Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
  Ansicht: Standard Gliederung    |     Zusatzinformationen   Links      |     Portion: Artikel pro Seite

hâ – haber-
haberlîte – hachelen
hachelwërc – hage
hage- – 2hagen
hagen- – halbe
halbe – hallergëlt
hallergülte – halphimel
halp|hunt – halpvaste
halpvierteil – halser
halsgebeine – halsveste
halsvlinken – hamerslac
hamerslahen – hanef
hanef|âkambe – 1hansen
2hansen – hantgiften
hantgiftphenninc – hantsalbe
hantschmänt – hantvestlich
hantvestunge – hârbendelîn
hârblôʒ – hârlouf
harm – harnaffe
harnasch, harnas – 1harre
2harre – hartruore
hartsinnic – haselbir
haselbluome – hasenvleisch
hasenwint – havendierne
havengazzer – haʒʒiclich
haʒ|zorn – heberînmelwer
hebesal – 3hecken
heckenjeger – hegelîn
hegeln – heidenisch
heidenischheit – heilalle
heilant – heilige
heiligeistlîcheit – heilvuorlich
heilwâc – heime suochen
hei|metze – heimvart
heimvartlich – heitber, heidelber
heiter – heiʒmuot
heiʒsühtic – hëlfebære
hëlfebërnde – hëlkleit
helle – helleglocke
hellegluot – hellemunt
hellemünzer – hellerigel
hellerîs – helle-
hellesun – hellevreisærin
hellevunke – hëllunge
helm – hëlmschîn
hëlmschirbe – helwërtwitze
hely – hendewinden
hendewringen – hennenvuoʒ
hentschuocher – herbërgen
herbërgerîe – hêre
herebërge – hergesidele
hêrgesidele – hêrischheit
hërkêre – Herodære
Herodiane – hêrrennôt
hêrrenphruonde – herschrîære
hêrschunge – hertes
hërtgëlt – hërverloufen
herverten – hërzeblüete
hërzebluot – hërzekrachen
hërzekranc (?) – hërze|nabele (?)
hërzenandâht – hërzenvride
hërzenvrô – hërzestôʒ
hërzesüeʒe – hërzevrouwelîn
hërzewaʒʒer – heselîn
heselîn – hîbære
hichela – hierunder
hiesch – himelbalsem
himelbære – himelgesanc
himelgesinde – himelknabe
himelknolle – himelpalas
himelphat – himelschheit
himelschlich – himelstîge
himelstîgunge – himelval
himelvane – himelvürste
himelvürstin – hinde
hinden – hindergêunge
hindergrîfen – hindernisse
hinderrât – hinderstelle
hinderstellic – hinderwërtlingen
hinder wîchen – hinker
hinkêre – hinnëben
hin nëmen – hînt
hintber – hinwërt
hinwësunge – hirngupfe
hirnhût – hirtelîn
hirtelôs – hirʒmilch
hirʒ- – hiu
hiubelhuot – hiuten
hiutezucker – hôchgebirge
hôchgebluomet – hôchgenant
hôchgenende – hôchgewaltic
hôchgewîht – hôchmeister
hôchmësse – hôchvart
hôchvart – hôchzîtkleit
hôchzîtlich – hœhe
hôheclich – holde
hölde – hol|loch
hol|louch – holzapfelîn
holzban – holzheit
holzhërre – holzschuoherin
holzstîc – honec
honec|bluome (?) – honec|tranc
honec|triefende – hônheit
honic – hopfenziech
hopferebe – horgen
horgewat – hornicsprenget (?)
hornîn – horten
hortgadem – hospitâl
hossen – houbeten
houbet|êre – houbetkleit
houbetklôster – houbetman
houbetman|ambet – houbetsachwaltære
houbetschande – houbetsünde
houbetsündic – houbetwaʒʒer
houbetwëgen – höuptinc
höurëht – höuwezëhende
houwic – hovegeselle
hovegesinde – hovelich
hovelîche – hovephenninc
hovephliht – hoveschar
höveschære – hovestatzins
      höveschære stM.
      höveschærinne stF.
      hövesche stF.
      hövescheit stF.
      höveschelærinne stF.
      höveschen swV.
      hove|schenke swM.
      höveschlich Adj.
      hövesch|man M.
      hove|schrîbære stM.
      hove|schultheiʒe swM.
      hövesch|wîp stN.
      hoveshalp Adv.
      hove|site stM.
      hove|slëcke swM.
      hove|smit stM.
      hove|snîdære stM.
      hovespël stN.
      hove|spil stN.
      hovespîse stF.
      hovesprâche stF.
      hovestat stF.
      hovestæte Adj.
      hovestatphenninc stM.
      hovestatzins stM.
hove|stetære – hovezins
hovezorn – 1hûchen
2hûchen – hüenerhirne
hüenerhûs – hûfeht
hufel – hügenisse
hügenumft – hüllenwëbære
hüllenwëbærinne – humerâl
hummen – hundertweide
hundesber – hungergîtic
hungerhâr – hunt
huntaffe – huobdinc
huobe – huof
huofblat – huorgelust
huorgelustic – huotelôs
huote|strëbe (?) – hurmelen
hurnaʒ – hurticlich
hurtieren – hûs|êre
hûsgëlt – hûslode
hûslôs – hûsvrouwe
hûswer – hûwen
hûwen – hy

