hërze-, hërzentrût
stMN.
‘Geliebter, Geliebte’
dô mîner vrowen wart erkant / ir sendes herzen herzentrût, / sî sprach von vreuden
überlût RvEGer
4619;
hilf, genâderîchez wîb! / herzentrût, mir sorge wende SM:KvL
22: 5,4;
si hoft dennoch gewinnen / Wildhelm ir hertzen trut
WhvÖst
11293.
– geistl.; von Jesus:
owe, du herzentrut, du lieber Jesus, ich neig mich hút ze
dir in dine verworfenheit, daz du mich erhebest in din ewigen wirdekeit
Seuse
421,14;
von Maria:
daz ist Maria min herzetrut Brun
6485;
o du gottes uzerweltes herztrut, du schoͤne guldine thron der
ewigen wisheit Seuse
263,19
MWB 2 1471,45; Bearbeiter: Plate
hërzeübel
Adj.
‘zutiefst böse, verdorben’
daz herze übel wîp Wig
5433
MWB 2 1471,58; Bearbeiter: Plate
hërzeübele
stF.
‘Schlechtigkeit, Verdorbenheit des Herzens’
absistat et uecordia: intwiche oͮuch div herzvbel PsM
H 5,3
MWB 2 1471,60; Bearbeiter: Plate
hërzevîent
stM.
‘Todfeind’
wand’ er nâch starkem leide sîn herzevîent was
NibB
2358,3
MWB 2 1471,63; Bearbeiter: Plate
hërzevriundîn
stF.
‘Herzensfreundin, Geliebte’
herzevriundîn, [...] vergezzet mîn durch
keine nôt Tr
18280
MWB 2 1472,1; Bearbeiter: Plate
hërze-, hërzenvriunt
stM.
‘Herzensfreund’
1
‘Geliebter’
2
‘lieber Freund’ , Anrede zwischen Redner und Zuhörern
1
‘Geliebter’
ach herzefriunt, wie sêre ich bin / betrüebet alle stunde! /
[...] daz mir schade an dir getân / von vremder minne
werde KvWTroj
760;
ach herzefriunt Partonopier, / vil süezer unde werder lîp
KvWPart
8000;
Lanc
639,4;
Constantin, vil lieber man, [...] herczn frewnt mein
Hawich
5018
2
‘lieber Freund’, Anrede zwischen Redner und Zuhörern:
eyâ, herzenvriunde, nû merkent [...]
Eckh (Pf)
383,34.
386,4;
herzevriunt, sage mir von disem underscheide ebd.
388,40
MWB 2 1472,4; Bearbeiter: Plate
hërzevriuntschaft
stF.
‘innige Freundschaft’
trâclîche gruozte er in; / sîn gelîchsender sin / gruozt in von
herzen selten ie. / er ougte im herzevriuntschaft nie RvEBarl
4794
MWB 2 1472,15; Bearbeiter: Plate
hërze-, hërzenvröude
stF.
‘innige Freude’
im volleten sîniu ougen / von herzevreuden tougen
RvEBarl
10990;
dô wart der herre hôchgemuot / herzevreuden rîche RvEGer
5177;
swer sich liebes kan / trûtlîch underwinden, / der mac herzefröide
vinden SM:KvL
3: 1,11;
herzenfroͤd han ich verlorn, / ze grossem leid bin ich geborn
Seuse
397,11;
swaz der mensche mit grôzer arbeit muoz erstrîten, daz wirt im ein herzenvröude
Eckh
3:492,4
MWB 2 1472,19; Bearbeiter: Plate
hërze-, hërzenvrouwe
swF.
stets in der Anrede ‘Herrin des (= meines) Herzens, geliebte Herrin’; an
die Geliebte:
herze frauwe, kvnegin Herb
2687;
nu mîn herzevrowe, nu entrûre niht sô sêre MF:Joh
2:3,1;
herzevrouwe, liebe Îsôt Tr
12016
u.ö.;
sprechent, herzefrouwe mîn, / waz râtet ir ze dirre nôt? KvWEngelh
3320;
miner froͤuden crone, / hertze frowe, daz sint ir JvKonstanz
1079.
– an andere:
[an die Personif. der minne = Gottesliebe:]
herzefroͮwe kúnegin. du hast mich in gotte verleitet, das ich seleklich gebunden
bin Mechth
4: 19,6;
[Jesus zu Maria:] sihe herzevrouwe libe muter, / du
geberest zu der werlde mich Brun
5998;
[die Kaiserin zu ihrer Schwester:] : ach herzenfrouwe,
entsliuz du mir / swaz du gebietest, reiniu fruht KvWPart
14780
MWB 2 1472,29; Bearbeiter: Plate
hërzevrouwelîn
stN.
