hove|stetære
stM.
‘Inhaber einer Hofstelle’
all die werichpauern und hofstetter und vreileut DRW
5,1360
(ArchKärnten; a. 1351).
– oft Bestandteil eines Personennamens:
hern Rvͦdolf dem hofsteter von Walastat UrkCorp (WMU)
1157,22
u.ö.
MWB 2 1756,51; Bearbeiter: Diehl
hovestetelîn
stN.
Dimin. zu
hovestat
:
hvs vnde hofstat vnde bavmgarten mit elliv div vnd der zv hœret ane daz
hofstætlin daz ettewenne was des Hailigen Cruces den haben wir daz wider geben
UrkCorp
549,42;
hovestettelin UrkFreiburg
3:265,31
(a. 1315)
MWB 2 1756,56; Bearbeiter: Diehl
hovestiure
stF.
Abgabe von einer Hofstelle (vgl.
hovestatphenninc
,
hovezins
):
ist aber ez ein man der weder hofstiur noch herstiur git, der
enhat chain reht StRAugsb
148,34
u.ö.
MWB 2 1756,61; Bearbeiter: Diehl
hovestrîch
stM.
‘Streichen eines Saiteninstruments auf höfische Weise’ oder
übertr. ‘höfisches Tanzlied’ (vgl.
hovetanz
und Harding, Dancing Terms, S. 121):
der junge Ranz / durch den tanz / gienc vermezzenlîche. / Kotzel hiez der
spileman; dem ruofte er dar: / ‘ir strîchet ûf die rehten hovestrîche!’
Neidh
WL 32:7a,13
MWB 2 1757,1; Bearbeiter: Diehl
hovet-
s.a. houbet-
MWB 2 1757,8;
hovetanz
stM.
‘höfisches Tanzlied’ (vgl.
hovestrîch
und Harding, Dancing Terms, S. 121f.):
schiere kam / Engelram / mit ûf erbürtem swerte: / ‘nu strîchet ûf bald
einen rehten hovetanz! / sich hebet hie, des ie mîn herze gerte. / hie wirt
entrennet, daz dâ heime wære beliben ganz.’ Neidh
WL 32:7b,12
MWB 2 1757,9; Bearbeiter: Diehl
hovete (?)
Subst.
Bed. unklar, (Gl.z.St. ‘Gehöft’):
[der Teufel] sante prediger an sie, / so daz sie
trugenlichen hie / die cristenheit vorglichsten / und mit den richen richsten / und
uz iren hoveten [Konjektur, Hss. houbten, hubeten,
huͦben
] twungen HeslApk
13513
MWB 2 1757,16; Bearbeiter: Diehl
hoveteidinc
stN.
landesherrliches Gericht (nur im Ostalpenraum, vgl. DRW 5,1369):
ich sag iu nû des landes reht. / iz kostent mangen phenninc / ze Wienne diu
hofteidinc Helbl
2,698;
in rechtem gerichte des hof taidinges ze Wienne UrkHeil
2,136
(a. 1330);
UrkEnns
6,142
(a. 1334);
UrkKlostern
1,273
(a. 1339)
MWB 2 1757,22; Bearbeiter: Diehl
hovetenzel
stN.
‘höfisches Tänzchen’ (vgl. Harding, Dancing Terms, S.
123f.):
sô die voretanzer danne swîgen, / sô sult ir alle sîn gebeten, / daz wir
treten / aber ein hovetänzel nâch der gîgen Neidh
WL 4:3,12
MWB 2 1757,29; Bearbeiter: Diehl
hovetiuschære
stM.
‘jmd., der am Hof täuscht, schmeichelt, betrügt’ (vgl.
hoveliegen
):
ein volc ist hofetiuscher genant, / daz bî dem pâbste ist wol bekant, / dâ man
billicher gerehtikeit / fünde und slehte einveltikeit. / hofetiuscher sint übel
liute, / der wir leider vil haben hiute: / wenne swer ze hofe tiuschen kan, / der
effet manigen einveltigen man Renner
17245
MWB 2 1757,34; Bearbeiter: Diehl
hovetrût
stMN.
‘Angehöriger des Hofes’
aulicus: houedrut vel houeling SummHeinr
2:15,318.