   höveschære - hovestatzins    


höveschære stM. jmd., der den Gesellschaftsidealen der ritterlich-höfischen Lebenswelt entspricht, ‘Hofmann’ 1 positiv
2 negative Aspekte in den Vordergrund rückend
2.1 jmd., der sich (fälschlich) als Hofmann gibt
2.2 ‘Verführer’ (vgl. höveschen 1.1 und hovierer 2 )
   1 positiv: er was ain furste mare, / alzoges [ganz und gar] ain hubiscare; / gehaizen was er Margariz Rol 5634; her sach dâ sitzen unde stân / manege maget wol getân / und manech wol getânez wîb, / die wol heten ir lîb / gezieret nâch ir lantsiten. / die hobischâre kaffende riten / beidenthalben der strâzen En 12862. 12865    2 negative Aspekte in den Vordergrund rückend    2.1 jmd., der sich (fälschlich) als Hofmann gibt: er [der Herr] nam in [den Knecht in Herrenkleidern] bi dem hare / und zoch im abe sin gewant / und hiez in werfen zehant / in sinen charchære. / da lac der hofschære / also lange, unz er verdarp StrKD 90,42    2.2 ‘Verführer’ (vgl. höveschen 1.1 und hovierer 2): nv qvam her Ysengrim, ir man, / do tet der hobischere [Reinhart Fuchs] , / als der rede niht enwere ReinFu K,441; der keiser verwandelte sine witze: er überhuorte den rittæren ir wip; er wart ein hübeschäre PKchr 213,35. – als Bestandteil eines Personennamens (bezogen auf äußere Erscheinung oder Verhalten [vgl. höveschman ]?): Vͦlrich Hv́bscher UrkCorp (WMU) 2357,27

MWB 2 1749,52; Bearbeiter: Diehl

höveschærinne, höveschelærinne stF. ‘leichtfertige Frau, Prostituierte’ (vgl. höveschwîp ): do gesah der starche degin / ein hovescherin, ein schoͤne wip, / dú hate ein minninchlichin lip. / zuͦ der gie er und lag bi ir / durh sinis muͦtwillen gir, / als in sin irrecheit lerte RvEWchr 20922; ein râtgeb âne triuwe / ein übeltæt âne riuwe, / ein fürsprech âne sinne, / ein siechiu hübscherinne / ein buochsagær trunken Helbl 2,1446; man sol auh wizzen daz chein hubslerin hie in der stat wonen sol StRAugsb 190,34. 7,36; aber ob ain pvrger ainen dem div stat verboten ist, oder ainen spilman oder ain offenev hoͤfscherinne laidigt von schvlden, der sol des niht engelten gain dem gerihte, wan so getan levte habent des rehten niht StRLandau 228

MWB 2 1750,12; Bearbeiter: Diehl

hövesche stF. 1 ‘Schönheit’
2 ‘außereheliche Verbindung’ (vgl. hövescheit 2 )
   1 ‘Schönheit’ swa man frouwen prüeven sol, da muoz ich für dich schallen, / an hübsch und ouch an güete Tannh 3,60 (vgl. schoener forme ich nie gesach, diu min cor hat besezzen; / an ir ist elliu volle ebd. 3,49 )    2 ‘außereheliche Verbindung’ (vgl. hövescheit 2 ): es si danne, das si ainen man ze huͥbsche oder ze de ê neme nach dem vorgenantin Hainriche UrkCorp (WMU) 2016,45; darnach gap er im Amelin / zeiner elichen wirtin / mit hundert marken die si gwan / daz er ze hübsche wart ir man RuprvWü 930

