hêresîe
stF.
aus gr.-lat. haeresis.
‘Häresie, Ketzerei’
diu kirche solte niht mit sîmônîe / gemeine hân noch mit der hêresîe
RvZw
128,8;
swer nu sinen shepfer lat, / der beget die eresie
Rennew
5867
MWB 2 1390,1; Bearbeiter: Tao
hereskraft
stF.
→
herkraft
MWB 2 1390,5;
heresmaht
stF.
‘Streitmacht, Menge eines Heeres’
nû was ouch der unreine / allir sînre herismacht / in der
reise sô geswacht, / daz er kegn den brûdrin mê / sich urloigis gar vorzê
NvJer
8997
MWB 2 1390,6; Bearbeiter: Tao
heresvürste
swM.
‘Befehlshaber einer Kriegerschar’
tribunus: heresfuͥrste EvAlem
70 (Io 18,12)
MWB 2 1390,10; Bearbeiter: Tao
hêrgebeine
stN.
‘als heilig verehrte Gebeine, Reliquien’
des fursten hergebeine Elis
5658.
5688.
5925;
von al ir herzen girde / hatte ouch si [...] / der
heligen hergebeine / in ganzer wirdekeide ebd.
8578;
gir si alle waren / daz si daz hergebeine [der
Elisabeth] / [...] solden umme furen, /
kussen unde ruren, / helsen wirdecliche ebd.
10053
u.ö.
MWB 2 1390,12; Bearbeiter: Tao
hërgegen
Adv.
‘hierzu, hierfür’, auf Vorangehendes verweisend:
nu kummet sant Peter und wiset uns also klerlich und
eigenlich weles die bereitunge sint hergegen [d.i. für den Empfang des
Heilgen Geistes]
Tauler
91,21
MWB 2 1390,19; Bearbeiter: Tao
hêrgemuot
Adj.
‘hochgesinnt, von erhabener Gesinnung’, von der hl. Elisabeth gesagt:
die frouwe hergemuͦt Elis
7813;
von deme selben gude, / daz di hergemude / nach ir widemen gnade / zu gelde
enpangen hade / von fursten Heinriche, / di frouwe selecliche / was mit flize wol
gereit / zu milter barmeherzekeit ebd.
7898.
8125
MWB 2 1390,24; Bearbeiter: Tao
hergente
3. Sg. Prät.
→
erginen
swV.
MWB 2 1390,31;
hergeselle
swM.
1
‘Kampfgefährte’
2 allgemeiner 2.1
‘Kämpfer, Krieger’
2.2
‘Gefährte, Begleiter (bes. bei einer Reise)’
1
‘Kampfgefährte’
min sun habet ir ze hergesellen Rol
8036;
dar sult ir mich ze helfe unde mînen hergesellen hân
NibB
1846,4;
Turnûs in die borch sprank / mit funfzich heliden snellen / sîner hergesellen
En
7184.
9172;
ir tragt zwei keisers ellen: / des arn tugent, des lewen craft, / die sint des
hêrren zeichen an dem schilte. / die zwêne hergesellen, / wan woltens an die
heidenschaft, / waz widerstüende ir manheit und ir milte? Walth
12,27;
Diwan, der Bartin houbitman, / [...]
und Linke ein Pogezên, / dî hergesellin [...], / reisetin
in Colmerlant / mit eime here grôz irkant NvJer
13774.
5467;
Kudr
581,3.
873,4;
Alph
51;
Ottok
63031;
GTroj
5543.
5826.
– mit Adj.-Attr.:
sin lieber hergeselle Rol
4127
u.ö.;
StrKarl
10235;
Helbl
7,731;
der getriuwe hergeselle Iw
6746;
zwene alte her gesellen / sin wir mit ein ander beide
Rennew
16138;
die stolzen hergesellen NibB
377,3;
vil [...] der starken
hergesellen mîn EnikWchr
10939;
die bœsen hergesellen Helbl
7,608
2
allgemeiner
2.1
‘Kämpfer, Krieger’
[Hector zum gefallenen Gegner: ] arme hergeselle, /
var hine zv der helle / vnde warte, wie ez da ste Herb
7525;
durch den selben her gesellen [gemeint
Rennewart] / bin ich [Baldewin, der Rennewart
sucht, um gegen ihn zu kämpfen] uͤber mer komen
Rennew
952;
wie der stritt ergie: / die starken herr gesellen hie /
zer tratten blümen unde cle GTroj
9072;
UvZLanz
696;
HvNstAp
3169
2.2
‘Gefährte, Begleiter (bes. bei einer Reise)’
ich wil uns
hergesellen [Jagdgefährten] guoter kurzewîle wern
NibB
947,1;
in vil rîchiu kleider was der bote komen / und sîne
hergesellen ebd.
