hërzelust
stM.
auch herzen- (
EbnerMarg
109,10;
Seuse
495,11
).
‘herzliches Wohlgefallen’
dân gât niht guotes muotes van, / dân lît niht herzelustes
an: / ir rede ist niht alsô gevar, / daz edele herze iht lache dar Tr
4680;
alles daz, daz zuͦ sunderlicher minne und liebi und ze ganzem
herzluste din herze bewegen kan Seuse
224,6;
ich [...] sihe es mit begirlichem
herzluste ebd.
232,2.
–
nâch ~
‘wie es beliebt, nach Gutdünken’
war umbe er [Gott] sich sinen
vrúnden dik nah herzluste enzúhet Seuse
230,23.
325,4
MWB 2 1464,54; Bearbeiter: Bohnert
hërzeminne
stF.
‘herzliche, innigste Liebe’
herzeminne ist des erkant, / daz [dass
das] herze ist rehter minne ein pfant Parz
365,3;
ez sî wîb oder man, / die krenket herzeminne / vil dicke an
hôhem sinne ebd.
365,9;
daz er herzeminne / truoc sîner vîendinne Iw
1541;
wie herzeminne und bitter haz / ein vil engez vaz besaz
ebd.
7042;
sîn wundez herze fraz / sorg und der herzeminne rôst KvWPart
7167;
MarienklUVr
1397.
– als Anrede einer Person
(nach roman. Muster, vgl. Anm. zu
MorantGalie
857
):
Florette, hertze mynne, / sich, we wael steet eme syn kynne
KarlGalie
4381.
4395.
9814;
MorantGalie
857.
4708.
– Zweikampf als Liebesspiel:
hie huop sich herzeminne / nâch starkem gewinne. / si minneten sunder bette: /
diu minne stuont ze wette, / sweder nider gelæge, / dem wart der tôt wæge
Er
9106
(s.a. Bech, Er. z.St.: „heiße Kampfbegierde”)
MWB 2 1465,1; Bearbeiter: Bohnert
herzen
swV.
zu harz stNM.
1
‘etw. mit Harz bestreichen oder ausgießen’
2 etw. mit etw.
~
‘etw. mittels Harz an etw. ankleben’ , übertr. ‘fest verbinden,
befestigen’
1
‘etw. mit Harz bestreichen oder ausgießen’
ein gehertztez vaz BvgSp
14
2
etw. mit etw.
~
‘etw. mittels Harz an etw. ankleben’, übertr. ‘fest verbinden,
befestigen’
[Gott] geschuof der erde ein punt: / daz heizet ouch ir
centrum. / gegen dem firmamentum / ez von natûre strebt. / daz ertrîch dar an klebt
/ als îsen an dem magnêt. / in mitten ez dar inne stêt: / als vast diu erde swæret
nider, / als sêr ziuht ez ze berge wider / und habt sich an daz ärzet
[Erz] , / dâ#. mit ez ist gehärzet, / daz ez niender
wenket Georg
3930
MWB 2 1465,19; Bearbeiter: Bohnert
hërzen
swV.
1
‘jmdn./sich mit einem Herzen versehen’ , bildl., 2
‘jmdn. ermutigen, jmdm. Mut machen’ (vgl.
hërze swN. 4.8 ) 3
‘ jmdn. mit Einfühlungsvermögen versehen, jmdm. feines Gefühl geben’ (vgl.
hërze swN. 4.2 ) 4
‘jmdn. mit Verstand, Einsicht versehen’ (vgl.
hërze swN. 4.4 ), Part.-Adj.
1
‘jmdn./sich mit einem Herzen versehen’, bildl.,
auf die Gesinnung, die Wesensart bezogen (vgl. →
hërze swN. 4.7):
ein munt von rîchen worten vol, / dâ bî ein îtal herze
[...]; / dâ sint die hende müezic bî; des lîbes wolt
ich schamen mich. / der alsô gehant, geherzet wære, / gât ûz, her Lîp, ir sît niht
minnebære! RvZw
117,7.
– refl.:
swâ sô daz wîp ir wîpheit / unde ir herze von ir leit /
und herzet sich mit manne [nimmt das Herz eines Mannes
an]
Tr
17981.
– hier anschließbar:
diz leit ist liebes alse vol, / daz übel daz tuot sô
herzewol, / daz es kein edele herze enbirt, / sît ez hie von geherzet wirt
Tr
118
(oder zu 2, vgl. Tr (BG) z.St.)