MWB 2 1750,28; Bearbeiter: Diehl

hövescheit stF. ab etwa 1200 in allen Dialektgebieten bedeutungsgleich auch hubisch-/hübesch- (vgl. zur Lautgeschichte Bumke, Höf. Kultur, in: PBB 114/1992, S. 414-492; hier S. 427ff.); im Md. z.T. v-Ausfall (z.B. KarlGalie ). aus höfischer Erziehung und Bildung erwachsene, den gesellschaftlichen Vorstellungen des (idealen) Hofes entsprechende Grundhaltung (lat. curialitas, vgl. kurtoisîe ) 1 meist positiv ‘dem Hof angemessene Haltung, höfisches Verhalten’
1.1 allgem.
1.2 überw. bezogen auf die aus dieser Grundhaltung resultierenden Verhaltensweisen und Handlungen in höfischem Zusammenhang (z.B. Jagd, Turnier, Minne, Fest, Gespräch)
1.3 auf den äußeren Eindruck bezogen, von Angemessenheit übergehend zu Eleganz und äußerlicher Schönheit
1.3.1 von Menschen
1.3.2 von Kleidung und Ausstattung (bezogen auf Aufwändigkeit von Material und Herstellung sowie Erscheinungsbild)
1.3.3 selten von Tieren und ihrem Erscheinungsbild
2 selten mit negativem Aspekt (auf Äußerlichkeiten abzielend, vgl. höveschen , hövesche ) ‘Leichtfertigkeit, Verführung’
   1 meist positiv ‘dem Hof angemessene Haltung, höfisches Verhalten’    1.1 allgem.: uwer biederbekeit und uwer hubscheit und uwer wolstender lip Lanc 534,29; swer ze hove wil wol gebârn, / der sol sich deheime bewarn / daz er nien tuo unhüfschlîchen, / wan ir sult wizzen sicherlîchen / daz beidiu zuht und hüfscheit / koment von der gewonheit WälGa 657; wan nieman ist sô rîche, / in ensweche an sîner hübscheit / ein zorn und ein herzeleit / und nâhe gândiu riuwe UvZLanz 7505; von disses herren manheit / vnde von gener frauwen hubescheit Herb 902; Neidh SL 30:3,6. jmds. ~ als Bekräftigungsformel: bî mîner höfscheit sô sült ir / für wâr daz wol gelauben mir UvLFrd 198,9. 74,26; bî iuwer hübscheit ich iuch man / [...] / daz ir mir ze wizzen tuot UvEtzWh 2928. – auf Gott bezogen: in disen dingen hæte Îsôt / einen list ir herzen vür geleit / vil verre ûf gotes höfscheit Tr 15552; daz diu gotes hövescheit [textkritisch problematisch, Hs. hofweyshait, vgl. enthöveschen ] / ob mîner vrouwen swebete / und dâ wider strebete / daz ir dehein grôz ungemach / von den rossen niene geschach Er 3461    1.2 überw. bezogen auf die aus dieser Grundhaltung resultierenden Verhaltensweisen und Handlungen in höfischem Zusammenhang (z.B. Jagd, Turnier, Minne, Fest, Gespräch): er lernt in sîner kintheit / tugent und gevuoclîcheit / singen unde seitenspil / und ouch ander hübscheit vil: / schirmen unde springen, / loufen und ouch ringen Wigam (B) 345; der greve dede syne heuscheit [d.i. höfscheit ] / als der edele vur sich deit HagenChr (G) 5210; WälGa 3920; er kund alle fuoge, / der man ze hübescheit bedarf KvWTroj 4731; Tr 7562; Machaon was riche / vnde lebete wunderliche: / er enpflag deheiner hubisheit Herb 3101; sô wol dir, sumer, alsô manger hövescheit Walth 64,17; alsô ergie diu hübscheit, / daz si der minne pflâgen / und bî einander lâgen EnikWchr 20896; KLD:UvL 59: 1,5; des ist der turnei dar geleit. / da ist aller slahte hübscheit UvZLanz 2684; wem aventüre nun behagtt, / dem wirtt mit gantzer hübschhaitt / ain ware urkünde gesaitt GTroj 6465; wir wellen singen unde lesen / von liebe und