1179,3.
1439,3.
745,3;
die zwen her gesellen bald / iltten da für den wald
GTroj
6489.
6861;
LS 36
2;
LS 258
7.
– übertr.:
swenne ich liebe und senede clage / vür mîniu ougen
breite / und ir gelegenheite / in mînem herzen ahte, / sô wahsent mîne
trahte / und muot, mîn hergeselle, / als er in diu wolken welle
Tr
12207
MWB 2 1390,32; Bearbeiter: Tao
hergesidele
stN.
Ansatz unsicher, Belege und Bed. s. →
hêrgesidele
MWB 2 1391,7; Bearbeiter: Tao
hêrgesidele
stN.
‘Sitz für Vornehme, Ehrensitz’
diu künigin nam in [...] / und sezt in ûf ir
hêrgesidel Georg
2481;
dar inne [im Himmel] bruofte
[erblickte] si für wâr / zwei hêrgesidel wunniclîch,
/ und dâ bî zwô liehte krône rîch ebd.
4665
(vgl.
hêrstuol ebd.
4669
).
– hierher oder zu hergesidele stN. ‘Sitze für das Gefolge’
vil manic hergesidele mit guoten tavelen breit / vol spîse
wart gesetzet NibB
605,1
(vgl. Heinzle, Nib. z.St.);
vil manic hergesidele man dô rihten began ebd.
775,4
MWB 2 1391,9; Bearbeiter: Tao
hergesinde
swM.
‘Dienstmann im Krieg’, hier ‘Gefolgsmann, Reisegefährte’
mit den hergesinden si giengen in den sal, / dâ si den künic
funden bî manigem küenen man NibB
1185,2
MWB 2 1391,19; Bearbeiter: Tao
hergesinde
stN.
‘Gefolge, das zum Heer gehört’
ist iu iht bekant / umbe ein hergesinde, daz kom in ditze lant?
Kudr
1235,3.
–
‘Gefolge’
mit dem hergesinde si giengen in den sal NibC
1209;
nu dringet dort her swinde / daz edel her gesinde: / aller
der werlte vater Adam / und die muter Eva alsam / und nach in manig heilig man
HvNstGZ
4786
MWB 2 1391,23; Bearbeiter: Tao
hêrgesinde
stN.
‘vornehme Gesellschaft’
durch lust unde umme ritter spil / daz hergesinde komen was / uf in des
fursten palas Elis
2619
MWB 2 1391,30; Bearbeiter: Tao
hergeverte
swM.
‘Kampfgefährte’
er mûte eine al daz her / der Prûzin alsô sêre, / daz dî
widirkêre / sîne hergevertin nâmin / und zu manheit widir quâmin / und bestrittin
andirweit / dî vîende dô mit vreidikeit NvJer
11911
MWB 2 1391,33; Bearbeiter: Tao
hergewæte, herwæte
stN.
‘Kriegsausrüstung’
so spricht Isâias: / ‘ [...] der
gerechte was / mit eime halsberg an geleit / und mit der gerechtikeit / und ûf sîme
houbte stûnt / der helm des heilis [...].’ / ô wî sichir
macht dû stân, / in strîte, ob dû angetân / mit disem hergewête bist
NvJer
3002;
dî brûdre in ir hergewête ebd.
3585.
– als erbrechtliches Sondervermögen (vgl. LexMA 4,2007):
sô sal die vrowe zu herwête ires mannes [nach seinem
Tod] gebn ein swert, und daz beste ors oder pfert gesatelt, und daz
beste harnasch [...]; dar nâh sal sie gebn einen herphule,
daz ist ein bette und ein kussen und ein lînlachen, und ein tischlachen, zwei
beckene unde twêlen: diz ist ein gemeine herwête zu gebene und recht SSp
(W)
1:22,4;
swâr die sune binnen iren jâren sin, ir eldere ebeneburtige swertmâc nimt daz
herwête alleine, und ist der kindere vormunde dar an ebd.
1:23,1.
1:22,5.
1:27,2;
UrkCorp (WMU)
51(3),15,19,30;
StRNaumb
310;
hergewete StRGörlitz
458
(a. 1304);
weitere Belege s. DRW 5, 520-523 und 537f.