1:282,172.
2:168,304
MWB 2 1757,42; Bearbeiter: Diehl
hovetür
stF.
‘Tür zum Hof’
innerhalp der hoftver [am Brunnen] ensol niemen
vremder waschen noch sinev ros trenchen UrkCorp (WMU)
1382,5;
under der hoftúr stuͦnd
[er] umb sich gafende Seuse
74,26
MWB 2 1757,45; Bearbeiter: Diehl
hovevart
stF.
‘Fahrt an einen (Herrscher-)Hof’ (i.d.R. mit dem entsprechenden
höfischen Aufwand, vgl.
hovereise
):
wirt des riches hervart oder hofvart geboten zerehter zit. vnd mit vrteil. daz
lenget den herren vnd allen ir mannen elliv div teidinc SchwSp
221b;
lat die hove vart under wegen, / iz ist ein hervart gewegen, / da vart hin mit
gesellen vil! Dietr
7976;
‘entrewen,’ sprach da Wolfhart, / ‘ich frew mich diser
hoffart [...].’ Walberan
398 ;
sô möht^$’ uns wol balde riuwen disiu hovevart
NibB
1924,2;
so mir dirre min bart, / si geruwet al dise houeuart
Rol
1647
MWB 2 1757,50; Bearbeiter: Diehl
hovevisch
stM.
Fisch, der an den herrschaftlichen Hof geliefert wird:
soluunt etiam vi. hofvische videlicet lachsen UrbBayS
5,519
u.ö.
MWB 2 1757,62; Bearbeiter: Diehl
hovevrouwe
swF.
‘Mieterin, Bewohnerin eines Hofes’
hat ein wirt einen inman oder ein hoffrawen ein
[l. in
] seiner herberg umb einen gedingten
zins StRMünch
332,12;
SchöffIglau
119
MWB 2 1758,1; Bearbeiter: Diehl
hovewart
stM.
‘Hofwächter’
1 Aufseher an einem Hof 2 meist bezogen auf einen Hofhund (z.T. im Gegensatz zum Jagdhund)
1
Aufseher an einem Hof:
Berhtunc sprach ‘valscher hovewart, er gert dîns frides niht.’ /
sus wart ein michel schelten mit zorne under in WolfdA
352,4;
ein singer ungedœnet, / ein hofwart, der vil hœnet, / ein râtgeb
âne triuwe Helbl
2,1442.
– als Personenname (?):
Ludiwig vnd der Houiwart von Sickingen UrkCorp (WMU)
1061,12
2
meist bezogen auf einen Hofhund (z.T. im Gegensatz zum Jagdhund):
ein hove wart der einem manne sins hoves hvͤtet tag vnde naht
SchwSp
146b;
Bîspel (Pf)
16,6;
ich wære ungern dâ ein wint, / dâ die stumphen hovewart werder dan die winde
sint RvZw
152,5;
do quamen ir hofwart alle; / daz waz des hirzzes unheil. /
der hofwarte waz ein teil / beide winde und hofwarte kint / oder halp ruden und halp
wint / [...] / beide stark, keune und snel
StrKD
7,32.
84,187
u.ö.
– häufig in Vergleichen zum Verhalten:
er [Darius] ist ein unversunnen
man. / er hât glîche getân / alse der blôde hovewart. /
[...] / swenner nahtes iht vernemet, / durh sîne
blôdicheit wirt er irgremet, / er ne tar dar nâher comen niet, / al bellender
flîhet SAlex
1521;
dannoch lac er unde grein / als ein alter hovewart HBirne
369;
reze als ein hovewart, / dem der gater ist verspart Jüngl
245;
Krone
12284;
StrKD
101,28.
103,62
MWB 2 1758,5; Bearbeiter: Diehl
hovewec
stM.