von hubescheit ThvKandelb 43. – häufig durch ~ ; etw. durch ~ tuon: swer an des edeln lantgrâven râte sî / dur sîne hübscheit, er sî dienstman oder vrî, / der mane in umb mîn lêren Walth 85,18; swâ sô bî den frouwen durch ir höfscheit / kurzewîle pflâgen die riter vil gemeit NibB 131,1; Pârîse was diu rede leit. / er zôch dur sîne hübescheit / den huot gezogenlichen abe KvWTroj 1776; durch rechte hoeschet KarlGalie 4628; er hâtz durch höfscheit getân Parz 767,16; PleierTand 18309    1.3 auf den äußeren Eindruck bezogen, von Angemessenheit übergehend zu Eleganz und äußerlicher Schönheit    1.3.1 von Menschen: daz Achilles næme / an sich wîplîchiu kleit / durch sînes lîbes hübscheit EnikWchr 14536. 14530; diu edel magt was garwe / an lîbe, an antlüt, an varwe / schoene unde minneclîch / und aller hübscheite rîch WvRh 1404; (aber auch von äußerl. Schönheit abgesetzt: daz in dem lande / nieman bekande / enkeine juncvrouwen, / die man gerner möhte schouwen / durch schœne noch durch hübscheit UvZLanz 1449 )    1.3.2 von Kleidung und Ausstattung (bezogen auf Aufwändigkeit von Material und Herstellung sowie Erscheinungsbild): sîn gewant, als ich iu hân geseit, / daz was mit grôzer höfscheit / nâch sînem lîbe gesniten Tr 3346; er schein ein engel, niht ein man, / an allem sîme gereite. / ze einer hübscheite / fuort er sîdîn mouwen [weite Ärmel] . / man möht in gerne schouwen UvZLanz 4432; En 5773; hvbeschait sol man an dem gewande niht hawen SpitEich 41,25; sô suln si tragen vür ein gürtel ein seil. dar an sol dekein hübescheit sîn KlarAugsb 4,21; das fürgebüege was [der Brustgurt des Pferdes entsprach ganz den Normen der] hubscheit, / ein borte nicht zuo breit / mit guoter syden undertragen, / dar uff schone golt geslagen TristMönch 391    1.3.3 selten von Tieren und ihrem Erscheinungsbild: vernemt scône hovescheit / umbe ein pharît daz si reit: / ein tûre zoum lach der ane. / daz winster ôre und der mane / wâren im wîz als der snê En 5241    2 selten mit negativem Aspekt (auf Äußerlichkeiten abzielend, vgl. höveschen , hövesche ) ‘Leichtfertigkeit, Verführung’ hie zv Constantinnopole / in der merin burge / was daz scone wif / die ie gewan den lib / dar umbe hetter arbeit / vnde ir warh [erwarb, erreichte] mit sinir houisheit / daz die magit lossam / ir uater inran Roth 3783; ich bejech ouch daz ich gesuͦndiget habe mit gedanken, mit worten, mit werken, mit uber aze, mit ubertranke, an huͦre, an uͦberhuͦre, an sippehuͦre, an huͦres geluͦst, mit homuͦte, mit huͦbescheit, mit spotte PrLpz 47,23; war zuo sol dem briester gemäitheit! / ez ist nicht anders umbe sîn höfscheit / denne als umb des esels singen; / jâ sol er den lîp twingen / daz er werde chiusch unt räine Priesterl 538; ouch wizzent, daz ich iuwer niht / wil ze hübischeite gern. / welt ir der minne mich gewern, / nâch der mir ist von grunde wê, / sô wil ich hân ze rehter ê / mit triuwen iuch für alliu wîp KvWTroj 21215; HeimlBote 14. ein nunne gemeit. / diu was durch ir hövescheit [weltl. Begierden] / ûz ir zelle entrunnen Helmbr 110; ein tumber jungelinc, / der hete elliu sîniu dinc / gerihtet durch sîn üppecheit / nâch der werlde hofscheit LvRegFr 395. – Lit.: Erlei, Höfisch, S. 317-337.