MWB 2 1391,38; Bearbeiter: Tao
hërgezogen
Part.-Adj.
von einem Wort, ‘entlehnt’
apocalipsis ist ein wort / uz krichischen worten her gezogen
HeslApk
341
MWB 2 1391,59; Bearbeiter: Tao
hergot
stM.
→
hêrregot
MWB 2 1391,62;
hergrâve
swM.
1
‘Heerführer, Feldherr’
2
‘Scharfrichter im Heer’
1
‘Heerführer, Feldherr’
Joab was [...] / hergreve der ritterschaft
HistAE
2234;
David nam / zu hergreven Amasam ebd.
2238;
daz in der keiser [...] vor allen
herren uz las / und machte zu hergreven in Vät
36721;
unde hatten [...] / einin vrechin
jungelinc / zu hergrêvin irlesin, / der dâ solde vorwesin / mit urloige ir rote
NvJer
20642.
20561.
6949.
26885;
Macc
13840.
13019;
Pass III
247,70.
592,12.
681,10;
MarcoPolo
42,17
2
‘Scharfrichter im Heer’
sime hergreven er do gebot, / daz er sie ime alle vinge / unde
vil redelichen hinge GrRud
Cb 31
MWB 2 1391,63; Bearbeiter: Tao
herhaft
Adj., Adv.
1
‘als Heer, bewaffnet und scharenweise’
2
‘in Scharen’
3
‘groß, zahlreich (wie ein Heer)’
1
‘als Heer, bewaffnet und scharenweise’
die moͤre von Etiopia / bestuͦnden mit urlúge sa / die von
Egipte mit kraft / und rittens an herhaft / untz an Menphin die stat
RvEWchr
9193;
als er die sinen wichen sach / allenthalben herhaft / von der
Franzoser úberkraft RvEWh
1325.
9104;
sie drungen ie dar und dar / mêre und mêre herhaft / ie mit
wahsender kraft / mit stolzen helden jungen / biz sie sie [die
Verteidiger] überdrungen RvEAlex
9281.
13840.
– in geistl. Sinne:
ich nehan necheine craft / wider die mich herehaft / ane
vehtent tegelichen / unde mich des ewigen riches / vil gerne bestiezen
SüklV
801
2
‘in Scharen’
hie mite kam al diu ritterschaft / zuo gedrungen herhaft /
und gruozten die geste Tr
11168.
4024;
KvWTroj
18246;
RvEWh
6148;
sus gâhten [...] herhaft unde in
maneger schar / die armen und die rîchen dar [in die
Kirche]
RvEBarl
13593;
KvFuss
1054;
Brandan
1064.
– hierher oder zu
heithaft
:
daz lantvolc zoch dar [zum Leichnam des hl.
Servatius] herhaft [Anm.z.St.: „viell. ist
hæithaft, d.h. in geistlicher Weise, in Prozession, zu lesen,
vgl. Vers 460”]
Serv
1680
3
‘groß, zahlreich (wie ein Heer)’
ir zweier geselleschaft / diu was in zwein
[Tristan und Isolde] sô herehaft, / daz der sælige
Artûs / nie in dekeinem sînem hûs / sô grôze hôhgezît gewan Tr
16860
MWB 2 1392,10; Bearbeiter: Tao
hërheim
Adv.
‘hierher nach Hause, in die Heimat’
als ich si [...] brâhte dan / ûf diz selbe hûs her
heim Er
9482;
daz Heinrich unsir eldeste son, der iczunt ussewendig landis ist, wanne der
her heim zu lande komt, daz her [...] in die stad zu
Erforte komen sal UrkErf
2,185
(a. 1343);
UvZLanz
7255;
NüP
143.
–
her- bezieht sich auf den Standpunkt, den der Erzähler einnimmt:
dô starp her an dem mer in einer stat di heizet Prandîs. sîn gebeine wart her
heim gefurt und liget zu sancte Geôrgental HvFritzlHl
244,9;
bruoder Egen der fruot / brâht hantveste guot, / die die
[...] Bêheim / alle heten her heim / dem fursten ze
lant / bî im gesant Ottok
93468.
2813.
85397.
– übertr.:
[Brünhild über Kriemhild:] daz ir vreude ir wart benomen,
/ daz ist mir nû her heim komen [hat nun mich selbst
getroffen]
KlageB
3984
MWB 2 1392,37; Bearbeiter: Bohnert
hêrheit
stF.
auch hereit.