Dimin. von → herzevrouwe; Gott zur gläubigen Seele:
trut vil libe herzevrouwelin Brun
8666
MWB 2 1472,45; Bearbeiter: Plate
hërzewaʒʒer
stN.
‘Wasser aus dem Herzen’, für die Tränen:
mit herzewazzer si dâ twuoc / ir liehten wängel rôsenvar KvWPart
7960
MWB 2 1472,48; Bearbeiter: Plate
hërze-, hërzenwê
stN.
‘tiefer Kummer, Leid’
die risen schrûwen baz dann ê: / ir innenclîchez herzewê / daz muosten sî dâ sehen
Virg
529,2;
daz git ir dicke herzen we WhvÖst
12788
MWB 2 1472,51; Bearbeiter: Plate
hërze-, hërzenweinen
swV.
‘bitterlich weinen’
daz dû [...] doch vil dicke sæhe / dinen vater unde mich
/ herzeweinen umbe dich AlexiusE
810;
subst.:
groͤzzer iamer vnd clagelichv́ senvnge mit hercen weinen vnde mit
sv́ften DvAStaff
563
MWB 2 1472,55; Bearbeiter: Plate
hërzewêwe
swM.
‘Herzweh’
[das Fruchtfleisch der Zitrone] gibit gelust zezzin vnde
senftit den herce wewen SalArz
15,5;
u.ö.
MWB 2 1472,60; Bearbeiter: Plate
hërzewol
Adv.
‘überaus gut’
diz leit [der Liebe] ist liebes alse vol,
/ daz übel daz tuot sô herzewol Tr
116
MWB 2 1472,63; Bearbeiter: Plate
hërzewunne
stF.
‘große Freude, Lust’
daz des got nien wolde, / daz ich dehein herzewnne / noh liep mit
kinde gew̌nne Wernh
D 741;
durch liebe leit, / durch herzewunne senedez clagen
Tr
213;
wie einer frowen süezer munt / einen minne gernden man / mit herzen wunne erzünden
kan UvLFrd
658,2;
dich, minen schepher, minen herren, minen got, minen loͤser, ach,
und alle mine vroͤde und herzenwunne Seuse
215,2
MWB 2 1473,1; Bearbeiter: Plate
hërzicheit
stF.
‘Liebe, Güte’
daz wir so wenik achten [...] unsers herren Jesu
Cristi armutez, kuzekeit, gehorsam und hercekeit HlReg
13,4
MWB 2 1473,10; Bearbeiter: Bohnert
hërziclich
Adj. , -lîche,
-lîchen
Adv.
überw. herzec-, auch herzenc- (z.B.
UvTürhTr
1535(La.).
2985(La.);
KvWSilv
919(Hs.);
WhvÖst
11560.
18729;
Yolande
2884
).
1 Adj., nur attr. 1.1
‘dem Herzen nahe, innig geliebt’ , von Personen 1.2
‘ von ganzem Herzen empfunden/ kommend, innerlich gefühlt, zutiefst
empfunden, innig’
2 Adv. ‘von ganzem Herzen; im Innersten; ganz und gar, sehr’
2.1 ein Verb näher bestimmend 2.2 ein präd. Adj. näher bestimmend 2.3 ein Adv. näher bestimmend
1
Adj., nur attr.
1.1
‘dem Herzen nahe, innig geliebt’, von Personen:
sin herzecliches wip RvEWh
15237;
liep:
SM:UvS
12: 1,5;
[Anrede an Gott:] ach herzkliches guͦt
Seuse
11,9
1.2
‘ von ganzem Herzen empfunden/ kommend, innerlich gefühlt, zutiefst
empfunden, innig’
der nie nôt nach herzeclicher liebe erleit SM:UvS
8: 1,5;
RvEGer
4601;
do den gelieben baiden [...] /
das herzecliche liep geschach / das ietweders das ander sach
RvEWh
13389;
ich habe ir [...] verjehen /
herzeclîcher minne MF:Mor
21: 4,2;
LobGesMar
22,14;
daz man [...] / got und den
næhsten minne / von herzeclîchem sinne RvEBarl
10888.
6078;
vröude:
MF:Reinm
51a: 1,1.
–
leit:
Tr
13850;
RvEGer
1403;
nôt:
MF:Reinm
17: 1,3;
KvWPant
220;
pîn:
RvEWh
14312;
KvWHerzm
240;
riuwe:
Flore (P)
4934;
swære:
RvEWchr
7970;
SM:UvS
9: 3,7;
mîn herzeclîche wunde KvWTroj
21358.
–
diz was ir herzechliche klage RvEWchr
6288;
mit herzklichem súfzene Seuse
48,5;
weinen:
ebd.
50,15;
wuof:
WvRh
9813.