MWB 2 1750,39; Bearbeiter: Diehl

höveschelærinne stF. höveschærinne

MWB 2 1752,28;

höveschen swV. auch hübschen, vgl. dazu hövesch . intr.; meist als (subst.) Inf.; oft mit Verben der Bewegung oder Richtungsadverbien, ‘sich im höfischen Rahmen bewegen, höfischen Umgang haben’ (vgl. hovieren ) 1 überw. zur Beschreibung von Kontakten und Beziehungen zwischen Mann und Frau
1.1 mit negativem Aspekt ‘Unzucht treiben’ (u.a. für die frühesten Belege der ganzen Wortfamilie, vgl. ähnlich hövescheit )
1.2 meist positiv bestimmt von den Idealen der hövescheit , einem höfischen Verhaltenskodex ‘flirten, kokettieren’
1.3 übertr.
2 verallgem. ‘feiern’ in einem höfischen Zusammenhang
   1 überw. zur Beschreibung von Kontakten und Beziehungen zwischen Mann und Frau    1.1 mit negativem Aspekt ‘Unzucht treiben’ (u.a. für die frühesten Belege der ganzen Wortfamilie, vgl. ähnlich hövescheit ): unkûsce er sich underwant: / er rait hovescen in diu lant, / er hônde di edelen frouwen Kchr 16555; ze aller jungest kom iz sus, / daz der chunich Justinjânus / gehofescet mit ainer frouwen: / die beslief er tougen ebd. 13041; wê, daz er die guoten sînes höfschens niht erlât, / daz er âne ir willen tuot Neidh WL 22:4,8; wenne ir woltet bî mir nie belîben / und gienget ûz hübschen ze andern wîben. / daz wil ich mînen friunden klagen Renner 12938    1.2 meist positiv bestimmt von den Idealen der hövescheit , einem höfischen Verhaltenskodex ‘flirten, kokettieren’ da [in meiner Burg] geruochent ir belîben / und hübschent mit den wîben: / die machent iu kurzewîle UvZLanz 582. 3440; die wellen mit mir jagen, / daz si sich bereiten; die aber hie bestân, / hövschen mit den vrouwen, daz sî mir liebe getân NibB 912,4; sîn höfschen zimt den frouwen niht, swes herze unsanfte wol getuot KLD: RvR 4:10,5. – z.T. mit werbendem Aspekt: wir wellen höfscen rîten verre in vremdiu lant NibB 350,3; daz ist Irenber. / vert von Botenbrunne er / durch sîn höfschen dâ her abe, / ein vil hiuzer dorefknabe, / guoter wîbe minne müeze im nimmer werden teil! Neidh WL 35:4,3; sie legent ir hovekleider an / und gânt mit fröuden von dan / höveschen zuo den frouwen. / [...] / dâ wirt tanzen unde singen / und an vil mangen dingen / ein wunneclîchez hôchzît StrDan 683. 630    1.3 übertr.: wân und wunsch, daz wolt ich allez ledic lân: / höveschent mîne sinne dar, / waz mac ichs, gebents iu mînen sanc? Walth 62,21    2 verallgem. ‘feiern’ in einem höfischen Zusammenhang: den alten und den jungen / hiez er vröude machen / mit maneger hande sachen: / sagen unde singen, / tanzen unde springen, / höveschen unde seit spil. / dâ was kurzewîle vil UvTürhTr 1427; er [der Knecht in Herrenkleidern] wart da von so stolz, / daz er zeacker noch zeholz / niht mer varn wolde, / als er von rehte solde. / beidiu naht und tac / niwan hofschens er phlac StrKD 90,32; ich fliuse des wirtes hulde niht, bit ich in sîner kleider: / sô wære im umbe ein überigez hübschen michel leider KLD: Gelt 2,8; SHort 3060. – Lit.: Wolf, hövesch; Erlei, Höfisch, S. 344-350.

MWB 2 1752,29; Bearbeiter: Diehl

hove|schenke swM. ‘Hofschenk, Inhaber des Schenkenamts’ (zur Sache vgl. DRW 12,450ff.): wan wir unserm liben getruwen Ulrich von Hochsteten unserm hofschenken rechttr schult schuldig sin [...] czweyhundert mark lotiges silbers MGHConst 8:324,24 (a. 1347)