Weg zu oder bei einem Hof:
ein zweiteil stosset an den houeweg / daruf anewandunt die frowen von Sulzberg
UrkCorp (WMU)
3047,22
MWB 2 1758,31; Bearbeiter: Diehl
hovewecke
stswM.
vom Hof gegebene Wecken, Brote (vgl.
hovebrôt
):
quod viginti panes, qui hofweke dicuntur, cappellanus sancte Marie pauperibus
distribuat UrkBasel
2:271,15
(a. 1284)
MWB 2 1758,35; Bearbeiter: Diehl
hoveweiʒe
stswM.
an den Hof (das Haus) zu liefernde Weizenabgabe:
quod huebe, que dicuntur haushube dabunt triticum, quod dicitur hofwaitz
DRW
5,430
(Dollinger, Classes rurales; 14. Jh.)
MWB 2 1758,39; Bearbeiter: Diehl
hovewërc
stN.
‘Frondienste eines Hofes’ (vgl. Anm.z.St.):
notantur die hofwerich, qui homines in officio Möttnitz tenentur facere
UrbGurk
163 Überschrift
MWB 2 1758,43; Bearbeiter: Diehl
hovewërt
Adj.
‘eines Hofes angemessen, würdig’ (hier subst.):
ich bin dem Bogenære holt / gar âne gâbe und âne solt: /
[...] / in bræhte ein meister baz ze mære / danne
tûsent snarrenzære, / tæt er den hovewerden baz Walth
80,34
MWB 2 1758,47; Bearbeiter: Diehl
hovewîse
stF.
einem Hof angemessene Verhaltensweise (vgl.
hovesite
,
hovezuht
):
ich armer phaffe Chuonrât, / geborn von Heimesfurt. / rîcheit
und hôchgeburt, / chunst, zuht und hovewîse, / swaz einem man ze prîse / in dirre
werlde mac gefromen, / des bin ich wênic vollechomen KvHeimHinv
23;
diu hovewîse ist herte / den die ir von kindes lit / habent niht gevolget mit
Helmbr
244;
sun, tuo die hovewîse hin; / diu ist bitter und ist sûr. / noch gerner bin ich
ein gebûr / danne ein armer hoveman / der nie huobegelt gewan ebd.
1104
MWB 2 1758,52; Bearbeiter: Diehl
hovewise
stF.
zu einem Hof gehörende Wiese:
ein phvnt geltz ouf der hofwise di Ornolt Wolfstain von mir het UrkCorp
(WMU)
1349,9;
vnd han in ovch ein wise gegeben, dv lid ze Zimmern vnd heizzet de hovewis
ebd.
2082,42
MWB 2 1758,63; Bearbeiter: Diehl
hovewunne
stF.
Vergnügung am Hof:
sîn zühte meister Schŷron / lêrt in behendekeite vil:
/ schâchzabel, schirmen, seitenspil / und singen mit dem munde, /
[...]. / von allen hovewunnen / lêrte er in den
überfluz. / ze râme schiezen mangen schuz / wart dem juncherren offen; /
[...]. / vil herter kurzewîle / lêrt in Schŷron
ein wunder KvWTroj
6168
MWB 2 1759,4; Bearbeiter: Diehl
hovezins
stM.
von einem Hof zu entrichtender Zins, Abgabe (differenzierter DRW 5,1382f.; vgl.
hovestatphenninc
,
hovestiure
)
1 als Grundabgabe 2 als Miete
1
als Grundabgabe:
die schopoze [Schuppose, kleines Hofgut] Schikes dv
dem gottes huse ze Hilzchilc ze houezinse giltet UrkCorp (WMU)
N270,38.
972,8.
– Hofstattzins in einer Stadt:
in recognitionem vero debito subiectionis et iuris patronatus iam sepe
dictis dominis prefati predicatores [...] tres solidos,
qui census hovezens dicitur, exhibebunt UrkKöln
2,132
(a. 1232);
UrkKölnSchr
1,235
(a. 1145/70)
2
als Miete:
wenn ein man inläut vessent [zu sich nimmt] umb
zins in sein haus, und lübt [verspricht] in gemach dar
inne ze schaffen, und mag das [
inläut
] darnach
vor rechter armuet nicht schaffen, und sind auch die inleut als arm, das si in mit
hofzins vor der rechten zeit nicht gefuegen mügen, die ziechent sich wol elleu aus
mit recht StRWien
43;
de pignore census dicti hoffzins StRBrünn
63
MWB 2 1759,11; Bearbeiter: Diehl |