–
von herzeclichen dingen, / diu ê wâren den
[Liebenden] geschehen KvWHerzm
14;
gelust:
KvWTroj
9159;
gir:
Flore (P)
4829;
RvEWchr
6180;
triuwe:
SM:UvS
12: 4,9;
tugent:
Mechth
1: 37,3;
mit einer inner herzklichen venje
Seuse
37,8;
gebet:
Tauler
95,29
2
Adv. ‘von ganzem Herzen; im Innersten; ganz und gar, sehr’
2.1
ein Verb näher bestimmend:
die ich sô herzeclîchen meine MF:Reinm
33: 5,1;
swer herzeclîche minnet MF:Mor
15: 1,1;
Flore (P)
1793;
daz ich sô herzeclîche / bin an sî verdâht MF:Mor
22: 1,5.
–
klagen:
Wernh
A 426;
jâmern:
RvEBarl
15503;
weinen:
Wernh
D 485.
–
swenne si mit spiegelliehten ougen / in geblicket
tougen / herzeclichen an KvWLd
31,111;
wil er [Sünder] buzen
herzekliche Wernh
D 2570;
des beginnet er muoten / und herzeclîche gern Flore (P)
4801;
RvEBarl
6595;
der zwîvel mich ie herzeclîchen twanc RvZw
24,5;
SM:UvS
19: 6,2;
ir vil spiegelliehten ougen / hânt versêret mich /
herzeklîch SM:HvStr
2: 4,3;
fur daz kint und die meit / vîelen sie herzekliche
Wernh
D 4629
2.2
ein präd. Adj. näher bestimmend:
nun ist mir / niht herzeclîche liep wan ir
Tr
13874;
MF:Reinm
5: 1,2;
leit:
ebd.
37: 4,1;
RvEBarl
5514;
div Marien schidunge / têt in herzeclichen we
Wernh
D 2167;
ErnstB (W)
3850;
vrô, geil:
UvZLanz
2249;
RvEBarl
10527
2.3
ein Adv. näher bestimmend:
diu merwunder [...] gehabent sich also hertzklich
übel das recht die liute erschrekken möchten PrWack
68,150;
ain iegleich hailiger lêrer
[...] plüet herzecleichen schôn in tugenden und in
werken reht als ain wolgeladen mandelpaum in dem maien BdN
63,26;
dar umbe sprichet unser herre herziclîche wol, daz
[...]
Eckh
5: 117,22
MWB 2 1473,13; Bearbeiter: Bohnert
hërzicliep
stN.
‘Herzensfreude, innige Freude’
wurde ieman herzecliebes vro / dem liep nach laide si
geschehen RvEWh
13362
(l. herzeliebes? vgl. App. z.St. und
ebd.
13371
)
MWB 2 1474,7; Bearbeiter: Bohnert
hërzklopfen
stN.
‘Herzklopfen’
daz hertzklopfen [der Reue] und sin
selbes von bitterm hertzleid vergessen Seuse
453,14
MWB 2 1474,11; Bearbeiter: Plate
hërzlîcheit
stF.
‘inniges Gefühl, Empfindsamkeit’
o du aller schoͤnstú liehtrichú ewigú wisheit, min sel hat
hinaht nach dir belanget, und nu an disem morgen fruͤ in der herzlicheit mines geistes
bin ich zuͦ dir, min lieb, erwachet Seuse
395,22
MWB 2 1474,14; Bearbeiter: Plate
hërzlîden
stN.
‘Kummer, Seelenqual’
owe got, du erkennest allein herzliden und herzennot
Seuse
48,17
MWB 2 1474,19; Bearbeiter: Plate
herzoge
swM.
1
‘Heerführer, Truppenführer, Feldherr’
2
‘Herzog, Reichsfürst, Landesherr’ als Standesbezeichnung (zur geschichtl.
Entw. des Standes im Hochma. vgl. 2 HRG 2,993-1003; differenziertere
Belegdokumentation WMU 1,846f.); in Erzähllit. oft auch anachronistisch.
1
‘Heerführer, Truppenführer, Feldherr’
in rate si do waren / wa si einen herzogen namen / do funden
si under der menige / ze troste deme herige / einen uil guten
man [Josua]
VMos
67,16;
die Etymol. des gemeingerm. Kompositums (Etymol.Wb.d.Ahd. 4,981f.) war noch
durchsichtig:
her [Jesus] was ouch [in gewisser
Weise] herzoge, do er dem her gezogete vuͦr [als er
der Volksmenge auf seinem Weg nach Golgotha voranging]
Rumelant (K)
5:5,6
(vgl. Komm. z. St. mit weiteren Belegen und Lit., auch zur lat. Entspr.
dux = ductor exercitus, Isidor, Etym. 9.3,22); daher bei Bezug auf
Kriegführung und in Erzähllit. oft nicht deutlich zu trennen von
2
‘Herzog, Reichsfürst, Landesherr’ als Standesbezeichnung (zur geschichtl.