MWB 2 1753,18; Bearbeiter: Diehl

höveschlich Adj. , -lîche Adv. überw. adv., auch -lîchen; ab etwa 1200 in allen Dialektgebieten bedeutungsgleich hubisch-/hübesch- (vgl. zur Lautgeschichte Bumke, Höf. Kultur, in: PBB 114/1992, S. 414-492; hier S. 427ff.), im Md. z.T. v-Ausfall (z.B. HagenChr (G) ). den Verhaltens- und Wertvorstellungen des (idealen) Hofes entsprechend, angemessen (vgl. hovelich ) 1 selten auf Personen bezogen
2 häufig zur Charakterisierung von Verhaltensweisen und Handlungen, überw. in höfischen Zusammenhang (z.B. Gespräch, Turnier oder Minne) i.S.v. ‘wie es sich an einem Hof gehört’
2.1 meist positiv
2.2 selten negativ (vgl. höveschen 1.1 und hövescheit 2 ) ‘lockend, täuschend’
3 bezogen auf Abstrakta und Gegenstände
   1 selten auf Personen bezogen: zwene kvnige riche. / die waren da hubischliche Herb 4072; er was zallen zîten / höfschlîche an sîner siten / und truog in sînen dienest an Tr 3400    2 häufig zur Charakterisierung von Verhaltensweisen und Handlungen, überw. in höfischen Zusammenhang (z.B. Gespräch, Turnier oder Minne) i.S.v. ‘wie es sich an einem Hof gehört’    2.1 meist positiv: dô hiez ir vrou Lûnete, / diu gerne höveschlîchen tete, / ir pfärit gewinnen Iw 5894; ‘herre ritter’, sprach er, ‘ir hant nit húbschlich gethan das ir myner frauwen hant gespottet.’ Lanc 177,30; swer trinkend ûz dem becher siht, / daz stât hüfschlîche niht WälGa 496; her Mathis hoischlichen sprach: / ‘als got wilt ind men noch saich.’ HagenChr (G) 4828; Parz 744,26; hoveschlîch tanzen, vrœlîch lachen / was bî niuwen zîten wert SM: UvS 10: 2,1; Neidh SL 30,1,14; der ritter der bereite sich / zuo dem turnei hübschlîch, / diu vrouwe gab im iren segen, / hin wek sô reit der degen DietrGlesse 130; UvEtzWh 315. – bezogen auf Tiere: durch nôt ez [das Pferd] hübslîche gie, / wan ez schœne und edel was UvZLanz 1470; dut er iz dan nit, so sal yn der [...] amptman hubiszlichen penden MGHConst 8:682,27 (a. 1348). – bezogen auf göttliches Handeln: wir sulen loben got den rîchen, / er understuontz vil hüfschlîchen, / wan er kan wol die übermüete / vellen mit krefte sîner güete WälGa 10722    2.2 selten negativ (vgl. höveschen 1.1 und hövescheit 2) ‘lockend, täuschend’ wâ sint die fûze dâ mit er gie / höfslîchen mit den frowen? Erinn 623; wil er hübschlîchen liegen / und si dâ mite betriegen, / des wirt si schiere gewar PleierMel 1455; swaz ir [Maria Magdalena] gesagete Marthe, / daz verswant mit der luft, / wand ir hubischliche guft / mit siben tuveln was behaft Pass I/II (HSW) 39894    3 bezogen auf Abstrakta und Gegenstände: nu saget mir, / stolzer knappe vrech und vruot, / durch iuwern hübeschlîchen muot, / ûz welchem rîche kumt ir her HvFreibTr 1204; allez daz ir was bekant / höfschlîcher liste und schœner site, / dâ kürzetes ime die stunde mite Tr 8043; daz was ein höfschlîcher site Parz 671,30. – in der unbestimmten Form ~ dinc: von dem brôte sie sniden / schuzeln vile reine / [...] / diz is ein hoveslîch dink, / sprach Êneases sun En 3782; nu suln ouch wir gesellen sîn, / [...]. / tages sô sul wir rîten jagen, / des nahtes uns hie heime tragen / mit höfschlîchen dingen: / harpfen, videlen, singen, / daz kanstû wol, daz tuo dû mir; / sô kan ich spil, daz tuon ich dir Tr 3729. 3919; daz sitzen wart bescheiden / an Gâwânes ringe / mit höfschlîchem dinge Parz 762,8. 777,18; von hübschlîchen dingen / und von minnen manicvalt / hât er der vrowen vor gezalt UvZLanz 812. – häufig bezogen auf das äußere Erscheinungsbild und Kleidung ‘hübsch, fein, elegant’ (vgl. z.B. → hovekleit): sîn roc was hübeschlîch gesniten / wol nâch gêndes boten siten / von guotem sagite rôt HvFreibTr 1175; sîn helm der was rîche, / vil harte höveschlîche / mit rôten keln bedecket Wig 3898; sich hêt diu maget rîche / vil harte hövischlîche / in einen mantel gevangen ebd. 802; sie was hübeschlîch getân, / von rôtem scharlach het sie an / roc und ouch kursît Wigam (B) 862; si redent ouch gemeinlîche / daz sîn zimier stê hüfschlîche. / sîn wâfenroc ist harte rîche: / im ist niemen dâ gelîche WälGa 3842; siu hete sich gemachet an / wol und hübschlîch genuoc UvZLanz 859. – bezogen auf Sprache (vgl. 2.1 ): der knappe was ouch rederîch, / geblüemet schône und hübeschlîch / was alle sîne rede gar HvFreibTr 1302; sî duhte ir sprache [das Französische] seltsæne: / sô süeze und sô hübeschlich / daz sî dicke vleiz sich / daz sî ir iht vernæme, / swie sî sant ir ze rede kæme. / sî bat sich franzois lêren Flore (P) 533; davon begraif Virgilius huͤbschleichen und behendicleichen paider scheingeprechen [Verfinsterungen] natuͤr in ainer kuͤrzzen [Wendung] und sprach KvMSph 60,24. – Lit.: Erlei, Höfisch, S. 282-284, 305-317.