1
‘Herausgehobenheit, Erhabenheit, Herrlichkeit’
1.1 bezogen auf weltl. und geistl. Herrscher 1.2 bezogen auf Gott, Engel 2 als Ausdruck der herausgehobenen gesellschaftlichen Stellung: ‘Pracht, Pomp,
Üppigkeit’
1
‘Herausgehobenheit, Erhabenheit, Herrlichkeit’
1.1
bezogen auf weltl. und geistl. Herrscher:
ouh wâren kuninge creftich / hêr unde mehtih / ubir manige
diet gwaldich, / ir hêrheit manicfaldich SAlex
56;
daz es mengem hohen wirdigen menschen alle sin herheit
hat ab geleit Seuse
363,12;
kint mins, so stant húte uf, und gib uf din herheit und
den verborgnen úbermuͦt diner liplichen edli und herheit diner frúnden ebd.
421,8.
– Ggs. ôtmüeticheit (‘Niedrigkeit’), niderkeit,
verworfenheit:
[Gott,] de dich hat gemachet beide her inde
otmuͦdich! / an diner selen liget dine hereit, / an deme lichamen dine
otmuͦdicheit. / du in mohtes nimer baz geschaffen sin Lilie
25,27;
na dissen dingen in sal man nit mirken der herheit noch der niderkeit
von ir ielicher crankkeit BrEb
34;
diser minne [= der minne der ewigen
wîsheit
] trunckenheit hat an allen userwelten menschen alle herheit,
edelkeit, zartheit, frúnd und guͦt verkeret in ein verworfenheit
Seuse
421,2.
– moralisierend im Wortspiel mit hêre, herre:
swâ abe untugent herren muot versêret, / dâ hât herren lîp den herren
namen gunêret. / unhêr sî herre des hêrheit man nû siht / ûf schanden phat
in laster wîchen Sigeher
13,7
1.2
bezogen auf Gott, Engel:
Jêsus sprach: wir wonten in der hêrheit / ünser drîvaltecheit, / in der
wir iez sîn wonhaft / in götlîcher magenkraft WvRh
6888.
11025;
daz du [Gott] nieman nút
schuldig noch gebunden siest von diner grossen herheit Seuse
84,20;
want da [bei Gott] sal du vinden die overste
hereit, / die suͦziste walegelust, die uncegencliche richeit
Lilie
48,15;
dâ mite ich enbreche niht ienen [Engeln] ir
hêrheit; / sie haben vil grôze werdicheit Kröllwitz
1439
2
als Ausdruck der herausgehobenen gesellschaftlichen Stellung: ‘Pracht, Pomp,
Üppigkeit’
das pavilune was so herlich [...].
[...] des wundert sich des koniges volck fast sere,
wann sie nye me so groß herheit gesehen hetten Lanc
288,2;
wenn denn sîn [des siegreichen, heimkehrenden
Konsuls] kunft wart Roͤmern kunt, / si huoben sich ûf sâ ze stunt
/ und zogten im engegen mit hêrheit / und wârn ze empfâhen in bereit / mit
lobelichem schalle Ammenh
9599;
[der Engel zum Christenkaiser: ] du kumest her geritten
mit hoher herheit mit dem crúce, und der hie an starp, der wart mit grosser
smocheit und lastere hinnan us getriben und truͦg es uf sime rúggen barfuͦs
Tauler
353,19;
vor dem herren Tytô wart bereit / ein tisch mit grôsser hêrheit
Ammenh
15176.
16565
MWB 2 1392,54; Bearbeiter: Tao
hërhinder
Adv.
1 den nachgeordneten Rang bezeichnend ‘nach hinten, danach’ ,
~ setzen
‘hintansetzen, aufschieben’
2 das Unterschreiten einer bestimmten Menge bezeichnend: ‘darunter’
1
den nachgeordneten Rang bezeichnend ‘nach hinten, danach’,
~ setzen
‘hintansetzen, aufschieben’
swelich auch er vnder den vorgenanten sachen vor oder nach wil verrihten od
hin fuͤr od herhinder setzen, dez hat er gantzen gwalt UrkCorp (WMU)
1693,28
2
das Unterschreiten einer bestimmten Menge bezeichnend: ‘darunter’
wir sprechen, daz ein man wol nôtwer
pringen [beweisen] mach, er selb dritte und herhinter
nicht RbRupr
14
MWB 2 1393,40; Bearbeiter: Tao
herholt
stM.
→
herolt
MWB 2 1393,50;
herhorn
stN.
→
herehorn
MWB 2 1393,51; |