2
‘jmdn. ermutigen, jmdm. Mut machen’ (vgl. →
hërze swN. 4.8):
swie gar der küene Tristan / manlîches herzen was ein man, /
doch wizzet sicherlîche, daz / in noch verre herzte baz / die blunde künigîn Isôt
HvFreibTr
1624;
daz ir keinen man / niht muget geherzen hier an, / daz er
[...] / getürre [...] vehten
Tr
6148;
dâ wurden sô geherzet von / die Kriechen gegen der freise
KvWTroj
43538.
– Part.-Adj., ‘mutig, beherzt’
waz der geherzete man / und der gestandene muot / durch
liebes wîbes willen tuot Tr
9224;
derst ein geherzet man zer nôt ebd.
11333;
sô was der man geherzet wol / und ouch daz herze muotes
vol HvFreibTr
1651;
ir geherzet herze RvEAlex
12201.
3522.
4238;
subst.:
als ie die wol geherzten tuont RvEAlex
2640;
an manheit di geherzten JTit
702,4
3
‘ jmdn. mit Einfühlungsvermögen versehen, jmdm. feines Gefühl geben’ (vgl. →
hërze swN. 4.2):
wîbes name ist ein gewin, / der mannes namen und werden man /
an herzenvreuden herzen kan RvEBarl
11830.
– Part.-Adj.:
geherzet herze RvEBarl
11831
4
‘jmdn. mit Verstand, Einsicht versehen’ (vgl. →
hërze swN. 4.4), Part.-Adj.:
‘hort mich, gehertzte lute [
viri cordati Iob 34,10] !’ / by dem herzen man
[...] nymit / di vernumpht Hiob
12762
MWB 2 1465,31; Bearbeiter: Bohnert
hërze|nabele (?)
swM.
‘Mitte des Herzens’
gegen dem hercen [La. gegen then herze nauelen
‘mitten auf das Herz’
] er in erchos Rol
4631
(App. z.St.: „nauelen wohl als Glosse oder Ersatz für
herze übergeschrieben”)
MWB 2 1466,5; Bearbeiter: Bohnert
hërzenandâht
stF.
‘Andacht des Herzens’
liplichú kestung und herzenandaht und von den lúten fliehen
gebirt kúnschkeit Seuse
105,1
MWB 2 1466,10; Bearbeiter: Bohnert
hërzenbegirde
stF.
‘Verlangen des Herzens’
dar na trat er mit herzenbegirde dar
[...] und bat si [Maria] , daz
si im daz kindli zogti und im daz och ze kússen erlopti Seuse
30,2
MWB 2 1466,13; Bearbeiter: Bohnert
hërzenbrëche
Adj.
→
hërzebrëchende
MWB 2 1466,17;
hërzendiemuot
Adj.
‘ein demütiges Herz habend’, subst.:
heilgen und herzen demut, / pris, lob, ere, wirde tut / dem
grozen gote heren! [
benedicite, sancti et humiles corde, Domino Dn 3,87]
Daniel
1509
(s.a. Glr. z.St.)
MWB 2 1466,18; Bearbeiter: Bohnert
hërzendorn
stM.
‘Stachel des Herzens’
eya, zorn, hertzen dorn, / unverlorn ist dir erchorn / des
tewfels herberg Vät
41123
MWB 2 1466,23; Bearbeiter: Bohnert
hërzenen
swV.
‘jmdn. ermutigen, jmdm. Mut machen’
(vgl. →
erhërzenen
[auch be-
Tr (M)
11337(La.)
] und →
hërzen
2):
daz ir keinen man / niht muget geherzen [La.
geherzenen
] hier an, / daz er [...] / getürre
[...] vehten Tr (M)
6152.
– subst. Part. Prät.:
an manheit di geherzten [La. geherzenten
]
JTit
702,4
MWB 2 1466,26; Bearbeiter: Bohnert
hërzengelust
stF.
‘Freude’
daz si mit herzengeluste / sîne füeze kuste / und mit ir zehern
betwuoc Ottok
49669
MWB 2 1466,32; Bearbeiter: Plate
hërzenhalp
Adv.
‘am Herz’
durh daz was herzenhalp sîn brust / wol hende breit gesunken /
und sîn vreude in riuwe Wh
177,12
MWB 2 1466,35; Bearbeiter: Plate
hërzeniftel
swF.
‘herzensliebe niftel ’
sich, sprach diu guote künigîn, / Brangæne, herzeniftel mîn
Tr
10372.