MWB 2 1753,24; Bearbeiter: Diehl

hövesch|man M. Mann mit höfischem oder leichtfertigem Verhalten (nur Bestandteil von Personennamen; vgl. höveschære 2.): her Cvͦnrat Húbischman UrkCorp (WMU) 1648,13; [er] hat jr har v́bir sallute [ sal-liute ‘Treuhänder’ ] gegebin: [...] herne Húbschmannin vnde Johansen den Klingen ebd. 773,30; Cuͤnzin, hern Húbeschmannes sun von Elza ebd. 2377,2

MWB 2 1754,49; Bearbeiter: Diehl

hove|schrîbære stM. ‘Hofschreiber; Schreiber an einem Hof bzw. Hofgericht’ (differenzierter DRW 5,1341): swer mit rehte in die abraht [ aberahte ‘verstärkte Acht’ ] chvmet so sol vnser hofscriber an vnser ahtpuch screiben, vmb wel sache oder wor vmbe er in die abraht komen sei UrkCorp (WMU) 3110,48; Vlrich vnser hofscribar ebd. 2068,43; UrbHabsb 1:36,20; ein zouberêr, ein valscher man, / hielt einen hoveschriber dran, / daz er zume tuvele queme / unde sinen solt neme Pass III 283,36

MWB 2 1754,57; Bearbeiter: Diehl

hove|schultheiʒe swM. auch hoves-. Hofbedienter (meist mit gerichtl. Aufgaben): ez sol auch ein ieglicher, dem man wiͤnwahs hat behuͤt, den huͤtern irn lon geben [...]. swer des niht entut, der git in ze buͦzze 10 ß [Pfennig] mit dem lone. die sol in helfen vordern der hofschultheizze WüP 106i,5; ein hoiffs scholtiss ind der geschworn boede vnd der meier WeistGr 2,518 (a. 1298). – als Bestandteil von Personennamen: Rudegerus houeschulteize UrkWürtt 3,50 (a. 1216)

MWB 2 1755,3; Bearbeiter: Diehl

hövesch|wîp stN. ‘Liebhaberin, Mätresse, Prostituierte’ (vgl. höveschærinne ): amasia: hupschwib VocOpt 3.102; filia Herodiadis: Herodes húbschwibes tochter EvAlem 45 (Mt 14,6)

MWB 2 1755,13; Bearbeiter: Diehl

hoveshalp Adv. ‘auf der Seite des Hofes’ sin hus, das da lit am Rennewege ob dem wege hofes halp UrkCorp 1503,25

MWB 2 1755,17; Bearbeiter: Diehl

hove|site stM. einem Hof angemessene Verhaltensweisen, Gebräuche an einem Hof (vgl. hovewîse , hovezuht ): die gruozten ouch Tristanden / und sîne rotte dâ mite / höfschlîche nâch dem hovesite Tr 5354. 494; man sprichet unde seit, / daz ir sint aller tugent rîch / und iu kein fürste sî gelîch / an êren unde an hovesiten KvWTroj 15229; dâ bin ich unschuldec mite. / Alexanders hovesite / wolde mich es niht erlân. / des sit ist alsô getân, / swaz man dâ setzet vür den man, / daz man im des mit willen gan RvEAlex 6500; Neidh WL 32:7c,14

MWB 2 1755,20; Bearbeiter: Diehl

hove|slëcke swM. ‘Schmeichler am Hof’ (vgl. hovelëckære , hoveliegen ): Herman den huofschmid, / auch Peter den kecken / und den alten Hafenschlecken [Hss. hofschlecken vgl. aber Anm.z.St.] / und Henslin usz der peund MeierBetz 18

MWB 2 1755,31; Bearbeiter: Diehl

hove|smit stM. am Hof tätiger Schmied (vgl. Matzel, Wortschatz, S. 139): Haͤrtel fragner schol ein totslach umb Fridlein den hofsmit. ist dar umb enttwichen UrkRegensb 737 (a. 1325-1350)

MWB 2 1755,36; Bearbeiter: Diehl

hove|snîdære stM. ‘Schneider an einem Hof’ das kein genecht [l. kneht ] von seinem maister sol geen ze einem hofsneider; welcher es dar vber tut, den sol chein maister in einem iar ze im nemen StRPrag 32. 25

MWB 2 1755,40; Bearbeiter: Diehl

hovespël stN. ‘Hofgespräch, -gerede’ (vgl. hovemære , hoverede , hovesprâche ): mir hât mîn sin gewîssaget, / daz dû mîn ahtest kleine. / [...] / dû wirst ûz mir ein hovespel / in dîner vröuden machende. / mîn schimpfend unde lachende / hœrt man dich sprechen denne: / ‘ich hete ouch eteswenne / verborgenlîche ein herzetrût.’ KvWTroj 29276

