorn
stN.
‘Hirsekorn’
er warf ein hirs chorn dar / dem guten manne an sin gwant
StrKD
129,50.
129,90;
hirz koͤrner
ebd.
129,47
(La.);
ein hirses chorn ebd.
129,38;
hirsenkorn
ebd.
129,95
(La.);
leg uf daz erste velt bevorn / ein vil kleiniz hersenkorn, / zcwei uf daz
andir dar nach. / also belege daz ganczce schach / mit hersenkornern
bepart [verdoppelt]
PfzdHech
352,4.7;
Ammenh
18265.
18267.
– im Vergleich:
alsus so sond ir sicher wesen / das der gott gaͤntzlich enpfacht / und
oͮch in gar [ganz und gar, ungeschmälert] enpfangen
hat, / dem von dem priester wolgeborn / als klain wirt als ain hirs korn / des
sacerments in sinen mund, / und wirt oͮch sin als gar gesund / als der die
groͤsten [l. hostien? (Anm.z.St.)]
gar enpfacht, / ob er sich und sin hertz gelútert hat
KvHelmsd
1070
MWB 2 1596,9; Bearbeiter: Tao
hirse-, hirsenkörnlîn
stN.
‘kleines Hirsekorn’, in Vergleichen:
und kemi ein kleines voͤgelli
[...] und bissi ab dem stein als groz, als der zehende
teil ist eins hirskoͤrnlins Seuse
239,16.
239,18.
– zur Verstärkung der Negation:
und dem getriuwen Tristan, / der untriuwe nie gewan / in dem
reinen herzen sîn / alsam ein hirsenkornelîn HvFreibTr
3148
MWB 2 1596,26; Bearbeiter: Tao |