12126
MWB 2 1466,38; Bearbeiter: Plate
hërzenjâmer
stM.
‘tiefes Leid’; Liebeskummer:
mich hât gar überwunden / sendes herzenjâmers klage, / die ich verborgen nâch ir
trage RvEGer
4029;
das Leiden Jesu:
o menschen sele, nu erschrik! / siech an dez hertzen jamers
strik! HvNstGZ
3004
MWB 2 1466,41; Bearbeiter: Plate
hërzenkint
stN.
‘geliebtes Kind’
so muͦst och du min liebs kindli sin. ach herzenkind mins!
Seuse
122,2.
122,11
MWB 2 1466,46; Bearbeiter: Plate
hërzenkîp
stM.
‘bittere Feindseligkeit’
uss hertzen kib / stach [
er
] ain schwert durch sinen lip KvHelmsd
1271
MWB 2 1466,49; Bearbeiter: Bohnert
hërzenkleinôt
stn
‘Schmuck auf dem Herzen’ (Tätowierung ‘Jesus’):
do waz er im der bet gnuͦg, und zerliess den rok ob dem herzen
und liess in daz herzenkleinet sehen nah aller siner begirde Seuse
143,26
MWB 2 1466,52; Bearbeiter: Plate
hërzenmarc
stN.
‘das Innerste des Herzens’
die slege [des Gewissens]
[...] smerzen durch daz herzenmarc HeslApk
20653
MWB 2 1466,57; Bearbeiter: Plate
hërzenminniclich
Adj.
‘dem (relig.) Empfinden/ Denken wohlgefällig, angenehm’
nu prüef die herzenminnicleichen geleichnüss
BdN
346,13
MWB 2 1466,60; Bearbeiter: Bohnert
hërzenmuot
stM.
‘Herzensgesinnung’
do si ir herzelieben man / vollecliche sahent an, /
[...] si truͦgent holden herzen muͦt / den werden edeln
herren guͦt RvEWh
13925.
–
‘Entschlossenheit, Tapferkeit’
wir sehen manegen werden helt / gegerwet wol in ringen, / von herzenmuot gar
ûz erwelt Virg
556,9
MWB 2 1466,63; Bearbeiter: Plate
hërzenôt
stF.
auch herzennôt.
‘seelische Not’; Liebessehnsucht, -kummer:
ein kus in liebes munde, / [...] ôhî waz
der benæme / seneder sorge und herzenôt! Tr
12357
u.ö.;
ob ich durch mîne herzenôt / dem werden rîter minne bôt
Parz
619,17
u.ö.;
durh minne eines wîbes / er dicke herzenôt gewan Wh
3,7;
KvWHerzm
471;
ob allen froͤden machet wild, / reiner frowen zartes bild; / daz
miden ist herzennot, / und ist als streng alsam der tod Seuse
399,21.
– Trauer um eine geliebte Person:
dô er vernam des bruoder tôt, / daz was sîn ander herzenôt
Parz
92,10;
der heiden craft / lac manic tûwer ritter tôt, / die sûfzic
leit, herzen nôt / gâben wîplîcher werdicheit Kreuzf
7470;
irs zarten frundes smertze / und sin bitterlicher dot / waz
ir ein bitter hertze not HvNstGZ
3696.
– für den Konflikt von Askesevorsatz und Verlangen (hier: Durst):
owe got, du erkennest allein herzliden und herzennot
Seuse
48,18
MWB 2 1467,5; Bearbeiter: Plate
hërzenruowe
stF.
‘Seelenruhe’
so kumestu uff die schoͤnen heide eins goͤtlichen tugenthaften
lebens, da du hertzenruͦwe wirst habent Seuse
459,27;
min vrúnde hein liplich ungemach, und hein aber herzenruͦwe
ebd.
247,12.
503,6
MWB 2 1467,24; Bearbeiter: Plate
hërzensaf
stN.
‘Herzblut’, tautologisch:
daz frisch bluͦt mins herzensafes Seuse
16,35
MWB 2 1467,29; Bearbeiter: Plate
hërzenschouwære
stM.
‘Beschauer, Prüfer des Herzens’ (vgl. cordis speculator
AHeinr
1357
und Lit. z. St.):
lieber got, herre Krist, sît dû der herzen schouwer bist RvEBarl
7408;
herzin scowere, / uor deme des mutis sagirere / sinir tougen njeman
nemah besperren Litan
1
MWB 2 1467,31; Bearbeiter: Plate |