MWB 2 1755,45; Bearbeiter: Diehl

hove|spil stN. ‘ritterliche Übung, höfisches Ritterspiel’ hie banket er sich ofte mite / wol schirmen, starke ringen, / wol loufen, sêre springen, / dar zuo schiezen den schaft, / daz tet er wol nâch sîner craft. / [...] / aller hande hovespil / diu tet er wol und kunde ir vil Tr 2121; durch hübsche kurzewîle / triben si daz hovespil. / iedoch gesluogens’ alsô vil / z’ein ander und gestâchen, / daz si ze jungest brâchen / mit zorne irn gemelichen schimpf KvWTroj 5029; daz rîten und daz hovespil / ist dâ drî stunt an dem tage StrDan 700

MWB 2 1755,52; Bearbeiter: Diehl

hovespîse stF. bei der Erbteilung abgeteilter Lebensmittelvorrat: dar nâch muoz diu vrauwe teilen gegen den erben die hofspîse diu nâch dem drîzigesten belîbet SpdtL 100,9; SchwSp 16a

MWB 2 1755,63; Bearbeiter: Diehl

hovesprâche stF. 1 ‘Hoftag’ (entspr. lat. colloquium curiale )
2 höfische Rede, gehobener, höfischer Sprachstil (entspr. lat. sermo curialis , vgl. hovemære , hoverede , hovespël )
   1 ‘Hoftag’ (entspr. lat. colloquium curiale): die herren begunden riden / da vazzite sich man wider man / daz er schone zo houe quam / durch daz iz ein houe sprache was / ir nehein iz ne uir saz Roth 646    2 höfische Rede, gehobener, höfischer Sprachstil (entspr. lat. sermo curialis, vgl. hovemære , hoverede , hovespël ): so sihet sú einen ganzen got in drin personen [...]. so gruͤsset er si mit der hovesprache, die man in dirre kuchin nút vernimet Mechth 1: 2,10

MWB 2 1756,3; Bearbeiter: Diehl

hovestat stF. Grund und Boden, auf dem ein Hof mit allen zugehörigen Gebäuden steht oder stehen könnte, ‘Hof-, Hausstätte’ (stark differenziert vgl. DRW 5,1354-1360): hie wirt dû sedelhaft! / bowe dise hovestat, / si sol an dem jungisten dîn urchunde sîn Kchr 10436; swâ ein ganzez dorf lac, / darin der grâf ze haben phlac / ein huobe oder ein hofstat Ottok 63012; vnd sol iegelich hofstat sin hvndert schvͦhe lang vnd fv́nfzig breit UrkCorp (WMU) 1797,14. 889,8. 1399,41; suaz min och uffi dir hovistad vindit, daz umi zugihorit, daz sal min virteili mit dir hovistad, daz iz nummir niemini me zu nuzzi inwerdi Mühlh 108,27; ein hofstat da daz vogelhvs vf stet UrbBayÄ 38; StRAugsb 110,22. der edil kúnig, der wise man, / den tempil stiften do began / uf einir hofstat alda, / dú hiez mons Moria RvEWchr 32611; an des tempels hovestat Reinfr 18001. – bildl.: tiutsch hât wîte hofestat Renner 22343

MWB 2 1756,13; Bearbeiter: Diehl

hovestæte Adj. ‘am Höfischen festhaltend, das Höfische bewahrend’ got weiz wol, mîn lop wære iemer hovestæte, / dâ man eteswenne lobelîche tæte / mit gebærde, mit gewisser rede, mit ræte Walth 30,9

MWB 2 1756,32; Bearbeiter: Diehl

hovestatphenninc stM. Abgabe von einer Hofstelle (vgl. hovestiure , hovezins ): so ist ditz div gewonleich purkhut die man vns gibt zv dem vorgenanten haus ze Pravnekk: des ersten sechs vnd zwainzich muͤt chorns [...] daz marchtgericht ze Bravnekk und die hofstetpfenning UrkBrixen 1,134 (a. 1309); so sulen auch die putel dem zolner sein march reht und sein hofstat pfenning samenen helfen RbHohenlohe 36

MWB 2 1756,37; Bearbeiter: Diehl

hovestatzins stM. Abgabe von einer Hofstelle: die hofstatzinse in der stat und die gartenzinse dar umbe UrbHabsb 1:417,2; her Wernher von Wile [...] hat ze pfand an hofstettzinsen in der selben stat 2<1/2> pfund gelts UrkAargau 1,4:25,2 (a. 1281)

MWB 2 1756,46; Bearbeiter: Diehl