Entw. des Standes im Hochma. vgl. 2HRG 2,993-1003; differenziertere
Belegdokumentation WMU 1,846f.); in Erzähllit. oft auch anachronistisch.
– in formelhafter Nennung der weltl. Fürstenstände:
daz waren fursten wol gezogen, / kvnige, grauen vnde
herzogen Herb
3298;
Wig
7824;
UvZLanz
7769;
Parz
5,17;
Constantin mit scalle was / an deme Poderamis houe / mit
gravin vnde mit herzogin / vnde mit vrigin herren Roth
894.
– Titulatur (vgl. DRW 5, 885-887):
uz Sahsenlant herzoge Albreht, / der was der fürsten lere,
/ er kunde unfride wol machen sleht Tannh
6,118;
Angabe des Herzogtums sonst meist mit von / ze, oft in
Verbindung mit dem Fürsten- oder Herrentitel:
als do gelobt wart den fvrsten, hertzogen Ludweigen vnd hertzogen
Hainreichen van Payren UrkCorp (WMU)
2306,22;
min herre, herzog Albreht von Oͤsterrich ebd.
1104A,47;
von minen herren, den hertzogen ze Bayrn ebd.
1364,20.
– in der Anrede:
Tristan [...] sprach zem
herzogen zehant: / herzoge hêrre, sît gemant / der triuwen unde der sicherheit,
/ [...] alse ir lobetet wider mich. / Gilân sprach:
hêrre, daz tuon ich / vil harte gerne Tr
16218
MWB 2 1474,22; Bearbeiter: Plate
herzogelîn
stN.
‘kleiner Herzog, Herzog einer kleineren Herrschaft’
ob der herzogelîn / noch als vil solden sîn, /
[...], / der einige man [
der furst ûz Ôsterrîch
] / vermoht sich baz an dem muote / an êren und an guote / denne si
Ottok
69188;
die ze Pôlân gesezzen sint, / herzogelîn, / heizent die von
Teschîn, / des einen tohter er [Wenzel von Böhmen] nam. / ze
so hôher krôn diu niht gezam ebd.
89057
MWB 2 1474,61; Bearbeiter: Plate
herzogentuom, herzentuom
stN.
auch -zoge-
PrBerth
1:362,36;
HistAE
839;
-zog-, -zoc-
RvEWchr
6961;
EnikWchr
19030.
HvNstAp
20453;
-och-
AvaA
2,3;
-ich-
BraunschwRchr
620.
– stM.
WälGa
3420.
– im UrkCorp nur 3 Stellen (2× herzentuom, 1×
herzogtuom). –
1
‘Herzogswürde, herzogliche Herrschaft’ und ‘Herrschaftsgebiet eines
Herzogs’ (zu unterscheiden i.d.R. nur, wenn räuml. Angaben zum gemacht werden) 2
‘Führerschaft’
1
‘Herzogswürde, herzogliche Herrschaft’ und ‘Herrschaftsgebiet eines
Herzogs’ (zu unterscheiden i.d.R. nur, wenn räuml. Angaben zum ~ gemacht
werden):
den strît den gescieden si alsus, / daz der chaiser der
Franken herzentuom / gab dô ûf das bistuom. / swer den gewalt besizzet, / daz er in
iewederem taile rihtet, / er ist herzoge unt biscof Kchr
16220;
dar zuo nim ich mîn herzentuom / von dir Parz
266,29;
daz herzentuom [...] lêch er dem
grâven Môrâl Wig
11177;
daz herzogentuom ze Kant / solt dû von mir enphâhen RvEGer
6168;
und ist daz herzogentuom / und al sîn fürstlicher ruom / mit ein ûf iuch
gevallen [vom Vater nach seinem Tod]
KvWEngelh
1345.
1415;
er brâht die marcgrâfschaft in Österrîch / zuo einem werden
herzogentuom EnikFb
959;
die leienfursten [...], / den
herzentum sint benant Ottok
41334;
funf herzentum jehen / der lande von im [dem
König] ze lêhen ebd.
41381.
–
marche unde bistuom, grascefte unde herzochtuom
AvaA
2,3;
ûz manegem wîtem herzentuom Wh
379,2;
nu was ein herzentuom gelegen / zwischen Britanje und
Engelant Tr
18686;
Venedie dú riche, / das engeste herzogintuͦm / das ie
gewan so hohin ruͦm RvEWchr
2956;
der herzoge in sînem herzogetuome PrBerth
1:362,36;
in dem hertzentuͦm von Bairen UrkCorp (WMU)
3217,31.
2
‘Führerschaft’
daz herzogetum von Moise HistAE
839
MWB 2 1475,6; Bearbeiter: Plate |